ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Mai 2009
31. Mai 2009
Fälschung und Original?



Abb. 1
"Klappaltar", Ägyptisches Museum Kairo, JE 44865

Abb. 2
Altarbild mit königlicher Familie, Ägyptisches Museum Berlin , 14145


Nach Lektüre des von der BZ (siehe unten Beitrag vom 27.05.2009) herangezogenen Artikels aus der Printausgabe Nr. 22 des SPIEGEL, der sich wiederum auf einen Beitrag in der Zeitschrift KMT beruft, ist es mir nun möglich, die dort aufgeführten Details zu zitieren, die laut Rolf Krauss als Indizien für eine Fälschung sprechen:
  • Einlässe für Flügeltüren aus Holz sonst in Ägypten nicht belegt
  • Hieroglyphe "Wahrheit" (mAat) viermal falsch geschrieben
  • Pharao als Linkshänder Verstoß gegen ägyptische Ikonografie
  • Beschenkung der Tochter mit goldenen Halskragen unrealistisch, da dieser Schmuck nur von Beamten getragen wurde (Anm: Echnaton hält keinen Halskragen, sondern einen Ohrring in der Hand)
  • Verwitterung des gelben Hintergrundes nach Farbanalysen nur vorgetäuscht
  • normal große statt stiltypisch übergroßer Köpfe der Amarna-Zeit
  • Nofretete schützt unsinnigerweise älteste (stehende) Prinzessin statt des Kindes auf den Knien
  • Nofretetes Fußkissen ist niedriger als Echnatons; dafür (angeblich) keine Parallelen in Ägypten
  • "Heils-Hieroglyphe" (wAs), an einem Sonnenstrahl Atons hängend, zur Zeit Echnatons verboten
Über diese Indizien kann man sicher kontrovers diskutieren. Derartige Altarbilder standen in den Privathäusern von Amarna; es gibt für sie generell keine anderweitigen Parallelen. Belege dazu, wo sie hergestellt wurden - ob von Steinmetzen in königlichen Werkstätten oder von Laien im "heimischen Hof" - gibt es bisher nicht. Vielleicht darf man die Erwartungen hinsichtlich der offiziellen Ikonografie daher nicht zu hoch ansetzen.

Vorbild für den als Fälschung angesehenen "Klappaltar" (Abb. 1 - leider sehr unscharf, hier ein Teilausschnitt von besserer Qualität ) soll das Berliner Altarbild (Abb. 2) gewesen sein, das sich schon seit 1898 in Berlin befunden haben soll. Das Altarbild stammt aus dem Antiquitätenhandel und wurde 1924 von Günter Roeder publiziert (Ägyptische Inschriften, Zweiter Band).

Neben Christian Loeben äußert sich ein weiterer Ägyptologe zu der Angelegenheit, Martin von Falck. Der SPIEGEL zitiert ihn mit den Worten: "Krauss nennt überzeugende Gründe, um das Abbild stark in Zweifel zu ziehen." Der Direktor des Ägyptischen Museums Berlin, Dietrich Wildung, zeigt sich angesichts der Behauptungen verärgert.

An dem Ausgräber der Nofretete, Ludwig Borchardt, lässt der SPIEGEL-Artikel kein gutes Haar. Beim Lesen gewinnt man den Eindruck, als hätte der Umgang mit kriminellen Elementen ganz selbstverständlich zu seinen alltäglichen Gepflogenheiten gehört. Für halbherzige Recherche spricht die Aussage "Sein (Borchardts) Haus in Kairo, gelegen auf der luxuriösen Nilinsel Zamalek, ist heute ein Archiv", in dessen Keller Tausende vor Privatbriefen unter Verschluss gehalten würden. Letzteres vermag ich nicht zu beurteilen. Bei dem "Archiv" jedoch handelt es sich um den Sitz des renommierten Schweizerischen Instituts für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde, eng verbunden mit der Ludwig Borchardt-Stiftung in Schaffhausen und gemeinsam mit dem Deutschen Archäologischen Institut Kairo aktuell an verschiedenen Grabungsprojekten beteiligt. Ludwig Borchardt war Halbjude und seine Ehefrau Mimi entstammte der jüdischen Familie Cohen aus Berlin. Aus nachvollziehbaren Gründen überließ er in den frühen 1930er Jahren sein eigenes Institut, das er nach seiner Pensionierung in seinem Haus in Kairo betrieb, der Schweiz - einschließlich der umfangreichen Bibliothek. Nach Angaben des Schweizer Orientalisten Arnold Hottinger in seinem Buch "Islamische Welt" erhielt er im Gegenzug einen Schweizer Pass. Die Urne mit Borchardts Asche - er starb 1938 laut Hottinger in der Schweiz, nach anderen Quellen in Paris - wurde im Garten des Instituts beigesetzt.

