ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  März 2012

27. März 2012
Auf der Suche nach Kanälen

Angus Graham von der Egypt Exploration Society (EES) führt gemeinsam mit seinen britischen, ägyptischen und französischen Kollegen geophysikalische Untersuchungen (Electrical Resistivity Tomography Method) auf der Westbank in Luxor durch. Man möchte herausfinden, wo die antiken Kanäle verliefen, die einst den Nil mit den verschiedenen dort befindlichen Tempeln verbanden.
newscientist


22. März 2012
"Geheimnis" von Senacht-en-Re gelüftet

Nach dem Fund von Bauteilen (Torpfosten und Sturz) aus der Zeit des obigen Königs (siehe Beitrag vom 04.03.2012) im Ptah-Tempelkomplex von Karnak war zunächst lediglich sein Thronname bekannt geworden. Inzwischen gibt es einen längeren Artikel von Sébastian Biston-Moulin in Égypte Nilotique et Méditerranéenne (ENiM) Nr. 5: Le roi Sénakht-en-Rê Ahmès de la XVIIe dynastie, dem neben Einzelheiten zum Fund auch eine ausführliche Titulatur zu entnehmen ist:

Horusname: Meri Maat
Thronname: Senacht-en-Re
Eigenname: Ahmes


19. März 2012
"Krise" unter Thutmosis II.?

Dr. Joel Klenck von der Harvard University glaubt, dass es während der Regenschaft von Thutmosis II. zu einer Krise gekommen ist und führt zum Beweis eine Reihe von Indizien an.
So würde ein Text, den Hatschepsut in Speos Artemidos (Felsentempel für Pachet) anbringen ließ, sich nicht wie allgemein angenommen auf die Hyksos als gottlose Gesellen beziehen, sondern auf eine "Bevölkerung, die aus der Mitte der Asiaten in Ägypten verblieben war und das Land ruiniert hätte, bis Hatschepsut die Regentschaft übernommen hat". Nach einem Studium dieser Textquelle in den Urkunden IV, 390/391 (Übersetzung Ingeborg Müller in "Urkunden der 18. Dynastie", Akademie-Verlag Berlin, 1984) erweist sich Klencks Einlassung als nur bedingt nachvollziehbar. Dort heißt es: Ich habe restauriert, was zerfallen war, ich habe aufgerichtet, was anfangs zerlegt war, seit die Asiaten in der Gegend von Auaris (Hwt-wart) im Nordland waren und die Nomaden unter ihnen zerstörten, was geschaffen worden war. Sie herrschten ohne Re, es gab keinen Befehl bis zur (Herrschaft) Meiner Majestät... Wissenschaftler gehen davon aus, dass Hatschepsut mit diesem Text das Hyksostrauma fiktiv endgültig beseitigen wollte. Klenck scheint eine andere Lesart zu wählen und "die Nomaden unter ihnen" als übrig gebliebene Volksgruppe zu deuten, die noch zur Zeit Thutmosis' II. ihr Unwesen trieb.
Als weiteren möglichen Grund für eine Staatskrise führt Klenck den eventuellen Ausbruch einer Krankheit am Königshof an. Die Mumie von Thutmosis II. zeigt in der Tat großflächige Spuren einer Hautkrankheit, die - in abgeschwächter bzw. verheilter Form - auch bei Thutmosis III. und angeblich auch bei Hatschepsut festzustellen sind. Da auch die Haut der Amme Hatschepsuts, Sit-Ra, mit Pusteln übersät ist, geht Klenck von einer Epidemie und nicht von einer Erbkrankheit aus. Dazu ist allerdings anzumerken, dass auch auf der Haut von Amenophis II. kleine Knötchen mit 2 bis 8 mm Durchmesser gefunden wurden (Smith, Royal Mummies), die nicht identifiziert werden konnten; ob sie krankhafter Natur sind oder beim Mumifizieren entstanden, ist unsicher. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Aussage von Klenck, dass kürzlich durchgeführte DNA-Untersuchungen vermuten lassen, zwischen Thutmosis II. und Thutmosis III. hätte kein verwandtschaftliches Verhältnis bestanden - für ihn ein weiteres Indiz für den Ausbruch einer Seuche o.ä. Sofern es sich nicht um ein journalistisches Missverständnis handelt, ist diese Erkenntnis neu; sie wurde bisher nicht publiziert. Bislang galt Thutmosis II. als Vater von Thutmosis III.
Einen weiteren Beweis für eine Staatskrise unter Thutmosis II. sieht Klenck in der spärlichen Bautätigkeit des Königs während einer angeblichen Regierungszeit von 18 Jahren. Diese lange Regentschaft ist in Wissenschaftskreisen jedoch äußerst umstritten.
Klenck zweifelt außerdem an, dass ein durch den Armeeangehörigen Ahmose-Pennechbet beurkundeter Feldzug unter Thutmosis II. gegen Schasu-Beduinen jemals stattgefunden hat. Die Begründung seiner Zweifel bleibt er schuldig.
Schließlich möchte Klenck neben einer Staats- auch eine Religionskrise erkennen und verweist dazu wiederum auf eine Sequenz der Hatschepsut-Inschrift in Speos Artemidos("sie herrschten ohne Re", s.o.), der er ebenfalls eine andere Bedeutung verleiht, im Sinne "eines nicht mit göttlichem Befehl handelnden Re, während Ägypten ruiniert wurde".
Alles in allem knüpft Klenck eine Indizienkette, deren Logik sich nicht erschließt; sie sollte sehr viel detaillierter hinterfragt werden, als es hier möglich ist.
sbwire



