ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  März 2008
31. März 2008
Die Grabungen in Kom el-Hettan

Zu den Grabungsergebnissen (s.u. 21.03.2008) veröffentlicht nationalgeographic.com eine Reihe von hervorragenden Fotos, darunter auch eine Abbildung von einer der beiden freigelegten Sphingen.

28. März 2008
Mehr Details zum "einfachen Mann" in Amarna

Bereits im Januar berichtete Barry Kemp über den schlechten Gesundheitszustand der einfachen Bevölkerung in Amarna. Dies ließ sich aus den Untersuchungen der sterblichen Überreste auf den "Volksfriedhöfen" vor Ort herauslesen. Die dort bestatteten Erwachsenen waren jedoch wahrscheinlich aus anderen Gebieten Ägyptens zugezogen, so dass sich die Ergebnisse der Skelettexaminierungen nicht nur auf die Lebensumstände in Amarna beschränken lassen. Das heißt, es gab bereits vor der Amarnazeit eine Periode der Entbehrungen, meint Gerome Rose, Anthropologe der University of Arkansas. Viele der Menschen litten unter Anämie (bei Kindern 74 %, bei Erwachsenen 44 %), hatten gebrochene Knochen oder waren verkrüppelt. Die Sterblichkeitsrate in jungen Jahren war hoch. Die Durchschnittsgröße der Männer betrug 1,59, die der Frauen 1,53, ein Indiz, das für schlechte Ernährung und damit einhergehende Wachstumsstörungen spricht.
msnbc
reuters

März 2008
Tempel von Dendera nach Umstrukturierung übergeben

Das Tempelgelände von Dendera befand sich auf Basis des eigens dafür eingerichteten Site Managements für einige Zeit im Umbau. Nach Abschluss der Maßnahmen wurde es nun unter Teilnahme von Premierminister Ahmed Nazief und Kulturminister Farouk Hosni erneut seiner Bestimmung übergeben. Der Tempel selbst ist jetzt von einer Sicherheitszone umgeben. Der Zugang erfolgt über einen Parkplatz an der Westseite. Touristen passieren zunächst ein Besucherzentrum, in dem ein neunminütiger Film gezeigt wird. Von dort aus betritt man das eigentliche Tempelgelände; behinderten Personen stehen Fahrzeuge zur Verfügung. Im Inneren des Tempels haben zudem Konservatoren die im Laufe der Zeit von Ablagerungen überzogene Dekoration in leuchtenden Farben wieder zum Vorschein gebracht. Das Foto zeigt einen teilweise gereinigten Architrav.

guardians.net

25. März 2008
SCA-Team für Grabungen im Tal der Könige zusammengestellt

Der Egypt State Information Service gibt offiziell bekannt, dass für Grabungen im Tal der Könige die erste rein ägyptische Mission gebildet wurde, um die bisher nicht lokalisierten Gräbern von Thutmosis II. und Ramses VIII. ausfindig zu machen. SCA-Chef Zahi Hawass betont, dass die Entdeckung der beiden Gräber von großer Bedeutung wäre, zumal alle bisherigen Funde im Tal der Könige von ausländischen Wissenschaftlern gemacht wurden.

In diesem Zusammenhang sei noch einmal auf einen Artikel von Hawass auf seiner eigenen Homepage verwiesen, in dem er  Arbeiten des SCA im Tal der Könige hinter dem Grab des Merenptah erwähnt. In diesem Areal wird das Grab von Ramses VIII. vermutet. Verschiedene Medien berichten bereits, man habe dort einen geheimnisvollen Fund.gemacht. Diese Medien sind jedoch alles andere als seriös und wohl eher darauf bedacht, Sensationen zu konstruieren. Was letztendlich zählt, sind Meldungen von offizieller Seite. Und die gibt es bisher nicht.

21. März 2008
Archäologische Funde nur im Frühjahr - ein Mysterium?

Dieser Frage geht Nigel J. Hetherington im dailystaregypt.com auf den Grund. Aber hier wird nicht etwa Verschwörungstheorien das Wort geredet. Es liege an der beinahe einzigartigen Art und Weise, wie Archäologie in Ägypten praktiziert wird, meint Hetherington. Ägyptologie und ägyptische Archäologie sind nach wie vor überwiegend von Ausländern beherrscht - ein Produkt der Kolonialzeit. Doch das ändert sich. Ermutigt durch führende ägyptische Archäologen beginnt die Jugend Ägyptens, sich zunehmend der Erforschung ihrer Vergangenheit zu widmen.

