ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  April 2012

30. April 2012
Aktueller Bericht des King's Valley Project der Uni Basel online

In dem neu entdeckten Grab KV 64, das in der oberen Schicht mit einem Begräbnis aus der 22. Dynastie belegt war, konnten die Archäologen nun bis zum Grund des Grabschachtes vordringen. Es war bereits vermutet worden, dass sich unter der vorgefundenen Schuttschicht das ursprüngliche Begräbnis aus der 18. Dynastie befinden könnte (siehe Beitrag vom 18.01.2012). Tatsächlich stieß man auf die Reste des wohl schon in der Antike geplünderten älteren Grabes. Die meisten Objekte befinden sich in einem sehr fragmentarischen Zustand. Der Sarg, Teile der Kanopen, Gefäße und wahrscheinlich auch Teile von Mobiliar fehlen. Tief im Schacht fand man Fragmente von drei Kalksteinkanopen und zwei Kanopendeckel in Form menschlicher Köpfe, außerdem Scherben und kleine Glasteile. Unsicher ist, ob ein kleines Holzfragment mit dem Namen einer Königstochter und weitere Holzsplitter, die zu einem Stück Möbel mit dem Namen Amenophis' III. stammen, tatsächlich zu dem ursprünglichen Begräbnis gehören oder ob sie zufällig in den Schutt gelangt sind. Ähnliche Kleinteile hatte bereits Howard Carter im Grab des Siptah gefunden und in jüngerer Zeit auch die Uni Basel im Umfeld von KV 29. An der nördlichen Wand des Schachtbodens von KV 64 fanden die Schweizer Reste einer Mumie ohne Leinenbinden. Diese brutal zerstörte Mumie dürfte dem ursprünglichen Grabinhaber gehören.
In KV 40 stieß man auf die Reste diverser Begräbnisse, teils aus der 18. Dynastie, teils aus der Dritten Zwischenzeit. Das Grab war mehrfach geplündert worden; außerdem hatten Plünderer Feuer gelegt. Aus der 18. Dynastie stammen hauptsächlich große zerbrochene Krüge sowie deren verstreuter Inhalt - Balsamierungsmaterial, vor allem Leinen und Natronbeutel. Trotz der Brandschatzung blieben menschliche Überreste erhalten, darunter viele Knochen von Kindern, Teile von verschiedenen Holzobjekten und Särgen sowie Kartonagen und Textilien. Alle Funde bedürfen der Reinigung und Restaurierung.
Das modern mit Beton verschlossene Grab KV 33 wurde geöffnet, wobei der Eingang mit zehn in den Fels gehauenen, gut erhaltenen Stufen freigelegt wurde. Von dort aus gelangt man in eine große Kammer mit zwei kleinen seitlichen Räumen, alle akkurat aus dem Feld gehauen; Meißelspuren sind noch sichtbar. Auch dieses Grab wurde beraubt und Sturzbäche hatten es mit Geröll gefüllt, als es noch offen stand. Während der abgelaufenen Kampagne, die sich mit der Reinigung beschäftigte, wurden einige Funde gemacht: Fragmente eines Alabasterkruges, Teile eines großen Kruges aus Nilschlamm aus der Zeit Thutmosis' III. sowie sehr schlecht erhaltene menschliche Überreste. Ein Name wurde bislang nicht entdeckt.
Salima Ikram (Department of Egyptology, American University Cairo) und Frank Rühli (Swiss Mummy Project, Zürich) konnten erste Untersuchungen an stark beschädigten Mumienresten aus KV 31 vornehmen. Um zu endgültigen Ergebnissen zu kommen, werden diese Arbeiten intensiviert.
Uni Basel



30. April 2012
Raubgrabungen in Oberägypten

Die Antikenpolizeit beschlagnahmte 17 Objekte, die aus Raubgrabungen in der Gegend von Esna stammten. Die illegalen Ausgräber hatten ein 10 m tiefes Loch gegraben, um die Artefakte zu bergen. Es handelt sich um Stücke aus römischer Zeit (Gefäße, Teile von bemalten Objekten, ein Weihrauchgefäß und Steinzeug). Einige Verdächtige sind Teil der Untersuchungen.
egyptindependent



