ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte: Gitta Warnemünde

  April 2006
28.04.2006
Online-Ausgabe einer ägyptologischen Enzyklopädie in Arbeit

Archäologen und Ägyptologen der University of  California (UCLA) beklagen die qualitative Unterversorgung im Internet. Viele User würden inzwischen das Internet als Quelle nutzen und dabei zwangsläufig auf Webseiten mit fragwürdigen ägyptologischen Inhalten stoßen. Um hier Abhilfe zu schaffen, tragen derzeit Studenten der UCLA Informationen zusammen, die im Jahre 2008 als UCLA Encyclopedia of Egyptology online gehen sollen. Das derzeit noch weltweit von Universitäten und Wissenschaftlern genutzte Standardwerk, das siebenbändige "Lexikon der Ägyptologie", veralte mehr und mehr, ließe sich aber wegen der Buchform nicht aktualisieren, sagt Willemina Wendrich, Professor für ägyptische Archäologie. Ein Online-Nachschlagewerk lässt sich problemlos updaten.

Die Enzyklopädie wird in einer PDF-Fassung frei zugänglich sein, während der Zugriff auf eine umfangreichere Version mit besseren Suchmöglichkeiten und mehr grafischen Darstellungen nur Abonnenten möglich sein wird. Eine Ausnahme bilden die ägyptischen User, für die der Zugriff frei sein soll. Man hofft auf eine möglichst zeitnahe arabische Übersetzung des Inhalts.

Quellen:
MSNBC
CNN



27.04.2006
Antikes "Gemeindezentrum" am Ramesseum

In der Nähe des Ramesseums in Theben-West stießen Archäologen auf die Überreste einer Anlage, die offenbar der Versorgung der in der Umgebung tätigen Handwerker und deren Familien diente. Es fanden sich Reste einer Küche, in der Mahlzeiten bestehend aus Brot, Gemüse und Fleisch zubereitet wurden. Die Funde lassen ausserdem darauf schließen, dass sich auf dem Gelände eine Schule für die Arbeiterkinder, ein Fleischer und Verkaufsstände für Gemüse befanden.

Fleisch stand im alten Ägypten - nach allem was man weiß - nur selten auf dem Speiseplan der einfachen Bevölkerung. Es ist erstaunlich, dass es hier in einem Atemzug mit den üblichen alltäglichen Speisen Brot und Gemüse genannt wird. Man kann daher annehmen, dass es sich bei den Nutznießern dieser Gemeinschaftseinrichtung um eine besonders hoch geschätzte Handwerkerschaft gehandelt haben muss. Die Tatsache, dass auch eine Schule dort angesiedelt war, unterstützt diese Annahme.

Quelle: Prensa Latina



27.04.2006

Neu datiert - In der Zeitrechnung der Antike fehlen 100 Jahre

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung

Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Dr. Johannes Schnurr

Wissenschaftler verlegen den Ausbruch von Santorin deutlich vor - Überraschende Forschungsergebnisse in der nächsten "Science-Ausgabe"

Seit längerem schon gibt die Eruption des Vulkans auf der Insel Santorin in der Ägäis Archäologen und Naturwissenschaftlern Rätsel auf. Der gewaltige Ausbruch bedeckte ein weites Gebiet im östlichen Mittelmeer mit Asche und schuf so eine universelle Zeitmarke für die Synchronisierung von Kulturen der späten Bronzezeit in dieser Region. Die Datierung dieses Ereignisses ist aber bislang umstritten. Die verbreitete Tradition einer historischen Datierung über Königslisten und astronomische Konstellationen, insbesondere für Ägypten, grenzen die Eruption auf einen Zeitraum zwischen 1530 und 1500 v.Chr. ein. Dem entgegen stehen naturwissenschaftliche Datierungen, darunter Radiokarbondaten. Sie zweifeln dieses Datum an: Schwefel in Eiskernen aus Grönland und Proben aus Samen von der Insel Santorin lassen auf einen Ausbruch im 17. Jahrhundert v.Chr. schließen. Für eine
zweifelsfreie Zeitangabe waren die Messungen jedoch nicht zuverlässig genug.

Ein Stück Olivenholz konnte jetzt Klarheit schaffen. Der Fund stammt aus der Gegend des minoischen Dorfes Akrotiri, dem "Pompeji der Bronzezeit", das vor über 3500 Jahren in Vulkanaschen versank. Gefunden wurde es von dem dänischen Geologiestudenten Tom Pfeiffer. Mit neuen Methoden gelang es einem Forscherteam der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der Universitäten Heidelberg, Hohenheim und Aarhus/Dänemark, das exakte Alter des gefundenen Olivenbaums zu bestimmen, der beim Ausbruch eingeschlossen wurde. Ergebnis: Die Archäologen haben sich in ihrer Zeitrechnung bislang um 100 Jahre geirrt. Die neuen Forschungsergebnisse werden in der am Freitag erscheinenden Ausgabe der Zeitschrift "Science" publiziert.

