ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Februar 2009
28. Februar 2009
Otto's Dig Diary zu KV 63 upgedatet
Dieses Mal geht es in der Hauptsache um die Untersuchung von Textilien, z.B. das inzwischen 10. (!) Kissen und eine Art "Teppich oder Handtuch", das sehr zerfallen ist. Es dürfte ursprünglich mindestens 1 qm groß gewesen sein. Die Webart ist schlaufenartig. Das Konvolut erinnert an ähnliche Funde aus dem Grab des Kha in Deir el-Medina, dort über ein Bett gelegt, und aus dem sogenannten "Soldatengrab" in Deir el-Bahari.
KV 63 (mit neuen Abbildungen unter "Photos 2009")

26. Februar 2009
Hölzerne Grabausstattungen in Dahschur gefunden
In einem noch nicht näher identifizierten Grabschacht in Dahschur (offensichtlich nicht in Saqqara, wie verschiedentlich gemeldet) fanden Wissenschaftler der Waseda Universität vier anthropoide Särge, drei hölzerne Kanopenkrüge sowie vier Uschebtikästen mit 38 teilweise zerbrochenen Uschebtis. Obwohl die Särge geöffnet und leer waren - der Schacht war wahrscheinlich von Grabräubern heimgesucht worden -, befinden sich die Objekte in gutem Zustand. Datiert werden sie auf die Ramessiden- oder die Spätzeit. Es handelt sich um die Grabausstattung für zwei Personen. Die Inhaber der Särge konnten anhand der Beschriftung auf den Kanopen und den Uschebtikästen identifiziert werden. Die Namen der bisher unbekannten Personen lauten Tutpaschu und Jrjseraa.
drhawass.com  (Pressemitteilung unter "Home -> What is new")
reuters

25. Februar 2009
Exaktere Angaben zum Mumienfund in Saqqara (s.u. Meldung vom 09.02.2009)
Neben den ohne Sarg in Grabnischen abgelegten Mumien fand man vier Kalksteinsarkophage und vier anthropoide hölzerne Särge. Einer der Holzsärge war versiegelt. Nach dem Öffnen fand man ein Mumie der Spätzeit, in Leinen gewickelt und mit Harz behandelt. Nach der Sarginschrift handelt es sich um Padi-Heri, Sohn des Djehutj-Sesch-Nub, Enkel von Iru-Ru. Einer der Kalksteinsarkophage war ebenfalls noch versiegelt und wurde geöffnet. Darin befand sich eine bisher nicht identifizierte, aber gut erhaltene, in dunkel verfärbtes Leinen gewickelte Mumie. Das weitere Öffnen der Holzsärge wurde wegen ihres fragilen Zustands zunächst gestoppt.
Al-Ahram Weekly
drhawass.com  (Pressemitteilung unter "Home -> What is new")

25. Februar 2009
Nofretete
Ein Artikel der Ausgabe 935 von Al-Ahram Weekly befasst sich mit der jüngsten Bemühung der ägyptischen Antikenbehörde, die Büste der Nofretete zurückzufordern. Im Prinzip ist darin nichts Neues zu erfahren außer der Behauptung, Borchardt hätte das Stück vor der Fundteilung bewusst "versteckt", indem er es mit einer Gipsschicht bedeckte. Al-Ahram beruft sich dabei auf einen Artikel des "Spiegel". Meine Recherche bei Spiegel-online erbrachte keine Bestätigung für eine derartige Aussage.

24. Februar 2009
Statue aus dem Alten Reich in Giza gefunden
Bei Instandhaltungsarbeiten wurde unter einem Touristenpfad an der Nordseite der Pyramide des Mykerinos in nur 40 cm Tiefe eine Sitzstatue aus Quarzit gefunden. Eine Inschrift ist leider nicht vorhanden. Anhand stilistischer Merkmale, vor allem wegen der Form der Perücke, kann angenommen werden, dass sie aus dem frühen Alten Reich stammt. Nach den veröffentlichten Fotos zu urteilen, scheint es sich nicht um die Darstellung eines Königs zu handelt.
reuters
stern
krone

