ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Mai 2011

29. Mai 2011
Rüge für Satellitenforscher

Wegen der nicht autorisierten Veröffentlichung von Ergebnissen der satellitengestützten Forschung nach ägyptischen Altertümern (siehe Beitrag vom 25.05.2011) erteilte Antikenminister Hawass der BBC und den am Projekt beteiligten Wissenschaftlern eine Rüge: Gemäß der Regularien des Ministry of State for Antiquities (MSA) existiere ein Verbot für Jedermann, Entdeckungen ohne Einverständnis des MSA zu veröffentlichen. Diese Vorschrift existiere, um sicherzustellen, dass jede derartige Publikation offiziell auf Korrektheit überprüft wurde. Auf diese Weise sollen Falschmeldungen verhindert werden.

BBC und die Leiterin des Forschungsprojekts Sarah Parcak hätten ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht, schreibt Hawass. Sie hätten sich für ihrVorgehen entschuldigt.
drhawass.com
bikyamasr



29. Mail 2011
Ägyptisches Antikenministerium möchte von Leipzigs Misere profitieren

Im Anschluss an die Entscheidung des deutschen Verwaltungsgericht mit der Aufforderung an die Uni Leipzig zur Übergabe der Steindorff-Sammlung an die Jewish Claims Conference (JCC) meldet sich das ägyptische Antikenministerium zu Wort. Minister Hawass sandte ein offizielles Schreiben an die JCC und forderte die Übergabe der Objekte an Ägypten. Er droht mit Klagen von deutschen und internationalen Gerichten, falls die JCC dieser Forderung nicht nachkäme.
ahramonline



26. Mai 2011
Uni Leipzig verliert wahrscheinlich Georg-Steindorff-Sammlung

Vor dem Verwaltungsgericht Berlin unterlag die Universität Leipzig gegen das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen. Das Gericht befand, dass der jüdische Wissenschaftler Georg Steindorff seine Sammlung ägyptischer Artefakte im Jahre 1937 aus Not und Furcht vor den Nationalsozialisten zu einem unangemessen niedrigen Preis an das Ägyptische Museum der Universität verkaufte. Die Bundesbehörde hatte auf Herausgabe der Sammlung an die Jewish Claims Conference (JCC) geklagt. Das Gericht schloss zwar nicht vollkommen aus, dass Steindorff seine Sammlung der Universität Leipzig, an der er lehrte, schon 1933 übergeben wollte. Der spätere Verkauf jedoch, so die Beurteilung, kam mit größter Wahrscheinlichkeit unter dem Druck der Judenverfolgung zustande. Die Aussage eines Enkels von Georg Steindorff zugunsten der Universität wurde vom Gericht nicht als solche gewürdigt. Die Universität Leipzig behält sich Schritte gegen den Gerichtsentscheid vor.
tagesspiegel
lvz



25. Mai 2011
Ergebnisse von Roboter Djedi aus der Cheops-Pyramide

Die erneute Untersuchung des Südschachtes in der Königinnenkammer der Cheops-Pyramide, die im Juni letzten Jahres angekündigt worden war (siehe Beitrag vom 14.06.2010) hat zwischenzeitlich stattgefunden. Die Kamera des neu gebauten Roboter namens Djedi erfasste am Boden der zwischen zwei Blockiersteinen liegenden Kammer rote Kennzeichnungen, wahrscheinlich Baumarkierungen von Pyramidenarbeitern, wie sie bereits vielfach gefunden wurden; die Deutung steht noch aus. Auch die Rückseite des im Jahre 2002 spektakulär durchbohrten Blockiersteins (siehe The Secret Doors Inside the Great Pyramid von Zahi Hawass), an dem sich Metallobjekte befinden, wurde untersucht. Die Objekte sind durch den Stein geführt und enden in kleinen, schön gearbeiteten Schlaufen.
newscientist (mit sehr guten Fotos)


25. Mai 2011
Satellitengestützte Archäologie

Derzeit wird in verschiedenen Medien gemeldet, dass ein Team um Sarah Parcak, Laboratory for Global Health an der Universität von Alabama in Birmingham, mittels neuer Satellitentechnologie (Infrarotbilder aus einer Höhe von 700 km) 17 Pyramiden, etwa 1.000 Grabsteine/Stelen und etwa 3.000 Siedlungen entdeckt hat. Der Satellitensurvey ermöglicht es, unterschiedliche Materialien zu identifizieren. Antikenminister Hawass zeigt sich skeptisch hinsichtlich einer so genauen Identifikation der entdeckten Strukturen und Archäologin Nicole Alexanian betont, dass das Arbeiten mit Satellitenbildern nicht neu sei. Sie vertritt die Ansicht, dass auf solchen Aufnahmen Pyramiden recht deutlich von anderen Gebäuden unterschieden werden könnten. Sarah Parcak beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren mit der Auswertung von Satellitenfotos (siehe Beiträge vom 07.06.2007 und vom 23.12.2008).
afp
bbc (mit Satellitenfotos)
news



Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
25. Mai 2011
Universität Heidelberg erhält neuen geisteswissenschaftlichen Sonderforschungsbereich
DFG fördert Forschungsverbund zum Thema „Materiale Textkulturen“ mit rund 10,3 Millionen Euro

