ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
Juli 2006
31.07.2006
Weiterer Grabfund im Tal der Könige nicht ausgeschlossen

Nach KV63 könnte sich noch ein weiteres bisher nicht bekanntes Grab in der Nähe von KV62 (Tutanchamun) befinden. Nicholas Reeves, der den Boden des Areals im Jahr 2000 elektromagnetisch untersuchte, berichtet ganz aktuell auf seiner Hompepage VOFK über die seinerzeitigen Ergebnisse. Demnach hätte er nicht nur KV63 geortet (darüber wurde schon berichtet), sondern es wurde auch das Echo eines weiteren Grabes, "KV64", aufgespürt. Auf seiner Homepage befindet sich ein Lageplan mit den entsprechenden Koordinaten. Reeves ist sich ziemlich sicher, dass "KV64" unberührt ist. Es befände sich an einer Stelle, die bisher archäologisch nicht bearbeitet worden sei. Seiner Ansicht nach könnte das Verhältnis KV63 -> "KV64" ein Ähnliches sein wie KV54 -> KV62 (siehe auch Artikel vom 28.06.2006 Keine Mumie in KV63). Zur Erinnerung: das Amarna Royal Tomb Project unter der Leitung von Nicholas Reeves hielt von 1998 bis 2002 die Grabungskonzession für einen Teil des fraglichen Gebietes; man hatte seinerzeit die Hoffnung, auf sterbliche Hüllen von Amarna-Größen zu stoßen.

Meine Recherche, ob bereits eine Reaktion des SCA auf Reeves' überraschende Eröffnung vorliegt, blieb bisher erfolglos.

via EEFNEWS



31.07.2006

Der Besiedelung des Niltals ging Klimawandel voraus

Um den 21.07.2006 herum wurde in deutsch- und englischsprachigen Medien die Erkenntnis publiziert, dass das Pharaonenreich sich am Nil nur deshalb entwickeln konnte, weil ein relativ rasanter Klimawandel die Sahara von einer fruchtbaren Savanne in Wüste und die Sumpflandschaft am Nil in bewohnbares Gebiet verwandelte und die "Wüstenflüchtlinge" zum Siedeln einlud.
wissenschaft.de
welt.de
Environmental News Network
news.bbc

Die Forschungen in dieser Region und ein Teil der Ergebnisse sind allerdings so neu nicht. In einer Diskussionsrunde in der in mehrerlei Hinsicht als "antik" zu bezeichnenden Newsgroup (sie existiert inzwischen nur noch als Archiv) wurde schon im Jahre 2000 darüber geschrieben: Die Höhle der Schwimmer



31.07.2006
Kairos Ramses-Station bald ohne Ramses, oder vielleicht doch nicht, oder.....?

Von offizieller Seite wurde kürzlich zum wiederholten Male verkündet und durch die Medien geschickt (u.a. nachzulesen am 11.07.2006 bei Peoples's Daily Online), dass die Monumentalstatue Ramses' II. nun vom Bahnhofsvorplatz der Ramses-Station in Kairo nach Giza umgesetzt werden soll. Bisher schien es so, als sei völlig unklar, wie man den Transport bewältigen möchte. Es mussten Fahrzeuge konstruiert werden, die in der Lage sind, den über 100 to schweren Koloss zu tragen, und an der geplanten Route nach Giza sollte in Old Cairo eine Fußgängerbrücke abgetragen werden.

Im Dezember 2004 meldete Egypt-online (der Link ist leider inzwischen tot): Die überlebensgroße Granitstatue Ramses' II. wird im Februar 2005 von dem nach ihr benannten Bahnhofsvorplatz verschwinden.

Al-Ahram Weekly schrieb im Dezember 2005: Nach viel Tamtam und Publicity ist die Umsetzung der riesigen Statue nunmehr auf 2007 verschoben.

Warten wir es also ab.




19.07.2006

Where have all the bodies gone....

In den Jahren von 1860 bis 1900 wurden im US-Bundesstaat Maine offensichtlich unglaubliche Mengen an Mumienbinden zur Papierherstellung verwendet. Zu der Zeit herrschte in den Papiermühlen großer Bedarf an alten Kleidern, so dass ein findiger Chemiker und Abenteurer auf die Idee kam, Mumienbinden zu verarbeiten. In ägyptischen Gräbern hatte er gewaltige Haufen von Mumien gesehen, eingewickelt mit unzähligen Metern von Binden aus feinstem Leinen. Ein amerikanischer Wissenschaftler meint nun nachgewiesen zu haben, dass seinerzeit in der Tat Mumienbinden nach Maine eingeführt wurden. Es fanden sich einige Aufzeichnungen in alten Importunterlagen. Zollschranken o.Ä. für derartiges Importgut gab es offensichtlich nicht. Unklar ist, ob nur das Material oder die noch eingewickelten Mumien importiert wurden. Es habe Gerüchte über Mumienverbrennungen oder auch Wiederbestattungen in den Höhlen rund um Portland gegeben.

