ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Januar 2009
29. Januar 2009
Ein 2.300 Jahre altes Konterfei?
Im Otago Museum in Neuseeland wurde einer vorptolemäischen Mumie mit Hilfe von Computertechnik und Künstlerhand ein Gesicht gegeben. Das Ergebnis ist in den Pressemeldungen zu begutachten.
odt (Foto)
3news (Video)

28. Januar 2009
Keine Rivalität zwischen den "zwei Ländern" in grauer Vorzeit
Nach den Funden und Befunden der polnischen Ausgräber von Tel el-Farkha gab es den klassischen gewaltsamen Konflikt zwischen Ober- und Unterägypten wahrscheinlich so nicht. Vermutlich  standen die oberägyptischen Stämme in engen Handelsbeziehungen zu den unterägyptischen. Später wurde der Drang nach Luxusgütern aus der Levante stärker, was die oberägyptische Elite unaufhörlich nach Norden zog. Die Einwohner des frühen Buto akzeptieren die Zuwanderer und schufen damit die Grundlage dafür, dass die Oberägypter ihnen Konkurrenz machten und schließlich die Handelswege in die Levante kontrollierten. Die kulturelle Vereinigung "beider Länder" fand demnach schon vor Narmer statt, der jedoch als erster Reichseiniger in die Annalen einging.
Al-Ahram Weekly mit einem langen, detailreichen Artikel
Grabungsseite des Poznan Archaeological Museum

28. Januar 2009
Falsche "Amarnaprinzessin" wird wieder ausgestellt
Im Jahre 2006 (siehe Meldung vom 24.03.2006) musste das britische Bolton Museum schmerzlich feststellen, dass es für viel Geld eine Fälschung angekauft hatte. Die kopflose Statue war für eine Prinzessin aus der Amarnazeit gehalten worden. Nachdem sie als Fälschung erkannt worden war, verschwand sie in polizeilichem Gewahrsam. Das Museum möchte das Stück nun gern ausleihen, um es publikamswirksam wieder ausstellen zu können.
theboltonnews
telegraph

28. Januar 2009
Finnische Archäologen im "Feldlager" von Deir el-Medina

An einem hochgelegenen Platz etwa auf halbem Wege zwischen der Arbeitersiedlung Deir el-Medina und dem Tal der Könige befinden sich die inzwischen sehr verfallenen Reste des sogenannten "Feldlagers" (Foto). Die Handwerker an den Königsgräbern nutzten es einst wahrscheinlich, um während der Woche nach getaner Tagesarbeit nicht den ganzen Weg nach Hause zurücklegen zu müssen. Sie übernachteten hier, nahmen ihre Mahlzeiten ein und gingen am Morgen wieder zurück an ihre Arbeit in den Königsgräbern. Nachdem Bernard Bruyère die Ruinen der Hütten 1935 entdeckt hatte, hat dort offensichtlich keine intensive wissenschaftliche Bearbeitung mehr stattgefunden. Ein Team der Universität von Helsinki nimmt sich nun diesem sicher nicht uninteressanten archäologischen Areal an und hat gerade die erste Kampagne beendet. Die Finnen möchten mehr herausfinden über die Lebensumstände der Arbeiter. Außerdem interessiert sie, weshalb sie ihre Hütten gerade an diesem zugigen Platz bauten. Es sind vier weitere dreimonatige Kampagnen geplant; die nächste beginnt im kommenden Oktober.
helsinki
wissenschaft-aktuell

26. Januar 2009
Zweiter Pier vor Karnak freigelegt

Die ägyptische Grabungsmission vor dem Tempel von Karnak, die bereits Kaianlagen und eine ptolemäische Badanlage freigelegt hat, legte eine zweite Anlegestelle frei. Das diese sehr tief liegt, geht Grabungsleiter Mansour Boraik davon aus, dass sie bei Niedrigwasser benutzt wurde. Die Plattform, auf die zwei gegenläufige Treppen hinab führen, ist nur 2,5 x 5 m groß. In der Kaimauer befindet sich eine Anzahl Löcher, die wohl als Festmacher gedient haben. Der Hauptanleger für schwere und große Güter dürfte der höhergelegene und bei Hochwasser genutzte gewesen sein. Die gesamte Anlage wurde aus Sandstein vom Gebel Silsileh erbaut.

Bei den Grabungen stieß man am Kai auch auf ptolemäische und römische Siedlungsreste.




