ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Juni 2011

27. Juni 2011
Hochwertig dekorierte Kalksteinblöcke im Heiligen See des Muttempels von Tanis (San el-Hagar)

Im Herbst 2009 legten die Ausgräber von Tanis unter Leitung von Philippe Brissaud in 12 m Grabungstiefe den Heiligen See im Tempel der Mut frei (siehe Beitrag vom 15.10.2009). Viele der dort inzwischen gefundenen zahlreichen Kalksteinblöcke könnten aus der Zeit Osorkons II. (22. Dynastie) stammen und zu einem Tempel oder einer Kapelle gehört haben. Möglicherweise wurden sie von den Ptolemäern wiederverwendet. Insgesamt konnten 120 Blöcke geborgen werden, von denen 78 dekoriert sind bzw. Inschriften tragen. Zwei Objekte konnten Osorkon III. oder IV. (22./23. thebanische Dynastie) zugeordnet werden; in den Inschriften ist Mut, Herrin des Ischeru-Sees, erwähnt. Ischeru (JSrw) war auch der antike Name des Muttempels in Karnak.

Block aus dem Heiligen See des Mut-Tempels in Tanis
© und Quelle: Blog der Tanis-Grabung

Tanis soll künftig für Touristen zugänglich sein. Die erste Ausbauphase mit einem Budget von 50 Mio. LE wurde bereits in Angriff genommen.
english.ahram
drhawass.com

Zu Tanis siehe auch Artikel Tanis. Theben des Nordens (PDF 900 KB)



23. Juni 2011
Zweites Sonnenboot des Cheops wird gehoben

Drei Jahre nach dem ersten Blick mit Miniaturkamera und Monitor in die Grube des zweiten Sonnenbootes (siehe Beitrag vom 19.07.2008) sind nun die Arbeiten zu dessen Bergung in vollem Gange. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt der japanischen Waseda-Universität mit dem ägyptischen Antikenmuseum (MSA). Zum Schutz der Bergungsarbeiten wurde ein großer Hangar über die gesamte Grabungsstätte gebaut und darin ein zweiter, kleinerer Hangar, um die Bootsteile zu schützen und erste Analysen und Behandlungen der Objekte vorzunehmen. Die Dauer des Projektes ist auf fünf Jahre angesetzt. Im Zuge der Arbeiten wird auch die Umgebung der Bootsgrube mit Bodenradar und Laserscannern untersucht. Auf einem der geborgenen Abdecksteine konnten der Name Cheops' und der seines Sohnes entziffert werden.

Abdecksteine von der Bootsgrube des ersten, restaurierten und
heute in einem Museum vor Ort ausgestellten Sonnenbootes

drhawass.com
luxortimesmagazin
sueddeutsche



22. Juni 2011
Islamische und koptische Gebäudereste an der Sphingenalle von Luxor

Bei den Arbeiten zur Wiederherstellung der Sphingenallee zwischen dem Luxor- und dem Karnaktempel stießen die Archäologen auf Überreste frühislamischer und koptischer Bauwerke (Kirche, Minarett, Kuppel). In der Nähe der Kirche wurden ein Wasserstandsanzeiger aus Sandstein, ein christliches Ritualgefäß und eine Ölmühle gefunden.
almasryalyoum


22. Juni 2011
Pressemitteilung: Steindorff-Sammlung bleibt an Universität Leipzig

Am 22.06.2011 trafen sich in Berlin Vertreter der Jewish Claims Conference (JCC) und der Universität Leipzig, darunter der Direktor der Claims Conference Nachfolgeorganisation der JCC Deutschland, Roman Haller, und Prof. Monika Harms, Vorsitzende des Hochschulrats der Universität Leipzig. Die Beteiligten waren von Anfang an bemüht, eine gütliche Einigung über das weitere Schicksal der altägyptischen Privatsammlung von Prof. Georg Steindorff in Leipzig zu erzielen. Sie kamen überein, dass die Sammlung im Eigentum der Universität Leipzig verbleibt.