30. April 2012
Kannten die Ägypter den Doppelstern Algol?

Die Ägypter betrieben die sogenannte Tagewählerei, d.h. sie bestimmten "gute" und "schlechte" Tage, die zusätzlich gedrittelt wurden in morgens, mittags, abends. Manche Tage waren "gut, gut, gut", manchen "gut, schlecht, gut" usw. Im Kairener Papyrus 86637 aus dem 9. Regierungsjahr Ramses' II. sind Gefahren und Verhaltensregeln aufgezeigt. So heißt es für den 23. Tag des Monats Thot (erster Monat der Überschwemmungsjahreszeit), dass kein Weihrauch verbrannt werden dürfe auf dem Feuer für den Gott, keine Ziege, Wild oder Vögel getötet und Gänse und Ziegen nicht gegessen werden dürfen; auch dem Gesang zu lauschen, war verboten. "Jedes Kind, das an diesem Tag geboren wird, bleibt nicht am Leben" (Emma Brunner-Traut, Alltag unter Pharaonen, 201). Diese ägyptische Umsetzung mythischen Geschehens sehen Wissenschaftler der Universität von Helsinki als Indiz dafür, dass die Ägypter aufgrund ihrer Himmelsbeobachtungen den veränderlichen Stern Algol, dessen Helligkeit periodisch schwankt, kannten. Die finnischen Wissenschaftler glauben Übereinstimmungen zwischen den Helligkeitsschwankungen und den Daten im Papyrus 86637 erkannt zu haben und halten es für nicht ausgeschlossen, dass dieses Phänomen bereits vor 1.200 Jahren zur Orientierung in Bezug auf die Tagewählerei diente.
weltderphysik
36seitiger Aufsatz des finnischen Wissenschaftlerteams in englischer Sprache als PDF (ca. 1,1 MB)



27. April 2012
Seltene Erkrankung an Mumie nachgewiesen

Ein junger Mann von etwa 20 Jahren, der um 900 v.Chr. starb, litt an einer seltenen Krankheit, dem krebsähnlichen Hand-Schüller-Christian-Syndrom. Dabei handelt es sich um die tumorartige Zerstörung des knöchernen Schädels bei gleichzeitigem Auftreten von Diabetis. Bis heute ist die Wissenschaft nicht in der Lage, die Ursachen für die Erkrankung zu bestimmen. In der Antike verlief die Krankheit immer tödlich, sagt Dr. Mislav Cavka, Mediziner an der Universität Zagreb, der die Diagnose nach eingehender Untersuchung der Mumie des Mannes stellte; sie gehört zum Bestand des Archäologischen Museums Zagreb.
livescience


Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung der Universität Leipzig
25. April 2012
Gedenktafel und Sonderschau zu Ehren Steindorffs

Das Ägyptische Museum der Universität Leipzig ehrt seinen Namensgeber Georg Steindorff mit einer Gedenktafel und einer Sonderausstellung: Am 2. Mai wird die Steindorff-Tafel am Museumseingang enthüllt und gleichzeitig die Schau über Leben und Werk des bekannten Ägyptologen eröffnet. Nach ihm ist neben dem Museum auch das Ägyptologische Institut der Universität benannt.

Die Sonderausstellung "Georg Steindorff (1861 – 1951): Stationen eines Lebens" ist bis zum 18. November geöffnet.
Zeit: 02.05.2012, 11:00 Uhr
Ort: Ägyptisches Museum Goethestraße 2
04109 Leipzig


Bildquelle: idw)

