ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Januar 2008
31. Januar 2008
Orient und Okzident - Interdisziplinäres Symposion an der Universität Würzburg

Die Julius-Maximiliams-Universität in Würzburg richtet in der Zeit vom 10. bis 13. April 2008 ein interdisziplinäres Symposion aus unter dem Titel "Orient und Okzident - Antagonismus oder Konstrukt? / Machrstrukturen, Ideologien und Kulturtransfer in hellenistischer Zeit".

Auszug aus der Thematik der Veranstaltung
Der Antagonismus von Orient und Okzident, der das moderne Geschichtsbild beeinflußt, ist viel älter und geht letztlich auf das klassisch griechische Geschichtsverständnis seit den Perserkriegen zurück. Die Altertumswissenschaften sind in der Lage, die Unzulänglichkeit dieser historisch gewachsenen Sichtweise aufzuzeigen, indem sie auch in ihren Disziplinen überkommene Vorstellungen hinterfragen. Grundlegend für eine neue Untersuchung ist die Epoche des Hellenismus, als die in erheblichem Maß von griechischer Kultur geprägten Makedonen die Nachfolge der etablierten altorientalischen Reiche, d. h. des ägyptischen, babylonischen und persischen, antraten. Das traditionelle Bild eines einseitigen Kulturexports von West nach Ost ist in diesem Rahmen zu revidieren und durch ein komplexeres Modell von gegenseitigen Einflüssen, Reaktionen und daraus resultierenden Neuerungen zu ersetzen. Es ist deshalb an der Zeit, daß die Altertumswissenschaften die bisher weithin ignorierten tieferen historischen Hintergründe offenlegen und damit zugleich die Chance wahrnehmen, einer breiten Öffentlichkeit die Aktualität der Altertumswissen­schaften zu demonstrieren.

Weitere Einzelzheiten sind nachzulesen auf der Homepage der Uni Würzburg

29. Januar 2008
Funde aus der Cachette werden in Moskau ausgestellt

Das Egyptologist Research Centre of the Russian Academy of Sciences plant eine Ausstellung mit Artefakten, die russische Wissenschaftler bei ihrer Arbeit in der Cachette von Deir el-Bahri in den Jahren 1998 bis 2005 zu Tage gefördert haben. Insgesamt sollen 150 Stücke ausgestellt werden, darunter Skulpturen von Ramses II., Thutmosis III., der Sarg Ramses' II. sowie Schmuck und Haushaltsgegenstände aus dem Neuen Reich. Die Ausstellung soll nach Moskau auch in Deutschland, Frankreich und Großbritannien gezeigt werden. Bereits im November 2006 sprach der russische Präsident Putin von dem Wunsch der Russen, eine derartige Ausstellung auszurichten.

russia-ic

29. Januar 2008
Lob für Deutsches Archäologisches Institut

Der Wissenschaftsrat stellt dem Deutschen Archäologischen Institut ein hervorragendes Zeugnis aus. Der Vorsitzende Peter Strohschneider sagt, ohne die DAI-Außenstellen hätte es in manchen Ländern überhaupt keine Archäologie gegeben. Er weist allerdings auch auf die notorische Mittelknappheit hin. Dem DAI müsse mehr Geld zur Verfügung stehen, damit das hohe Forschungsniveau beibehalten und neue Gebiete erschlossen werden können.

berlinonline

29. Januar 2008
7.000 Jahre alte Ruinen im Fayoum geortet

Ein elektromagnetischer Survey hat Wissenschaftler (University College of Los Angeles und Rijksuniversiteit Groningen) in der Nähe von Karanis auf die Spuren einer Siedlung geführt, die auf 5200 bis 4500 v. Chr. datiert wird. Der Survey erfolgte eigentlich mit dem Ziel, die Fluktuation des Lake Karun zu untersuchen. Die dabei aufgespürte Struktur besteht aus einem Netzwerk von Mauern und Gassen. Schon 1925 waren in der Gegend Ausgrabungen vorgenommen worden, wobei Artefakte aus dem Neolithikum zum Vorschein kamen. Die aktuellen Untersuchungsergebnisse zeigen, dass räumliche Ausdehnung und Zeitraum der Besiedelung weitaus umfassender sind als ursprünglich angenommen.