22. Februar 2009
Korrektur zu den Funden von Luxor, gemeldet am 18.02.2009
In Kom el-Hettan (Gedächtnistempel Amenhophis' III. in Theben West) wurde in der Tat eine monumentale Statue des Königs gefunden, jedoch keine Hatschepsut-Büste. Ausgräber sind Hourig Sourouizian und ihr Team, das dort seit langem arbeitet.
Jane Akshar's Blog

19. Februar 2009
Neue Fragmente zum Turiner Königspapyrus entdeckt
Im Keller des Ägyptischen Museums Turin wurden weitere Fragmente der "Turiner Königsliste" entdeckt. Um 1820 brachte Drovetti ein in Ägypten käuflich erworbenes Bündel Papyrus mit nach Turin, das jedoch in zum Teil winzigste Fragmente zerfiel. Die Papyri wurden später u.a. durch Champollion rekonstruiert; sie enthielten neben anderen auch eines der wichtigsten Dokumente, das gemeinsam mit weiteren Aufzeichnungen (Manethos Königsliste, Königsliste im Sethos-Tempel von Abydos u.a.) die Grundlage bildet, um die Chronologie Ägyptens nachvollziehen zu können. Nun wurden weitere Fragmente entdeckt. Das komplette Konvolut soll nach England ins British Museum verbracht werden, wo man die technischen Mittel hat, eine neue Rekonstruktion des Papyrus vorzunehmen. Dabei könnten unter Umständen überraschende neue Erkenntnisse gewonnen werden.
lastampa (Artikel im italienischen Original)
lastampa (Google-Übersetzung ins Deutsche)

Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung der Europäischen Akademie Bozen - European Academy Bozen/Bolzano
19.02.2009
Erster internationaler Kongress zur Mumienforschung in Bozen
Seit der Gletscher am Similaun vor 17 Jahren die Mumie Ötzi freigegeben hat, ist der Mann aus dem Eis für Forscher verschiedenster Disziplinen zu einer wichtigen Quelle geworden. Ötzi ist 5300 Jahre alt und weltweit die älteste bekannte Feuchtmumie. Um die bisherigen Studien über Ötzi zu bündeln, neue Forschungsansätze zu finden und Erkenntnisse aus der Erforschung anderer Mumien mit einzuschließen, organisiert das Institut für Mumien und den Iceman der Europäischen
Akademie Bozen (EURAC) zusammen mit dem Südtiroler Archäologiemuseum vom 19. bis 21. März 2009 den ersten internationalen Kongress zur Mumienforschung in Bozen.

Der "Bolzano Mummy Congress" findet zeitgleich mit der weltweit größten Mumienausstellung statt, die zu dieser Zeit in Bozen gastiert. Am Kongress nehmen Archäologen, Paläontologen, Paläobotaniker und Experten in Konservierungstechniken aus aller Welt teil. Der Programmschwerpunkt liegt vor allem auf den biomedizinischen Studien an Mumien.

Unter anderem nehmen der Paläoepidemologe und Paläopatologe Arthur Aufderheide, Professor an der University of Minnesota und Autor wichtiger Studien die auf der DNA-Analyse von Mumien aufbauen, Eduard Egarter Vigl, Primar der Pathologie am Krankenhaus Bozen und Verantwortlicher für die Konservierung des Mannes aus dem Eis,  Salima Ikram, Professorin für Ägyptologie an der American University in Cairo, Heather Gill-Robinson Anthropologin an der North Dakota State
University, Sonia Guillen, Direktorin des wichtigsten Zentrums zur Konservierung der peruanischen Mumien und Albert Zink, Leiter des EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman am Kongress teil.