Auf der Gedenktafel ist Steindorff vor den Pyramiden von Gizeh zu sehen, wie der Kustos des Museums, Dr. Dietrich Raue, sagte. In einem darunter stehenden Text sind die Verdienste des Ägyptologen vor allem für die Universität Leipzig und Informationen über dessen Verfolgung durch die Nazis nachzulesen. "Steindorff war eine Persönlichkeit, die sehr viel früher als andere erkannt hat, dass Wissenschaftler mit ihren Erkenntnissen an die Öffentlichkeit gehen sollten anstatt damit in ihrem Elfenbeinturm zu sitzen", betonte Raue. Die Sonderausstellung beschreibe das bewegte Leben des renommierten Wissenschaftlers jüdischer Herkunft von der Kaiser- bis zur Nachkriegszeit. Gezeigt werden neben ausgewählten Ausgrabungsobjekten sowie Briefen mit den dazugehörigen Kommentaren Steindorffs auch persönliche Dinge aus dessen Leben wie Tagebücher, u.a. den Einträgen seiner Emigration in die USA und seinen Reaktionen auf den Tag der deutschen Kapitulation am Ende des Zweiten Weltkrieges. Zur Enthüllung der Gedenktafel und zur Eröffnung der Sonderausstellung werden neben dem Direktor des Ägyptologischen Instituts, Prof. Dr. Hans-Werner Fischer-Elfert auch die Rektorin der Universität Leipzig, Prof. Dr. Beate Schücking, und Leipzigs Kultur-Bürgermeister Michael Faber sprechen. Anschließend steht ein Rundgang durch die Schau auf dem Programm, an dem auch der 89-jährige Enkel Steindorffs, Thomas Hemer, teilnehmen wird. Er wird dazu aus den USA anreisen.

Aus diesem Anlass wird am 2. Mai wird einer der wichtigen Funde, die durch Steindorffs Wirken ins Museum gelangten, neu präsentiert: der Sarkophag des kleinwüchsigen Hofbeamten Seneb. Eine Nachbildung seiner Grabkammer, die in den vergangenen Monaten im Rahmen einer Kooperation mit der Leipziger Oper entstand, wird an diesem Tag erstmals zu sehen sein. Nach achtjähriger Restaurierung war der 1,5 Tonnen schwere Steinsarg aus Giza, der aus der Zeit um 2600-2500 v. Chr. stammt, im August vergangenen Jahres wieder nach Leipzig zurückgekehrt und ist im Schaufenster des Museums im Krochhaus ausgestellt. Der Sarg des Beamten ist in der Ägyptologie wegen der Darstellung von dessen Kleinwüchsigkeit im eigenen Grab berühmt.

Im vergangenen Jahr hatte das Verwaltungsgericht Berlin im Verfahren um die Rückgabe der Steindorff-Sammlung des Ägyptischen Museums eine Klage der Universität Leipzig abgewiesen. In der Folge einigten sich Vertreter der Jewish Claims Conference (JCC) und der Universität außergerichtlich darauf, die altägyptische Privatsammlung Steindorffs in Leipzig zu lassen. Sie verabredeten, dass die Universität Leipzig - unter Anerkennung des verfolgungsbedingten Entzugs der Sammlung - den Lebensweg Georg Steindorffs weiter aufarbeitet und veröffentlicht, gerade auch in Kinder- und Jugendzeit an das Schicksal der Familie aufmerksam macht und an ihn an prominenter Stelle erinnert.

Prof. Dr. Georg Steindorff war seit 1893 Professor und ab 1904 Inhaber des Ägyptologischen Lehrstuhls an der Universität Leipzig. Zwischen 1903 und 1931 unternahm er eigenverantwortlich und im Auftrag der Universität Leipzig Grabungen in Ägypten.

Weitere Informationen:
Dr. Dietrich Raue
Ägyptisches Museum / Ägyptologisches Institut - Georg Steindorff
Telefon: +49 173 8994040
E-Mail: dietrich.raue@uni-leipzig.de
www.uni-leipzig.de/~egypt/

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Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung der Friedrich-Schiller-Universität Jena
24. April 2012
Antike Schätze wieder sichtbar
Ehemaliges Archäologisches Museum der Universität Jena wiedereröffnet

Jena ist um eine Attraktion reicher. Seit heute (24. April) haben die Antikensammlungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena am neuen Standort in der Carl-Pulfrich-Straße 2 ihre Pforten geöffnet. „Das ist für uns ein ganz besonderer Moment“, sagt Prof. Dr. Angelika Geyer, Lehrstuhlinhaberin für Klassische Archäologie. Seit 19 Jahren kämpfte sie gemeinsam mit den Jenaer Altertumswissenschaftlern dafür, die Sammlungen vereint an einem Ort der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Bei der feierlichen Eröffnung am 24. April um 19 Uhr wird der Direktor der Berliner Antikensammlungen, Prof. Dr. Andreas Scholl, den Festvortrag halten.