Frühere Studien haben gezeigt, dass die Gegend irgendwann einmal vom Wasser des Lake Karun überspült gewesen sein muss. Unklar ist noch, wann das der Fall war. Die gefundenen Scherben und Kalksteinsplitter sind mit einer dicken Schicht Kalziumcarbonat überzogen, was auf eine Wassertiefe von 30 bis 40 cm hindeutet.

Die amerikanisch-holländische Mission hat ihre Arbeit weiter auf die griechisch-römische Stadt Karanis (siehe Foto von den Ruinen der Stadt) ausgedehnt, um eine detaillierte Dokumentation anzufertigen. Bei den Ausgrabungen in den 1920er und 1930er Jahren seien noch fast komplette Häuser sichtbar gewesen. Dass das Grabungsgelände seinerzeit nicht wieder verfüllt, sondern offen der Witterung ausgesetzt wurde, hat zu erheblichen Schäden geführt. Die gesamte Siedlungsgröße des Areals nördlich des Lake Karun soll durch Vergleiche der Ergebnisse des elektromagnetischen Survey mit Satellitenaufnahmen ermittelt werden.

Nach einem Meldung von National Geographic (mit Fotogalerie) fand man bei ersten Grabungsarbeiten vor Ort Reste von kultiviertem Getreide sowie von Schweinen, Schafen und Ziegen - alle importiert aus Gebieten des Mittleren Ostens und der heutigen Türkei. Man stieß außerdem auf Lehmfußböden und Feuerstellen.

AFP.
Al-Ahram weekly

27. Januar 2008
Neues zu "KV 64"

Jane Akshar berichtet am 24.01.2008 in ihren Luxornews, dass der SCA noch in diesem Winter eine Radaruntersuchung in der Umgebung des Grabes von Tutanchamun vornehmen will, um die Ergebnisse von Nicholas Reeves' Feldforschung zu überprüfen. Dieser hatte bereits im Jahre 2000 bei einem elektromagnetischen Survey Anomalien im Boden festgestellt und ist der Ansicht, es könnte sich eventuell um einen Hohlraum handeln, also um ein weiteres Grab - eben KV 64 (siehe auch Artikel vom 31.07.2006). Das diesbezügliche Statement von Zahi Hawass fand Jane im Magazin "Horus", dem Bordjournal der Egypt Air.

25. Januar 2008
Die finstere Seite der Sonnenstadt Achetaton

Im Vorfeld einer TV-Dokumentation über die Grabungen in Amarna gibt news.bbc.co.uk einige Details aus dem Inhalt preis. Wie bereits in einem Interview mit archaeology.org im September 2006 angedeutet, berichtet Grabungsleiter Barry Kemp von den offenbar erbärmlichen Lebensumständen der Arbeiter in Achetaton. Das britische Team hatte das Glück, auf die Nekropole der Arbeitersiedlung zu stoßen und konnte die dort vorgefundenen Reste menschlicher Skelette eingehend untersuchen. Es stellte sich heraus, dass die Ernährung der Menschen weder reichhaltig noch üppig war. Bei vielen Arbeitern zeigten sich Wirbelsäulendeformationen und die Häufigkeit des Todes in jungen Jahren lag erschreckend weit über dem Durchschnitt. Es waren nicht viele, die das 35. Lebensjahr überlebten. Zwei Drittel der Bevölkerung wurde keine 20 Jahre alt. Aber die schwere Arbeit - zum Bau von Tempeln und Palästen musste Material aus einem 2,5 km entfernten Steinbruch herangeschleppt werden - könnte nicht der einzige Grund für die ungewöhnlich hohe Sterberate gewesen sein. Die Archäologen schließen inzwischen wohl nicht mehr aus, dass eine Epidemie mit dazu beigetragen haben könnte. Bekanntlich weiß man aus hethitischen Texten, dass dort etwa zur Zeit des Tutanchamun eine Seuche wütete, die möglicherweise durch kriegsgefangene Ägypter eingeschleppt worden war.