Prekär ist der Fund des dänischen Geologiestudenten vor allem deshalb, weil der minoische Vulkanausbruch der Insel Santorin ein wichtiges geschichtliches Ereignis mit Auswirkungen bis nach China und Amerika darstellt. Archäologen benutzen diesen Einschnitt in der Menschheitsgeschichte als Fixpunkt in der Historie des östlichen Mittelmeerraumes.

Den Durchbruch brachte eine Kombination neuer Untersuchungsmethoden: "Bei dem Olivenholz handelt es sich um den Ast eines Baumes, der beim Vulkanausbruch lebend verschüttet wurde", erklärt der Paläobotaniker Michael Friedrich, Mitarbeiter der Heidelberger Akademie der Wissenschaft, der an der Universität Hohenheim im Institut für Botanik arbeitet. Mit einem Computer-Tomographen, ähnlich wie ihn auch Mediziner benutzen, gelang es den Forschern, mehr als 70 Jahresringe in dem über 3500 Jahre alten Holz zu unterschieden. "Danach konnten wir aus mehreren Ringen Holzproben nehmen und über die Radiokarbon-Methode datieren", erklärt Michael Friedrich. Dabei wird der Gehalt an C14, einer natürlichen Variante von Kohlenstoff gemessen, dessen Gehalt sich in der Natur im Laufe der Erdgeschichte immer wieder verändert hat. "Da wir wissen, wann der natürliche C14-Gehalt wie hoch war, können wir theoretisch zurückrechnen, wann der entsprechende Jahrring gewachsen ist", erklärt Dr. Bernd Kromer von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, die ihren Sitz am Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg hat. Bislang scheiterte die Methode daran, dass der Kohlenstoff-Gehalt in den Jahrhunderten um den Ausbruch mehrfach nach oben und unten schwankte, das bedeutet, für jedes Messergebnis gibt es mehrere Alter, die in Frage kommen. "In diesem Fall haben wir erstmals mehrere Messergebnisse aus verschiedenen Ringen, von denen wir exakt wissen, wie weit sie auseinander liegen", erklärt Friedrich. Auf diese Weise erhielten die Forscher ein mehrteiliges Puzzle-Stück, für das nur eine kurzfristige Zeitspanne als Alter in Frage kam.

"Mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent können wir das Ende der Siedlung Akrotiri nun auf die Jahre 1627 bis 1600 vor Christus eingrenzen", bestätigt Kromer. "Damit schließen wir von naturwissenschaftlicher Seite aus, dass der Ausbruch über die bisher etablierten Verknüpfungen mit der historischen ägyptischen Chronologie datiert werden kann. Vielmehr müssen die historischen und kulturellen Beziehungen der vielfältigen Kulturen der Spätbronzezeit im östlichen Mittelmeer neu untersucht und interpretiert werden."

Rückfragen bitte an:

Dr. Bernd Kromer
Forschungsstelle Radiometrie der
Heidelberger Akademie der Wissenschaften
am Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg
Telefon:        06221 / 54 63 50
Fax:            06221 / 54 64 05
E-Mail: bernd.kromer@iup.uni-heidelberg.de
sowie
Michael Friedrich (Diplom-Agrarbiologe)
Universität Hohenheim
Institut für Botanik
Tel.:                   0711/459 21 96 oder -21 88
Fax:                    0711 459 33 55
E-Mail:         michaelf@uni-hohenheim.de
sowie
Dr. Walter L. Friedrich, Associate Professor
Universität Aarhus
Department of Earth Sciences
C.F. Moellers Allee 1120
DK-8000 Aarhus C
Tel.:                   +45/89 42 25 67
Fax:                    +45/86 13 92 48
E-Mail:         walter@friedrich.de
sowie
Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Telefon:                06221 / 54 34 00
Fax:                    06221 / 54 33 55
E-Mail:         johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de
Internet:               www.haw.baden-wuerttemberg.de
sowie
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel.:                   06221 / 54 23 10
Fax.                    06221 542317
E-Mail:         michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
sowie
Florian Klebs
Pressesprecher Universität Hohenheim
Tel.:                   0711 / 4 59 20 01
Fax:                    0711 / 4 59 32 89
E-Mail:         presse@uni-hohenheim.de

Zu dieser Mitteilung finden Sie Bilder unter der WWW-Adresse:
http://idw-online.de/pages/de/image31286
Ansicht auf den Olivenast mit Rinde in seiner Fundposition, der Baumstamm selbst blieb nicht erhalten. Sehr gut konserviert wurde jedoch das äußere Ende.

http://idw-online.de/pages/de/image31287
Einen Meter lang und rund 3570 Jahre alt ist der auf Santorin gefundene Olivenast. Der Baum wurde in Lebendposition von der nach dem Ausbruch in gewaltiger Menge herab regnenden Asche begraben.

Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/pages/de/news156580

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter:
http://idw-online.de/pages/de/institution298

Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw -
WWW: http://idw-online.de



22.04.2006
Der "Goldschatz von Karnak"

Heute berichtet nun auch der Egyptian State Information Service über den Fund, der bereits gestern von anderen Medien veröffentlicht worden war:

"Kulturminister Farouk Hosni gab die erfolgreiche Freilegung von zwei neuen Schatzfunden im Karnak-Tempel in Luxor durch eine ägyptisch-französische Mission bekannt. Einer von ihnen (den Schatzfunden) war aus Gold und wurde neben dem Obelisk der Hatschepsut und der südlichen Halle von König Thutmosis III.  gefunden.

Dr. Zahi Hawass, Generalskretär des High (!) Council of Antiquity (HCA), führte aus, dass der goldene Schatz als der wichtigeste Fund erachtet wird. Er enthält neun Artefakte von purem Gold mit dem inschriftlichen Namen König Thutmosis' III. sowie seiner Titel und er spiegelt den künstlerischen Fortschritt im Neuen Reich wider. Der Genral Supervisor of Luxor Antiquity, Mansour Brek, sagte, dass der zweite Schatz Königin Hatschepsut und König Thutmosis III. zuzuordnen ist und Behauptungen über Machtkämpfe zwischen den beiden widerlegt. Dr. Hawass sagte, der goldene Schatz würde zum Luxor-Tempel* gebracht würde, um ihn auszustellen."
*hier wird wohl das Museum gemeint sein

Ich habe eine beinahe wörtliche Übersetzung der Meldung vorgenommen, da sie - wie so oft beim ESIS - ziemlich holprig ist, was der Verständlichkeit nicht gerade dienlich ist.

Um den Fund wirklich bewerten zu können, sollte man weitere Informationen, z.B. über die Fundumstände oder auch die exakte Fundstelle, und hoffentlich bald nachzureichendes Fotomaterial abwarten.



21.04.2006

Alexander nicht Gründer von Alexandria?

Französische Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass Alexandria als Ansiedlung bereits vor 4500 Jahren existierte. Sie könnten dies auch anhand von Schlammproben, die sie dem historischen Hafen entnommen haben, nachweisen. Nach den Analysen muss der Ort von ca. 2700 bis 2200 v. Chr. und noch einmal von 1000 bis 800 v. Chr. besiedelt gewesen sein, ehe Alexander der Große ihm um 300 v. Chr. seinen  Namen verlieh und  Alexandria  zu einem blühenden Zentrum der antiken Welt aufstieg. Dies meldet derstandard.at unter Berufung auf einen Artikel im "Bild der Wissenschaft".

Der newscientist bringt die Meldung wesentlich präziser. Alain Véron von der Paul Cézanne Universität in Aix-en-Provence hat mit seinen Kollegen die Bleikonzentration der einzelnen Schlammschichten untersucht, oder genauer gesagt der dort abgelagerten Seemuscheln. Man unternahm Kernbohrungen, um an die tiefen Schichten zu gelangen. Am Bleigehalt lässt sich offenbar die Besiedelungsdichte messen. Zur Zeit Alexanders stieg der Bleigehalt stark an und während der römischen Zeit noch einmal rapide.

In alten ägyptischen Texten ist von einem Ort namens Rhakotis die Rede, der sich etwa an der Stelle befunden haben soll, wo das spätere Alexandria entstand. Möglicherweise wurde mit den Untersuchungen ein Nachweis für die Existenz dieses Ortes erbracht.



21.04.2006
Kartuschen aus massivem Gold in Karnak gefunden

Middle East Online meldet den Fund zweier "Sets" von neun massiv goldenen Kartuschen mit den Namen von Thutmosis' III. und Hatschepsut. Ganz in der Nähe des Obelisken der Hatschepsut in Karnak stießen französische und ägyptische Archäologen auf die Stücke, so dass Zahi Hawass, Chef der ägyptischen Antikenberhörde, mutmaßt, der Obelisk sei von beiden Herrschern errichtet worden und nicht, wie bisher angenommen, allein von Hatschepsut. Gleichzeitig spricht der Fund gegen frühere Annahmen, Thutmosis III. hätte den Obelisken seiner stiefmütterlichen Tante "versteckt", indem er ihn ummauern ließ. Auch der ohnehin nicht unumstrittenen These vom damnatio memoriae seitens Thutmosis III. gegen Hatschepsut wäre durch diesen Fund eine weiteres Argument  entgegenzuhalten.

Die Stücke sollen im Luxor-Museum zur Ausstellung kommen.



