ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Juni 2009
29. Juni 2009
Ausgrabungen einer Militärsiedlung in Daphnae
In Daphnae (nahe Ismailia im Ostdelta) legten ägyptische Archäologen die Reste riesiger Gebäude aus dem 7. Jh. v.Chr. frei. Es dürfte sich dabei um die große Festung handeln, die sich zur Zeit Psammetichs I. an dieser Stelle befand; die Umfassungsmauer hat eine Stärke von 13 m. Die gefundenen Strukturen haben eine Größe von 380 x 625 m, darin drei aufeinanderfolgende Hallen, ein Kalksteintempel und ein kleiner Palast mit acht winzigen Räumen. Auch 22 Speicher, die der Lagerung von Getreide und Waffen dienten, konnten auf dem Areal lokalisiert werden.
sueddeutsche
ruhrnachrichten
Egypt State Information Service

26. Juni 2009
Friederike Seyfried wird Nachfolgerin von Dietrich Wildung
In seiner heutigen Sitzung hat der Stiftungsrat Preußischer Kulturbesitz Friederike Seyfried, zur Zeit Kustodin im Ägyptischen Museum der Universität Leipzig, als Nachfolgerin von Dietrich Wildung zur Direktorin des Ägyptischen Museums Berlin ernannt. Wildung scheidet zum 30.06.2009 aus Altersgründen aus dem Amt.
augsburger-allgemeine
art-magazin

24. Juni 2009
Stabilisierungsarbeiten im Serapeum
Im Serapeum in Saqqara werden derzeit mit Hochdruck Stabilisierungsarbeiten durchgeführt, schreibt Zahi Hawass auf seiner Webseite und zeigt auch einige interessante Fotos. Das unterirdische Gewölbe mit den Bestattungen der Apisstiere ist seit vielen Jahren geschlossen, weil es stark einsturzgefährdet ist. Mit Hilfe von Stahlarmierungen und anderen Hilfsmitteln wird es nun gesichert. Nach Abschluss der Arbeiten soll es Besuchern wieder gestattet werden, das Serapeum zu besichtigen.

24. Juni 2009
Ägyptische Sammlung im Neuen Museum Berlin zeigt Leihgabe aus dem Sudan
In den neuen Räumen des Ägyptischen Museums auf der Berliner Museumsinsel werden auch Tempelreliefs aus Naga, eine Leihgabe des sudanesischen Kultusministeriums, ausgestellt werden. Es handelt sich um 74 Einzelelemente aus Sandstein, die kürzlich rekonstruiert und konserviert wurden. Der Aufbau der übereinander angeordneten Teile erfolgt in einer Regalkonstruktion. Auf diese Weise wird vermieden, dass die oberen Stücke Druck auf die darunter liegenden ausüben. Das Regal wird mit Mörtel verblendet. Der Besucher erhält so den Eindruck einer durchgehenden, reliefierten Wand. Der scheidende Direktor des Ägyptischen Museums Berlin, Dietrich Wildung, ist über dieses Prunkstück besonders glücklich. Sein Team von Wissenschaftlern gräbt seit fast 15 Jahren in Naga.
morgenpost
Die obige Musterinstallation eines Abbildes der Reliefwände lässt
die eindrucksvolle künftige Kulisse erahnen.


24. Juni 2009
Das Grab von Amun-em-Opet
Noch ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dem in Dra Abu el-Naga entdeckten Grab des Amun-em-Opet, diesmal in Al-Ahram Weekly. Die Grabwände sind mit einer schwarzen Substanz bedeckt, ein Zeichen für mehrfache, möglicherweise zweckfremde Verwendung. Eine kleine vorab gesäuberte Fläche zeigt schöne Dekorationselemente. Unter Berufung auf den Chef des Inspektorats von Theben-West, Mustafa Waziri, schreibt der Autor, dass es sich bei der in einem weiteren Grabschacht im Vorhof des Amun-em-Opet-Grabes aufgefundenen Mumie wohl um den Grabinhaber handelt. Der Artikel liefert auch Fotos, darunter die Abbildung eines Grabkonus'.

