ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Februar 2010
28. Februar 2010
Fund im Kom el-Hettan

Bei den Arbeiten im Gelände des Tempels von Amenophis III. in Kom el-Hettan haben die Ausgräber einen monumentalen Granitkopf des Königs gefunden. Er passt zu einer Statue, die man dort im vergangenen Jahr gehoben hatte. Der Kopf ist gut erhalten; lediglich der Zeremonialbart fehlt. Es wird vermutet, dass man bei weiteren Arbeiten an der Fundstelle noch darauf stoßen wird. Während der schon seit vielen Jahren andauernden Arbeiten in Kom el-Hettan wurden immer wieder spektakuläre Funde gemacht (als ein Beispiel von vielen siehe Beitrag vom 05.03.2009). Ein ähnlicher Fund wie der aktuelle, nämlich der eines Monumentalkopfes aus rotem Granit, wurde schon im Februar 2006 gemeldet.
kleinezeitung
AP

26. Februar 2010
Ägyptische Priester und ihre üppigen Mahlzeiten

Nach einer Studie an 60 Mumien im Laufe der letzten 30 Jahre, die durch Röntgen und mit Hilfe von rehydrierten Proben von Körpergewebe untersucht wurden, konnte ein verstärktes Auftreten von Arteriosklerose ermittelt werden. Da es sich bei den Mumien um in der Hauptsache um sterbliche Hüllen von Priestern handelt, werden Rückschlüsse auf die Ernährungsgewohneiten dieses Personenkreises gezogen. In der Tat war es im alten Ägypten üblich, die den Göttern geopferten Nahrungsmittel nach der Opferzeremonie ausgewähltem Tempelpersonal zum Verzehr zu überlassen. Diese gehaltvollen Mahlzeiten scheinen verschiedene Leiden befördert zu haben, wie z.B. die oben erwähnte Arteriosklerose.
Derartige "Zivilisationskrankheiten" wurden an ägyptischen Mumien bereits mehrfach nachgewiesen - siehe dazu Meldungen vom 17.11.2009 und vom 04.12.2009. Ob es sich bei den jüngsten veröffentlichten Medienberichten um eine weitere Untersuchungsreihe handelt oder ob hier die bereits bekannten Ergebnisse noch einmal wiedergegeben werden, ist leider nicht klar erkennbar.
monstersandcritics
topnews.us

25. Februar 2010
Gestohlener Sarg kehrt nach Ägypten zurück

Ein Sarg aus der 21. Dynastie, dessen Inhaber den Namen Isesy trug, wird an Ägypten zurückgegeben. Im Oktober 2008 traf der Sarg, aus Spanien kommend, als Stückgut am Flughafen von Miami ein (siehe auch Beitrag vom 22.03.2009). Da dem Zoll keine offiziellen Papiere vorgelegt werden konnten, wurde er von den Beamten beschlagnahmt. Nachforschungen ergaben, dass das Stück Ägypten nach 1970 verlassen hatte, d.h. er wurde illegal außer Landes gebracht. Im Jahre 2007 war er Teil einer Ausstellung in Madrid. Inzwischen haben Kontakte zwischen den amerikanischen Behörden und dem SCA stattgefunden mit dem Ergebnis, dass der Sarg im März seine "Heimreise" nach Ägypten antreten wird.
drhawass.com

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen
23. Februar2010
Konservierung und Restaurierung studieren: Infotag am 6. März an der HAWK

Die Fakultät Erhaltung von Kulturgut in Hildesheim stellt ihre Bachelor und Master-Studiengänge sowie die Studienrichtungen vor

