ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Mai 2010

30. Mai 2010
Grab des Ptahmes wiederentdeckt
Die Lage des Grabes des Bürgermeisters von Memphis und Armeechefs zur Zeit Ramses' II., Ptahmes, in Saqqara war im 19. Jahrhundert noch bekannt, geriet jedoch später in Vergessenheit und die Anlage verschwand wieder unter dem Wüstensand. Bei der ersten Entdeckung im Jahre 1885 wurden diverse Artefakte aus dem Grab entwendet, die in verschiedenen Museen in Holland, den USA, Italien und Ägypten landeten. Diese Stücke waren bisher die einzigen Hinweise, dass das Grab existiert. Nun gelang es Archäologen, die Begräbnisstätte wiederzufinden.
npr (mit Fotos: Grabanlage, Opfertafel, Inschrift mit Namen des Gabinhabers, unvollendete Stele)
news.search
dawn



27. Mai 2010
Alte Delta-Metropolen sollen geschützt werden
Der SCA wird den alten Städten der Delta-Region besonderen Schutz zukommen lassen. Besonders erwähnt werden in diesem Zusammenhang die Provinzen Sharqiya, Kafr el-Sheikh und Garbiya. Abgewehrt werden sollen Zerstörungen durch Abwasserkanäle und Grundwasser, wobei Ausgrabungsstätten besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden soll.
Egypt State Information Service



26. Mai 2010
Fertigstellung der ersten und zweiten Bauphase des Egyptian Grand Museum

Präsidentengattin Suzanne Mubarak wird am 27.05.2010 die abgeschlossenen Projekte der ersten und zweiten Bauphase übergeben. Darin enthalten sind der Unterbau, die Einsetzung des World Center of Restoration, zwei Kraftwerke und ein Wasserwerk. Die dritte und letzte Bauphase wird laut Kulturminister Hosni 26 Monate in Anspruch nehmen bis zur Eröffnung Mitte 2012.
Egypt State Information Servie



24. Mai 2010
Zu den Ausgrabungen in Lahun

Im Nachgang zu den Pressemitteilungen des SCA hat die in el-Lahun tätige Grabungsmission des Museum of Fine Arts, Budapest, ihren Blog aktualisiert und veröffentlicht einen kleinen, mit Fotos illustrierten Report zu den Ergebnissen ihrer Arbeiten am zerstörten Tempel Sesostris' II. Die ungarischen Wissenschaftler stießen dort, wie schon im Beitrag vom 23.05.2010 mitgeteilt, auf vier Gründungsdepots. An den vier Ecken des Tempels waren von den Erbauern Schächte in den Fels gehauen und mit einem Verschlussystem ausgestattet worden. Jeder Schacht enthielt eine große Zahl von Krügen (hauptsächlich Bierkrüge mit Verschlüssen) sowie Keramikminiaturen, zwei Miniaturziegel, eine weiß gestrichene Holzplatte, den kompletten Kopf eines rituell geschlachteten Ochsen und dessen möglicherweise absichtlich gebrochenes Vorderbein; auch eine außerordentlich feine Feuersteinklinge - wahrscheinlich benutzt für die rituelle Schlachtung - ist unter den Funden.
lahun.blogspot



23. Mai 2010
Nekropolen in Lahun freigelegt
In Lahun knapp 100 km südwestlich von Kairo stießen ägyptische Archäologen auf 45 Gräber unterschliedlicher Epochen. In den Grabstätten fanden sich dekorierte Särge, die offenbar unberührt sind; die darin befindlichen Mumien sind noch erhalten. Ein Grab aus der 18. Dynastie enthielt zwölf übereinander gestapelte Holzsärge. Die freigelegten Friedhöfe datieren in die 1. und 2. Dynastie, das Mittlere Reich sowie ins Neue Reich und in die Spätzeit. Eines der Gräber enhielt noch die komplette Grabausstattung, einen Holzsarg sowie die in weißes Leinen gehüllte Mumie.
Außer den Nekropolen wurden an den vier Ecken eines Tempels Sesostris' II. Schächte gefunden, in denen sich größere Mengen Keramik befanden. Der Fund dieser Gründungsdepots durch ein ungarisches Archäologenteam erfolgte bereits Ende 2009.
washingtonpost
npr
drhawass.com
(alle Artikel mit Abbildungen)



23. Mai 2010
Nofretete und die große Politik

Bei dem Besuch von Außenminister Guido Westerwelle in Ägypten scheint es den Medienberichten zufolge nicht zur Übergabe der offiziellen Rückgabeforderung der Nofretete-Büste gekommen zu sein. Ein Thema war das Objekt der Begierde offensichtlich trotzdem. Der deutsche Außenminister ließ verlauten, dass der Disput um die Rückgabe die Beziehungen zwischen Deutschland und Ägypten nicht belaste. Er schloss sich ausdrücklich der Argumentation an, dass die Büste legal nach Deutschland gelangt und außerdem wegen ihrer Zerbrechlichkeit nicht reisetauglich sei.
focus
freiepresse
AP



Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Eberhard Karls Universität Tübingen
21.05.2010
Internationale Tagung zu Tempelbau und Tempelkult in der Levante

