ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  März 2007
31. März 2007
CAA-Konferenz 2007 vom 02. bis 06.04.2007 in Berlin

Zu dieser mehrtätigen Veranstaltung werden Experten aus aller Welt erwartet, um modernste und zukunftweisende Verfahren der Archäologie und verwandter Disziplinen vorzustellen und zu diskutieren.

Das rund 230 Seiten starke Programm mit Abstracts aller Beiträge ist online verfügbar.

Berliner Zeitung
CAA

31. März 2007
Gedenken an ägyptische Archäologen

Im Opernhaus von Kairo wurde in der letzten Woche erstmalig der "Gedenktag der Archäologen" feierlich begangen. Es ist vorgesehen, dieses Ereignis in jährlichem Turnus zu feiern, und zwar immer am 14. Januar. Am 14. Januar 1953 wurde die Antikenbehörde (Egyptian Antiquities Autrhority - EAA) eine nationale Institution und frei von ausländischem Einfluss. Erster Leiter war der Archäologe Mustafa Amer.

Al-Ahram weekly

31. März 2007
Artikel in Al-Ahram weekly zu den Utensilienfunden im Grab des Djehuty (s.u. Artikel vom 22.03.2007)

Im Großen und Ganzen wird der bereits beschriebene Fund bestätigt. Es wird zusätzlich darauf hingewiesen, dass während der Grabungsarbeiten am Djehuty-Grab auch acht Falkenmumien zum Vorschein gekommen waren. Ein Zeichen dafür, dass das Grab in der griechisch-römischen Zeit Ägyptens wiederverwendet wurde.

Während der Kampagne wurde auch das Grab von Hery, Scheunenvorsteher der Königin Ahotep, freigelegt. Das Grab ist bereits durch Champollions und Lepsius' Expeditionen bekannt, wurde von beiden Pionieren jedoch lediglich dokumentiert und nicht weiter angetastet. Der Al-Ahram-Artikel gibt Hery den Titel "Vorsteher der Schatzkammer", während die von Lepsius kopierte Inschrift ihn als "Vorsteher der Scheunen" bezeichnet:


Auszug aus Lepsius' Aufzeichnungen (Textband III, 238)

Al-Ahram weekly mit einem Foto der Blumenbouquets

31. März 2007
Große Pyramide von "Innen nach Außen" gebaut?

Der französische Architekt Jean-Pierre Houdin glaubt das Geheimnis des Pyramidenbaus gelöst zu haben. Seiner Ansicht nach sei die Große Pyramide des Cheops mit Hilfe einer "inneren Rampe" errichtet worden, die im Nachhinein nicht enfernt werden musste, sondern integrativer Bestandteil des Bauwerks blieb, eine "Pyramide in der Pyramide". Houdin bezeichnet die bisherigen Vorschläge (gerade oder umlaufende Rampen) als wenig praktikabel. Hinsichtlich der tonnenschweren Granitblöcke über der Königskammer hält er es für möglich, dass diese unter Verwendung eines Gegengewichts hinaufgehievt wurden. Houdin ließ ein 3D-Modell der Großen Pyramide anfertigen, das die von ihm vorgeschlagene Methode anschaulich macht. Das Modell war Teil einer Präsentationkonferenz am 30.03.2007, an der offensichtlich auch Ägyptologen teilnahmen.

Houdin möchte seine Theorie nunmehr am Objekt selbst nachprüfen und dabei - gesponsort durch den Hersteller - Radargeräte und Kameras mit Wärmemessung einsetzen. Voraussetzung ist allerdings die Zustimmung der ägyptischen Behörden. Bisher gibt es dazu noch keinen Kommentar des SCA.

Ich erinnere mich gut, dass bei einem Besuch in Giza vor einigen Jahren ein Freund mir gegenüber eher beiläufig die innere Rampe als Baumethode für die Große Pyramide vorschlug. Er scheint mit seiner Idee auf einem guten Weg gewesen zu sein. Aber - ohne finanzielle Mittel und ohne Lobby sind gute Ideen meist dazu verdammt, im "stillen Kämmerlein" zu verweilen.

chinadaily.com (mit Fotos)

30. März 2007
Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Projektträger im DLR, Dipl.-Met. Birgit Bott, 30.03.2007 10:16

"Freiraum für die geisteswissenschaftliche Forschung"
Förderinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung


Das Jahr der Geisteswissenschaften wurde am 25. Januar 2007 in Berlin feierlich eröffnet. Im Rahmen dessen hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Förderinitiative "Freiraum für die Geisteswissenschaften" bekannt gegeben. Das Konzeptpapier "Freiraum für die geisteswissenschaftliche Forschung" umreißt die zentralen Förderaktivitäten.