Seit der Schließung des Archäologischen Museums der Universität Jena vor genau 50 Jahren war die Originalsammlung auf engstem Raum eingelagert und höchstens während Sonderausstellungen im Stadtmuseum zu sehen. Die Sammlung von Gipsabgüssen antiker Skulpturen befand sich im Magazin des Berliner Pergamonmuseums und kehrte sukzessive, zuletzt im vergangenen Jahr – soweit wie möglich – nach Jena zurück. Hochkarätige Dauerleihgaben und Schenkungen haben die Sammlungen in den letzten Monaten zusätzlich bereichert, so dass sie nun weit mehr als 2.000 Exponate umfassen. Davon können sich Besucher von jetzt an selbst überzeugen. Regelmäßig immer mittwochs und samstags von 14 bis 17 Uhr sind die Sammlungen zugänglich.

„Mit unseren antiken Schätzen können wir uns dank der neuen Ausstellungsfläche mit bedeutenden Sammlungen anderer deutscher Universitäten messen“, sagt Geyer. „Schließlich repräsentiert sie mit den originalen Großplastiken und Gipsabgüssen, den Keramiken, Bankettausrüstungen, Metall- und Glasgegenständen sowie Münzen das gesamte Spektrum antiken Kunstschaffens.“ Außerdem decken die Originale mit ihrer Herkunft fast den gesamten Mittelmeerraum und alle Epochen der Antike ab – von der Bronze- bis weit in die römische Kaiserzeit.


Blick auf einige Büsten der wiedereröffneten Antikensammlungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Foto: Jan-Peter Kasper/FSU - Quelle: idw



Dr. Dennis Graen, Kustos der Antikensammlungen der Universität Jena: „Mit der Wiedereröffnung geben wir aber nicht nur der Universität, sondern der gesamten Stadt ein Stück ihrer Geschichte wieder“.
Foto: Jan-Peter Kasper/FSU - Quelle: idw

Doch bei aller Wertschätzung gehe es den Archäologen der Universität Jena nicht um Prestige. Vielmehr können sie jetzt endlich die antiken Stücke unkompliziert in die Lehre einbeziehen, da Seminare nun auch in der Carl-Pulfrich-Straße stattfinden können. Die Arbeit an den gegenständlichen Hinterlassenschaften sei schließlich elementar für die Archäologie, erklärt die Jenaer Antikenexpertin. Gleiches gelte für die Forschung: Nun seien endlich auch optimale Rahmenbedingungen für die Arbeit an den Originalen geschaffen, auf die auch auswärtige Wissenschaftler zurückgreifen können.

„Mit der Wiedereröffnung geben wir aber nicht nur der Universität, sondern der gesamten Stadt ein Stück ihrer Geschichte wieder“, sagt Dr. Dennis Graen, der Kustos der Antikensammlungen der Universität Jena. Der Jenaer Altphilologe Carl Wilhelm Goettling hatte das Archäologische Museum 1846 im ehemaligen Jenaer Stadtschloss eröffnet. Nach der Fertigstellung des Universitätshauptgebäudes 1908 fanden die Exponate in dessen Südostflügel ein neues Zuhause. „Nach den ersten Berichten über einen neuen Ausstellungsraum sprachen mich Interessierte aus der ganzen Stadt immer wieder auf das Thema an“, sagt Graen. „Die Begeisterung für die Antike ist in Jena sehr groß.“ Das zeigten die vielen Besucher während der Sonderausstellungen im Stadtmuseum oder etwa der Museumsnacht. Schulen hätten auch schon nachgefragt. „Somit können wir auch hier unseren Studentinnen und Studenten neue Impulse in ihrem Studium geben, die uns vorher nicht möglich waren“, sagt der Kustos. In den neuen Räumlichkeiten können die Studierenden zusätzlich Sonderausstellungen erarbeiten und während der Betreuung von Gästen museumspädagogische Erfahrungen sammeln.

„Wir würden uns freuen, wenn unsere zukünftigen Besucher in den Antikensammlungen der Universität Jena einen Einblick in die Lebenswelten der Menschen der Antike erhalten und sich gleichzeitig an der Schönheit antiker Kunst erfreuen können“, resümiert Angelika Geyer.

