ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  März 2011
Mit den ersten Großdemonstrationen am 25. Januar 2011 begann die ägyptische Revolution. Die darauf folgenden Tage waren geprägt von heftigen Unruhen, als das Regime zunächst versuchte, die Demonstrationen mit Gewalt zu beenden. Die Lage beruhigte sich glücklicherweise und seit dem Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak am 11. Feburar 2011 versucht Ägypten, auf einer neuen Basis zur Normalität zurückzukehren. Während der Unruhen mussten verschiedene Gabrungsmissionen ihre Arbeit unterbrechen; eine Anzahl von archäologischen Stätten und Museen haben durch Plünderungen und Vandalismus Schaden genommen. Das Ausmaß ist noch immer unklar. Unzählige, teilweise sehr widersprüchliche Aussagen gingen durch die Medien. Ich möchte auf diese Berichte mangels zuverlässiger Angaben nicht eingehen. Stattdessen verweise ich auf die Plünderungsdatenbank von Kate Phizerhackerley, in der alle erreichbaren Informationen zu diesem Thema sorgfältig zusammengetragen sind.

30. März 2011
Millionen von Tiermumien entdeckt

Eine von Paul Nicholson, Cardiff University, geleitete Grabungsmission stieß in Saqqara auf Katakomben mit unzähligen mumifizierten Tieren, meist Hunde und Schakale; viele von ihnen waren nur Stunden oder Tage alt, als sie getötet wurden. Die sterblichen Überreste wurden zwischen dem 6. Jahrhundert und dem späten 1. Jahrhundert v. Chr. auf dem Tierfriedhof von Saqqara abgelegt. Die Mumien waren offenbar Gaben der Frömmigkeit für den Gott Anubis, dem in Saqqara ein Tempel geweiht war. Die Tiernekropole war bereits 1897 von Jacques De Morgan entdeckt und kartiert, jedoch nicht untersucht oder gar dokumentiert und publiziert worden. Diese Aufgabe hat nun seit dem Sommer 2010 Nicholsons Team übernommen.
foxnews
nationalgeographic



30. März 2011
Zahi Hawass wieder Antikenminister

Offenbar aufgrund der massiven Forderungen aus den Reihen der ägyptischen Archäologen an die Übergangsregierung, die vakante Position des Antikenministers schnellstmöglich wieder zu besetzen, wurde Zahi Hawass vom derzeitigen Premierminister Sharaf erneut auf dieses Amt vereidigt.
almasryalyoum
derstandard



23. März 2011
Die Mission der UNESCO-Delegation

Die Delegation besichtigte u.a. das Ägyptische Museum in Kairo, das bekanntlich von Dieben heimgesucht worden war (von den ursprünglich vermissten 54 Objekten wurden in der Zwischenzeit 17 wiedergefunden: english.ahram vom 27.03.2011). Die UNESCO betonte, der Zweck der Ägyptenreise sei nicht etwa eine "Inspektion". Vielmehr wolle man seine Hilfe anbieten, etwa um Sicherheitsvorkehrungen und -einrichtungen zum Schutz der Kulturgüter zu verbessern. Falls erforderlich und erwünscht, werde man dafür auch Fördermittel akquirieren. Ein Vertreter des International Council of Museums (ICOM), der zur Delegation gehörte, erklärte, man habe eine Rote Liste mit allen in Ägypten gestohlenen Artefakten erstellt. Die Liste wurde an Interpol weitergeleitet und von dort aus wiederum an alle Polizeiorganisationen weltweit.
english.ahram



22. März 2011
Interview mit Barry Kemp

Kemp, Leiter der Grabungsmission in Amarna, berichtet, dass das Grabungsareal nicht von Plünderungen betroffen sei. Die Genehmigungen für die Mitarbeiter des Projekts, die zur Fortsetzung der Kampagne erforderlich sind, liegen noch nicht vor. Kemp ist aber zuversichtlich, dass sie nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen werden. Hinsichtlich der gestohlenen Objekte ruft er zu vermehrter Aufmerksamkeit bei Angeboten ägyptischer Antiken auf. Es gäbe zur Zeit die begründete Vermutung, dass es sich dabei nur um Fälschungen oder um Diebesgut handeln kann. Die Plünderungen hätten das Ziel, den florierenden Schwarzmarkt in Europa und in den USA zu befriedigen.
newscientist



22. März 2011
Ägyptische Archäologen drohen mit Streik

Angesichts der momentan unübersichtlichen Strukturen innerhalb der Antikenbehörde und der brach liegenden Führungsetage wollen ägyptische Archäologen am 27.03.2011 in einen Streik treten und ein Sit-in veranstalten. Die Aktion soll ihre ernste Besorgnis darüber zum Ausdruck bringen, dass mangels Entscheidungsfähigkeit kein geordnetes Arbeiten möglich sei. Auch bezüglich der nicht enden wollenden Meldungen von Plünderungen und Diebstählen antiker Objekte sei bisher keine Lösung in Sicht. In einem Brief an den derzeitigen Premierminister wird die Bestellung eines verantwortlichen Ministers oder eines Leiters einer unabhängigen, beim Ministerrat angesiedelten Institution gefordert.
almasryalyoum