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Humboldt-Universität zu Berlin
25. Juni 2009
"Topoi. Berlin Studies of the Ancient World"
Ein Pilotprojekt zur Verbindung von Open Access und verlegerischer Betreuung von wissenschaftlichen Publikationen

Das Exzellenzcluster Topoi und der de Gruyter-Verlag sind eine Kooperation eingegangen, die den freien Zugang zu wissenschaftlichen Forschungsergebnissen mit der verlegerischen Betreuung von Publikationen verbinden soll. Die ab 2010 bei de Gruyter erscheinende Reihe "Topoi. Berlin Studies of the Ancient World" wird Beiträge aus allen altertumswissenschaftlichen Disziplinen, von der Ur- und Frühgeschichte über die Klassische Archäologie bis zur antiken Philosophie, Wissenschaftstheorie und Theologie versammeln. Die Reihe wird vom Exzellenzcluster Topoi herausgegeben, perspektivisch soll die Herausgeberschaft auf das in Planung befindliche Berliner Antike-Kolleg übergehen. Ausgewählte Titel aus der Reihe werden gleichzeitig mit dem Erscheinen als Buch auch als eBook auf der Website www.reference-global.com frei zugänglich gemacht. "Unser erstes gemeinsames Pilotprojekt für die gleichzeitige Publikation in Print und Open Access wird der Band Babylon - Wissenskultur in Orient und Okzident sein", sagt Dr. Sabine Vogt, Senior Editor Classical and Ancient Near Eastern Studies bei de Gruyter.

Für den de Gruyter Verlag, der seit April 2009 mit de Gruyter Open Library ein verlagsübergreifendes einheitliches Open Access Modell offeriert, bietet Topoi die Möglichkeit, dieses erstmals im Bereich der Geisteswissenschaften umzusetzen. "Das Publikationsmodell zur Reihe Topoi zeigt, dass der Verlag den sich wandelnden Interessen von Autoren, Kunden und Partnern gerecht wird", äußert Dr. Sven Fund, Managing Director bei de Gruyter, sich zuversichtlich. "Mit dem Kooperationsvertrag zur Reihe Topoi können wir erstmals genau das umsetzen, was international von Wissenschaftsförderungs-Institutionen und auch von der DFG gefordert wird, nämlich den freien Zugriff auf aus Steuermitteln finanzierte Forschungsergebnisse."

Die Reihe "Topoi. Berlin Studies of the Ancient World" dokumentiert Forschungsergebnisse aus dem Exzellenzcluster Topoi, das von der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin gemeinsam getragen wird. Partner sind die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, das Deutsche Archäologische Institut, das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Das Exzellenzcluster Topoi bereitet institutionell die Gründung eines Berliner Antike-Kollegs vor, das der Spitzenforschung in allen altertumswissenschaftlichen Disziplinen eine gemeinsame institutionelle Basis bieten wird.

Kontakt: Tim Wagner - Exzellenzcluster Topoi - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: +49(0)30 2093-99074 - Fax: +49(0)30 2093-99080 - tim.wagner@topoi.org

Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter: http://idw-online.de/pages/de/news322621  
Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw - http://idw-online.de


24. Juni 2009
Neue Entdeckungen in Saqqara
Bei den Routinearbeiten an der Stufenpyramide von Saqqara (siehe Beitrag vom 13.03.2009) machten die dort tätigen ägyptischen Wissenschaftler diverse Funde. Ein tiefes Loch enthielt Überreste von Vögeln und anderen Tieren. Der Boden des Lochs ist bedeckt mit einer Mörtelschicht. Im sogenannten Südgrab des Pyramidenkomplexes fand man Gold-Fragmente, die wahrschheinlich von Mumienkartonagen aus der Spätzeit stammen. Dreißig (auch im Südgrab?) aufgefundene Granitblöcke, von denen jeder 5 to schwer ist, sollen zu einem Sarkophag gehört haben, in dem sich ursprünglich der Holzsarg als letzte Ruhestätte des Djoser befand. Während der Säuberungsarbeiten in den Korridoren unter der Stufenpyramide stieß man auf Kalsteinblöcke, die den Namen von Töchtern des Djoser und auch den Namen des Königs selbst tragen. Außerdem wurden hölzerne Instrumente, Reste von Holzstatuen, Knochenfragment, Mumienreste und Tonkrüge unterschiedlicher Größe gefunden. Der Egypt State Information Service erwähnt den Fund von Uschebtis.
Homepage Zahi Hawass (mit Abbildungen)