Die ägyptische Körperschaft mit der rechtlichen Verantwortung für den Schutz der Denkmäler, der Aufsicht über die archäologischen Ausgrabungen und für das Site Management ist der Supreme Council of Antiquities (SCA). Der SCA ist eine Abteilung des Ministeriums für Kultur (MOC), geleitet von einem Generalsekretär. Diese Position bekleidet derzeit Dr. Zahi Hawass.

Zur Geschichte des SCA:
Der Supreme Council wurde 1858 während der Kolonialzeit ursprünglich als "Service des Antiquités" gegründet und vor allem von Franzosen betrieben. Diese Institution hatte die Kontrolle über alle archäologischen Ausgrabungen im Land. Nach der teilweisen ägyptischen Unabhängigkeit im Jahre 1922 gelangte der Dienst mehr und mehr unter die Kontrolle von ägyptischen Regierungsbeamten und wurde schließlich 1971 umbenannt in Egyptian Antiquities Organization. Allerdings galt die gesetzgeberische Entwicklung im Hinblick auf den Schutz der ägyptischen Altertümer als unzureichend - bis 1951, als Gesetz 215 verabschiedet wurde. Dies war der erste Teil einer Gesetzgebung, mit der man versuchte, alle Aspekte zum Schuitz der Antiquitäten zu umfassen. Aber es taten sich noch viele Lücken auf, so dass das alte Gesetz im Jahre 1983 durch ein neues ersetzt wurde (Gesetz 117). Erst danach hatte Ägypten die legislativen Befugnisse für den umfassenden Schutz seines Erbes.

Die wichtigsten Punkte des Gesetzes 117 sind: Der SCA wurde zum gesetzlichen Hüter der Antiquitäten. Eine "Antiquität" wurde als ein beliebiges bewegliches oder unbewegliches Objekt definiert, das älter war als 100 Jahre. Aber auch Objekte oder antike Stätten, die per Dekret des Premierministers benannt und zum öffentlichen Eigentum erklärt wurden, gehörten dazu. Der Antikenhandel wurde verboten, ebenso wie die Ausfuhr von Kulturgütern aus Ägypten.

Neben der Erfassung, Verwaltung und Erhaltung von historischen Stätten fällt dem SCA die Hauptrolle bei der Vergabe aller Grabungskonzessionen zu sowie die Bestimmung des Grabungspersonals und die Festlegung der Bedingungen, unter denen die ausländischen Missionen ihre archäologische Arbeit in Ägypten durchzuführen haben. Die Kenntnis dieser Fakten ist notwendig, will man die Praxis der Archäologie in Ägypten verstehen.

Derzeit sind 300 Konzessionen (Lizenzen zur Durchführung von archäologischen Arbeiten in Ägypten) in Kraft. Zu den Konzessionsinhabern gehören die dominierenden Akteure in der Ägyptologie - Engländer, Deutsche und Franzosen - aber auch Mannschaften aus so weit entfernten Ländern wie Japan und Brasilien. Diese Zahl erhöht sich noch durch eine wachsende Zahl von Teams des SCA. Die Missionen arbeiten unter Aufsicht und Genehmigung des Generaldirektors des SCA; jedem Team wird ein Betreuer zugeteilt, der gewährleistet, dass Regeln und Vorschriften eingehalten werden.

Während der Kolonialzeit wurde Archäologie in der ganzen Welt durch "Gentlemen-Wissenschaftler" durchgeführt, die das Vermögen und genügend Zeit hatten, um den Winter zum Beispiel in Ägypten oder der Levante zu verbringen. Vielen waren Aufenthalte im Nahen Osten angesichts des dort vorherrschenden Klimas sogar von ihren Ärzten empfohlen worden. Sie verbrachten die kalten Wintermonate - also Oktober bis März - in Ägypten. Nach ihrer Rückkehr verkündeten und präsentierten sie zu Hause ihre Entdeckungen und schrieben vielleicht Bücher über ihre Funde. Auch später, als die Disziplin der wissenschaftlichen Archäologie geboren war, gehörte die Wintersaison fest in den Terminplan von Instituten und Universitäten.