Folgende Bekanntmachungen im Bereich Geisteswissenschaften sind veröffentlicht:

1.     Internationale Kollegs für geisteswissenschaftliche Forschung (Bewerbung: 17.1.07 bis 30.4.07)

Das BMBF will mit Internationalen Kollegs für geisteswissenschaftliche Forschung die Potentiale der Geisteswissenschaften stärken und ihren international hohen Standard erhalten. Die Kollegs sollen zur Weiterentwicklung der internationalen Strukturen für geisteswissenschaftliche Forschung und deren Vernetzung beitragen. Außerdem sollen die für Deutschland wichtigen Beziehungen der geisteswissenschaftlichen Forschung zu Forschungszentren, Universitäten und Akademien in Europa und weltweit gestärkt werden.

Den programmatischen Mittelpunkt des Kollegs bildet eine wissenschaftliche Fragestellung oder ein Problem, das eine
vergleichende Perspektive in besonderem Maß erfordert und gemeinsam mit Wissenschaftlern anderer Nationen eine besondere Chance der Reflexion bietet (d. h. Forschen mit, nicht forschen über).

In den internationalen Kollegs soll einem oder zwei herausragenden Geisteswissenschaftlern / Geisteswissenschaftlerinnen frei verfügbare Forschungszeit gegeben werden, verbunden mit der Möglichkeit, an ihrem Ort internationale Forschungspartner auf Zeit für das Kolleg zu gewinnen. Mit diesem Angebot wird die Erwartung verbunden, dass die Konzeption des Kollegs zugleich Fortschritte in der interdisziplinären Kooperation vor Ort (unter Einschluss der so genannten Kleinen Fächer) und der internationalen Zusammenarbeit der Fächer möglich machen wird.

Gedacht ist das Kolleg als ein Ort der direkten Begegnung. Vergleichbar einem kleinen Think Tank sollen im Internationalen Kolleg neue Fragestellungen und Themen in international (kultur-) vergleichender Perspektive und ausgehend von den Herangehensweisen und Methoden verschiedener Wissenskulturen gedacht sowie personenbezogene Zusammenarbeit gefördert werden.

Internationale Kollegs für geisteswissenschaftliche Forschung sollen als Freiräume geisteswissenschaftlicher Spitzenforschung innerhalb der Universität errichtet werden. Es soll eine Eigenbeteiligung und ein Engagement der Hochschule gewährleistet sein. Das Programm des Internationalen Kollegs soll mit der Entwicklungsperspektive der Universität in Einklang stehen.

2.     Vorbereitungsmaßnahmen für die EU-Antragstellung der Geisteswissenschaften im 7. FRP
        (Bewerbung: seit 15.3.07 zunächst fortlaufend)

Erstmals in der Geschichte der europäischen Forschungsrahmenprogramme werden im 7. Forschungsrahmenprogramm explizit
geisteswissenschaftliche Themen und Fragestellungen europaweit ausgeschrieben. Hier ist insbesondere die Thematik unter der
Überschrift "Socio-economic Sciences and Humanities" zu nennen.

Um deutsche Wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu ermutigen, verstärkt Anträge bei der EU zu stellen und nicht zuletzt, damit deutsche Kompetenzzentren der Geisteswissenschaften als Knotenpunkte der europäischen Landschaft wirken, finanziert das BMBF Vorphasen für die Antragstellung bei der EU. Deutschen Forscherinnen und Forschern wird damit ermöglicht, Anträge zu entwickeln und entsprechende Netzwerke aufzubauen. Das BMBF bietet zwei Vorbereitungsmaßnahmen an: die Antragstellung auf aktuell veröffentlichte EU-Ausschreibungen (call-now), sowie die Antragstellung zur Bildung von thematischen Netzwerken, um aktiv auf zukünftige EU-Ausschreibungen vorbereitet zu sein (future-call).