Zahlungen waren von der JCC zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt, solche sollen auch künftig an die JCC nicht geleistet werden. Stattdessen wird verabredet, dass die Universität Leipzig - unter Anerkennung des verfolgungsbedingten Entzugs der Sammlung - den Lebensweg des Gründers der Sammlung, Georg Steindorff, weiter aufarbeitet und veröffentlicht. So ist beabsichtigt, eine ausführliche Dokumentation über Georg Steindorff zu erstellen und diese der Öffentlichkeit im Rahmen der Sammlung zugänglich zu machen. Die Universität Leipzig nimmt das in konstruktiver Atmosphäre geführte Gespräch zum Anlass, das Thema der Verfolgung in der NS-Zeit mit Blick auf den universitären Bereich noch stärker aufzunehmen und verschiedenen Altersgruppen öffentlichkeitswirksam nahe zu bringen.

Der Rechtsstreit wird seitens der Universität Leipzig nicht mehr fortgeführt. Die Universität Leipzig ist dankbar für das großzügige Entgegenkommen der JCC. Die Beteiligten sind sich darüber einig, dass dieses Ergebnis sowohl dem Wunsch des Gründers als auch dem des Erben, Thomas Hemer, entspricht. Georg Steindorff (1861-1951) war ab 1904 Inhaber des Ägyptologischen Lehrstuhls an der Universität Leipzig.

Originaltext aus Pressemitteilung 2011/180 der Uni Leipzig

Mit der "Ägyptologie im Nationalsozialismus" beschäftigt sich auch die vom 22. - 24.07.2011 in Leipzig stattfindende 43. Ständige Ägyptologenkonferenz (SÄK) - Programm als PDF



20. Juni 2011
Ruinen eines römischen Palastes im New Valley freigelegt

Im New Valley Governorate in Oberägypten, 500 km südlich von Kairo, legte eine US-Mission einen riesigen Palast aus römischer Zeit frei. Er gehörte eine Person namens Sornius. Die Ruinen können wegen der Empfindlichkeit der Bausubstanz nicht für Besucher zugänglich gemacht werden, jedoch soll zu diesem Zweck eine Kopie des Palastes errichtet werden. Das Grabungsteam fand vor Ort außerdem Hinweise darauf, dass sehr lange vorher schon ägyptische Bauern dort ansässig gewesen waren, ehe sie ins Niltal abwanderten.
almasryalyoum



19. Juni 2011
Mohamed Al-Orabi neuer Außenminister Ägyptens

Diese Personalie meldet english.ahram. Durch seine sechsjährige Tätigkeit als Botschafter Ägyptens in Deutschland ist Mohamed Al-Orabi hierzulande gut bekannt.

Residenz des ägyptischen Botschafters in Berlin


In Berlin kennt man Al-Orabi als besonnenen Mann mit viel Erfahrung auf diplomatischem Parkett. Während seines Dienstes in Deutschland förderte er nicht zuletzt den kulturellen Austausch und war daher auch in Ägyptologenkreisen sehr geschätzt.

Ägypten. Ein Tempel der Tiere - Bericht von der Ausstellungseröffnung
Kemet 01/2007: Ägypten. Ein Tempel der Tiere (PDF 230 KB)
Kemet 01/2007: Auftaktveranstaltung zur Reihe "Philippika. Marburger altertumskundliche Abhandlungen" (PDF 70 KB)
Kemet 01/2008: 1. Ägyptologentag Brenkhausen (PDF 1,4 MB)


18. Juni 2011
Virtueller Spaziergang durch die Große Pyramide

Das Projekt "Gizeh 3D" soll in einer Kooperation mit dem Museum of Fine Arts, Boston, an jedem Ort der Welt einen virtuellen Besuch der Pyramide des Cheops in Giza ermöglichen. Dank einer speziellen Software kann diese 3D-Visite per Smartphone unternommen werden.
austria


Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung des Römisch-Germanisches Zentralmuseums (RGZM)
Forschungsinstitut für Vor- und Frühgeschichte
17. Juni 2011
Antikenhehlerei darf sich nicht lohnen - Ausstellung zum Thema „Kriminalarchäologie“
Das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) setzt sich seit Jahren für eine wirksame Bekämpfung des illegalen Handels mit archäologischem Kulturgut zweifelhafter Herkunft ein. Die Preise, die die antiken Stücke auf dem Markt erzielen, bieten einen hohen finanzielle Anreiz und sind Motor für Plünderung und Zerstörung archäologischer Stätten. Die Ausstellung in der Haupthalle des Mainzer Hauptbahnhofs wird noch bis zum 30. Juli über die Problematik der Antikenhehlerei informieren.

