ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde

Mai 2006

30.05.2006
Noch einmal KV 63

Einen ziemlich überraschenden und in der Tat aufregenden Fund meldet prnewswire.com: In Sarg G fand man unter dem Kissenbündel (s.u.) einen 2 Fuß (gut 1 m) großen Goldsarg. Inzwischen sind zwei Fotos davon veröffentlicht: archaeology.org. Inschriften sind keine zu erkennen. Nun stellt sich die spannende Frage: Was befindet sich in dem Goldsarg?

via EEFNEWS



27.05.2006
Neues von KV 63 - Interview mit Ausgräber Dr. Otto Schaden

Ein Bericht von msnbc.msn.com und ein Interview mit Dr. Otto Schaden bringen wieder ein paar Neuigkeiten zu Tage:

  • Zwei Särge sind komplett geborgen, der Inhalt eines dritten - er war gefüllt mit Topfscherben und Natron - ist teilweise geborgen. Der Sarg als solcher dürfte inzwischen ebenfalls an der Oberfläche sein. Von den vier verbleibenden ist einer relativ leer, so dass auch dieser demnächst nach oben gebracht werden kann.
  • In Sarg G (Skizze) wurde ein Bündel Kissen gefunden. Die Stücke sind in relativ gutem Zustand und konnten unbeschadet entnommen werden.
  • Von den verbleibenden drei Särgen sind die zwei hinteren besonders interessant, weil sie noch geschlossen sind. Einer der beiden Särge trägt Inschriften unter einer schwarzen Harzschicht. Man hofft nun, dass diese eine Datierung zulassen, denn bisher wurden keinerlei Kartuschen gefunden. Ausserdem ist man gespannt, ob die geschlossenen Särge ebenfalls Balsamierungsreste enthalten oder womöglich doch noch mehr oder weniger vollständige Mumien.
  • Es scheint sich mehr und mehr herauszukristallisieren, dass das Grab aus der Zeit des Tut-anch-Amun stammt, zumal ein Fragment gefunden wurde mit einen Inschriftenrest "...paaton". Die Gemahlin Tut-anch-Amuns trug bekanntlich den Namen Anchesenpaaton (später Anchesenamun).
  • Das Grab wurde nach dem ersten Verschließen offensichtlich mehr als einmal wieder geöffnet und stand auch wohl über einen längeren Zeitraum offen. Man fand Reste von Wespennestern, die sonst nicht hätten gebaut werden können. Möglicherweise wurden die Balsamierungsmaterialien nach und nach in den Grabraum verbracht und dort in den großen Krügen und in den Särgen abgelegt.
  • Ägyptologe Aidan Dodson sagte gegenüber MSNBC, dass selbst wenn es sich bei KV 63 nicht um ein Grab, sondern um eine Balsamierungscachette handeln sollte, die Erkenntnisse für die Wissenschaft bedeutend wären, z.B. über Balsamierungsmethoden und -riten.
Der Discovery Channel hat die Ausgrabungen eine Weile begleitet und auch filmen dürfen. Die Dokumentation hat am kommenden Sonntag, 04.06.2006, um 21.00 Uhr (Ortszeit ET/PT USA) TV-Premiere:

Programmankündigung Discovery Channel



25.05.2006
Artefakte aus Tübingen gehen zurück nach Ägypten

In spiegel.de ist heute zu lesen, dass fünf Relieffragmente aus dem Grab Sethos' I. von der Universität Tübingen im nächsten Monat an die ägyptische Antikenverwaltung zurückgegeben werden. Die Fagmente sollen im Zuge einer Restaurierung an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren. Zahi Hawass, Generalsekretär des SCA, bedankte sich bei der Universität für die Bereitschaft zur Rückgabe.