14. März 2012
Nekropole von Meidum länger genutzt als vermutet

Bisher ging man davon aus, dass der königliche Friedhof von Meidum nur zur Zeit der Pyramidenbauer in Betrieb war. Dr. Teodoszja Rzeuska, Institute of Mediterranean and Oriental Culture / Polish Academy of Sciences, berichtet nun in einem Online-Artikel von en.naukawpolsce, dass eine kontinuierliche Nutzung mindestens bis in das späte Neue Reich festgestellt werden konnte. Nach den Ergebnissen der frühen Grabungen von Petrie und Rowe in Meidum hatte sich die Meinung verfestigt, dass die Nekropole nur in der frühen 4. Dynastie genutzt und danach zugunsten von Dhaschur bzw. Giza aufgegeben wurde. Alle Grabmonumente wurden daraufhin automatisch auf das frühe Alte Reich datiert. Aufgrund eines erneuten eingehenden Studiums und einer Analyse der frühen Grabungsdokumentationen fand Rzeuska heraus, dass das Gräberfeld keineswegs früh aufgegeben wurde, sondern eine Belegung noch für weitere 1.500 Jahre nachgewiesen werden kann. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wird Rzeuska in einer englischsprachigen, monographischen Studie veröffentlichen.



12. März 2012
Gestohlene Kalksteinreliefs auf dem Weg zurück nach Ägypten

Im Jahre 1999 war der Diebstahl von neun Kalksteinreliefs aus dem Grab des Imep-Hor (6. Dynastie) in Sakkara entdeckt worden. Vor drei Jahren tauchte eines der Reliefs auf der Liste eines bekannten spanischen Auktionshauses auf; der Verkauf wurde gestoppt. Ein Jahr später fand man die zugehörigen acht Objekte bei einem Antikenhändler in Barcelona. Nach Prüfung der Rechtslage und längeren diplomatischen Verhandlungen erhält Ägypten die Stücke nun zurück.
english.ahram



12. März 2012
Tote bei Raubgrabungen

In einem Dorf nördlich von Luxor begrub ein Erdrutsch zwölf Menschen unter sich; für zehn von ihnen kam jede Hilfe zu spät. Das Unglück ereignete sich bei Raubgrabungen, als die Wände eines Grabungsschachtes instabil wurden und einbrachen.
nzz



11. März 2012
Angebliche "Entdeckung" einer Priestermumie

Einer leicht konfusen Meldung des bulgarischen Onlinemediums paper.standartnews zufolge haben bulgarische Archäologen die Mumie eines ägyptischen Priesters aus der Zeit Ramses' II. entdeckt. Inzwischen hat Prof. Dr. Teodor Lekos vom Bulgarian Institute of Egyptology diese Meldung dementiert: Bezüglich der jüngsten Publikationen in der bulgarischen Presse über die Grabungsmission in Luxor möchte ich bekanntgeben, dass sie unkorrekte und irreführende Informationen enthalten, z.B. über die angebliche Entdeckung eines Grabes im Tal der Könige, einer Mumie usw.- eine Folge von Missverständnissen und mangelnder Kenntnis.
Die bulgarische Mission führt epigraphische Arbeiten in TT 263 (Grabinhaber Piay, Schreiber der Kornspeicher, Zeit Ramses II.) in Sheikh Abd el-Gurna durch; detaillierte Ergebnisse werden nach Ende der Kampagne publiziert.
Korrekturveröffentlichung des bulgarischen Instituts vom 19.03.2012


Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung der Universität Osnabrück
09. März 2012
Herrscherfrauen in der Antike - Internationale Tagung


Im Altertum setzten auch Frauen im Umfeld der Macht eine demonstrative Großzügigkeit zur Verbesserung ihrer Position ein. Während die sogenannte »Matronage« im antiken literarischen Diskurs häufig negativ bewertet wurde, steht der archäologische Befund einer solchen Wahrnehmung diametral entgegen. Ziel der internationalen Tagung »Matronage« vom 22. bis 24. März an der Universität Osnabrück ist es, weibliche Handlungsspielräume in der Antike zu präzisieren und das Verständnis des Geschlechterverhältnisses im Raum der Macht zu schärfen.

Der Kongress, an dem Wissenschafterinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachdisziplinen teilnehmen, untersucht in historischer Langzeitperspektive – von den altorientalischen Hochkulturen bis ins frühe europäische Mittelalter – Handlungsstrategien und soziale Netzwerke von Herrscherfrauen, so die Tagungsleiterin Prof. Dr. Christiane Kunst vom Historischen Seminar der Universität Osnabrück. »Herrscherfrauen eignen sich als Untersuchungsgegenstand besonders gut, weil hier die Quellen reicher fließen und somit für eine Person mehrere Aktionen und auch deren öffentliche Bewertung belegbar sind, wogegen für Frauen anderer sozialer Gruppen im Vergleich stärker Einzelbelege vorliegen.«

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Christiane Kunst, Universität Osnabrück
Historisches Seminar
Schloßstraße 8, 49069 Osnabrück
Tel. +49 541 969 4388
E-Mail: christiane.kunst@uni-osnabrueck.de
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.matronage2012.uni-osnabrueck.de/

idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V. http://idw-online.de


09. März 2012
El Hibeh: Ein Hilferuf

Über das EGYPTOLOGISTS' ELECTRONIC FORUM (EEF) wurde ein besorgniserregender Aufruf von Dr. Carol Redmount, University of California, Berkeley, veröffentlicht mit dem Hinweis, den Inhalt über die Medien bekanntzumachen. Ich übernehme den Beitrag im englischen Original, weil eine Übersetzung eventuell zu Fehlinterpretationen führen könnte, die bei diesem wichtigen und durchaus auch heiklen Thema fatal wären:

Dr. Carol Redmount has asked for help to call attention to the state of the excavation at El Hibeh: the extensive looting, the uncovering of a new tomb, and so far the lack of official assistance. The following is a paragraph from Carol with information on a media contact in Egypt, then a link to the Arabic language video reporting the matter, and finally the English translation from the Weekly Wafd newsaper. Please feel free to forward this entire email to any media contacts you may have.
Glenn Meyer

Here's the link to the video:
http://www.alqaheraalyoum.net/videos/playvideo.php?vid=0164108b3
*Weekly Wafd exposes the most Dangerous Gang Looting Antiquities
*It’s Leader Escaped from Execution and Has with him tens of Armed Men

March 8, 2012

“While political parties are wrestling to reformulate the constitution and members of parliament are competing to gain as much media attention as they can. While politicians are busy attacking / defending the Military Council and economists are concerned about the bad financial situation of the country. While the Ministry of Interior is busy with the battle over whether to allow beards or not, while other activists are jostling to impose their opinions in the media throughout Egypt and while the elite are busy with these cases, there is a mafia is devoted to looting antiquities what the ancient Egyptian civilization left us. They are no longer practicing their crimes in darkness, but in the middle of the day with bulldozers while the Ministry of Antiquities and the police are in silent!!”

Because the Bulldozer has no heart and the mafia has no conscience, they have destroyed priceless antiquities, demolished temples that were beacons for the world, desecrated tombs and looted mummies leaving them in open air.

Horrible information has emerged about crimes that these antiquities mafia are committing in many areas in Egypt such as in Abu Sir, Abu Rawash, Sakkara and Beni Suef etc. Tones of Egypt’s antiquities have been stolen in the last couple of months, much of it transferred by trucks to hiding places controlled by this mafia.