Highlights des Kongresses:
Donnerstag 19. März 10.30 Uhr: Pressekonferenz
Freitag 20. März 20.00 Uhr: Festvortrag von Arthur Aufderheide - University of Minnesota.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.eurac.edu/mummycongress
Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie unter http://idw-online.de/pages/de/news301728
Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw - http://idw-online.de


18. Februar 2009
Statuen in Luxor ausgegraben
Die ägyptische Nachrichtenagentur MENA meldet, man habe in Luxor eine Büste der Hatschepsut gefunden sowie eine 3 m hohe Statue Amenophis' III. Letztere sei sehr gut erhalten ausgegraben worden; lediglich an der Nase und "den Zähnen" (vermutlich am Mund) zeigen sich Beschädigungen.
Zum genauen Fundort werden keine Angaben gemacht, ebenso wenig wie zu den näheren Fundumständen.
xinhuanet

18. Februar 2009
Ein Vermögen für eine Fälschung?
Im Jahre 1998 erwarb das französische Ehepaar Pinault bei einer Auktion eine 57 cm große Sitzstatue Sesostris' III. in dem Glauben, es handele sich um ein Original aus der Regierungszeit dieses Königs. Die Pinaults hatten wohl vor, es dem Louvre zu stiften. Der Preis betrug seinerzeit rund 780.000 Euro. Das Stück war offensichtlich bereits vor der Versteigerung dem Ägyptischen Museum Berlin angeboten worden. Dort hatte man den Ankauf jedoch abgelehnt. Direktor D. Wildung hielt es schlicht für eine Fälschung und hatte dies auch öffentlich zum Ausdruck gebracht. Nachdem die Pinaults davon erfuhren, wollten sie den Kauf rückgängig machen; die Zahlung wurde zunächst zurückgehalten. Ein daraufhin gerichtlich angeordnetes Gutachten, erstellt von zwei Louvre-Kuratorinnen, besagte schließlich, dass die Statue tatsächlich nicht aus der Regierungszeit Sesostris' III. stammte, sondern wenige Jahre nach dessen Tod postum erstellt worden, damit aber immerhin noch zeitgenössisch sei. In der Folge wurde der Kaufvertrag wurde für gültig erklärt und die Pinaults zur Zahlung verurteilt. Die Käufer ließen nun auf eigene Kosten eine Materialanalyse durchführen, die den Verdacht erhärtete, dass bei der Herstellung der Statue moderne Werkzeuge verwendet worden waren und dass es sich um eine moderne Fälschung handelt. Der französische Ägyptologe Jean Yoyotte unterstützte diese Annahme. Das Pariser Berufungsgericht schloss sich dieser Meinung nun offensichtlich ebenfalls an. Die Pinaults können hoffen, dass sie ihr Geld einschließlich aller Zinsen zurück erhalten. Allerdings kann gegen dieses jüngste Urteil noch Berufung eingelegt werden. Das meldet faz.net.
Der 10 Jahre alte Konflikt liest sich in einem langen Artikel von artcult aus dem Jahre 2003 wie eine Tragikkomödie mit Akteuren aus dem Who-is-Who der Ägyptologie. Amüsant ist - falls es sich dabei nicht um eine Zeitungsente handelt, dass die bei der Materialanalyse an der Statue festgestellten Spuren von Eisenwerkzeugen in einem fachlichen Gegengutachten als antik, also aus dem Mittleren Reich stammend, attestiert wurden.

17. Februar 2009
Tschechische Ägyptologie in schwerem Wasser
Ein Online-Artikel schildert die Schwierigkeiten, denen sich die renommierte tschechische Ägyptologie gegenüber sieht. Eine Umorganisation und Neubewertung aller wissenschaftlichen Disziplinen bereitet ihr erhebliche Probleme. Die tschechischen Bildungsbehörden wollen in die Bewertung der Fachbereiche künftig die Anzahl der Publikationen einfließen lassen, eine Methode, die für die Ägyptologie unter Umständen "die Liquidation" bedeuten könnte, wie der Autor der Artikels schreibt. Ägyptologische Fachpublikationen lassen sich nicht aus dem Ärmel schütteln; ihre Anfertigung ist in der Regel mit erheblichem Zeitaufwand verbunden. Inzwischen befindet sich offensichtlich das Team, das bis November 2008 noch in Ägypten arbeitete, in einer finanziellen Notlage. Leider wird nicht erwähnt, welche Mission betroffen ist. Es könnte sich um die Grabungen in Abusir handeln.
Möglicherweise werden die tschechischen Wissenschaftler künftig im Sudan tätig werden. Nach Aussage von Miroslav Barta ist man dort an einer Zusammenarbeit sehr interessiert. Offensichtlich sind im Januar die Kontakte vor Ort bereits vertieft worden. Aber auch für die Arbeit im Sudan, auch wenn sie weniger kostenintensiv ist als die in Ägypten, wird eine entsprechende finanzielle Ausstattung bernötigt. Man will versuchen, diese über Sponsoren sicherzustellen. Die endgültige Entscheidung wird erst im Frühjahr fallen.
tyden (Artikel im tschechischen Original)
tyden (Google-Übersetzung ins Deutsche, Basis für die obige Zusammenfassung)