Am Beispiel spektakulärer Kriminalfälle der jüngsten Vergangenheit gewährt das RGZM gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern erstmalig Einblick in einen Bereich seiner Aktivitäten, der bereits auf einiges mediales Interesse gestoßen ist. Die Präsentation macht die enge Zusammenarbeit von Archäologen und Kriminalisten zum Schutz archäologischer Stätten durch Prävention von Raubgrabungen und Antikenhehlerei sichtbar.

Ausstellung am Mainzer Hauptbahnhof
F oto: RGZM / Nitzsche - Quelle: idw

Auf mehreren großen Informationswürfeln wird u. a. die spannende Suche nach dem offenbar erst vor wenigen Jahren von Plünderern im Irak entdeckten Grab einer sumerischen Prinzessin aus der Mitte des dritten Jahrtausends v. Chr. erzählt. Berichtet wird auch von fünf türkischen Bronzegefäßen, die kürzlich die diplomatischen Drähte zwischen Ankara, Berlin, Wiesbaden und Mainz zum Glühen brachten. Ergänzt wird die Ausstellung durch Dokumentarfilme zum Thema und eine interaktive dreidimensionale Präsentation von sichergestellten Originalfunden die vom Institut für Mediengestaltung der FH Mainz unter der Leitung von Prof. Michael Orthwein erstellt wurde. Das gestalterische Grundkonzept wurde von Studierenden der FH Mainz unter der Leitung von Prof. Susanne Maier-Staufen entwickelt.

Die Präsentation ist Bestandteil des Projektes „zeit.fenster. Vergangenheit hat Zukunft“ in „Mainz – Stadt der Wissenschaft 2011“ und wurde vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landeskriminalamt, der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, der Botschaft der Republik Irak und der Fachhochschule Mainz konzipiert. S. E. Faris Ali Mohammed Al-Shoker, Generalkonsul der Republik Irak in Frankfurt, erläuterte die verheerenden Auswirkungen von Raubgrabungen für die irakische Kultur. Nach den Ereignissen von 2003 war der Irak mangels Rechtstaatlichkeit Ziel von Raubgräbern und Antikenhehlern. Durch den illegalen Handel wurden die z. T. 6500 Jahre alten Kulturgüter in viele Länder der Welt verstreut. „Die Anstrengungen und Ausdauer von vielen beteiligten Personen, die gute Zusammenarbeit der Regierungen – insbesondere die befreundete deutsche Regierung – , die Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Michael Müller-Karpe vom RGZM, dem hessischen Landeskriminalamt und der Generaldirektion Kulturelles Erbe des Landes Rheinland-Pfalz: Dies alles und die feste Überzeugung, dass diese Schätze in ihr Herkunftsland (Irak) zurückgeführt werden müssen, führte dazu, dass viele geplünderte Antiken nunmehr der irakischen Botschaft übergeben und in den Irak zurückgeführt wurden“, freute sich der Generalkonsul und bedankte sich im Namen der irakischen Regierung für die Unterstützung die seinem Land zuteil wurde.

Die Ankeraxt des Königs Schulgi (2097-2047 v. Chr.) wurde 2009 an die Republik Irak zurück gegeben.
Foto: RGZM / Iserhardt - Quelle: idw

Eckhard Laufer von der Zentralstelle Kriminal- und Verkehrsprävention (Kulturgüterschutz) des Hessischen Landeskriminalamtes erklärte, dass die Raubgrabungen und der finanzkräftige illegale Handel mit archäologischen Kulturgütern Phänomene sind, mit denen sich das Hessische Landeskriminalamt seit 2003 verstärkt auseinandersetzt. „Durch die Ausstellung“, so Laufer, „werden die kaum bekannten gemeinschädlichen und strafrechtlichen Folgen deutlich und tragen allgemein zu einer Schärfung des Bewusstseins bei, dass es sich um keine Kavaliersdelikte handelt.“ „Deutsche Behörden wenden sich oft an das RGZM, um bei der Verfolgung von Straftaten im Handel mit Kulturgütern zu helfen, da ein großes Fachwissen vonnöten ist, um die Herkunft von archäologischen Gegenständen zu bestimmen“, erläuterte Univ.-Prof. Dr. Falko Daim, Generaldirektor des RGZM. „Wir hoffen durch die Ausstellung die Sensibilität der breiten Öffentlichkeit für illegalen Antikenhandel zu fördern und das Verantwortungsbewusstsein im Antikenhandel zu stärken“.