22. März 2011
Tejes Antlitz nicht makellos?

Mercedes González, Direktorin des Instituto de Estudios Cientificos en Momias, Madrid, glaubt, über der Nasenwurzel der Königin Teje zugeschriebenen Mumie der "Elder Lady" aus KV 35 (siehe dazu Beiträge aus Februar 2010) eine Warze ausgemacht zu haben. Nach Aussage von Frank Rühli vom Swiss Mummy Project muss es sich bei der kleinen Wucherung nicht zwangsläufig um eine Warze handeln; es könnte auch um ein kleiner Tumor sein. Auch Salima Ikram von der American University of Cairo zeigt sich skeptisch - nicht nur wegen des Mals auf der Stirn, sondern auch ganz generell hinsichtlich der Identität der Mumie.
news.discovery
msnbc



Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
22. März 2011
Ausstellung: Ägyptische Magie im Wandel der Zeiten

Universität Heidelberg präsentiert lange verschollenes Zauberbuch

Ein jahrzehntelang verschollenes „Zauberbuch“ aus dem Alten Ägypten steht im Mittelpunkt einer gemeinsamen Ausstellung des Instituts für Papyrologie und des Ägyptologischen Instituts der Universität Heidelberg. Unter dem Titel „Ägyptische Magie im Wandel der Zeiten. Eine zauberhafte Reise durch Text- und Bildwelten vom Alten Ägypten bis in die arabische Welt“ sind vom 29. März bis 13. Juni 2011 im Universitätsmuseum einzigartige Stücke aus der Papyrussammlung der Ruperto Carola mit reich bebilderten Pergamenten in koptischer Sprache zu sehen. Sie gehören zu den bedeutendsten magischen Papyri weltweit. Darunter befindet sich auch das seit Kriegsende 1945 vermisste Zauberbuch, das erst 2010 in die Sammlung zurückkehrte und mit dieser Ausstellung zum ersten Mal wieder in Heidelberg präsentiert wird. Daneben wird als Leihgabe des Heidelberger Völkerkundemuseums das kostbare Fragment des magischen „Papyrus Harris“ gezeigt.

Neben diesen beiden herausragenden Ausstellungsstücken zeigen Stein- und Terrakottareliefs, Figürchen aus Elfenbein und Wachs, Amulette und Gemmen die Vielfalt magisch gebrauchter Objekte in Ägypten in der Zeit von 2.700 vor Christus bis 1.500 nach Christus, ebenso wie ein reich bemalter Mumiensarg. „Liebe und Heilung, Schutz und Schaden sind über Jahrtausende hinweg die immer wiederkehrenden Themen“, erläutert die Direktorin des Instituts für Papyrologie, Prof. Dr. Andrea Jördens. „Beginnend im Alten Orient, zieht sich dies durch das von magischen Elementen geradezu dominierte Ägypten, bis in der Spätantike vorderasiatische, ägyptische, jüdische und christliche Symbole miteinander verschmelzen und in den koptischen Zauberpapyri aus arabischer Zeit zu neuem Ausdruck gelangen.“

Am 28. März wird die Ausstellung um 17 Uhr mit einer festlichen Veranstaltung in der Aula der Alten Universität eröffnet. Den Festvortrag hält der Ägyptologe Prof. Dr. Joachim Friedrich Quack, Prof. Jördens erläutert die Ausstellungskonzeption.
Die Ausstellung „Ägyptische Magie im Wandel der Zeiten. Eine zauberhafte Reise durch Text- und Bildwelten vom Alten Ägypten bis in die arabische Welt“ wird im Universitätsmuseum in der Alten Universität, Grabengasse 1, gezeigt und ist vom 29. März bis zum 13. Juni dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Kontakt:
Prof. Dr. Andrea Jördens Institut für Papyrologie
Telefon (06221) 54-2397
andrea.joerdens@zaw.uni-heidelberg.de

Informationsdienst Wissenschaft e. V.



21. März 2011
Besuch einer Delegation der UNESCO in Ägypten angekündigt

Für den 22. März hat sich eine UNESCO-Delegation in Ägypten angesagt, wahrscheinlich um sich ein Bild von den Kulturerbestätten zu machen. Die Betreuung und Begleitung der Delegation scheint sich jedoch als schwierig zu erweisen, da der Stuhl des Ministers für Antiken nach dem Rückzug von Zahi Hawass nach wie vor verwaist ist.
english.ahram



20. März 2011
Gestohlene Objekte des Ägyptischen Museums Kairo aufgelistet

Auf dem Homepage des SCA befindet sich eine aktuelle Liste (als PDF zum Download) der nach dem Einbruch im Januar bis heute vermissten Exponate des Ägyptischen Museums; eine weitere Liste führt die inzwischen wieder aufgefundenen Objekte auf.