Nach erfolgreicher Begutachtung hat dies der Bewilligungsausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in seiner Frühjahrssitzung in Bonn beschlossen. Mit rund 10,3 Millionen Euro fördert die DFG den SFB 933 „Materiale Textkulturen. Materialität und Präsenz des Geschrieben in non-typographischen Gesellschaften“. Der Forschungsverbund wird zum 1. Juli 2011 für einen Zeitraum von zunächst vier Jahren seine Arbeit aufnehmen. Sprecher ist der Assyriologe Prof. Dr. Markus Hilgert. Ziel der Forschungsarbeiten am SFB 933 ist es, die Grundlagen für ein neues methodisches Instrumentarium der text-interpretativen historischen Kulturwissenschaften zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei schrifttragende Artefakte aus non-typographischen Gesellschaften, in denen keine Verfahren der massenhaften Produktion von Geschriebenem verfügbar oder verbreitet sind. Dazu gehören zum Beispiel religiöse Texte auf Rezitationsrollen im Alten Ägypten, mit Keilschrift beschriebene Tontafeln aus Mesopotamien, Schriftzeichen im mittelalterlichen Kunstwerk oder buddhistische Inschriften auf Steintafeln, die aus dem ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus stammen.

Quellen dieser Art sollen vor allem in ihrer materialen Präsenz systematisch erschlossen und dokumentiert werden, um die auf diese Weise ermittelten „materialen Textkulturen“ anschließend in ihrem räumlichen Umfeld und dem jeweiligen sozialpraktischen Kontext auf ihre Bedeutung hin zu analysieren. „Eine solche ,Textwissenschaft vergangener Gesellschaften‘ hat die herkömmliche Idee textimmanenter Sinngehalte aufgegeben und stellt stattdessen den zentralen Zusammenhang zwischen der materialen Präsenz des Geschriebenen und den daran vollzogenen Rezeptionspraktiken in den Vordergrund ihrer Arbeit. Wir verstehen den Menschen als ‚Ort des Textes‘ und wollen durch diese ‚Text-Anthropologie‘ Auskunft darüber erhalten, welche Bedeutungen zeitgenössische Rezipienten schriftlich fixierten Texten jeweils zugeschrieben haben“, erläutert Prof. Hilgert.

Beteiligt an dem neuen Sonderforschungsbereich sind Wissenschaftler aus dem Institut für Ethnologie, dem Germanistischen Seminar, dem Seminar für Klassische Philologie, dem Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients, dem Zentrum für Altertumswissenschaften, dem Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften, dem Zentrum für Ostasienwissenschaften und dem Wissenschaftlich-Theologischen Seminar. In den SFB 933 sind außerdem Forscher der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg aus dem Bereich Bibel und Jüdische Bibelauslegung eingebunden. Integriert werden soll ein Graduiertenkolleg, das Doktoranden auf dem Gebiet der „Text-Anthropologie“ ausbildet.

An der Universität Heidelberg werden aktuell neun Sonderforschungsbereiche von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Hinzu kommen fünf SFB/Transregio. An einem weiteren SFB in Darmstadt ist die Ruperto Carola mit zwei Projekten beteiligt.

Kontakt:
Prof. Dr. Markus Hilgert
Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients Assyriologie
Telefon (06221) 54-2966
markus.hilgert@ori.uni-heidelberg.de

Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - http://idw-online.de



Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung des Deutschen Archäologischen Instituts
23. Mai 2011
Königreich von Diamat neu durchleuchtet
Deutsche Forscher entdecken antike Siedlung mit geophysikalischen Untersuchungsmethoden im äthiopischen Hochland

Anfang Mai "durchleuchteten" der Geophysiker Jörg Fassbinder vom Institut für Geo- und Umweltwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München und seine Mitarbeiterin Margarete Schlosser in einer gemeinsamen Kampagne mit dem Deutschen Archäologischen Institut den Boden im äthiopischen Hochland. Mit einem seltsam anmutenden Gestell in der Hand zogen sie in Sonne und Staub Bahn für Bahn über ein vermutetes Siedlungsareal in Tigray. Bei dem zunächst abenteuerlich aussehenden Gerät handelt es sich um ein hochempfindliches Totalfeld-Magnetometer, d.h. eine tragbare Messstation, die lokale Anomalien des Erdmagnetfeldes detektiert.

Damit wird die Magnetometer-Prospektion als zerstörungsfreie Methode zur Erforschung archäologischer Fundplätze erstmals mit großem Erfolg im äthiopischen Hochland angewandt: Auf einer Fläche von 4 Hektar erfasste Fassbinder in Ziban Adi, so der Name des Fundortes, magnetische Anomalien, um im Untergrund verborgene Strukturen wie Mauerzüge, Gräber, Feuerstellen und Abfallgruben aufzuspüren. Eine besondere Herausforderung stellte dabei die geographische Lage des Ortes nahe dem geomagnetischen Äquator dar, da die magnetischen Feldlinien hier parallel zur Erdoberfläche verlaufen und die komplexen Anomalien archäologischer Strukturen nur schwer nachweisbar sind. Deshalb kam diese seit Jahren weltweit angewandte Prospektionstechnik in Ländern nahe dem Äquator nur selten zum Einsatz.

"Die neuen, von der Arbeitsgruppe Fassbinders entwickelten Auswertungsmethoden griffen mit vollem Erfolg", berichtet Pawel Wolf, Grabungsleiter vor Ort: "Schon bei den ersten Testgrabungen wurden zerstörte Feldsteinmauern, Begräbnisse, Brandschichten und Siedlungsabfälle wie Tierknochen und Keramikscherben aus unterschiedlichen Zeitepochen gefunden. Darunter befinden sich auch Scherben mit charakteristischen Merkmalen der Keramik der sogenannten äthio-sabäischen Periode aus dem letzten Jahrtausend vor der Zeitenwende."

