ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  April 2013

28. April 2013
Thonis-Heracleion in 3D

Die Unterwasserarchäologen um Franck Goddio haben die alte Hafenstadt als 3D-Rekonstruktion virtuell neu entstehen lassen - siehe Abbildung in der Onlineausgabe von dailymail. Bei den Tauchgängen konnten außer den Resten von 64 Schiffen (siehe auch Beitrag vom 15.03.2013) auch 700 Anker sowie Goldmünzen und Gewichte aus Bronze und Stein freigelegt werden. Neben der Stadt-Rekonstruktion finden sich weitere brillante Fotos von Artefakten, die die Archäologen im Laufe der Zeit bergen konnten.



24. April 2013
"Industriegebiet" im Sinai freigelegt

In der Gegend um Tell Abu Seifa, wo sich einst eine römische Festung befand, stießen ägyptische Ausgräber auf Überreste eines industriell genutzten Geländes mit Keramk- und Kupferwerkstätten. An dieser Stelle wurden bereits eine Reihe von Verwaltungs-, Lager- und Wohnhäusern ausgegraben. Man fand außerdem aus Rhodos importierte Amphoren. Eine römische Inschrift auf einem geborgenen Kalksteinblock enthält Details zur militärischen Geschichte und zur Aufstellung der römischen Armee innerhalb der Festung.
luxortimesmagazine


23. April 2013
Die Pyramidenarbeiter in Giza
Seit über 20 Jahren untersuchen Marc Lehner und seine Kollegen eine große Siedlung in Giza, in der die beim Bau der Mykerinos-Pyramide beschäftigten Mannschaften untergebracht und versorgt wurden, sowohl mit Nahrung als auch medizinisch. Bereits im Jahre 2006 veröffentlichte der an diesem Grabungsprojekt beteiligte Archäozoologe Richard Redding einen detaillierten Artikel über die Fleischversorgung der Arbeiter (siehe Beitrag vom 25.05.2006). Durch die inzwischen hinzugewonnen Erkenntnisse wurden einige Zahlen präsiziert. Man fand z. B. heraus, dass die etwa 10.000 am Pyramidenbau beteiligten Personen täglich schätzungsweise elf Rinder und 37 Schafe/Ziegen konsumierten. Anhand der Knochenfunde konnten 25.000 Schafe bzw. Ziegen, 8.000 Rinder und 1.000 Schweine identifiziert werden.
livescience
zum Fund von Arbeitergräbern siehe Beitrag vom 10.01.2010
Projektseite The Lost City


14. April 2013
Requirierung von Raubgut / Raubgrabungen

In zwei Privathäusern in Beni Suef beschlagnahmten ägyptische Offizielle 5 antike Särge, 63 Statuen und etwa 2.000 Münzen. Zwei Hausbesitzer konnten festgenommen werden, ein Dritter befindet sich auf der Flucht.
Augenzeugen berichten wiederholt von großen Löchern, die laufend in der Nähe der Pyramiden von Giza gegraben werden. Dies wird als untrügliches Zeichen für die nach wie vor - und nicht nur in Giza - allgegenwärtigen Umtriebe von Raubgräbern gedeutet.
xinhuanet

Zum Thema Raub und Schmuggel und deren beängstigende Zunahme nach dem 25.01.2011 veröffentlicht auch die Daily News Egypt in ihrer Online-Ausgabe einen Artikel. Dort ist nachzulesen, dass in einem Bericht des Egyptian Council for Culture and Arts aus dem vergangenen Jahr darauf hingewiesen wird, dass rund 3.000 Artefakte illegal das Land verlassen haben. Sie dürften sich mittlerweile wohl in privaten Sammlungen in aller Welt befinden. Durch die schwierige Lage der ägyptischen Behörden hinsichtlich mangelnder Sicherheit, finanzieller Ausstattung und der allgemein schlechten wirtschaftlichen Situation des Landes ist es kaum noch möglich, gewieften Diebesbanden etwas entgegenzusetzen. Einige junge Ägypter haben deshalb eine Facebook-Seite angelegt und versuchen, Diebesgut durch die Veröffentlichung von Fotos der gestohlenen Objekte mehr Öffentlichkeit zu geben.
dailynewsegypt
Stop the Heritage Drain (Facebook)



