ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Januar 2011
Mit den ersten Großdemonstrationen am 25. Januar 2011 begann die ägyptische Revolution. Die darauf folgenden Tage waren geprägt von heftigen Unruhen, als das Regime zunächst versuchte, die Demonstrationen mit Gewalt zu beenden. Die Lage beruhigte sich glücklicherweise und seit dem Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak am 11. Feburar 2011 versucht Ägypten, auf einer neuen Basis zur Normalität zurückzukehren. Während der Unruhen mussten verschiedene Gabrungsmissionen ihre Arbeit unterbrechen; eine Anzahl von archäologischen Stätten und Museen haben durch Plünderungen und Vandalismus Schaden genommen. Das Ausmaß ist noch immer unklar. Unzählige, teilweise sehr widersprüchliche Aussagen gingen durch die Medien. Ich möchte auf diese Berichte mangels zuverlässiger Angaben nicht eingehen. Stattdessen verweise ich auf die Plünderungsdatenbank von Kate Phizerhackerley, in der alle erreichbaren Informationen zu diesem Thema sorgfältig zusammengetragen sind.


27. Januar 2011
Weitere Kammern in der Großen Pyramide?

Jean-Pierre Houdin, vor einigen Jahren bekannt geworden durch eine besondere Pyramidenbautheorie (siehe Beitrag vom 10.05.2007), möchte die Große Pyramide in Giza neu erkunden. Er vermutet darin geheime Kammern mit Grabbeigaben. Als Grundlage dienen ihm eine 3D-Simulation und Daten des amerikanischen Ägyptologen Bob Brier (siehe Beitrag vom 16.06.2009). Die ägyptische Antikenbehörde hat derartige Ansinnen bisher ausnahmslos abgelehnt.
derstandard
cosmiclog.msnbc (mit Computersimulation)



26. Januar 2011
Der ägyptische "Schakal" ist ein Wolf

Der "Schakal", wahrscheinlich dasVorbild für den ägyptischen Gott Anubis, ist gar keiner; er gehört zur Familie der Grauwölfe. Eine Genanalyse des Centre for Ecological and Evolutionary Synthesis (CEES), Oslo, führte zu dieser neuen Erkenntnis.
mongabay



26. Januar 2011
Herber Schlag für österreichische Ausstellung

Die geplante Ausstellung "Gott und Götter am Nil" in der Kunsthalle des österreichischen Loeben kann nicht wie geplant stattfinden. Die Exponate dazu sollten aus dem Museum in Kairo kommen. Durch die Unruhen und durch Veränderungen in der Führungsetage des Kairener Museums (Direktorin Dr. Wafaa el-Saddik ist zum 31.12.2010 ausgeschieden) kommt diese Ausleihe nun nicht zustande. Stattdessen wird man ab 16.04.2011 die Mannheimer Ausstellung "Die Rückkehr der Götter" zeigen.
kleinezeitung



25. Januar 2011
Flaggenmasten am Opet-Prozessionsweg in Luxor

Jane Akshar hat in ihrem Blog eine Reihe sehr schöner Fotos von der in Rekonstruktion befindlichen Sphingenallee zwischen den Tempeln von Karnak und Luxor veröffentlicht. Eine der interessantesten Aussagen zu den Fotos ist, dass man bei den Ausgrabungen auf Fundamente von Flaggenmasten gestoßen ist; sie sind nicht nebeneinander, sondern versetzt angeordnet.


Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Technischen Universität Berlin
24. Januar 2011
TU Berlin: Mineralogen halfen mit, die Götter vom Tell Halaf zu retten

Die in einem einzigartigen Restaurierungsprojekt wieder zusammengesetzten monumentalen Skulpturen sind ab dem 28. Januar 2011 in Berlin zu sehen. 70 Jahre nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg werden die monumentalen Statuen vom Tell Halaf ab dem 28. Januar 2011 wieder in Berlin zu sehen sein. Das Vorderasiatische Museum Berlin zeigt im Pergamonmuseum die Ausstellung „Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf“.