Die HAWK-Fakultät Erhaltung von Kulturgut lädt gemeinsam mit dem Fachschaftsrat der Studierenden für den 6. März 2010 alle
Studieninteressierten zu einem Infotag ein, um über Neuigkeiten und besondere Möglichkeiten des Restaurierungsstudiums in Hildesheim zu informieren. So wird der Bachelor-Studiengang  Präventive Konservierung vorgestellt. Welche laufenden Praxisprojekte im In- und Ausland erwarten die Studierenden? Wie arbeiten die fünf Hildesheimer Studienrichtungen, die unterstützenden Labore und die übergreifenden Lehrgebiete zusammen?
Kennenlernen können die Studieninteressierten auch die Projektarbeit im Master-Studiengang Konservierung und Restaurierung, die Lust auf Forschung, auf Managementaufgaben, auf Verantwortung und Selbständigkeit weckt. Für die individuelle Spezialisierung und
Profilierung der Studierenden bietet das Studienangebot umfassende Entfaltungsmöglichkeiten. Der Master-Studiengang Baudenkmalpflege rundet das Angebot der Fakultät ab.
Neue Studierformen, wie die Möglichkeit des Teilzeitstudiums, werden ebenfalls ein Thema sein. Sie bieten flexible Rahmenbedingungen, die optimal auf persönliche Lebenssituationen und Familie eingehen. Studierende des Fachschaftsrates und Professoren beantworten  in Einzelberatungen individuelle Fragen.
Der Info-Tag der Fakultät Erhaltung von Kulturgut am 6. März 2010 findet in Hildesheim, Bismarckplatz 10, im Seminarraum im 1.
Obergeschoss statt. Beginn ist um 11 Uhr mit der Begrüßung und Vorstellung der Fakultät sowie der Studiengänge und der
Darstellung des Hildesheimer Profils. Um 11.45 Uhr präsentieren sich die Lehrenden mit ihren Lehrgebieten. Um 12.30 Uhr gibt es einen Imbiss mit Gelegenheit zum Kennen lernen. Um 13 Uhr schließt sich eine Führung durch die Werkstätten und Labore an. Ab 15 Uhr gibt es Gelegenheit zur persönlichen Studienberatung durch die Professorinnen und Professoren sowie die Fachschaft der Studierenden.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.hawk-hhg.de
Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie unter: http://idw-online.de/pages/de/news356803
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - http://idw-online.de

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Gerda Henkel Stiftung
23. Februar 2010
Gerda Henkel Stiftung öffnet interaktives Wissenschaftsportal

Die Gerda Henkel Stiftung hat ein neues Internetportal errichtet. Seit heute informiert "L.I.S.A. - Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung" fächerübergreifend über Themen aus dem Bereich der Historischen Geisteswissenschaften und lädt zur Verständigung über Forschung ein.
Anerkannte Wissenschaftler, junge Forscherinnen und Forscher, aber auch interessierte Laien können sich an Themen-Dossiers beteiligen, eigene multimediale Beiträge einbringen und in allen Bereichen des Portals aufeinander Bezug nehmen. In einer eigenen Rubrik "L.I.S.A.video" veröffentlicht die Stiftung zweimal wöchentlich neue Episoden von Filmen aus dem Forschungsalltag, die von Wissenschaftlern selbst gedreht und von einer Produktionsfirma professionell aufbereitet wurden.
"Mit L.I.S.A. möchten wir ein spezialisiertes, zuverlässiges Umfeld schaffen, das dem großen Interesse an historischen Themen Rechnung trägt und das die klassischen Formen der fachlichen Auseinandersetzung an den Hochschulen und in den Medien ergänzt", so Dr. Michael Hanssler, Vorsitzender des Vorstands der Gerda Henkel Stiftung. Während die Homepage der Stiftung auch weiterhin über stiftungseigene Aktivitäten, Förderungen und Initiativen berichtet, ist L.I.S.A als eigener Diskussionsraum angelegt, der nicht nur Projektpartnern offen steht.
L.I.S.A. besteht aus drei Bereichen: Ein Online-Redakteur moderiert die Beiträge, entwickelt Themendossiers und akzentuiert wichtige Aspekte der im Portal behandelten Schwerpunkte. Die Doktorandinnen und Doktoranden der Gerda Henkel Stiftung können ihre Dissertationsvorhaben präsentieren und sich in einem nichtöffentlichen Bereich untereinander austauschen. Für L.I.S.A.video haben Archäologen, Historiker, Kunsthistoriker, Psychoanalytiker und Restaurierungswissenschaftler ihre Forschungen gefilmt. Begleitet von der Autorin Gisela Graichen und dem Produzenten Peter Prestel, ist in Ägypten, Deutschland, Griechenland, der Mongolei, Nepal und auf Sri Lanka Filmmaterial entstanden, das zu je zehn dreiminütigen Episoden aufbereitet wurde und fortlaufend auf L.I.S.A.video zu sehen sein wird.
Kontakt
Gerda Henkel Stiftung - Pressestelle - Dr. Sybille Wüstemann
Malkastenstraße 15 - 40211 Düsseldorf
Tel.: 0211 93 65 24 0 - E-Mail: wuestemann@gerda-henkel-stiftung.de