25.05.2006
Der Speiseplan der Pyramidenbauer

Dr. Richard Redding, Archäozoologe der University of Michigan, und Brian V. Hunt haben in AERA Ancient Egypt Research Associates  einen Artikel veröffentlicht, der so interessant ist, dass ich ihn gern - ins Deutsche übersetzt - teilweise hier wiedergeben möchte:

Ägypter der 4. Dynastie waren Zeugen beim Bau der berühmtesten Zeugnisse für Unvergänglichkeit: Pyramiden, Tempel und der Sphinx von Giza. Zehntausende von Arbeitern kamen zusammen, um in großen öffentlichen Arbeitsprojekten dem König das Weiterleben nach dem Tod zu ermöglichen. Zur Sicherstellung der Versorgung einer zehn- oder zwanzigtausendköpfigen Einwohnerschaft konnte man nicht einfach die übliche dörfliche Gemeinschaft von einigen hundert Menschen vervielfachen. Die Bewältigung dieser Aufgabe erforderte andere Methoden, die möglicherweise prägend waren für die königliche Verwaltung der nachfolgenden Jahrtausende. Wie wurde die Ernährung so vieler Menschen bewältigt und welche Überbleibsel aus dieser Zeit können dafür Zeugnis ablegen?

Erstklassiges Rindfleisch für Pyramidenbauer

In einer Gegend der Welt, wo Fleisch traditionell nur bei speziellen Anlässen oder bei Festen auf dem Speiseplan stand, wurden Hinweise gefunden, dass  der Staat die Pyramidenstadt mit genügend Rindern, Schafen und Ziegen versorgte, so dass eine ganze Generation täglich in den Genuss von Fleischspeisen kam. Bei den Ausgrabungen in der Arbeitersiedlung von Giza wurden 175.000 Tierknochen oder -fragmente untersucht und identifiziert. Es waren Überreste von Fischen, Reptilien, Vögeln und Säugetieren. Bei ungefähr 10 % der Funde war es möglich, wenigstens die Gattung zu bestimmen. Rinder und Schafe waren dabei dominierend. Gefunden wurden
  • 3.356 Rinderfragmente
  • 6.897 Schaf- und Ziegenfragmente
  • 536 Schweinfragmente
Das Verhältnis der einzelnen Schafe und Ziegen zu den einzelnen Rindern liegt bei 5 : 1. Es entsteht der Eindruck, als seien Schafe und Ziegen in der Überzahl, jedoch sollte man dabei bedenken, dass eine 18 Monate alter Bulle 10 bis 12 Mal mehr Fleisch gibt als ein gleichaltriger Bock. Das Verhältnis von Schafen zu Ziegen liegt bei 3 : 1.  Die Anzahl von Schweineknochen ist gering.

Die verspeisten Rinder und Schafe waren jung
  • 30 % der Rinder starben bevor sie 8 Monate alt waren, 50 % bevor sie 16 Monate alt waren und nur 20 % wurden älter als 24 Monate.
  • 90 % der Schafe und Ziegen überlebten 10 Monate, nur 50 % waren älter als 16 Monate und nur 10 % älter als 24 Monate.
Rinder und Schafe waren hauptsächlich männlichen Geschlechts
  • Das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Rindern liegt bei 6 : 1
  • Das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Schafen und Ziegen liegt bei 11:1
Was sagt dies alles aus über das Leben in der Pyramidensiedlung?

Probleme mit der Größenordnung

Die bäuerliche Gesellschaft des alten Ägypten war fokussiert auf Getreide und Tiere. Die farbigen Darstellungen in ägyptischen Gräbern zeigen ein reiches bäuerliches Leben und archäologische Funde untermauern dies. Die Ägypter waren jedoch nicht in der Lage, Fische, Vögel und wilde Tiere in einer solchen Anzahl zu jagen, dass damit die Pyramidensiedlung in Giza hätte versorgt wrden können. Für die Ernährung der Menschen dort war eine zunehmende Produktion von domestizierten Tieren wie Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine erforderlich. In Giza gab es jedoch nicht genügend Platz, um große Herden untrzubringen. Woher nahm man also fleischlichen Proteinen?

Erwartungen in Giza

Unsere Vorbilder in der Tierverwertung im Mittleren Osten und in Ägypten basieren auf Studien über Charakteristika in Ökologie, Fortpflanzung, Produktivität, Physiologie und Verhalten von domestizierten Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen. Diese Modelle können helfen, eine Prognose abzugeben.

