ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  April 2010

28. April 2010
Dem Verständnis des Meroitischen näher gekommen

Drei kleine Scherben aus Qasr Ibrim, eine im Nasser-See versunkene alte ägyptische Festung, könnten für einen großen Fortschritt hinsichtlich der Entschlüsselung des Meroitischen sorgen. Jochen Hallof, Ägyptologe und Meroitist von der Universität Würzburg, hat herausgefunden, dass es sich bei den darauf befindlichen Zeichenkolonnen um Zahlen handelt, besser gesagt um eine Zahlensystem von 1 bis 1.000.000. Diese Endeckung kann zum Verständnis von Wörtern beitragen, die in meoritischen Inschriften mit Zahlen kombiniert sind.
welt


26. April 2010
Zutaten für die Gerüchteküche

Bei seiner Eröffnungsansprache für die Ausstellung “King Tut and the Golden Age of the Pharaohs” in New York erwähnte Zahi Hawass nebenbei, dass bei seinen Grabungen in Theben-West ein Gründungsdepot und ein Kalksteinfragment gefunden wurden. Diese Entdeckung gäbe ihm Hoffnung, bald auf die Gräber von Anchesenamun, Gemahlin von Tutanchamun, und von Nofretete zu stoßen. Hinsichtlich Nofretete führt diese Aussage zu Verwirrung - oder es handelt sich um ein Missverständnis. Die ägyptischen Archäologen legten diese Objekte im West-Valley frei. Gefunden wurden dort insgesamt vier Depots, die jeweils aus Keramiken, Waffen, Werkzeugen, Tierknochen und anderen Objekten bestehen. Aus diesem Grunde vermutet Hawass die Gräber von zwei Königsgemahlinnen (Anchesenamun und Teje) im West-Valley in der Nähe "ihrer Ehemänner". Er setzt bei dieser Formulierung voraus, dass Anchesenamun nach dem Tode Tutanchamuns dessen Nachfolger Eje ehelichte. Für diese Vermutung fehlt bisher noch der ultimative Beleg.
usatoday
drhawass (Pressemitteilung vom 14.03.2010


26. April 2010
Ist Punt in Äthiopien/Eritrea zu suchen?

Wie am 12.04.2010 berichtet, haben Wissenschaftler an mumifizierten Pavianen Sauerstoff-Isotopen-Untersuchungen und -Vergleiche vorgenommen, um deren Herkunft herauszufinden. Die Analysen sollten helfen, das legendäre Punt zu lokalisieren. Es wurden zwei Pavianmumien aus dem Britischen Museum untersucht und deren Werte mit denen von eriträischen, ost-äthiopischen, somalischen und mit Tieren aus Mosambik verglichen. Einer der beiden Probanden war ganz offensichtlich lange Zeit in Theben beheimatet gewesen, wie sich herausstellte. Bei dem anderen gab es Übereinstimmungen mit eriträischen/ost-äthiopischen Tieren. Die Wissenschaftler erhoffen sich nun vom Britischen Museum die Erlaubnis, aus dem Gewebe dieses Pavians ein erbsgroßes Stück entnehmen zu dürfen, um einen Strontium-Isotopen-Test vornehmen zu können. Mithilfe dieser Methode lassen sich die vorliegenden Ergebnisse verifizieren.
Die ersten Ergebnisse sind zwar aufschlussreich, aber vermutlich nicht ausreichend, um mit dieser Methode die Lage des von den Ägyptern als Punt bezeichneten Landes eindeutig nachzuweisen. Dazu bedarf es sicherlich der Analyse von Proben weiterer Pavian-Mumien.
independent
heritage-key