Zeit: 28. Januar 2011 bis 14. August 2011
Ort: Museumsinsel Berlin, Pergamonmuseum, Am Kupfergraben, 10117 Berlin

Dass die monumentalen Bildwerke wieder gezeigt werden können, daran haben auch die Mineralogen Dr. Kirsten Drüppel und Prof. Dr. Gerhard Franz ihren Anteil. Ihre mineralogischen Bestimmungen haben mit dazu beigetragen ein einzigartiges Restaurierungsprojekt zu vollenden.
1943 waren die 3000 Jahre alten Statuen und Reliefs, die Max von Oppenheim zwischen 1911 und 1913 im heutigen Syrien ausgegraben hatte, durch einen Bombentreffer in Berlin-Charlottenburg vollständig zerstört worden und in 27.000 Teile zerborsten. 55 Jahre, von 1944 bis 1999, lagerten die Trümmer in den Kellern und Außendepots des Pergamonmuseums und waren von den Gelehrten als unwiederbringliches Kulturgut abgeschrieben.
Im Jahr 2001 begann unter Leitung der Archäologin Dr. Nadja Cholidis vom Vorderasiatischen Museum Berlin die wissenschaftliche Erforschung und Restaurierung der Funde. Die Bildwerke wurden anhand des Dekors wie wallenden Löwenmähnen, Tatzen, Barthaaren, Haarschmuck, Gefieder, Fell, Sehnen und Muskeln zusammengesetzt. Bei jenen Steinen jedoch, die aus dem Inneren der Skulpturen stammten, holten sich Nadja Cholidis und ihre Kollegen Hilfe bei den TU-Mineralogen Prof. Dr. Gerhard Franz und Dr. Kirsten Drüppel. Kirsten Drüppel, die mittlerweile an der FU Berlin forscht, leitete ab 2005 die mineralogischen, petrologischen und geochemischen Untersuchungen der Basaltstatuen an der TU Berlin. Finanziert wurden ihre Arbeiten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zur Beschreibung der Basaltteile, die kein Dekor haben, kristallisierten Kerstin Drüppel und ihr Team verschiedene mineralogische Kriterien heraus, wobei die Verteilung von Blasenhohlräumen sowie der Verwitterungsgrad und die Verwitterungsfarbe des Minerals Olivin sich als sicherste Kriterien für eine korrekte Zuordnung erwiesen. Auf dieser Grundlage gelang das schwierige Vorhaben, bisher nicht zuzuordnende Teile einfügen zu können.
Außerdem widerlegen Kirsten Drüppels Nachforschungen zur Herkunft der Basalte in der Türkei und Syrien Max von Oppenheims Vermutung, sie stammten aus dem vom Tell Halaf nur 15 Kilometer nördlich gelegenen Steinbruch El Kbise. Vielmehr kam die TU-Wissenschaftlerin zu dem Ergebnis, dass der Basalt aus dem 60 Kilometer südlich gelegenen Basaltplateau Ard esh-Sheik gewonnen wurde.
Zu ebenfalls neuen Erkenntnissen führt die Rekonstruktion des Brandverlaufs durch Kirsten Drüppel. „Wir fanden auf dem Basalt zum Beispiel Apatit, ein Reaktionsprodukt aus weißem Phosphor und dem Karbonat der Kalksteinreliefs. Das lässt den Schluss zu, dass eine Phosphorbombe eingeschlagen war“, erzählt Drüppel. Und sie konnte eine schon früher aufgestellte Hypothese bestätigen: Die konzentrischen Rissstrukturen bei zahlreichen Basaltobjekten sind eine Folge der Löscharbeiten. „Die Risse deuten auf eine rasche Abkühlung der Bildwerke durch Löschwasser hin, was wiederum erklären würde, warum der Basalt in oftmals nur zentimeterkleine Teile zersprungen war“, sagt Drüppel.
Internetseite zur Ausstellung
Zur Ausstellung erscheinende Publikationen:
„Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf“, herausgegeben für das Vorderasiatische Museum – Staatliche Museen zu Berlin von Nadja Cholidis und Lutz Martin, Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2011, 424 Seiten, Preis im Museum: 29,95 Euro, ISBN 978-3-7954-2449-7
„Tell Halaf – Im Krieg zerstörte Denkmäler und ihre Restaurierung“, für die Max Freiherr von Oppenheim-Stiftung und das Vorderasiatische Museum der Staatlichen Museen zu Berlin herausgegeben und bearbeitet von Nadja Cholidis und Lutz Martin. Mit Beiträgen von Aron A. Dornauer, Kirsten Drüppel, Ulrike Dubiel, Stefan Geismeier und Karin Rohn. Tell Halaf V, Walter de Gruyter GmbH & Co. KG 2010, 500 Seiten, 132 Tafeln, 1 CD-ROM, 129,95 Euro, ISBN 978-3-11-022935-6