13. Februar 2009
Verschiedene Informationen von Zahi Hawass' HP
Auf der Homepage von Zahi Hawass befinden sich einige lesenswerte Artikel und Fotostrecken. So berichtet er dort auch über die laufenden Arbeiten im Tal der Könige auf der Suche nach KV 64 und zeigt anschauliche Fotos. Unter anderem wird Bezug genommen auf den von Nicholas Reeves vor Jahren vorgenommen Bodenradar-Survey. Im Jahre 2007 scheint man ein Ostrakon gefunden zu haben, das den (im Artikel nicht genannten) Namen einer bisher unbekannten Königin trägt.
Ein weiterer Eintrag auf der Homepage bezieht sich auf die jüngste der "Alle-Jahre-wieder"-Forderungen nach Rückgabe der Nofretete-Büste. Diesmal soll ein Nachweis existieren, dass Borchardt als Ausgräber von Amarna seinerzeit der ägyptischen Antikenbehörde gegenüber den Wert der Büste vorsätzlich verschleiert hätte. Ein Schriftstück der Deutschen Orient-Gesellschaft soll entsprechende Äußerungen enthalten.

Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst
Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen
13. Februar 2009
Fachwiki zum Thema "Schäden durch Salze"
Mitte Februar startet im Hornemann Institut der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte Projekt "Schaffung einer internetbasierten Informationsstruktur mittels Fachwiki (inkl. Repositorium) zum Thema "Schäden durch Salze" im Forschungsbereich "Erhaltung von Kulturgut", kurz gesagt: das "Fachwiki Salzschäden".

Schäden durch Salze sind eine der häufigsten Schadensursachen an historischen Gebäuden Steinskulpturen, Wandmalereien etc., sind aber auch an vielen neueren Bauwerken anzutreffen. Trotz umfangreicher Forschungsarbeiten in den letzten Jahren bestehen immer noch deutliche Lücken im Kenntnisstand, so dass nicht nur Laien, sondern auch Fachleute wie Restauratoren/innen, Denkmalpfleger/innen, Bauingenieur/innen, Naturwissenschaftler/innen oder Architekt/innen in vielen Fällen noch ratlos vor dem durch Salz geschädigten Objekt stehen. Die Problematik am Objekt ist oft komplex. Es ist fundiertes Fachwissen notwendig, um die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können. Ein Fachwiki kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das vorhandene
Fachwissen kompetent, verständlich und kostenfrei allen zur Verfügung zu stellen. Bei einem Expertenworkshop der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück am 19. Februar 2008 wurde deshalb von rund 20 Teilnehmer aus dem In- und Ausland beschlossen, gemeinsam ein Fachwiki inklusive eines Repositoriums (Artikel, Daten, Diagramme, Abbildungen etc.) zu
erstellen, um mit dessen Hilfe aktuelles Fachwissen allen zur Verfügung zu stellen und um Forschungsergebnisse und Erkenntnisse aus der Praxis schnell und kostenfrei zu veröffentlichen. Dieser redaktionell betreute Fachwiki soll von einer internetgestützten
Kommunikations- und Organisationsplattform mit interoperablen Web 2.0 Applikationen wie Blogs, Foren, interaktivem Kalender oder Tagging unterstützt werden.