Kontakt:
Prof. Dr. Angelika Geyer / Dr. Dennis Graen
Institut für Altertumswissenschaften / Lehrstuhl für Klassische Archäologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fürstengraben 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944820 und 944827
E-Mail: angelika.geyer[at]uni-jena.de / dennis.graen[at]uni-jena.de

Besucheradresse: Antikensammlungen: Carl-Pulfrich-Str. 2, 07745 Jena

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.uni-jena.de

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21. April 2012
Fragmente eines Totenbuchpapyrus' in Australien gefunden

Als der Kurator des British Museum, John Taylor, sich mit der Kollektion des Queensland Museum in Brisbane beschäftigte, stieß er auf Fragmente eines Totenbuchpapyrus', von dem sich weitere Teile in verschiedenen Museen (London, Boston, New York) befinden. Der Inhaber des Totenbuches ist Amenhotep (18. Dynastie); seine Titel lauten u.a. Vorsteher der Arbeiter des Amun und Vorsteher der Arbeiten in der Domäne der Mut (British Museum). Die australischen Fundstücke waren dem Queensland Museum im Jahre 1913 von einer bislang unbekannten Frau übereignet worden. Amenhoteps Totenbuch könnte insgesamt 20 m lang und damit einer der längsten bekannten Totenbuchpapyri sein. Da ein Transport der fragilen Objekte so gut wie ausgeschlossen ist, hofft Taylor, das Dokument zumindest virtuell vervollständigen zu können.
theaustralian
focus



20. April 2012
Seltene Darstellung von Ramses III.

Auf einer im Tempel von Karnak gefundenen Steinplatte ist der König zu sehen, wie er Amun-Re Opfergaben darbringt. Hinter der Gottheit steht Amaunet, die Gemahlin Amun-Res.
bikyamasr



20. April 2012
Zwillingsskulptur neu "entdeckt"

Die Doppelstatue eines Mädchens und eines Jungen konnte als Abbild der Zwillinge von Kleopatra und Markus Antonius, Kleopatra Selene und Alexander Helios, identifiziert werden. Das Objekt war im Jahre 1918 in der Nähe des Tempels von Dendera gefunden worden. Es gelangte ins Ägyptische Museum von Kairo, wurde jedoch bislang mehr oder weniger übersehen. Die italienische Ägyptologin Giuseppina Capriotti konnte die Skulptur nach einer detaillierten Analyse von Stil und Ikonografie dem Zwillingspaar zuordnen. Der kleine Junge trägt eine Sonnenscheibe auf dem Kopf, das Mädchen eine Mondscheibe. Beide Figuren stehen in einem Schlangenknäuel
news.discovery


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Pressemitteilung der Westfaelischen Wilhelms-Universität Münster
18. April 2012
Spektakuläre Entdeckung in der Wüste
Archäologen der Universitäten Münster und Kiel entdecken unbekannte Ruine im Nordsudan


Weiße Flecken auf der Landkarte gibt es trotz Google Earth immer noch. Solche Flecken in der Wüste Bayuda im Nordsudan zu erschließen, ist eines der Forschungsziele von Prof. Dr. Angelika Lohwasser vom Institut für Ägyptologie und Koptologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU). Tatsächlich gelang es bei der jüngsten Kampagne, eine bis dahin unbekannte Ruine zu identifizieren.

Für knapp drei Monate war das Team von Archäologen und Geographen vor Ort, um in kilometerlangen Märschen die menschlichen Hinterlassenschaften in der Region des Wadi Abu Dom detailliert zu kartieren. Zwar wird jede Kampagne genau mithilfe von Google Earth vorbereitet. Häufig ist auf den Satellitenbildern jedoch nicht zu erkennen, ob es sich beispielsweise um ein verlassenes modernes Gehöft oder eine antike Ruine handelt. Prof. Dr. Baldur Gabriel, mit 75 Jahren das älteste Teammitglied, drängte darauf, einen Ort weitab des eigentlichen Kerngebietes zu besuchen. Und tatsächlich fanden die Experten dort eine bisher unbekannte Ruine aus dem dritten bis fünften Jahrhundert nach Christus.