Im Jahre 2008 hatten äthiopische Archäologen den aufsehenerregenden Fund eines perfekt erhaltenen Libationsaltars (Altar für Wasseropfer) mit einer altsüdarabischen Königsinschrift im benachbarten Meqaber Ga'ewa, einem zuvor ebenfalls unbekannten Fundort nahe der Stadt Wuqro getätigt. Nach Einschätzung von Kebede Amare, dem Leiter der Kulturbehörde in Tigray, handelt es sich dabei um den südlichsten Fundplatz des Königreiches von Diamat aus dem letzten Jahrtausend v. Chr. Die Königsinschrift ist laut Norbert Nebes von der Universität Jena der erste bekannte Beleg des antiken Namens des 80 km entfernten Ortes Yeha, der vermutlichen Hauptstadt dieses noch kaum erforschten äthio-sabäischen Reiches.

Archäologen des Deutschen Archäologischen Instituts ergraben seit 2008 nicht nur einen Tempel des sabäischen Mondgottes Almaqah in Meqaber Ga'ewa. Sie entdeckten auch weitere Fundorte einer bisher unbekannten Siedlungskammer jener kulturgeschichtlich bedeutenden Epoche. In Ziban Adi, einem der vielversprechendsten, legten sie 2010 die Grundmauern eines weiteren Heiligtums auf einem drei Meter hohen Ruinenhügel frei. Unzählige Keramikscherben auf den umliegenden Getreidefeldern hatten auf eine intensive Besiedlung um den antiken Sakralbau schließen lassen. Bei den Archäologen, denen es hier nicht nur um die Untersuchung des kulturellen Einflusses des altsüdarabischen Königreiches von Saba auf das nördliche Horn von Afrika geht, sondern vor allem um die Erforschung der einheimisch-afrikanischen Kulturkomponenten, erweckt der Siedlungsfund große Hoffnungen, auch Überreste einer gewöhnlichen Ortschaft dieser Zeitperiode untersuchen zu können, aus der bislang nur wenige Fundplätze bekannt sind.

Die Feldarbeiten bei Wuqro finden im Rahmen einer von Ricardo Eichmann geleiteten deutschen-äthiopischen Wissenschaftskooperation zwischen der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts, der Tigray Cultural Agency und der Friedrich-Schiller- Universität Jena statt. Die geophysikalischen Messungen beruhen auf einer Kooperation des Deutschen Archäologischen Instituts mit dem Institut für Geo- und Umweltwissenschaften der Ludwigs-Maximilians-Universität München.

Ansprechpartner:
Dr. Pawel Wolf pwolf@skydsl.de und Dr. Jörg Fassbinder fassbinder@geophysik.uni-muenchen.de
Weitere Informationen unter:
- Institut für Geophysik
- Homepage des DAI

Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - http://idw-online.de


22. Mai 2011
Sieben Gräber des Neuen Reichs in Saqqara werden für Besucher geöffnet

Touristen können künftig nachstehende Gräber besichtigen
- General Haremhab (später letzte Ruhestätte seiner Gemahlin Mutnedjmet)
- Maya, Schatzmeister Tutanchamuns, und seine Gemahlin Meryt
- Meryneith, Verwalter und Schreiber am Aton-Tempel
- Ptahemwia, königlicher Diener "mit reinen Händen" Echnatons und Tutanchamuns
- Tia, Schatzmeister Ramses' II., und seine Gemahlin Tia, Schwester Ramses' II.
- Pay und sein Sohn Raia, beide Haremsvorsteher Tutanchamuns in Memphis
Lage und Beschreibungen sind auf der Homepage der Grabungsmission der Universität Leiden zu finden.
drhawass.com



20. Mai 2011
Wie alt ist Israel?


Bereits vor Jahrzehnten hat sich Manfred Görg, emeritierter Professor der Ludwig-Maximilians-Universität München, mit der Interpretation einer Inschrift auf einem Objekt im Ägyptischen Museum Berlin beschäftigt. Es handelt sich dabei um das Fragment von einer Statuenbasis aus Granit, das drei Fremdvölkersymbole zeigt. Zwei der Symbole können Askelon und Kanaan zugeordnet werden, das dritte ist teilweise zerstört und daher nicht sicher lesbar. Die nebenstehende Abbildung ist den Aegyptischen Inschriften, Band II, Günther Roeder, 1924, entnommen. Görg ergänzte die fehlenden Zeichen und kam zu dem Schluss, dass es sich um eine Bezeichnung für Israel handeln könnte. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er in einem Artikel in den Biblischen Notizen, BN 106, 2001, 21 ff (Text siehe hier - oben die englische Übersetzung, unten das deutsche Original).