Als Betreiber des Fachwikis wählten die Experten das Hornemann Institut der HAWK aus, da es durch nationale und internationale Projekte im Bereich Erhaltung von Kulturgut und durch seine kostenfreien Online-Datenbanken und nicht-kommerziellen E-learning- Kurse gut bekannt ist.

Ab Mitte Februar wird der Mineraloge und bundesweit bekannte Salz- Experte Dr. Hans-Jürgen Schwarz für dieses Projekt im Institut für zunächst zwei Jahre beschäftigt.

Interessierte aus Forschung und Praxis sind herzlich eingeladen, sich dem Forschungsverbund anzuschließen und an der Erstellung des Fachwikis mitzuarbeiten.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.hawk-hhg.de und http://www.hornemann-institut.de
Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie unter http://idw-online.de/pages/de/news300876
Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw - http://idw-online.de


11. Februar 2008
Jüngste Arbeiten im Tempel von Karnak
Al-Ahram Weekly weiß in seiner Ausgabe 933 Interessantes zu berichten über die Arbeit des CFEETK (Centre Franco-Égyptien d'Étude des Temples de Karnak) im Jahre 2008. Erwähnung finden die Arbeiten an den Osiris-Kapellen im Osten des Tempelareals. Unter anderem konnte bei Restaurierungsarbeiten an der Kapelle für Osiris-Wennefer "Neb Djefau" festgestellt werden, dass diese schon in der Antike (zwischen 30. Dynastie und Ptolemäern) mehrfach rekonstruiert worden war. Südwestlich wurden Reste von Öfen für Bronzearbeiten gefunden. Die im Bereich der verschiedenen Osiris-Kapellen gefundene Keramik stammt aus der 26., 27. und 30. Dynastie, aber auch aus dem 5. und 4. Jahrhundert v.Chr.; darunter finden sich auch zyprische, phönizische und ägäische Fragmente. Es kamen auch verstreute Blöcke und Architekturelemente von Thutmosis III., Amenophis II. und Taharqa zum Vorschein. Am Opet-Tempel wurden Reinigungsarbeiten mit Hilfe von Mikro-Sandstrahl fortgesetzt. Beim Restaurieren des Tempelfundaments stieß man auf einen Sandsteinblock Thutmosis' III. mit der Widmung des Königs für die Göttin Opet. Auch am Chons-Tempel wurde gearbeitet. Man vermutet eine enge Verbindung zwischen beiden Tempeln, seit man auf entsprechende Hinweise stieß. Außerdem möchte man im Verlauf der weiteren Kampagnen der Herkunft der speziellen Rituale, die im Chons-Tempel gepflegt wurden, auf die Spur kommen.
Der Al-Ahram-Artikel enthält außer den hier beispielhaft genannten noch weitere und mehr ins Detail gehende Informationen sowie einige Fotos.

09. Februar 2009
Umfangreicher Mumienfund in Saqqara
In einem Mastabagrab, das offensichtlich in der 6. Dynastie für einen gewissen Sennedjem westlich der Stufenpyramide des Djoser in Saqqara angelegt worden war, stieß ein ägyptisches Archäologenteam auf  rund 30 Mumien. Eine der Mumien lag in einem verschlossenen Kalksteinsarkophag und weitere vier in Holzsärgen. Es handelt sich offensichtlich um eine in einem alten Grab angelegte Begräbnisstätte aus der Spätzeit (26. Dynastie, um 600 v.Chr.). Bei der Begutachtung des Fundkomplexes musste festgestellt werden, dass hier wahrscheinlich bereits in der Antike Grabräuber am Werk gewesen waren. 24 Mumien, darunter auch Kinder sowie ein Hund, waren offensichtlich ohne weitere Behältnisse in den Nischen des alten Grabes abgelegt worden. Sie befinden sich in sehr desolatem Zustand, was gegen eine sorgfältige Balsamierung spricht. Nach Öffnung des  Kalksteinsarkophags fand man die in Leinen und Harz gehüllte Mumie eines Mannes, wohl die des Padj-herj, Sohn des Djehutj-sesch-nub und Enkel von Jru-ru, dessen Name auf dem Sarkophag verzeichnet ist. Näheres konnte zu Padj-herj nicht herausgefunden werden, jedoch ist der hochwertige Kalksteinsarkophag ein Zeichen dafür, dass er wohlhabend gewesen sein muss. Die Mumie wurde entnommen, um sie einer CT-Untersuchung zu unterziehen.
latimes
reuters (mit einigen Fotos)
reuters (mit weiteren Fotos)
AP (ebenfalls mit Fotos)
video.vienna (Video von der Öffnung des Sarkophags)

