ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Februar 2011
Mit den ersten Großdemonstrationen am 25. Januar 2011 begann die ägyptische Revolution. Die darauf folgenden Tage waren geprägt von heftigen Unruhen, als das Regime zunächst versuchte, die Demonstrationen mit Gewalt zu beenden. Die Lage beruhigte sich glücklicherweise und seit dem Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak am 11. Feburar 2011 versucht Ägypten, auf einer neuen Basis zur Normalität zurückzukehren. Während der Unruhen mussten verschiedene Gabrungsmissionen ihre Arbeit unterbrechen; eine Anzahl von archäologischen Stätten und Museen haben durch Plünderungen und Vandalismus Schaden genommen. Das Ausmaß ist noch immer unklar. Unzählige, teilweise sehr widersprüchliche Aussagen gingen durch die Medien. Ich möchte auf diese Berichte mangels zuverlässiger Angaben nicht eingehen. Stattdessen verweise ich auf die Plünderungsdatenbank von Kate Phizerhackerley, in der alle erreichbaren Informationen zu diesem Thema sorgfältig zusammengetragen sind.


25. Februar 2011
Doppeltes Schmugglerpech

Der erhöhten Aufmerksamkeit nach den Diebstählen im Museum Kairo folgend, fanden Beamte am Flughafen Kairo im Gepäck eines ausreisenden Diplomaten eine für antik gehaltene Statue. Wie die hinzugerufenen Experten jedoch feststellen, handelte es sich dabei um eine Fälschung. Der Diplomat war einer Ohnmacht nahe, als er dies hörte. Wahrscheinlich hatte er einen nicht geringen Betrag für die Kopie bezahlt in der Annahme, es handele sich um ein echtes Stück. Mitnehmen wollte er es am Ende dann aber doch nicht; er übergab es den Zollbeamten als "Spende an das ägyptische Volk als Anerkennung für die Revolution".
aawsat



24. Februar 2011
Aswan: Tonnenschwere Statue Ziel von Dieben

In der Nacht von 23. auf den 24.02.2011 versuchten Diebe, aus einem Steinbruch bei Aswan eine monumentale Osirisstatue aus Granit zu stehlen. Aus unbekannten Gründen wurde das Objekt im Altertum an Ort und Stelle belassen; es liegt heute zur Hälfte im Sand begraben. Bevor die Diebe zuschlagen konnten, wurden sie von Sicherheitskräften festgesetzt. Bei dem angegebenen Gewicht des Stückes von 160 to kann es sich nur um einen Schreibfehler handeln. Unter Zugrundelegung der veröffentlichten Maße von 6 m Höhe, max. 1,75 m Breite, 8 cm Tiefe (?) und einem Granitgewicht von ca. 2,6 to/qbm käme man auf rund 20 to. Aber auch unter dieser Voraussetzung erscheint es als ein abenteuerliches Unterfangen, die Statue entwenden zu wollen. Bei dem Steinbruch handelt es sich nicht um den öffentlich zugänglichen Ort, an welchem sich der berühmte unvollendete Obelisk befindet, sondern offenbar um einen weiter südlich gelegenen. Es gibt aber Bestrebungen, auch diesen für Besucher herzurichten.
english.ahram
almasryalyoum



24. Februar 2011

Schatzgräber und Archäologen
Mit Bezug auf die Vorkommnisse während der Unruhen in Ägypten beschäftigt sich ein Artikel der NZZ mit der allgemeinen Behandlung ägyptischer Kulturstätten auch in friedlichen Zeiten und mit den Möglichkeiten, wie diese besser zu schützen wären. Bedroht sind nicht nur Relikte aus pharaonischer Zeit, sondern auch andere Objekte, etwa aus dem Mittelalter. Restaurierungen würden aus touristischen und weniger aus Gründen des Denkmalschutzes vorgenommen, sagt Cornelius von Pilgrim vom Schweizerischen Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde in Kairo. Dass man etwas restaurieren könnte, ist einfach nicht Teil des Denkens in diesem Land, lautet sein Urteil. Der Autor des NZZ-Artikels weist aber auch darauf hin, dass es bei der Masse der Kulturgüter fast unmöglich sei, alle Stätten optimal zu schützen. Zudem sei zwar das Interesse der Menschen an ihrem Erbe durch die publikumswirksamen Auftritte von Zahi Hawass (heute Antikenminister, vorher Chef des SCA) gestiegen, jedoch hätten diese eher zur Förderung einer Schatzjägermentalität geführt und weniger zu einer Meinungsbildung, die die Bedeutung der wissenschaftlichen Bearbeitung in den Vordergrund stellt. Dass die in Ägypten allgegenwärtige Korruption auch beim Umgang mit den Altertümern eine Rolle spielt, wird ebenfalls ausgeführt. Es werden aber noch weitere Probleme thematisiert, nämlich die möglicherweise unzureichende Ausbildung einheimischer Archäologen und Ägyptologen und vor allem die schlechte Bezahlung dieser Fachleute sowie außerdem das gespaltene Verhältnis der Ägypter zu ihrer ferneren Vergangenheit. Darauf weist auch Jan Assmann in einem Interview vom 15.02.2011 mit der Zeitung Die Welt hin, wenn er konstatiert Das alte Ägypten ist im Grunde eine europäische Erfindung, die dem modernen Ägypten aufgepfropft wurde. Die Ägypter selbst konnten damit nie viel anfangen, wobei er allerdings auch darauf hinweist, dass sich dies zumindest bei jungen Ägyptern langsam zu ändern scheint.