In einem Artikel des Journal of Ancient Egyptian, Ausgabe 4, 2010, greifen Peter van der Veen, Christoffer Theis und Manfred Görg diese These wieder auf. Görg datierte das Berliner Objekt aufgrund der Schreibweise der Toponyme in die 18. Dynastie, also auf rund 200 Jahre vor der bisher anerkannt frühesten Erwähnung Israels auf der Siegesstele des Merenptah (19. Dynastie). Sollten Indentifikation und Datierung zweifelsfrei nachgewiesen werden können, dann wäre das ein Beleg dafür, dass das Volk Israel älter ist als bisher angenommen.
fnp
chronologs (vom 16.12.2010)



20. Mai 2011
Illegal errichtete Friedhöfe abgetragen

Seit der Revolution verzeichnet das Antikenministerium eine rasante Entwicklung bei der Errichtung moderner Friedhöfe auf antikem Boden. Allein in Saqqara wurden 500 Gräber auf das Pyramidenareal Pepis I., Pepis II. und Djedkare Isesis gesetzt. Auf dem Aufweg von Djedkare Isesi wurde sogar eine Moschee erbaut. Ähnliches ist auch in Mit Rahina, Abusir, Lischt, auf der Westbank von Luxor und an vielen anderen Orten zu beobachten. Mit Unterstützung der Militärregierung kann nun gegen diese illegalen Bauten vorgegangen werden. Am 20.05. wurden diese zunächst in Mit Rahina abgetragen, am 22.05. soll es in Luxor weitergehen. Auch alle übrigen modernen Friedhöfe auf antikem Gelände werden nach und nach abgeräumt. Dabei ist ausdrücklich zu betonen, dass alle Friedhöfe noch nicht mit Verstorbenen belegt sind; die Gräber wurden von den vor Ort Ansässigen vorsorglich angelegt.
drhawass.com


17. Mai 2011
Fachunterstützung aus den USA zur Bewahrung von Ägyptens Kulturerbe

Amerikanische Wissenschaftler haben dem ägyptischen Antikenministerium ihre Hilfe angeboten, dem Land beim Schutz seiner Antiken behilflich zu sein. Eine Delegation, angeführt durch Deborah Lehr vom Capitol Archaeological Institute an der George Washington University, besuchte zu diesem Zweck Minister Hawass. Es wurden verschiedene Wege der Zusammenarbeit durchgesprochen.
english.ahram


17. Mai 2011
Suez-Museum eröffnet

Das Suez National Museum mit 1.500 Exponaten auf einer Fläche von 5.950 qm auf zwei Stockwerken ist für Besucher geöffnet. Die Ausstellung des am Ufer des Suezkanals erbauten Hauses zeigt die Geschichte von Suez, von der prähistorischen bis in die heutige Zeit.
ESIS
weekly.ahram



12. Mai 2011
Interpol unterstützt Suche nach Raubgut
Von den während und nach der Januar-Revolution durch Plünderung und Raub abhanden gekommenen Kulturgüter fehlen nach wie vor 1.228 Objekte. Interpol will mit allen zur Verfügung stehenden eigenen Mitteln, zum Beispiel mit der internationalen Verbreitung von Fotos der Stücke, zur Auffindung beitragen. Antikenminister Zahi Hawass hat allerdings Zweifel, dass das Raubgut bereits außer Landes geschafft wurde.
english.ahram
drhawass.com



11. Mai 2011
Relieffragment geht von Basel zurück nach Ägypten
Das Objekt aus dem Alten Reich (5. Dynastie) zeigt Windhunde, Gazellen, Igel, einen Hasen und eine Raubkatze in einer Jagdszene. Es handelt sich um eine 51 cm hohes, 81 cm breites Grabrelief, das zum Bestand des Antikenmuseums in Basel gehörte. Erst kürzlich stellte man dort fest, dass es sich um Diebesgut aus Saqqara handelt, das Ägypten illegal verlassen hatte.
english.ahram
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10. Mai 2011
Gründung eines Instituts für Museologie
Als Teil der ägyptischen Bemühungen zur Museumsentwicklung soll das zu gründende Institut Kuratoren und Restauratoren nach neuestem Stand ausbilden. Die Absolventen sollen moderne Technologien, Präsentations- und Restaurierungstechniken beherrschen und zur museologischen Ausbildung befähigt sein. Die Ausbildung am Institut für Museologie soll zwei Jahre dauern. Die Studienprogramme sollen einen Abschluss als MA oder PhD ermöglichen.
english.ahram
weekly.ahram


Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung des Deutschen Archäologischen Instituts
10. Mai 2011
Götter, Gräber und Hightech

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligt ein wegweisendes Projekt zur Entwicklung eines Kompetenzzentrums für Altertumswissenschaftliche Forschungsdaten unter Federführung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI).

Die Zeiten, in denen Archäologen nur mit Stift und Zeichenpapier ins Feld zogen, sind längst vorüber. Grabungen und altertumswissenschaftliche Forschungsprojekte arbeiten heute mit Laptop und Hightech. Dabei wird eine Vielzahl an digitalen Daten generiert, die für den einzelnen Archäologen kaum noch beherrschbar sind. Die Daten sind heterogen und reichen von textbasierten und kunsthistorischen Analysen bis hin zu groß angelegten Regionalstudien mit Hilfe moderner Grabungs-, Vermessungs- und Fernerkundungstechniken. In der Vernetzung, etwa von Archiv-, Foto- und Grabungsdokumentationen mit naturwissenschaftlichen und philologischen Daten, treffen Fachkulturen aufeinander, die mit ihren Daten unterschiedlich umgehen. Ergebnis sind verschiedenste Formate, Interoperabilitäts- und Archivierungsproblemen. Es fehlen fachspezifische Lösungen, Konzepte für mittel- und langfristige Sicherung, projektübergreifende Vernetzung und offene Verfügbarkeit im www.