Der Architekt Dr. Dieter Eigner im "Beit Baldur", WWU
Quelle: idw

Sie ist weder auf der englischen Kolonialkarte noch auf den russischen Generalstabskarten, dem besten derzeit zur Verfügung stehenden Kartenmaterial der Wüste Bayuda, verzeichnet. "Auch ein Name konnte von uns nicht in Erfahrung gebracht werden, da das Gebiet im Umkreis von ungefähr 20 Kilometer menschenleer ist. So haben wir die Ruine nach ihrem Entdecker vorläufig Beit Baldur ("Haus des Baldur") genannt", berichtet Felddirektor Tim Karberg. Der Architekt Dr. Dieter Eigner erstellte eine erste Skizze. Eine genauere Untersuchung dieses Zufallsfundes ist für einen der nächsten Aufenthalte geplant.

Das Projekt "W.A.D.I." (Wadi Abu Dom Itinerary) dient der Erforschung des antiken Lebens, aber auch der Ausbildung von Studierenden. Zwei Studentinnen und ein Student der WWU absolvierten in diesem Jahr ein archäologisches Praktikum. Tim Eggert unterstützte eine Gruppe von Geophysikern der Universität Kiel, die mittels Georadar und -magnetik Strukturen identifizieren können, die mit bloßem Auge auf der Erdoberfläche nicht sichtbar sind. Carina Beckmann und Laura Haupt kamen vor allem beim Survey und bei den punktuellen Ausgrabungen zum Einsatz. Alle sind sich einig: Neben der fachlichen Qualifikation sind die Erfahrungen des Lebens in Afrika und den Arbeitsbedingungen in der Wüste äußerst bereichernd.

Weitere Informationen finden Sie unter
Institut für Ägyptologie und Koptologie der WWU Münster

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13. April 2012
Griechische und byzantinische Gräber in Alexandria entdeckt

Durch den Fund von insgesamt vier Felsgräbern wurden die dort geplanten örtlichen Bauarbeiten gestoppt. In den Gräbern fanden sich menschliche Überreste, Keramikgefäße, Parfümbehälter, Lampen sowie eine dekorierte Urne mit dazu gehörigem Grabstein, auf dem der Name des Verstorbenen verzeichnet ist. An den Wände der Grabstätten befinden sich noch Reste von Putz und roter Farbe. Das Antikenministerium hat sämtliche Bauarbeiten im Nekropolengebiet untersagt.
english.ahram



11. April 2012
Ausstellung von Objekten aus Wadi/Mersa Gawasis in Neapel

Schon seit vielen Jahren arbeitet in Wadi/Mersa Gawasis, dem alten Punt-Hafen am Roten Meer, eine Grabungsmission, geleitet von Kathryn A. Bard (Universität Boston), Rodolfo Fattovich (Universität L'Orientale, Neapel) und Cheryl Ward (Coastal Carolina Universität, Conway) - siehe auch Beitrag vom 17.07.2010. Einige der dort gefundenen Artefakte sind Mittelpunkt einer Ausstellung, die dieser Tage in Neapel eröffnet wird: "Mersa/Wadi Gawasis, a majestic port on the Red Sea". Zu den Grabungen erläuterte Rodolfo Fattovich: "Die Surveys haben bestätigt, dass die Ägypter vom Küstengebiet von Mersa und Wadi Gawasis aus ins Land Punt aufbrachen, um nicht nur Gewürze, Weihrauch und Myrrhe, sondern auch Gold und andere exotische Produkte zu erwerben. Wir wissen jetzt, dass die Ägypter das Rote Meer durchquerten und über die arabische Halbinsel an Küstenregionen des heutigen Eritrea gelangten, wo wahrscheinlich das legendäre Punt lag." Bezüglich der Ausgrabungen hofft das Team, diese trotz der Verunsicherungen durch die aktuelle politische Situation in Ägypten fortsetzen zu können.
ansamed
Reports der Grabungsmission