Vom 28. bis 30. Mai 2010 findet an der Universität Tübingen eine große internationale Tagung zu den monumentalen Stadttempeln des 2. und 1. Jahrtausends v. Chr. in Palästina und in Westsyrien statt. Die Tübinger Tagung wird vom Biblisch-Archäologischen Institut an der Evangelisch-Theologischen Fakultät ausgetragen, das vor 50 Jahren an der Universität Tübingen als das erste und einzige seiner Art in Deutschland gegründet wurde. Zu der Tagung werden insgesamt 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet. Die Konferenz ist öffentlich, sie wird gefördert durch die Gerda Henkel Stiftung und durch den Tübinger Universitätsbund.
Kult war im Alten Orient allgegenwärtig. Religiöse Handlungen durchzogen das Leben der Menschen. Kultstätten prägten als besondere Bauwerke die altorientalischen Siedlungen und Landschaften. Unter den vielen verschiedenen Formen von Kultstätten ragt eine Gruppe hervor: die monumentalen Haupttempel in städtischen Zentralorten, die eng mit den lokalen Herrschaftssystemen verbunden waren. Auch der Tempel von Jerusalem zählte zu den Stadttempeln des Vorderen Orients. Die Tübinger Tempeltagung behandelt die Bedeutung der Stadttempel für die verschiedenen Religionen des 2. und 1. Jahrtausends in der Levante vom nordwestlichen Syrien bis nach Palästina. Wie haben diese Tempelhäuser ausgesehen? Welche Kulthandlungen fanden hier statt und welche Geräte hat man dazu verwendet? Im Mittelpunkt der Tagung stehen neue und zum Teil spektakuläre archäologische Forschungen zu den Tempelgebäuden und zu ihrer kultischen Ausstattung. Ausgräberinnen und Ausgräber aus vielen Ländern werden über ihre Forschungsresultate berichten.
Der Tempel von Jerusalem ist ein wichtiges Thema der Biblischen Archäologie. Für dieses wissenschaftliche Fach, das auch Palästina- Archäologie genannt wird, wurde im Jahre 1960 an der Evangelisch- theologischen Fakultät ein eigenes Institut gegründet: das Biblisch- Archäologische Institut (BAI), das mit der Tagung sein fünfzigjähriges Bestehen feiert.

Weitere Informationen zur Tagung: www.bai.uni-tuebingen.de

Programm

Kontakt:
Prof. Dr. Jens Kamlah
Biblisch-Archäologisches Institut der Universität Tübingen
Liebermeisterstraße 12-14
72076 Tübingen
Tel.: 07071 2972879 - Email: jens.kamlah@uni-tuebingen.de

Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - http://idw-online.de



19. Mai 2010
Tutanchamuns Mumienbinden

Für ein Jahrhundert waren leinenen Mumienbinden vom Begräbnis des Königs in einer Sammlung von Keramikgefäßen in der ägyptischen Abteilung des New Yorker Metropolitan Museum of Art mehr oder weniger übersehen worden. Nun werden sie im Rahmen einer Ausstellung dem Publikum vorgestellt. Es handelt sich um Leinenbinden mit einer Länge von bis zu 4,70; 50 Stücke von schmalen Binden waren speziell für Tutanchamun angefertigt worden. Bei dem Material handelt es sich um Reste, die bei der Mumifizierung keine Verwendung fanden. Sie wurden in Keramikkrüge verpackt und zusammen mit anderen Überbleibseln aus dem Balsamierungsprozess nicht weit entfernt vom Grab Tutanchamuns gesondert bestattet (in KV 54). Hier fand sie in den Jahren 1907/1908 der im Auftrage des New Yorker Anwalts Theodore M. Davis tätige Archäologe Herbert E. Winlock. Für den damaligen Geschmack handelte es sich dabei um einen unspektakulären Fund, dem man keine große Bedeutung beimaß. Eines der Leinenfragmente trägt das Herstellungsdatum, nämlich Jahr 8 des Königs. Die Herstellung datiert somit in das letzte Regierungsjahr Tutanchamuns.
news.discovery (mit Foto des beschrifteten Fragments)



16. Mai 2010
Weiterer Fund in Kom el-Hettan

Auf dem Gelände des Gedächtnistempels Amenophis' III. in Theben-West wurde wiederum eine Statue entdeckt. Anlässlich der vom SCA durchgeführten Entwässerungsarbeiten stieß man auf ein 3,5 m hohes Abbild des Thot als Pavian. Aufgrund eines ähnlichen früheren Fundes ganz in der Nähe wird nicht ausgeschlossen, dass sich hier einst eine "Thot-Allee" befand.
drhawass.com
msnbc
Jane Akshars Newsblog


15./19./21. Mai 2010
Nofretete...