„Die Fachhochschule Mainz blickt auf eine lange Zusammenarbeit mit dem RGZM zurück, zunächst mit dem Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik (i3mainz)“, berichtete Prof. Dr. Andrea Beyer, Vizepräsidentin der FH Mainz. „Diese erfolgreiche Kooperation konnte jetzt im Rahmen der Umsetzung von Aktivitäten für »Mainz als Stadt der Wissenschaft« auf das Institut für Mediengestaltung ausgeweitet werden. Hier ist federführend der Bereich 3D-Animation unter der Leitung von Prof. Mike Orthwein. Im Projekt Kriminalarchäologie liegt der Beitrag der FH Mainz im gestalterischen Input bei 3D-Rekonstruktionen und Visualisierungen.“ „Auch die Direktion Landesarchäologie wurde schon das ein oder andere Mal zur Anlaufstelle unsittlicher Angebote“, berichtete Dr. Gerd Rupprecht von der Direktion Landesarchäologie der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. „Dabei kaufen wir grundsätzlich nichts – besonders wenn wir einen Verdacht des Diebstahls haben. Für uns haben diese Fundstücke ihr historisches Leben verloren. Es ist, als wenn jemand aus einem Buch eine Seite herausreißen würde. Er besäße zwar die Seite, aber den Roman kennt er trotz allem nicht“.

Dr. Michael Müller-Karpe, Archäologe am RGZM, Initiator und Spiritus rector der Ausstellung, erläuterte deren Konzeption. Er betonte die Bedeutung, die der Bewahrung des archäologischen Erbes zukommt. „Die im Fundkontext gespeicherten Informationen über Menschen, von denen wir durch die Zeit getrennt sind, werden durch Raubgrabungen zur Versorgung eines nimmersatten Antikenmarktes mit Hehlerware undokumentiert und unwiederbringlich zerstört. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Bodenarchiv, der Quell aus dem sich das kulturelle Gedächtnis der Menschheit speist, geplündert und den kurzsichtigen Gewinninteressen Einzelner geopfert wird!“ Anschließend verlas Dr. Müller-Karpe eine kurze Botschaft des Vizepräsidenten des Bundeskriminal¬amts, Prof. Dr. Jürgen Stock: „Raubgrabungen und Hehlerei mit antiken Funden sind ein regelmäßiges und einträgliches Geschäft von Kriminellen. Der finanziell eintretende Schaden ist meist hoch, der kulturelle Schaden immens. Die Strafverfolgung sieht sich aufgrund der Besonderheiten, wie dem professionellen und internationalen Vorgehen der Täter vielen Problemen gegenüber. Aus diesen Gründen begrüße ich die von dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum initiierte Ausstellung zum Thema „Kriminalarchäologie“ sehr. Es handelt sich um eine gute Möglichkeit über das Phänomen und die Probleme aufzuklären. Ich wünsche der Veranstaltung ein gutes Gelingen.“

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft unter dem Titel „Kriminalarchäologie“
zum Preis von € 4,50 (ISBN: 978-3-88467-179-5).

Hintergrund: Mainz – Stadt der Wissenschaft 2011
Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft würdigt das besondere Engagement der Landeshauptstadt Mainz zur Förderung von Wissenschaft und deren Vernetzung mit Wirtschaft und Kultur. Er wird dabei unterstützt von der Deutschen Bank. Stadt der Wissenschaft 2011 ist ein Gemeinschaftsprojekt der Landeshauptstadt Mainz zusammen mit den Mainzer Wissenschafts-, Forschungs- und Kultureinrichtungen, der Wirtschaft sowie dem rheinland-pfälzischen Landesministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.emz2.de

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Pressemitteilung Universität Leipzig
15. Juni 2011
Gespräche um Steindorff-Sammlung der Universität Leipzig


Nachdem die Klage der Universität Leipzig gegen eine Rückgabe der Steindorff-Sammlung des Ägyptischen Museums im Mai abgewiesen wurde, geht das Ringen um den Erhalt der Steindorff-Sammlung im Ägyptischen Museum der Universität Leipzig weiter.

