ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Juni 2012

20. Juni 2012
Identifikation einer befestigten Anlage in Berenike

Während seiner fünften Grabungskampagne stieß ein polnisch-amerikanisches Ausgräberteam um Iwona Zych, Centre of Mediterranean Archaeology der Universität Warschau, und Prof. Steven Sidebothama, University of Delaware, in Berenike, einem antiken Hafen an der westlichen Küste des Roten Meeres, auf die massive Struktur eines quadratischen Bauwerks, das als Eckturm eines größeren Gebäudes interpretiert werden kann. Das Turmfundament ist in den Fels geschlagen. Die Archäologen waren überrascht, ganz in der Nähe der Mauern liegen gelassene beschädigte Werkzeuge zu finden, die während der Bauarbeiten benutzt worden waren, so z. B,. das Fragment eines Schleifsteines, ehemals wahrscheinlich zum Schärfen von Metallwerkzeugen verwendet, sowie das Schulterblatt eines größeren Tieres mit Abnutzungsspuren; es diente wohl als Sandschaufel. Bisher war man aufgrund von Kleinfunden davon ausgegangen, dass es sich bei den weitläufigen Strukturen um Lagerhäuser und Werkstätten zur Ausrüstung von Expeditionen handelt. Nach den jüngsten Untersuchungsergebnissen neigen die Wissenschaftler nun zu der Annahme, auf die Reste einer frühhellenistischen (1. Hälfte des 3. Jhs. v.Chr.) Festung gestoßen zu sein.
naukawpolsce


20. Juni 2012
Bes-Amulett ein Glöckchen?


Bes-Glöckchen aus Bronze
Quelle: Petrie's "Amulets"

Das britische Woking College, Surrey, verfügt über eine kleine Kollektion ägyptischer Artefakte, die, bisher kaum wissenschaftlich berbeitet, kürzlich dem Egypt Center der Swansea Universität als Leihgabe zwecks Studium zur Verfügung gestellt wurden. Unter den Stücken befindet sich auch ein kleiner Fayencekopf der Gottheit Bes. Das Besondere daran ist, dass ein Loch oberhalb des Gesichts wahrscheinlich benutzt wurde, ihn wie ein Glocke aufzuhä#ngen; eine zweite Bohrung - augenscheinlich in der Antike eingebracht - könnte einen Klöppel gehalten haben. Carolyn Graves-Brown, Kuratorin des Egypt Centers, stieß auf Ähnlichkeiten mit eines Fayence-Bes-Glöckchens im British Museum, eines von wenigen überhaupt existierenden. Bes-Amulette dienten in Ägypten dem Schutz von Mutter und Kind. W. M. F. Petrie (Amulets, 1914, 28) glaubte, derartige Glöckchen hätten Kinder als Schutz vor dem "bösen Blick" getragen. Graves-Brown allerdings steht dieser Deutung skeptisch gegenüber, da keines der Stücke in archäologischem Kontext gefunden wurde. Die Glöckchen könnten ebenso gut von Schwangeren oder Kindern getragen worden sein, um allgemein gegen böse Kräfte zu schützen, oder sie wurden an den Schlafstätten von Kindern aufgehängt.

msnbc


19. Juni 2012
Diebesgut sichergestellt

Drei Personen aus Giza waren im Besitz von 70 antiken Objekten, die von der Antikenbehörde konfisziert wurden. Es handelte sich dabei u. a. um Amulette, Skarabäen, Ringe und Münzen, d. h. um Stücke aus verschiedenen Epochen. Sie standen nicht auf der Liste von gestohlenen Artefakten, so dass davon ausgegangen wird, dass sie aus Raubgrabungen stammen.
english.ahram



14. Juni 2012
Berliner Echnaton-Büste wird restauriert

Einer der vielen Funde aus der Amarna-Grabung von Ludwig Borchardt ist eine bereits in der Antike brutal zerschlagene Büste Echnatons, die, wie die berühmte Nofretete-Büste, im Hause des Bildhauers Thutmosis gefunden wurde:

Das Objekt soll restauriert und in der Ausstellung des Berliner Museums "Im Lichte von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete" (07.12.2012-13.04.2013) gezeigt werden.

(siehe dazu auch "Kunstwerk des Monats März 2001 - Gesichtsverlust")

tagesspiegel


13. Juni 2012
Artefakte aus der Djehuty-Grabung in Dra Abu el-Naga im Luxor-Museum

Verschiedene Fundstücke aus der Grabung des spanischen Djehuty-Projekts werden demnächst in der Dauerausstellung des Luxor-Museums zu sehen sein. Dazu gehört auch ein Sarg aus dem Mittleren Reich, der im Hof des Djehuty-Grabes zusammen mit fünf Pfeilen, davon zwei gefiedert, gefunden wurde. Er gehörte einem Mann namens Iqer. Mindestens ein Artefakt aus dem Djehuty-Grab befindet sich bereits seit längerer Zeit im Luxor-Museum, ein sogenanntes Master's Board aus stuckiertem Holz, das von Handwerkern als Vorlage verwendet wurde. Die spanischen Archäologen fanden es 2004.