Man darf sich demzufolge heutzutage nicht wundern, dass ein großes Volk über einen Jahrtausende währenden Zeitraum auf den ersten Blick nur relativ wenige sterbliche Hüllen hinterlassen hat. Wer weiß schon, welchen Weg sie genommen haben.

Nach einem Artikel von Kennebec Journal Online.



18.07.2006

Gute Kulturaussichten für Ägyptens Städte

Der ägyptische Kulturminister wünscht sich ein Museum für jede ägyptische Stadt, zum Einen als Unterstützung bei der Erhaltung des Kulturerbes, zum Anderen jedoch auch, um das kulturelle und archäologische Bewusstsein bei Besuchern und Einwohnern zu schärfen. Hochklassige Projekte sind bereits mit dem Grand Museum, dem National Museum of Egyptian Civilisation, dem Al Arish National Museum, der Renovierung des Rashid National Museums, des Koptischen Museums sowie des griechisch-römischen Museums auf den Weg gebracht. Für das neue Grand Museum mit seinen etwa 150.000 Artefakten werden jährlich 5 Millionen Besucher erwartet. In Saqqara wurde im Dezember letzten Jahres ein neues Museum eröffnet, das dem Baumeister des Djoser, Imhotep, gewidmet ist. Nachzulesen in einem Artikel von ameinfo.com

Erwähnenswert zu diesem Thema sind die Aktivitäten des Projektes M.I.N. Museen im Nildelta, das darum bemüht ist, diese kleineren Häuser einem breiteren Publikum bekannt zu machen und die dort ausgestellten Objekte zu veröffentlichen. Auf der Homepage heisst es u.a. "Fernab der großen Besucherströme, die alljährlich das Land der Pharaonen entlang des Nils bereisen, finden sich hier, ganz in der Nähe einiger der bedeutendsten Stätten des Alten Ägypten wie Tanis und Bubastis, hervorragende Zeugnisse dieser  antiken Hochkultur."

Das Foto zeigt einen mit Kartuschen Ramses' III. versehenen und später wiederverwendeten Granitblock im Skulpturengarten am Grabungsgelände von Tell Basta (Bubastis).



12.07.2006

Großprojekt zur Erfassung antiker Monumente und weiterer  Bereiche

Zusammenfassung eines ausführlichen Artikels in Egypt Today:

Mit dem EAIS hat sich der SCA ein Instrument geschaffen, um möglichst alle gefährdeten antiken Stätten in einem geografischen Informationssystem aufzunehmen, entsprechende Karten anzufertigen und diese mit allen innerhalb der unterschiedlichen Behörden verfügbaren Aufzeichnungen zu vereinen. Auf diese Weise soll eine System geschaffen werden, das sämtliche Informationen in einer einzigen Datenbank konzentriert, die wiederum als Grundlage etwa für touristische Entwicklungsprojekte, notwendige Restaurierungsarbeiten, Freilegungen u.Ä. dienen soll. Während das EAIS große Flächen bearbeitet, ist das Chicago House seit vielen Jahrzehnten damit beschäftigt, ähnliche Aufnahmen an "kleineren" Objekten wie etwa Tempelmauern und deren Dekoration vorzunehmen.



12.07.2006
Neue Griechische Inschriften in Alexandria gefunden

Auf dem Gelände des Serapis-Tempels in Alexandria - in der Nähe der sogenannten Pompejus-Säule - fanden ägyptische Archäologen griechische Inschriften aus der Zeit des römischen Kaisers Marcus Aurelius. Der 6-zeilige Text befindet sich auf einer 50 cm langen antiken Steinsäule. Inhaltlich soll es sich dabei um eine Lobpreisung des Serapis handeln, eine ägyptisch-hellenistische Gottheit. Als Datierung wird das Jahr 9 des Marcus Aurelius angegeben. Die 27 m hohe Pompejus-Säule - errichtet zu Ehren des römischen Kaisers Diokletian - war Teil des Serapis-Tempels. Derzeit wird daran gearbeitet, das Gelände rund um die Säule zu restaurieren.
Egypt State Information Service
Middle East Times



