ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Februar 2007

27. Februar 2007
Wer baute die Pyramiden? Die Ägypter!

Der Generalsekretär der ägyptischen Antikenbehörde, Zahi Hawass, ist aufgebracht gegen eine Kairener Highschool und hat offiziell Beschwerde eingereicht. Dort werde gelehrt, Israeliten hätten unter Folter und Qualen die Pyramiden erbaut, was in der Tat ganz und gar nicht den archäologisch belegten historischen Tatsachen entspricht.
israelinsider

26.02.2007
Die Haare des Ramses

Im November 2006 wollte ein Mann aus Grenoble Haarbüschel und andere Überbleibsel der Mumie Ramses' II. im Internet versteigern. Die Dinge gehörten seinem Vater, der bei der Untersuchung der Mumie Mitte der 70er Jahre in Paris zum Team gehört hatte. Nach heller Aufregung in Fach- und anderen Kreisen bekommt Ägypten die Artefakte nun zurück.
News24

19./21. Februar 2007
Verschollene Säule in Berlin aufgespürt

Lettische Wissenschaftler waren auf der Suche nach einer Säule aus dem Djoser-Areal in Saqqara. Sie gehörte zu einem kleinen Tempel im Südhof, der einem Schreiber namens Nemtymessus gewidmet war. Später war sie als Stütze für die südliche Galerie verwendet worden, bevor sie von Richard Lepsius nach Berlin gebracht und danach während des zweiten Weltkrieges aus den Augen verloren wurde. Mit Unterstützung von Direktor Dietrich Wildung wurden die Letten im Berliner Museumsarchiv fündig. Der diesbezügliche Artikel der Baltic Times ist etwas verwirrend. Der Autor schreibt einerseits, die Säule sei nach Ägypten zurückgeführt worden, andererseits wird jedoch der lettische Wissenschaftler Bruno Deslandes wie folgt zitiert: "Wir scannten die Säule und fügten sie in die Galerie ein. Und zum ersten Mal seit 1842, seit Lepsius die Säule nach Berlin brachte, war es möglich, einen kompletten Anblick der Galerie zu erhalten." Ich bin etwas erstaunt, denn ich fand zu dem Vorgang bisher nur diese eine Presseinformation, also keinerlei Bestätigung durch die ägyptische Antikenverwaltung, dass es eine Rückführung gegeben hätte. Das ist - verglichen mit anderen Aktionen dieser Art - sehr ungewöhnlich.

21. Februar 2007
Persischer Tempel in der Oase Kharga

Einen Tempel aus persischer Zeit fanden französische Archäologen (IFAO) in Dush am südlichen Rand der Oase Kharga. Über den Zustand des Bauwerkes gibt es keine Hinweise. Die Perser hinterließen in Kharga außer einem Tempel demotische Schriftzeugnisse sowie ein Bewässerungssystem, das die Besiedlung des Landstriches ermöglichte. Gefunden wurden außerdem Statuen und Goldmünzen. 
Reuters
Al Ahram-weekly publiziert einen Artikel zu dem in Restaurierung befindlichen Hibis-Tempel in Kharga, der durch die Perser vollendet wurde.

20.02.2007
Saqqara erweist sich einmal mehr als ergiebige Ausgrabungsstätte

Innerhalb weniger Tage gibt es bereits die dritte Freilegung eines Grabes in Saqqara zu vermelden, diesmal aus dem Alten Reich. Die Mastaba gehörte einem Schreiber aus der 5. oder 6. Dynastie. Das besondere an diesem Grab ist eine hölzerne Doppelstatue, eine Sitzstatue, die den Grabinhaber und seine Gemahlin darstellt. Holz wurde in dieser Zeit kaum für Grabstatuen verwendet. Rundplastiken waren meist aus Stein gearbeitet. Neben drei weiteren hölzernen Einzelstatuen sollen eine Scheintür sowie zwei Tische - ebenfalls aus Holz - bei den Grabungen zum Vorschein gekommen sein.
Spiegel online
Der Standard (Fotos, wenig Information)
Yahoo (ebenfalls Fotos, kaum Information)

16. Februar 2007
Nostalgisches in der New York Times

Die New York Times, von Lord Carnavon einst mit den Exklusivrechten zur Berichterstattung über das Tutanchamun-Grab ausgestattet, veröffentlicht in ihrer Online-Version das Original-Titelbild einer Ausgabe aus dem Februar des Jahres 1923 sowie den Wortlaut des zugehörigen Artikels.
New York Times