3.     Wechselwirkungen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften
        (Bewerbung: 30.3.07 bis 31.7.07)

In diesem Förderschwerpunkt sollen Forschende aus den Geistes- und den Naturwissenschaften in interdisziplinären Forschungsverbünden zusammen arbeiten und sich gegenseitig bereichern. Ziel dieses Schwerpunktes ist nicht zuletzt die gleichberechtigte Diskussion verschiedener Fächerkulturen und der Einsatz geisteswissenschaftlicher Methoden zur Deutung naturwissenschaftlicher Daten und Ergebnisse.

Als Ausgangspunkte werden Fragestellungen a) aus der Archäologie und den Altertumswissenschaften und b) aus den Sprach- und Literaturwissenschaften gewählt. Für beide Themenbereiche gilt, dass sowohl der Einsatz naturwissenschaftlicher Methoden in den Geisteswissenschaften als auch umgekehrt, der Einsatz geisteswissenschaftlicher Methoden in den Naturwissenschaften
erwünscht ist.

Entsprechend der oben genannten Zielsetzung werden Forschungsverbünde aus wissenschaftlicher Forschung und Entwicklung gefördert, die sowohl geisteswissenschaftliche als auch naturwissenschaftlich-technische, mathematische oder informationstechnologische Kompetenz in die interdisziplinäre Zusammenarbeit einbringen. Anwendungsmöglichkeiten (im Sinne akademischer Anwendung oder - im weitesten Sinne - in der Wirtschaft) oder öffentlichkeitswirksame Darstellungen der Vorhaben, die den gesellschaftlichen Dialog anregen, sollten - sofern möglich - einbezogen werden.

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.pt-dlr.de/pt/bc/geist/
http://www.eubuero.de/http://www.eubuero.de/arbeitsbereiche/buergerundregieren

Wortlaut der Bekanntmachung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw - WWW: http://idw-online.de


26. März 2007
Illegal außer Landes gebrachte Alabaster-Behälter im Handel aufgetaucht

Im Jahre 1979 förderte Dieter Arnold bei seiner Grabung im Pyramidenkomplex von Amenemhet III. in Dahshur u.a. auch zwei Alabaster-Kästen in Entenform zu Tage, die von der ägyptischen Antikenverwaltung anschließend in einem Magazin in Saqqara eingelagert wurden. Nun - als Chef-Kurator des Metropolitan Museum in New York - wurde Arnold auf zwei solcher Kästen aufmerksam, die im Antikenhandel angeboten wurden, einer bei Christie's, der andere bei Rupert Wace. Es wurden schon Überlegungen angestellt, die Stücke für das Museum anzukaufen, jedoch beschäftigte sich Arnold noch einmal intensiv mit Fotografien der Stücke, um daraufhin festzustellen, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die von ihm ausgegrabenen Artefakte handelt. Er informierte die ägyptische Antikenbehörde. Nach einer Überprüfung des Magazins in Saqqara wurde dann auch tatsächlich festgestellt, dass neben anderen Dingen auch diese beiden Kästen fehlten.

Christie's übergab sein zum Verkauf stehendes Stück den amerikanischen Behörden, während Rupert Wace sein Stück dem in Paris ansässigen Besitzer zurückgab, der zusagte, dieses umgehend nach Ägypten zu transferieren.

Egyptian State Information Service

23. März 2007
Debod-Tempel in Madrid leidet unter der Umwelt

Der Tempel des Adichalamani, kuschitischer König Ägyptens aus der 25. Dynastie, aus Debod war ein Geschenk Ägyptens an Spanien - als Dank für die Unterstützung bei der Rettung der nubischen Tempel vor den Fluten des Nasser-Stausees in den 1960/1970ern (ähnlich des Kalabscha-Tors). Spanien demontierte das Bauwerk und errichtete es erneut in Madrid als Open Air Museum am Rande des Parque de la Montaña. Im Laufe der Jahrzehnte waren die antiken Mauern zunehmend Umwelteinflüssen ausgesetzt, so dass die Verantwortlichen gemeinsam mit der UNESCO nun nach Lösungen suchen, um den Tempel zu erhalten. Es wird in diesem Zusammenhang darüber nachgedacht, den gesamten Komplex mit einem gläsernen Dom zu überspannen.