09.07.2006
Entwicklungsprojekt "Karnak" von UNESCO gebilligt

Der Egyptian State Information Service berichtet, die UNESCO sei zufrieden mit der Entwicklungsplanung für Karnak. Sie sei ausgewogen und systematisch und halte die richige Balance zwischen dem Erhalt von Ägyptens Vermächtnis und den Plänen der Stadtverwaltung von Luxor. Vor einigen Wochen hatte es noch öffentliche Dispute gegeben (siehe Al-Ahram-Artikel aus Juni 2006). Dabei ging es unter anderem auch darum, ob das Legrain-Haus aus dem 19. Jahrhundert im Zuge der Bauarbeiten abgerissen werden dürfe oder nicht. Die UNESCO jedenfalls erklärte, dass der Erhalt der historischen Stätten ausschließlich in der Verantwortung der ägyptischen Regierung läge und diese in diesem Zusammenhang das Recht hätte, das Legrain-Haus entweder zu erhalten oder auch abzureißen.



09./10.07.2006
Homepage von KV63 upgedatet und mit einigen neuen Fotos versehen

Zum besseren Verständnis des Textes hier zunächst noch einmal die Zeichnung  vom Inhalt des Grabes KV63 (der Homepage entliehen)


Sarg "D", der Kindersarg, wurde dem Grab entnommen. Der kleine Holzsarg ist mit Gold überzogen, erwies sich aber leider als leer. Kopfteil und Gesicht scheinen in gutem Zustand zu sein und sind außerdem sehr kunstvoll ausgeführt; der Rest wurde Opfer von Termiten. Der Sarg hat eine Länge von ca. 46 cm.

In Sarg "E" wurden Girlanden und florale Halskragen gefunden, die sich augenscheinlich ebenfalls gut erhalten haben. Einige wurden mit Papyrus stabilisiert; teilweise wurde Gold eingeflochten. Detaillierte Fotos von Sarg "E" und seinem Inhalt werden kurzfristig auf der Homepage veröffentlicht, sobald die Freigabe durch den SCA erfolgt ist. Dieser Sarg ist inzwischen bereits einigen Konservierungsarbeiten unterzogen worden. Mit Harz bedeckte Textbänder sind sichtbar geworden. Sie verlaufen quer über den Torso und setzen sich mittig bis zum Fußteil fort. Um diese wertvollen Textbänder zu erhalten und mehr über den Inhalt der Inschriften zu erfahren, sind weitere intensive Konservierungsmaßnahmen erforderlich.

Sarg "C" wurde komplett ausgeräumt. Zwei lange unbeschriftete Kalksteinleisten fanden sich im Kopfteil, zusammen mit einer Miniaturschale, einem großen Vorratskrug und einigen bearbeiteten Steinblöcken.

Deckel und Gesichtsmaske (einer der "Schätze" des Grabes) von Sarg "F" wurden entfernt und nach KV10 geschafft. Im Sarg selbst fanden sich wiederum Scherben, Natron, Häcksel, Textilien und sechs kleine Schalen.

Derzeit ist man dabei, eine Umfassungsmauer um den Grabeingang zu errichten. Wenn alles gut geht, wird die laufende Kampagne - sie begann bereits im Dezember 2005 - noch in dieser Woche zu Ende gehen.

Unter archaelology.org hat Mark Rose wiederum einen Artikel verfasst. Besonders herauszustellen ist, dass er Zahi Hawass mehrfach zitiert, der offenbar nach wie vor der Überzeugung ist, bei KV63 handele es sich um das Grab der Kiya, seines Erachtens Mutter von Tutanchamun. Hawass' Theorie: der König habe möglicherweise zu Lebzeiten dafür gesorgt, dass seine Mutter umgebettet wurde, um in seiner Nähe bestattet zu werden. Einen Nachweis dafür gibt es bisher jedoch nicht.