23. April 2010
Ptolemäische Münzen und frühzeitlicher Schmuck im Fayoum gefunden

Nördlich des Karun-Sees in der Oase Fayoum fanden Archäologen annähernd 400 Münzen sowie drei Ketten und einen Kajalbehälter. Die Münzen stammen aus der Zeit Ptolemäus' III. Sie zeigen auf der einen Seite den Gott Amun-Zeus und auf der anderen die Prägung eines Adlers sowie den Namen des Königs. Die Ketten aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. sind aus der Schale von Straußeneiern gefertigt. Der Kajalbehälter stammt aus osmanischer Zeit.
AP
spiegel



22. April 2010
Die Maske der Ka-nefer-nefer und die Forderungsliste des SCA

Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "The Golden Age of Pharaohs" in New York betonte Zahi Hawass zum wiederholten Male seine Forderung an das St. Louis Art Museum, die Mumienmaske der Ka-nefer-nefer an Ägypten zurückzugeben. Der SCA ist der Meinung, sie sei gestohlen und illegal außer Landes gebracht worden. Ein Nachweis für diese Behauptung konnte nach Aussage der Museumsleitung in St. Louis bisher nicht beigebracht werden. Offensichtlich haben selbst Repressalien von Seiten des SCA (siehe Beitrag vom 09.10.2009) bisher nicht gefruchtet.
kmox


21. April 2010
Giza-Plateau bald in 3D

Das Giza Archive Project, eine Initiative des Museum of Fine Arts, Boston, stellt seit seiner Gründung im Jahre 2000 eine große Anzahl an Publikationen, Dokumentationen, Foto- und Kartenmaterial ihres Giza-Archivs für jedermann zugänglich online zur Verfügung. Dazu zählen auch Unterlagen der Grabungsarchive von 1903 bis heute. Durch eine strategische Partnerschaft des Giza Archive Project mit Dassault Systèmes können künftig auch virtuelle Rekonstruktionen des Giza Plateaus in 3D-Technik auf Basis von aktuellen archäologischen Daten angeboten werden.
cadcamnews


15. April 2010
Abkommen zwischen Ägypten und der Schweiz

Beide Länder unterzeichneten feierlich ein Abkommen über die Rückgabe von gestohlenen ägyptischen Antiquitäten. Anlässlich der Zeremonie übergab der Schweizer Paläopathologe Frank Rühli Zahi Hawass das Glied eines großen Zehs, das von den Skelettteilen aus Grab 55, die Echnaton zugeschrieben werden, stammen soll. Das Fragment war 1968 vom damaligen Direktor des Ägyptischen Museums Kairo zu Studienzwecken an die Universität Liverpool übergeben worden.
news.discover


14. April 2010
Erfolgreiche Ausgrabungen bei Ismailia

In Tell el-Maschkuta fand eine ägyptische Mission ein Grab aus der 19. Dynastie. Es wurde aus Lehmziegeln errichtet und verfügt über einen rechteckigen Raum mit gewölbter Decke. Die Wanddekoration zeigt den Grabinhaber namens Kenamun. Auf dem gleichen Areal wurden auch 35 Gräber aus römischer Zeit freigelegt. Das qualitativ hochwertig ausgeführte Grab des Kenamun ist bisher das einzige aus ramessidischer Zeit in Unterägypten. Ein große Kalksteinsarg enthält den Titel Kenamuns; er war Vorsteher der königlichen Schreiber. Seine Gemahlin hieß Isis; sie war Sängerin des Amun, wie aus der Wanddekoration hervorgeht. Diese Dekoration, ausgeführt in versunkenen Relief, enthält u.a. Begräbnisszenen, Jenseitstexte sowie eine Darstellung der Hathor in Kuhgestalt. Auch eine Kalksteinstele wurde gefunden. Die Inschrift erwähnt die Hyksos-Hauptstadt Auaris. Sie zeigt außerdem den Gott Seth und vor diesem einen Ramessidenkönig, dessen Name nicht auftaucht.

Das Grab wird Aufschluss geben über die Geschichte des Deltas und die zeitgenössische Geografie der Gegend sowie über die Beziehungen zum östlichen Grenzgebiet Ägyptens. Es soll deshalb eine detaillierte Dokumentation vorgenommen werden. Die Grabungen werden fortgesetzt.