24. Juni 2009
Mumie im CT-Scanner
Ein Online-Artikel des dailymail zeigt spektakuläre Aufnahmen aus dem Computertomografen. Bei der Mumie handelt es sich um die sterbliche Hülle eines Kindes oder Jugendlichen. Die Untersuchung ergab, dass es sich nicht - wie seit 150 Jahren angenommen - um ein Mädchen, sondern um einen Jungen handelt. Die aus dem Theben des 2. Jahrhunderts stammende Mumie gehört zum Bestand des Nicholson Museums in Sydney. Der Name des Jungen war Horus, wie ein Papyrusdokument aussagt, das man lange Zeit falsch interpretiert hatte. Die angewendete hochwertige Mumifizierungstechnik deutet darauf hin, dass er Spross einer wohlhabenden Familie war. Sein Körper war möglicherweise von einer dünnen Goldschicht überzogen. Die Todesursache konnten die beteiligten Wissenschaftler noch nicht ergründen.

19. Juni 2009
Tut-anch-Amun in Saqqara
Ein Team der Redaktion "View-from-the-Bay" des kalifornischen Senders ABC ist aus Anlass der Tut-anch-Amun-Ausstellung in San Francisco nach Ägypten gereist, um sich vor Ort ein Bild von den Wirkungsstätten des Königs zu machen. Begleitet wurde die Delegation von SCA-Chef Zahi Hawass. Die Exkursion führte auch nach Saqqara und Hawass offenbarte während der Führung einige außergewöhnliche Gedankengänge. Mit Blick auf die Bestattung der Amme Tut-anch-Amuns, Maya, in Saqqara und die Darstellungen in ihrem Grab, die einen besonders liebevollen Umgang mit dem jungen König zeigen, kann der SCA-Chef sich vorstellen, dass Maya für Tut-anch-Amun eine Mutterrolle übernommen hatte, nachdem die leibliche Mutter, Kija, möglicherweise im Kindbett verstorben war. Hawass ist weiterhin scheinbar davon überzeugt, dass Tut-anch-Amun in der Gegend von Saqqara einen Palast besaß, der auch Ausgangsort für Jagdausflüge gewesen sein könnte. Dass Maya als Bestattungsort Saqqara gewählt hat, spreche für längere Aufenhalte des Königs in dieser Gegend zu seinen Lebzeiten.
abclocal (mit einer 10minütigen Videoaufzeichnung).

18. Juni 2009
Gesichtsrekonstruktion der Meresamun
Im Zuge der Ausstellung um die Tempelsängerin Meresamun (siehe Meldung vom 09.02.2009) haben zwei forensische Künstler anhand von Aufnahmen des CT-Scanners das Gesicht der Frau nachgebildet. Beide Rekonstruktionen, mit unterschiedlichen Techniken hergestellt, sind zwar nicht identisch, weisen jedoch in manchen Merkmalen (Überbiss, Wangenknochen, Augenform) Ähnlichkeiten auf.
archaeology.org (mit Fotos beider Nachbildungen)

18. Juni 2009
Ergänzungen zum Grabfund in Dra Abu el-Naga
Zu diesem Fund existieren nunmehr einige Fotos auf der Webseite von Zahi Hawass. Die erste Abbildung zeigt eine Konservatorin bei der Arbeit an der Deckendekoration, die zweite gewährt einen Blick auf die Eingangssituation. Auf dem dritten Foto ist eine Mumie abgebildet, die im Grab des Amun-em-Opet freigelegt wurde.