Webseite des Amarna Project mit weiteren Details

23. Januar 2006
Emma Brunner Traut verstorben

Laut einer Meldung des Schwäbischen Tagblattes verstarb die Ägyptologin Emma Brunner-Traut im Alter von 96 Jahren am 18.01.2008 in Tübingen.

23. Januar 2006
Groppi-Sammlung im Kestner-Museum Hannover

Der Schweizer Lebensmittelhändler und Kaffeehausbesitzer Achille Groppi hat Anfang des 20. Jahrhunderts eine große Sammlung ägyptischer Kunst zusammengetragen, die heute in der Sammlung Ludwig in Basel beheimatet ist. Aus dieser Sammlung sind nun 150 ausgewählte Stücke im Kestner-Museum in Hannover ausgestellt. Es handelt sich beinahe ausschließlich um Stücke aus Glas von der ptolemäisch-römischen Zeit bis zurück ins pharaonische Ägypten. Der Amarna-Zeit ist eine komplette Vitrine gewidmet. Die Sonderausstellung läuft noch bis zum 04. Mai 2008. Der zugehörige Ausstellungskatalog kostet 30 Euro.

haz.de

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Koordinationsstelle Wissenschaft und Gesellschaft, Ralph Wilhelm, 23.01.2008

Freiraum für die Geisteswissenschaften

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) setzt die Impulse aus dem erfolgreichen "Jahr der Geisteswissenschaften" 2007 konsequent weiter um: Die Förderung der Geisteswissenschaften an Hochschulen und Forschungseinrichtungen soll über das Wissenschaftsjahr hinaus nachhaltig gestärkt werden. Eine aktuelle BMBF-Broschüre stellt die Vielfalt der Forschungs- und Förderaktivitäten in diesem Bereich dar. Kernelement der Initiative sind die Internationalen Kollegs für geisteswissenschaftliche Forschung. Darüber hinaus stehen der Forschung weitere Förderschwerpunkte offen.

Das "Jahr der Geisteswissenschaften" 2007 ist zu Ende gegangen und hat inzwischen der Mathematik den Staffelstab für 2008 übergeben. Die Geisteswissenschaften werden über die zahlreichen öffentlichen Aktivitäten im vergangenen Jahr hinaus dauerhaft hohe Priorität in der Förderpolitik des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erhalten. Das BMBF hat 2007 die Initiative "Freiraum für die Geisteswissenschaften" ins Leben gerufen, mit der es seine Forschungsförderung in diesem Bereich neu ausrichtet. Das Ministerium will den Beitrag der Geisteswissenschaften für die Gestaltung der Zukunft sichtbar machen, aber auch den dafür nötigen Freiraum in den Universitäten sichern. Gleichzeitig kann schon jetzt konkret gezeigt werden, wie die vielfältigen Angebote aus 2007 in Projekte umgesetzt und mit Leben erfüllt werden. Eine aktuelle Publikation des Ministeriums stellt die Förderinitiative vor und verdeutlicht anhand von Beispielen die elementare Bedeutung dieser Wissenschaften. Die Geisteswissenschaften leisten einen zentralen Beitrag zum kulturellen Gedächtnis, sie vermitteln zwischen Kulturen, sie
reflektieren Werte und Entwicklungen in der Gesellschaft und bieten dadurch Orientierung: Auf diese Weise gestalten sie die Zukunft. Darüber hinaus tragen die Geisteswissenschaften wesentlich zur Internationalisierung von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft bei. Gerade im Zusammenspiel mit den Natur- und Technikwissenschaften leisten sie einen bedeutenden Beitrag für gesellschaftliche Zukunftsfragen.