jurnalo 

22. März 2007
Bestattungsutensilien in Theben-West freigelegt

Im Grab des Djehuty in Dra Abu el-Naga stieß das Team von José Galán auf die Bestattungsutensilien des Grabinhabers. Gefunden wurden 42 irdene Gefäße und ebenso viele Blumenbouquets, die nach der Begräbniszeremonie dem Verstorbenen offensichtlich mit ins Grab gegeben wurden. Die Zeremonie selbst ist auf den Grabwänden dargestellt: Priester tragen hier Gefäße und Blumen. Während die Archäologen mit Säuberungsarbeiten am Grab beschäftigt waren, stießen sie auch auf eine sechs Meter lange Mauer, die einst die Fassade bildete. Es traten noch andere Funde zu Tage. Im offenen Vorhof befand sich eine weitere Grabstätte, wo in einem kleinen Schacht in einem hölzernen Sarg die Überreste einer noch nicht identifizierten weiblichen Person ruhten. Erste Untersuchungen ergaben, dass dieses Begräbnis etwa 500 Jahre vor der Konstruktion des Djehuty-Grabes erfolgt sein dürfte. Unweit des Grabschachtes befinden sich noch zwei weitere Fundstätten mit einer Anzahl von Gefäßen aus der 18. Dynastie.

Djehuty war Vorsteher der Arbeiten unter Hatschepsut und beaufsichtigte die Arbeiten an der Heiligen Barke "User-hat-Amun", an einem Ebenholzschrein in Deir el-Bahri und an verschiedenen Kapellen, Toren, Altären und Obelisken in Karnak. Als "Vosteher des Schatzhauses" überwachte er das Registrieren der aus Punt und anderen Ländern mitgebrachten Preziosen. Wahrscheinlich wegen seiner Nähe zur Königin wurden sowohl Darstellungen seines Gesichts als auch sein Name innerhalb des Grabes zerstört.

Egypt State Information Service
El Confidencial (spanisch)

20. März 2007
Wieder einmal: neuer Anlauf für Roboter in der Großen Pyramide

In den Discovery News kündigt Zahi Hawass (nicht zum ersten Mal) den nächsten Step in Sachen Schachtuntersuchung an. Noch im März will er ein Projektteam zusammenstellen, das er aus Singapur oder Hongkong rekrutieren will.


20. März 2007

"Versunkene Schätze" auf dem Weg nach Deutschland

Nachdem Frank Goddios Ausstellung in Paris ihre Pforten geschlossen hat, werden die Exponate nunmehr zunächst nach Deutschland zurückkehren. Berlin war die erste Station der Ausstellung gewesen. Ein fünfstündiger Transport wird die "versunkenen Schätze" nach Bonn bringen, wo sie vom 05.04.2007 bis zum 27.01.2008 in der Kunst- und Ausstellungshalle  gezeigt werden.

Egyptian State Information Service

19. März 2007
Ibis-Evolution soll mit Hilfe von DNA-Analysen untersucht werden

Eine in Neuseeland etablierte Forschungsgemeinschaft will anhand von Ibis-DNA-Proben der molekularen Evolution und Mutation der Großvögel auf die Spur kommen. Zu diesem Zweck werden mumifizierten Ibissen aus Ägypten sowie Exemplaren der heute in Afrika verbreiteten Ibis-Populationen Proben entnommen, um diese nach modernsten wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen und miteinander zu vergleichen. Der Leiter der Forschungsgemeinschaft, Professor David Lambert, hat ähnliche Experimente bereits mit Pinguinen der Antarktis durchgeführt.

Masseynews

15. März 2007
Mumie eines Kleinkindes in St. Louis untersucht

Die auf verschlungenen Wegen in das St. Louis Science Center gelangte Mumie eines kleinen Jungen wurde kürzlich mit Unterstützung eines Teams der Washington University einer Untersuchung unterzogen. Dabei konnte herausgefunden werden,  dass das Kind mit etwa sieben oder acht Monaten starb Mit Hilfe einer DNA-Analyse aus dem Inneren des Körpers - die Gefahr einer Kontamination ist dadurch unwahrscheinlich - konnte die Datierung vorgenommen werden. Das Kind lebte demzufolge innerhalb der Zeitspanne von 30 v. Chr. bis 130 n. Chr., also während der griechisch-römischen Zeit Ägyptens. Die mütterliche Linie weist auf  eine europäische Herkunft hin. Aufgrund der Qualität der Mumifizierung und einer Anzahl von Amuletten nimmt man an, dass es sich um das Kind einer hochrangigen Person handelt. Die Binden um den Kopf des kleinen Jungen sind schon seit längerem verschwunden. Das kleine Köpfchen ist sehr gut erhalten; der leicht geöffnete Mund gibt die Sicht auf zwei immer noch weiße Zähnchen frei. Zur Todesursache können die Wissenschaftler offensichtlich noch keine Angaben machen.

