ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  März 2013

25. März 2013
Site Management für Kom el-Hettan

Das luxortimesmagazin veröffentlicht die ersten Entwürfe des Site Managments für das Gelände des Millionenjahrhauses Amenophis' III. in Theben West - mit einer hypothetischen Rekonstruktion des Tempelkomplexes. Der Besucherpfad soll künftig, ausgehend von den Memnon-Kolossen (ehem. 1. Pylon), über das gesamte Tempelgelände führen. Über den Zeitpunkt der Umsetzung wird nichts gesagt.



18. März 2013
Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim verliert ägyptische Objekte

2.700 Stücke werden an einen Hamburger Kaufmann zurückgegeben, der sie angeblich ursprünglich dem Museum überlassen wollte. Nun fordert die Tochter, Generalbevollmächtigte ihres Vaters, sie zurück und entfachte dadurch einen Streit, der in Kürze vor Gericht fortgesetzt wird.
focus


16. März 2013
Gebäude aus der Hyksoszeit in Tell Hebua freigelegt
Ein ägyptisches Archäologenteam unter der Leitung von Mohamed Abdel-Maqsud, das seit längerer Zeit in Tell Hebua / Qantara gräbt, ist auf die Reste von Verwaltungsgebäuden aus der Zeit der Hyksos gestoßen. Die ursprünglich zweistöckigen Gebäude umfassten Räumlichkeiten und Innenhöfe. Hier fand man Särge, Schädel und Skelette von Personen, die wahrscheinlich Opfer von Kämpfen geworden sind. Sie zeigen tiefe Wunden von Speeren und Pfeilen. Der ägyptische Antikenminister Mohamed Ibrahim bringt sie mit den Kämpfen zwischen den Hyksos und der Streitmacht des ägyptischen Königs Ahmose in Verbindung, der die asiatischen Besatzer bekanntlich in die Flucht schlug. Man fand auch Reste von niedergebrannten Gebäuden. Der Befund deckt sich mit antiken Aufzeichnungen (Papyrus Rhind, verso), nach denen Ahmose auf seinem Feldzug gegen die Hyksos zunächst in Heliopolis "eintrat", dann zur Festung Tjaru (Tell Hebua) vorrückte und diese schließlich einnahm. Durch die Einnahme wurde den im belagerten Auaris verbliebenen Hyksostruppen der Rückzugsraum verschlossen. Tjaru war die erste von mehreren Festungen am berühmten Horusweg, der Handels- und Militärroute von Ägypten nach Asien.

Bei den jüngsten Grabungen wurden außerdem Reste einer große Anzahl von Silos ausgegraben, die aus der Zeit Thutmosis' III. und Ramses' II. stammen. Es konnten dort 280 to Getreide für die Versorgung einer vielköpfigen Armee gelagert werden.
english.ahram
Zu den laufenden Grabungen siehe auch Beitrag vom 22.04.2009


15. März 2013
Ägyptische Schiffe in Thonis-Heracleion

Die Stadt Thonis-Heracleion diente vor der Gründung Alexandrias als Ägyptens Tor zur griechischen Welt. Sie war wahrscheinlich Umschlagplatz für Waren aus der Mittelmeerregion, die hier von seegängien Schiffen auf Nilschiffe umgeladen und stromaufwärts transportiert wurden. Die Stadt liegt heute versunken in der Abukir Bay, 6,5 km entfernt von der Küste Ägyptens. Taucher untersuchen derzeit 64 im Hafen der Stadt gefundene ägyptische Schiffe aus der Zeit zwischen dem 8. und 2. Jhdt.; einige scheinen dort schon in der Antike mutwillig versenkt worden zu sein.
University of Oxford
franckgoddio


14. März 2013
Pressemitteilung (Quelle: IDW)
Eine der ältesten Sonnenuhren der Welt im Tal der Könige ausgegraben

lic. phil. Christoph Dieffenbacher
Kommunikation & Marketing Universität Basel
Bei Grabungen ist ein Forschungsteam der Universität Basel im Tal der Könige in Oberägypten auf eine der ältesten altägyptischen Sonnenuhren gestossen. Mitarbeitende des Ägyptologischen Seminars unter der Leitung von Prof. Susanne Bickel machten den bedeutenden Fund bei der Freilegung eines Grabeingangs.
Bei den diesjährigen Grabungsarbeiten fanden die Forschenden ein abgeflachtes Stück Kalkstein (sogenanntes Ostrakon), auf dem mit schwarzer Farbe ein Halbkreis mit zwölf Unterteilungen zu etwa 15 Grad aufgezeichnet wurde. Eine Vertiefung in der Mitte der rund 16 Zentimeter langen horizontalen Grundlinie diente der Befestigung eines Holz- oder Metallstifts, dessen Schatten die Stunden anzeigte. Kleine Punkte in der Mitte jedes Stundenwinkels dienten einer noch feineren Zeitmessung.