Tell el-Maschkuta liegt im Wadi Tumilat nahe des östlichen Nilarms. Beim Bau des nahegelegenen Suez-Kanals stieß man bereits auf eine Reihe von Sphingen und Stelen aus der Zeit Ramses' II. Bekannt ist, dass sich hier in ramessidischer Zeit eine Siedlung befand. Es gab einen Amuntempel und eine Garnison, die für die Versorgung der ägyptischen Armee bei militärischen Kampagnen in Richtung Osten zuständig war.
drhawass


12. April 2010
Plünderer im Fayoum

Einwohner sollen mithilfe primitiver Werkzeuge in pharaonische Gräber in der Tameyah-Wüste im Fayoum eingedrungen sein und diese geplündert haben, berichtet online die Zeitung Al-Masry Al-Youm. Dabei sollen Statuen, Goldketten, ein königlicher Goldsessel, Kajalbehälter, Steingefäße und Särge gestohlen worden sein. Der Zeitung sollen Fotos vorliegen, die zum Verkauf stehende Artefakte versteckt in Privathäusern und -höfen zeigen. Außerdem ist von einem Schmugglerring in Qena und Sohag die Rede.


12. April 2010
Paviane sollen nach Punt führen

Die nach wie vor unbekannte Lage des legendären Landes Punt, aus dem das alten Ägypten Luxusgüter bezog und das in vielen Inschriften erwähnt wird, brachte ein Team von Wissenschaftlern auf die Idee, ägyptische Pavianmumien genauer zu untersuchen. Mithilfe von Sauerstoff-Isotopen-Tests wollen sie die Haare der Tiere analysieren. Das Ergebnis soll Auskunft über deren Herkunft geben.
heritage-key


12. April 2010
Ptolemäisch-römische Gräber in Baharija freigelegt

Auf einem Friedhof in Bawiti, Baharija, legten Archäologen 14 Gräber aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. frei. Es handelt sich um Felsgräber, in denen bei ersten Untersuchungen vier anthropoiden Gipsmasken, ein Goldfragment mit der Darstellung der vier Horussöhne, Münzen sowie Keramik- und Glasgefäße in unterschiedlichen Formen und Größen fand. Eine weibliche Mumie von nur 97 cm Größe in einer Gipshülle, die sie in ein römisches Gewand gekleidet zeigt, befand sich ebenfalls unter den Artefakten. Der Fund bezeuge die Existenz einer großen Nekropole aus griechisch-römischer Zeit, sagte Mahmoud Affifi, Antikendirektor für Kairo und Giza. Die Gräber sind einzigartig ausgeführt. Eine lange Treppe führt in einen Korridor, der in einer Halle mündet. Bänke an den Ecken der Halle dienten der Totenverbrennung. Die Entdeckung erfolgte zufällig beim Bau eines Jugendzentrums; die Arbeiten wurden zunächst gestoppt.
drhawass


11. April 2010
Hemiunu reist nach Ägypten


Die berühmte Sitzstatue des Wesirs und Neffen des Cheops (4. Dynastie), Hemiunu, wird leihweise nach Ägypten gehen. Eine entsprechende Vereinbarung für das Jahr 2013 existiere bereits, ließ das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim verlauten.

Obwohl diese Statue auf der Wunschliste für rückzuführende Antiquitäten des SCA steht, bestehen keinerlei Zweifel an ihrer Rückkehr nach Hildesheim.
bild.de







08. April 2010
Erste Ergebnisse der Konferenz zur Rückführung von Antiquitäten

Die am 07.04.2010 in Kairo abgehaltene Konferenz, an der mehr als 20 betroffenen Staaten teilnahmen, ergab im ersten Anlauf die Erstellung einer Liste der Artefakte, für die Rückgabewünsche der einzelnen Länder bestehen. Nach Aussage von Zahi Hawass hätten sieben Staaten ihm eine derartiege Auflistung vorgelegt. Er sagte, erstmals wären nun die Betroffenen keine Einzelkämpfer mehr: "Wir kämpfen zusammen und ich sage Ihnen, dass einige von uns den Museen, die unsere Artefakte haben, das Leben schwer machen werden."
AP
ntv
welt


