ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Februar 2012

29. Februar 2012
Helm eines griechischen Söldners in Haifa gefunden

Bei der Ausbaggerung des Hafens von Haifa wurde im Jahre 2007 ein wertvoller griechischer Helm gefunden. Nach Aussage von Archäologen könnte er einem reichen griechischen Soldaten gehört haben. Datiert wird das Objekt auf etwa 600 v.Chr. Man nimmt deshalb an, dass der einstige Besitzer des Helms als Söldner in den Diensten des ägyptischen Herrscher Necho II. gestanden hat. Necho führte eine Reihe kriegerischer Auseinandersetzungen in der Region.
UPI


29. Februar 2012
Ergebnisse der DNA-Analysen von ramessidischer Königen warten auf Veröffentlichung

In einem Artikel des Onlinemediums tagblatt, der sich in erster Linie mit den jüngsten Ergebnissen aus der Untersuchungsreihe bezüglich der Gletschermumie Ötzi beschäftigt, geht Mumienspezialist und Humangenetiker Carsten Pusch, Tübingen, auch kurz auf die Untersuchung ägyptischer Mumien ein. Es stünden zwei diesbezügliche Projekte kurz vor dem Abschluss, meint Pusch. Eines umfasst die Erforschung der Mumien ramessidischer Könige, deren Anatomie, Erscheinungsbild und Genetik auf einen wahren Abgrund an politischen Ränkespielen und Mord hinweisen soll. Die Forschungsergebnisse kämen Vermutungen sehr nahe, die man aufgrund schriftlicher Überlieferungen bereits seit langem hege. In die gleiche Richtung weist übrigens ein Hinweis von Zahi Hawass aus dem Jahre 2010: "Vielleicht in einem Monat wird etwas mehr zu lesen sein über Ramses III. und seine mögliche Ermordung." (siehe Beitrag vom 24.09.2010)

Das zweite Projekt, dessen Ergebnisse noch nicht veröffentlicht sind, befasst sich mit dem Ursprung der Pharaonen, wo der Ursprung der Menschen des alten Ägypten lag, ob es noch Nachfahren im heutigen Ägypten gibt und wo sie leben. Für die Veröffentlichung der Ergebnisse fehlt bisher das grüne Licht aus Ägypten. Ehe es von dort aus keine offizielle Zustimmung gäbe, müsse er auf die Bekanntgabe weiter gehender Informationen verzichten, sagt Pusch.


28. Februar 2012
Antikenminister formuliert Anspruch auf NDP-Gebäude

Wie bereits angekündigt (siehe Beitrag vom 18.01.2012) hat Antikenminister Mohamed Ibrahim nun offiziell den Anspruch seines Ministerium auf das während er Revolution ausgebrannte NDP-Gebäude bzw. das Grundstück, auf dem sich die Ruine befindet, angemeldet. Es ging eine entsprechende Anfrage an Premierminister Kamal El-Ganzouri.
english.ahram



28. Februar 2012
Sarg aus KV 64 geöffnet

Der Sarg der Sängerin des Amun, Nehemes-Bastet, über dessen Freilegung im Tal der Könige kürzlich einige Reportagen durch die Medien gingen (siehe zuletzt Beitrag vom 22.02.2012), wurde inzwischen geöffnet. Dabei wurde mit einigem Erstaunen festgestellt, dass die intakte Mumie der Dame nur 1,55 m misst, während der Sarg eine Länge von 2 m aufweist.
swissinfo



27. Februar 2012
Peinlicher Flop bei angeblichem Antikenschmuggel

Bei dem angeblichen Schmuggelgut (siehe Beitrag vom 26.02.2012), das das britische Ehepaar mit sich führte und das zu ihrer Festsetzung am Flughafen von Luxor führte, handelt es sich um nichts anderes als um Souvenirs, wie man sie in allen Touristenshops erwerben kann. Auch als unbeteiligter Betrachter - und ich schließe mich selbst nicht aus - hätte man skeptisch werden müssen, wenn man sich das Foto der Kollektion ein wenig genauer angeschaut hätte.
luxortimes



26. Februar 2012
Gegend um Abusir verkommt zur Müllkippe

Wegen des Fehlens von Beamten, die für die Einhaltung geltender Gesetze sorgen, hat sich die archäologisch reiche Region von Abusir in eine Müllkippe verwandelt. Sie erstreckt sich bereits über mehrere Kilometer in die Wüste hinein. Müllfahrzeuge bringen ihre Ladung nicht mehr zu den vorgesehenen Deponien, sondern kippen sie stattdessen wild in Kanäle, in die Wüste und auf Areale mit antiken Hinterlassenschaften. Anwohner weisen darauf hin, dass es außerdem nach wie vor zu Plünderungen und Raubgrabungen käme. Anfangs hätten diese Aktivitäten noch heimlich bei Nacht stattgefunden, inzwischen aber würden illegale Grabungen in großem Umfang auch tagsüber und mit Hilfe von Transportfahrzeugen durchgeführt, sagen sie. Das Antikenministerium bestätigte die Angaben nicht und gab an, dass Plünderungen in dieser Gegend längst gestoppt worden seien.
egyptindependent