28. Mai 2009
Teile eines Isis-Tempels in Florenz gefunden
Bei Ausschachtungsarbeiten im Gerichtsgebäude von Florenz stieß man in einer Tiefe von knapp vier Metern auf eine gewundene Säule und Hunderte von farbigen Fragmenten. Nach Ansicht von Fachleuten dürfte es sich dabei um Reste eines Isis-Tempels aus dem 2. Jahrhundert n.Chr. handeln. In der näheren Umgebung des Gerichtsgebäudes waren während der letzten 300 Jahre bereits ähnliche Funde gemacht worden. Wo genau sich der Tempel befunden hat, konnte bisher jedoch nicht festgestellt werden.
ansa

27. Mai 2009
Nofretete im Boulevardblatt BZ
In einem Online-Artikel vom 24.05.2009 der Berliner Boulevardzeitung BZ wird der Leser unter der Headline "Verliert Berlin Nofretete?" mit einer weiteren, bisher eher wenig bekannten Nofretete-Story unterhalten. Zitiert wird ein Artikel in der jüngsten Printausgabe des SPIEGEL. Bei der Fundteilung aus der Borchardt'schen Grabung wurde die Büste der Königin dem Ausgräber bzw. seinem Finanzier zugeschlagen und ein sogenannter Klappaltar dem ägyptischen Antikendienst. Das Blatt schreibt, dies sei 1913 in einem "Tausch" geschehen. Bei dem Klappaltar soll es sich nach Aussage des Ägyptologen Rolf Krauss um eine von Borchardt eigens in Auftrag gegebene Fälschung handeln. Auch der Leiter der Ägyptischen Sammlung des Kestner-Museums in Hannover scheint sich dieser Meinung anzuschließen. Zitat BZ: Spekulationen, die auch Christian Loeben, Leiter der Ägyptischen Sammlung im Museum Hannover, unterstützt: Das Relief sei ein "in betrügerischer Absicht gefertigter Stilmischmasch", so der Wissenschaftler im "Spiegel".

Woran die Beurteilung als Stilmischmasch festgemacht wird, geht aus dem BZ-Artikel leider nicht hervor. In dieser Form spricht die Aussage allerdings eher gegen eine Fälschung. Der betrügerische Fälscher hätte sich - wäre er einigermaßen intelligent gewesen - sicherlich alle Mühe gegeben, um den ägyptischen Antikendienst mit einem stilistisch nach authentischen Vorbildern gefertigten Stück zu überlisten. Immerhin war die Stilistik der Amarna-Kunst zu dieser Zeit bereits bestens bekannt. Schon Lepsius hat sie während seiner Expedition in den 1840er Jahren zeichnen lassen und bereits seit den 1820ern erfolgten in Tell el-Amarna die ersten Forschungen und Grabungen (u.a. auch vom ägyptischen Antikendienst selbst) mit Funden, die als Vorlagen gut geeignet gewesen wären. Ohne weitere detaillierte Informationen sollten daher die neuen "sensationellen" Enthüllungen zunächst besser mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden.

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Dr. Michael Schwarz
26. Mai 2009

Die Wissenschaft vom Alten Orient stärken

Prof. Markus Hilgert vom Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Heidelberg zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Orient-Gesellschaft gewählt

Im Rahmen der Mitgliederversammlung der Deutschen Orient-Gesellschaft, die kürzlich im Pergamon-Museum in Berlin stattfand, ist der Heidelberger Professor für Assyriologie, Dr. Markus Hilgert, zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Orient-Gesellschaft gewählt worden. Hilgert tritt damit die Nachfolge von Professor Hans Neumann (Münster) an, der die Gesellschaft seit 2003 geführt hatte und nun stellvertretender Vorsitzender ist. Alle übrigen Mitglieder des Vorstands wurden in ihrem Amt für weitere drei Jahre bestätigt.