Und dieses Muster lebt weiter bis zum heutigen Tag. Wie Zugvögel landen Horden von Ägyptologen im Spätherbst in Ägypten, um sich im Vorfrühling wieder zurückzuziehen. Einige bleiben auch bis April oder Mai und es gibt wenige Hartgesottene, die auch den Sommer über arbeiten. Während der letzten paar Wochen ihrer Anwesenheit sind deshalb die Felddirektoren eifrig damit beschäftigt, vor Ort ihre Sachen zusammenzupacken und ihre Berichte für den SCA fertigzustellen, ehe sie das Land verlassen. Daher erscheinen meist im Frühjahr sehr plötzlich Berichte über neue Funde auf unseren Bildschirmen und in unseren Zeitungen - gerade so, als hätte man sie allesamt eben erst entdeckt.

Nigel J. Hetherington ist der Gründer und Eigentümer der Past Preservers a Heritage Consultancy mit Sitz in Kairo, London und den Vereinigten Staaten (www.Pastpreservers.com).

21. März 2008
Erfolgserlebnis bei den Grabungen in Kom el-Hettan

Das Grabungsteam um Hourig Sourouzian, das seit nunmehr 10 Jahren in Kom el-Hettan auf dem Gelände des Tempels von Amenophis III. arbeitet, hat offensichtlich nun auch die mächtigen Fragmente der vierten Kolossalstatue des Königs geborgen. Außer den beiden noch stehenden gigantischen Sitzstatuen (die "Memnons"), die vermutlich den Eingangsbereich des 1. Pylons schmückten, gab es noch mindestens zwei weitere Kolossalstatuen des Königs, die am 2. Pylon aufgestellt waren. Die Fundamente des 2. Pylons wurden inzwischen freigelegt. Im Rahmen der Dokumentation aller Denkmäler auf dem Gelände wurden am (zu dem Zeitpunkt noch vermuteten) Standort des 2. Pylons die recht formlosen Quarzitblöcke des nördlichen Kolosses freigelegt, darunter auch die mit Federkrone 3,26 m große Statue der Teje, die neben dem Bein der Königsstatue mit dieser verbunden war. Die eigentliche Bergung der Blöcke erfolgte 2005 und 2006. Das Foto zeigt einen der geborgenen Blöcke des nördlichen Kolosses im Februar 2006. Nur wenige Meter südlich von diesem Fundort wurden weitere Blöcke freigelegt, ebenfalls mit der Statue einer königlichen Gemahlin, die man nach dem damaligen Befund jedoch nicht sofort identifizieren konnte. Während der derzeit laufenden Kampagne sind nun offensichtlich auch diese Fragmente geborgen worden und es zeigte sich, dass die Frauenstatue ebenfalls Teje darstellt. Die Abmessungen beider Statuen sind gleich. Die verschiedenen Presseveröffentlichungen der letzten Tage sind zwar ein wenig undurchsichtig, jedoch dürfte es darin um besagte Bergung gehen. Zusätzlich wurden wohl weitere Sachmet-Statuen gefunden (bereits in den vergangenen Kampagnen wurden reihenweise Sachmet-Statuen geborgen) sowie die Köpfe zweier Sphingen. Die Kolossalstatuen sollen in absehbarer Zeit vor Ort aufgerichtet werden, heißt es in den Presseberichten.

Egypt State Information Service
news.yahoo
sawnews
AFP
"Begegnung mit der Vergangenheit - 100 Jahre in Ägypten" - G. Dreyer/D. Polz - 2007 - Verlag Philipp von Zabern - Seite 251 ff.

21. März 2008
Nächste Kampagne in KV 63 erst Ende 2008 geplant

Im Blog von Jane Akshar publiziert Grabungsleiter Otto Schaden ein kleines Statement zum Stand der Dinge. Schaden hatte sich einer Operation unterziehen müssen. Er bedauert, dass sich dadurch der Beginn der nächsten Grabungskampagne nach hinten verschiebt. Sie wird Ende 2008/Anfang 2009 stattfinden.