Kernelement der BMBF-Initiative sind die 2007 erstmals ausgeschriebenen "Internationalen Kollegs für geisteswissenschaftliche
Forschung". Herausragende Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler erhalten die Chance, für zunächst sechs Jahre
gemeinsam mit Partnern aus dem In- und Ausland einer selbst gewählten wissenschaftlichen Fragestellung nachzugehen. Insbesondere die kleinen Fächer sind dazu aufgerufen, Vorschläge zu unterbreiten. Die ersten drei dieser Kollegs sind im Herbst 2007 ausgewählt worden, die nächste Auswahlrunde findet im Sommer 2008 statt. Schon seit 2006 arbeiten die Projekte des Förderschwerpunkts "Geisteswissenschaften im gesellschaftlichen Dialog" mit den beiden Rahmenthemen "Anthropologie - Der Wandel der Menschenbilder unter dem Einfluss von Informationstechnologie und moderner Naturwissenschaft" sowie "Europa - Kulturelle und soziale Bestimmungen Europas und des Europäischen". Das Thema Europa soll in Kürze durch die Einrichtung
von Nachwuchsgruppen ergänzt werden und sich thematisch mit dem Blick von außen auf Europa beschäftigen. Das BMBF fördert darüber hinaus in den Geisteswissenschaften zwei neue Themenschwerpunkte: die "Übersetzungsfunktion der
Geisteswissenschaften" sowie "Wechselwirkungen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften". Neben der Förderinitiative stellt die Broschüre auch die Forschungsarbeit der Geisteswissenschaftlichen Zentren vor, die vom BMBF zusammen mit den jeweiligen Ländern gefördert werden. Dabei handelt es sich um das Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (Berlin), das Zentrum Moderner Orient (Berlin), das Zentrum für Sprachwissenschaft (Berlin) sowie das Geisteswissenschaftliche Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (Leipzig).

Die Broschüre "Freiraum für die Geisteswissenschaften" (hrsg. vom BMBF-Referat Öffentlichkeitsarbeit) ist schriftlich zu bestellen
unter: Postfach 30 02 35, 53182 Bonn, oder im Internet abrufbar unter: www.bmbf.de/publikationen/index

Weitere Informationen zur Förderinitiative:
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V., Projektträger im DLR, Arbeitsgruppe Geistes- und Sozialwissenschaften, Heinrich-Konen-Str. 1, 53227 Bonn, Telefon: 0228-38 21 580, Fax: 0228-38 21 500

Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter: http://idw-online.de/pages/de/news243889

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter: http://idw-online.de/pages/de/institution983

Informationsdienst Wissenschaft e.V. http://idw-online.de

21. Januar 2008
Erneute Funde im Fayoum

Im Fayoum fand eine ägyptische Grabungsmission wiederum Särge mit Mumien aus griechisch-römischer Zeit, darunter eine mit vergoldeter Maske. Eine der Mumien befand sich in schlechtem Zustand. Man fand außerdem Schmuck und Kleidungsreste.

Die entsprechende Nekropole befindet sich in Deir Al-Banat, wo es eine Reihe von Felsgräbern gibt. Sie stammen aus der Periode von der ptolemäischen bis in die frühchristliche Zeit.

Egypt State Information Service
Al-Ahram weekly

21. Januar 2008
University of Memphis trennt sich von Dr. Otto Schaden

Wegen scheinbar schwerwiegender Differenzen hat die University of Memphis den Vertrag mit Dr. Otto Schaden, Grabungsleiter von KV 63, nicht verlängert. Die ägyptische Antikenbehörde schreibt allerdings vor, dass Grabungen nur unter dem Dach einer Fachinstitution stattfinden dürfen. Aus diesem Grunde hat numehr der SCA selbst das Projekt - mit Otto Schaden als dessen Leiter - übernommen. Schaden wird dieser Tage nach Ägypten zurückkehren.

commercialappeal.com

19. Januar 2008
Spanien plant ägyptologisches Institut in Kairo

Spanien möchte ein Ägyptologisches Institut in Kairo etablieren. Das neue Institut soll unter Federführung der Spanischen Archäologischen Mission in Kairo operieren. Es fanden erste Gespräche zwischen den Fachministern Spaniens und Ägyptens statt.

ansamed.info

19. Januar 2008
Einige weitere Details zum Grabfund in Abusir

Zum Grabinhaber Neferinpu meint Salima Ikram von der American University in Kairo, er sei wohl reich gewesen, gehörte aber eher nicht zur Oberklasse. Und Miroslav Barta konstatiert, es sei äußerst selten, ein unberührtes Grab eines höheren Beamten zu finden. "Es gab kein Gold und kein Silber, aber der Reichtum an Informationen macht die Grabkammer in diesem Zusammenhang einzigartig", sagt er.