The Egyptian soil still contains much that excavations continue to find, these excavations are conducted by specialized people under the protection of the state with the support of officials. Police have withdrawn from all the antiquities sites leaving them to thieves who do what they like.

It is unbelievable what is happening now to our history, you can just go to el Heba, Feshn office, Beni Suef and you would see an example of this wonder.

El Heba contains an exceptional collection of antiquities extending from the Pharaonic dynasties to the Coptic and Islamic Periods. Antiquities that provide information about three consecutive periods of Egypt’s history.

Because of its very dry environment, the pharaohs chose el-Hiba to establish a Pharaonic archives center where they kept copies of papyrus documents, laws and stories. King Sishonk constructed a large temple similar to the temple of Karnak and sealed his name on every single stone.

Ancient factories were built around the temple and workers built their houses around these factories. They built two huge cemeteries at the east and west sides of the city and surrounded it with fence to protect it.

When the Coptic era started in Egypt, the place became a unique area containing many Coptic antiquities and the same happened during the Islamic Period.

In short, El Hiba is an example of a rare location that contains antiquities from three different eras, Pharaonic, Coptic and Islamic. When this city was discovered in 1896 by the Egyptian Egyptologist, Mr. Ahmed Kamal, this was a great discovery.

Foreign missions started to come to this area with the hope of uncovering the antiquities while local police provided a specialist protection to this site.

As soon as the Egyptian revolution started and the police withdrew, the police left the area to the looters to find these priceless treasures. The leader of the El Hiba mafia is a man called “Abou Atia,” who escaped an execution order. He has got hold of a bulldozer and hired tens of men equipped with guns and dynamite and are currently digging el Hiba looking for antiquities and gold within the tombs.

However, Abou Atia’s gang took different kind of antiquities from el Hiba, some of these have been moved to private magazines in order to be sold. Tens of tombs were robbed, some mummies and sarcophagi were kept in places and others were left in the open air, small statues and some golden pieces were also stolen from the tombs.

Abu Atia’s gang has been looking for antiquities for a year now, they have dug 400 holes in the 2km city, the depth of some of these holes is more than 15 meters.

Because of this mafia, the beautiful and the important city of Hiba has turned into a battle field that our predecessors’ skulls and bones scattered all over the ground. The whole area is covered by holes that these looters have made, the temple, most of the houses and tombs dated to 1700 B.C. are now demolished.

So the Ministry of State for Antiquities has found no one to protect them and it looks as though the Ministry believes that their only possibility is to protect the Egyptian Museum.

Sadly, foreign missions are more concern about Egyptian history / antiquities than the Egyptians themselves. Are we waiting to ask the international community to interfere to save out heritage after we failed in protect it?

I met with Dr. Carol Redmount, specialist in Egyptian antiquities and a Professor at Berkeley, California and I asked her about what she observed after the latest security chaos. Sadly she said that the condition of the Egyptian antiquities is painful after the Egyptian authorities left it with no protection against the looters. She said, I live in Egypt many months every year and I visited all the antiquities sites in Delta and I have a passion for them that I feel they become part of me.

Q. Did you visit El-Hiba in Beni Suef?
A. I did, and I spent many years there excavating from 2001 – 2007 under Egyptian supervision and I returned back in 2009.
Q. How did you see this area?
A. It is a complete antique city, very beautiful and the only one that tells how the regular Egyptians used to live in the Pharaonic time because most of the habitants were regular people, farmers or workers.
Q. Did you know what happened to this area in the past months?
A. Unfortunately I knew, some people called me and told me about these crimes happened in Al Heba, then I called the people at the inspectorate office and informed them.
Q. What did they say?
A. We are so upset
Q. Just upset?
A. No, they said they tried to protect the city and they informed the police and asked for help
Q. What was the police answer?
A. Nothing

There is only one meaning to what the antiquities expert said, this is that the Egyptian authorities protect the Egyptian mafia. I express one phrase to these people who are protecting this mafia, that Dr. Andy Daily, an American Professor of History said to me “I love Egyptian history and every Egyptian must feel shame of what’s happening to the Egyptian antiquities from this mafia” We really need to feel shame.

https://www.facebook.com/groups/337119989673652/



Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
08. März 2012
Mainzer Wissenschaftler an großer Ägypten-Ausstellung in Speyer beteiligt
„Ägyptens Schätze entdecken - Meisterwerke aus dem Ägyptischen Museum Turin“ wird am 11. März eröffnet