18.04.2006
KV 63 Grabungsseite aktualisiert

Dr. Schaden hat wiederum einen kleinen Kurzartikel für seine Webseite verfasst:

"Da die Temperaturen in Luxor steigen und der Sommer fortschreitet, arbeiten wir nun meist innerhalb der Gräber KV 63 oder KV 10. Wir haben inzwischen keine weiteren Krüge mehr aus KV 63 geborgen, da der Stauraum in KV 10 knapp wird; die verbleibenden Krüge stellen auch kein Hindernis für die Entnahme der Särge A und F (siehe Handskizze auf der KV 63 Webseite) dar.

Inzwischen ist die Zeit gekommen, einen kleinen Kindersarg zu erwähnen (Sarg D). Der winzige Holzsarg befindet sich unter dem Kopfteil von Sarg G. Der obere Teil des Kindersarges ist kaum zu sehen, der Fußteil jedoch lugt neben dem linken Ohr von Sarg G hervor. Wir werden in Kürze ein paar Fotos veröffentlichen. Den kleinen Sarg zu filmen ist mit einigen Schwirigkeiten verbunden, da alle Stücke sehr eng zusammenliegen. Es wird wohl Juni werden, ehe wir an ihn herankommen, um seinen Inhalt zu untersuchen. Derzeit wissen wir noch nicht, ob der Sarg dekoriert ist oder nur mit einer schwarzen Harzschicht überzogen.

Ich selbst werde den ganzen Sommer über in Luxor bleiben, um mich um die komplette Leerung von KV 63 zu kümmern. Wir möchten, dass das Grab so bald als möglich geräumt ist, ehe womöglich Regenfälle den Inhalt beschädigen."

Grabungsseite KV 63



16.04.2006

Christliche Mumien in el-Hibeh

Nicht nur in Deir el-Bachit in Theben-West finden sich "koptische Mumien". Auch in el-Hibeh, gut 150 km südlich von Kairo  (Karte), finden sich Reste ähnlicher Bestattungen. Deanna Heikkinen, Absolventin der U.C. Berkeley, beschäftigt sich mit diesen menschlichen Überresten vergangener Zeiten. Die meisten der Mumien stammen aus der Zeit um 600 n. Chr., also dem Übergang vom römischen Heidentum zum Christentum. Man verbindet ägyptische Mumien nicht unbedingt mit Christen, jedoch "eine Tradition von mehreren tausend Jahren gibt man nicht so schnell auf", meint Professor Robert Yohe, U.C.B. Die Mumien von el-Hibeh sind durch Plünderungen stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Wissenschaftler versuchen zu retten was möglich ist.

Yohe, Spezialist für menschliche Skelette, konnte bereits interessante Funde vermelden, die den Kulturwandel aufzeigen. In römischer Zeit legten die Menschen ihre Toten zwecks Mumifizierung in der Nähe ihrer Häuser ab. Christen waren jedoch nicht darauf bedacht, die sterblichen Hüllen ihrer Verstorbenen um sich zu versammeln, was bedeuten könnte, dass sie die nackten Körper wieder in Salz legten. Man erkenne hier beides, meint Yohe: den Wandel in der Religion, aber auch den Hang zur Kontinuität.

The Bakersfield Californian
Grabungsseite der U.C.B.



12.04.2006
Das "Judas-Evangelium", niedergeschrieben in einem Dokument aus dem 3./4. Jahrhundert n. Chr.,  soll zurück nach Ägypten

Die 13 Papyrusrollen waren vor mehr als 30 Jahren 190 km südlich von Kairo entdeckt und über den Antiquitätenhandel illegal außer Landes geschafft worden. Im Jahr 2000 kaufte die Schweizer Maecenas-Stiftung für antike Kunst die stark beschädigten Rollen an, von wo aus sie an die National Geographic Society und das Waitt Institute for Historical Society weiter veräussert wurden. Diese beiden Institute ließen die Papyri konservieren, authentifizieren und neu übersetzen. Der Text soll aussagen, dass Judas nicht als Verräter von Jesus angesehen werden könne. Jesus selbst soll seine Jünger darum gebeten haben, ihn zu verraten, weil es Gottes Wille sei. Ein "Judas-Evangelium" wird innerhalb der christlichen Kirche bisher nicht anerkannt; der Autor des Textes ist anonym. Es könnte sich bei diesem Manuskript um die Abschrift eines um etwa 180 n. Chr. in griechischer Sprache verfassten Textes handeln.

Die Papyrusrollen sollen in Kürze im Koptischen Museum in Old Cairo ausgestellt werden.

Netzeitung
Middle East Times
Middle East News



11.04.2006
Der Inhalt dieser IDW-Pressemitteilung ist für die Ägyptologie unter Umständen ein wenig grenzwertig. Es steht jedoch sicher außer Frage, dass Bibelarchäologie und Ägyptologie in engem Bezug zueinander stehen.