"Meine besondere Aufmerksamkeit gilt nicht nur einer Stärkung der Wissenschaft vom Alten Orient unter den sich stetig wandelnden
wissenschafts- und bildungs-politischen Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik, sondern auch der humanitären und kulturpolitischen Situation in denjenigen Ländern, mit denen die Deutsche Orient-Gesellschaft wissenschaftlich kooperiert, wie etwa der Irak.", sagte Hilgert mit Blick auf seine Ziele als Vorsitzender.

Die Deutsche Orient-Gesellschaft wurde 1898 in Berlin gegründet. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Forschungen auf dem Gebiet der orientalischen Altertumskunde zu fördern und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Zu den herausragenden
wissenschaftlichen Aktivitäten der Gesellschaft zählen etwa archäologische Ausgrabungen in Assur, Babylon, Hattuscha und Uruk
sowie deren wissenschaftliche Aufarbeitung.

Anmerkung:
Mit Mitteln der DOG, gegründet u.a. von James Simon, wurden - neben anderen Projekten - auch die Grabungen von Ludwig Borchardt in Ägypten (Abusir, Abusir el-Meleq, Tell el-Amarna) finanziert - siehe auch Geschichte der DOG.

Kontakt:
Prof. Markus Hilgert
Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients
Tel. 06221 542966
markus.hilgert@ori.uni-heidelberg.de

Rückfragen von Journalisten bitte an:
Universität Heidelberg
Kommunikation und Marketing
Dr. Michael Schwarz, Pressesprecher
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311
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25. Mai 2009
Update zu den Funden von Tell el-Dab'a
Zu dem in einem Brunnen des Hyksos-Palastes gefundenen Keilschrifttafelfragment gibt die Assyrologin Karen Radner eine vorläufige Analyse: Der Duktus ist südmesopotamisch, wahrscheinlich babylonisch, die Schrift ist rein akkadisch. Die Tafel lässt sich in die letzten 50 Jahre des altbabylonischen Reichs datieren.“ Dieses endete zirka 1550v.Chr. mit der Eroberung durch die Hethiter. So belegt das Schriftstück die diplomatischen Beziehungen der Hyksos-Herrscher ins Zweistromland. Offenbar ist es der Brief eines befreundeten Königs. Leserlich ist allerdings nur ein Wort: anok = ich. Es ergeben sich zudem Parallelen zu einer Löwenskulptur aus der Zeit des Chayan; sie trägt den Namen dieses Hyksos-Herrschers und könnte ein Geschenk von einem Königshaus zum anderen gewesen sein. Bei der innerhalb der Palastmauern bestatteten Stute handelt es sich nach Meinung der Wiener Archäologen nicht um ein Zugtier, sondern wahrscheinlich eher - wie bereits in der Pressemeldung zu lesen - um das Lieblingstier des Chayan. Der Hyksos-Palast von Tell el-Dab'a soll komplett ausgegraben werden. Nach Aussage von Manfred Bietak liegen unter dem Palast noch Strukturen aus früherer Hyksos-Zeit. Man fand in dieser Schicht bisher u.a. metallurgische Öfen und den Deckel eines Alabastergefäßes der Prinzessin Sit-Hathor aus der 12. Dynastie, wahrscheinlich Raubgut der Hyksos.

Eine Publikation zu den Funden  in der Zeitschrift "Ägypten und die Levante" ist in Vorbereitung. Sie werden auch in den Forschungsbereich SCIEM 2000 einfließen, der sich mit der Synchronisation von Funden, Befunden und Daten beschäftigt, um die Chronologie Ägyptens und der Levante eindeutiger zu bestimmen (siehe auch Meldung vom 23.06.2008 "Bimsstein als Zeitzeuge").

diepresse
wissenschaft-aktuell
Grabungsseite Tell el-Dab'a

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Universität Wien, Alexandra Frey
25. Mai 2009

Sensationelle Ausgrabung: Ältestes ägyptisches Keilschriftdokument gefunden

Ägyptologe der Universität Wien erforscht asiatische Herrschaft im Pharaonenland

Im 17. Jahrhundert v. Chr. geriet Ägypten in die Abhängigkeit einer fremden Dynastie aus Vorderasien: Die Hyksos eroberten vom nordöstlichen Nildelta aus ganz Ägypten. Die Hauptstadt dieser Fremddynastie wurde von Manfred Bietak, Ägyptologe an der Universität Wien, bereits 1966 auf einem Ruinenhügel namens Tell el-Dab'a im Nordosten Ägyptens entdeckt. 2005 fanden Bietak und sein Team schließlich einen ausgedehnten Palastbezirk der Hyksos-Zeit. Heuer im Frühjahr stießen sie auf sensationelle Funde: Das älteste ägyptische Keilschriftdokument und eine im Palast bestattete Pferdestute.