In Kürze stehen erste Gespräche mit der Jewish Claims Convention (JCC) an: "Wir hoffen sehr, dass wir in unseren Gesprächen eine gemeinsame Entscheidung im Sinne von Georg Steindorff sowie seines Nachfahren treffen können", erklärte Dr. Dietrich Raue, Kustos des Ägyptischen Museums in Leipzig. Inzwischen hat sich im Netzwerk "Facebook" die "Georg Steindorff Initiative" gegründet. Auch dort gibt es rege Diskussionen über den Umgang mit Restitutionsansprüchen im Zuge der Judenverfolgungen in Zeiten des Nationalsozialismus, über die Rechte einzelner Familien und zu erklärten Willensbekundungen zu Gunsten des Verbleibs. Der Zuspruch für die Universität Leipzig und die Familie Georg Steindorffs geht inzwischen deutlich über die Grenzen Deutschlands und die der USA hinaus.

Der Streit um die sogenannte Steindorff-Sammlung betrifft die einstige Privatsammlung des Ägyptologen Georg Steindorff (1861-1951), die 163 Objekte umfasst. Nach aktuellem Stand wechselt das Eigentum an dieser Sammlung mit der Übersendung des Urteils an die Jewish Claim Conference (JCC). Deren Restitutionsantrag wurde 2009 vom Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen positiv beschieden, nachdem ein entsprechender Antrag des Erben, Thomas Hemer, aufgrund der Verfristung abgelehnt wurde.

Die Universität Leipzig kämpft seither um den Verbleib dieser Objekte in der Gesamtschau des Leipziger Museums. Sie sei wichtiger Bestandteil der Lehrsammlung für die Leipziger Studierenden, unterstrich Kustos Dr. Dietrich Raue. Vor allem aber sei es der von Georg Steindorff vor und nach seiner Emigration ausdrückliche Wille, diese Objekte in der Gesamtsammlung vor Ort in Leipzig zu sehen. Für diese Argumentation ist eigens der Enkel Steindorffs, Thomas Hemer, als Zeuge im Mai nach Deutschland gereist. Er sprach vor Gericht sowie in einer Veranstaltung für Alumni im Ägyptischen Museum. Der 88-jährige Hemer erklärte: "In seiner Anschauung hat er die Sammlung an die Universität geschenkt" Prof. Dr. Georg Steindorff war ab 1904 Inhaber des Ägyptologischen Lehrstuhls an der Universität Leipzig. Zwischen 1903 und 1931 unternahm er eigenverantwortlich und im Auftrag der Universität Leipzig Grabungen in Ägypten. Dabei erwarb er darüber hinaus aus privaten Mitteln antike Objekte, um damit die Sammlung der Leipziger Universität für seine Lehrtätigkeit zu ergänzen. Die meisten seiner Objekte wurden von Anfang an in die öffentliche Sammlung integriert. Georg Steindorff erreichte 1930 sein Emeritierungsalter, blieb aber weiterhin im Amt und wurde nochmals im Mai 1933 von der Universität gebeten, nicht in den Ruhestand zu gehen, da die Nachfolge noch nicht geklärt war. Nach seiner offiziellen Emeritierung wurde ihm 1934 wegen seiner jüdischen Herkunft jede weitere Vorlesungstätigkeit untersagt und ein Nachfolger berufen. In einem Schreiben vom 05.08.1936 bot Steindorff seine "Sammlung ägyptischer Altertümer, die zum Teil im ägyptischen Museum der Universität als Leihgabe ausgestellt sind, zum Teil sich in meiner Wohnung befinden, dem ägyptischen Museum zum Kauf an". Er bezifferte den von ihm gewünschten Kaufpreis mit dem von ihm ursprünglich verauslagten Ankaufspreis von 8.000,00 Reichsmark (RM), wobei er selbst von einem aktuellen Verkehrswert der Einzelstücke in Höhe von 10.260,00 RM ausging. Dies war 1936 ein gängiges Verhältnis der Werte (Summe der Einzelwerte vs. Kollektionspreis), aus dem nicht auf eine Zwangssituation geschlossen werden kann. Georg Steindorff lag zu diesem Zeitpunkt ein Alternativangebot des Kestner Museums Hannover vor, dass er aber nicht mehr weiter verfolgen wollte, falls sich das Leipziger Interesse konkretisierte. Ein Verkauf "unter Wert" hat aus Sicht der Universität nicht stattgefunden.