Bedeutender Fund: Jahrtausendealte Sonnenuhr wieder ans Tageslicht gebracht. Foto: Universität Basel.

Der Fundort der Sonnenuhr befand sich im Bereich einiger Steinhütten, die im 13. Jahrhundert v. Chr. als Aufenthaltsort der am Bau der Königsgräber beschäftigten Arbeiter genutzt wurden. Möglicherweise diente die Sonnenuhr zur Messung ihrer Arbeitszeiten. Die Unterteilung des Sonnenlaufes in Stunden war jedoch auch ein zentraler Aspekt in den auf den Wänden der Königsgräber aufgezeichneten Jenseitsführern. Diese Jenseitsführer oder Unterweltbücher sind illustrierte Texte, welche die nächtliche Fahrt des Sonnengottes durch die Unterwelt in ihrer zeitlichen Abfolge beschreiben. Die Sonnenuhr könnte somit die Beobachtung und Visualisierung dieser Fahrt unterstützt haben.
Mithilfe von Studierenden der Universität Basel konnten in der diesjährigen Grabungssaison zudem über 500 in den vergangenen Jahren geborgene, meist fragmentarische Objekte dokumentiert und zur wissenschaftlichen Aufarbeitung vorbereitet werden. Dazu gehört auch das gesamte Fundmaterial aus den unteren Schichten des 2012 entdeckten Grabs KV 64. In dem rund 3500 Jahre alten Grab entdeckten die Basler Forschenden damals einen Sarkophag, der die Mumie einer Frau namens Nehemes-Bastet enthält.

Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Susanne Bickel, Departement Altertumswissenschaften der Universität Basel
Tel. +41 61 267 30 61 - E-Mail: s.bickel@unibas.ch
Weitere Informationen:
University of Basel Kings' Valley Project


13. März 2013
Schwerstarbeit und Not in Amarna

Anthropologische Untersuchungen durch Wissenschaftler des Amarna Project an mehr als 150 Skeletten auf dem Südfriedhof von Amarna, der Nekropole der Unterklasse, zeigen, dass die dort Bestatteten zu ihren Lebzeiten schwere Lasten zu tragen hatten und ähnlich wie die Personen aus QH 33 am Qubbet el-Hawa (siehe unten) an Unterernährung litten. Das Amarna Project beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit der Bearbeitung der Gräber von den Einwohnern von Echnatons Hauptstadt, die nicht der Elite angehörten und deren Lebensbedingungen dürftig waren. Kinder litten an Wachstumsstörungen - eine Folge von Mangelernährung - und bei zwei Dritteln der Erwachsenen zeigten sich degenarative Gelenkerkrankungen und mindestens ein Knochenbruch. Ursache dafür ist die große körperliche Belastung. Ganz besonders die sehr schnelle Errichtung der Stadt könnte mit ein Grund für die zu leistende Schwerstarbeit sein. Die für den Bau der Gebäude benötigen Blöcke hatten ein Gewicht von 70 kg. Die hohe Sterblichkeitsrate bereits in jungen Jahren zeichnete sich als Trend bereits anhand von Befunden aus einem frühen Stadium der anthropologischen Kampagne des Amarna Project ab, siehe Bericht und Diagramm von 2005/2006 auf der Projekt-Homepage. Allerdings gibt es derartige Befunde nicht nur aus Amarna oder Aswan. Auch in Piramesse (Tell el-Dab'a im östlichen Nildelta) hatten die Menschen ähnliche Probleme, wie das dort tätige Team von Manfred Bietak schon vor Jahren feststellen musste (siehe Gräberfund widerlegt "Pharaonen-Propaganda" vom 13.01.2006). All dies zeigt einmal mehr, dass man die schönen Bilder und Texte der alten Ägyptern permanent hinterfragen muss. Sie spiegeln kaum die raue Wirklichkeit wider.
nationalgeographic
livescience



11. März 2013
Weitere Sachmet-Statuen im Millionenjahrhaus Amenophis' III.

Wie bereits in den Jahren zuvor, sind die Ausgräber von Kom el-Hettan (Tempelgelände Amenophis' III.) jüngst wieder auf Sachmet Statuen gestoßen; 14 dieser Objekte konnten ausgegraben werden. Mit den bereits früher freigelegten Statuen (siehe auch Beitrag vom 17.04.2008) steigt deren Gesamtzahl nunmehr auf knapp einhundert.
spiegel