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de
Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter: http://idw-online.de/pages/de/news356822
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - http://idw-online.de

20. Februar 2010
Pressemitteilung des SCA zu den Ergebnissen der Analysen
Im Nachgang zur Pressekonferenz  des SCA im Ägyptischen Museum Kairo ist nunmehr auch eine diesbezügliche Pressemitteilung auf der Homepage von Zahi Hawass erschienen. Sie enthält neben den bereits bekannten Informationen einige zusätzliche Hinweise:
  • Außer den bereits bekannten 16 Mumien wurde auch Knochenmaterial untersucht, das aus dem mehrfach geplünderten und stark zerstörten königlichen Grab von Amarna stammt. Bisher war davon ausgegangen, dass sich die Angaben über Knochenfunde in frühen Grabungsberichten heute nicht mehr verifizieren lassen (siehe dazu Homepage Amarnaproject). Über die Untersuchungsergebnisse dieses Materials wird nichts berichtet.
  • Zur Analyse wurde den Probanden Knochenmaterial entnommen. Auf dieser Basis erfolgte die Extrahierung von nuklearer DNA der Y-Chromosomen, mit deren Hilfe die väterliche Linie bestimmt werden konnte, sowie von autosomaler DNA. Autosomale DNA befindet sich im Chromosomensatz des Menschen, kann jedoch nicht zur Geschlechtsdefinition herangezogen werden. Auf diese Weise konnte die direkte Linie von Tutanchamun über das männliche Skelett aus KV 55 zu Amenophis III. nachgewiesen werden. Die Bestimmung der väterlichen Abstammung gilt als schwierig, da die erhaltenen Spuren der entsprechenden Erbgutbestandteile nur einen Bruchteil der Bestandteile zur Bestimmung der mütterlichen Linie ausmachen.
  • Die als Mutter von Tutanchamun identifizierte sogenannte Younger Lady aus KV 35 ist die leibliche Tochter von Amenophis III. und Teje, d.h. Echnatons Schwester "ersten Grades". Es wird weiter daran gearbeitet, die Identität dieser Frau zu ermitteln.
  • Die in KV 21 gefundenen Überreste der weiblichen Mumie "A", deren Identität ebenfalls noch nicht geklärt ist, stammen mit größter Wahrscheinlichkeit von der Mutter der beiden Frühgeburten, die Carter im Grab Tutanchamuns gefunden hatte.