Weitere Informationen:
Dr. Dietrich Raue - Ägyptisches Museum/Ägyptologisches Institut - Georg Steindorff
Telefon: +49 341 97-37013
E-Mail: dietrich.raue@uni-leipzig.de
www.uni-leipzig.de/~egypt/

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10. Juni 2011
Interviews mit Zahi Hawass anlässlich seiner Vortragstournee

In einigen Interviews macht Zahi Hawass vielversprechende Ankündigungen: So wird er im kommenden Winter nach dem Grab von Tutanchamuns Witwe (Anchesenamun) suchen (twincities) und - in Verbindung mit den groß angelegten DNA-Untersuchungen der letzten Zeit - in Bälde etwas zur Mumie Ramses' III. bekanntgeben (startribune).


Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung der Goethe-Universität Frankfurt am Main
10. Juni 2011
Tagung: Bilder der Antike aus dem Blickwinkel von Forschern und Medienmachern

Welche Voraussetzung muss ein altertumswissenschaftliches Thema erfüllen, damit sich Journalisten, Filme- und Theatermacher sowie Verlage dafür erwärmen können? Wie gehen Wissenschaftler damit um, wenn ihre Forschungsergebnisse vereinfacht, komplexe Zusammenhänge reduziert, gewohnte Klischees fortgeschrieben werden? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich Wissenschaftler und Medienschaffende bei der öffentlichen Tagung der Mommsen-Gesellschaft, die vom 16. Juni (Donnerstag) bis 18. Juni (Samstag) auf dem Campus Bockenheim der Goethe-Universität stattfindet.

Die Vermittlung von Forschungsinteressen und -ergebnissen an die Öffentlichkeit ist für die Wissenschaft ebenso Aufgabe wie Problem. Die Tagung „Bilder der Antike. Wege zur Vermittlung altertumswissenschaftlicher Forschung“ behandelt dieses Thema aus der Perspektive der altertumswissenschaftlichen Disziplinen – Klassische Philologie, Alte Geschichte, Klassische Archäologie – die in der Mommsen-Gesellschaft vertreten sind. Im Zentrum sollen die selten deckungsgleichen wirklichen oder vermeintlichen Interessen sowohl der Forscher als auch der vermittelnden Medien stehen.

Akademiker werfen Autoren, Filme- oder Ausstellungsmachern oft vor, aus kommerziellen Interessen oder Zwängen zu wenig Rücksicht auf sachliche Korrektheit zu nehmen. Umgekehrt unterscheiden Wissenschaftler aus Sicht der Medien häufig nicht zwischen gesellschaftlich relevanten Themen von allgemeinem Interesse und Detailfragen, die außerhalb der Fachdisziplin als unerheblich wahrgenommen werden. Dabei sind die Interessen weder der einen noch der anderen Seite homogen: So haben zum Beispiel die Archäologen, für die das Objekt im Mittelpunkt steht, andere Themen als etwa die literaturgeschichtlich oder sprachwissenschaftlich ausgerichteten Klassischen Philologen. Auf der anderen Seite beispielsweise haben Produzenten einer Fernsehsendung zu einem archäologischen Thema zur „besten Sendezeit“ andere Kriterien zu berücksichtigen als die Redakteure eines Wissenschaftsmagazins.

Die Tagung verfolgt das Ziel, Vertreter beider Seiten in Vortrags- und Diskussionsblöcken zu versammeln und einen Austausch sowie möglichst eine – auch selbstkritische – Reflexion über die Rolle der beteiligten Disziplinen, Sparten und Akteure herbeizuführen. „Wir hoffen, dass sich daraus im Idealfall Anstöße ergeben, die zur Verbesserung der Vermittlungspraxis altertumswissenschaftlicher Forschung beitragen“, sagt der Frankfurter Archäologe Prof. Wulf Raeck, der gemeinsam mit einem Team der Klassischen Archäologie des Institutes für Archäologische Wissenschaften die Tagung organisiert hat. Die Veranstaltung, an der Wissenschaftler, Studierende und interessierte Bürger kostenlos teilnehmen können, wird von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität sowie von der FAZIT-Stiftung unterstützt. Veranstaltungsorte sind auf dem Campus Bockenheim der Hörsaal IV im Hörsaalgebäude Ecke Mertonstraße/Gräfstraße und die alte Aula, wo Prof. Hans-Joachim Gehrke am 17. Juni (Freitag) um 19 Uhr den Abendvortrag zum Thema „Lobbying for Classics – Die Vermittlung der Altertumswissenschaft im politischen Raum“ hält.