Im Grab fand man Dutzende von Zeremonialobjekten wie zehn noch versiegelte Bierkrüge, mehr als 80 Miniaturkrüge aus Kalkstein, einen kleinen Parfumbehälter sowie Teller und Becher für das symbolische Opfer von Speisen und Getränken. Weiterhin befanden sich auch vier Kanopenkrüge im Grab. Die Mumie selbst allerdings ist in einem sehr schlechten Zustand. Als der Verstorbene beigesetzt wurde, war die Mumifizierungstechnik der Ägypter noch bei weitem nicht so ausgereift wie in späterer Zeit. Der Körper war mit Hunderten von Fayenceperlen bedeckt; an seiner Seite lag ein Gehstock mit einer Länge von gut 1,80 m, an dessen Spitze kleine Goldpartikel festgestellt wurden. Außerdem lag ein hölzernes Szepter im Sarg, das Neferinpu als Zeichen seiner Würde in der linken Hand gehalten haben könnte.

"Das Ganze gibt einen guten Einblick in die Struktur der ägyptischen Gesellschaft," sagt Salima Ikram. "Es gibt uns eine Vorstellung von den Menschen, die nicht Teil der obersten Schicht waren, und auch davon, was innerhalb dieser Bevölkerungsschicht als üblich und angemessen erachtet wurde.

thaindian.com
Unter radio.cz ist ein Foto zu finden

18. Januar 2008
Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Dr. Michael Schwarz

Internationale Konferenz "Ritual Dynamics and the Science of Ritual"

Heidelberg, 29. September bis 2. Oktober 2008 - Sonderforschungsbereich 619 zeigt das Spannungsverhältnis von
Ritualdynamik und Ritualwissenschaften auf und geht in der Forschung neue Wege

Mit der internationalen Konferenz "Ritual Dynamics and the Science of Ritual" (übers. Ritualdynamiken und Ritualwissenschaft) lädt der Sonderforschungsbereich 619 "Ritualdynamik" der Universität Heidelberg (SFB 619) vom 29. September bis 2. Oktober 2008 Fachleute aus aller Welt nach Heidelberg, um die bisherigen Forschungsergebnisse zu diskutieren und einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Mit der Konferenz will der SFB 619 die interdisziplinäre Ausrichtung ausweiten und vertiefen.

Als interdisziplinäre Forschungseinrichtung im Jahr 2002 gegründet, ist der SFB 619 der weltweit größte Forschungsverbund, der sich ausschließlich mit dem Thema Rituale, deren Veränderungen und ihrer Dynamik befasst. Im Sinne einer kulturübergreifenden Theoriebildung betreibt der SFB 619 Grundlagenforschung und liefert Erklärungsmodelle für die Bedeutung rituellen Handelns, etwa in seiner machtlegitimierenden, identitätsstiftenden, krisentherapeutischen und ordnungserhaltenden Funktion. In 19 Teilprojekten arbeiten derzeit über 90 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fachdisziplinen Ägyptologie, Assyriologie, Ethnologie Südasiens, Alte-, Mittlere- und Neuere Geschichte, Geschichte Südasiens, Islamwissenschaft, Klassische und Moderne Indologie, Ostasiatische Kunstgeschichte,  Medizinische Psychologie, Musikwissenschaft, Religionswissenschaft und Theologie.