26. Februar 2012
Antikenschmuggel in Luxor vereitelt

Ein englisches Ehepaar hat versucht, 19 antike Objekte, neben Uschebtis, Münzen u. a. auch eine englische Version der Bibel aus dem 16. Jahrhundert, über den Flughafen von Luxor außer Landes zu bringen. Die Briten wurden bei der Ausreisekontrolle ertappt. Die Objekte gehen in das Magazin des Ägyptischen Museums.
luxortimes



18. Februar 2012
Dritter "Memnon" aufgerichtet

In den Ruinen des Gedächtnistempels Amenophis' III. in Kom el-Hettan fand das Team Sourouzian/Stadelmann im Jahre 2002 riesige Fragmente von zwei monumentalen Sitzstatuen des Königs, ähnlich denen, die heute als "Memnon-Kolosse" bekannt sind (Foto). Dabei handelte es sich um die Reste eines nördlichen und eines südlichen Kolosses; beide haben ursprünglich vor dem 2. Tempelpylon gestanden. In einem Kraftakt wurde nun kürzlich das Tonnen schwere Unterteil des nördlichen Monuments an seinem einstigen Platz wieder aufgerichtet. Kopf, Rumpf, Füße und Knie fehlen noch; die Fragmente sind vorhanden, müssen jedoch noch eingesetzt werden. Das wird - bis auf das Einpassen des rechten Fußes - erst in der nächsten Kampagne geschehen.
elmundo (spanisch)
dito (krude deutsche Übersetzung)



16. Februar 2012
Restaurierung des zweiten Cheops-Sonnenbootes beginnt

Mit einer Untersuchung der hölzernen Einzelteile des zweiten Sonnenbootes des Cheops (siehe auch Beitrag vom 23.06.2011) schreiten die Restaurierungsarbeiten fort.

Anhand dieser Konstruktionsteile werden Pläne erstellt, die schließlich zum Wiederaufbau des Bootes führen sollen - wie bereits mit dem ersten Sonnenboot in einem eigens dafür erbauten Museum geschehen (siehe Foto).

english.ahram


14. Februar 2012
Grabungserfolg in Abydos Nord

Ein Team des North Abydos Votive Zone Project stieß während einer Grabungskampagne im vergangenen Sommer auf ein Lehmziegelgebäude, das nach Auswertung der Inschriften wahrscheinlich unter Sethos I. errichtet wurde. Die Wände sind mit einer Stärke von 2 m außerordentlich mächtig. Das Gebäude, möglicherweise ein Tempel, umfasst drei Kammern. Eine dieser Kammern war vollgepackt mit mindestens 83 Tiermumien, meistens Hunde, aber auch Katzen, Schafe und Ziegen wurden gefunden. Die Mumien stammen wahrscheinlich aus einem noch nicht freigelegten Grab aus einer Zeit weit nach Sethos I. Grabungsleiterin Mary-Ann Pouls Wegner glaubt, dass sich in er Nähe noch ein sehr großes, später möglicherweise neu belegtes Begräbnis aus der Dritten Zwischenzeit befindet. Es könnte sein, dass Grabräuber die Tiermumien daraus entfernten und in die Kammer verfrachteten. Die vielen Hundemumien - an einem der Skelette konnte ein versorgter, verheilter Bruch festgestellt werden - stellen eine Verbindung zum schakalköpfigen Upuaut her, der in den jährlichen Osirisfeierlichkeiten von Abydos eine herausragende Rolle spielte. In einer weiteren Kammer des Gebäudes wurde eine 65 cm hohe hölzerne Statue gefunden, datiert auf 1550 - 1300 v. Chr. Die dargestellte Person trägt ein Nemestuch; es dürfte sich daher um einen Pharao handeln. Aufgrund stilistischer Merkmale ist es nicht ausgeschlossen, dass dieser Pharao Hatschepsut ist.
Die Ausgräber fanden während ihrer Kampagne außerdem zwei Gräber aus der Zeit Thutmosis' III., der in Abydos einen Votivtempel besaß, von denen eines, das sich in Tempelnähe befindet, zunächst noch nicht ausgegraben wurde. In der Nähe des zweiten Grabes fanden sich menschliche Überreste, Leinen und Holzfragmente und im Grab selbst eine Reihe von Fayence-Uschebtis. Weitere Uschebtis, die aus einem Begräbnis um 600 v. Chr. stammen und aus Lehm gefertigt wurden, zeigen Fingerabdrücke von Kindern. Dies führt zu der berechtigten Annahme, dass zur Herstellung dieser Figuren Kinder beschäftigt wurden.
Das Team um Mary-Ann Pouls Wegner wird die Grabungstätigkeit in Abydos fortsetzen. Sie stellt eine Herausforderung dar, weil frühe Archäologen des 19. Jahrhunderts gestörte Grabungsschichten hinterließen.
livescience (mit einigen Fotos)