20. März 2008
Nekropole von Dachla soll für Touristen hergerichtet werden

Die Nekropole der Oase Dachla umfasst 300 in den Fels geschlagene Gräber, von denen jedoch nur zwei dekoriert sind, nämlich die Gräber des Petosiris und des Sadosiris aus griechisch-römischer Zeit. Bis zum Jahr 1992 war es noch möglich, diese beiden Gräber zu besuchen. Dann wurden sie geschlossen, weil die Wandmalereien stark unter der Einwirkung von Feuchtigkeit gelitten hatten. Anfang diesen Monats wurde nun mit Reinigungs- und Restaurierungsarbeiten begonnen. Man stand vor keiner leichten Aufgabe, meint Gamal Mahgoubi, Chef der Abteilung Restaurierung und Instandhaltung des SCA. Man hätte vorab einen sorgfältigen Survey durchführen müssen, um Erhaltungsgrad und Festigkeit des Verputzes und der Farbaufbringung festzustellen. Die Wände wurde von Sand und Staub befreit, gefestigt und der Putz mit den Malereien wieder angebracht. Nach Aussage von Zahi Hawass, Chef des SCA, wurde ein Site Management Plan entwickelt, der die erneute Öffnung der beiden Gräber ermöglicht. Ein kleines Besucherzentrum zeigt eine 15minütige Dokumentation und man erhofft sich dadurch eine kürzere Verweildauer der Besucher in den Gräbern - und folglich einen geringeren Feuchtigkeitsniederschlag. Die zu den Gräbern führenden Straßen sollen mit einem Belag versehen werden, der den direkten Druck auf den darunterliegenden Fels vermindert. Nach Fertigstellung aller Arbeiten soll die Nekropole wieder in die touristische Road Map integriert werden.

Al-Ahram weekly

19. März 2008
SCA droht Schweiz mit Rückforderung von Leihgaben

Zahi Hawass hat die Rückforderung von ägyptischen Leihgaben für die Ausstellung "Offering to the Egyptian Gods" - zu sehen noch bis zum 8.6.08 in der Fondation Pierre Gianadda in Martigny - angedroht, weil dort parallel eine Ausstellung der Schweizer Fotografin Monique Jacot mit Fotos aus dem heutigen Ägypten stattfindet. Gezeigt wird zum Beispiel eine tote Kuh am Nilufer. Damit würde Ägypten und seine Zivilisation untergraben und das Image des Landes beschädigt, meint Hawass. Er forderte die Museumsleitung auf, die Fotos abzuhängen. Anderenfalls würde er alle Exponate zurückfordern, die sich als ägyptische Leihgaben in der Ausstellung befinden.

AFP

19. März 2008
Weitere Pyramidenbautheorie

wissenschaft.de sprach mit dem Diplom-Ingenieur Frank Müller-Römer, der in seinem zweiten Studium soeben im Fach Ägyptologie promovierte, und publiziert das Interview auf seiner Webseite. In seiner Dissertation beschäftigt sich Müller-Römer mit der Frage, wie die Pyramiden erbaut wurden - ein noch immer ungelöstes Rätsel. Die Theorie von Müller-Römer besagt, dass die Pyramiden in "stufenförmiger Kernbauweise" errichtet wurden: "Die stufenförmige Kernbauweise hatte den Vorteil, dass mit Hilfe von vielen kleinen Rampen parallel zum Kernmauerwerk an allen vier Seiten gleichzeitig gearbeitet werden konnte. Bei der Verwendung von Seilwinden können wesentlich kürzere Rampen mit größerer Neigung angenommen werden als beim Einsatz von Zugmannschaften. Damit hat man optimale Möglichkeiten zeitökonomisch zu arbeiten," meint er - und weiter "Nach der Errichtung des Kerns wurde von der untersten Schicht der Außenverkleidung ausgehend eine stufenförmige Umbauung der Pyramide als Arbeitsplattform durchgeführt. Diese Vorgehensweise ist zum einen nötig für das Anlegen des Verkleidungsmauerwerks. Zum anderen ermöglicht eine solche Arbeitsplattform die Konstruktion der Pyramidenspitze und das Aufsetzen des Pyramidions. Im letzten Schritt wird der Rückbau der stufenförmigen Umbauung bei gleichzeitiger Glättung der Außenverkleidung von oben nach unten vorgenommen. Wenn man unten ankommt, ist die Pyramide fertig."