Bisher ist nicht viel über Herkunft, Kultur- und Ereignisgeschichte der Hyksos in Ägypten bekannt. Sie regierten zwischen 1640 und 1530 v. Chr. von ihrer Hauptstadt Auaris im östlichen Nildelta aus Ägypten, bis die Pharaonen der 17./18. Dynastie die Hyksos besiegten und die Hauptstadt eroberten. Univ.-Prof. Dr. Manfred Bietak, Vorstand des Instituts für Ägyptologie der Universität Wien und Gründer des Österreichischen Archäologischen Instituts in Kairo, arbeitet gemeinsam mit Dr. Irene Forstner-Müller und einem großen Team seit 2005 an der Freilegung dieses vorderasiatischen Herrschersitzes der Hyksos. Bei den diesjährigen Untersuchungen konnte ein weitreichendes Areal der ca. 10.000 Quadratmeter großen Palastanlage freigelegt werden. Zur Überraschung der ForscherInnen entspricht der Palast nicht dem Plan eines ägyptischen Palastes, sondern reiht sich architektonisch unter die Königspaläste aus Syrien ein - dem Ursprungsland der Hyksos.

Eine Tontafel, ein Pferd und ein Palast



Fragment einer babylonischen Keilschrifttafel
©Österreichisches Archäologisches Institut (ÖAI) Kairo
Quelle: IDW
Skelett einer im Palast bestatteten Pferdestute
©Österreichisches Archäologisches Institut (ÖAI) Kairo
Quelle: IDW

Im Zuge der Freilegung des Hyksos-Palastes machten die ForscherInnen
Sensationsfunde: In der Füllung des Palastbrunnens der mittleren bis späten Hyksoszeit fanden sie das Fragment einer babylonischen Keilschrifttafel aus den letzten Dezennien des Altbabylonischen Reiches (1600 - 1550 v. Chr.). "Es handelt sich dabei um das bisher älteste Keilschriftdokument in Ägypten und belegt die unerwartet weit reichenden diplomatischen Beziehungen der Dynastie der Hyksos", erklärt Manfred Bietak. Der Fund ist die "Krönung" für den soeben sehr positiv vom FWF evaluierten und von Manfred Bietak geleiteten Spezialforschungsbereich "SCIEM 2000", der die Synchronisierung der Hochkulturen zum Thema hat. Eine weitere Überraschung war der Fund einer im Palast bestatteten Pferdestute, möglicherweise das Lieblingstier des Hyksos Chayan. Dabei handelt es sich um die bisher älteste entdeckte Pferdebestattung in Ägypten.

Kontakt:
O. Univ.-Prof. Dr. Manfred Bietak
Vorstand des Instituts für Ägyptologie
Universität Wien
1090 Wien, Frankgasse 1
T +43-1-4277-431 03
manfred.bietak@univie.ac.at

Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at

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20. Mai 2009
Neue Methode zur Datierung von Keramik
Die Universität Manchester hat offenbar eine neue und noch dazu kostengünstige Methode zur Altersbestimmung von Keramik entwickelt. Allerdings bezieht sich diese derzeit auf Stücke, die aus gebranntem Ton gefertigt und nicht älter als 2.000 Jahre sind. Man ist aber zuversichtlich, sie auch auf ältere Objekte anwenden zu können. Bei dem Verfahren macht man sich eine Eigenschaft von gebranntem Ton, nämlich die Aufnahme von Wasser im Laufe der Zeit, zunutze. Nach einer Wärmebehandlung lässt sich die Wassermenge bestimmen, die wiederum Auskunft über das Alter des Objekts geben soll. Über die Genauigkeit der Methode ist bisher noch nichts Näheres bekannt. Nach Testergebnissen lag sie bei einem Ziegel aus dem Jahr 1690 bei +/- 22 Jahren.
epoc
royalsociety
news.bbc