Zahi Hawass erklärte in den Medien mehrfach rundheraus, man werde nicht mehr diskutieren, sondern Deutschland "in der nächsten Woche" (d. i. die Woche vom 17. bis 23.05.2010) das offizielle Ersuchen über die Rückgabe der Büste übermitteln, wobei derzeit lediglich noch am Wortlaut gefeilt würde. Die Reaktion der Bundesregierung erfolgte am 19.05.2010 in Form einer offiziellen Presseerklärung, der zu entnehmen ist, dass sich an der Meinung des Bundes nichts geändert hat. In der aktuellen Presse ist nun zu lesen, dass bis zum 21.05.2010 die offizielle Rückforderung der Ägypter ihren Adressaten in Deutschland nicht erreicht habe. Allerdings wird der deutsche Außenminister Guido Westerwelle im Rahmen seiner Nahostreise am kommenden Wochenende auch Ägypten besuchen. Möglicherweise erfolgt bei diesem Anlass die offizielle Übergabe der schriftlich formulierten Rückgabeforderung.
berlinonline
pressrelations (Bundesregierung)
mz-web


11. Mai 2010
Neue Funde an der Sphingenallee in Luxor
Bei der Wiederherstellung der Sphingenallee vom Karnak- zum Luxor-Tempel war man bereits verschiedentlich auf wertvolle Artefakte gestoßen (siehe z. B. Beitrag vom 04.02.2010). Die jüngsten Entdeckungen sind ein Nilometer runder Bauart mit einem Durchmesser von 7 m und einer Wendeltreppe entlang der Wände sowie die Überreste einer koptischen Kirche aus dem 5. nachchristlichen Jahrhundert. Für den Bau der Kirche waren Blöcke aus ptolemäischer und römischer Zeit wiederverwendet worden. Im Schacht des Nilometers fanden sich Keramikgefäße aus dem Neuen Reich. Zusätzlich zu diesen Funden wurden auch Sockel aus der Zeit Amenophis' III. freigelegt, die als Basen für Sphinxstatuen dienten.
independent
Jane Akshars Newsblog
spiegel


07. Mai 2010
Hawass über Ägyptologie in Hamburg, Gewinnabschöpfung und Ludwig Borchardt

In einem Online-Artikel in asharq alawsat bedauert Zahi Hawass das langsame Sterben des Ägyptologiestudiums am Archäologischen Institut der Universität Hamburg und weist auf die Bedeutung des Standortes hin, der große Wissenschaftler hervorgebracht hätte. Er gibt dabei seiner Hoffnung Ausdruck, dass hinsichtlich der Entscheidung zur Schließung des Seminars das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Hawass erwähnt in seinem Artikel außerdem lobend die Hamburger Tutanchamun-Ausstellung mit Repliken aus dem Grabschatz des Königs (Tutanchamun. Sein Grab und seine Schätze, verlängert bis zum 31.08.2010) und konstatiert: "Ich war überrascht zu sehen, dass das Eintrittsgeld 22 Euro beträgt. Ungefähr 200.000 Menschen haben die Ausstellung in den letzten vier Monaten besucht. In Anwendung des neuen ägyptischen Antiquitätengesetzes werden wir die Deutschen ersuchen, die Ausstellung entweder zu schließen oder - gestützt auf das Urheberrecht - einen prozentualen Anteil der Einnahmen an den Supreme Council of Antiquities abzuführen." Abschließend findet Hawass warme Worte für deutsche Ägyptologen insbesondere für die Pioniere der Ägyptologie, von denen er Ludwig Borchardt zwar "Unvergessenheit" attestiert, ihn aber in gleichen Atemzug als Betrüger tituliert: "...[Borchardt], der die Expedition leitete, die die Büste der Nofretete entdeckte und dem es gelang, jeden zu täuschen und die Büste aus Ägypten heraus zu schmuggeln, indem er sich das raffinierteste Komplott in der Geschichte der Archäologie ausdachte."


04. Mai 2010
Aktueller Fund in Taposiris Magna

Auf dem Gelände des Tempels von Taposiris Magna, wo Zahi Hawass das Grab von Kleopatra und Markus Antonius vermutet (siehe auch Beitrag vom 23.12.2009), stieß die ägyptische Grabungsmission auf eine Königsstatue aus schwarzem Granit, der allerdings der Kopf fehlt. Das Objekt stammt aus ptolemäischer Zeit; eszeigt möglicherweise Ptolemaios IV., den Erbauer des Tempels. Es wird außerdem daran gearbeitet, den Originaleingang zum Tempel freizulegen, sagte Ägyptens Kulturminister Faruk Hosni.
Egypt State Information Service
Al-Ahram Weekly
stern


01. Mai 2010
Keine Inschriften für Anch-Takelot

Das Öffnen des Mumiensarges von Anch-Takelot, ein Priester aus der Zeit um 1000 v. Chr., bescherte den beteiligten Mitarbeitern des Ancient Sculpture Museum im Pyramid Hill Sculpture Park in Hanmilton, Ohio, eine Enttäuschung. Eigentlich hoffte man, an der Innenseite auf Dekoration und Inschriften zu treffen, jedoch fanden sich dort nur ein paar Flecke. Allerdings gibt es eine Reihe von 3.000 Jahre alten Fingerabdrücken, und es ergab sich ein sonst seltener Blick auf die Bolzen bzw. Dübel, die Deckel und Wanne zusammenhielten.
oxfordpress