Ausführliche Ergänzung zum Artikel vom 11.03.08

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung  -
Ludwig-Maximilians-Universität München, Luise Dirscherl, 19.03.2008

Der Pharao und seine Esel - Altägyptische Funde liefern Hinweise zur Domestikationsgeschichte

Er ist vielleicht nicht so treu wie der Hund oder so rassig wie das Pferd. Der Esel begleitet den Menschen aber auch schon seit Tausenden von Jahren und leistet dabei wertvolle Dienste. Ein internationales Forscherteam, dem auch Professor Joris Peters, Vorstand des Instituts für Paläoanatomie und Geschichte der Tiermedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, angehört, konnte jetzt die Domestikationsgeschichte dieser Spezies anhand von etwa 5.000 Jahre alten Eselsknochen aus dem Alten Ägypten nachvollziehen. Wie in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)" berichtet, weisen die Ergebnisse der Studie den ersten Gebrauch des Esels als Transporttier nach sowie frühe Phasen seiner
Haustierwerdung. Die Funde zeigen auch, dass sich der Esel in seiner körperlichen Erscheinung noch deutlich veränderte und die
Domestizierung langsamer und weniger geradlinig verlief als bisher angenommen. Auch die Körpergröße reduzierte sich wohl viel langsamer als vermutet - was zu einer Revision der Erkenntnisse zu anderen Nutztierarten führen könnte. Denn oft gilt die Verminderung der Körpergröße als wichtigstes Kriterium für die Datierung einer Domestizierung. "Ein solches Projekt erfordert immer ein hohes Maß an Interdisziplinarität - und zwar vor allem zwischen Geistes- und Naturwissenschaften", betont Peters. "In unserem Fall sind dies die Archäologie, die Ägyptologie, die Mathematik, die Archäozoologie und die Tiermedizin."

Es war eine prunkvolle letzte Ruhestätte für die bescheidenen Grautiere: Angrenzend an den Grabkomplex eines frühen Pharaos in
Abydos in Mittelägypten wurden die Skelette in eigenen Grabkammern gefunden. "Grundsätzlich ist eine Ansammlung von zehn Eselskeletten in einem solch frühen Kontext bisher einmalig", berichtet Peters. "Die Anbindung an den Königsfriedhof der Gründerdynastie in Altägypten vor etwa 5.000 Jahren bezeugt die Bedeutung der Tiere für den König. Denn diese Eselherde sollte ihm in seinem nächsten Leben weiterhin gute Dienste leisten, so die Interpretation aus Sicht unserer Ägyptologen." Als erste Besonderheit fiel den Forschern auf, dass es sich um die Knochen recht stattlicher Tiere handelte, die ohne den Kontext des
Pharaonengrabes möglicherweise als Überreste von Wildeseln gedeutet worden wären. Für den Status als Haustier spricht aber, dass die Skelette spezifische pathologisch-anatomische Veränderungen an bestimmten Körperstellen aufweisen. Konkret bedeutet dies, dass diese Schäden wohl von der Nutzung der Esel als Lasttiere herrühren.

Bisher galt als gesichert, dass Wildtiere schon zu Beginn ihrer Domestizierung kleiner werden, weil der Mensch in ihren Lebenszyklus - also die Ernährung und die Partnerwahl bei der Fortpflanzung - eingreift. Unter diesen veränderten Lebensbedingungen würde ihre Körpergröße signifikant abnehmen, so die herrschende Meinung. "Doch unsere Funde widerlegen dies", sagt Peters. "Der Wildesel wurde nämlich bereits vor etwa 6.000 Jahren in den Haustierstand überführt, ohne dass er tausend Jahre später tatsächlich kleiner geworden ist, wie unsere Funde zeigen. Möglicherweise muss man jetzt auch die
Erkenntnisse zu anderen Nutztierarten revidieren. Denn bei Schafen, Ziegen, Rindern und Schweinen wurde die Veränderung der Körpergröße als wichtigstes Kriterium genutzt, um ihre Domestizierung zu datieren. Es ist denkbar, dass die bisher angenommenen Domestikationszeitpunkte um Jahrhunderte zu spät angesetzt wurden - wenn nämlich die bereits domestizierten Tiere tatsächlich an Körpergröße verloren haben."