Gegen einige Widerstände aus den eigenen Reihen soll die Mumie nun zur Ausstellung kommen. Die Präsentation wird ein Opferspruch begleiten: "Alle guten und reinen Dinge, von denen ein Gott lebt, für den Ka des ehrwürdigen Kindes, gerechtfertigt"

STLtoday
Yahoo News

09. März 2007
Mission des Brooklyn Museums in Mut-Bezirk von Karnak

Archäologen des Brooklyn Museums arbeiten seit 1976 an Grabungen im Tempel der Mut in Karnak und die diesjährige Kampagne wurde soeben beendet. Einige Einblicke in die Arbeit der Experten bietet anschaulich und illustriert mit viel Bildmaterial ein Online-Grabungstagebuch.

01. März 2007
Italiener unterstützen sudanesischen Rettungsprojekt

In das Staudamm-Projekt von Merowe im Sudan sind nun auch italienische Wissenschaftler eingetreten. Durch den Bau des Dammes droht einer großen Anzahl antiker und frühchristlicher Monumente der Untergang im wahrsten Sinne. Internationale Wissenschaftlerteams beteiligen sich daher an ihrer Rettung bzw. - wo das nicht möglich ist - ihrer sorgfältigen Dokumentation. Siehe auch H.U.N.E., ein Projekt der Humboldt-Universität zu Berlin

01. März 2007
Sonnenboot des Cheops in Gefahr

Das berühmte Cheops-Boot, für das in den 1960er Jahren ein eigenes Museum in Giza direkt neben der Pyramide des Königs über der Fundgrube entstand, ist in Gefahr. Wegen unzureichender klimatischer Bedingungen hat es im Laufe der Jahrzehnte erheblichen Schaden genommen, dessen Ausmaß nach einer umfangreichen Untersuchung nun in einem diesbezüglichen Bericht vorliegt. Durch Feuchtigkeit, die die zahllosen Besucher hinterlassen, Temperaturschwankungen, Licht und Schadstoffemission kommt es bereichsweise zu Materialermüdung, Abblätterung, Korrosion, Austrocknung und Sprödigkeit, was u.a. auch dazu geführt hat, dass die Abstände zwischen den Planken sich vergrößerten. Brüche und Löcher bieten Insekten Unterschlupf, was zu weiteren Zerstörungen führt. Die großen Fensterfronten sind nicht geeignet, gefährliche UV-Strahlen zu absorbieren. Selbst Farbkleckse wurden gefunden, die von der Renovierung der Halle herrühren. Wie außerordentlich wichtig es ist, dass sich ein wissenschaftliches Kommittee der Sache annimmt, berichtet Al Ahram-weekly in einem ausführlichen Online-Artikel, kritisiert aber auch, dass durch die Bildung des Kommittees und alle damit zusammenhängenden Unwägbarkeiten erfahrungsgemäß noch weitere wertvolle Zeit verstreichen könnte.

Man fand das Boot des Cheops 1954 in einer Grube neben der Großen Pyramide. Es war dort vor über 4000 Jahren in allen Einzelteilen abgelegt worden. Insgesamt wurden 1.244 Stücke gefunden. Die zum Boot gehörigen Teile waren in der Antike sorgfältig nummeriert und so für einen "jenseitigen" Zusammenbau präpariert worden. Den Ausgräbern war dadurch ein alsbaldiger Aufbau möglich. Für die Unterbringung im jetzigen Museumsbau musste es noch einmal demontiert und wieder zusammengesetzt werden. Es bot und bietet Wissenschaftlern einen einmaligen Einblick in antike Schiffsbautechniken.

In die Planung für das neue Grand Museum ist auch die dortige Unterbringung des Bootes einbezogen. Das Boot soll komplett an den neuen Standort transportiert werden. Eine nochmalige Demontage sei nicht vertretbar, ließ Zahi Hawass, Chef der ägyptischen Antikenbehörde, vor einiger Zeit verlauten.