ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Januar 2012
27. Januar 2012
Suche nach Kleopatra-Grab kann weitergehen
Die ägyptischen Behörden haben die Grabungslizenz der dominikanischen Archäologin Kathleen Martinez erneuert. Sie kann ihre Arbeit in Taposiris magna (siehe zuletzt Beitrag vom 11.06.2009), wo sie das Grab Kleopatras vermutet, demzufolge fortsetzen. Allerdings sind während der Unruhen im letzten Jahr viele der in früheren Kampagnen gefundenen Artfakte gestohlen worden, ebenso wie die gesamte Grabungsausrüstung. Martinez' Mission wird von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt.
dominicantoday


Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung des Deutschen Archäologischen Instituts
27. Januar 2012
Archäologische Objektdatenbank Arachne verzeichnet 2011 eine Steigerung der Seitenaufrufe um 73%

Arachne, die zentrale Objektdatenbank des Deutschen Archäologischen Instituts und des Archäologischen Instituts der Universität Köln erreichte im Jahr 2011 etwa 140.000 Seitenaufrufe (Visits). 2010 waren es noch ungefähr 82.000. Dies ist eine Steigerung um 73%.

Das DAI und das Archäologische Institut Köln stellen mit der Objektdatenbank Arachne online ein kostenfreies und zeitgemäßes Werkzeug zur Recherche archäologischer Objekte und zugehöriger Daten zur Verfügung. Bereits circa zwei Millionen Bilder sind inzwischen in dem Online-Archiv abrufbar. Täglich werden neue Sach- und Bilddaten hinzugefügt.

Gemessen werden die Visits anonymisiert mit dem Analysetool Google analytics. Die Analyse der Visits liefert Informationen, auf welchem Weg die User zu Arachne gelangten. Die Analyse ergab: Knapp 55% der Benutzer kamen über Internetsuchfunktionen, davon die meisten über Google. 26% gelangten über Weiterverlinkung, zum Beispiel über Wikipedia, auf die archäologische Objektdatenbank. Knapp ein Fünftel der Besucher ging ohne Umwege auf die Arachneseite.

Seit 2004 wird Arachne maßgeblich vom DAI und von der Arbeitsstelle für Digitale Archäologie des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln betrieben. Inhalt und Aufbau der Datenbank werden im Hintergrund ständig weiterentwickelt. Die Arachne-Plattform soll neben der Bereitstellung von Daten für Archäologen gleichzeitig als Beispiel für andere wissenschaftliche Objektdatenbanken dienen.

Durch Arachne werden analoge, zum Teil bedrohte Dokumentationsbestände laufend erfasst, zugleich neue, digitale Daten aufgenommen. Arachne bietet eine benutzerfreundliche Struktur, die auf der Basis maschinenlesbarer Metadaten Strategien des Semanctic web verwendet. Alle digitalisierten, bildlichen und textlichen Objektinformationen werden auf einem mehrfach redundantem Speicher langzeitgesichert und weltweit ununterbrochen online gehalten.

Die Arachne-Entwickler haben ihr Projekt langfristig angelegt. Zukünftig werden auch archäologische Daten außerhalb des Mittelmeerraumes erfasst werden, wie zum Beispiel Objekte und Daten südamerikanischer Forschungen.

