ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Juni 2013

19. Juni 2013
Gefahr für das antike Heliopolis

In einem Artikel der dailynewsegypt beklagt die Ägyptologin Monica Hanna die allgegenwärtige Bedrohung der wenigen verbliebenen Überreste von Heliopolis. Das noch heute stehende markante Wahrzeichen des Ortes ist ein Obelisk, den Sesostris I. errichten ließ. In der Gegend befanden sich einst außer den bedeutenden Tempelanlagen zu Ehren des Gottes Re auch antike Nekropolen aus allen Epochen seit 4000/3000 v.Chr. Seit den Tagen der Revolution im Januar 2011 fällt das Gelände mehr und mehr moderner Bebauung zum Opfer. Nach Hanna wäre die einzige Möglichkeit für die Rettung des antiken Heliopolis', das sich rasant zu einem gefährlichen Slum entwickelt, wo Drogen- und Waffenhandel blühen, die schnellstmögliche Entwicklung als Touristenattraktion. Der Ort eignet sich gut, denn er ist - im Stadtgebiet von Kairo gelegen - sehr bequem zu erreichen. Erforderlich wären sorgfältige Ausgrabungen und die Installation eines Site-Managements. Das touristische Potenzial des Ortes würde sich auch ökonomisch positiv auswirken. Immerhin gibt es bereits einige kleine Initiativen. So befreien z.B. Inspektoren des Antikenministeriums zusammen mit Freiwilligen den Ort von Unrat und Müll.


Obelisk Sesostris' I. im kleinen Open Air Museum von Heliopolis im November 2007,
im Hintergrund die schon damals unmittelbar angrenzende moderne Bebauung


18. Juni 2013
Grabkammer an der Qubbet el-Hawa geöffnet

Die spanische Mission der Universität von Jaén (siehe auch Beitrag vom 06.03.2013) konnte die versiegelte und intakte Sargkammer eines Grabes aus dem Mittleren Reich öffnen. Nach dem Entfernen der Verschlussplatte stießen die Archäologen auf das Begräbnis einer männlichen Person aus der Zeit Amenemhets III. (12. Dyn.). Die sterblichen Überreste des Mannes, der mit etwa 26 Jahren starb, befanden sich noch im Sarg. Er scheint überraschend gestorben zu sein, denn der Sarg war ausweislich der Inschriften ursprünglich für eine Frau vorgesehen.
expreso (spanisch)
dito (deutsche Microsoft Translator Übersetzung)
Video (beeindruckend)


18. Juni 2013
Siedlung in Tell el-Yahudiya gefunden

Bei den Ausgrabungen an einer Hyksos-Festung in Tell el-Yahudiya (ca. 20 km nordöstlich von Kairo) stießen die Archäologen auf Reste einer Stadtanlage aus dem Mittleren Reich. Dazu gehörte ein Bereich mit Wohnhäusern und königlichen Unterkünften, eine vier Meter hohe Befestigungsmauer aus Nilschlammziegeln sowie eine Nekropole mit einer großen Zahl von Felsgräbern. Die Mauer lässt auf eine militärische Nutzung schließen. Eine Reihe von Kleinfunden weisen in die Zeit Ramses' II. und Merenptahs. Auch einige Hyksos-Gräber aus Nilschlammziegeln wurden gefunden sowie Überbleibsel von einem Seth-Tempel.
english.ahram



15. Juni 2013
Weiteres zum neuen Grab

english.ahram schreibt in diesem Artikel, es hätte sich bei der Raubgrabung um "drei Dutzed Mitglieder einer bewaffneten Bande" gehandelt, die den Mangel an Sicherheitskräften für ihre Raubzüge ausnutzen würden. Einen weiteren Artikel vom 18.06.2013 zum Thema findet man im gleichen Medium. Beide Artikel erwecken den Eindruck, als hätten diese Plünderungen direkt an der Qubbet el-Hawa, also in der Nekropole des Alten und Mittleren Reiches stattgefunden. Das ist aber offensichtlich nicht der Fall. Dazu noch einmal Alejandro Jiménez Serrano auf facebook - als Antwort auf eine diesbezügliche Frage:
Obwohl im Artikel von der Qubbet el-Hawa die Rede ist, ist dies ein neues Areal, das 1 km nördlich liegt. Dort befindet sich die Nekropole der Bürgermeister von Elephantine mindestens seit der achtzehnten Dynastie.