14. Februar 2007
Holländer fanden Grab aus der 18. Dynastie in Saqqara

Wissenschaftler der Universität Leiden fanden in Saqqara ein Grab aus dem Neuen Reich. Ursprünglich als "aus der Zeit des Echnaton" datiert, ist man inzwischen nicht mehr ganz so sicher. Der Grabbesitzer trägt den Namen Ptahemwia und einer seiner Titel ist "Siegelbewahrer des Echnaton". Seine Gemahlin ist Maya, Sängerin des Amun. Dieser Titel ist ebenso wie der Name des Grabherrn ungewöhnlich für die Amarna-Periode, in der außer Aton andere Götter kaum noch existent waren. Besonders Amun war verfemt. Entsprechend scheint auch die Dekoration dafür zu sprechen, dass das Grab des Ptahemwia vielleicht in die sehr späte Echnaton- oder, wahrscheinlicher, frühe Tutanchamun-Regierungszeit zu datieren ist. Die Grabdekoration zeigt Szenen aus dem Alltag, wie man sie aus der Amarna-Zeit gewohnt ist: etwa die Heimkehr des Grabherrn in sein Haus, wo ihn die Dienerschaft willkommen heißt. Auf der anderen Seite jedoch fehlt es auch nicht an Darstellungen konventioneller Art, wie eine Opfertischszene zeigt. Es drängen sich Ähnlichkeiten auf mit dem Grab des Meryneith, der sich in Meryre umbenannte, aber auch mit dem Grab des Ramose in Theben, das ebenfalls einen Stilmix enthält.
Das Grab des Ptahemwia verfügt über einen offenen, säulenumstandenen Hof mit drei westlichen Kultkapellen. An zwei Seiten des Hofes haben sich Kalksteinverkleidungen erhalten. Es wäre möglich, dass noch weitere Reliefs aufgefunden werden, die derzeit noch mit Sand bedeckt sind.
Middle East Online
Al Ahram
Reuters
Universität Leiden (Grabungstagebuch)
Universität Leiden (Artikel in holländischer Sprache mit sehr schönen Abbildungen)

14. Februar 2007
Isis und Osiris in Attika

Der Tempel für Isis und Osiris in Brexiza (Griechenland) sei in einem beklagenswerten Zustand, sagt die Ausgräberin Iphigenia Dekoulkou. Eigentlich sollte er zu den Olympischen Spielen 2004 bereits hergerichtet werden, jedoch standen die finanziellen Mittel nicht zur Verfügung. Nun wurden sie durch einen Trick doch noch verfügbar. Die Tempelrestaurierung wurde zum Unterprojekt von technischen Arbeiten an den offensichtlich in der Nähe liegenden Lavrion Minen deklariert. Die Wissenschaftler können nun daran gehen, das teils überwucherte, teils überflutete Gelände zu säubern und die Tempelmauern zu verstärken, um deren Einsturz zu verhindern. Der Kult von Isis und Osiris wurde durch die Griechen von den Ägyptern übernommen und war dort im 4. Jahrhundert v. Chr. ebenso wie später in Rom sehr populär. Die Griechen verbanden Isis mit Aphrodite und Osiris mit Demeter.
Kathimerini

10. Februar 2007
Drei hölzerne Särge in Saqqara freigelegt

Japanische Archäologen fanden in der Nekropole von Saqqara, westlich des Serapeums, drei Holzsärge. Zwei der Särge stammen aus dem Mittleren Reich, ein für diese Gegend rarer Fund. Die Besitzer konnten identifiziert werden: ein Ka-Priester namens Sebekhotep und eine Herrin des Hauses namens Senet-it-es. Der dritte (anthopomorphe) Sarg stammt aus der 18. oder 19. Dynastie und wurde einem Wiai, Vorsteher der Handwerker des Hauses des Amun, zugeschrieben. Nach Al-Ahram wurde noch ein vierter Sarg aus dem Mittleren Reich gefunden. Er gehörte der Herrin des Hauses Keki.

Die Särge des Mittleren Reichs lassen sich typisieren. Sie tragen die übliche Dekoration ("Scheintürdekoration", ein Udjat-Augenpaar an einer der Längsseiten). Wegen der großen Ähnlichkeit untereinander sowie mit dem bereits vor zwei Jahren freigelegten Sarg des Senu kann man sogar annehmen, dass alle aus der gleichen Werkstatt stammen.

Durch die Funde der letzten Jahre ist langsam ein Bestattungsmuster zu erkennen. Die Gräber des Mittleren Reiches sind nach Norden orientiert und gruppenweise angeordnet. Mindestens seit der 18. Dynastie bis in die 19. Dynastie nutzte man für die ost-westlich orientierten Gräber des Neuen Reiches den zwischen den Gräbern des Mittleren Reiches vorhandenen Platz.