Weitere Informationen unter
http://www.arachne.uni-koeln.de

Informationsdienst Wissenschaft e. V. http://idw-online.de


26. Januar 2012
Tschechische Archäologen entdecken verschollenen Tempel im Sudan

Nahe der Stadt Wad Ben Naga, 130 km nördlich von Khartoum, stießen die Wissenschaftler des Prager Naprstek Museums auf Reste eines meroitischen Tempels, der für Reisende des frühen 19. Jhdts. noch sichtbar war (siehe Abbildung), dann jedoch im Wüstensand verloren ging. Man fand einen Siegelring mit der Abbildung des nubischen Löwengottes Apedemak, eine Osiris-Statuette, einen Block mit meroitischen Hieroglyphen sowie Teile von Sandsteinblöcken. Für die Tschechen ist es die dritte Kampagne in dieser Gegend. Während der meroitischen Zeit vom 4. Jhdt. v.Chr. bis zum 4. Jhdt. n.Chr. befand sich hier eine der größten antiken Städte Nubiens, Arabikeleb. Um die Zeitenwende standen dort ein großer Palast und mindestens fünf Tempel. Die Stadt hatte etwa 25.000 Einwohner. Hier gruben Archäologen auch den erwähnten Palast aus; er gehörte der meroitischen Königin Amanishaketo (1. Jhdt. v.Chr.).


... wie noch Lepsius sie sah (Quelle: Lepsius' Tafelwerke, LD I, 139)

praguemonitor



25. Januar 2012
Futter für tote Vögel

Wie die CT-Analyse eines mumifizierten Ibis' zeigt, wurde den heiligen Vögeln Ägyptens während des Mumifizierungsprozesses Nahrung beigegeben. Die beteiligten Wissenschaftler, Experten der University of Western Ontario und weitere Kollegen aus Kanada, den USA und Ägypten, konnten nachweisen, dass sich in Schnäbeln oder Bäuchen Futter, darunter Schnecken und Korn, befindet. Bis dahin ging man davon aus, dass die Vögel bei der Mumifizierung mit unbedeutenden Materialien ausgestopft worden waren. Aus den Ergebnissen dieser Studie könnte man sogar schließen, dass die Organe der Vögel wie der Körper mumifiziert wurden. Ibisse und andere heilige Vögel schickte man also in ähnlicher Weise auf den Weg in die Jenseitswelt wie Menschen. Die Versorgung von Verstorbenen mit Nahrungsmitteln für ihre letzte Reise ist schon aus frühester Zeit bekannt.
vancouversun



22. Januar 2012
KV 64: Letzte Ruhestätte für zwei Personen?

Unter dem Begräbnis der Nehemes-Bastet (siehe Beitrag vom 18.01.2012) könnte sich ein weiteres, einige hundert Jahre älteres Grab befinden. Sarg und Stele der Nehemes-Bastet lagen auf einer dicken Schuttschicht, die sich schon in der Antike im Grabschacht angesammelt hatte. Die Schweizer Archäologen werden in absehbarer Zeit damit beginnen, diese Schicht abzutragen. Dies sagte Susanne Bickel von der Universität Basel in einer TV-Reportage des Schweizer Fernsehens SF.
Videoportal des SF


18. Januar 2012
Die Zukunft des ägyptischen Kulturerbes

Bei Al-Ahram Weekly Online äußert sich der ägyptische Antikenminister Mohamed Ibrahim zur derzeit schwierigen Finanzlage des MSA und zu den Aussichten, die Durststrecke zu überwinden, und hinsichtlich des kulturellen Erbes den richtigen Weg zu einer ordentlichen Führung, Entwicklung und Bewachung sowie zum Schutz und zur Erhaltung einzuschlagen. Er wolle sein besonderes Augenmerk auf die Mitarbeiter des MSA richten, über deren Probleme er sich bei einer Inspektonsreise informierte.

In Kairo plant Ibrahim ein Treffen mit dem dortigen Gouverneur, um über das während der Januar-Revolution ausgebrannte Gebäude der aufgelösten NDP zu sprechen. Die Ruine befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Ägyptischen Museum und könnte dieses gefährden, falls ein Einsturz droht. Rechtmäßiger Eigentümer des Grundstücks ist möglicherweise sogar das MSA. Sollten die Eigentumsverhältnisse allerdings nicht eindeutig geklärt werden können, möchte Ibrahim Grundstück und Gebäude übernehmen. Das verbrannte Gebäude gehört inzwischen zur Geschichte Ägyptens und könnte eine Touristenattraktion werden, ähnlich der Berliner Mauer, wenn man einige Wände für die Nachwelt erhalten würde.

