ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  April 2009
30. April 2009
Kurzporträt des neuen DAIK-Chefs im Berliner Tagesspiegel
Stephan Seidlmayer, ab 01.05.2009 als Nachfolger von Günter Dreyer zum Leiter des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo bestellt, wird in einem kleinen Porträt vorgestellt. Über seine Ziele sagt Seidlmayer, er möchte die Brücke zwischen Kairo und Berlin festigen und mehr ägyptischen Archäologiestudenten ein Studium im Deutschland ermöglichen. Damit soll die selbstständige ägyptische Archäologie unterstützt werden. Zitat Tagesspiegel: Die besondere Verantwortung seines Faches gegenüber Ägypten ergebe sich aus „den Dingen, die in kolonialer Zeit verdorben worden sind“.
30. April 2009
Artefakte aus dem Myers Museum zurück nach Ägypten
454 Stücke, die in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts illegal aus Ägypten ausgeführt wurden, werden jetzt an die ägyptische Antikenbehörde zurückgegeben. Der Sammler Ron Davey hatte die Sammlung zusammengetragen und seine Familie wollte sie vor einiger Zeit dem Myers Museum zur Verfügung stellen. Nach entsprechenden Recherchen erkannte man dort offensichtlich, dass die Artefakte nicht legal außer Landes gebracht worden sein konnten. Seit 1970 ist eine solche Ausfuhr untersagt. Die Sammlung, bestehend u.a. aus 12 Bronzemünzen, vier Skarabäen, Perlen, 99 Fragmenten bemalter Keramik und 109 Uschebtis, geht daraufhin nun zurück an die ägyptische Antikenbehörde.
bloomberg
pressemitteilung.ws
Al-Ahram Weekly

24. April 2009
Die Dachamunzu-Affäre
Bei wissenschaft.de findet man einen längeren Artikel über die jüngsten Erkenntnisse hinsichtlich der Identifikation der "Dachamunzu". Bekanntlich handelt es sich bei der "Dachamunzu" (eine lautliche Wiedergabe der ägyptischen Bezeichnung für Königsgemahlin im Akkadischen) um die namentlich nicht genannte Witwe eines ägyptischen Königs am Ende der Amarnazeit, die gemäß einer auf Tontafeln erhaltenen Korrespondenz den hethitischen König um einen Sohn bittet, den sie heiraten und damit zum ägyptischen König machen möchte. Erhalten sind lediglich diesbezügliche hethitische Briefe; das eigentliche ägyptische Gesuch existiert nicht. Seit Jahrzehnten versucht die Wissenschaft herauszufinden, wer die Witwe gewesen sein mag: Nofretete (Witwe von Echnaton), Anchesenamun (Witwe von Tutanchamun) oder Meretaton (Witwe von Semenchkare). In diesem jüngsten Artikel wird auf die Neubearbeitung der hethitischen Korrespondenz von Jarred L. Miller Bezug genommen, der zu dem Schluss kommt, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Nofretete handelte. Allerdings ist Millers Theorie schon länger bekannt. Seine wissenschaftliche Publikation stammt bereits aus dem Jahre 2007.

22. April 2009
Tempel am Horusweg freigelegt
In Tell Hebua (Tell Habwa; siehe auch Meldung vom 06.06.2008 über die Ausgrabung von Festungsanlagen) auf dem Sinai legten ägyptische Archäologen einen großen Tempel frei. Man fand Inschriften von verschiedenen Königen (z.B. Thutmosis II. und Ramses II.). Es handelt sich dabei um den bisher größten Tempel in dieser Region; er wurde erbaut am sogenannten Horusweg, der mit Festungen bestückten Route von Ägypten in die Levante. Der Tempel hat eine Größe von 70 x 80 m und wurde vornehmlich aus Lehmziegeln errichtet. Er ist umgeben von einer 4 m dicken Mauer. Er umfasst vier rechteckige Räume mit insgesamt 34 Säulen, die diverse Gottheiten zeigen sowie die beiden Könige Thotmosis II. und Ramses II. Nach Aussage von Zahi Hawass muss es sich um ein bedeutendes religiöses Zentrum in der östlichen Grenzregion gehandelt haben. Neben verschiedenen Kapellen sowie Reinigungsbecken innerhalb der Umfassungsmauer fand man östlich und westlich des Tempels Nebengebäude mit jeweils 13 Lagerräumen. Innerhalb der Räume befanden sich Tausende von Inschriften und Siegeln mit den Namen von Sethos I., Ramses II. und Sethos II. Eine besonders bedeutende Darstellung zeigt Ramses I. vor Seth.
Pressemitteilung Zahi Hawass mit sehr schönen Fotos von einigen Reliefs
derstandard