18. Februar 2010
DNA-Testergebnisse ernten neben Jubel auch verhaltene Kritik



Neben dem weltweiten Aufschrei des Entzückens über die Ergebnisse der Testreihe an ägyptischen Mumien, die für die Chronologie der Amarnazeit in der Tat von außerordentlichem Wert sind, hört man auch kritische Stimmen. Die Hauptkritikpunkte:
  • Das Kombinieren des Gesundheitszustandes Tutanchamuns mit den Grabbeigaben sei fragwürdig. Gehstöcke und "Heilpflanzen" seien keine unüblichen Objekte für das Jenseits und für derartige Rückschlüsse nur bedingt geeignet.
  • Malaria als Todesursache lasse sich ohne eine Untersuchung der (nicht vorhandenen) inneren Organe nicht sicher nachweisen. Ebensogut kann - wie bereits früher vermutet - die eindeutig festgestellte und dokumentierte Beinfraktur in Verbindung mit einer nicht definierbaren Wundinfektion tödlich gewesen sein.
  • Mögliche Kontaminierung der Mumie durch Fremd-DNA, angefangen bei den Balsamierern, die die Ergebnisse verfälschen könnte. Das Erbgut könnte außerdem schon vor Jahrzehnten durch Röntgenstrahlen beschädigt worden sein.
  • Der fehlende ultimative Beleg, dass es sich bei den Mumienteilen aus KV 55 tatsächlich um die von Echnaton handelt.
Zum letzten Punkt muss man konstatieren, dass es sich - obwohl inschriftlich nicht explizit belegt - nach der in der Grafik abgebildeten Abstammungslinie nur um Echnaton handeln kann. An der Identifizierung haben sich Wissenschaftler seit vielen Jahrzehnten versucht und sind bei der Entwicklung Dutzender Theorien zu den unterschiedlichsten Ergebnissen gekommen. Die Mumienteile wurden 1907 im Grab 55 gefunden. Sie lagen in einem sogenannten Rischi-Sarg (siehe Abbildung), in dessen Inschrift die Königsnamen so brutal ausgehackt waren, dass eine Rekonstruktion nicht möglich war. Die Vermutungen zur hier bestatteten Person schwankten zwischen Semenchkare, einem Prinzen, der in der Historie der Amarnazeit nur schattenhaft auftaucht, und Echnaton. Neben anderen Kriterien war das Sterbealter der Person von großer Wichtigkeit. Anfangs schätzte man es auf etwa 25 Jahre, was für Echnaton wegen anderer gesicherter Daten nicht gelten konnte. Heute scheint klar zu sein, dass der Mann aus KV 55 älter war. Nach jüngeren Untersuchungen konnte er bei seinem Tod bis zu 60 Jahre alt gewesen sein. Dies kommt der Identifizierung als Echnaton sehr entgegen.

nature
wissenschaft-online
mdr

17. Februar 2010
Tutanchamun: Die Ergebnisse der DNA-Analyse und -Vergleiche
Hunderte von Meldungen beschäftigen sich aktuell mit den Ergebnissen der vergleichenden DNA-Analyse verschiedener Mumien, die die Abstammung Tutanchamuns offenbaren. Ich möchte mich jedoch auf wissenschaftliche Veröffentlichungen beschränken.

Abstammung und Pathologie in der Familie Tutanchamuns (JAMA - Journal of the American Medical Association):
Bei der Untersuchung von insgesamt elf Mumien des Neuen Reiches sollte das Verwandtschaftsverhältnis zu Tutanchamun ermittelt sowie pathologische Befunde hinsichtlich einer möglichen Ermordung des Königs, zur Blutverwandtschaft, zu Erbkrankheiten und zu Infektionen analysiert werden. Als Teil des "King Tutankhamun Family Project" wurden von September 2007 bis Oktober 2009 an königlichen Mumien detaillierte anthropologische, radiologische und genetische Untersuchungen vorgenommen. Dazu wurden nicht nur besagte elf Mumien aus der Zeit von ca. 1410 bis 1324 v.Chr. untersucht, sondern auch fünf weitere aus einer früheren Epoche (1550 bis 1479 v.Chr.). Als genetische und morphologische Referenz dienten Mumien mit direkter Abstammung von Tutanchamun.  Um die DNA-Ergebnisse abzusichern, wurden alle Analysen von einem unabhängigen Labor mit eigenem Personal Schritt für Schritt wiederholt. Der genetische Fingerabdruck erlaubte schließlich die Konstruktion eines Stammbaumes von Tutanchamuns direkter Abstammungslinie über fünf Generationen. Die schlecht erhaltene männliche Mumie aus KV 55 und die weibliche Mumie aus KV 35, die so genannte "Younger Lady", konnten als Eltern von Tutanchamun identifiziert werden.