17. Juni 2009
Neues Grab in Dra Abu el-Naga entdeckt
Gemäß einer Pressemitteilung auf der Homepage von Zahi Hawass hat eine ägyptische Grabungsmission in Dra Abu el-Naga das Grab eines Aufsehers der Jäger mit Namen Amun-em-Opet freigelegt. Datiert wird es auf die unmittelbare Voramarnazeit.  Nordwestlich dieses Grabes fand man außerdem die Eingänge zu zwei weiteren, undekorierten Grabanlagen. Im Hof des ersten Grabes befanden sich sieben Grabsiegel mit dem Namen eines Amenhotep-Ben-Nefer, Aufseher der Rinder des Amun. Im Hof des zweiten Grabes wurden Siegel eines Eke, Königlicher Bote und Aufseher des Palastes, gefunden. Man stieß auch auf Reste von unbekannten Mumien sowie auf eine Kollektion von Uschebits aus gebranntem Lehm und Fayence.

Zwei der erwähnten Namen (Amenhotep-Ben-Nefer und Eke) klingen ein wenig seltsam. Leider enthält die Pressemitteilung keine Fotos, denen man die Original-Schreibweise entnehmen könnte.

16. Juni 2009
Bob Brier mit Indizien für
Houdins Pyramidenbautheorie
Vor etwa zwei Jahren ging die Pyramidenbautheorie des französischen Architekten Jean-Pierre Houdin durch die Medien (siehe Meldung vom 31.03.2007). Der Bau soll seiner Ansicht nach mit Hilfe einer internen Rampe erfolgt sein. Der Ägyptologe Bob Brier hat die Große Pyramide in Giza erklommen, um vor Ort nach Spuren von dieser Rampe zu suchen und diese fotografisch festzuhalten. Er stieß dabei auf eine L-förmige Kammer, in der einige Blöcke ein Halbgewölbe bilden, die die Decke tragen. Die Gewölbedecke ist scheinbar durch einen Block verschlossen worden. Es werden nun Vermutungen angestellt, dass dieser Raum einen Rest der internen Rampe darstellt. Er befindet sich an der Nordostecke, an der sich ein mit bloßem Auge erkennbarer Einschnitt befindet. Möglicherweise, so meinen Brier und Houdin, diente der L-förmige Raum dazu, um die Blöcke zum Pyramidenbau um die Ecken der Rampe zu bewegen. Nachdem der Raum aufgrund des Baufortschrittes nicht mehr benötigt wurde, hat man ihn von oben verschlossen. Folgt man dieser Theorie, dann müssten sich weitere derartige Kammern an den Ecken der Pyramide befinden.

Der komplette, mit Abbildungen illustrierte Artikel von Bob Brier ist online bei ARCHAEOLOGY nachzulesen.

15. Juni 2009
Wissenschaftlicher Online-Service des DAIK

Das Deutsche Archäologische Institut Kairo startet in Kürze ein Projekt zur Bereitstellung eines neuen, frei zugänglichen wissenschaftlichen Online-Services, "AEGARON - Ancient Egyptian Architecture Online":

Der Vergleich verschiedener Gebäude im Rahmen der Architekturforschung wird häufig durch unterschiedliche Darstellungsweisen erschwert. Genauigkeit, Zeichenstil sowie die Angaben zu Material, Erhaltungszustand und Rekonstruktionen klaffen weit auseinander. Die Qualität der Pläne variiert überdies von groben Skizzen bis hin zu steingerechten Aufmaßen. Hinzu kommt, dass Pläne altägyptischer Architektur häufig in schwer zugänglichen Publikationen oder überhaupt nicht adäquat veröffentlicht sind.