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Dr. Michael Schwarz, 11.04.2006

Vierteiliger Fernsehfilm mit Heidelberger Alttestamentler Prof. Manfred Oeming

Fernsehserie über neueste Resultate der Israel-Archäologie und das Geschichtsbild der Bibel mit dem Heidelberger Wissenschaftler - Die Zeit der Patriarchen (26. April), Fluchtgeschichten (3. Mai), Eroberungsgeschichten (10. Mai), Wer schrieb die Bibel? (17. Mai)

Ein spannender und überraschender Dialog des israelischen Archäologen Israel Finkelstein (Tel Aviv) und des Alttestamentlers Manfred Oeming (Universität Heidelberg). In einem vierteiligen Fernsehfilm, der 2005/6 in Kooperation von ARTE und Bayrischem Rundfunk entstand, werden die Arbeitsweisen der modernen Archäologie sowie der modernen Bibelwissenschaft vorgestellt und miteinander in Beziehung gesetzt.

Israel Finkelstein (Tel Aviv) und Neil Asher Silberman (Brüssel und USA) haben 2002 ein Fachbuch mit dem Titel "The bible unearthed: Archaeology's New Vision of Ancient Israel and the Origin of Its Sacred Texts" publiziert. Das Werk erschien in rascher Folge in Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Deutsch, Ungarisch, Hebräisch und Koreanisch, jeweils in vielen Auflagen, und wurde zu einen viel diskutierten Weltbestseller. In diesem Buch wird das Bild, das die Bibel von den Anfängen Israels sowie von der Davidisch-Salomonischen Epoche zeichnet, mit den Resultaten der modernen Archäologie konfrontiert. Die Tells in Israel, besonders Tell Megiddo, bilden ein "Buch aus Stein", das eine eigene und andere Geschichte erzählt als das "Buch aus Papier", die Bibel. Durch einen kritischen Vergleich von Geschichtsbild und materieller Hinterlassenschaft wird die Bibel gleichsam neu "ausgegraben". Es zeigt sich, dass die großen Stories der Bibel nicht als uralte Geschichtsreportagen missverstanden werden dürfen. Weder bildeten die Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob eine Familie von Kamelnomaden im 18. Jh. v. Chr., wie es in 1. Mose 12-50 erzählt ist, noch ist unter Führung des Mose der Auszug aus Ägypten im 14. Jahrhundert v. Chr. als Massenexodus passiert, wie es 2. Mose 1-15 berichtet, noch hat die Landnahme im 14./13. Jahrhundert als ein großer militärischer Eroberungsfeldzug unter Josua stattgefunden, wie es im Buch Josua gezeichnet wird. Die These des Buches von Finkelstein und Silberman lautet vielmehr, dass all diese Geschichten der Bibel unter König Josia erst ca. 630 v. Chr. geschrieben wurden. Dabei war für die Gestaltung der Texte ein politischer Faktor sehr maßgeblich: Josia träumte davon, ein Großreich aus dem südlichen Juda und dem nördlichen Israel zu formen. Um dieses zukünftige Ziel zu erreichen, brauchte er auch ein theologisches Programm: ein Volk, das verwandtschaftlich miteinander verbunden war, ein Ziel in einem freien eigenen Staat, ein Gesetz, das bei einer gemeinsamen Erfahrung in der Urzeit gegeben wurde, ein Land, das in der Gründerzeit (die in Wahrheit in der Zukunft liegt) schon einmal bestanden haben soll. Dieses Buch von Finkelstein und Silberman, dessen deutscher Titel etwas unglücklich "Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel" lautet, ist hier aufwendig verfilmt worden. Eindrucksvolle Aufnahmen an Originalplätzen in Israel und Ägypten, zahlreiche Interviews mit Gelehrten aus Israel, Frankreich, England, der Schweiz und den USA, Präsentationen von etlichen ober- und unterirdischen Ausgrabungsplätzen (vor allem in Megiddo, Jerusalem und Ramat Rahel) und Museumsexponaten etwa im Louvre oder im ägyptischen Museum in Kairo, einige raffinierte Filmanimationen und zahlreiche Luftaufnahmen und Landkarten lassen  die vier Folgen zu einer repräsentativen und sehr anschaulichen Einführung in die Fragen und Probleme der gegenwärtigen Bibelwissenschaft und der Archäologie werden; sie bieten reichlich Stoff für weitere Diskussionen.

Die wissenschaftliche Beratung und Mitgestaltung des Drehbuchs für die deutsche Fassung war Aufgabe eines Professors aus Heidelberg: Manfred Oeming, der als Alttestamentler auch eine eigene Ausgrabung in Jerusalem/Ramat Rahel leitet und in diesem Zusammenhang öfters an der Universität Tel Aviv arbeitet; er bringt den Standpunkt der exegetischen Wissenschaft in den Film mit ein.