06. März 2013
Anthropologische Resultate vom Qubbet el-Hawa

Seit 2008 untersuchen spanische Wissenschaftler der Universität Jaén Gräber am Qubbet el-Hawa, dem antiken Nekropolenhügel von Aswan:

Während der vier archäologischen Kampagnen haben sich die Forscher auf zwei Gräber konzentriert, die zwar entdeckt, aber noch nicht nicht ausgegraben worden waren: die QH33 und QH34. Das erste dieser beiden, eines der größten in der Nekropole brachte Überraschungen. "Das großartige Grab Nummer 33 gehört zu einem Gouverneur, der in der späten zwölften Dynastie lebte. Es ist noch nicht sicher, wer es ist, aber wir haben einen Kandidaten, der eine gute Chance hat, der Eigentümer zu sein; er lebte wahrscheinlich in der frühen Regierungszeit von Amenemhet III. Die Person, die das Grab anlegen ließ, trägt nicht nur den Titel eines Gouverneurs, sondern hatte auch Kontakte mit der Bevölkerung der südlichen und östlichen Wüste, d.h. diplomatische Aufgaben und Verantwortlichkeiten im Handel ", sagt Alexander. Das Grab Nummer 33 wurde später mindestens dreimal während der 17., 22. und der 26. Dynastie wiederverwendet. Bis heute wurden mehr als 200 Personen aus diesem Grab untersucht. Anthropologische Untersuchungen an Skeletten, die durch forensische Anthropologen an der Universität Granada durchgeführt wurden, werfen ein neues Licht auf die Lebensbedingungen im alten Ägypten. "Die Bevölkerung im Allgemeinen und und die höhere soziale Klasse lebten unter sehr prekären gesundheitlichen Bedingungen, am Rande des Überlebens", berichtet Miguel Botella, forensischer Anthropologe an der Universität von Granada. "Die Lebenserwartung lag zwischen 25 und 40 Jahren. Es gab viele Probleme mit der Ernährung und mit akuten Magen-Darm-Erkrankungen durch den Verzehr von kontaminierten Wasser aus dem Nil. Malaria verursachte ebenfalls einen hohen Prozentsatz der Todesfälle", ergänzt Alejandro Jimenez. "Im alten Ägypten war der Tod viel präsenter in unserem Leben", sagt er. "Im nächsten Jahr werden wir mehr als zehn Meter in die Tiefe graben, und uns auf die noch versiegelte Grabkammer konzentrieren", verrät Alejandro. Die Forscher haben auch einige außergewöhnliche Entdeckungen gemacht, z.B. Inschriften, die einen der frühesten Hinweise auf Pygmäen enthalten. Andere Inschriften geben Auskunft über die Wechselwirkungen Ägypten <-> Nubien über fast ein Jahrtausend.
nationalgeographic (spanisch)
livescience
Siehe dazu auch Beitrag vom 13.02.2012


05. März 2013
Diverse archäologische Stätten durch Eingriffe bedroht

Illegale Bebauung und Landwirtschaft bedrohen zunehmend Ägyptens antiken Boden. Nach Ezbet Kheiralla in Alt-Kairo und dem Pyramidenfeld von Dahschur trifft es nun auch Tell el-Amarna, also Echnatons Hauptstadt Achetaton. Im dortigen Gebiet von El-Hagg Qandil, wo sich bedeutende Privatgräber (z.B. Eje und Mahu) befinden, begannen Einheimische kürzlich mit Aktivitäten zur Bodenkultivierung. Glücklicherweise gelang es der Antikenbehörde und lokalen Offiziellen rechtzeitig, dem Einhalt zu gebieten. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden verstärkt. Währenddessen ist die Situation in Dahschur besorgniserregender. Dort wurden bereits Betongebäude in unmittelbarer Nähe der Pyramiden hochgezogen. Die Bebauung wurde zwar gestoppt, allerdings unter der Bedingung, dass an anderer Stelle Bau-/Agrarland zur Verfügung gestellt wird. Der Rückbau der illegalen Gebäude gestaltet sich aufgrund geringer finanzieller Mittel allerdings schwierig.


Tell el-Amarrna / Achetaton - Teil des Nordpalastes

english.ahram



04. März 2013
Cheops-Boot in Gefahr wegen Rohrbruch?

Im Bootsmuseum in Giza hat sich ein Rohrbruch ereignet; ein Abwasserrohr war geborsten. Ob es zu Beschädigungen an der restaurierten Sonnenbarke gekommen ist bzw. ob es überhaupt eine Gefährdung gibt, ist nicht bekannt.
bikyanews