Die königliche Verwaltung musste ein System entwickeln, das in der Lage war, die Fleischproduktion über den Bedarf für die Dörfer des Niltals und des Deltas hinaus zu erhöhen. Der Überschuss konnte dann am Nil entlang nach Giza gelangen. Wenn die Siedlung in Giza durch die Zentralverwaltung (die königliche Verwaltung) organisiert und versorgt wurde, dann erwartet man dafür Hinweise aus den archäologischen Grabungen. In Giza sollten - basierend auf unseren Kenntnissen über Agrargesellschaften und Lebensmittelproduktion - folgende Belege zu finden sein:

  1. Schweine sind nur in geringer Zahl belegt
  2. Rinder und Schafe dominieren die Tierwelt
  3. Rinder und Schafe sind überwiegend jung und männlichen Geschlechts
Der Nutzwert von Tieren

Schweine wären eine unbefriedigende Versorgungsmöglichkeit für eine große Anzahl von Arbeitern. Es ist unmöglich, sie in Herden über weite Entfernungen zu treiben. Es gibt auch heute keinerlei nomadisierende Schweinehirten. Schweine vermehren sich nicht saisonal. Sie gebären bis zu dreimal im Jahr. Ferkel stünden daher fast immer zum Verzehr zur Verfügung. Schweine bieten jedoch keine Sekundärprodukte wie Fell oder Milch und wären deshalb weniger wertvoll als Rinder, Schafe und Ziegen. Schweine wären daher also eher unpassend, um eine große Zahl von Arbeitern zu ernähren und die Verwaltung war nicht an ihrer "Lagerhaltung" interessiert. Der Tauschwert von Schweinen war auch deshalb gleich Null, was jedoch nicht ausschließt, dass die einzelnen Haushalte sehr wohl Schweine für die eigene Versorgung hielten.

Lieferung zum Zeitpunkt des Bedarfs

Wir wissen, dass die Ägypter rgelmäßig und detailliert Viehzählungen im ganzen Land durchführten, ein klarer Beweis für den Wert von Vieh als Erzeugnis für den Staat. Und obwohl Schafe und Ziegen als Fleischlieferanten nicht mit Rindern konkurrieren konnten, waren sie fast ebenso wertvoll: man kann sie in Herden halten, sie liefern Sekundärerzeugnisse und sie sind in der Lage, große Distanzen zu überwinden. In der 4. Dynastie war es ja aus Platzgründen unmöglich, riesige Viehherden in Giza oder Umgebung zu halten. Also wurden Viehtriebe organisiert zwischen dem Niltal und dem Wüstenplateau. Das Vieh wurde in Chargen nach Bedarf angeliefert - ein Vorläufer unserer modernen "just-in-time"-Liefermethode.

Sekundäre Tierprodukte

Neben Fleisch liefern Rinder, Schafe und Ziegen noch weitere Produkte
  • Schafwolle lässt sich für Bekleidungszwecke weben
  • Leder hat seinen Wert für die Herstellung von Kleidung und Werkzeug
  • Rindsknochen können zu Werkzeug verarbeitet werden
Sicherlich wurde auch Rinder- und Ziegenmilch konsumiert, jedoch nicht in so großen Mengen, dass sie für die Ernährung eine große Rolle gespielt hätte. In jedem Fall erhöhten die Nebenprodukte den Wert der Tiere.

Geburtszyklen und Überschuss an männlichen Tieren

Schafe und Ziegen gebären in kurzen Abständen. Die weiblichen Tiere wrden zur Zucht benötigt, zum Decken jedoch sind nur wenige männliche Tiere ausreichend. Die überschüssigen müssen entweder mit durchgefüttert werden und die Herden wurden immer größer oder sie wurden geschlachtet. Der Verwaltung war dieser Umstand willkommen, denn sie war nun dankbarer Abnehmer im Austausch gegen andere Güter.