08. Juni 2013
Neues Grab in Aswan

Das Blog Egyptian Chronicles berichtet vom Fund eines Grabes, der allerdings nicht auf legalem Wege erfolgte. In dem Beitrag heißt es, dass in Aswan am Westufer des Nils eine illegale Grabung stattgefunden hat; es sind dort auch Fotos und der Link zu einem Video veröffentlicht. Die Grabung soll sich in einem Areal zugetragen haben, in dem offenbar bereits sechs Gräber von Offiziellen entdeckt worden waren. Die illegalen Gräber lassen offenbar niemanden auf das Gelände, keine Polizei und keine Mitarbeiter der Antikenbehörde. Auf facebook schreibt Alejandro Jiménez Serrano, Universität Jaén, von der Qubbet el-Hawa Grabungsmission dazu:
Traurige Nachricht: Illegale Ausgräber haben das Grab eines Bürgermeisters von Elefantine aus der 18. Dynastie namens User entdeckt. Das Grab ist eine Meile nördlich von der Qubbet el-Hawa. Das Schlimmste ist, dass die lokale Bevölkerung von West Assuan keine Inspektoren aus dem Department of Antiquities in der Region arbeiten lässt, da die Nubier glauben, dass das Land, auf dem sich das Grab befindet, nicht im Besitz des Antikendienstes sei. Es gehört zu den traurigsten Situationen, die ich jemals gelebt haben.
Das Gelände, das von Serrano mit "einer Meile nördlich" lokalisiert wird, könnte in einem nubischen Dorf bzw. in dessen Umgebung liegen. Von der Qubbet el-Hawa aus kann man die Häuser mit dem typisch blauen Anstrich in der Ferne erkennen:


An diesem Fall - wie möglicherweise auch an anderen, ähnlich gelagerten Fällen - zeigt sich vielleicht, dass Aufklärung und Einbeziehung der Bevölkerung zum Erhalt der historischen Stätten unabdingbar sind. Kriminellen Banden mit mafiösem Chrakter, wie sie auch andernorts wüten, wird man auf diese Weise allerdings nicht beikommen.



06. Juni 2013
Komplizierte Bedingungen für die Archäologie im Nahen Osten

Auf der Jahrespressekonferenz des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) kam zum Ausdruck, dass die Arbeit der Archäologen durch die Umbrüche in der arabischen Welt zunehmend schwieriger wird. Dies gilt für die Abteilung Kairo, die sich verstärkt mit Raubgrabungen konfrontiert sieht, ebenso wie für die Kollegen im Jemen, die zur Zeit gar keine Chance sehen, vor Ort zu arbeiten. Auch im Irak ist die Arbeit nicht leichter geworden.
dradio


06. Juni 2013
Wortmeldung von Zahi Hawass

Hawass meint, es würden noch fantastische Dinge auf ihre Entdeckung warten, wie z.B. weitere Gräbrr im Tal der Könige. Außerdem scheint er davon überzeugt zu sein, dass es in der Pyramide des Cheops eine noch unberührte geheime, mit Schätzen bestückte Grabkammer gibt. Dies ließ er gegenüber livescience verlauten.


04. Juni 2013
Die Gewerkschaften von Giza

Der Wissenschaftler Richard Redding berichtet in einem Interview über das nach wie vor nicht endgültig aufgeklärte Phänomen des Pyramidenbaus. Als Archäozoologe beschäftigt Redding sich allerdings eher mit den Lebensumständen der Arbeiter. Dass dies nicht die schlechtesten waren, wurde hier schon mehrfach thematisiert, zuletzt mit Beitrag vom 23.04.2013. Neu sind seine Erkenntnisse zur Organisation der Arbeiter. Seiner Ansicht nach waren sie in Brigaden oder Gruppen zusammengeschlossen, die entfernt an unsere modernen Gewerkschaften erinnern. Staatliche Beamte hätten die Leiter der Provinzen aufgefordert, eine bestimmte Anzahl von Arbeitern zu entsenden, woraufhin diese komplette Brigaden auf die Baustelle schickten.
english.pravda