11. April 2012
Bibliothek des Klosters St. Katharina/Sinai wird restauriert

Nachdem die Machbarkeit sechs Monate lang geprüft worden war, konnte nun eine positive Entscheidung zur Restaurierung der Klosterbibliothek getroffen werden. Die Sammlung enthält rund 3.500 griechisch-römische, koptische, arabische, hebräische, georgische, syrische, armenische und udische Manuskripte sowie zahlreiche Ikonen und andere wertvolle liturgische Objekte. Das Projekt wird durch das Kloster finanziert und unter der Leitung des ägyptischen Antikenministeriums durchgeführt.
english.ahram



10. April 2012
Areal von El-Hibeh inspiziert

Die Vorkommnisse hinsichtlich Zerstörung und Plünderung archäologischer Stätten in der Umgebung von Beni Suef haben offensichtlich das Antikenministerium veranlasst, sowohl dort als auch in Dahschur Inspektionen durchzuführen. Die große Aufmerksamkeit, die die "Save-El-Hibeh" Facebookgruppe inzwischen genießt (siehe Beitrag vom 09.03.2012), dürfte wesentlich zu diesem Schritt beigetragen haben. Ein offizielles archäologisches Komittee soll feststellen, wie groß die Verluste durch Plünderung sind, und es soll die Sicherungsmaßnahmen vor Ort stabilisieren.
english.ahram

Leider geht aus dem jüngsten Bericht der El-Hibeh-Grabungsmission (23.04.2012/Facebook) hervor, dass die massiven Plünderungen vor Ort unvermindert weitergehen. Man sei glücklich gewesen, heißt es, dass die Komiteemitglieder das Gelände nunmehr am 17.04.2012 inspiziert und sich dafür über eine Stunde Zeit genommen hätten; es seien auch viele Fotos gemacht worden. "Es ist unsere aufrichtige und sehr große Hoffnung, dass aus dem Besuch schnelle und direkte Maßnahmen resultieren, die zum Schutz vor Plünderungen in Hibeh und anderen Stätten führen", schreibt Carol Redmont.



06. April 2012
Ägyptisches Siegel in Jerusalem entdeckt

Unterhalb des Jerusalemer Tempelberges fanden israelische Archäologen einen 1,5 cm großen Skarabäus, der nach Aussage der Wissenschaftler aus dem 13. Jh. v.Chr. stammen soll. Die Unterseite des Skarabäus soll einst als Stempel gedient haben; sie zeigt den Namen des Re sowie eine Ente, im Artikel von israelhayom als Sinnbild des Re bezeichnet. Letzteres ist wahrscheinlich eine Fehlinterpretation. Die abgebildete "Ente" (siehe Abbildung in obigem Artikel) könnte spekulativ eher eine etwas verunglückte Gans darstellen, Sinnbild des Amun. Der Skarabäus ist der erste Fund dieser Art in der Davidstadt von Jerusalem.



05. April 2012
Bauarbeiten in der Umgebung des griechisch-römischen Museums in Alexandria
Nachdem man bei Ausschachtungsarbeiten auf eine Reihe von antiken Tongefäßen gestoßen war, hat das Antikenministerium die zuständigen Behörden von Alexandria aufgefordert, die Arbeiten umgehend zu stoppen. Inspektoren des Antikendienstes in Alexandria haben den Fall von der Polizei aufnehmen lassen. Ein Team von Archäologen soll demnächst das Gelände untersuchen und alle Artefakte bergen.
english.ahram



04. April 2012
Grabungen in Heliopolis wiederbelebt

Schon einige Jahre arbeiten Archäologen des Deutschen Archäologischen Instituts Abteilung Kairo (DAIK) im Rahmen eines Joint Venture mit der ägyptischen Antikenbehörde an Ausgrabungen des antiken Heliopolis im Kairoer Stadteil Matarjya; Grabungsleiter ist Dietrich Raue, Direktor des Ägyptischen Museums Leipzig (siehe auch Beitrag vom 16.09.2008). Nachdem der Kontakt zwischenzeitlich nicht mehr ganz so eng war, wird die Zusammenarbeit jetzt wieder intensiviert. Die jüngste Kampagne wurde gerade beendet. Die Grabungen an einem Tempel Ramses' II. wurden bereits mit der Lokalisierung von vier Kolossalstatuen - teilweise ursprünglich aus dem Mittleren Reich stammend und von Ramses II. wiederverwendet - belohnt. Aber auch Fragmente aus der Amarnazeit wurden gefunden, Überreste eines Tempels, den Echnaton in Heliopolis errichten ließ.
ovz-online