Das Grasen

Die ägyptischen Bauern dürften Rinder auf grasreichen Flächen mit Dämmen und Wasserlöchern gehalten haben, z.B. im Delta, Schafe dagegen in trockeneren Gegenden. Ziegen konnten hier und dort gehalten werden, konnten jedoch die Rinderhaltung ergänzen, da beide Gattungen nicht im Futterwettbewerb stehen. Man stelle sich folgende Verteilung der Viehhaltung vor: Rinder und Ziegen im mittleren, feuchteren Teil zwischen Fluss und Wüste und Schafe und Ziegen an den Wüstenrändern. In der Regenzeit gehen Schafe und Ziegen weiter in die Wüste und kehren in der Trockenzeit an die Ränder zurück.

Schlussfolgerungen

Die Untersuchung der 4500 Jahre alten Tierknochen in Giza sind ein weiteres Teil im Puzzle um das Leben im alten Ägypten. Basierend auf den Erkenntnissen, sieht man eine gut versorgte Siedlung in Giza, beliefert durch die Zentralverwaltung. Die archäologischen Muster weisen nicht auf die Produktion für den Lebensunterhalt hin. Die Verwaltung lieferte in der Hauptsache junge männliche Schafe, Ziegen und Rinder, wie die aufgefundenen Knochen zeigen. Die Schweinehaltung war nur geringfügig verbreitet.



25.05.2006
Versunkene römische Stadt vor Ägyptens Küste

Die ägyptischen Behörden haben ihre Zustimmung gegeben, Siedlungsreste archäologisch zu untersuchen, die im Mittelmeer, etwa 35 km östlich des Suez-Kanals, lokalisiert wurden. Gebäude, Bäder, Münzen, Bronzevasen und die Ruinen einer Festung konnten bereits ausgemacht werden. Es wird vermutet, dass es sich um eine Stadt der römischen Zeit handelt.

Quellen
cbc.ca
reuters.com
derstandard.at



25.05.2006
Datenbank rund um Tut-anch-Amun

arts.guardian.co meldet am 15.05.2006, dass das Griffith Institute Oxford mit Dr. Jaromir Malek eine Datenbank mit allen zugänglichen Informationen zum Grabfund des Tut-anch-Amun im Internet veröffentlichen will. Das Projekt soll in zwei Jahren abgeschlossen sein.

Recherchen sind schon jetzt in der gut bestückten Datenbank möglich: Anatomy of an Excavation



25.05.2006
Einheimische in der Verwaltung des ägyptisch besetzten Nubien?

Untersuchungen in einer Nekropole in Tombos am 3. Nilkatarakt - einst strategisch bedeutender Ort im ägyptischen besetzten Nubien - ergaben, dass es sich bei den dort bestatteten Menschen nicht nur um Ägypter, sondern auch um Nubier handelt, die sich den ägyptischen Begräbnissitten angepasst hatten. Michele R. Buzon zieht aus den Befunden den Schluss, dass Nubier zur Zeit der ägyptischen Besatzung nicht nur als unterdrücktes Volk angesehen wurden, sondern auch hohe Ämter in der Staatsverwaltung besetzen konnten. Ebenso soll es zu Vermischungen von Ägyptern und Nubiern durch Heirat gekommen sein. Diese Erkenntnis ist sicher keine große Überraschung. Dass die Ägypter hinsichtlich ihrer Partnerwahl keine Berührungsängste gegenüber Vertretern anderer Völker hatten, weiß man auch aus anderen Zusammenhängen. Ob es im ägyptisch besetzten Nubien hohe einheimische Beamte gab, dafür können Grablegen nur eines von mehreren Indizien sein. Es bedarf sicher noch weiterer Untersuchungen auch anderer Quellen, wie Textmaterial u.ä.

Unter Eurekalert sind zwei Fotos veröffentlicht. Eines der beiden zeigt eine Anbetungsszene, wahrscheinlich eines "Königssohnes von Kusch", also eines von Ägypten eingesetzten Vizekönigs, mit den Kartuschen Amenophis' III. Derartige Szenen findet man allenthalben in nicht-funerärem Zusammenhang - sehr verbreitet beispielsweise in der Umgebung von Aswan.