16. April 2009
Taposiris magna: Neue Hinweise auf Gräber von Kleopatra und Markus Antonius?
Bei einer in März durchgeführten Radaruntersuchung im Tempel von Taposiris Magna wurden zwei tiefe Schächte und ein Gang  geortet. Schon im letzten Jahr waren auf dem Areal eine Figur der Aphrodite, ein möglicherweise Kleopatra zuzuordnender Alabasterkopf, eine vielleicht Markus Antonius darstellende Maske sowie diverse Münzen gefunden worden. Aufgrund dieser Funde war die Erwartung groß, hier auf das Grab der beiden berühmten antiken Personen zu treffen. Diese Erwartungen wurden zunächst nicht erfüllt (siehe Meldung vom 18.06.2008). In der Umgebung des Tempels wurden bereits 27 Gräber gefunden und darin 10 Mumien. Die Begräbnisstätten stammen aus griechisch-römischer Zeit. Für die Ausgräber, eine ägyptisch-dominikanische Mission, ist dies auch ein Hinweis darauf, dass innerhalb des Tempels sich möglicherweise ein bedeutenderes Grab befand. Auch Zahi Hawass zeigt sich überzeugt, dem Grab von Kleopatra und ihrem Geliebten sehr nahe zu sein. Andere Wissenschaftler teilen diese Überzeugung nicht. Die Arbeiten in Taposiris Magna werden noch bis in den Mai andauern.
timeslonline
AP
news.yahoo
derstandard (mit Fotos)
reuters (mit Fotos)
Pressemitteilung Zahi Hawass

15. April 2009
Letzter Eintrag im Grabungstagebuch von KV 63
Otto Schaden berichtet letztmalig nach der Frühjahrskampagne über die jüngsten Erkenntnisse. Das rekonstruierte hölzerne Mumifizierungsbett hat inzwischen seinen Weg in die Ausstellung des Mumifizierungsmuseums in Luxor gefunden. Die kürzlich angekündigte Bearbeitung der Inschrift auf den Fragmenten von Sarg A ist inzwischen erfolgt. Der Titel "Königliche Amme" sowie der Name "Jny" konnten entziffert werden. Eine weitere Inschrift lautet: "Verehrt, möge ich Re im Himmel sehen und Wasser aus dem Becken trinken..." Da innerhalb dieses Textes nicht wie üblich eine Gottheit auftaucht, geht Schaden davon aus, dass der Sarg während der Regierungszeit von Echnaton hergestellt worden ist. Wegen der aufwändigen Ausführung des Sarges handelte es sich bei dieser königlichen Amme wahrscheinlich um eine bedeutende Persönlichkeit. Solange keine weiteren Belege für Iny auftauchen, kann man über ihre Rolle jedoch nur spekulieren. Zur Datierung des Grabes gibt es keine neuen Erkenntnisse. Es wurde mit großer Wahrscheinlichkeit zur Zeit Amenophis' III. angelegt. Belege für ein Begräbnis gibt es nach wie vor keine, jedoch lässt das gefundene Balsamierungsmaterial den Schluss zu, dass es in der Zeit der späten 18. Dynastie und damit auch nahe Tutanchamun genutzt wurde. Jeder Sarg soll noch, soweit möglich, datiert werden auf Basis von Stil, Dekoration und Inschriften. Sarg E zeigt Ähnlichkeiten mit denen aus der Zeit Amenophis III., Sarg A wiederum lässt auf die Zeit des Echnaton schließen.
KV 63

14. April 2009
Kräuterwein mit Heilwirkung
Bei einer Analyse von Substanzen aus Tongefäßen, die aus dem Grab des Skorpion (4. Jtsd. v.Chr.) in Abydos stammen, stellten Wissenschafter der Universität Pennsylvania fest, dass die Ägypter Wein mit Heilkräutern wie Melisse, Koriander, Minze oder Salbei anreicherten. Sie wurden entweder zerrieben oder als gekochter Sud dem Wein beigemengt. Derartige Kräuter könnten jedoch auch als Zusatz in Honig, Bier, Milch oder Öl verwendet worden sein. Sie werden noch heute als Heilmittel verwendet, was für die außerordentlichen Kenntnisse der frühen Ägypter spricht.
wissenschaft.de
philly
Artikel zum Thema aus 2008 (PDF)