Das Historische Museum der Pfalz Speyer zeigt ab Sonntag monumentale wie außergewöhnliche Objekte aus einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen altägyptischer Zeugnisse. Die sechsmonatige Sonderausstellung „Ägyptens Schätze entdecken - Meisterwerke aus dem Ägyptischen Museum Turin“ präsentiert einerseits herausragende Exponate aus allen großen Epochen und Lebensbereichen des Alten Ägyptens, andererseits wird die vielfältige Geschichte der Ägyptologie mit ihren großartigen Entdeckungen und kulturgeschichtlichen Erkenntnissen dargestellt – von der ersten Welle der Ägyptenbegeisterung unter Napoleon Bonaparte bis hin zu aktuellen Forschungsergebnissen der Gegenwart.

Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) waren an der Konzeption der Ausstellung und dem Begleitbuch maßgeblich beteiligt. Sie präsentieren in Speyer zudem neue Forschungen, die sie zusammen mit ihren Projektpartnern von der Freien Universität Berlin und der ägyptischen Universität Sohag auf dem Nekropolenberg in Assiut durchführen. Dieser Berg wird seit über 5000 Jahren durchgehend von den Bewohnern der Stadt genutzt – hauptsächlich als Friedhof mit Abertausenden von Gräbern, aber auch als Steinbruch, Ausflugsziel, Gebetsplatz, Siedlung für Eremiten, als Standort für Klöster und in jüngerer Zeit auch für Militäranlagen. Anfang des 20. Jahrhunderts gelangten zahlreiche Särge, Statuen und Beigaben aus Assiut ins Turiner Museum. Drei vollständige Grabausstattungen sind jetzt in Speyer zu sehen, darunter bestens erhaltene, über 4000 Jahre alte Holzstatuen (Foto 1). Seit 2003 kooperieren die Ägyptologieprofessoren Jochem Kahl (FU Berlin), Mahmoud El-Khadragy (Universität Sohag) und Ursula Verhoeven-van Elsbergen (JGU Mainz) auf internationaler Ebene und unternehmen jeden Sommer zweimonatige Feldforschungen im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Langzeitvorhabens „The Asyut-Project“ (Foto 2). In Speyer werden neben den frühen Funden aus Turin aktuelle und multidisziplinäre Forschungsmethoden und -inhalte vorgestellt. Die Freilegung bislang unbekannter Gräber oder Grabkammern, die Säuberung und Dokumentation der berühmten Fürstengräber mit bis zu 12 Meter hohen Räumen und über 10 Meter tiefen Begräbnisschächten, die Aufnahme von Inschriften und Dekoration sowie die Untersuchung von Holz, Keramik, Menschen- oder Tierknochen und anderen Materialien ermöglichen neue Fragestellungen wie etwa zur Regionalität, zum antiken und modernen Geschichtsbewusstsein, nach Wissenskultur oder Jenseitsvorstellungen in Assiut.

Holzstatue des Upuautemhat aus seinem Grab in Assiut (Ägyptisches Museum Turin S. 8786), 138 cm hoch,
um 1900 v. Chr.
Quelle: Historisches Museum Speyer/Ägyptisches Museum Turin (IDW)


Das internationale und interdisziplinäre Team des „Asyut Project“ im Oktober 2011 vor dem monumentalen Felsgrab des Gaufürsten Djefai-Hapi I.
Quelle: The Asyut Project (IDW)
„Der Titel der Ausstellung ‘Ägyptens Schätze entdecken‘ spannt den Bogen von den Entdeckungen der frühen Reisenden der französischen Expedition im Jahr 1799 bis zu unseren heutigen Entdeckungen, bei denen es darum geht, die Zusammenhänge von unscheinbaren ebenso wie von eindrucksvollen Funden und Baustrukturen herauszufinden, um das alte Ägypten als frühe und hochkomplexe Gesellschaft zu verstehen und als solche als Schatz zu werten“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen. Die Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer ist vom 11. März bis 2. September 2012 zu sehen. Zu der Ausstellung erscheint ein Begleitbuch, das durch seine Essays und Exkurse über einen reinen Katalog hinaus die Wissenschaftsgeschichte sowie Ägypten mit seinen „Menschen zwischen Fluss und Wüste“, „Verstorbenen im Schönen Westen“ und „Göttern zwischen Himmel und Erde“ vorstellt.

Weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen; Andrea Kilian M.A.
Institut für Ägyptologie und Altorientalistik
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
D 55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-38337 (Sekr. Kreis-Thies); -38343 (Kilian)
Fax +49 6131 39-38338
E-Mail: kreisthi@uni-mainz.de; kiliana@uni-mainz.de
http://www.aegyptologie-altorientalistik.uni-mainz.de/114.php

idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V. - http://idw-online.de



07. März 2012
Großbrand in Siwa

In der Oase Siwa wütete in der vergangenen Woche ein Feuer, das nicht nur Palmen- und Olivenhaine bedrohte, sondern auch antike Ruinen. Bei der Katastrophe wurde eine Fläche von rund 0,2 qkm ein Raub der Flammen. Nach Angaben von Antikenminister Ibrahim stellte sich schließlich heraus, dass die archäologischen Stätten glücklicherweise nicht betroffen sind. Auch für den Tourismus soll keine Beeinträchtigungen geben, da das Feuer im wenig besuchten westlichen Teil der Oase tobte.
hebdo.ahram (französisch)
dito (deutsch via Google)



05. März 2012
Diebesgut in Minja beschlagnahmt

Die 68 Objekte aus griechisch-römischer Zeit wurden im Haus eines Ladenbesitzers aufgefunden und sollen illegal erworben worden sein. Antikenminister Ibrahim hatte im vergangenen Monat mitgeteilt, dass seit Januar 2011 zwei Prozent der in staatlichen Magazinen lagernden Artefakte gestohlen worden seien - mit steigender Tendenz. Eine genaue Statistik über die Anzahl existiert jedoch nicht.
egyptindependent


04. März 2012
Der dritte "Memnon"
Die Onlineausgabe der Luxortimes veröffentlicht eine umfangreiche Fotogalerie und ein Video zur Wiederaufrichtung der dritten kolossalen Sitzstatue Amenophis' III. in seinem Gedächtnistempel in Kom el-Hettan (siehe auch Beitrag vom 18.02.2012).


04. März 2012
Senacht-n-Re, ein König der 17. Dynastie

Während eines Besuches in Karnak gab Antikenminister Mohamed Ibrahim eine kleine Sensation bekannt. Das IFAO war bei seinen Arbeiten auf die Kartusche eines bisher wenig bekannten Königs mit Namen Senacht-n-Re gestoßen, der in die 17. Dynastie gehört. Grabungsleiter Christophe Thiers und sein Team legten ein Kalkssteintor frei, auf der dieser König inschriftlich belegt ist. Im Text ist davon die Rede, dass der König in Karnak Bauwerke aus Tura-Kalkstein für Amun errichten ließ. Die Arbeiten am Fundort sollen zügig forgesetzt werden, um möglichst noch weitere Architekturelemente ausfindig zu machen, die Senacht-n-Re zugeordnet werden können.
Der Name des Senacht-n-Re sei zwar aus Königslisten (retrospektiv, siehe Foto) bekannt, meint Mansour Boraik, Generalinspektor von Luxor, jedoch gab es bisher keine Hinweise auf Bautätigkeiten dieses Königs. Man hielt ihn deshalb - bis zu diesem Fund - für einen imaginären Herrscher.
luxormagazin
CFEETK

Königsliste aus dem Grab des Chabechnet in Deir el-Medina, 19. Dynastie, Berlin ÄM 1625, mit Darstellung eines Senacht-n-Re (in der Variante Sechenet-n-Re, nach Jürgen v. Beckerath "Untersuchungen zur politischen Geschichte der Zweiten Zwischenzeit in Ägypten", 1965, Seite 187, eine Verschreibung )


03. März 2012
Restaurierung des Institut d'Égypt nicht fachgerecht

Antikenminister Ibrahim hat den Supreme Council of the Armed Forces (SCAF) aufgefordert, die Restaurierungsarbeiten am Gebäude des Institut d'Égypt zu stoppen. Der Bau war im Dezember einem Großfeuer zum Opfer gefallen (siehe dazu auch Beitrag vom 02.01.2012). Ibrahim bemängelt Pfusch bei den Arbeiten und nennt als Beispiel, dass Betonblöcke zur Stärkung des Mauerwerks eingesetzt würden. Dies laufe den Vorschriften zum Schutz von Antiken völlig zuwider.
english.ahram