Anzeichen von Gynekomastia (weibliche Brüste bei männlichen Personen) oder Kraniosynostose (Verknöcherung von Schädelnähten und spätere Deformierung) wurden nicht gefunden. Außerdem zeigen die Befunde, dass kein Marfan-Syndrom vorliegt. Allerdings zeigt sich eine offensichtliche Häufung von Deformationen in Tutanchamuns Familie. Bei Tutanchamun selbst wurden verschiedene entsprechende Symptome, darunter auch die Köhlersche Krankheit (Fehlentwicklung des Mittelfußknochens), festgestellt. Diese Leiden können jedoch nicht zum Tode geführt haben. Die Untersuchung spezifischer Gene der Malaria führte bei vier der untersuchten Mumien zu positiven Ergebnissen, darunter auch bei Tutanchamun. Avaskuläre Knochennekrose ( Zerstörung von Knochengewebe infolge Blutverlustes) und die zusätzliche Infektion mit Malaria tropica sind die wahrscheinlichste Todesursache. Die Gebrechen des Königs finden vielleicht ihren Niederschlag in seiner Grabausstattung, in der sich auch eine große Anzahl von Gehstöcken befand.

Zu früheren Forschungsergebnissen hinsichtlich Malariaerkrankungen im Alten Ägypten siehe Beitrag vom 23.10.2008.

Die im JAMA veröffentlichten Untersuchungsergebnisse nähren die Annahme, dass es sich bei der männlichen Person auf dem berühmten, bisher nicht eindeutig zuzuordnenden Relief des "Spaziergangs im Garten" (siehe Abbildung links), das sich im Ägyptischen Museum Berlin befindet, um eine lebensnahe Darstellung Tutanchamuns handelt. Die weibliche Person sollte demzufolge mit seiner Gemahlin Anchesenamun zu identifizieren sein.

Es muss aber auch sicher noch einmal darüber nachgedacht werden, ob Tutanchamun tatsächlich - wie verschiedentlich vermutet und durch Darstellungen und Texte unterstrichen - an Kriegshandlungen teilgenommen hat. Seine Anwesenheit ist möglich, jedoch scheint eine aktive Teilnahme aufgrund der Gebrechen des Königs fraglich. Auch die von ägyptischen Pharaonen gern bildlich und inschriftlich wiedergegebenen Jagdausflüge, die auch von Tutanchamun bekannt sind, müssen vielleicht in einem anderen Licht gesehen werden. Allerdings befanden sich im Grab des Königs auch Waffen, die dem täglichen Gebrauch gedient hatten, und auf der Haltestange eines mit Straußenfedern bestückten Fächers findet sich die Inschrift, dass ihm dieser "während des Jagens in der Wüste im Osten von Heliopolis" geholt wurde.

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Europäische Akademie Bozen - European Academy Bozen/Bolzano
17.02.2010
Eltern von Tutanchamun identifiziert

DNA-Analysen geben Aufschluss über die Familie der weltberühmten Mumie aus dem Tal der Könige in Ägypten

Seit fast einem Jahrhundert fasziniert er Fachwelt und Geschichtsbegeisterte. Seit sein Grab 1922 nahezu unberührt gefunden wurde, ist Tutanchamun der berühmteste Pharao der ägyptischen Antike. Unklar war bislang jedoch, woher der bereits mit 19 Jahren verstorbene junge König abstammte. Wer waren seine Eltern? Diese Frage, an der die Ägyptologie lange Zeit scheiterte, beantwortet nun ein Forscherteam aus Deutschland, Südtirol und Ägypten.

In einem speziell eingerichteten DNA-Labor in Kairo haben die Forscher unter der wissenschaftlichen Leitung von Albert Zink, Anthropologe an der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) und Carsten Pusch, Humangenetiker an der Eberhard Karls Universität Tübingen, zwei Jahre lang mit modernsten Methoden und Techniken genetische Untersuchungen an 16 Mumien durchgeführt. Nun sind sie fündig geworden: Vater von Tutanchamun ist der berühmte Pharao Echnaton, das Grab seines
mumifizierten Körpers wird im Tal der Könige mit der Nummer KV (King Valley) 55 geführt. Mutter ist die so genannte "Younger Lady", die Mumie aus Grab KV35, die zusammen mit einer weiteren - älteren - weiblichen Mumie gefunden wurde. Ob es sich bei der "Younger Lady" um die berühmte Nofretete handelt, analysieren die Mumienforscher derzeit noch.