(zur Grabung siehe auch frühere Beiträge, z. B. vom 18.03.2009 und vom 13.07.2011)

weekly.ahram


12. Juni 2012
Antiquitätendiebe verurteilt

Das Kriminalgericht in Luxor verurteilte 11 Personen wegen Diebstahls von zwei antiken Statuen, sechs von ihnen zu lebenslänglicher Gefängnisstrafe und fünf zu zehnjährigem Freiheitsentzug. Der Urteilsspruch durch ein Zivilgericht fiel in einem Wiederaufnahmeverfahren. Ein Militärgericht hatte die Beschuldigten bereits verurteilt. Die Verteidigung hatte dagegen erfolgreich Widerspruch eingelegt mit der Begründung, dass die Militärgerichtsbarkeit nicht zuständig gewesen sei. Der Schuldspruch des Kriminalgerichts erfolgte in Abwesenheit der Angeklagten.
egyptindependent


Informationsdienst Wissenschaft
Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
11. Juni 2012
Ehepaar Preuß stiftet altägyptische Objekte


Ein großer Zugewinn für das Ägyptische Museum der Universität Bonn: Mit einem feierlichen Akt hat heute das Ehepaar Ursula und Karl-Heinz Preuß bedeutende altägyptische Objekte aus seiner Privatsammlung an die Universitäts-Stiftung übergeben. Die wertvollen Stücke sollen nach dem Wunsch der Stifter im Museum ausgestellt werden und der Forschung sowie der Lehre dienen. Prunkstück ist ein farbenprächtiger Kanopenkasten, in dem früher mumifizierte Eingeweide aufbewahrt wurden.

Das in Brühl ansässige Ehepaar Ursula und Karl-Heinz Preuß hat insgesamt dreizehn ausnehmend schöne Stücke ihrer Sammlung der Bonner Universitäts-Stiftung überlassen. „Dem Ägyptischen Museum der Universität Bonn sind wir schon lange verbunden“, berichtete das Stifter-Ehepaar. „Wir übergeben einen Teil unserer umfangreichen Antikensammlung, um den weiteren Aufbau des Museums zu fördern und langfristig durch eine Stiftungslösung sicherzustellen, dass die wichtigsten Objekte auf Dauer der Öffentlichkeit und Wissenschaft zur Verfügung stehen.“ Dem Wunsch der Stifter entsprechend werden die Exponate dem Ägyptischen Museum zur Ausstellung sowie zur Lehre und Forschung übergeben.

Meisterleistungen des ägyptischen Kunsthandwerks
„Für das Ägyptische Museum der Universität stellt die Stiftung einen erheblichen Zugewinn an Qualität und Attraktivität dar“, sagte Dr. Martin Fitzenreiter, Kurator des Ägyptischen Museums der Universität Bonn. Das Prunkstück der Stiftung ist ein hervorragend erhaltener, farbenprächtiger Kanopenkasten, der vermutlich aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. stammt. Der rund 50 Zentimeter hohe hölzerne Schrein diente einst zur Aufbewahrung von mumifizierten Eingeweiden und ist mit aufwändigen Bildern und Texten verziert, die es zu entschlüsseln gilt. Bereits in diesem Sommersemester soll der Kanopenkasten Gegenstand einer Masterarbeit an der Abteilung Ägyptologie sein. „Die zum Teil bereits als Leihgaben gezeigten Objekte können jedes für sich – von dem Fragment einer Königsstatue bis zum nur wenige Millimeter großen Käferstein – den Anspruch erheben, Meisterleistungen des ägyptischen Kunsthandwerkes und Träger hochinteressanter Botschaften zu sein“, sagte Prof. Dr. Ludwig Morenz von der Abteilung Ägyptologie mit dem Ägyptischen Museum der Universität Bonn.