Obwohl die Altertumswissenschaften und die Archäologie in einer weltweit einmaligen Breite vertreten sind, fehlt in Deutschland bisher eine kompetente und koordinierende Institution, um zentrale Qualitäten wie Austauschbarkeit, langfristige Verfügbarkeit und Nachnutzbarkeit zu gewährleisten. Dem DAI wurde nun eine Schlüsselfunktion in diesem Bereich zuerkannt, weil es mit seinen Forschungsprojekten auf allen 5 Kontinenten national und weltweit vorzüglich vernetzt ist sowie insbesondere in der Kooperation mit der Universität zu Köln bereits wichtige Schritte zum Aufbau eines solchen Zentrums eingeleitet hat. Im April 2011 konnte in die gemeinsame Objektdatenbank Arachne der 1 Millionste Datensatz eingespeist werden. Mit dem geplanten Kompetenzzentrum wird eine Grundlage geschaffen für eine qualitative Steigerung von Forschungsdaten. Immer komplexer werdende Fragestellungen der Altertumswissenschaften können neu beantwortet, eine erhöhte Sichtbarkeit von Ergebnissen im Internet erreicht, aber auch die Interdisziplinarität der Forschung verbessert werden.

In der ersten Projektphase erfolgt eine substantielle Bestands- und Bedarfsanalyse bereits bestehender vergleichbarer Zentren z.B. in den Niederlanden oder Großbritannien. Darauf aufbauend soll in der zweiten Projektphase die Organisationsstruktur für das Kompetenzzentrum entwickelt werden. Die DFG bewilligte dazu zwei Stellen für jeweils drei Jahre sowie weitere Mittel für Unterarbeitsgruppen. Antragsteller sind neben dem DAI das von der DFG geförderte Exzellenzcluster TOPOI (Berlin), die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, die Antikensammlung SMB, das Rechenzentrum der Universität Köln, die SUB Göttingen, der Verband der Landesarchäologen der Bundesrepublik Deutschland, das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie in Mannheim sowie Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ der Universität Kiel (Exzellenzinitiative).

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung unter: Deutsches Archäologisches Institut

Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - http://idw-online.de


05. Mai 2011
Medinet Madi für Besucher geöffnet

Das Areal von Medinet Madi im Fayum ist seit Anfang Mai für Touristen zugänglich. Die Herrichtung des Geländes wurde durch eine Spende des italienischen Außenministeriums in Höhe von 3,5 Mio. Euro ermöglicht. Die Gründung des Ortes geht auf das Mittlere Reich zurück, in die Zeit Amenemhets III. und Amenemhets IV. Vor Ort befinden sich die Ruinen eines Tempels, der Renenutet und Sobek von Schedet geweiht war. Die Ptolemäer unterhielten hier eine Zuchtstation für Krokodile, die - mumifiziert - Pilgern als Votivgabe dienten. Die Siedlung war bis in koptische Zeit bewohnt; nicht weniger als zehn koptische Kirchen befinden sich auf dem Areal von Medinet Madi, wo seit 1978 Wissenschaftler der Universität Pisa tätig sind.
news.discovery
drhawass.com



Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Westfaelischen Wilhelms-Universität Münster
05. Mai 2011
Forschen in der Wüste
Ägyptologen und Geographen der Universität Münster arbeiten im Sudan


Dass eine Ägyptologin im Sudan arbeitet, ist so ungewöhnlich nicht. Denn zur Zeit der Ramessiden wurde das damalige Nubien von Ägypten beherrscht. 700 vor Christus war es dann so weit erstarkt, dass es im Gegenzug das Land am Nil unterwarf und es 50 Jahre lang beherrschte. So ist der unbekanntere Nachbar der Forschungsschwerpunkt der Ägyptologin Prof. Dr. Angelika Lohwasser vom Institut für Ägyptologie und Koptologie der Universität Münster. Gerade ist sie von einer durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanzierten Kampagne zurückgekehrt.

Umm Ruweim im Wadi Abu Dom, einem nur saisonal wasserführenden Flusstal in der Wüste Bayudae
WWU Münster - Quelle: IDW


Bereits seit mehreren Jahren forscht das Team im Wadi Abu Dom, einem nur saisonal Wasser führenden Flusstal in der Wüste Bayudae. Das Besondere: Dazu gehören nicht nur Historiker, sondern auch Geisteswissenschaftler. Der Archäologe Tim Karberg von der WWU, die Keramikspezialistin Dr. Jana Helmbold-Doyé von der Humboldt-Universität Berlin und der sudanesische Archäologe und Inspektor des Antikendienstes Mohammed el Toum arbeiten gemeinsam mit dem Architekten Dr. Dieter Eigner aus Wien und zwei Studierenden der Uni Münster, der Ägyptologin Laura Haupt und dem Geografen Malte Rosenberger.

Letzterer war dafür verantwortlich, dass die Ägyptologen durch eine Kooperation mit der Geoinformatik der WWU zwei PDA mit mobilen Geoinformationssystemen (GIS) mitnehmen konnten. Malte Rosenberger spezifizierte diese Software für die Anforderungen eines archäologischen Surveys und die Anwendung im W.A.D.I.-Projekt und beschleunigte und erleichterte die Arbeit im Feld damit erheblich.

In diesem Jahr lag neben einem Survey, also einer archäologischen Geländebegehung und Dokumentation aller menschlichen Hinterlassenschaften, ein zweiter Schwerpunkt auf der Architekturaufnahme der Ruine Umm Ruweim. Deren für das Wüstengebiet komplexe Architektur wurde vermessen und dokumentiert. Da in den vergangenen Jahren fortschreitende Zerstörungen beobachtet wurden, war die Dokumentation der heute sichtbaren Ruine vorrangig.

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass das Bauwerk zwar in einem Zug errichtet wurde, danach aber mehrere Restaurierungs- und Umbauphasen erlebte. Bisher kann das Ruinengelände nicht datiert werden, zu unspezifisch ist die bisher analysierte Keramik. Doch lassen Holzkohleproben hoffen, über eine C14-Untersuchung zu einer zeitlichen Zuweisung der Bau- und mindestens einer Restaurierungsschicht zu kommen.