07. April 2010
Tutanchamun trug besonderes Schuhwerk

Der holländische Wissenschaftler André Veldmeijer untersuchte die Sandalen aus dem Grabschatz von Tutanchamun und stellte fest, dass einige Paare, die der König nachweislich zu Lebzeiten getragen hatte, von spezieller Machart waren; sie umschlossen den Fuß besonders fest. Diese besonderen Modelle könnten dem König das Gehen erleichtert haben. Die kürzlich vorgenommene Untersuchung der Mumie Tutanchamuns hatte u.a. Deformationen an den Füßen ergeben.
discovery
diepresse


02. April 2010
Neue Abteilung beim SCA

Mirarbeiter dieser neuen Sektion (Department für archäologische Sammlungne) sind altgediente Archäologen. Sie sollen eingesetzt werden, um antike Artefakte, die sich in ägyptischem Privatbesitz befinden, zu beurteilen und festzustellen, ob sie von archäologischem Wert sind. Solche Stücke werden dann vom SCA angekauft; sie können dem SCA auch gestiftet werden. Außerdem soll hier eine Registrierung der Stücke erfolgen sowie die Kontrolle bei der Änderung der Eigentumsverhältnisse. Die Gründung dieses SCA-Zweiges ist eine Folge des neuen Antiquitätengesetzes (siehe Beitrag vom 01.02.2010).
Egypt State Information Service
heritage-key


01. April 2010
Die Suche nach dem Grab des Userkare



Bisher ist der vermutlich zweite König der 6. Dynastie (zwischen Teti und Pepi I.) mit einer sehr kurzen Regierungszeit, Userkare, nur aus überlieferten Königslisten bekannt. Sein Grab wurde nie gefunden, wird jedoch in Saqqara vermutet.

Giulio Magli, Professor für Archäoastronomie an der Polytechnischen Universität Mailand, glaubt einen Ansatz gefunden zu haben, der eine Lokalisierung der Grabstätte möglich machen könnte. Er hat festgestellt, dass die diagonalen Achsen, auf denen die königlichen Pyramiden in Saqqara liegen, eine nordsüdliche Ausrichtung aufweisen; in Giza verläuft diese Diagonale von Nordost nach Südwest. Die Achsen verlaufen von der Pyramide des Userkaf (5. Dynastie) zur Pyramide von Pepi I. (dritter König 6. Dynastie) und von der Pyramide des Unas (5. Dynastie) zur Pyramide von Merienre (4. König 6. Dynastie). Er hält dies nicht für einen Zufall und wundert sich, dass es keine Achse zur Djoser-Pyramide, dem herausragenden Bauwerk der Nekropole, gibt. Deshalb ist seine Vermutung, dieser Platz sein bereits "belegt" gewesen, und das Grab des Userkare müsse deshalb genau hier zu suchen sein (roter Eintrag im Lageplan).

Der Ägyptologe Vassil Dobrev vom Französischen Institut für Archäologie in Kairo stimmt dem insofern zu, dass dies bei einer Betrachtung aus der Vogelperspektive wohl möglich wäre, der Nachweis vor Ort sei jedoch schwierig. Er plädiert dafür, das Userkare-Grab in Tabbet el-Gesch (blauer Eintrag im Lageplan) zu suchen, wo er seit vielen Jahren gräbt und auf diverse Priestergräber aus der 6. Dynastie gestoßen ist. Man habe den Namen Userkare zwar in den Inschriften bisher nicht finden können, jedoch seien die Priester ganz offensichtlich im Totenkult für einen König tätig gewesen, den sie als "König, ihren Gott" bezeichneten.
msnbc
discovery