Ermöglicht wurden den Forschern diese einzigartigen Erkenntnisse durch ein von Discovery Channel finanziertes Pionier-Projekt unter der Leitung von Zahi Hawass, Direktor des "Supreme Council of Antiquities" in Kairo. Erstmalig konnten ausgedehnte genetische, forensische und radiologische Untersuchungen an Tutanchamun und 15 weiteren Mumien des Neuen Reichs durchgeführt werden. "Wir haben hier eine vollkommen neue Dimension der molekularen und medizinischen Ägyptologie beschritten", erklärt Albert Zink, der an der Europäischen Akademie Bozen das weltweit erste Institut für Mumienforschung leitet.

Im September 2007 hatte das zehnköpfige Forscherteam begonnen, von elf Mumien aus der Verwandtschaft Tutanchamuns und von fünf weiteren Mumien Gewebeproben aus dem Knocheninnern zu entnehmen. In zweijähriger Arbeit haben die Mumienforscher die DNA extrahiert und genetische Fingerabdrücke für alle 16 Mumien erstellt. "Wir haben unsere Analysen mehrfach wiederholt und in einem zweiten Labor unabhängig repliziert", erklärt Humangenetiker Carsten Pusch, der am Institut für Anthropologie und Humangenetik der Universität Tübingen lehrt. Dies, um mögliche Kontaminationen, Vermischungen mit moderner DNA, auszuschließen. So haben die Wissenschaftler auch die DNA-Profile aller an den Untersuchungen beteiligten Mitarbeiter erhoben und
regelmäßig mit den Pharaonen-Daten verglichen. Überrascht waren die Forscher von dem vergleichsweise guten Erhalt der alten DNA, der offensichtlich durch die speziellen Einbalsamierungstechniken für die Königsmumien gefördert wurde.

Ihre Ergebnisse sind wegweisend. Durch die genetischen Fingerabdrücke konnte ein Fünf-Generationen-Stammbaum der Familie Tutanchamuns erstellt werden.
Zudem ist man der Todesursache des berühmten Pharaos ein Stück weit näher gekommen: In Tutanchamun konnten unter Mithilfe des Bozner Radiologen Paul Gostner mehrere Erkrankungen diagnostiziert werden. Darunter eine Knochennekrose am linken Fuß, die zur mangelnden Blutversorgung des Knochens und zum Knochenabbau führte. "Diese Erkrankung allein hat mit Sicherheit nicht zum Tod geführt, aber sie hat ihn in seiner Mobilität stark eingeschränkt", erklärt Albert Zink. "Es erklärt wohl auch, warum man in seinem Grab zahlreiche Gehstöcke gefunden hat."

Lebensbedrohlicher war die zweite Erkrankung, die die Wissenschaftler feststellen konnten: "Tutanchamun hat an der schwersten Form von Malaria, der Malaria tropica, gelitten", erklärt Carsten Pusch. "Dies könnte zusammen mit der Knochennekrose zum Tod geführt haben." Verschiedene Pflanzenreste, die in seinem Grab gefunden wurden, unterstützen die Malaria-Diagnose. Sie sind teilweise noch heute für ihre fiebersenkende und schmerzlindernde Wirkung bekannt.

"Wir hatten das Glück, diese einzigartige Studie durchführen zu können, die ein jahrhundertealtes Rätsel über die Familienverhältnisse
des weltberühmten Pharaos Tutanchamun gelöst hat", erklären die beiden Mumienforscher Albert Zink und Carsten Pusch abschließend. "Und wir forschen weiter. Nofretete steht noch aus...Wir haben gerade erst ein neues Universum betreten!"

Die Wissenschaftler haben ihre Studie in einer der renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften, dem "Journal of the American Medical Association" (JAMA) publiziert. Sie erscheint dort am 17. Februar 2010.