Um interdisziplinäre Forschung zu ermöglichen und die notwendigen Pläne und Daten Ägyptologen, Architekten, Bauforschern, Historikern, Kunsthistorikern sowie der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, verfolgt das im Sommer 2009 startende Projekt zwei Absichten. 1.) Eine Darstellungssprache für alle Pläne zu entwickeln, um ein unmittelbares optisches Verständnis der Gebäude zu ermöglichen, und 2.) den Zeichnungen Metadaten an die Seite zu stellen, die in Form eines 'kritischen Apparats' die Autorenschaft, Entstehungsgeschichte und Verlässlichkeit der Informationen nachweisen. Das DAI Kairo und die University of California, Los Angeles (UCLA), kooperieren in diesem Projekt, um standardisierte Daten altägyptischer Architektur zu dokumentieren und zu veröffentlichen. Das Projekt zielt darauf ab, den Publikationsstand auf diesem Gebiet substantiell zu verbessern, indem es nach einheitlichen Vorgaben neu gezeichnete Pläne zur Verfügung stellt, deren Informationsgehalt nachgewiesen und nötigenfalls am Objekt verifiziert ist. Diese Pläne werden sowohl auf Publikationen als auch auf unveröffentlichtem Material und Vor-Ort-Überprüfung basieren. Die gesammelten Informationen werden durch die angefügten Metadaten belegt und über Volltextsuche recherchierbar sein. Das online und kostenfrei zugängliche Plan-Archiv wird maßstäbliche Pixelbilder (TIFF & JPG) sowie CAD-Dateien bereitstellen.

Die Recherche der Metadaten wird Desiderata der Forschung nachweisen und dadurch neue wissenschaftliche Fragestellungen und Diskussionen anregen. Die Auswahl der präsentierten Bauten soll einen ausgewogenen Überblick über die ägyptische Architektur geben, die unterschiedlichste Bautypen und Monumente berücksichtigt. Hütten, Häuser, Paläste, kleine ebenso wie monumentale Gräber, Provinz- und überregional bedeutende Tempel, Magazine, Werkstätten etc. werden gleichermaßen repräsentiert sein. Dabei werden auch die engen zeitlichen Grenzen der so genannten 'klassischen' ägyptischen Epoche überschritten.

Die Pläne und Daten werden über die Internetseiten des DAI, der UCLA Digital Library und der UCLA Encyclopedia of Egyptology Open Version frei zugänglich sein. Darüber hinaus werden sie in die UEE Full Version durch Links zu Artikeln, Photos sowie der interaktiven time map integriert.

Textquelle: Homepage des DAIK

14. Juni 2009
Interview mit Zahi Hawass in Berliner Tageszeitung
Die Berliner Tageszeitung "Der Tagesspiegel" veröffentlicht in ihrer heutigen Ausgabe ein längeres Interview mit SCA-Chef  Zahi Hawass. Darin zeigt er sich zum wiederholten Male zuversichtlich, in Kürze Belege dafür vorlegen zu können, dass die Ausfuhr der Nofretete-Büste nach Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts nicht rechtmäßig war. Er berichtet außerdem über sein Bestreben, Grabungen in Ägypten mehr und mehr in die Hände ägyptischer Wissenschaftler zu legen, macht jedoch auch keinen Hehl daraus, dass die Unterstützung von Archäologen und Ägyptologen aus aller Welt nach wie vor erforderlich ist - jedoch unter Kontrolle und nach den Regeln des SCA. Auch auf die DNA-Vergleiche zur Klärung der Abkunft des Tut-anch-Amun und auf die unten erwähnten Arbeiten in Taposiris Magna geht Hawass ein, ohne weitere Details preiszugeben.
Der Tagesspiegel