Weitere Quellen (mit weitgehend identischem Text)
sciencedaily.com
indiadaily.com
upi.com



25.05.2006
Prähistorische Gräber auf dem Sinai

Der Egyptian State Information Service berichtet in einer Meldung vom 16.05.2006, dass auf dem Sinai 36 Gräber gefunden wurden, die aus prähistorischer Zeit stammen. Der Fund resultiert aus einem Survey, den man in Ain Hadra und Abul Rdeis, Zentral-Sinai, vorgenommen hatte. Näheres ist leider nicht zu erfahren.


18.05.2006

Weitere Details zu KV 63

Beim Jahrestreffen des American Research Center in Egypt (ARCE) am 29.04.2006 hielt Earl L. Ertman, University of Akron, assoziierter Direktor des KV 63 - Grabungsteams von Otto Schaden, einen Vortrag zum Stand der Grabungen. Mark Rose, Online-Redakteur von Archaeology.org, verfasste einen Online-Artikel über diesen Vortrag, dem viele interessante Details zu entnehmen sind. Nachstehend meine Übersetzung seines Artikels:

"Ertman betonte, dass Otto Schaden weiterhin dabei ist, die "Grabkammer" von KV 63 auszuräumen. Bezüglich des Schachtes führte Ertman aus, dieser habe einen Überhang ähnlich wie zwei Gräber der 18. Dynastie, KV 46 (Yuya und Tuya, die Eltern der Königin Teje) und KV 55, von dem manche Wissenschaftler annehmen, es handele sich um das Grab des Semenchkare.

Die Verfüllung des Schachtes besteht an der Südseite aus großen Steinen, die größer sind als die anderen Füllsteine. Dies sei ein  Anzeichen dafür, dass der Schacht mindestens einmal nach seiner Versiegelung geöffnet worden sein muss. Bestätigt wird dies auch dadurch, dass einige der Blockiersteine nach innen gestoßen wurden, um einen Zugang herzustellen. Verschlossen wurde dieser Zugang später mit anderem Gestein. Die Kammer selbst war nie fertiggestellt worden; eine Ecke blieb unbearbeitet.

Alle Särge sind mit einer schwarzem Harzschicht überzogen, eventuell um sie zu konservieren oder um darauf befindliche Inschriften unkenntlich zu machen. Es ist immer noch möglich, dass der Sarg E ganz hinten in der Kammer und der Kindersarg D Mumien enthalten (Skizze). Der Sarg A - mit eingelegten Augen aus blauem Glas - wird stilistisch in die Zeit Amenophis' III. datiert.

Die Funde in KV 63 beinhalten Balsamierungsmaterial, wie bereits hinlänglich bekannt. Ertman zeigte ein Foto mit zwei kleinen Leinenbeuteln, die mit Natron gefüllt waren und führte weiterhin aus, dass die Inschrift auf einem der beiden Alabasterkrüge darauf hinweist, dass er einst mit Öl gefüllt war, welches im Balsamierungsprozess verwendet wird. Die Form der 28 Keramikkrüge ist ähnlich der aus den Gräbern KV 46 und KV 54, letzteres ist die Balsamierungscachette von Tut-anch-amun.

Aufgefundene Siegel zeigen Parallelen zu denen aus anderen Gräbern. Die Darstellung eine Gruppe von Krokodil, Löwe und Gefangenem ist aus KV 55 und dem Grab Tut-anch-Amuns (KV 62) bekannt, ebenso wie ein sitzender Osiris. Andere Siegel wiederum zeigen das Nekropolenemblem, bestehend aus Schakal und neun Gefangenen. Der Überhang am Schacht, die Särge, Keramiken und Siegel weisen alle auf die Zeit der 18. Dynastie hin. Verglichen mit Material, das man in den Gräbern 46, 54, 55 und 62 fand, deuten die Funde auf die Zeit zum Ende der Dynastie. Eine Inschrift auf einem Keramikkrug weist ein "Regierungsjahr 5" auf. Leider ist der danach folgende Name des Königs zerstört. Auf einem der Alabasterkrüge ist die Inschrift "Amun-Re, König der Götter" zu lesen. Ertman sagte, der obere Teil des Schachtes knapp unter den Fundamenten der Arbeiterhütten aus der 19. Dynastie lässt darauf schließen, dass KV 63 ganz am Anfang der 19. Dynastie versiegelt worden sein muss.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass KV 63 wohl aus der Zeit der späten 18. bis frühen 19. Dynastie stammt. Da kein jüngeres Material und auch keine Mumien gefunden wurden, wird ausgeschlossen, dass es sich um eine Cachette ähnlich denen in KV 35 (Amenophis II.) und DB 320 (Deir el-Bahri) handelt. Da noch zwei Särge Mumien beinhalten könnten, bleibt die Möglichkeit offen, dass KV 63 ein königliches oder Beamtengrab in Kombination mit einer Balsamierungscachette ist."