Das Foto zeigt den jetzt freigelegten Pier im November 2007,
als der tiefer liegende Bereich noch mit Grundwasser gefüllt war.
reuters
thaindian
culture.france (in französischer Sprache, mit einem sehr beeindruckenden Foto)
Al-Ahram weekly

20. Januar 2009
Bulgarien lehnt Auslieferungsersuchen Ägyptens ab
Ein in Ägypten im Jahre 2004 in Abwesenheit wegen Antiquitätenschmuggels zu 15 Jahren Gefängnis verurteilter Libanese mit Schweizer Wohnsitz war in Bulgarien zunächst festgenommen worden. Das Auslieferungsersuchen der ägyptischen Behörden wurde offensichtlich jedoch abgelehnt, da die Verurteilung - so der Anwalt des Beschuldigten - rechtswidrig gewesen sei. Sein Mandant befände sich inzwischen als freier Mann in der Schweiz.
reuters
nypost
Gegendarstellung des Unternehmens Phoenix Ancient Art, für das der Beschuldigte tätig ist.

20. Januar 2009
Ayn al-Sukhna / Ain Suchna - Ergänzung zum Beitrag vom 13.01.2009
Der Fund einer "Werft" konnte inzwischen präzisiert werden. Die Stukturen in Ain Suchna dürften von einer Handels- und eventuell Veredelungsstation stammen, an der Schiffe aus dem Sinai anlandeten. Die auf der Sinai-Halbinsel gewonnen Kupfererze waren offensichlich zeitweilig in diesem Ort verhüttet worden. Auch Türkis aus den Sinai-Vorkommen gehörte sicherlich zu den umgeschlagenen Gütern. Die ausgegrabenen schmalen "Galerien" dienten wahrscheinlich zur Aufnahme der in Einzelteile zerlegten Schiffe, denn man fand dort sorgfältig demontierte Schiffsteile; eines der Schiffe hatte eine Länge von 15 m. Die Anlage hat große Ähnlichkeit mit Funden in Mersa Gawasis Hunderte von Kilometern südlich am Roten Meer (siehe dazu die aktuellste Meldung vom 30.12.2008). Auch in Mersa/Wadi Gawasis wurden derartige Höhlen augegraben, in denen offensichtlich Schiffsmaterialien gelagert worden waren; an dieser Stelle befand sich vielleicht die Ausgangsbasis für die Fahrten in das Land Punt.

Ohne dass ich die Befunde beider Ausgrabungsstätten im wissenschaftlichen Detail beurteilen könnte, drängt sich mir die Vermutung auf, als hielten die Ägypter nichts davon, ihre Seeschiffe über einen längeren Zeitraum in einem Hafen oder auf der Reede ankern zu lassen.

guardians (Presseverlautbarung von Zahi Hawass)
Grabungsseite Ain Suchna des Institut Francais (französisch)
dito (deutsche Übersetzung via Google)


19. Januar 2009
Rückforderung von ägyptischen Artefakten an ein schwedisches Museum
Insgesamt 212 Stücke möchte die ägyptischen Antikenbehörde aus Schweden zurückfordern. Es soll sich um illegal ausgeführte Funde von Otto Smith handeln, der in den 1920er in Saqqara und Luxor gegraben hatte. Smith hatte sie zunächst seiner eigenen Sammlung einverleibt; nach seinem Tod im Jahre 1959 wurden sie von seiner Familie dem Ostergotlands Museum in Stockholm als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Einige Stücke sollen dort im Restaurant ausgestellt worden sein. Inzwischen äußerten nach Angaben von Zahi Hawass auch die Hinterbliebenen, die Sammlung an Ägypten zurückzugeben.
pr-inside

19. Januar 2009
Mumienuntersuchung in Gotha
Die Ägyptische Sammlung Schloss Friedenstein in Gotha umfasst annähernd 2.000 Objekte, darunter Statuen, Amulette und Mumien. Der Zeitraum, aus dem die Artefakte stammen, reicht vom 3. Jahrtausend v.Chr. bis in die römische Zeit. Eine der Mumien aus vorptolemäischer Zeit soll nun genauer untersucht werden. Es geht in erster Linie um die Sarginschriften, auf denen der Körper ruht. Eine Studentin der Ägyptologie an der Universität Leipzig wird die Ergebnisse in ihre Magisterarbeit einfließen lassen. Das Museum hat enge Kontakte zu verschiedenen ägyptologischen Instituten und gewährt vielfältige Möglichkeiten der Kooperation.
mdr

16. Januar 2009
Entlassungen im Penn Museum
Das Penn Museum of Archaeology and Anthropology hatte im November 2008 beschlossen, 18 Forschern die Kündigung auszusprechen bzw. ihre Planstellen zu streichen. Am 07.01.2009 wurde eine Petition gegen diese Maßnahme, zu der sich das Museum nach eigenen Angaben aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sah, veröffentlicht; sie hat inzwischen 2.000 Unterstützer gefunden hat. In einem Online-Artikel von The Daily Pennsylvanian äußern sich verschiedene Wissenschaftler zu dem Vorgang. Immerhin hat das Museum seine Entscheidung zwischenzeitlich insofern revidiert, als fünf der 18 Betroffenen ihre Arbeit fortsetzen können.