04. April 2012
Maske der Ka-nefer-nefer bleibt (vorerst?) in St. Louis

Ein seit rund sechs Jahren schwelender Streit um die Maske der Ka-nefer-nefer (siehe Beitrag vom 28.03.2006) scheint ein Ende gefunden zu haben. Die ägyptische Altertumsbehörde hatte wegen angeblich illegaler Ausfuhr aus dem Herkunftsland die Rückgabe der Mumienmaske aus der 19. Dynastie, die sich im St. Louis Art Museum befindet, gefordert. Das Museum setzte sich zur Wehr - auch gegen die amerikanische Heimatbehörde, die das Stück beschlagnahmt hatte (siehe Beitrag vom 16.02.2011). Ein Bezirksgericht gab dem Museum Recht, da es keine schlüssigen Beweise für Diebstahl oder Schmuggel fand.
stlouis.cbslocal



04. April 2012
Zwei ägyptische Sargdeckel in Jerusalems Altstadt beschlagnahmt

Inspektoren der israelischen Antikenbehörde stießen kürzlich auf zwei ägyptische Sargdeckel, von denen einer in die späte Bronzezeit (16. bis 14. Jh. v.Chr.), der andere in die Eisenzeit (10. bis 8. Jh. v.Chr.) datiert wird. Die zwei Meter langen Deckel bestehen aus Holz, überzogen mit einer bemalten Stuckschicht. Sie sind mittig durchgesägt - wahrscheinlich um den Transport zu erleichtern. Sie waren auf einem Markt in der Altstadt Jerusalems zum Kauf angeboten worden. Der Verbleib der Sargwannen ist ungeklärt. Die israelische Antikenbehörde nimmt an, dass die Objekte aus Gräbern in der ägyptischen Westwüste gestohlen, von dort aus nach Dubai geschafft wurden und schließlich über Europa in Jerusalem gelandet sind. Ägypten hat inzwischen um Rückgabe gebeten; der Bitte soll nach Erledigung aller Formalitäten entsprochen werden.
jpost
israelnetz



02. April 2012
Anklagerhebung gegen Zahi Hawass möglich
Wegen des Vorwurfs, Hawass habe öffentliche Gelder verschwendet und Antiquitäten gestohlen, wird es möglicherweise zu einer Anklage kommen. Ihm wird u. a. vorgeworfen, aufgrund eines Deals mit National Geographis Objekte für Ausstellungen in den USA und in Australien freigegeben zu haben, die aufgrund ägyptischer Antikengesetze nicht hätten außer Landes gebracht werden dürfen. Im Gegenzug hätte National Geographic 17 Mio. $ gezahlt. In einer TV-Talkshow machte Hawass keinen Hehl aus der Entgegennahme des Betrages und gab an, es hätte sich dabei um die Spendensammlung für einen Verein gehandelt, den die ehemalige ägyptische First Lady, Suzanne Mubarak, betrieb. Da es sich bei dem Verein jedoch um eine Privatinitiative und nicht um eine staatliche Einrichtung handelt, soll es unrechtmäßiges Handeln gewesen sein, die Gelder dorthin fließen zu lassen. Hawass weist die Vorwürfe zurück.
english.ahram
egyptindependent



01. April 2012
80 Artefakte zurück nach Ägypten

Bereits im April 2010 stellte der Zoll die Objekte am Flughafen Brüssel sicher, wo sie von der Polizei konfisziert wurden. Eine Frau hatte versucht, sie nach Belgien zu schmuggeln. Zu den Stücken zählen elf Statuetten aus Holz und Kalkstein, elf Amulette und 27 Skarabäen aus pharaonischer Zeit sowie islamische Zylindersiegel, ein koptisches Kindergewand, ein dekoriertes Textilfragment, ein löwengestaltiges Gefäß aus ptolemäischer Zeit und ein prähistorisches Tongefäß. Über die ägyptische Botschaft in Brüssel reklamierte Ägypten die Objekte als sein Eigentum; dieses wurde schließlich auch juristisch bestätigt. Die Rückführung der Artefakte ist inzwischen eingeleitet.
english.ahram