Das MSA finanziert sich aus den Einnahmen des Ticketverkaufs; die gesunkenen Touristenzahlen erweisen sich folglich als dramatisch für das Ministerium. Neue Einnahmequellen werden erschlossen, z.B. indem die Besichtigung des mittelalterlichen Kairo künftig nur noch gegen Zahlung eines Eintrittsgeldes möglich ein wird (siehe Beitrag vom 28.12.2011).

Ein wichtiger Punkt für Ibrahim sind Ausbildung und Nachwuchsförderung. In Kooperation mit dem Bildungsministerium soll die Ausbildung von Fachkräften und Wissenschaftlern künftig auf die Erfordernisse der Feldarbeit abgestimmt werden.

Allerorten geäußerte Befürchtungen, die pharaonischen Hinterlassenschaften könnten durch radikale Islamisten beeinträchtigt oder zerstört werden, teilt Ibrahim nicht. Niemals könne ein Salafist oder sonst jemand ein antikes ägyptisches Monument bedrohen, denn es sei Teil der ägyptischen Identität.

Auf die Frage, ob das MSA weiterhin mit ausländischen Missionen zusammenarbeiten würde, meinte er, er könne diese Wissenschaftler nicht an ihrer Arbeit hindern. Sie hätten sonst keine Möglichkeit mehr, die Ägyptologie in der Praxis auszuüben. Das MSA möchte allerdings mehr von den ausländischen Missionen profitieren, und zwar auf dem Gebiet der Weiterbildung einer größeren Anzahl ägyptischer Archäologen durch ihre ausländischen Kollegen - in Ausgrabungstechniken, Restaurierung und Museologie.



Informationsdienst Wissenschaft - idw -
Pressemitteilung der Universität Basel
18. Januar 2012
Basler Ägyptologen entdecken neues Grab im Tal der Könige

Forschende des Ägyptologischen Seminars der Universität Basel haben im ägyptischen Tal der Könige ein Grab gefunden, in dem im Abstand von etwa 500 Jahren zwei Begräbnisse stattfanden. Das rund 3500 Jahre alte Grab enthält einen Sarkophag mit der Mumie einer Frau und ist erst der zweite Fund im Tal der Könige seit der Entdeckung von Tutanchamuns Grabstätte 1922.

Bei der neu entdeckten Grabstätte mit der Bezeichnung KV 64 handelt es sich um ein über einen Schacht zugängliches Einkammergrab, in dem im Abstand von etwa 500 Jahren zwei Begräbnisse stattfanden. «Dieser Fund liefert wertvolle Informationen zu zwei unterschiedlichen Nutzungsphasen», so die Grabungsleiterin Elina Grothe-Paulin.

Im oberen Bereich des Grabes, das am 12. Januar 2012 geöffnet wurde, entdeckten die Forschenden einen beschrifteten, gut erhaltenen hölzernen Sarkophag, der die Mumie einer Frau namens Nehemes-Bastet enthält. Diese stammt wohl aus einer der einflussreichen Familien der Amun-Priesterschaft und führte den in Elitekreisen häufigen Priesterinnentitel einer Sängerin des Amun. Die Basler Ägyptologen datieren diesen Fund auf die Zeit der 22. Dynastie (9. Jahrhundert v. Chr.).


Unberührtes Grab: Hölzernen Sarkophag, der die Mumie einer Frau namens Nehemes-Bastet enthält.
Bild: Universität Basel (Quelle: idw)

Durch besonders glückliche Umstände wurde das Grab nicht beraubt. Dadurch liessen sich die Verschlusssysteme der Grabstätte sowie die originale Anordnung des Sarkophags und einer bemalter Holzstele dokumentieren. Die sehr sorgfältig eingewickelte Mumie der etwa 1,55 Meter grossen Frau befindet sich noch unversehrt im Sarkophag.