12. April 2009
Nekropole südöstlich der Pyramide von Illahun entdeckt
Ägyptische Archäologen legten 53 Felsgräber aus dem Mittleren Reich, dem Neuen Reich und aus der 22. Dynastie frei. Die Gräber zeigen architektonische Unterschiede, teils sind sie ausgeführt als simple Ein-Schaft-Gräber, teils verfügen sie über eine Kammer, von der aus der Begräbnisschacht in die Tiefe führt. In den Gräbern wurde eine Reihe farbenfroh dekorierter hölzerner Särge mit in Leinen gewickelten und in Kartonage gebetteten Mumien vorgefunden. Die Särge stammen teilweise aus dem Mittleren Teich, teilweise aus der 22. Dynastie. In einer Grabkapelle befand sich ein Opfertisch. Die Kapelle wurde in späteren Perioden wiederverwendet, wahrscheinlich in der Römerzeit. Tonsärge sowie Bronze- und Kupferschmuck sprechen dafür.
Pressemitteilung Zahi Hawass
nationalgeographic
jeweils mit Fotos

04. April 2009
Schon wieder: Wirbel um Nofretete
Diesmal geht es nicht um die immer wieder heftig aufflammenden Rückforderungen der Ägypter. In seinem kürzlich veröffentlichten Buch zweifelt der Kunst- und Architekturhistoriker Henri Stierlin die Authentizität der Büste an. Seiner Ansicht nach ist sie kein zeitgenössisches Porträt aus der Amarnazeit, sondern eher ein Relikt der "Belle Époque" und damit gut zweitausend Jahre jünger.
tdg (französisches Original)
tdg (Google-Übersetzung ins Deutsche)

06. April 2009
Eine "Herrin der Löwen" in Kanaan
Die Grabungsmission im israelischen Tel Beth-Shemesh (siehe Meldung vom 27.07.2008) stieß auf eine auf Keramik aufgebrachte Darstellung einer "Göttin in weiblicher Kleidung". Sie zeigt die Figur bekleidet mit einem Schurz ähnlich der ägyptischen (männlichen) Tracht. Dass es sich um eine weibliche Person handelt, macht man an der Haartracht fest sowie an den Lotusstängeln in ihren Händen, ein Attribut, das für Frauen bekannt ist. Die Figur steht auf einem Korb, der im Ägyptischen für "Herr" (nb) steht. Die Ikonografie ist der ägyptischen ähnlich: Kopf und Beine in Seitenansicht, Körper in Vorderansicht. Nach Ansicht der israelischen Wissenschaftler könnte es sich um eine Königin handeln, die als "König" regierte, nämlich um die Darstellung der "Herrin (Besitzerin) von Löwen" (Namensübersetzung von Knudzon), die inschriftlich aus zwei Amarnabriefen bekannt ist (EA 273 und EA 274).
labspaces
physorg
welt

08. April 2009
Mumien mit vergoldeten Masken im Fayoum gefunden
Russische Archäologen der Russian Academy of Sciences arbeiten seit 2003 in Deir el-Banat im Fayoum. Auf dem Areal befinden sich die Ruinen eines mittelalterlichen Klosters, das möglicherweise auf der alten Bausubstanz von frühchristlichen Bauwerken errichtet wurde. Die Mission fand während ihrer bisherigen Kampagnen jedoch auch Artefakte aus der frühen islamischen Zeit. Eine Nekropole im nördlichen Teil des Geländes wurde vor allem in römischer und in koptischer Zeit, aber auch früher, genutzt. Während der letzten Kampagne stießen die Wissenschaftler auf eine Anzahl von Mumien mit vergoldeten Masken und weitere Stücke von historischem Wert. "Es ist eine riesige Nekropole", sagte Grabungsleiter Alexei Krol. "Aber trotz der Tatsache, dass sie in koptischer Zeit und zwischen den 1960ern und 1970ern schweren Raubzügen zum Opfer fiel, war es uns möglich, Mumien mit Goldmasken zu finden." Die Archäologen stießen auch auf verschiedene sogenannte römische Fayoum-Mumien, typischerweise versehen mit realistischen Portraits der Verstorbenen. Krol fügte hinzu, dass verschiedene Funde die auch durch frühchristliche Literatur gestützte Theorie untermauern, es habe mit aufkommendem Christentum heftige Auseinandersetzungen gegeben zwischen frühen Christen und ägyptischen "Heiden".
rian
Grabungsseite Deir el-Banat der Russian Academy of Sciences, Centre for Egyptological Studies