Eberhard Karls Universität Tübingen
Hochschulkommunikation
Leiterin Myriam Hönig
Wilhelmstr. 5, D- 72074 Tübingen
t +49 (0)7071 / 29-76788
f +49 (0)7071 / 29-5566
myriam.hoenig@uni-tuebingen.de
http://www.uni-tuebingen.de

Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter: http://idw-online.de/pages/de/news355716
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw -  http://idw-online.de

13. Februar 2010
Neue Informationen zu den Funden aus KV 63
Im Grabungstagebuch von Otto Schaden wird über die Fortschritte in der Bearbeitung und Restaurierung der aus KV 63 geborgenen Objekte berichtet. Die wunderschöne Maske des Sarges B (Lageplan der Objekte im Grab siehe hier) wurde nach den Konservierungsarbeiten wieder in den Sargdeckel eingefügt. Man ist außerdem weiterhin bemüht, den Text auf den Fragmenten von Sarg A vollständiger zu entziffern. Bisher konnte bereits die Sargbesitzerin, die königliche Amme Iny, identifiziert werden. Deren Sargmaske war mit Glaseinlagen dekoriert. Auch Blattgold sowie rote und blaue Einlagen wurden gefunden. Die Sargteile sind schlecht erhalten, aber man versucht, sie zu stabilisieren und - wo dies möglich ist - zusammenzufügen. Die Vermutung, dass es sich bei vielen Objekten aus KV 63 um Reste aus Balsamierungsvorgängen handelt, wird durch die genauere Untersuchung der Keramikgefäße untermauert. Sie zeigen große Ähnlichkeit mit den Anfang des 20. Jahrhunderts in KV 54 gefundenen Stücken. Entsprechende Übereinstimmungen sind auch bei den Pflanzenfunden festzustellen sowie bei den über 40 Lehmformen, die sich - wie in KV 54 - auch in KV 63 fanden. Die Wissenschaftler möchten in Kürze auch den Kindersarg (D) genauer untersuchen. Derzeit befindet sich darauf noch eine Harzschicht, die man hofft entfernen zu können. Durch die Schicht bereits jetzt erkennbar sind u.a. aufgemalte Augen und Lippen; möglicherweise war die Oberfläche sogar vergoldet.
Grabungstagebuch KV 63
Fotos der Kamapagne 2010

07. Februar 2010
Archäologische Arbeiten im Cliff über Deir el-Bahari
Eine polnische Mission versucht seit langem, in den Bergen oberhalb des Tempels der Hatschepsut in Deir el-Bahari dort vermutete Gräber freizulegen. Kate Phizackerley veröffentlicht dazu in ihrem Blog ein zehnminütiges Video vom November 2009, das die dort laufenden Arbeiten sehr anschaulich illustriert.

04. Februar 2010
Die Restaurierung der Sphingenallee in Luxor
Am 03. März 2010 wird im Beisein des ägyptischen Staatsoberhauptes Hosni Mubarak die Sphingenalle in Luxor eröffnet. Wie auch an dieser Stelle schon verschiedentlich berichtet, laufen seit einigen Jahren Arbeiten, um diesen antiken Verbindungsweg zwischen dem Luxor- und dem Karnaktempel auszugraben, ihn soweit wie möglich wieder herzustellen und in das "Open Air Museum Luxor" zu integrieren. Die Sphingenallee diente den Ägyptern als Prozessionsstraße für bedeutende religiöse Aufzüge, z.B. für das Opetfest. Der SCA stellte eine Summe von 60 Mio. LE zur Verfügung, die zum einen für die Ausgrabungen verwendet wurden, zum anderen aber auch für die Entschädigung von Anrainern, deren Eigentum wegen der archäologischen Aktivitäten in diesem Bereich zerstört wurde. Von den ursprünglich 1.350 Sphingen konnten 650 gehoben werden, z.T. nur noch in Fragmenten vorhanden. Die übrigen dürften Steinraub in jüngerer Zeit zum Opfer gefallen sein. Neben den Sphingen fand man weitere Artefakte aus griechischer und römischer Zeit sowie Teile der Barkenstationen Königin Hatschepsuts, die sich einst an der Strecke befanden und deren Blöcke später von Pharao Nektanebos I. wieder verwendet wurden.
AFP
drhawass.com