Älteres Begräbnis
Das in den Fels gehauene Einkammergrab wurde aber offensichtlich schon vor der Bestattung von Nehemes-Bastet als Grabstätte genutzt. Das ursprüngliche Begräbnis konnten die Basler Ägyptologen auf die 18. Dynastie (um 1450 v. Chr.) datieren, was mit dem Beginn der Nutzung des Tals der Könige als Nekropole zusammenfällt. Reste der ersten Grabausstattung, die wohl in der Antike beraubt wurde, befinden sich noch unterhalb einer Schuttschicht.

University of Basel Kings' Valley Project
Das archäologische Forschungsprojekt unter der Leitung der Basler Ägyptologin Prof. Susanne Bickel erforscht seit 2009 die Nutzung des Tals der Könige durch auserwählte Mitglieder der Elite und der Königsfamilie im Umkreis der Königsgräber. Den Wissenschaftlerinnen des «University of Basel Kings' Valley Project», das von der Gertrud Mayer-Stiftung in Basel finanziell unterstützt wird, gelang die Entdeckung des Grabes im Tal der Könige bei Luxor in Zusammenarbeit mit den ägyptischen Behörden und lokalen Arbeitern.

Weitere Auskünfte
• Prof. Dr. Susanne Bickel, Extraordinara für Ägyptologie
Tel. +41 (0)61 267 30 61 / +20 10 998 487 04
E-Mail: s.bickel@unibas.ch
• Prof. Dr. Antonio Loprieno, Rektor der Universität Basel
Tel. +41 (0)61 267 30 30
E-Mail: a.loprieno@unibas.ch
Weitere Informationen finden Sie unter - University of Basel Kings' Valley Project

Informationsdienst Wissenschaft e. V. - http://idw-online.de



Informationsdienst Wissenschaft
Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
13. Januar 2012
Vergorener Getreidesaft der Sumerer war möglicherweise kein Bier
4000 Jahre alte Keilschriften aus Mesopotamien verraten wenig über die damalige Brautechnologie

Archäologische Funde von Keilschrifttafeln und Überresten verschiedener Gefäße aus der Zeit vor über 4000 Jahren bezeugen es: Schon zu Beginn der Zivilisation stand vergorener Getreidesaft bei den Bewohnern Mesopotamiens hoch in Kurs. Was aber außer den beiden Basisingredienzien Gerste und Emmer – einer Weizenart – in den Tonkrügen der Sumerer vor sich hinbraute, ist weitgehend unbekannt. Trotz der Fülle der Fundstücke und Überlieferungen, die auf frühe Vorlieben für Getränke aus vergorenem Getreide hinweisen, ist es schwierig, die alten Methoden der Brauer zu rekonstruieren, hat der Wissenschaftshistoriker und Keilschriftexperte Peter Damerow vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin herausgefunden. In einem Fachartikel hat sich Damerow, der Ende November 2011 in Berlin verstorben ist, ausführlich mit den Bierbrautechnologien der Sumerer befasst. Darin äußert er große Zweifel, ob das in der Antike hochpopuläre Gebräu überhaupt ein Bier gewesen sein könnte.

Zwar enthalten viele der über 4000 Jahre alten Keilschriftdokumente Aufzeichnungen über Lieferungen von Emmer, Gerste oder Malz an Brauereien sowie Dokumentationen des Vertriebs. Doch gibt es kaum Informationen über die Feinheiten des Herstellungsprozesses oder gar Rezepte zum Nachbrauen. Damerow zufolge wurden die Verwaltungstexte schließlich für eine Zielgruppe geschrieben, die mit den Details des Bierbrauens vertraut war. Sie waren nicht dafür gedacht, den modernen Leser über diese Prozesse aufzuklären.

Darüber hinaus unterscheiden sich auch die Methoden, wie diese Informationen aufgezeichnet wurden, zwischen den Orten und Zeitperioden. Außerdem liegt diesen Aufzeichnungen und Berechnungen kein einheitliches Zahlensystem zugrunde. Vielmehr haben die sumerischen Bürokraten unterschiedliche Zahlensysteme verwendet, je nachdem, was sie zählen oder abmessen wollten.