Die vier Fernseh-Folgen haben den Obertitel "Das erste Testament" und umfassende folgende Teile:

1. Die Zeit der Patriarchen (26. April);
2. Fluchtgeschichten (3. Mai);
3. Eroberungsgeschichten (10. Mai);
4. Wer schrieb die Bibel? (17. Mai).

Sie werden jeweils mittwochs von 19.30 bis 20.15 Uhr zunächst auf Bayern 3 gesendet und zu einem späteren Zeitpunkt auf ARTE und evtl. anderen dritten Programmen wiederholt.

Rückfragen bitte an:
Prof. Dr. Manfred Oeming
Universität Heidelberg
Wissenschaftlich-Theologisches Seminar
Kisselgasse 1
69117 Heidelberg
Tel. 06221 543305, Fax 543195
Manfred.Oeming@wts.uni-heidelberg.de

Homepage:
http://theologie.uni-hd.de/personalpages/oeming.html
http://www.ramatrahel.uni-hd.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/pages/de/news154587

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter:
http://idw-online.de/pages/de/institution5

Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw -
WWW: http://idw-online.de



09.04.2660
Strukturen aus dem Mittleren Reich im Südwesten des Fayoum (Medinet Madi) ausgegraben


Archäologen fanden eine Reihe von Strukturen, die Aufschluss darüber geben könnten, wie ein dort befindlicher Tempel aus dem Mittleren Reich errichtet worden ist. Der Tempel, fertiggestellt in der 12. Dynastie, war einst Renenutet, Sobek und Horus gewidmet. Die Strukturen weisen auf Verwaltungsgebäude, Silos und Wohnhäuser für die Priesterschaft hin. Anhand der Befunde kann nachvollzogen werden, wie Kalksteinblöcke auf dem Fußboden platziert wurden, flankiert von Sphingen, während der Tempel selbst aus Nilschlammziegeln erbaut war. Im Zuge der Grabungen wurden auch Siegel, eine kopflose Kalksteinstatue, eine weibliche Bronzestatue sowie griechische und demotische Papyri gefunden, darunter auch königliche Korrespondenz: die Gemahlin Ptolemäus' I. dankt den Renetutet-Priestern darin für ihre vorzüglichen Dienste.

Middle East Times
Egypt State Information Service

Die Universität Pisa ist an dieser Grabung offensichtlich ebenfalls beteiligt: Fayum - Medinet Madi 2005 / Preliminary report (mit einigen Fotos)

via EEFNEWS



09.04.2006
Die Funde von Tell el-Farcha

Über die von einer polnischen Mission ausgegrabenen "Brauerei" gibt es neue Funde zu vermelden. In zwei intakten Gräbern der 1. Dynastie fanden sich Modelle von Speicheren sowie die älteste bisher gefundene Schreiberpalette. Die bereits früher in den Medien publizierten vergoldeten Statuetten sind zwischenzeitlich nach Kairo transportiert worden. In einem der Gräber fand man ein Skelett, diverse Töpferware sowie Krüge aus Sandstein und Alabaster. Das zweite Grab enthielt 25 Lehmkrüge. Einige  Fotos der Funde wurden ins Netz gestellt.

naukawpolsce.pl



09.04.2006

Online-Grabungsbericht des DAIK (Projekt Dra' Abu el-Naga) aktualisiert

Die Projektseite von Dra' Abu el-Naga (Theben West) wurde am 06.03.2006 mit den Ergebnissen der Kampagne 2005 (18.09. bis 08.12.2006) aktualisiert. Es wurde der Bereich südlich der Umfassungsmauer der Pyramide des Nubcheperre bearbeitet und drei weitere Schachtgräber freigelegt. In einer kurzen Vorschau auf die Frühjahrs-Kampagne ist zu lesen, dass die Holzsärge der Geheset und des Imeny auf ältere Malschichten untersucht werden sollen, um eventuelle Mehrfachverwendungen nachzuweisen.

Projektseite Dra' Abu el-Naga



09.04.2006
Teil einer privaten Amarna-Sammlung kommt unter den Hammer

Ausgewählte Stücke der Mansoor Amarna Collection werden derzeit zum Kauf angeboten; das erste ist bei eBay online. M.A. Mansoor, ein Kairoer Antiquitätenhändler, hat die Sammlung in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zusammengetragen. 32 Stücke der Sammlung verbleiben im Besitz der Familie. Die Echtheit der Stücke ist bereits festgestellt worden. Eine Liste der verschiedenen Gutachter kann bei  Bedarf angefordert werden.