03. Februar 2010
Hawass kündigt bedeutende Forschungsergebnisse an
Innerhalb der nächsten drei Monate soll über eine Anzahl wichtiger archäologischer Erkenntnisse berichtet werden, kündigt Zahi Hawass gemäß einem Artikel in bikaymasr an. Dazu zählt er z.B. die Ergebnisse der DNA-Analyse an der Mumie Tutanchamuns und jüngste Entdeckungen in Saqqara. Im März sollen offensichtlich außerdem die  - von vielen lang ersehnten - Roboter in der Großen Pyramide von Giza zum Einsatz kommen, um "die Geheimnisse der Korridore zu enthüllen". Hawass macht außerdem noch einmal deutlich, dass die Bemühungen des SCA nicht ausschließlich das Erbe der Pharaonenzeit betreffen, sondern ebenso die Hinterlassenschaften der koptischen, jüdischen und muslimischen Kultur.

01. Februar 2010
Verschärfte Sanktionen gegenüber Grabräubern und Schmugglern
Das ägyptische Parlament hat ein strengeres Antiquitätengesetz beschlossen. Ägypter, die antike Artefakte in ihrem Besitz haben, müssen diese innerhalb von sechs Monaten der Antikenbehörde melden. Der Verkauf derartiger Objekte bleibt verboten. Das Parlament erlaubt zwar bestimmten Personen den Besitz antiker Objekte, allerdings nur unter der Bedingung, dass sie diese als Zuwendung erhalten haben und dass sie nicht zerstört werden oder sorglos mit ihnen umgegangen wird. Artefakte dürfen lediglich als Geschenk weitergegeben werden. Dazu ist die Zustimmung der Antikenbehörde erforderlich. Sie dürfen aber vererbt werden. Die Strafen für Zuwiderhandlungen wurden ebenfalls verschärft: Bei Antikenschmuggel drohen 15 Jahre Haft und eine Geldstrafe von bis zu 100.000 LE (z.Zt. gut 13.000 Euro), bei Antikendiebstahl oder unautorisiertem Besitz 10 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 50.000 bis 250.000 LE. Das Fälschen wird mit mit 5 Jahren Haft geahndet. Außerdem liegen die Verwertungsrechte für zertifizierte Repliken beim SCA. Das neue Recht verbietet auch die Praxis, dass ausländischen Grabungsmissionen 10 % der von ihr ausgegrabenen Stücke überlassen werden.
Das Fotografieren von archäologischen Stätten oder Artefakten zu kommerziellen Zwecken ist nur mit SCA-Genehmigung gestattet. Professionelles Fotografieren innerhalb von Museen und archäologischen Stätten ist komplett verboten, es sei denn, es liegt eine Erlaubnis vor. Das Verwenden von Fotomaterial für Bildungszwecke, von staatlichen Behörden, als Touristenattraktion und für den persönlichen Gebrauch ist gebührenfrei; das geistige Eigentum von Logos und Markenzeichen verbleibt bei den Behörden. Nur dem SCA ist es erlaubt, Museumslogos zu verwenden; andere Nutzer müssen Lizenzgebühren zahlen. Zwölf Logos wurden bereits auf den SCA registriert, darunter die Pyramiden von Giza und Saqqara, das Ägyptische, das Koptische und das Islamische Museum in Kairo, das Griechisch-Römische Musuem in Alexandria sowie die Tempel von Luxor und Abu Simbel. Man möchte damit erreichen, dass der Gewinn, der aus den ägyptischen Altertümern gezogen wird, z.B. durch Repliken, Fotos oder Abbildungen zu Werbezwecken, Ägypten zugutekommt und nicht ausländischen Großunternehmen. Die auf diese Weise ins Land kommenden finanziellen Mittel sollen in die Vorhaben zur Erhaltung der historischen Stätten fließen.
dawn
Al-Ahram Weekly