ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Juni 2007
30.06.2007
Wiedergeburt in der Wüste


Anlässlich des diesjährigen Sudan-Tages, eine jährlich in Berlin stattfindende Veranstaltung des Naga-Grabungsteams von Professor Dr. Dietrich Wildung, berichtet der Tagesspiegel online von diesem Ereignis und gibt einen Einblick in die Bedeutung der Grabung und ein wenig Hintergrundinformation.


22. Juni 2007
Mumienfund in TT99 Senneferi

Verschiedene Medien melden den Fund der "Mumie des Sennefer, Hohepriester des Amun" im Grab 99 in Theben. Das könnte zu Irritationen führen. Es handelt sich nicht um Sennefer, den Bürgermeister von Theben (TT996). Im Grab 99 sind noch weitere Mumien gefunden worden; bei einer wurde ein Hirntumor diagnostiziert. Unter den Funden befanden sich ein Fötus und eine Frau, eingewickelt in "plaster" (Putz?, Gips?). Einige der Verstorbenen haben offenbar an Arthritis gelitten. Hier sind die Pressemitteilungen wieder sehr undurchsichtig. Bereits 1998 fanden die englischen Archäologen der Cambridge University (Leitung Nigel Strudwick) einen nicht datierbaren Schädel, der Anzeichen von Tumoren zeigt. Im diesbezüglichen Online-Grabungsbericht ist außerdem auch von Tuberkulose die Rede. Auch in späteren Grabungsberichten ist Ähnliches nachzulesen. Möglicherweise hat die Presse alt und aktuell durcheinandergewürfelt.

Dem Kulturministerium soll demnächst ein Bericht des Grabungsteams von der Cambridge University zugehen, damit über das weitere Vorgehen entschieden werden kann.

abc.net
therawstory
Grabungsseite TT99


22. Juni 2007
Grab in Beni Suef freigelegt

In der Provinz Beni Suef legte ein spanisches Team ein Grab frei, das etwa 3.500 Jahre alt ist. Man fand menschliche Überreste von insgesamt 190 Personen, darunter 96 Kinder, 55 Männer und 39 Frauen und es wurden Hinweise gefunden, dass die Menschen unter "Fieber" (leider nicht näher definiert, vielleicht Malaria?), Syphillis und Tuberkulose gelitten hatten. Die Meldung des Egypt State Information Service lässt nicht erkennen, ob alle Verstorbenen aus der gleichen Zeit stammen, es sich also um ein Massengrab handelt, oder ob die 190 Personen aus Nachbestattungen zu erklären sind.


20. Juni 2007
Neues vom "Punt-Hafen" Wadi Gawasis

Das Team hat seinen jüngsten, wieder sehr ausführlichen Report 2006/2007 nun ins Netz gestellt und damit einhergehend eine ganze Reihe von Fotos von den beeindruckenden Funden: Anker, Holz, Kisten, Getreide- und Cerealien u.v.m. Von besonderer Bedeutung scheinen Keramikscherben zu sein. Sie stammen von Gefäßen für Vorräte aller Art und zeigen teilweise Dekorationen, die auf eine Herkunft aus dem westlichen Tiefland des eriträisch-sudanesischen Raumes stammen. Vielleicht ein Hinweis auf die bis heute nicht geklärte Frage, wo das legendäre Land Punt zu lokalisieren ist.


19. Juni 2007
Goldland Kusch

Im Norden des Sudan im Ort Hosh el-Geruf stießen amerikanische Archäologen auf die Überreste einer antiken Goldgräbersiedlung, datiert auf die Zeit zwischen 2000 und 1500 v. Chr. Man fand Geräte zur Golderzeugung, z.B. Überreste von Schleifsteinen aus Gneis,  mit denen das Erz zermahlen wurde, um es der Goldwäsche zuzuführen. Auch ein Gräberfeld befand sind in der Nähe der Siedlung, teilweise mit Rundgräbern, wie sie die Medja anlegten. Bei den Medja handelt es sich um einen nubischen Volksstamm, deren Angehörige auch assimiliert in Ägypten lebten und dort sogar mit hoheitlichen Aufgaben (z.B. polizeiähnlich) betraut wurden. Aber auch rechteckige Kuschitengräber wurden von den Forschern entdeckt, dazu diverse Keramik - teilweise einheimisch, teilweise ägyptische Importware. Es ist davon auszugehen, dass die Ausbeutung des Goldvorkommens durch die Kuschiten selbst erfolgte, also nicht etwa durch eine ägyptische Besatzung. Das gewonnene Edelmetall soll seinen Weg nach Ägypten dann im Zuge von Handelskontakten gefunden haben. Diese Annahme bestätigt die gerade in jüngster Zeit häufig durch neuere Forschungen zutagegetretene Bedeutung des Reiches von Kusch und seiner Macht bis etwa 1500 v. Chr., als es sich die schließlich Ägypter einverleibten.