Übergabe weiterer Stücke ist vorgesehen
„Die wertvollen Objekte stellen eine große Bereicherung der Sammlung des Ägyptischen Museums dar“, sagte Prof. Dr. Wolfgang Löwer, Vorstandsvorsitzender der Bonner Universitäts-Stiftung, die die Zustiftung in Obhut nimmt. „Der mäzenatische Geist des Sammlerpaares Preuß verbindet in vorbildlicher Weise individuelle Leidenschaft mit der Verantwortung gegenüber den Objekten und der Öffentlichkeit.“ Das Stifter-Paar sammelt seit Jahrzehnten antike Objekte, Kunstwerke und Zeugnisse verschiedenster Kulturen. In der Stiftungsurkunde ist die Übergabe weiterer Stücke aus der Sammlung Preuß ausdrücklich vorgesehen. „Der Grundstein für weitere Zustiftungen ist gelegt“, ist sich das Stifter-Ehepaar einig. Altäyptische Objekte sind auch bei der Wissenschaftsnacht zu sehen Die neu erworbenen Objekte der Sammlung Preuß sind ab sofort in einer separaten Vitrine des Ägyptischen Museum zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13-17 Uhr, Samstag und Sonntag 13-18 Uhr. Die gestifteten Exponate werden auch während der 8. Bonner Wissenschaftsnacht zum Thema „LebensWelten“ am Freitag, 15. Juni 2012, von 18 bis 24 Uhr im Museum gezeigt.

Kontakt:
Dr. Martin Fitzenreiter
Kurator des Ägyptischen Museums
Tel. 0228/739710 oder 737587
E-Mail: aegyptisches-museum@uni-bonn.de

Weitere Informationen unter
Sammlung Preuß
Ägyptisches Museum

Informationsdienst Wissenschaft e. V.
http://idw-online.de



07. Juni 2012
Antikenraub in Gebel el-Silsila vereitelt

In Gebel el-Silsila, am oberägyptischen Nil zwischen Edfu und Kom Ombo gelegen, befinden sich neben einem bedeutenden antiken Sandsteinbruch auch diverse Schreine und Stelen aus dem Neuen Reich. In dieser engen Passage gebärdete sich der Fluss in der Antike bei Hochwasser besonders wild. Er war deshalb auch Schauplatz von Opferfesten zu Ehren des Nils bzw. der Gottheit Hapi als Bringer der Flut. Entsprechend finden sich dort Inschriften mit Hymnen und Opferlisten auf verschiedenen, in den Fels gehauenen Stelen. Eine Stele des Ramses-Sohnes Merenptah wäre beinahe Plünderern zum Opfer gefallen. Archäologen und Wächter stellten vier Personen, die mit grobem Werkzeug versuchten, die Stele aus dem Fels zu brechen. So konnte der dreiste Raub verhindert und die Räuber dingfest gemacht werden. Die Stele wurde teilweise beschädigt; besonders im unteren Teil zeigen sich diverse Löcher. Nach Aussage des örtlichen Antikendirektors Abdel Moneim Said ist aber eine Restaurierung möglich.
english.ahram


04. Juni 2012
Händler konnten Kruginhalte genau bemessen

Bisher musste man davon ausgehen, dass Händler der Antike nur den ungefähren Inhalt ihrer Krüge für Wein, Öl und ähnliche Produkte messen konnten. Forscher fanden nun heraus, dass sie sehr präzise Maßeinheiten kannten, die ihren Ursprung in Ägypten hatten. Es wurde festgestellt, dass die zum Lagern und zum Transport der Produkte verwendeten kugeligen Krüge einen Umfang von 52 cm haben, das entspricht einer ägyptischen Königselle. Das Fassungsvermögen beträgt 2,4 Liter, also genau die Hälfte eines als Heqat bekannten ägyptischen Hohlmaßes. Das Team der Universität Tel Aviv, das diese erstaunliche Entdeckung machte, geht davon aus, dass dieses Messystem in der Zeit von 1500 bis 700 v.Chr. Standard für den ganzen mediterranen Raum war, ehe die Assyrer eine andere Methode einführten.
sci-news
Der wissenschaftliche Aufsatz zu dieser Forschungsarbeit von Elena Zapassky, Yuval Gadot, Israel Finkelstein und Itzhak Benenson ist online frei erhältlich unter plosone.org


01. Juni 2012
Echnaton-Köpfchen umgewidmet

Ein 5,5 cm großes Quarzit-Köpfchen aus einer Privatsammlung, das für einige Tage (6. bis 10.06.2012) in Brüssel gezeigt wird, war bis dato für ein Abbild von Echnaton gehalten worden. Der Ägyptologe Christian Loeben sieht es aufgrund des Materials und verschiedener stilistischer Merkmale als eine Darstellung von Nofretete an. Die Wissenschaft reagiert auf seine Indizien teils zustimmend - wie im vorliegenden Onlineartikel der welt zitiert, teils aber auch skeptisch. Loeben möchte das Köpfchen als Exponat für eine im Sommer 2013 in Basel und Hannover stattfindende Sonderausstellung gewinnen.