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Steffi Terp, Pressesprecherin der TU Berlin, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin, Tel.: 030/314-23922, Fax: 030/314-23909, E-Mail: pressestelle@tu-berlin.de

Informationsdienst Wissenschaft e. V.


21. Januar 2011
Wieder Zweifel an Ergebnissen der DNA-Analysen zu Tutanchamuns Familie

Eline Lorenzen vom Center for GeoGenetics at the Natural History Museum in Kopenhagen ist nicht davon überzeugt, dass die den DNA-Analysen zugrundeliegenden Proben ausreichen, um wirklich derart sichere Ergebnisse zu erhalten, wie sie im Falle der Mumien der 18. Dynastie publiziert worden sind (siehe dazu diverse Beiträge aus Februar 2010). Die verwendete Methode des "genetischen Fingerabdrucks" sei unsicher. Es sei eigentlich üblich, mitochondriale DNA (mtDNA) zu entschlüsseln, denn Zellen enthalten rund eintausend Mal mehr Kopien von mtDNA als von genetischer DNA; die Chancen, große intakte Exemplare zu finden, seien entsprechend höher. Inzwischen gibt es eine Ankündigung der Wissenschaftler, die die Analysen durchgeführt haben, sie würden bald alle Zweifel ausräumen, da sie auch mtDNA extrahiert hätten.
newscientist



20. Januar 2011
Grab Tutanchamuns bleibt vorerst offen

Kürzlich gingen Meldungen durch die Presse, nach denen das Grab Tutanchamuns zum Ende dieses Jahres für Besucher geschlossen werden würde. Dies dementierte Zahi Hawass gegenüber Discovery News. Eigentlicher Hintergrund für eine Schließung ist ein Projekt, Repliken der Königsgräber unweit der Straße zum Tal der Könige zu errichten. Hawass führt aus, es gebe ein langfristig geplantes Projekt, über das noch nicht endgültig entschieden sei. Teil eben dieses Projektes sind die Repliken; die diesbezügliche Kostenschätzung beläuft sich auf 10 Mio. $. Bei den ersten drei Repliken wird es sich um die Gräber Tutanchmuns, Sethos' I. und Nefertaris handeln. Die beiden letzteren sind bereits seit langem geschlossen, könnten aber von zahlungswilligen Touristen gegen eine Gebühr von ungefähr 8.500 $ besichtigt werden, schreibt Discovery News. Es scheint jedoch sicher, dass mit einer Schließung des Grabes von Tutanchamun in naher Zukunft erst einmal nicht zu rechnen ist
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19. Januar 2011
Särge bei Kanalarbeiten gefunden

In dem Dorf Abu Yasseen (Gouvernement Sharkeya, Ostdelta) fanden Arbeiter drei pharaonische Särge und andere Artefakte, als sie Ausschachtarbeiten für Abwasserkanäle durchführten. Augenzeugen berichten, dass zwei der Särge zerbrochen sind. Die Arbeiter forderten von Mitarbeitern der Antikenbehörde einen Anteil an dem Fund, wobei es zu Streitigkeiten kam. Einer der Arbeiter sagte, Repräsentanten der Antikenbehörde hätten einige der Stücke, die neben den Särgen gefunden wurden, "genommen" (...representatives of the antiquities authority, which is part of the Ministry of Culture, took some of the artefacts that were found beside the coffins).
Die Funde wurden nach Zagazig, Hauptstadt des Gouvernements, verbracht, um dort von Experten untersucht zu werden. Nach Aussagen von Ibrahim Soliman von der Antikenbehörde ist die Gegend um Abu Yasseen reich an noch nicht freigelegten Antiquitäten.
almasryalyoum