Informationen:
Prof. Wulf Raeck - Institut für Archäologische Wissenschaften, Campus Westend
Tel: (069) 798-32301
w.raeck@em.uni-frankfurt.de
www.mommsen-gesellschaft.de (Tagungsprogramm)

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07. Juni 2011
Gestohlenes Granitfragment geht zurück nach Ägypten

21 Jahre nach dem Diebstahl aus dem Tempel von Behbit El-Hegara kehrt ein seinerzeit herausgebrochenes Relieffragment zurück nach Ägypten. Entdeckt wurde das Stück bei einem Routinemonitoring durch die ägyptische Antikenbehörde in einem Katalog des Auktionshauses Bonhams in London, wo es zum Verkauf stand.
english.ahram
luxortimes



07. Juni 2011
Schriftzeichen in der Großen Pyramide eventuell entziffert

Bei den roten Schriftzeichen, die die Kamera des Roboters Djedi bei dessen Exkursion in den Südschacht der Königinnenkammer in der Cheopspyramide erfasst hatte (siehe Beitrag vom 25.05.2011) handelt es sich möglicherweise um die hieratischen Ziffern 1, 20 und 100. Die Pyramidenbauer hätten auf diese Weise die Länge des Schachtes dokumentiert: 121 Ellen (ca. 60 m), meint Luca Miatello, Spezialist für altägyptische Mathematik. Nach seiner Aussage sollen sich in dem Bauwerk noch weitere Zahlenangaben befinden - mit dem mehrfachen Wert von 7, 9 und 11.
discovery
perspectives (3D-Rekonstruktion der Roboterfahrt durch den Schacht)



05. Juni 2011
Archäologische Situation in Lahun soll verbessert werden

Antikenminister Hawass will die Gegebenheiten zur Erhaltung des historischen Areals von Lahun mit Hochdruck verbessern. Im März/April war die ägyptische Grabungsmission vor Ort gestoppt worden (siehe Beitrag vom 22.04.2011), da es aus Nachlässigkeit offenbar zu Beschädigungen an Artefakten und Mumien gekommen war. Angeblich soll sich die UNESCO in einem Brief besorgt zu diesen Vorgängen geäußert haben. Hawass bestreitet die Existenz eines solchen Schreibens vehement.
egyptian gazette


03. Juni 2011
Krank durch Luftverschmutzung

Das KNH Centre for Biomedical Egyptology hat Lungengewebe von 15 Mumien aus allen Bevölkerungsschichten - wahrscheinlich alle aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert - untersucht. Die Wissenschaftler entdeckten dabei Partikel, die - ähnlich wie heute - Lungenleiden hervorgerufen haben können. Die Herkunft der Partikel konnte noch nicht eindeutig bestimmt werden. Wahrscheinlich handelt es sich um Stäube, die beim Verbrennen von Holz freigesetzt werden, sowie um Sand. Eine bereits in den 1970ern untersuchte Lunge einer sehr viel älteren Mumie (ca. 1800 v.Chr.) zeigte einen ähnlichen Befund, der dem Verstorbenen zu Lebzeiten das Atmen erschwert haben dürfte.
msnbc
livescience
Siehe dazu auch Wie fit waren die Ägypter? Körperertüchtigung versus Krankheitsbilder


02. Juni 2011
Rettung durch Unruhen für neolithische Artefakte

Ein Areal mit archäologisch bedeutenden Überresten aus dem Neolithikum nördlich des Karun-Sees könnte als Folge der Revolution möglicherweise vor dem Zugriff der Tourismusindustrie bewahrt werden. Es handelt sich um ein Naturreservat, von dem die ägyptische Regierung einen Monat vor Ausbruch der Unruhen 2,8 qkm abgezweigt und der Amer Group als Bauland für ein Touristenresort zur Verfügung gestellt hatte. Es soll sich um eine Konzession für 99 Jahre gehandelt haben - zu einem jährlichen Preis von 28.000 US$ im ersten bis 92.000 US$ ab dem vierten Jahr. Drei an dem Deal beteiligte Minister befinden sich inzwischen hinter Gittern. Einer der drei, der ehemalige Bauminister Ahmed el-Maghrabi, erklärte, von Seiten der ägyptischen Archäologen hätte es grünes Licht für die Bebauung gegeben. Antikenminister Zahi Hawass bestreitet dies.
reuters