11. Juni 2009
Die Suche nach Kleopatras Grab in Taposiris Magna
Zur Grabung der ägyptischen Mission in Taposiris Magna gab es an dieser Stelle bereits mehrere Beiträge, zuletzt am 16.04.2009. In der jüngsten Ausgabe von Al-Ahram Weekly äußert sich SCA-Chef Zahi Hawass noch einmal dazu, um mit einer Klarstellung auf die zum Teil von großer Skepsis geprägten Kommentare seiner wissenschaftlichen Kollegen, insbesondere von einem "anonymen Ägyptologen", einzugehen. Seiner Meinung nach würden ältere und aktuelle Medienberichte durcheinandergewürfelt. Hawass fasst die jüngsten Ergebnisse und Erkenntnisse deshalb noch einmal zusammen:
"Die neuen Medieninformationen über unsere Arbeit beziehen sich auf eine Nekropole, die wir vor dem Tempel freigelegt haben und die rund 20 Gräber - in Sarkophagform in den Fels gehauen - umfasst. Einige der Gräber sind mit Treppenstufen ausgestattet, die in eine Grabkammer mit zahlreichen Nischen führen, in denen sich Reste menschlicher Skelette befinden. In einem der Gräber fanden wir einen verborgenen Schacht mit zehn Mumien; zwei von ihnen waren mit Gold bedeckt. Alle Gräber dieser Nekropole sind auf den Tempel ausgerichtet. In der Antike glaubte man, dass der Tempel von Taposiris Magna einen Teil des Körpers von Osiris beherberge. Die untergehende Sonne zeichnet am Abend zwischen den Pylontürmen des Eingangs an der Ostseite das Bild der Hieroglyphe für "Horizont". Mein Team und ich haben festgestellt, dass diese neu entdeckte Nekropole sich an der östlichen und an der westlichen Seite des Tempels jeweils über einen halben Kilometer erstreckt. Es handelt sich um einen sehr großen Friedhof aus griechisch-römischer Zeit und dies könnte darauf hinweisen, dass innerhalb des Tempels bedeutende Persönlichkeiten bestattet worden sind."
Al-Ahram Weekly

06. Juni 2009
Präsident Obama an den Pyramiden
Im Zuge seiner Visite in Ägypten zog es den Präsidenten der USA auch zu den Pyramiden. Auf der Homepage von Zahi Hawass sind zu diesem informellen Besuch ein längerer Artikel und ein Video zu finden.

01. Juni 2009
Zweites Labor für DNA-Tests in Ägypten in Betrieb
Nach der Installation des ersten Labors im Ägyptischen Museum in Kairo wurde nun ein zweites, an die Universität Kairo angeschlossenes in Betrieb genommen. So wird es möglich, Zweituntersuchungen als Gegenprobe vorzunehmen, um die Ergebnisse abzusichern. Damit rückt nun auch die seit langem gewünschte endgültige Erforschung der Herkunft des Tut-anch-Amun in greifbare Nähe. Bisher konnte man sich bei der Frage, wer der Vater des jungen Königs war, nur auf Indizien stützen. Eine DNA-Analyse könnte Klarheit bringen. Von welcher Mumie das Vergleichsmaterial stammt, wird auch in den jüngsten Artikeln zu diesem Thema nicht erwähnt.
xinhuanet
AFP
news.ninemsn

01. Juni 2009
Forschungsprojekt der Uni Potsdam im Zagazig/Bubastis
Mandy Mamedow vermittelt in ihrem Artikel vom 28.05.2009 in der Märkischen Allgemeinen einen kleinen Eindruck vom aktuellen Stand der Arbeiten in Tell Basta:

"Im Februar und März lässt es sich selbst in Ägypten bei rund 25 Grad ganz gut arbeiten. Sorgfältig legen Arbeiter und Wissenschaftler eine riesige römische Platzanlage frei, von der ein Fußboden aus Kalksteinplatten, Mauern eines großen Ziegelgebäudes und die Basis eines Monumentes aus Kalksteinblöcken zeugen." (Artikelauszug)

Unterstützt werden die aktuellen Arbeiten des gemeinsam mit dem SCA durchgeführten Projekts  u.a. von der Egypt Exploration Society, dem Auswärtigen Amt und von einer privaten Stiftung. Und wie schon in der Vergangenheit soll auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit einbezogen werden. Die Planung für die Herbstkampagne läuft inzwischen auf vollen Touren und man darf den umtriebigen Wissenschaftlerinnen des Projekts auch für die Zukunft viel Forscherglück wünschen.