13. Februar 2012
Erfolgreiche Arbeit am Qubbet el-Hawa

Die Universität von Jaén, Spanien, untersucht seit einigen Jahren die Gräber des Mittleren Reiches am Qubbet el-Hawa (siehe auch Beitrag vom 01.10.2008). Inzwischen läuft die vierte Kampagne (noch bis zum 03.03.) und es werden wertvolle Funde gemeldet aus dem großen Grab eines Provinzgouverneurs der 12. Dynastie, auf das sich die Archäologen derzeit konzentrieren. Darunter befindet sich auch ein gut erhaltener Holzsarg aus der 18. Dynastie. Bei der archäologischen Arbeit verlassen sich die Spanier nicht allein auf altbewährte Methoden. Es kommen auch neue Technologien zum Einsatz, z. B. RTI (Reflections Transformation Imaging) und 3D-Scanner, die das Lesen von Inschriften erleichtern. Es soll demnächst in die älteren Schichten des Grabes vorgedrungen werden, wo sich vielleicht ein noch intaktes Begräbnis befinden könnte.
europapress (spanisch)
dito (krude deutsche Übersetzung)
aktuelles Grabungstagebuch (spanisch, mit Fotos)


06. Februar 2012
Berliner Papyrusdatenbank onlin
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Seite Ende Januar 2012 ist der Zugriff auf BerlPap Berliner Papyrusdatenbank über das Internet möglich:

Die Berliner Papyrusdatenbank (BerlPap) ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt zur Digitalisierung großer Bestände der Berliner Papyrussammlung: Ziel dieses Vorhabens ist die Bereitstellung einer Datenbank im Internet, die digitale Abbildungen und alle relevanten Metadaten zu den in griechischer und lateinischer Sprache verfaßten Texten der Berliner Papyrussammlung enthält, die sich auf Papyri, Ostraka, Pergamenten, Holz- und Wachstafeln sowie Papier erhalten haben. Die Internet-Datenbank soll somit allen Altertumswissenschaftlern und am antiken Ägypten Interessierten Zugang zu hochwertigen Abbildungen der Originalobjekte und zusätzlichen Informationen bieten. Verlinkungen mit anderen Datenbanken erlauben die Erweiterung der Erkenntnissse. (Zitat von der obigen Webseite)


06. Februar 2012
Emergency Red List von ICOM herausgegeben

Die ICOM - The World Museum Community hat aktuell eine Rote Liste für Ägypten herausgegeben. Sie beinhaltet risikobehaftete Kulturobjekte. Die Liste soll Polizei, Zollbehörden, Kulturbehörden, Kunst- und Antikenhändler usw. als Werkzeug dienen, um bei Schmugglern und illegalen Händlern besonders beliebte Objekte besser identifizierten zu können. Bei den aufgelisteten und abgebildeten Stücken handelt es sich nicht um gestohlene Artefakte; sie sollen lediglich beispielhaft illustrieren, welche Kategorien besonders gefährdet sind.
icom
Download der Emergency Red List of Egyptian Cultural Objects at Risk (englisch) als PDF - ca. 3 MB


03. Februar 2012
Weltweite Datenbank für Mumienforscher

Mit einer Finanzspritze der National Science Foundation wird das Bioanthropologische Forschungsinstitut der Universität Quinnipiac eine Datenbank aufbauen, auf die Wissenschaftler aus aller Welt Zugriff erhalten. Die Datenbank soll dazu dienen, aus der Mumienforschung gewonnene Daten mit Anderen zu teilen und eine Zusammenarbeit über tausende von Meilen in Echtzeit zu ermöglichen. Dies wird dazu beitragen, ein besseres Verständnis für bestimmte Krankheiten, ihre Paleopathologie und Paleoepidemiologie zu entwickelt, meint Professor Ronald Beckett, einer der beiden Initiatoren des Projekts.
hamden.patch

Die wünschenswerte Einrichtung einer derartigen Datenbank hatte ich schon am 04.12.2009 im Beitrag "Die Leiden der Ägypter" angesprochen. Was allerdings am oben verlinkten Online-Artikel von HamdenPatch nachdenklich stimmt, ist die Aussage von Beckett: Sie (die Datenbank) wird Nutzer in die Lage versetzen, ihre Forschungen auszuweiten und und mit Führenden aus der Industrie zusammenzuarbeiten. Es wäre schade, wenn sich aus der Idee eine ungesunde Verquickung von institutioneller Forschung und Industrie ergeben würde.



01. Februar 2012
Landwirtschaftliche Methode der Antike - noch heute wirkungsvoll

In einem Eintrag im AERA-Blog berichtet die Archäologin Rabee Eissa über einen Befund, der bei den Ausgrabungen von Getreidesiloresten aus dem Alten Reich festgestellt wurde; sie zeigten eine hohe Konzentration von Asche rund um die Lehmziegelstruktur. Eissa geht davon aus, dass die Asche dazu diente, Insekten (z.b. Ameisen) vom eingelagerten Getreide fernzuhalten, eine Methode, die auch im modernen Ägypten noch angewendet wird.