Die Amerikaner, Archäologen der Universität Chicago, befinden sich im Zuge von Rettungsgrabungen vor Ort im Sudan. Eine ganze Reihe von Teams arbeitet dort fieberhaft, ehe die Gegend von einem riesigen Stausee, verursacht durch den Damm von Merowe, verschluckt wird.

wissenschaft.de
livescience (mit einer kleinen Fotogalerie über die Funde)
spiegel.de hat ebenfalls eine Reihe sehr schöner Fotos sowie eine Karte des Gebietes. Wie zuverlässig der Text ist, sei dahingestellt. Der Titel jedenfalls ist schlichtweg falsch "Archäologen graben Goldschmiede(!) von Kusch aus".


11. Juni 2007
Forschungen im Nildelta

br-online berichtet über bayerische Wissenschaftler, die gemeinsam mit dem Projekt M.I.N. Funde aus Gräbern des Deltas bearbeiten. Besonders interessant erscheint ein kleines Goldamulett aus der Frühzeit, von dem man nicht genau weiß, welche Vogelart es darstellen soll. Es könnte sich um den in der ägyptischen Mythologie wohlbekannten Ibis handeln, es könnte aber auch ein Kuhreiher sein. Letzteres wäre sehr ungewöhnlich, denn diese Vogelart spielt im späteren Ägypten keine herausragende Rolle. Man möchte dem nun mit Hilfe von Zoologen auf den Grund gehen.


07. Juni 2007
Übersetzungen von akkadischen Keilschrifttexten online

Seit kurzem ist E-TACT (Electronic Translations of Akkadian Cuneiform Text), ein Projekt der Universität Chicago und anderer Institute, online. Einige ins Englische übersetzte Texte sind bereits online, weitere sollen folgen.


07. Juni 2007
Archäologie via Satellit

Zunächst nur auf einer Satellitenaufnahme identifiziert, erwies sich eine riesige Struktur 200 km südlich von Kairo durch Nachgrabungen tatsächlich als ein Handelszentrum aus der Zeit um 400 n. Chr. Belegt durch den Fund von Münzen und Töpferware wurde dort Handel mit Griechenland, der Türkei und Libyen getrieben. Entdeckt hat es Sarah Parcak von der University of Alabama in Birmingham. Sie hat auf diese Weise bereits andere Reste der ägyptischen Zivilisation ausmachen können, die ältesten sind 5.000 Jahre alt. Parcak sieht in der Satellitenmethode eine gute Grundlage für die Forschung, bisher nicht entdeckte Strukturen aufzuspüren, ehe sie der Wissenschaft durch moderne Überbauungen entzogen werden.

msnbc


05. Juni 2007
Neue Funde in Tell el-Farcha

Bereits im vergangenen Frühjahr konnten polnische Archäologen der Universität Krakau beeindruckende Funde von Statuetten u.ä., gefertigt aus Elfenbein und Knochen, aus der Frühzeit Ägyptens vermelden. Auch während der diesjährigen Kampagne hatte das Team wieder Glück. Es wurden weitere interessante Objekte entdeckt, z.B. ein steinerner Löffel in Form eines Krokodils. Man fand auch eine zweite Bierbrauerei. Bei der Untersuchung der in Tell el-Farcha befindlichen Nekropole stießen die Archäologen auf diverse Gräber, wobei das bedeutendste auf die 2. Dynastie datiert wird. Bedeckt war es von einem Oberbau aus Lehmziegeln; die Abmessungen betragen 8 x 9 m. Es wurden hier 50 Lehmkrüge, 30 Steinkrüge, Kupferharpunen und Schmuck gefunden. "Ein sehr reiches Grabe für diese frühe Zeit, den Beginn des ägyptischen Staates." sagt Professor Cialowicz, der Leiter des Teams.

naukawpolsce.pl


05. Juni 2007
Museum für Frühgeschichte in der Westwüste

Der SCA beginnt mit dem Bau eines Museums für Frühgeschichte der Westwüste. Das Vorhaben wird mit Hilfe der deutschen Regierung verwirklicht und soll nach dem ägyptischen Archäologen Ahmed Fakhri benannt werden. Der Text des Egypt State Information Service ist wohl so zu interpretieren, dass es sich um ein Open Air Museum handeln wird, denn es ist von "guidelines", also vorgeschriebenen Pfaden, in der Westwüste bis hin zum Gilf Kebir die Rede und von jüngeren Zerstörungen an seltenen Inschriften durch mehr oder weniger wahllos die Wüste durchstreifende Touristenexpeditionen.