Der Mensch begann vor etwa 11.000 Jahren mit der Domestikation von Pflanzen und Tieren. Der Esel ist dabei ein besonders spannendes Beispiel, weil er möglicherweise mehrmals in derselben geografischen Region, in Nordostafrika, domestiziert wurde. Zudem war bislang sehr wenig über den Ablauf seiner Haustierwerdung bekannt. "Bemerkenswert ist auch, dass der Esel als vormaliger Fleischlieferant sehr schnell nach erfolgter Domestikation für Handel und Transport eingesetzt wurde - bis dann sehr viel später das Dromedar wichtiger wurde", so Peters. Doch zuerst hat noch die Nutzbarmachung des Esels die ländlichen
Gesellschaften und frühen Staaten verändert: Die Tiere sind zähe Wüstenbewohner und können schwere Lasten durch trockenes Gebiet tragen. Das wiederum erlaubte den Hirtenvölkern, häufiger als bisher noch längere Strecken zurückzulegen und dabei ihren Haushalt mit den Herden zu transportieren. "Die Nutzung des Esels dehnte den Handel in Afrika und im westlichen Asien merklich aus", meint Peters.

Am Lehrstuhl von Professor Joris Peters werden mehrere internationale Projekte verfolgt, in denen die Haustierwerdung eine zentrale Rolle spielt. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie sind Teil einer internationalen Kooperation zur Aufklärung der
Domestikationsgeschichte des Esels in Nordostafrika. Als nächster Schritt ist vorgesehen, Knochenproben von Eseln aus vor- und frühgeschichtlichen Siedlungen molekularbiologisch zu analysieren, um tiefere Einblicke in die Verwandtschaft der beiden Unterarten des Wildesels, des Nubischen Wildesels und des Somaliwildesels sowie der domestizierten Form zu gewinnen. "Mithilfe dieser Ergebnisse und im Zusammenspiel mit den Überresten aus archäologischen Ausgrabungen wollen wir die Ursprungs- und Verbreitungsgeschichte dieser für die Entwicklungsländer wichtigen Nutztierart rekonstruieren", meint Peters. "Denn noch heute sind Esel und Maultiere in trockenen, schlecht erschlossenen und armen Regionen der Welt als Lasttiere
unverzichtbar."

Publikation:
"Domestication of the donkey: Timing, processes, and indicators", Stine Rossel, Fiona Marshall, Joris Peters, Tom Pilgram, Matthew D. Adams, and David O'Connor, PNAS, März 2008, Bd. 105, S. 3715-3720

Ansprechpartner:
Professor Dr. Dr. Joris Peters
Institut für Paläoanatomie, Domestikationsforschung und Geschichte der Tiermedizin der LMU
Tel.: 089 / 2180 - 5710, Fax: 089 / 2180 - 6278, E-Mail: joris.peters@palaeo.vetmed.uni-muenchen.de

Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter: http://idw-online.de/pages/de/news251836

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter: http://idw-online.de/pages/de/institution114

Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw - http://idw-online.de

19. März 2008
Wieder eine Mumie "in der Röhre"

Eine Mumie aus dem Walters Art Museum in Baltimore wird im University of Maryland Medical Center einer CT-Untersuchung unterzogen. Die verstorbene Person soll in der Zeit zwischen 950 und 720 v. Chr. gelebt haben. Diese Vermutung wurde aufgrund der Dekorationselemente auf der äußeren Hülle angestellt. Gefunden wurde die Mumie bei Ausgrabungen des Metropolitan Museum of Art im Winter 1930/1931 in Deir el-Bahari. Die Scan-Ergebnisse werden ausgewertet und anschließend veröffentlicht.