Auch über die Funktion des Gebäudes kann derzeit nur spekuliert werden, bisher ist kein weiterer Bau dieser Art bekannt. Gegen die gängige Meinung, dass es sich um eine Karawanserei handelte, spricht die geringe Eingangsbreite von nur einem Meter und die Z-förmige - und somit für Tiere kaum zu passierende - Wegeführung aller Zugänge. Eine geophysikalische Untersuchung der Innenhöfe und des von antikem Material übersäten Vorplatzes, die für das nächste Jahr geplant ist, soll helfen, die ursprüngliche Funktion zu ergründen.

Weitere Informationen finden Sie unter Arbeitseinheit Lohwasser

Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - http://idw-online.de



Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Freien Universität Berlin
05. Mai 2011
Eröffnung des Berliner Antike-Kollegs - Veranstaltung am 10. Mai 2011 im Pergamonmuseum

Am 10. Mai 2011 wird im Pergamonmuseum das Berliner Antike-Kolleg feierlich eröffnet. Das Berliner Antike-Kolleg vereinigt eine Graduiertenschule für altertumswissenschaftliche Studien, ein der Alten Welt gewidmetes Forschungszentrum und ein Forschungsportal, das sich mit Methoden zur nachhaltigen Datensicherung und -pflege befasst. Getragen wird das Berliner Antike-Kolleg von den sechs Institutionen, die seit 2007 im Exzellenzcluster Topoi zusammenarbeiten:

Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Deutsches Archäologisches Institut, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und Stiftung Preußischer Kulturbesitz schließen sich durch die Gründung des Kollegs zu einer langfristigen Kooperation in Forschung und Lehre zusammen.

Seit seiner Gründung im November 2007 stellt das Exzellenzcluster Topoi unter Beweis, welches Potenzial für die Erforschung der Alten Welt in der interdisziplinären Zusammenarbeit steckt: Archäologen und Philosophen, Philologen und Geographen, Historiker und Naturwissenschaftler untersuchen gemeinsam den Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Raumordnungen und Wissen im Altertum. Dieses Erfolgsmodell einer fächerübergreifenden Kooperation zwischen den Institutionen soll durch das Berliner Antike-Kolleg in eine langfristige Struktur überführt werden und gleichzeitig Akzente für die weitere Arbeit des Exzellenzclusters setzen. Diese Strategie wurde bereits in der ursprünglichen Konzeption von Topoi formuliert und nach einer intensiven Evaluation des Clusters weiter konkretisiert und ausgestaltet.

Der Pluralität der Fragestellungen, Methoden und Fachdisziplinen wird von der Struktur der Graduiertenschule für altertumswissenschaftliche Studien Rechnung getragen. Die „Berlin Graduate School for Ancient Studies“ (BerGSAS) bietet ab dem akademischen Jahr 2012/13 vier Programme für Promotionsstudien an, die gemeinsame Schwerpunkte und fachspezifische Erfordernisse miteinander verbinden. Die Programme sind aus den Graduiertengruppen des Exzellenzclusters hervorgegangen und haben die Themen: „Landschaft und Architektur“, „Objektstudien und materielle Kultur“, „Sprachen und Texte antiker Kulturen“ und „Wissenschaftsgeschichte“.

Das ebenfalls im Berliner Antike-Kolleg angesiedelte Forschungszentrum für altertumswissenschaftliche Studien hat bereits damit begonnen, neue Fragestellungen zu entwickeln und ein internationales Fellow-Programm für Gastwissenschaftler aufzubauen. Eine Forschergruppe zur Wissenschaftsgeschichte unter der Leitung von Liba Taub (Cambridge) wurde im März 2011 mit Mitteln der Einstein-Stiftung eingerichtet. Es ist geplant, das „Research Center for Ancient Studies“ schrittweise zu erweitern und so den Wissenschaftsstandort Berlin langfristig als Zentrum der Erforschung der Alten Welt zu etablieren.

Die Erfassung, Auswertung und Speicherung von Daten stellt eine Herausforderung für viele Forschungsprojekte dar, die mit historischem Material arbeiten. Die bereits innerhalb des Exzellenz-clusters Topoi eingesetzte Forschergruppe zur Entwicklung von nachhaltigen Strategien der Sicherung plattform-übergreifenden Nutzung digitaler Daten wird im Berliner Antike-Kolleg in eine dauerhafte Einrichtung überführt, die sich als Portal zur wissenschaftlichen Erschließung der Alten Welt versteht und das Berliner Antike-Kolleg in allen technischen Fragen unterstützt.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Tim Wagner, Excellenzcluster Topoi
Telefon: 030 / 2093-99074
E-Mail: tim.wagner@topoi.org, public.relations@topoi.org

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.topoi.org

Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - http://idw-online.de



04. Mai 2011
Grand Egyptian Museum soll 2015 seine Pforten öffnen

Die Einweihung des neuen Museums in Giza ist für den 15. März 2015 terminiert, ließ Antikenminister Hawass verlauten. Die Finanzierung des Projekts in Höhe von geschätzten 550 Mio. Dollar sei nach wie vor gesichert. 300 Mio. Dollar umfasst ein Darlehn aus Japan; von diesem Betrag wurden 130 Mio. bereits verbraucht. 100 Mio. Dollar steuert der ägyptische Staat bei und weitere 150 Mio. sollen durch nationale und internationale Spenden aufgebracht werden. Es wird erwartet, dass jährlich 5 Mio. Touristen das Museum besuchen, d.h. durchschnittlich 15.000 pro Tag. Nach zwei Jahren soll die Besucherzahl auf 8 Mio. jährlich ansteigen.
almasryalyoum



Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
03. Mai 2011
Hieratistik – Forschungen zur Handschrift der Alten Ägypter
Neue Impulse aus Mainz sollen die Hieratistik als wichtiges Spezialgebiet der Ägyptologie etablieren


An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) wird die Ägyptologie dazu beitragen, ein wichtiges Kapitel der Schriftgeschichte, die altägyptische Hieratistik, international besser erforschen zu können. Auf Einladung von Univ.-Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen vom Institut für Ägyptologie und Altorientalistik fand im April dazu ein Arbeitstreffen europäischer und ägyptischer Spezialisten statt. Als nächstes wird in Mainz eine Internetplattform aufgebaut, um die vielfältigen Informationen zusammenzutragen und die Fachrichtung nach außen sichtbar zu machen. Die Hieratistik beschäftigt sich mit der hieratischen Schrift, d.h. der handschriftlichen Variante der altägyptischen Hieroglyphen.

Die altägyptischen Schreiber haben die detailreichen Hieroglyphen im Alltag in schnell schreibbare, abgekürzte Kursivformen umgesetzt. Diese hieratische Schrift wurde über drei Jahrtausende bis in die Römerzeit verwendet und mit Tinte und einer Binse auf Papyrus, Stein, Ton, Holz, Leinen oder Leder geschrieben, mitunter auch geritzt. „Die noch nicht absehbare Fülle der Quellen bietet uns einen authentischen Einblick in das tägliche Leben von Beamten, Priestern, Gelehrten und auch Schülern“, erklärt Ursula Verhoeven-van Elsbergen. „Erhalten sind sowohl administrative Texte, Briefe und Notizen als auch Erzählungen, Gedichte, Lebenslehren, religiöse Hymnen und Rituale, mathematische und medizinische Handbücher und noch vieles mehr.“

Einzelne Aspekte der Forschung betreffen die Stufen der Entwicklung, das Zeicheninventar, Besonderheiten der Orthographie, Datierungsmöglichkeiten nach Epochen oder auch einzelnen Schreibern, den Schreibvorgang selbst von der Vorbereitung und Formatierung der Handschriften bis zu den Abständen des Eintauchens in die Tinte oder nachträgliche Gliederungs- und Korrekturzeichen, schließlich auch die zahlreichen Kombinationen von Bild und Schrift und die Vermittlung und Tradierung der Schrift im Altertum.

Das altägyptische Schreibgerät bestand aus einem Binsenetui, einem Säckchen für Farbpigmente und einer Palette.
(Nina M. Davies, Picture Writing in Ancient Egypt, London 1958, Tf. 8, Nr. 6) - Quelle: IDW
Die Schreibtafel enthält eine hieratische Abschrift des Nilhymnus sowie einige Zeichnungen und Notizen.
(Hellmut Brunner, Altägyptische Erziehung, Wiesbaden 1957, Tf. 3) - Quelle: IDW

In Mainz wird nun zunächst eine Internetplattform entstehen, um die internationalen Aktivitäten, die verstreuten Datenbanken und digitalen Hilfsmittel privater, musealer oder institutioneller Initiativen zu bündeln sowie die hieratistische Community sichtbar und ansprechbar zu machen. Anfang April fand in den neuen Räumlichkeiten des Mainzer Instituts für Ägyptologie und Altorientalistik ein internationales Arbeitstreffen mit dem Titel „Ägyptologische 'Binsen'-Weisheiten“ statt, das „Neue Impulse für die Wissenschaft von den hieratischen Handschriften“ erbringen sollte. Zu dem Arbeitstreffen hatte Verhoeven-van Elsbergen im Rahmen ihres GFK-Fellowships eingeladen. Die Gäste kamen aus Ägypten, Frankreich, England, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland. Weitere Treffen und Tagungen sowie größere Projekte sind geplant.

Eine besondere Aufgabe ist die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses, weil es im Rahmen der aktuellen Studiengänge oftmals schwierig ist, die zeitaufwendige Einarbeitung in die Handschriften zu ermöglichen. Eine regelmäßige Hinführung an die Originalquellen sowie eine innovative Didaktik sollen das Interesse wecken. „Zahlreiche Texte in den Sammlungen sind noch nicht erschlossen und in den Ausgrabungen treten regelmäßig neue Handschriftenfunde zu Tage“, umreißt Verhoeven-van Elsbergen die anstehenden Aufgaben.

Der Kurator der ägyptischen Abteilung des British Museum London, Dr. Richard B. Parkinson, war zudem im Monat April als Gastwissenschaftler am Mainzer Fachgebiet Ägyptologie tätig. Er ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Papyrushandschriften und stellt sowohl materielle Aspekte der Handschrift als auch die altägyptische Dichtung in ihrem kulturellen Kontext in den Mittelpunkt seiner Forschungen. Seine aktuelle Arbeit am berühmten, hieratisch geschriebenen Literaturwerk des „Beredten Bauern“ stellte er bei einem Gastvortrag zum Thema „The Eloquent Peasant - Reflections on Writing a Commentary on an Old Poem” sowie bei einem Kolloquium mit den Studierenden und Doktoranden des Faches vor.

Weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen
Institut für Ägyptologie und Altorientalistik
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
D 55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-38349 (Sekretariat 39-38337)
Fax +49 6131 39-38338
E-Mail: verhoeve@uni-mainz.de
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.aegyptologie-altorientalistik.uni-mainz.de

Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - http://idw-online.de


03. Mai 2011
Nofretete: Neuer Vorstoß der Ägypter zur Rückholung

Die ägyptische Regierung will sich in der nächsten Woche schriftlich an die Bundesregierung wenden, um - wie bereits unzählige Male - die Büste der Nofretete zurückzufordern. Kulturstaatsminister Neumann betont allerdings, dass die deutsche Position unverändert sei und die Büste in Berlin bleibe.
stern
afp


01. Mai 2011
Nachdenkliches von Kent Weeks
In einem ausführlichen Artikel bei newsweek setzt sich Kent Weeks (Theban Mappig Project) mit den Problemen des Antikenschutzes im postrevolutionären Ägypten auseinander.

Alle archäologischen Stätten zu bewachen und gegen Plünderung oder Vandalismus zu schützen, scheint allein wegen der schieren Anzahl - es ist von 5.000 und mehr Plätzen die Rede - eine fast unlösbare Aufgabe. Gestemmt werden müsste sie vom SCA bzw. dem neuen Antikenministerium. Bei dieser Behörde handelt es sich jedoch um eine aufgeblähte Bürokratie, schreibt Weeks. Sie beschäftigt 58.000 Mitarbeiter, von denen zwei Drittel das lokale Wachpersonal stellen - schlecht bezahlt, ungeschult und unbewaffnet. Es gibt außerdem 20.000 bis 30.000 Angehörige der Touristen- und Antikenpolizei, die dem Innenministerium unterstehen und dort stationiert sind, wo sich die meisten Touristen tummeln. Gerade diese Mitarbeiter haben sich am Ende als unzuverlässig erwiesen, als sie während der Unruhen beinahe schlagartig ihre Posten verließen und verschwanden; viele von ihnen sind bisher noch nicht wieder zurückgekehrt.

Die SCA-Inspektoren, vor Ort zuständig für die Verwaltung und Bewahrung des kulturellen Erbes, sind unterbezahlt und unmotiviert. Viele sind jung und enthusiastisch - zumindest die ersten paar Jahre. Aber die schlechte Bezahlung und die Unlust ihrer Vorgesetzten, Verantwortung zu delegieren, führt zu Frustrationen. Viele ziehen es deshalb über kurz oder lang vor, sich als Fremdenführer zu verdingen, wo ein sechs Mal höherer Verdienst winkt. Zu den Personalproblemen gesellt sich die hoffnungslose Unterfinanzierung der Antikenbehörde. Allein in Luxor erbrachte der Ticketverkauf an Touristen im Dezember 2010 eine Summe von rund 30 Mio. Dollar. Von diesem Geld floss ein großer Teil in die Staatskasse, während der SCA notwendige Arbeiten für Konservierung, Instandhaltung, Dokumentation und Touristenmanagement regelmäßig vor sich her schob.

Die Besucherzahlen steigen Jahr für Jahr, jedoch wurde bisher kein Managementplan verabschiedet, um dem Druck, den Menschenmassen auf Gräber und Tempel ausüben, Herr zu werden. Da der Tourismus einer der ökonomischen Grundpfeiler Ägyptens ist, sollte man meinen, dass der Erhalt der Monumente ein vorrangiges Ziel sein müsste, denn: keine antiken Stätten, kein Geld. Es ist jedoch so, dass jedes Ressort der Regierung die Kontrolle über die Einnahmen haben und - bedacht auf den eigenen kurzfristigen Profit - für sich selbst soviel wie möglich herausschlagen möchte. Seit der Revolution sind nun die Touristenzahlen dramatisch eingebrochen und man kann sich leicht vorstellen, dass der SCA derzeit finanziell noch mehr unter Druck steht.

Eines der typischen Beispiele für Kurzsichtigkeit ist das Multimillionendollarprojekt zur Entwicklung Luxors, das für noch höhere Besucherzahlen sorgen soll. Dieser Plan hat bereits zu irreparablen Schäden an Monumenten geführt, zur Zerstörung historischer Gebäude, zum Zupflastern archäologischen Bodens und zur Verlagerung ganzer Dörfer und Umsiedlung von deren Bewohnern in weit abseits der Touristenzentren und antiken Monumente gelegene Gegenden. Viele Archäologen und Touristen glauben - ebenso wie viele Einwohner, dass diese Aktivitäten die weltweit größte archäologische Fläche in einen Vergnügungsthemenpark verwandeln sollen, um kurzfristig noch mehr Gewinn zu erwirtschaften; der langfristige Erhalt oder die Bedürfnisse der Einwohner Luxors zählen dabei nicht. "Was kann man tun?" fragt Weeks, und macht Vorschläge:

Hinzuziehung einheimischer und internationaler Organe und Spezialisten, um einen langfristigen Managementplan zu entwickeln und schließlich in Kraft zu setzen

Schulung der örtlichen Inspektoren und Ausstattung derselben mit mehr Kompetenzen

Aufbau eines besseren Sicherheitssystems für Kulturstätten und Museen

Bereitstellung von mehr Finanzmitteln zur Konservierung und Dokumentation

Stehvermögen gegenüber kommerziellen und politischen Interessen, die die Monumente bedrohen

Weeks meint, es wäre eine Tragödie, wenn die Energie der Jugend, die die ägyptische Revolution getragen hat, sich nicht auch in ein neues Bekenntnis zur Vergangenheit übertragen ließe.