11. April 2013
Hafen aus der Zeit des Cheops entdeckt

Seit einigen Jahren läuft die Erforschung von zwei antike ägyptischen Hafenanlagen am Roten Meer: Ain Suchna am Golf von Suez und weiter südlich Mersa Gawasis. Französische Archäologen stießen nun bei ihren Arbeiten etwa 180 km südlich der Stadt Suez auf einen weiteren sehr alten Hafen. Es könnte sich um einen der wichtigsten und ältesten Umschlagplätze für Güter handeln, die auf dem Sinai gewonnen wurden (z.B. Kupfer oder Türkise) und von dort aus weiter in die Reichhauptstadt Memphis gelangten. Es fanden sich dort außerdem Reste von Verwaltungsgebäuden und 30 Höhlen und Steinblöcke zum Verschluss derselben, die neben verschiedenen Namen der Mannschaftsmitglieder auch den mit roter Tinte geschriebenen Namen des Cheops (4. Dynastie) tragen. Auch auf Schiffstaue und Steinwerkzeuge zum Schneiden der Taue stießen die Archäologen, ebenso auf Holzfragmente (Zapfen, Teile von Rudern) und Steinanker. Untersuchungen der Keramikfunde zeigen, dass diese ebenfalls aus der ersten Hälfte der 4. Dynastie stammen. Von größter Bedeutung ist jedoch der Fund von 40 Papyri, die Details aus dem täglichen Leben enthalten. Aufgrund der Einträge sind sie wir die übrigen Funde auf die Zeit des Cheops zu datieren; sie beziehen sich auf das 27. Regierungssjahr (13. Horusgeleit) dieses Königs. Die Dokumente behandeln die Lieferungen von Getreide, Ausrüstung und Nahrungsmitteln für die auf dem Hafengelände tätigen Mannschaften. Einige Fragmente gehören zu einem Tagebuch eines Offiziellen aus Memphis mit dem Namen Mason, in das dieser seine täglichen Verrichtungen eingetragen hat. Damit handelt es sich um die ältesten beschrifteten Papyri, die ägyman kennt. Bisher galten die sogenannten Gebelein-Papyri vom Ende der 4. Dynastie als älteste Schriftzeugnisse dieser Art.
Wadi el-Jarf war bisher noch relativ unerforscht. Es existiert allerdings ein Reisebericht über diese Gegend von John Gardner Wilkinson aus dem Jahre 1832, in dem Galerien erwähnt sind, die er als Katakomben bezeichnet.

english.ahram
mondespharaonic.paris.sorbonne
(französisch)
dito (maschinelle deutsche Übersetzung)
Aufsatz von Pierre Tallet in BMSAES 18, 2012 (PDF, 15 MB) mit weiteren interessanten Einzelheiten und einer Reihe von aufschlussreichen Abbildungen.

05. April 2013
Neue Funde der Djehuty-Grabung
Das Djehuty Project unter der Leitung von José Manuel Galán hat während der jüngsten Kampagne in Dra Abu el-Naga bereits einige interessante Funde gemacht (siehe auch Beitrag vom 30.01.2013). Es wurden vier Gräber aus der Zeit der 17. Dynastie freigelegt, also aus einer Zeit, die bisher noch nicht ausreichend erforscht werden konnte. Als um so bedeutender erweisen sich die Ergebnisse der spanischen Grabung. Der Inhaber eines der Gräber war Intefmose. Man fand dort drei Inschriften, die ihn als Königssohn ausweisen. Galán vermutet, dass es sich um den Sohn von Sobekemsaf - einer der ersten Könige der 17. Dynastie, über den nur wenig bekannt ist - handeln könnte. Intefmoses Grab besteht aus einer kleinen, aus Lehmziegeln errichteten Kapelle, die vor einen sieben Meter tiefen Schachtt gesetzt wurde, der wiederum zur Grabkammer führte. Ein Loch in der Rückwand dieses Raumes führt zu einer weiteren Grabstätte. Inhaber war ein hoher Beamter namens Ahhotep, Sprecher von Nechen (Hierakonpolis). Man fand drei mit seinem Namen beschriftete Uschebtis.
phys.org