baltimoresun

16. März 2008
Mumie im Bolton-Museum soll ein Sohn von Ramses II. sein

Hinsichtlich der Mumie aus dem Bolton-Museum (siehe Artikel vom 2.3.08) scheinen sich die Beteiligten inzwischen ziemlich sicher zu sein, dass es sich um einen der unzähligen Söhne Ramses' II. handelt. Die Experten glauben, dass der Mann in den Dreißigern war, als er starb. Als Todesursache wird eine tödliche Krankheit vermutet, vielleicht Krebs. Die chemische Analyse des Balsamierungsmaterials ergab, dass es sich um sehr wertvolle Ingredienzen gehandelt hat - ein weiterer Hinweis auf eine königliche Herkunft des Verstorbenen.

telegraph (mit Foto)
topnews (mit Foto)
thaindian

12. März 2008
Schmuggler in Ägypten festgenommen

Die ägyptische Polizei hat drei Schmuggler festgenommen. Sie hatten vier Mumien von einer Nekropole bei Minya entwendet und wollten diese, zusammen mit 10 Statuetten, offensichtlich auf dem Schwarzmarkt an den Mann bringen. Die Mumien, eine stammt von einem Kind und drei von männlichen Personen, waren laut Pressemeldungen noch in Leinenbinden gewickelt und "mit Hieroglyphen dekoriert". Weitere Einzelheiten wurden nicht bekannt. Sie sollen von Archäologen näher unter die Lupe genommen werden.

AP
foxnews
pr-inside

11. März 2008
Esel als Lasttiere in Ägypten

Mit den schon seit Beginn der ägyptischen Kultur als Lasttiere bekannten Eseln hat sich eine Forschergruppe der Washington-Universität in St. Louis befasst. Zehn Eselskelette aus einem frühdynastischen Grab in Abydos wurden untersucht. Es konnte nachgewiesen werden, dass diese Tiere bereits domestiziert, jedoch größer waren als die heutigen Esel. Wegen der Veränderungen und Abnutzungserscheinungen des Knochenbaus konnten sie als Lasttiere identifiziert werden. Die Hufknochen lassen darauf schließen, dass sie ein Bindeglied zwischen den afrikanischen Wildeseln und den heutigen Hauseseln waren. Den kompletten Artikel in englischer Sprache findet man in der Print-Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (gegen Gebühr auch als PDF erhältlich).

wissenschaft-online

10. März 2008
Klimawandel + Wüste = Ägypten

Archäologen der Universität Köln haben sich in der Sahara nach den Überbleibseln von prähistorischen Populationen umgesehen. In der grünen Sahara vor 10.500 Jahren zogen Hirten großen Wildherden hinterher, aus denen später die Rinder domestiziert wurden. In der Ostsahara stießen die Forscher auf Töpferware, die stilistisch mit der des späteren Niltals zu vergleichen ist. vor 7.300 Jahre trocknete die Sahara aus und die Bewohner flüchteten sich in alle Himmelsrichtungen. Einige landeten im Niltal, wo sie sich niederließen und Getreide anpflanzten, aber auch noch als Halbnomaden in die Wüste zogen, die noch nicht in Gänze unwirtlich war. Dies geschah etwa um 3500 v. Chr. Aus Halbnomaden wurden Sesshafte und daraus entwickelte sich schließlich die ägyptische Hochkultur. "Ohne die Tradition in der Wüste wäre diese Zivilisation vielleicht nicht so entstanden", meinen die Kölner Forscher. Der Artikel in diepresse basiert auf einem älteren, ausführlichen Artikel in der Printausgabe des Magazins sience.

02. März 2008
Königliche Mumie im Bolton Museum?

In der Online-Ausgabe der The Bolton News ist zu lesen, dass eine bereits seit 78 Jahren im dortigen Museum befindliche Mumie vielleicht aus der 19. Dynastie stammt und der verstorbene königlichen Geblüts war. Bis vor kurzem wurde noch davon ausgegangen, es handele sich um die Mumie einer Tempeltänzerin; diese Annahme basierte u.a. auf dem Sarg, in dem sie sich befand.. Nun hat man Untersuchungen mit modernen Hilfsmitteln (CT Scan, Radiocarbon) vorgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Genitalien des Körpers entfernt worden waren, ein ausgeprägter Überbiss vorhanden ist und die Augen unterschiedliche Größen haben. All das sollen Indizien dafür sein, dass es sich um eine königliche Person gehandelt hat. Ob diese Schlussfolgerung einer Überprüfung standhält, bleibt abzuwarten.