17. Mai 2009
"Geheimnis" der Cheops-Pyramide soll in Kürze enthüllt werden
SCA-Chef Zahi Hawass kündigte auf einem Symposium in Turin an, dass am 26.07.2009 ein von den Universitäten Hongkong und Manchester entwickelter Roboter in der Cheops-Pyramide zum Einsatz kommen soll, offensichtlich um den bereits im September 2002 in einem großen Spektakel untersuchten Südschacht der sogenannten Königinnenkammer weiter zu erforschen. Nach einem seinerzeit mit einer endoskopischen Kamera visuell überwundenen Blockierstein setzte eine zweite Blockierung der Untersuchung ein Ende. Hier soll nun scheinbar die Arbeit fortgesetzt werden.
Egypt State Information Service
Artikel von der Hawass-Homepage

15. Mai 2009
Nippes aus dem alten Rom - Neutronen im Dienst der Archäologie
Unter diesem Titel publiziert der Informationsdienst Wissenschaft eine Pressemitteilung der Technischen Universität München. Es geht dabei um die Untersuchung einer römischen Statuette mittels Neutronen-Tomographie. Das Ergebnis zeigt genaue Details hinsichtlich der Herstellungsmethode der Statuette - eine antike Massenproduktion. Diese Untersuchungsmethode könnte durchaus auch für spezielle Fälle aus dem Bereich der Ägyptologie interessant sein.
idw-online

12. Mai 2009
Prähistorische und frühdynastische Funde am Karun-See
Bei Grabungen nördlich des Karun-Sees in der Oase Fayoum stießen ägyptische Ausgräber auf Stücke aus prä- und frühdynastischer Zeit. Archäologische und paläontologische Funde (diverse Fossilien) weisen gar auf eine weit frühere Zeit hin; ihr Alter wird mit 40 Mio. Jahren angegeben. Aus späterer, aber ebenfalls prähistorischer Zeit fand man Speerspitzen, Jagdgerät zum Fischen, Schmuck, eine Ahle aus Tierknochen und Granit - ein Hinweis auf sehr frühe Lederverarbeitung - sowie ebenfalls aus Knochen gefertigtes medizinisches Gerät. Auch zeitgenössische Wohnhöhlen konnten freigelegt werden. Das Areal weist Artefakte aus allen Perioden der ägyptischen Geschichte bis in die islamische Zeit auf. Einer der wichtigsten Funde jedoch ist ein Block, der offensichtlich den Namen oder eine Abbildung des frühdynastischen Königs Skorpion (Dynastie "0") zeigt. Es ist geplant, am nördlichen Ufer des Karun-Sees Hotelanlagen zu errichten. Dies erfordert im Vorfeld umfangreiche archäologische Untersuchungen des Geländes, um der Zerstörung von unwiederbringlichen historischen Relikten vorzubeugen.
AFP
Pressemitteilung Zahi Hawass
derstandard

11. Mai 2009
Mehr als hundert archäologische Stätten warten auf Ausgräber
Der Egypt State Information Service zitiert in einer Pressemeldung Ägyptens Kulturminister Faruk Hosni, der zufolge noch 132 archäologische Areale darauf warten, wissenschaftlich bearbeitet zu werden. Die Aussage beruht auf Satellitenaufnahmen, denen dieser Befund zu entnehmen ist. Der Survey per Satellit resultiert aus einem gemeinsamen Projekt von verschiedenen ägyptischen Institutionen.

10. Mai 2009
Marmor-Statue in Alexandria freigelegt
Griechische Archäologen fanden in den Schallalat Gardens nahe einer von Mohamed Ali errichteten Befestigungsanlage eine Marmorstatue, die man offensichtlich für ein Abbild Alexanders des Großen hält. Die Statue ist 80 cm groß und wurde in einer Grabungstiefe von 8 m freigelegt. Sie ist allerdings nicht unbeschädigt, es fehlen Teile der Arme und Beine; der linke Arm fehlt vollständig, so dass eine metallene Befestigung oder Armierung sichtbar wird. Kopf und Gesicht seien verhältnismäßig gut erhalten, sagt Grabungsleiterin Limneou-Popakosta. Um das lockige Haar ist ein Stirnband gelegt, der in den Nacken gelegte Kopf und die nach oben gerichteten Augen zeugen von einer heroischen Haltung. SCA-Chef Hawass bezeichnet diesen Fund als außerordentlich wichtig; auf dem Gelände hätten sich einst der Thron(saal?), der Garten des königlichen Palastes und die berühmte alexandrinische Bibliothek befunden. In den Schallalat Gardens befindet sich noch heute ein Teil einer hellenistischen Verteidigungsmauer.
Egypt State Information Service
webnewswire
Al-Ahram Weekly (mit Fotos, auch von den oben erwähnten Funden vom Karun-See)