PRWeb (PDF)

Vielleicht möchte jemand mitbieten? Das Gebot steht derzeit bei 1,750 Mio. US$
eBay Head of Akhenaten



09.04.2006

Arbeiten im Tal der Königinnen sollen intensiviert werden

In einem auf sechs Jahre angelegten Projekt will der SCA zusammen mit dem Getty Conservation Institute, das bereits sein 1985 an ätyptischen Altertümern arbeitet, 80 Gräber aufnehmen und dokumentieren. Gleichzeitig sollen geografische und umweltbedingte Informationen sammeln, um das Gefährdungspotenzial festzustellen.

Das Getty Institute ist ausserdem im Einsatz, um die Konditionen für die Lagerung der Mumien im Ägyptischen Museum Kairo zu verbessern sowie für die Überwachung des großen Sphinx.

IOL



09.04.2006
"Versunkene Schätze" aus Alexandria in Berlin

Vom 13.05. bis zum 04.09.2006 wird es im Martin-Gropius-Bau Berlin eine Ausstellung mit Artefakten geben, die Franck Goddio und sein Team von Tauchern vor Alexandria aus dem Mittelmeehr geborgen hat. Etwa 500 Stücke - zum Teil noch nie gezeigt - werden zur Ausstellung kommen.

Zeitgleich soll ein wissenschaftliches Symposium stattfinden, ausgerichtet vom Oxford Centre for Maritime Archaeology (Universität Oxford), das an Goddios Forschungsarbeiten beteiligt ist.

Damals - vom 16.01.2006
Damals - vom 06.04.2006



02.04.2006
KV 63

Die Grabungsseite von KV 63 wurde aktualisiert. Der jüngste Artikel von Dr. Otto Schaden datiert vom 31.03.2006. Interessant ist eine ebenfalls dort zu findende Handskizze des Grabes, in die die Lage der einzelnen Fundstücke und deren Nummerierung eingezeichnet sind.

Der Pictures-Link führt zu einer aufschlussreichen Fotosammlung, die offensichlich ebenfalls laufend aktualisiert wird. Das letzte und wahrscheinlich jüngste Foto zeigt Discovery-Filmarbeiten. Dr. Schaden und die Chefkonservatorin Nadia Yakim spielen in dieser Sequenz die Hauptrollen. Dies ist erstaunlich, denn gerüchteweise war zu hören, das Schaden-Team verfüge nicht über Konservatoren. Das Foto scheint dieses Gerücht in die Rubrik "Klatsch&Tratsch" zu verweisen.

Nachtrag 03.04.2006
Inzwischen gibt es auf der Seite einen Breaking News Artikel vom gestrigen Tage, in welchem noch einmal darauf hingewiesen wird, dass ein Team von Konservatoren  zur Verfügung steht. Man sah sich möglicherweise gezwungen, in dieser Angelegenheit in die Offensive zu gehen.



01.04.2006
Der Obelisk vom Central Park

Khedive IsmailAuf seiner "Jagd nach den Juwelen vom Nil" hat Zahi Hawass, Chef der ägyptischen Antikenbehödre, nun offensichtlich den vor 126 Jahren aufgrund einer Schenkung durch den Khediven Ismail (Foto: Büste des Khediven Ismail auf der Kairener Zitadelle) nach New York verbrachten Obelisken Thutmosis' III. im Visier. In einem Brief an den New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg beschwert sich Hawass massiv über den schlechten Zustand des Monumentes. Das Wetter würde dem Obelisken zusetzen und die New Yorker Behörden würden nicht genug tun, um ihn instandzuhalten. Ein Sprecher der Central Park Verwaltung wies diese Vorwürfe zurück. Der Zustand würde in regelmäßigen Abständen überprüft. Er sagte, der Obelisk sei der Schatz des Central Parks und sei im übrigen ein Geschenk an die Bevölkerung New Yorks gewesen.

Der Khedive Ismail hatte den Amerikanern bereits im Jahre 1869 anlässlich der Eröffnung des Suez-Kanals einen Obelisken als Geschenk angeboten. Er stieß damit auf wenig Interesse. Erst als im Jahre 1877 ein anderer Obelisk nach England transportiert worden war, kamen auch die Amerikaner auf den Geschmack. Es dauerte aber noch drei Jahre, bis das Monument 1880 schließlich den New Yorker Hafen erreichte.

Bloomberg vom 24.03.2006, also wohl kein April-Scherz., auch wenn's so klingt.
via EEFNEWS



01.04.2006
Homers Ilias: Fiktion und Fakten

Der griechische Archäologe Yannos Lolos ist sicher, auf der kleinen vor der Küste Athens liegenden Insel Salamis auf den Palast des Ajax, des Helden von Troja, gestoßen zu sein. Die Ruinen der ausgegrabenen mykenischen Anlage erstrecken sich über 750 m2.  In den Ruinen wurden verschiedene Stücke orientalischer und zypriotischer Herkunft gefunden, darunter auch ein Teil einer Rüstung  (Foto), das die Kartusche Ramses' II. trägt.