09. Februar 2009
Das Leben der Meresamun - Eine Tempelsängerin im alten Ägypten
Noch bis Ende 2009 findet im Oriental Institute Museum Chicago eine Ausstellung statt, die sich ausschließlich mit einer Tempelsängerin namens Meresamun befasst. Meresamun lebte im 9. vorchristlichen Jahrhundert in Theben. Eine Inschrift auf ihrem farbenprächtigen Kartonagesarg (James Henry Breasted kaufte ihn 1920 in Ägypten an) besagt, dass sie als "Sängerin im Inneren des Tempels von Amun (in Karnak), die für Amun lebt" diente. Die Ausstellung beinhaltet neben dem erwähnten Sarg auch Gegenstände, die typisch sind für das Umfeld einer ägyptischen Sängerin. Außerdem werden Aufnahmen von CT-Untersuchungen gezeigt, die detaillierte Erkenntnisse erbrachten. Meresamun war etwa 1,65 m groß, hatte ein symmetrisches Gesicht und hohe Wangenknochen. Ihr leicht abgenutztes Gebiss zeigt einen Überbiss. Sie starb mit etwa 30 Jahren und war offensichtlich bei guter Gesundheit. Ihre Knochen zeigen, dass sie zu Lebzeiten gut ernährt und körperlich aktiv war. Auf den CT-Aufnahmen gut sichtbar sind die im Körper der Toten verbliebenen Organe; ihre Augenhöhlen sind mit steinähnlichen Objekten bedeckt. Es wird angenommen, dass Meresamun als hochrangige Priesterin ihren Dienst  für die königliche Familie versah. Zur Todesursache konnte nichts herausgefunden werden.
chronicle.uchicago
news.scotsman
dailymail (mit einigen CT-Aufnahmen)
oi.uchicago

07. Februar 2009
Grabungstagebuch KV 63
Otto Schaden hat die ersten Ergebnisse in seinem Dig Diary veröffentlicht. Das Team war in der Hauptsache damit beschäftigt, die noch verschlossenen Krüge zu öffnen und deren Inhalt zu untersuchen. Verpackt in einem Krug fand man Teile eines hölzernen Bettes mit Pfosten, die Löwen-/Leopardenköpfe zieren. Die Liegefläche ist 1,70 m lang, die Beine fehlen. Möglicherweise diente es nur als Unterlage beim Balsamierungsprozess. Es wurde auch wiederum ein Kissen gefunden, das intakt zu sein scheint, sowie eine Anzahl von Miniaturen, und in einem der Krüge fand man Fragmente eines augenscheinlich kompletten anderen Kruges. Obwohl  auch Teile von Krugverschlüssen auftauchten, konnte ein königlicher Name nach wie vor nicht identifiziert werden. Die Reinigungsarbeiten an den Särgen werden weiter fortgesetzt und man hofft, wenigstens ein paar Inschriftenreste zum Vorschein zu bringen.
Dig Diary KV 63
Fotoserie KV 63 2009

05. Februar 2009
Die Macht der Farben
Bei der Untersuchung einer 4.700 Jahre alten Mumie eines Kleinkindes stießen Wissenschaftler u.a. auf einen Lederbeutel mit zwei Steinen, der wie ein Amulett in die Mumienbinden gewickelt war. Das Material des einen Steins konnte als grüner Chrysokoll (Kieselkupfer), ein Mineral von türkiser bis grüner Farbe, identifiziert werden. Die Biologin Raffaella Bianucci vom Dipartimento di Biologia Animale e dell'Uomo der Universität Turin sieht darin ein Amulett, das dem kleinen Körper wegen seiner grünen Farbe, die in Ägypten auch für das jenseitige Leben stand,  im Jenseits magischen Schutz gegen Krankheit bieten sollte. Man konnte außerdem ermitteln, dass das Kind an einer akuten Malariainfektion starb. Die komplette Studie zur Untersuchung der Kindermumie wird in der März-Ausgabe des Journal of Achaeological Science veröffentlicht.
thaindian
msnbc (mit einem Foto des Steins)