18. März 2011
Pseudoschrift auf Ostraka aus Deir el-Medina
Neben den bekannten und hinreichend erforschten Schriften der Ägypter entwickelten mindestens seit dem Neuen Reich die Arbeiter der großen Nekropolen eine Pseudoschrift, mit der sie Tonscherben und Steinsplitter beschrifteten. Häufig ist es problematisch, die Inschriften eindeutig zu entziffern und zu übersetzen. Die verwendete Schrift scheint eine besondere Systematik aufzuweisen. Ben Haring von der Universität Leiden analysierte im Rahmen des Forschungsprojektes "Symbolizing Identity; Identity marks and their relation to writing in New Kingdom Egypt" eine Reihe von Ostraka mit derartiger Beschriftung. Bisher ging man davon aus, dass es sich bei den Zeichen um einfache, individuelle Markierungen handelte, die den Arbeitern ihre Tätigkeit erleichterte bzw. mit denen sie ihr Eigentum kennzeichneten. Die ersten Ergebnisse von Harings Analysearbeit zeigen jedoch, dass die Ostraka Auflistungen enthalten, die eine wichtige Rolle bei der Organisation des Einsatzes von Grabarbeitern in der königlichen Nekropole spielten. Die dabei verwendete Pseudoschrift hat einen ganz eigenen Charakter und ist vielleicht im weitesten Sinne mit moderner Stenografie vergleichbar.


Blick auf Deir el-Medina

pasthorizons
wissenschaft-aktuell




09. März 2011
Kamen die alten Ägypter bis in den Tschad?
Nachdem vor einiger Zeit in den Felsen an der ägyptisch-libysch-sudanesichen Grenze eine Inschrift mit dem Namen Mentuhoteps II. gefunden worden ist, hat Thomas Schneider, Professor an der University of British Columbia, in antiken Texten nach Hinweisen für vielleicht über diesen Fundort hinaus gehende Expeditionen der Ägypter gesucht. Er stieß dabei auf Textstellen im Amduat (Unterweltsbuch), die den "westlichen Horizont" als einen 1.260 km entfernten Ort nennt. Gemessen von der Oase Dachla, dem möglichen Ausgangspunkt einer Expedition, würde man im zu dieser Zeit noch sehr grünen Tschad landen, genauer gesagt am Nordufer des Bodelesees. Die zeitgenössische Landschaft dieser Gegend wiederum könnte übereinstimmen mit den Beschreibungen der "Wernesgefilde", einem fruchbaren Ort aus dem Amduat. Das Wort "Wernes" scheint außerdem nicht rein ägyptischen Usprungs zu sein und seine Aussprache zeigt Ähnlichkeiten mit einem Wort der zentralafrikanischen Sprache Tubu, das man mit "Wasserstraße/Sonnensee" übersetzen kann.
Es scheint lohnenswert, diese eventuellen frühen Kontakte der Ägypter mit dem Tschad weiter zu erforschen. Die politische Situation vor Ort dürfte diese Forschungen jedoch sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich machen.
unreportedheritagenews



08. März 2011
Gefälschte Tickets für ägyptische Touristenziele aufgetaucht
Dem Sicherheitschef des Ägyptischen Museums fielen diverse Besucher mit gefälschten Eintrittstickets auf. Nach polizeilichen Nachforschungen stellte sich heraus, dass eine große Anzahl derartiger Tickets für verschiedene Sehenswürdigkeiten in Umlauf sind; der Wert wird auf 5 Mio. LE beziffert. Es scheint sich im wesentlichen um Tickets zu handeln, die in größeren Kontingenten von Reiseveranstaltern an bestimmten Verkaufsstellen erworben wurden. Der Verkauf gefälschter Tickets scheint bereits seit vier Jahren zu laufen.
luxortimesmagazin



06. März 2011
Zahi Hawass als Antikenminister zurückgetreten

Der erst im Februar als Minister für Antiken ins Amt beförderte, langjährige Generalsekretär des Supreme Council of Antiquities (SCA), Zahi Hawass, ist zurückgetreten und wurde außerdem im neuen Parlament der Nach-Mubarak-Ära nicht mehr berücksichtigt. Unter der Überschrift "Hochmut kommt vor dem Fall" setzt sich ein ausführlicher Artikel von Jill Kamil in der Online-Ausgabe von Al-Ahram Weekly kritisch mit der Person des ehemaligen Antikenchefs auseinander.