The Sidney Morning Herald
Middle East Times
N24

10. Februar 2007
Preußen in Ägypten - Ägypten in Preußen

Unter diesem Titel veröffentlichte Der Tagesspiegel einen Artikel von Professor Stephan Seidlmayer, Freie Universität Berlin. Seidlmayer zeichnet darin das Erwachen der Ägyptologie in Berlin durch die Expedition von Richard Lepsius von 1842 bis 1845 nach, die mit den Anlass bietet für ein wissenschaftliches Mammutprojekt in 2007 und 2008.

10. Februar 2007
Wertvoller Fund im Mut-Bezirk des Karnak-Tempels

Ausgräber des Brooklyn-Museums fanden im Mut-Tempel einen einzigartig dekorierten Türsturz. Er zeigt fünf Versionen des göttlichen Sonnenkindes auf je einer Lotosblüte sitzend vor einem Opferstock Die göttlichen Geschöpfe tragen unterschiedlichen Kopfschmuck: Sonnenscheibe, Doppelkrone, Federkrone und Hemhem-Krone. Ein Bes - eventuell sogar dessen weibliche Form Beset - steht in Anbetungshaltung davor, hinter ihm Taweret. Die Symbolik steht mit Geburt und Mutterschaft im Zusammenhang. Das Besondere an dem Stück ist die teilweise noch vorhandene Vergoldung und Colorierung. Bekrönt wird die in Halbrundstäbe eingefasste Szene von einer Sonnenscheibe mit herabhängenden Uräen.
The Brooklyn Paper
Al Ahram
jeweils mit Fotos

09.Februar 2007
Hehler gefasst

In Qena wollten Hehler vier Statuen an den Mann bringen. Sie sollten für 3 Mio. Euro den Besitzer wechseln. Es soll sich um drei kleine Statuen aus Gold und eine aus Holz handeln - angeblich aus der 16. Dynastie. Die Altertümerverwaltung hat sich zu dem Vorfall nicht geäussert. Die Hehler wurden festgenommen.
Der Standard

07. Februar 2007
Oriental Institute der Universität Chicago arbeitet mit CAMEL

Das Institut hat das Projekt "Center for Ancient Middle Easter Landscapes" (CAMEL) ins Leben gerufen, um den Mittleren Osten mit Hilfe geografischer Daten und Studien transparenter zu machen und dafür modernste Technologien wie beispielsweise GIS (Geographical Information System) zu nutzen.
Chicago Sun-Times
CAMEL

05. Februar 2007
KV 63 - Beginn der diesjährigen Kampagne verschoben

Nachdem sich Dr. Otto Schaden nun von einer Herzattacke, die er im November 2006 erlitt und wegen der er mehrere Wochen im Krankhaus verbringen musste, erholt hat, teilt er auf der Grabungs-HP mit, dass die diesjährige Grabungskampagne auf die Sommermonate verschoben wird. Man wird von Mai bis August arbeiten, also während der heißesten Monate des Jahre - nicht gerade ein Vergnügen. Glücklicherweise stehen hauptsächlich Arbeiten an, die in der "Werkstatt", also den hinteren Räumen des Grabes von Amenmesse (KV 10) durchgeführt werden können, wo die Temperatur vielleicht etwas erträglicher sein wird. Man wird Konservierungen und Restaurierungen durchführen und die noch nicht geöffneten Krüge untersuchen. Wünschen wir Otto Schaden gute Gesundheit, damit er seine Arbeit in Ruhe fortsetzen kann.
KV 63 (Update unten auf der Seite)

02. Februar 2007
Streit um "Weltwunderstatus"

Der Schweizer "Abenteurer und Filmemacher" Bernard Weber möchte per Online-Umfrage die sieben Weltwunder neu bestimmen lassen. Bisher gelten die Pyramiden von Giza als das letzte noch existierende Weltwunder, das von dem griechischen Historiker Herodot neben den hängenden Gärten der Semiramis in Babylon, dem Koloss von Rhodos, dem Grabmal in Halikarnassos, dem Leuchtturm von Alexandria, dem Artemis-Tempel in Ephesos und der Zeusstatue in Olympia entsprechend kategorisiert worden war. Erwartungsgemäß ermpören sich die Ägypter über diesen Frevel. Angeblich hat man dort Weber jegliche Zusammenarbeit verwehrt. Man sieht in Webers Bestrebungen nichts weiter als eine PR-Kampagne. Nach meiner Auffassung lohnt die ganze Aufregung nicht. Die Pyramiden sind gegenüber solchen Versuchen ohnehin erhaben. Insofern lohnen auch diese Zeilen eigentlich nicht, geben sie doch Herrn Weber noch eine weitere öffentliche Plattform.
Die Neue Epoche