Die Homepage von KV 63 wurde am 09.05.2006 mit einem kleinen Eintrag upgedatet.



18.05.2006
Alle Jahre wieder - Nofretete....

Anlässlich der Ausstellungseröffnung "Ägyptens versunkene Schätze" forderte der Generalsekretär der ägyptischen Antikenverwaltung Zahi Hawass einmal mehr die Rückgabe der Nofretete an Ägypten. Diese Forderung von Hawass taucht mit schöner Regelmäßigkeit mindestens einmal jährlich in der Weltpresse auf. Während sie anfangs noch für Aufregung sorgte, zeigt man sich inzwischen darüber eher amüsiert. Die Forderung wurde dann auch sehr schnell relativiert. Die Ägypter seien an einer Leihgabe für eine gewisse Zeit interessiert - vielleicht anlässlich des 100jährigen Jubiläums des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo. Ähnliches ließ die Direktorin des Ägyptischen Museums Kairo, Wafaa el-Seddik, bereits in einem Vortrag vor einigen Monaten in Berlin anklingen. Es ist jedoch kaum davon auszugehen, dass Nofretete Berlin verlässt. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz konstatierte, die Dame sei nach 3000 Jahren nicht mehr reisewillig. Eine juristische Auseinandersetzung wie in Saint Louis wird uns hoffentlich nicht ins Haus stehen.

Quellen
taz.de
mainpost.de



18.05.2006

Streit um Mumienmaske in Saint Louis

In einem Artikel vom 28.03.2006 berichtete ich über die Forderung der ägyptischen Antikenverwalter auf Herausgabe der Mumienmaske der Ka-nefer-nefer. Die Maske befindet sich im Saint Louis Art Museum und ist nach Auffassung der Ägypter illegal außer Landes geschafft worden, nachdem sie aus einem Lagerraum des Ägyptischen Museums Kairo entwendet worden war. Der Direktor des Saint Louis Art Museum verwahrte sich gegen die Verdächtigungen. Das Stück sei von einem Händler gekauft und die Legalität auf Herz und Nieren geprüft worden. Der SCA wurde aufgefordert, die Richtigkeit seiner Behauptungen zu beweisen. Nach eigener Aussage des SCA sei dies geschehen; man setzte dem Museum daraufhin ein Ultimatum bis zum 15.05.2006 für die Herausgabe. Die gelieferten Beweise waren wohl nicht überzeugend genug, so dass das Ultimatum verstrich. Die ganze Geschichte scheint nun auf einen juristischen Streit hinauszulaufen: Der SCA hat den ägyptischen Generalstaatsanwalt eingeschaltet und will das Museum verklagen. Man will sich außerdem um Unterstützung bei Interpol und beim U.S. State Department bemühen.