05. April 2009
Das Giza-Grabungstagebuch
Einige Ergebnisse aus den Grabungen der AERA (Ancient Egypt Research Associates) in Giza werden in Form eines Blogs laufend im Internet publiziert. Unter dem 24.03.2009 wird über den Fund eines Begräbnisses von fünf gut erhaltenen, offenbar mumifizierten Hunden aus der Spätzeit berichtet. Da gerade in der Spätzeit viele Tiermumien als Votivgaben für Göttinnen und Götter bekannt sind, könnte es sich bei den Hunden um Votive für Anubis handeln, die ewigen Frieden im Tod gewährleisten sollten. Ironischerweise, schreibt Blogger Brian Hunt, sind sie jedoch über mindestens zwei älteren Begräbnissen bestattet worden und sind demzufolge wohl als Störenfriede hinsichtlich der ewigen Ruhe dieser Toten anzusehen. Der Eintrag vom 05.04.2009 befasst sich mit den von den Ägyptern verwendeten Farbpigmenten, speziell mit denen der 4. Dynastie.

05. April 2009
Was hat der Luxor-Tempel mit Fußball zu tun?
Nichts - im Prinzip. Dieser Tage allerdings war der geweihte Tempelboden Schauplatz für die Auslosung der Paarungen für die Gruppenrunde der U20-Weltmeisterschaften der FIFA in Ägypten (24.9. bis 16.10.2009 in Alexandria, Kairo, Isnailia, Port Said und Suez). Das Motto der Veranstaltung hieß "Willkommen im Land der Magie"; Tänzer und Musikanten sorgten für einen festlichen Rahmen.
fifa

02. April 2009
Die ägyptischen Grabungen im Tal der Könige
Ausgabe 941 von Al-Ahram Weekly berichtet über die verschiedenen, zum Teil bereits bekannten Ergebnisse der Arbeiten der ägyptischen Mission im Tal der Könige. Es gibt jedoch auch Einiges an bisher wohl noch nicht oder wenig publizierten Details zu erfahren. Nördlich und östlich des Grabes von Sethos I. entdeckte man Bearbeitungsspuren im Fels, die allerdings unter den modernen Unterstand für Touristen reichen. Zur genauen Untersuchung müsste dieser abgerissen werden, was in naher Zukunft nicht möglich sein wird. Hunderte von Graffiti wurden gefunden, die meisten bisher unbekannt. Eine der Inschriften sagt aus, dass der Wesir Userhet am "Platz der Wahrheit" ein Grab für seinen Vater Amunnacht angelegt hat. Eine andere Inschrift enthält den Namen einer bisher nicht bekannten Königin, deren Name mit "Weret..." beginnt und die den Titel "Gottesgemahlin" trägt. Ein Ostrakon zeigt eine Königin bei einer Opferhandlung. Leider werden hinsichtlich dieser Funde keinerlei Kontextangaben gemacht, so dass sich aufdrängende Fragen vorerst unbeantwortet bleiben. Auch im West-Valley wurden Ausgrabungen durchgeführt. Man hofft, auf das Grab der Teje zu stoßen. Zahi Hawass ist der Auffassung, dass die Königin in der Nähe ihres Gemahls Amenophis III. bestattet worden sein könnte; außerdem könne nach wie vor nicht ausgeschlossen werden, dass Teje eine Schwester des Eje war, der bekanntlich ebenfalls im West-Valley seine letzte Ruhestätte fand.

01. April 2009
Georadareinsatz am Grab des Montemhet (Assasif/West-Theben)

In der näheren Umgebung des riesigen Grabkomplexes des Montemhet, mächtigster Mann Oberägyptens am Ende der 25. Dynastie (siehe auch Berliner Kunstwerk des Monats April 2001 Stadtfürst von Theben - Sitzfigur des Montemhet), suchen Experten nach der Begäbniskammer des Grabinhabers. Obwohl die weit über 50 Räume des Komplexes schon lange bekannt sind, konnte der Sarkophag des Montemhet - und damit seine Mumie - bisher nicht gefunden werden. Man geht davon aus, das dieser sich noch irgendwo in der Tiefe befindet. Der Sarkophag eines seiner Nachkommen wurde in einem 7 m tiefen Schacht ausfindig gemacht. Mit Hilfe von Georadarmessungen sollten nunmehr weitere Kammern geortet werden. Vier Tage lang wurden die entsprechenden Messungen durchgeführt und tatsächlich stieß man auf drei geologische Anomalien, die auf Hohlräume hinweisen. Eine weitere Untersuchung dieser Phänomene könnte sich lohnen.

Das Foto (aus 2007) zeigt einen Blick in den ersten Hof (mit westlichem Portikus) des imposanten Grabes. Dahinter schließt sich der zweite Hof an.

basqueresearch
Beitrag vom 20.09.2006 über die Zusammenstellung eines internationalen Teams zur Erforschung des Grabkomplexes