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg
03. Februar 2009
Kult um den Krokodilsgott

Ägyptische Tempel waren nicht nur Kultstätten, sondern auch florierende Wirtschaftsunternehmen. Was an den heiligen Orten ablief? Das erforscht der Ägyptologe Martin Stadler von der Universität Würzburg. Für sein Projekt hat er 300.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligt bekommen - eine ungewöhnlich große Summe für ein geisteswissenschaftliches Vorhaben.

Mitten in der Wüste, nahe bei der Oase Fayum, südwestlich von Kairo: Dort liegen die Überreste des Tempels Dime, für den sich Privatdozent Dr. Martin Stadler interessiert. Der Tempel war in den Jahrhunderten um Christi Geburt dem Soknopaios geweiht, einem Gott mir Krokodilskörper und Falkenkopf. Die Bewohner von Fayum verehrten ihn als Manifestation des Sonnengottes, als Gott der Schöpfung.

Ritual für den Gott

Über das tägliche Ritual, das die Priester in Dime zelebrierten, weiß der Würzburger Ägyptologe schon einiges. Die Priester durften den Tempel nicht einfach so betreten. Sie hatten bestimmte Wege einzuhalten und mussten an vorgeschriebenen Stellen Sprüche sagen. Darin beteuerten sie zum Beispiel, in guter Absicht zu kommen - denn der Gott sollte das Eindringen in sein Heiligtum nicht als Aggression auffassen.

Ziel des Weges war immer das Allerheiligste des Tempels. In diesem Raum befand sich ein Schrein mit einem Kultbild des Gottes. "Das war eine meist etwa 50 Zentimeter große Statue, und die Priester hatten sie jeden Tag aufs Neue zu versorgen", erklärt Stadler. Weihrauch wurde verbrannt, der Schrein geöffnet. Die Priester salbten dann die Statue, versahen sie mit neuer Kleidung und reichten ihr Opfergaben. Zu all diesen Tätigkeiten hatten sie Ritualsprüche aufzusagen.

Papyri in demotischer Schrift entziffern

Wie das Ritual ablief, welche Worte die Priester sprechen mussten: Das erfährt Stadler aus Papyri, die aus dem Tempel von Dime stammen. Mehrere Überreste eines einstmals zusammenhängenden Textes hat er in den vergangenen Jahren in ganz Europa zusammengetragen. In Berlin, Wien, London und anderen Städten. Als Beute von Raubgräbern waren die wertvollen Handschriften im 19. Jahrhundert dorthin gelangt.

Beschrieben sind die Papyrus-Fragmente mit demotischer Schrift. "Das war eine Schreibschrift für den täglichen Gebrauch. Sie ist über Umwege aus dem Hieroglyphischen entstanden, circa ab 650 vor Christus", sagt der Ägyptologe. Die Entzifferung dieser Schrift ist selbst für den Experten eine Herausforderung: "Sie ist wahnsinnig schwierig, weil sie vom normalen Demotischen abweicht. Das ist bei religiösen Texten häufig der Fall und ganz besonders noch einmal bei den Papyri aus Dime", so Stadler. Denn die Schreiber dieses Ortes hatten sich einige Eigenheiten angewöhnt.

Noch kniffliger wird die Erforschung der Papyri, weil die antiken Dokumente teils stark zerlöchert sind. Aber auch daraus gewinnt
Stadler eine Erkenntnis: "Das weist auf einen häufigen Gebrauch der Papyrusrolle hin. Die Priester hatten sie beim Ritual im Tempel dabei und lasen die Texte ab."