Renommierte Fachleute auf dem Gebiet der Ritualforschung, wie die Professoren Ronald Grimes (Kanada), Bruce Kapferer (Norwegen), Frits Staal (USA), Alexis Sanderson und James Laidlaw (Großbritannien) haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Ritualpraxis sollen wesentliche Impulse einbringen. Die fächerübergreifende Zusammenarbeit soll in 21 zum Teil mehrtägigen Themenblöcken (Panels) fokussiert werden. Rund 250 Experten werden ihre Forschungsergebnisse in den Panels als Kurzreferate vortragen und zur Diskussion stellen. Dabei werden jüngste Forschungsansätze wie Ritualökonomie (ritual economics), Ritualdesign und Wissenschaftsrituale (scientific rituals) vorgestellt und neue Themenfelder wie interkultureller Ritualtransfer, rituelle Handlungskraft (ritual agency) und die Verbindung von Ritualen und
Neuen Medien diskutiert. Neu wird für viele beteiligte Disziplinen die Erkenntnis sein, Vorgänge oder Handlungen, aber auch performative Kunstwerke, als Rituale zu betrachten.

Um die gesellschaftliche Relevanz der Ritualforschung eindrücklich zu machen und den universitären Bildungsauftrag ernst zu nehmen, will der SFB 619 seine Forschungsinhalte vor allem mit dem Rahmenprogramm auch über den akademischen Rahmen hinaus bekannt machen. Ab 15. Februar 2008 startet der offizielle Anmeldezeitraum. Interessierte können sich unter http://www.rituals-2008.com vorab informieren und für den Newsletter zur Konferenz einschreiben.

Pressekontakt:
Alexandra Heidle, M.A.
Geschäftsführerin SFB 619 "Ritualdynamik"
Tel. 06221 548847, Fax 548799
heidle@uni-heidelberg.de

Allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Irene Thewalt
Tel. 06221 542310, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de

Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter: http://idw-online.de/pages/de/news243335

Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw - http://idw-online.de

18. Januar 2008
Zwei Objekte aus USA gehen zurück an Ägypten

Die ägyptische Botschaft in New York hat zwei ptolemäische Bronzefiguren der Bastet in Form einer Katze eingezogen, die sich im Museum der Illinois University befanden. Das Museum hatte sie 1996 von einem Privatmann erworben; sie stellten sich als gestohlen heraus. Dies meldet der Egypt State Information Service. In der gleichen Meldung wird auch von einem Farmer berichtet, der bei der Feldarbeit auf einen Schatz aus byzantinischer Zeit stieß. Er fand 913 Goldmünzen mit einem Gesamtgewicht von 5 kg.

17. Januar 2008
Bildschirmzeremonien

Unter diesem Titel publiziert Al-Ahram Weekly in seiner Ausgabe 880 einen längeren Artikel von Jill Kamil. Kamil vermittelt darin eine sehr detaillierte Beschreibung der Dokumentation, die Bergungs-, Freilegungs- und Restaurierungsarbeiten in KV 63 zum Inhalt hatte und millionenfach über die Bildschirme flimmerte. Ein leicht ironisch-kritischer Unterton ist zwischen den Zeilen vernehmbar, wenn mehrfach gerätselt wird, wie es denn möglich sei, derart sensible wissenschaftliche Arbeiten mit der Kamera festzuhalten, wo doch die Vorschriften des SCA ansonsten so überaus restriktiv seien. Alle Ausgräber im Lande könnten schließlich ein Lied davon singen.

In einem abschließenden Postscript findet man noch einmal die unterschiedlichen Aussagen chronologisch aufgelistet, die SCA-Generalsekretär Zahi Hawass seit dem Fund des Schachtes gemacht hatte:
  • es ist das Grab bedeutender Beamter
  • nein, es ist ein Balsamierungsdepot
  • nun schließlich ist es das Grab der Mutter Tutanchamuns, Kija
Zu Recht wird in dem Artikel darauf hingewiesen, wie unsicher die Annahme ist, dass Kija tatsächlich die Mutter des jungen Königs war.

10. Januar 2008
Absichtserklärung zwischen der Schweiz und Ägypten unterzeichnet

Passend zum Artikel vom 09.01.2008 meldet der Egypt State Information Service, dass anlässlich des Besuches des Schweizer Präsidenten Pascal Couchepin eine Absichtserklärung zwecks Schutz und Auffindung von Objekten, die Ägypten illegal verlassen haben, unterzeichnet wurde. Der Präsident ließ verlauten, die Schweiz habe inzwischen mehr als 1.000 Stücke nach Ägypten zurückgeführt. Das endgültige Abkommen soll im April in Genf unterzeichnet werden. Bekanntgegeben wurde dies auf einer Pressekonferenz am 09.01.2008. Bei der Gelegenheit wurde auch erwähnt, dass das Auge einer Statue von Amenophis III., das in die Schweiz geschmuggelt worden war, in Ägypten restauriert werden wird. Nähere Details werden nicht genannt.