07. Mai 2009
Erkenntnisse zu den ägyptischen Festungsanlagen auf dem Sinai
Ausgehend von einer auf dem Sinai freigelegten Festung (Tharu, siehe auch frühere Meldungen, zuletzt am 22.04.2009) wird es vielleicht möglich sein, weitere Anlagen dieser Art, von dem die Ägypter im Nordosten ihres Landes ein ganzes Netz errichtet hatten, ausfindig zu machen. Nach Inschriften im Karnak-Tempel soll sich in der Nähe ein weiteres Fort befunden haben, das an der Tharu gegenüberliegenden Seite eines heute völlig verschwundenen Nilarms gelegen haben soll. In Tharu wurden Seemuscheln aus dem Mittelmeer gefunden, die dem Baumaterial (Nilschlamm) wahrscheinlich eine höhere Festigkeit verleihen sollten. Die Mittelmeerküste ist heute 15 km von Tharu entfernt. Die Sinai-Festungen - Tharu konnte 50.000 Soldaten beherbergen - waren wahrscheinlich gebaut worden, um sie zunächst als Basis im Zusammenhang mit der Vertreibung der Hyksos zu nutzen. Später erlangten sie eine herausragende Bedeutung für die Feldzüge der Pharaonen des Neuen Reichs, die diese in die Levante und auch darüber hinaus führten.
reuters

07. Mai 2009
Schön, geheimnisvoll, skandalumwittert: Nofretete

Es bleibt selbst Nofretete nicht erspart, Schlagzeilen in der Manier eines modernen Popstars über sich ergehen lassen zu müssen - ohne sich allerdings wie diese dagegen wehren zu können. Wie am 04.04.2009 gemeldet, bezweifelt der Schweizer Autor Henri Stierlin in seinem jüngsten Buch die Echtheit der Berliner Büste der schönen Königin und sorgt damit für gehörigen Medienwirbel. Kaum verwunderlich, dass ein anderer Autor, der sich bislang nicht eben durch wissenschaftliche Seriosität hervorgetan hat, auf diesen Zug aufspringt - berücksichtigt man das Aufmerksamkeitspotenzial einer solchen Story. Der Direktor des Ägyptischen Museums Berlin, Dietrich Wildung, ist trotzdem alles andere als beunruhigt; er bezeichnet das Ganze als Unfug. Den Medienrummel aber sieht er als exzellente Werbung für die Ägyptologie. Auch SCA-Chef Hawass hat zwischenzeitlich seine Meinung zu diesem Thema kundgetan: Stierlin sei kein Historiker, er fantasiere.
tagesanzeiger
morgenpost
spiegel
earthtimes
alarabiya


01. Mai 2009
Hapi-Men und sein Hündchen
Bei der CT-Untersuchung der 2.300 Jahre alten Mumie des Hapi-Men stellten die Mitarbeiter der Universität von Pennylvania fest, dass sich zu ihren Füßen ein kleines Bündel befand. Wie sich herausstellte, handelt es sich um einen kleinen Hund, den der Verstorbene offenbar auch im Jenseits um sich wissen wollte. Erstaunlich ist jedoch, dass es sich bei dem Hündchen, das noch jung war und sicher keines natürlichen Todes starb, um eine Rasse handelt, die bisher aus dem alten Ägypten nicht bekannt ist; Darstellungen zeigen meist Windhunde oder kleinere Rassen, die Ähnlichkeiten mit Corgies aufweisen. "Hapi-Puppy", wie die kleine Hundemumie genannt wurde, scheint eine Art Terrier gewesen zu sein. Hapi-Men war bei seinem Tod über 40 Jahre alt; man stellte fest, dass sich eine Anzahl von Amuletten (Herzamulette, Skarabäen, eine Isis-Figur) an seinem Körper befindet.
Dass der kleine Hund sein Leben lassen musste, hat wenig mit mangelnder Tierliebe zu tun - im Gegenteil. Für die alten Ägypter war das Leben nur ein kurzer Abschnitt ihres Daseins. Der wesentlich wichtigere Teil was das Fortleben im Jenseits, eine Anschauung, in die manchmal auch geliebte Haustiere einbezogen wurden.
examiner
msnbc
discovery
upenn (Pensylvania University)