11. Januar 2011
Konferenz in Luxor zur "Cachette von Karnak"

Der SCA und das Institut Français d'Archéologie Orientale (IFAO) veranstalten vom 29. bis 31.01.2011 in der Mubarak Public Library und im Luxor Museum eine Konferenz zum Statuenversteck in Karnak. Mehr als 100 Jahre nach ihrer Entdeckung durch Georges Legrain im Hof vor dem 7. Pylon in Karnak hätte die Cachette noch nicht alle ihre Geheimnisse preisgegeben, schreibt Zahi Hawass auf seiner Homepage; viele der gefundenen Stücke seien noch unpubliziert. Die Konferenz soll Spezialisten zusammenbringen, die an den Objekten arbeiten bzw. Forschungen zu rituellen Statuenverstecken durchführen. An der Veranstaltung nehmen Wissenschaftler von internationalem Rang teil.

Das IFAO betreibt seit kurzem gemeinsam mit dem SCA eine Online-Datenbank, die bereits Tausende von Objekten enthält.


09. Januar 2011
Fund von Fragmenten der Doppelstatue Amenophis' III. und Tejes

Bei Arbeiten im Zusammenhang mit dem Grundwassermanagement in Theben-West kamen sechs Fragmente zum Vorschein, die zu der monumentalen Doppelstatue des Königspaares gehört, die heute die große Halle im Museum von Kairo dominiert. Die Statue selbst war 1889 von Mariette in Medinet Habu gefunden worden. Nach der Rekonstruktion mit Hilfe moderner Werkstoffe fand sie schließlich ihren Platz im Museum. Die jetzt gefundenen Bruchstücke - sie sind 47 bis 103 cm groß - sind derzeit auf dem Gelände von Medinet Habu eingelagert, sollen jedoch bald die rekonstruierten Fragmente in Kairo ersetzen. Bei den in Theben-West durchgeführten Erdarbeiten seien bereits fast 1.000 Bruchstücke aus allen Epochen Ägyptens gefunden worden, sagt Archäologe Abdel Ghaffar Wagdy. Sie alle befinden sich in Magazinen zwecks Dokumentation und Restauration.
luxortimesmagazin
drhawass.com



05. Januar 2011
Britisches Unternehmen soll Verfall der Djoser-Pyramide stoppen

Das britische Ingenieurunternehmen Cintec hat den lukrativen, 1,8 Millionen £ schweren Auftrag erhalten, den Einsturz der Djoser-Pyramide - eine seit dem Erdbeben im Jahre 1992 offenbar latent vorhandene Gefahr - zu verhindern. Cintec hat bereits durch verschiedene Projekte seine diesbezügliche Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Man wird in diesem Falle sich selbst entfaltende, mit Wasser gefüllte Beutel zur Abpolsterung der einsturzgefährdeten Kammerdecke unterherhalb der Pyramide zum Einsatz bringen. In der Kammer sollen dann weitere Stützmaßnahmen vorgenommen werden, indem man Armierungen aus Edelstahl einbringt.
dailymail



04. Januar 2011
Obelisk im Central Park New York im Visier von Hawass
Nicht zum ersten Mal (siehe Beitrag vom 01.04.2006) ist der Aufstellungsort des Obelisken Thutmosis' III. aus Heliopolis - seit 1880 in New York - ein Dorn im Auge von Zahi Hawass. Fotos von dem Monument, die ihm jüngst zugespielt wurden, veranlassten Hawass nun, die Verwaltung des Central Park und den New Yorker Bürgermeister mit einem Beschwerdebrief unter Druck zu setzen. Er habe, wie er schreibt, die Pflicht, alle ägyptischen Monumente sowohl im eigenen Land als auch außerhalb zu schützen. Der New Yorker Obelisk sei beschädigt und speziell die hieroglyphische Inschrift sei teilweise abgetragen. Und weiter heißt es: "Falls die Central Park Conservancy und die Stadt New York den Obelisken nicht ordnungsgemäß pflegen können, werde ich die nötigen Schritte unternehmen, dieses wertvolle Artefakt nach Hause zu bringen und vor dem Ruin zu bewahren." Der komplette Wortlaut ist auf der Hawass-Webseite nachzulesen:
drhawass.com