Archaische Schrifttafel aus Mesopotamien (ca. 3000 v. Chr.):
Die in Proto-Keilschrift verfasste Tafel gehört zur Gruppe der ältesten Schriftzeugnisse der Erde. Sie enthält Berechnungen der zur Herstellung verschiedener Getreideprodukte, darunter verschiedener Sorten Bier, erforderliche Ausgangsprodukte.
© M. Nissen, 1990 (Quelle: idw)

Dadurch gerät auch die verbreitete Theorie ins Wanken, wonach die Braumeister Mesopotamiens gebackenes Fladenbrot aus Gerste oder Emmer in ihre Maische gebröckelt haben. Das so genannte "Bappir" (sumerisch für „Bierbrot") ist in den administrativen Texten nie wie Brot gezählt worden, sondern in Maßeinheiten wie auch grobgemahlene Gerste registriert wurde. Sehr standardisiert und damit wenig rezepttauglich erscheint Damerow auch die Beobachtung, dass die Menge der Rohstoffe, die den Brauern von der zentralen Gemeingutverwaltung zugeteilt wurden, in einigen Fällen über Zeiträume von zehn Jahren unverändert blieben.

Auch die "Hymne an Ninkasi", eine der wichtigsten Quellen zur antiken Braukunst liefert nach Damerows Auffassung keineswegs verlässliche Informationen über die Bestandteile und Abfolge des Brauvorgangs. Dieser lyrische Text aus der altbabylonischen Zeit um 1800 v. Chr. beinhaltet in Form eines mythologischen Gedichts oder Gesanges eine Glorifizierung des Bierbrauens. Damerow zufolge wird das Procedere des Brauprozesses trotz des kunstvollen Versmaßes nicht schlüssig wiedergegeben. So liefert sie einen nur unvollständigen Ablauf der einzelnen Arbeitsschritte. Beispielsweise fehlt die Angabe, wie das Keimen des Getreides zum richtigen Zeitpunkt gestoppt wurde. Die Vermutung, dass die Gerste in Haufen geschichtet wurde und durch Erhitzen und Trocknen das Austreiben der Keime beendet wurde, sobald die Getreidesprossen die richtige Größe hatten, bleibt Spekulation.

Auch der Inhalt der Hymne passt nicht so recht zu den Ergebnissen des Tall Bazi Experiments. Mit diesem hatten Archäologen der Ludwig-Maximilians-Universität München zusammen mit den Weihenstephaner Brauereiexperten der Technischen Universität München ein Brauexperiment durchgeführt, um die antiken Brauvorgänge zu rekonstruieren. Zwar konnten sie in einem Kaltmaischverfahren ein Gebräu aus Gerste und Emmer herstellen, dessen Alkoholgehalt sie durch Veränderung des Wasseranteils variierten. Doch ist aus Sicht des Berliner Wissenschaftlers Damerow auch dieses Resultat mit Vorsicht zu genießen. Was unter den besonderen Bedingungen von Tall Bazi funktioniert habe, muss längst nicht an anderen Orten Mesopotamiens gleichermaßen ablaufen können, gibt er mit Verweis er auf die großen Unterschiede hinsichtlich der lokalen Bedingungen zu bedenken. Eigentlich zeigt das Experiment nur, wie mit modernen Methoden ein Bier unter den in Tall Bazi vorherrschenden Bedingungen zustande kommen kann.

Solche Zweifel führen für ihn letztendlich zu einer Frage, die er für "weitaus grundlegender" hält: In welchem Ausmaß es überhaupt möglich ist, antike Produkte mit modernen zu vergleichen. "Angesichts der begrenzten Kenntnisse über die sumerischen Brauprozesse wissen wir nicht einmal sicher, ob das Endprodukt überhaupt Alkohol enthielt", schrieb Damerow. Tatsächlich ist keineswegs sicher, ob das Gebräu nicht eher eine größere Ähnlichkeit mit dem aus Osteuropa bekannten Brottrunk Kwas habe als mit einem Pils, Alt- oder Weißbier.