IOL
Timesonline
via EEFNEWS



01.04.2006
Fund der spanischen Djehuty-Grabung in Dra Abu el-Naga

Das Team von Jose Manuel Galan vom Instituto de Filologia, Consejo Superior de Investigaciones Cienticas, grub anlässlich der letzten Kampagne an der Grabanlage des Djehuty  im Februar 2006 eine 34 m lange Halle aus. Der Grabinhaber Djehuty wird als der gleichnamige Vorsteher der Arbeiten am Tempel der Hatschepsut angesehen. Weiterhin fand man ein Spielbrett und einige Haushaltsgegenstände. Die Wissenschaftler haben eine Internetseite mit Grabungstagebuch (in spanischer Sprache) eingerichtet. Djehuty GrabungLeider scheint die Seite zeitweilig nicht verfügbar zu sein. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Fotos im Netz, die allerdings schon etwas älter sind.

Galan und sein Team machten bereits 2004 von sich reden, als sie eine stuckierte Holzplatte fanden, die die Frontansicht eines Königs und ein Gitternetz (als Hilfsmittel für die Proportionen) zeigt. Es war die erste zweidimensionale Darstellung überhaupt, die einen König nicht im Profil zeigt. Man nimmt deshalb an, dass sie als Entwurf für eine Statue angesehen werden  kann.
Das Stück befindet sich heute im Luxor-Museum (Foto).

Egiyptian State Information System
IOL
via EEFNEWS


01.04.2006
Koptische Mumien in Deir el-Bachit

Bei ihren Grabungen in dem koptischen Kloster von Deir el-Bachit legten Archäologen in der Nähe der alten Klostermauer den Klosterfriedhof frei. In den - unbeschrifteten - Gräbern fanden sich sogenannte Wickelleichen, balsamierte Körper, die auf eine ganz eigene Art eingewickelt sind: zunächst bekleidet mit einem Lendenschurz und einem ärmellosen Leichengewand wurden sie in vier Leinentücher gehüllt, die verknotet wurden. Schließlich wurden rot-weiß karierte Bänder um den Körper gewickelt. Die Toten lagen mit dem Kopf westwärts, wobei dieser ein wenig erhöht lag, so dass er in Richtung Osten "blickte". Fotos der Grabungen finden sich im Rundbrief des DAIK 2005 .

science.orf.at (aufgespürt von Ta-keret )

Nachstehend eine Mitschrift des Vortrages von Dr. Ina Eichner, Deir el-Bachit-Grabungt, auf der Ständigen Ägyptologen Konferenz (SÄK) 2004 in Mainz:

Das Kloster von Deir el-Bachit, vorläufig in die Zeit vom 5. bis 8. Jh.n.Chr. datiert, liegt inmitten des "Königsfriedhofs der 17. Dynastie", oberhalb der Grabanlage  K 93.11/93.12 in Dra Abu el-Naga in Theben-West. In ihrem Referat "Das Kloster Deir el-Bachit in Theben West (Grabungsprojekt der LMU München)" schilderte Dr. Ina Eichner, München, die dort in diesem Jahr erstmalig als DFG-Projekt vorgenommene Grabungs- und Forschungskampagne. Obwohl Theben nicht Bischofssitz war, findet man dort 23 spätantike/koptische Orte, die bisher kaum ergraben sind. Die Nekropole des Klosters von Deir el-Bachit mit 100 Gräbern liegt oberhalb der Klostermauern. Ein "Zentralgebäude" aus Lehmziegeln innerhalb des Klosters konnte als Refektorium, Vorratsraum und Unterrichtsgebäude identifiziert werden. Innerhalb des Refektoriums wurden sechs ehemals rot bemalte Sitzecken, besser gesagt Sitzringe, also aufgemauerte Tische mit einer ebenfalls gemauerten Rundbank, aufgefunden. Dabei wurde festgestellt, dass sich darunter sogar noch ältere Sitzringe befunden hatten. Die ältesten Objekte dieser Art wurden bisher im Jeremias-Klosterin Sakkara ausgemacht, waren dort aber nicht sicher belegt. Mit dieser Parallele in Deir el-Bachit kann also auch die Belegsituation dort abgesichert werden. Auch aus Syrien sind derartige Sitzgelegenheiten bekannt. Weitere Zeugnisse der Klostergemeinschaft bilden zwei Schlafzellen (eine mit zwei, eine mit einer Schlafstelle, jeweils mit Kopfstützen) mit einer noch erhaltenen Matte sowie gemauerte Schränke, in denen noch Lehmschälchen  standen. Der Vorratsraum, durch Brand zerstört, verfügte über zwei Zugänge. Während der Grabung freigelegte Keramik muss nun noch ausgewertet werden.