Das obige Foto zeigt Grabungsleiterin Dr. Eva Lange inmitten des aktuellen Grabungsareals

01. Juni 2009
Nachholbedarf bei der Entzifferung antiker Schriftzeugnisse
In einem Artikel des newsscientist vom 27.05.2009 (mit Abbildungen) werden insgesamt acht alte Sprachen und zugehörige Textzeugen aufgezählt, deren Entzifferung der Wissenschaft bisher noch gar nicht oder nur rudimentär gelungen ist:

Etruskisch
Die Etrusker verwendeten griechische Buchstaben, so dass es trotz einiger Unterschiede (z.B. die Schreibrichtung) prinzipiell heute möglich ist, die Texte zu lesen. Die Schwierigkeit liegt darin, sie auch zu verstehen, denn die Sprache der Etrusker konnte bisher nicht entschlüsselt werden. Man ist sich jedoch sicher, dass es sich nicht um eine indoeuropäische, sondern um eine isolierte Sprache handelt - etwa wie das Baskische. Man kennt heute die Bedeutung von lediglich rund 250 Worten.
Meoritisch
Hier verhält es sich ähnlich wie beim Etruskischen: Zeichen und sogar Worte sind bekannt, der Sinn der überlieferten Texte - die Sprache also - nicht. Die Kuschiten, die das Meroitische verwendeten, bedienten sich ägyptischer Hieroglyphen.
Mesoamerika: Olmekisch, Zapotekisch, Isthmisch
Die Entschlüsselung von Schrift und Sprache der Olmeken ist bislang nicht gelungen. Zapotekisch wird in Mittelamerika zwar heute noch gesprochen, trotzdem ist es nicht möglich, alte Schriftzeugnisse zu übersetzen. Über das "Isthmische" ist am wenigsten bekannt. Es gibt bis dato nur zwei Überlieferungen, zwei Statuen aus Jade bzw. Basalt, die unbekannte Schriftzeichen tragen.
Minoisch Linear A
Im Palast des Minos auf Kreta stieß man bei Ausgrabungen auf Beispiele von zwei Schriftarten. Eine der beiden, Linear B (archaisches Griechisch), ließ sich entziffern, zumal inzwischen rund 1.500 Texte gefunden wurden. Linear A jedoch, eine viel frühere, minoische Form, gibt weiterhin Rätsel auf.
Rongo-Rongo der Osterinseln
Wie beim oben erwähnten Zapotekischen gibt es auch in diesem Falle große Ähnlichkeiten mit einer aktuellen Sprache, dem Rapanui der Osterinseln. Bei der Entzifferung der Schriftzeugnisse konnte diese Erkenntnis bisher kaum helfen.
Indusschrift
Diese Schrift ist so alt wie die Induskultur selbst, etwa 4.000 Jahre. Trotz der existierenden 5.000 Inschriften ist eine Entschlüsselung nach wie vor nicht möglich, obwohl es im Indusdelta Dialekte gibt, die man mit dieser Schrift in Verbindung bringen kann.
Proto-Elamisch
Diese ebenfalls sehr alte Schrift (ca. 5.000 Jahre) ist Vorläufer des Linear-Elamisch, das teilweise entziffert ist sowie des späteren, wohlbekannten keilschriftlichen Elamisch. Die scheinbare Verwandtschaft der drei Schriften erwies sich bisher als wenig hilfreich bei der Erforschung des Proto-Elamischen.
Der Diskos von Phaistos
Diese Tonscheibe mit völlig unbekannten Schriftzeichen, ca. 15 cm im Durchmesser, wurde auf Kreta gefunden. Bis heute wird darum gestritten, ob es sich tatsächlich um ein echtes "Schriftstück" handelt.

Angesichts dieser Probleme kann sich die Ägyptologie glücklich schätzen über den Fund des Steins von Rosette, der es dem genialen Champollion ermöglichte, die Hieroglyphen zu entziffern. Nichtsdestotrotz gibt es auch aus der prä-/frühdynastischen Zeit Ägyptens Schriftzeugnisse, deren Sinn den Wissenschaftlern noch heute Kopfzerbrechen bereitet.