09. Januar 2008
Keine ägyptischen Kulturgüter illegal in Schweizer Museen

In Schweizer Museen gibt es keine ägyptischen Stücke, die illegal außer Landes geschmuggelt wurden. Dies ist einer kurzen Meldung von news.search.ch zu entnehmen. Alle Objekte sind entweder Geschenke der ägyptischen Behörden oder Ergebnis von legalen Grabungen Schweizer Archäologen. Seit 2005 gibt es in der Schweiz ein Gesetz zum Kulturgütertransfer.


05. Januar 2008
Intaktes Grab in Abusir gefunden

Das seit den 1970er Jahren in Abusir tätige Team des Czech Institute of Egyptology stieß während seiner Grabungsarbeiten auf die intakte Grabkammer des Priesters Neferinpu. Am Fuß eines 10 m tiefen Schachtes fand man den aufgemauerten Zugang und dahinter die 2 x 4 m große Kammer. Neferinpu lebte und arbeitete etwa um 2500 v. Chr. im Pyramidenbezirk von Abusir.

Den Grabkomplex hatten die Wissenschaftler bereits 2006 entdeckt. Auf die Grabkammer, die noch den Sarkophag und die Grabausstattung des Priesters enthielt, stieß man im letzten November. Die Arbeiten gestalteten sich als schwierig, denn der Raum war mit Artefakten vollgestopft. Die Räumung erforderte daher äusserste Sorgfalt; jedes Stück wurde fotografiert, gezeichnet und nummeriert. Erst nach drei Tagen war man soweit, den Deckel des Sarkophages abzuheben. Darin befanden sich neben den sterblichen Überresten des Neferinpu auch Schmuckgegenstände.

Der Fund wurde erst jetzt publik gemacht, da zunächst die detaillierte Dokumentation abgeschlossen sein sollte.

topix.com
earthtimes.org

05. Januar 2008
Interview mit "Mr. Mummy" Bob Brier

Im Courier-Journal ist ein Interview mit Bob Brier zu finden. Man erfährt im großen und ganzen nichts Neues. Nur eine Information lässt den Leser aufhorchen: Brier möchte erforschen, ob es bereits zur Zeit der alten Ägypten Anzeichen für die Alzheimer Krankheit gibt. Dies erweist sich erwartungsgemäß als schwierig. Die Ägypter entfernten in der Regel die Gehirne ihrer Verstorbenen bei der Mumifizierung. Das Gehirn ist jedoch das einzige Organ, das Brier über das Leiden Auskunft geben könnte. Er muss also auf die Suche gehen nach Mumien ärmerer Leute, die sich keine aufwändige Mumifizierung leisten konnten und in deren sterblicher Hülle das Gehirn noch vorhanden ist. Sie müssen außerdem mindestens 60 Jahre alt geworden sein. Ein schwieriges Unterfangen. Bisher hat Brier zwei derartige Mumien untersucht, fand jedoch keinen Hinweis auf die Alzheimer Krankheit.

01. Januar 2008
Besichtigung des Tempels von Edfu auch bei Dunkelheit

Seit dem 01.01.2007* kann der Tempel von Edfu auch "bei Nacht" besichtigt werden. Dies meldet der Egypt State Information Service. Dafür wurde eine modernes Beleuchtungs- und Sicherheitssystem geschaffen. Auch die Anlegeplätze für Nilschiffe wurden entsprechend hergerichtet. Über die Öffnungszeiten wird nichts berichtet, so dass nicht ganz klar wird, ob er tatsächlich die ganze Nacht hindurch besichtigt werden kann.

*Eine Meldung, die als aktuell durch die Medien ging, aber schon ein Jahr alt ist.