Texte liefern Hinweise für Grabungen

Von Stadlers Einsichten profitiert auch ein italienisches Forschungsteam um die Archäologin Paola Davoli. Sie ist von der
Universität des Salento in Lecce und leitet die Grabungen in Dime.

Bis 2002 gingen die Wissenschaftler davon aus, dass der Tempel von Dime drei hintereinander liegende Tore hat. Bis sie dann einen Anbau freilegten. Und bis Stadler bei einem Vortrag von Paola Davoli eine Zeichnung vom Grundriss des Tempels sah. Aus dem demotischen Text wusste er, dass der Priester beim Eintreten in den Tempel von Dime fünf Tore zu passieren hatte. Deren Lage erkannte er auf dem Grundriss. Und so konnte er voraussagen, dass im Anschluss an den soeben entdeckten Anbau die große Säulenhalle folgen müsste. Die Italiener hörten es mit Interesse - und fanden Stadlers Theorie im weiteren Verlauf der Grabungen bestätigt.

Seitdem kooperiert der Würzburger mit den Forschern aus Lecce. Er ist der so genannte Grabungsphilologe, entziffert und ediert also Schriftstücke, die bei der Grabung gefunden wurden und die noch entdeckt werden. Und der schwierige Ritualtext aus Dime, den er selber zusammengetragen hat? Seine weitere Erforschung ist Teil von Stadlers DFG-Projekt: "Bis wir ihn komplett verstehen, werden noch einige Jahre vergehen."

Der Tempel von Dime als Wirtschaftsfaktor

Nicht nur um Religiöses drehen sich die Texte aus Dime. Sie geben auch Aufschluss über das Leben im Umfeld des Tempels. "Der Kult musste finanziert werden. Weihrauch war teuer, die Priester mussten von etwas leben, das Personal in den Tempelwerkstätten war zu bezahlen", sagt Martin Stadler.

Kurzum: Der Tempel war auch ein Wirtschaftsunternehmen - mit Verwaltung und Buchhaltung, mit Ländereien, Viehherden und
Wollproduktionsstätten. In der römischen Zeit von 300 vor bis 250 nach Christus wurde der Tempel auch besteuert. "Dime war in der höchsten der damals drei Steuerklassen", sagt Stadler, "daher wissen wir, dass er florierte und von großer Bedeutung war."

Über die wirtschaftliche Tätigkeit des Tempels von Dime gebe es in Berlin und Wien "meterlange Texte, die alle noch unerforscht sind", so Stadler. Rund 1300 Listen aus der Tempelbuchhaltung, die allesamt sehr gut datiert sind, harren der wissenschaftlichen Bearbeitung. "Nach ihrer Auswertung können wir die Wirtschaftsgeschichte von Dime schreiben", sagt Stadler. Auch das soll in seinem Projekt angegangen werden.

Wofür die Projektmittel gedacht sind

Stolze 300.000 Euro in den kommenden drei Jahren für ein geisteswissenschaftliches Forschungsprojekt - wofür wird das Geld
verwendet? "Wir müssen viel reisen", sagt Martin Stadler, "in Museen und Archive nach Ägypten, Frankreich, England und in die USA." Die Förderung beinhaltet auch eine Personalstelle für einen promovierten Ägyptologen oder eine promovierte Ägyptologin. Hinzu kommt Geld für studentische Hilfskräfte, Material und Publikationen.

Weitere Informationen:
PD Dr. Martin Stadler, T (0931) 31-2787,

martin.stadler@uni-wuerzburg.de

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.aegyptologie.uni-wuerzburg.de/mitarbeiter/stadler/

Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie unter http://idw-online.de/pages/de/news299415
 
Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw - http://idw-online.de

03. Februar 2009
Kanope als Deko
Ein britischer Sammler war offensichtlich im Besitz einer antiken Kanope gewesen, deren Bedeutung seine Erben nach dessen Tod vor 20 Jahren zunächst nicht erkannten. Sie platzierten sie als Dekorationsobjekt auf der Terasse. Inzwischen erfolgte eine Datierung (1550 - 1069 v.Chr.) und das Stück wurde zwecks Verkauf einem Auktionshaus übergeben.
telegraph (mit Foto)