Quellen (Auswahl)
CNN.com
schwabmuenchner-allgemeine.de
Detroit Free Post
Washington Post



17.05.2006
Neues vom "Goldschatz von Karnak"

Bisher war noch unklar, um welche Stücke es sich bei den "Goldschatz" genau handelt und wo der Fundort ist. Al-Ahram Weekly schreibt in Ausgabe 793 , dass die Wissenschaftler zwischen dem Hatschepsut-Obelisken und dem "Nordschrein" Thutmosis' III:  zum Einen eine Fayence-Kartusche von Königin Hatschepsut und Tuthmosis' II. sowie eine größere Anzahl von Krügen und Werkzeugen (Meissel und Äxte) gefunden hätten und zum Anderen im Fundament der Kapelle Thutmosis' III. 125 Fayence-Kartuschen dieses Pharaohs und neun weitere aus Gold. Die Beschreibung lässt auf Gründungsdepots schließen. Weshalb damit allerdings untermauert werden soll, dass Thutmosis III. den Obelisken der Hatschepsut nicht "versteckt", sondern ihr sogar bei dessen Errichtung geholfen hat, kommt in dem Artikel nicht so recht zu Ausdruck.



17.05.2006

Auf der Suche nach einem Königspalast

Seit vielen Jahrzehnten graben tschechische Archäologen in Ägypten, unter ihnen auch der bekannte Wissenschaftler Miroslav Verner, dessen Grabungsmission in Abusir angesiedelt ist. Er hat dort bereits einige wichtige Funde gemacht, ist jedoch davon überzeugt, dass in Abusir noch viel mehr unter dem Wüstensand schlummert. Man möchte nun neue Grabungsprojekte in Angriff nehmen:

- die Pyramidenstadt "Ba Neferirkare", die inschriftlich bezeugt ist
- eine 5.000 Jahre alte Residenz, Sitz der Verwaltung, die sich in der Nähe des Sees von Abusir befinden könnte
- den Palast des Königs Sahure, der ebenfalls inschriftlich bezeugt ist mit dem Namen "Erhaben ist die Schönheit des Sahure"

Es bleibt nichts weiter, als den tschechischen Archäologen Forscherglück zu wünschen und gespannt auf die Ergebnisse zu warten. Sollten sie fündig werden, wäre das sensationell.

Quellen
radio.cz
praguemonitor.com



17.05.2006
Tut-anch-Amuns edelstes Teil gefunden

Kürzlich ging eine Schlagzeile durch die Presse: "Found! King Tut's Penis". Es ging darum, dass der Penis des Königs verloren geglaubt war, obwohl er auf alten Fotos von Harry Burton, Fotograf von Howard Carter, noch zu erkennen ist. Mir ist nicht klar, weshalb diese Meldung jetzt als Sensation durch die Presse geht, obwohl seit einem Jahr bekannt ist, dass sich einige Teile der Mumie, darunter auch der Penis, in dem die Mumie umgebenden Sand befinden. Dies geht eindeutig aus dem CT-Untersuchungsbericht hervor, den Zahi Hawass am 08.03.2005 auf seiner Homepage veröffentlichte. Es war wohl mal wieder Zeit für ein wenig Publicity.

Nur eine von vielen Quellen
abc.net



17.05.2006

Rosetta bekommt ein neues Museum

Wie der Egypt State Information Service Anfang Mai meldete, soll in Rosette, dem Fundort des berühmten Steins von Rosette, eine neues Museum, das Rosetta National Museum, eingeweiht werden. Es befindet sich in einem Gebäude namens Arab Kulli House, das im frühen 18. Jahhundert von einem türkischen Händler bewohnt wurde, der ihm auch seinen Namen verlieh. Im 1. Stockwerk wird eine originalgetreue Kopie des Steins von Rosette ausgestellt werden, die das British Museum - dort befindet sich das Original - zur Verfügung stellt. Rund um den Stein wird es Informationen über die Geschichte des Stückes geben. Eigentlich gehört der Stein zu den Artefakten, die Ägypten gern in Land zurückholen möchte. Es fragt sich, ob man von diesem Vorhaben nun Abstand nimmt.



02.05.2006

Zahi Hawass in den Top 100 des Time Magazin

"Menschen, die unsere Welt gestalten" lautet eine Überschrift der jüngsten Online-Ausgabe des Time Magazin. Gemeint sind die auserwählten Top 100, die dort nach Rubriken aufgelistet sind. Unter den Scientists & Thinkers fand auch der Chef der ägyptischen Antikenverwaltung, Dr. Zahi Hawass, seinen Platz.