20. Februar 2011
Vorläufiger Bericht des Kings' Valley Project der Uni Basel online
Das Projekt der Uni Basel umfasst die undekorierten Gräber KV 26, 29, 30, 31, 37, 40 und 59, von denen die meisten in die 18. Dynastie, die die Zeit der Thutmosiden datiert werden. Bei der diesjährigen Kampagne wurden hauptsächlich Säuberungs- und Sicherungsarbeiten durchgeführt. Beim Aushub der Schächte von KV 29 und 59 fand sich in der Hauptsache Schutt, der durch Sturzbäche hinein gelangt ist. In den tieferen Schichten fand man Kalksteinchips und Scherben, die aus der 18. Dynastie zu stammen scheinen. Hinweise auf Begräbnisse wurden nicht gefunden. Ähnlich verhält es sich in KV 40. Allerdings kam 50 cm über dem Schachtboden Nilschlamm zum Vorschein. Es handelt sich dabei möglicherweise um Reste der ehemaligen Grabversiegelung; von eventuell früher vorhandenen Stempeln fand man keine Spur. Ein vom Schacht ausgehender Korridor konnte etwa zur Hälfte ausgeräumt werden, wobei ersichtlich war, dass es hier einen Brand gegeben haben muss. Aufgefundene Holzfragmente befinden sich in sehr schlechtem Zustand. Im Zuge der Sicherungsarbeiten an diesem Grab - es wurden Ziegelmauern errichtet und eine Eisentür angebracht - zeigte sich unter einem Haufen großer Steine etwa 1,5 m von der Schachtkante entfernt ein künstlich angelegtes Gebilde von 1 x 2 m Größe im Fels, das noch genauer untersucht werden soll. Es könnte sich um ein zu KV 40 gehöriges Begräbnisdepot handeln, aber auch um die ersten Arbeiten an einem nicht fertiggestellten Grabschacht. Wegen der Ereignisse wurde die Kampagne der Baseler Mission unterbrochen bzw. auf später verschoben.
aegyptologie.unibas



16. Februar 2011
Rechtsstreit in den USA zwischen Museum und Heimatbehörde
Das St. Louis Art Museum hat gegen die amerikanische Heimatbehörde geklagt, weil diese die Maske der Ka-nefer-nefer beschlagnahmt hat. Das Stück ist seit langem Streitobjekt zwischen dem Museum und der ägyptischen Antikenbehörde. Es soll illegal außer Landes geschmuggelt worden sein (siehe Beitrag vom 23.11.2008). Aufgrund dieser Anschuldigungen war die Maske in den USA von offizieller Seite sichergestellt worden. Gegen dieses Vorgehen wehrt sich das Museum nun mit rechtlichen Schritten.
courthousenews



14. Februar 2011
Demonstrationen gegen Zahi Hawass

Der Minister für Altertümer Zahi Hawass (früher Chef der im Ministerium aufgegangenen Antikenverwaltung SCA) wurde wie einige andere Personen der Regierung des Ex-Präsidenten Mubarak ebenfalls zum Ziel von Demonstranten. Rund 150 ägyptische Ägyptologen forderten seinen Rücktritt. Sie waren aufgebracht, weil sich beim (ehemaligen) SCA niemand um ihre Belange gekümmert hatte. Man hätte ihnen in der Vergangenheit höchsten einen Dreimonatsvertrag angeboten, zu einem Gehalt von 450 LE pro Monat. Das sei kaum genug zum Überleben. Die Demonstranten machten Hawass, den sie einen Showmann nannten, für ihre eigene und die Misere ihrer Kollegen verantwortlich und skandierten "Hau ab".
AP



09. Februar 2011
Neue Leiterin für das Roemer- und Pelizaeus-Museum

Regine Schulz wird Nachfolgerin von Katja Lembke, die zum 01.05.2011 in das Niedersächsische Landesmuseum Hannover wechseln wird. Schulz ist Direktorin der Internationalen Kuratorischen Beziehungen und Kuratorin für Antike Kunst im Walters Art Museum Baltimore (USA). Sie lehrt außerdem Ägyptologie an der Ludwig Maximilians Universität in München und an der John Hopkins Universität in Baltimore.
hildesheim



07. Februar 2011
Facebook für Wissenschaftler

Researchgate ist eine Plattform, auf der sich Wissenschaftler weltweit austauschen sollen. "Ein Online-Netzwerk für Forscher, um sich schneller und besser austauschen zu können, über die Grenzen von Ort und Zeit hinweg", beschreibt Madisch das Start-up. Researchgate ist ein soziales Netzwerk, eine Art Facebook für Forscher. Wissenschaftler können hier Kontakte aufbauen, sich gegenseitig helfen, heißt es in einem Artikel in der Berliner Zeitung. So könne man vermeiden, dass "das Rad zweimal erfunden wird".