Dennoch hält er den Ansatz wie ihn die Forscher beim Tall-Bazi-Experiment verfolgten, für einen guten Weg, die offenen Fragen zur Frühgeschichte der Braukunst zu beantworten. "Solche interdisziplinären Forschungsbemühungen könnten zu auch einer besseren Interpretation der Hymne an Nikasi führen", so Damerow.

Originalveröffentlichung:
Peter Damerow
Sumerian Beer: The Origins of Brewing Technology in Ancient Mesopotamia
Cuneiform Digital Library Journal 2012:2 ISSN 1540-8779 Version: 22 November 2011, Preprint

Kontakt:
Simone Rieger
Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin
Telefon: +49 30 22667-121
Fax: +49 30 22667-299
E-Mail: public@mpiwg-berlin.mpg.de

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10. Januar 2012
Griechisch-Römisches Museum Alexandria: Internationale Unterstützung erforderlich

Ziel der Bestrebungen des MSA ist es, internationale Unterstützung zu mobilisieren, um das Museum mit seiner bedeutenden Sammlung von Stücken aus dem gesamten mediterranen Raum zu erhalten. Die Kampagne wird von der UNESCO unterstützt. Das Ministerium wird außerdem mit den Offiziellen Alexandrias Kontakt aufnehmen, damit ein hinter dem Gebäude befindliches Grundstück zusätzlich für den Museumsbetrieb genutzt werden kann.
ESIS



09. Januar 2012
Krokodilmuseum in Assuan wird eröffnet

Das Museum, das die Bedeutung der Krokodile und den Zusammenhang mit dem Gott Sobek für Besucher erfahrbar macht, soll Ende Januar 2012, rechtzeitig zu den Feierlichkeiten des Aswan National Day, eröffnet werden. U.a. werden vierzig Krokodilmumien ausgestellt. Das Gebäude befindet sich hoch über dem Nil gegenüber des Tempels von Kom Ombo.
english.ahram


02. Januar 2012
Vorübergehende Unterbringung geretteter Bücher aus dem Institut d'Égypt

Die aus den Flammen (siehe Beitrag vom 22.12.2011) geretteten Bücher und Dokumente werden vorübergehend im Sennari-Haus untergebracht. Das Gebäude, 1794 von Ibrahim Kathuda El-Sennari erbaut, diente wie das Institut d'Égypt den Wissenschaftlern der napoleonischen Expedition.
Das Sennari-Haus, wie die Künstler der Déscription de l'Égypte es sahen (Quelle)

english.ahram



01. Januar 2012
Begehung archäologischer Stätten durch den MSA

Minister Mohamed Ibrahim nahm auf einer Rundreise Giza, Mit Rahina (Memphis) und Saqqara in Augenschein. Am Sphinx-Tempel in Giza wird das gestiegene Grundwasser abgeleitet und periodisch abgepumpt, um weitere Zerstörungen am Sphinx zu verhindern. Auch in Mit Rahina soll kurzfristig eine Drainage angelegt werden, um das Grundwasser auf ein normales Niveau zurückzuführen. Ibrahim treibt eine Vereinbarung mit den örtlichen Händlern voran, die ihre Stände zurückbauen sollen, um den Blick auf die historischen Monumente nicht zu verbauen. Er versprach den Bau eines Marktes für Souvenierhändler am Open-Air-Museum.
english.ahram



Anfang Januar 2012
Arbeiten in KV 63 / KV 10 verschoben
Otto Schaden teilt auf der Homepage von KV 63 mit, dass er die für 2012 angesetzte Kampagne aus gesundheitlichen Gründen verschieben muss.