Es wird nicht lange dauern, bis die Weltfinanzkrise nicht nur die Realwirtschaft, sondern auch die Kulturbetriebe überrollt.

13. Januar 2009
Schiffswerft aus dem Alten Reich freigelegt
In Ain al-Sukhna, einem Küstenort am Golf von Suez etwa 120 km von Kairo entfernt, legte ein ägyptisch-französisches Team eine Schiffswerft frei. Die Ruinen sind rund 4.500 Jahre alt. Man fand Tongefäße mit den Namen verschiedener Könige (sie werden nicht genannt) aus der 4. und 5. Dynastie. Es konnten verschiedene Räume identifiziert werden, in denen Schiffe und Taue bzw. Handelswaren gelagert waren. Offensichtlich waren hier auch Kupferschmieden und Schiffsreparaturwerkstätten angesiedelt. Bereits seit 2001 wird hier gegraben und vor drei Jahren fand man Schiffsteile und Steinanker aus dem Alten und Mittleren Reich.

Es ist spekulativ, aber ich komme nicht daran vorbei, aufgrund dieser Meldung eine Verbindung zu einem hohen Beamten aus der Zeit des Pepi II. (um 2200 v.Chr.), Pepinacht, genannt Hekaib, zu suchen. Dieser wurde von seinem König in "das Land der Aamu" gesandt, um den gefallenen "Einzigen Freund, Kommandeur der Matrosen und Expeditionsleiter" Ananchet sowie wahrscheinlich die Leichen der ebenfalls ums Leben gekommenen Mannschaft Ananchets nach Ägypten zurückzuholen. Ananchet und seine Mannschaft waren damit beauftragt, Schiffe für Punt, also seegängige Schiffe, zu bauen, wobei sie von "Sandbewohnern" überfallen und umgebracht wurden. Der genau Ort, wo sich das Gemetzel abgespielt hat, ist der biografischen Inschrift des Pepinacht leider nicht zu entnehmen.
n-tv
xinhuanet

12. Januar 2009
Sichergestelltes Diebesgut aus dem Irak von SCA zurückgegeben
In einer Zeremonie übergab Zahi Hawass von der ägyptischen Antikenbehörde eine 10 cm große mesopotamische Bronzestatue an den irakischen Geschäftsträger in Kairo, Abdel Haid Ahmed. Die Antiquität war im Jahre 2005 im ägyptischen Hafen Nuweiba bei einem Ägypter sichergestellt worden, der sie ins Land schmuggeln wollte. Das Stück stammt wahrscheinlich aus einer der vielen Plünderungen, die sich während des letzten Irakkrieges abgespielt haben. Seinerzeit waren unzählige Artefakte aus dem Irak gestohlen worden, von denen nach Angaben der UNESCO nach wie vor Tausende vermisst werden.
iht
xinhuanet (mit sehr schönen Fotos)

08. Januar 2009
Mögliche Mumie der Sescheschet in Saqqara gefunden
Nachdem im November 2008 zunächst eine Königinnenpyramide nahe der Pyramide des Teti (6. Dynastie) in Saqqara freigelegt werden konnte (siehe Beitrag vom 11.11.2008), wurde dem ägyptischen Grabungsteam nun ein weiterer Erfolg beschert. In der Grabkammer stießen sie auf einen Granitsarkophag. Als die Archäologen den tonnenschweren Deckel abgehoben hatten, kamen Teile eines weiblichen Skeletts zum Vorschein. Man fand den Schädel, Bein- und Beckenknochen; weitere Skelettreste waren in Mumienbinden gewickelt. Unter den Funden waren außerdem Keramik und goldene Fingerhülsen, wie sie Toten gelegentlich über die Finger gestülpt waren (siehe Beispiel im Grabschatz des Tutanchamun). Ganz offensichtlich war das Grab bereits in der Antike fast aller Grabbeigaben beraubt worden. Obwohl inschriftlich nicht genannt, geht Zahi Hawass (SCA) davon aus, dass es sich um die sterbliche Hülle der Mutter von Teti, Sescheschet, handelt.
Englisch- und deutschsprachige Artikel (mit Fotos):
reuters
straitstimes
welt
nzz

07. Januar 2009
Arbeiten an KV 10 / KV 63 wieder aufgenommen
Am 06.01.2009 traf zunächst Dr. Otto Schaden wieder in Luxor ein, um die kommende Kampagne in Angriff zu nehmen. Ende der Woche wird auch der Rest der Mannschaft vor Ort sein. Schadens erster Kommentar zu den "Lagerräumen" in KV 10: "Sehr staubig!"
Homepage KV 63

04. Januar 2009
Arbeiten am Gedächtnistempel Tuthmosis' III.
Eine Joint Mission des SCA und der Academy of Fine Arts Santa Isabel de Hungria, Sevilla, arbeitet derzeit am Gedächtnistempel Tuthmosis' III., dessen Reste sich an der Asphaltstraße südlich des Asasif in West-Theben befinden. Jane Akshar hat nach einem Rundgang über das Gelände einige aktuelle Fotos auf ihrer Blogseite veröffentlicht.

Zwei Fotos vom Tempelgelände, aufgenommen im November 2006:


Blick aus dem rückwärtigen Teil des Tempels in Richtung der Pylone
1. und 2. Pylon links hinten an der Straße
Teil der Umfassungsmauer oberes Bilddrittel rechts

verstürzte Blöcke: links vielleicht der Rest eines Deckenbalkens mit Sternenhimmel, rechts ein Block aus einem ursprünglich mächtigen Gemäuer mit Resten einer Inschrift

02. Januar 2009
Tempel in Tell el-Balamun geophysikalisch geortet
Dem polnischen Wissenschaftler Tomasz Herbich von der Polish Academy of Science und seinen Mitarbeitern gelang mit Hilfe geophysikalischer Messungen, was einem Archäologenteam in zwölf Kampagnen seit 1991 nicht vergönnt war. Nach vier Kampagnen konnten die Polen Strukturen von Hunderten von Kammern und Dutzenden von Gebäuden sichtbar machen, die wohl aus der 26. und der 30. Dynastie stammen. Die äußeren Mauern, die ein Areal von 420 x 450 m umspannten, wurden in alter Bauweise wiederhergestellt. Bereits 1913 grub Howard Carter in Tell el-Balamun. Seine Arbeit erbrachte keine spektakulären Ergebnisse, im Gegenteil, in Unkenntnis adäquater Grabungsmethoden wurde vieles von der Ziegelstruktur zerstört.
nauskawpolsce (Meldung ist bereits vom 31.12.2008)

02. Januar 2009
Noch einmal zur Grabung in Herakleopolis Magna
Nach weiteren Online-Meldungen ist nunmehr relativ klar, dass zumindest der Fund einer weiteren Scheintür wirklich neu ist. Vergleicht man die Fotos der früheren Medienbeiträge mit den aktuellen, wird dies deutlich. Auch bei der Betrachtung der Abbildungen von der Grabungsstätte ist dies augenfällig, denn die Archäologen sind inzwischen in tiefere Schichten vorgedrungen.
dailystaregypt

02. Januar 2009
Ein neuer Fund in Herakleopolis Magna
Auf dem Grabungsareal der Mission des National Archaeological Museum, Madrid (ein Friedhof aus der Ersten Zwischenzeit) wurde ein Block mit verschiedenen Titulaturen Ramses' II. gefunden.
Egypt State Information Service
Über die Arbeit der Spanier habe ich bereits verschiedentlich berichtet, zuletzt am 23.02.2008.
Ob die in der neuen ESIS-Meldung erwähnten sonstigen Funde (z.B. Scheintür, Skelette bzw. Sekelettfragmente) aktuell sind oder ob es sich um Artefakte handelt, deren Auffinden bereits mit den früheren Pressemitteilungen publiziert wurde, ist nicht klar ersichtlich.

01. Januar 2009
Woran starb die Herrin des Hauses Irtyersenu?
Im British Museum werden derzeit die Reste einer weiblichen Mumie aus dem frühen 6. Jahrhundert v.Chr. untersucht. Das Museum erwarb die sterblichen Reste Mitte des 19. Jahrhunderts  von dem Mediziner Augustus Granville. Granville hatte die Mumie aus dem noch verschlossenen Sarg genommen, sie ausgewickelt und verschiedene Untersuchungen vorgenommen. Er stellte fest, dass die inneren Organe noch vorhanden waren und diagnostizierte einen Tumor an den Eierstöcken der Frau. Als Todesursache kam für ihn daraufhin nur Krebs in Frage. Dieser Befund an einer Mumie war für die Zeit Granvilles eine Sensation. Bei den Analysen, die seit 1990 laufen, kamen die Wissenschaftler allerdings zu dem Schluss, dass der Tumor nicht tödlich war. Allerdings fand man an der Lunge Anzeichen einer Entzündung, möglicherweise einer Lungenentzündug. Man stieß auch auf Spuren von Tuberkulosebakterien; möglicherweise litt die Frau auch an Malaria. Allerdings könne man nicht sagen, welches Leiden zum Tod führte, meint John Taylor vom British Museum.
Die Untersuchungsergebnisse sollen im nächsten Jahr veröffentlicht werden.
newscientist