Zusammenfassung eines vorläufigen Berichtes zu den "Kissen" in Sarg "G" von der Textilspezialistin Elise van Rooij

Insgesamt wurde sechs qualitativ hochwertige "Kissen" (in diesem Zusammenhang ein modernes Kunstwort - in Ermangelung einer passenderen Bezeichnung) gefunden. Die Kissen sind rund oder oval mit einer Länge von ca. 40 cm. Die Farbe erscheint in Braunschattierungen, was vormals eventuell ein Rot gewesen sein könnte (Farbuntersuchungen laufen noch). Die Füllung besteht aus kleinen Federn oder daunenähnlichem Material. Alle sechs Kissenhüllen bestehen aus mehreren, sorgfältig zusammengenähten Lagen dicht gewebten Leinens. Die äußeren Lagen sind aus besonders feinem Material gefertigt, während einige der unteren Lagen gröber erscheinen. Spuren von Tintenmarkierungen (z.B. die Hieroglyphen für "Leben, Wohlstand, Gesundheit") konnten ebenso festgestellt werden wie gestickte Embleme und Spuren von Harz.



04.07.2006
Schlechte Zeiten für Fälschungen

Im "Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie" in Mannheim kann die Datierung von bestimmten Artefakten mit modernster Technologie zuverlässig überprüft werden. Das von Professor Ernst Pernicka geleitete Institut gehört zur Universität Tübingen und schlägt die Brücke vom Universitäts- zum Museumsbetrieb. Inzwischen ist die Reputation schon beachtlich: es gibt Anfragen von Museen aus aller Welt, die Stücke aus ihren Beständen archäometrisch untersuchen lassen möchten.

Ein längerer Artikel mit weiteren Details unter damals.de



03.07.2006
Papyrusportal soll Online-Suche ermöglichen

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung  - Universität Leipzig, Dr. Bärbel Adams, 03.07.2006 16:21

5. Deutscher Papyrologentag in Leipzig beschließt: Papyrusportal wird geschaffen.
Leipzig soll mit Jena und Halle Papyrusportal erstellen, um eine Online-Suche über alle in Deutschland vorhandenen und digitalisierten Papyrussammlungen zu ermöglichen.

Wichtigstes Ergebnis des 5. Deutschen Papyrologentages, der vergangenes Wochenende in Leipzig stattfand, ist der Beschlusss, ein Papyrusportal zu erstellen. Der für die Leipziger Papyrussammlung verantwortliche Prof. Dr. Reinhold Scholl wurde zusammen mit den Projektpartnern in Jena und Halle mit der Schaffung dieses Papyrusportals beauftragt. Das bisher schon bestehende Papyrusprojekt Halle-Jena-Leipzig hat das Ziel, die in den Partnerstädten befindlichen Papyri zu digitalisieren, katalogisieren und im Internet zur Verfügung zu stellen.

Ein Antrag auf Förderung des Papyrusportals durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist in Vorbereitung. Die Prorektorin für Lehre und Studium der Universität Leipzig, Prof. Dr. Charlotte Schubert, hat den dauerhaften Betrieb dieses Portals seitens der Universität Leipzig zugesagt.

Die Leipziger Papyrussammlung besitzt 5000 Papyri und 1700 Ostraka (beschriebene Tonscherben). Das Highlight ist natürlich der berühmte Papyrus Ebers, die größte und schönste Buchrolle zur altägyptischen Heilkunde. Eine kleine Sensation sind auch mehrere unveröffentlichte Papyrusfragmente in Griechisch, die eine neue bisher nicht belegte ägyptische Königsliste enthalten und eine Art "Weltchronik" darstellen, die damit die früheste ihrer Art wäre. Eine Besonderheit stellt auch ein noch unpubliziertes und aus drei Teilen bestehendes Papyruskonvolut dar, das in einem Kodex mit 25 Doppelblättern, 12 losen Einzelblättern und in einem weiteren Kodex mit 8 Blättern wichtige Informationen zur Sozial-, Wirtschafts- und Religionsgeschichte der mittelägyptischen Stadt Hermupolis im 4. Jahrhundert n. Chr. enthält.

Das Fach Papyrologie ist entsprechend seiner Natur stark international ausgerichtet. Das zeigte sich auch auf der Leipziger Tagung: Unter den über 60 Teilnehmern befanden sich US-Amerikaner, Belgier, Kanadier, Franzosen, Griechen und Italiener.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Reinhold Scholl
Telefon: 0341 97-30581
E-Mail: scholl@ub.uni-leipzig.de
www.ub.uni-leipzig.de

Zu dieser Mitteilung finden Sie Bilder unter der WWW-Adresse:
http://idw-online.de/pages/de/image34211
Der kleine Albertinus von einem Zauberpergament aus der Leipziger Sammlung

Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/pages/de/news166674

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter:
http://idw-online.de/pages/de/institution232
Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw -
WWW: http://idw-online.de



03.07.2006
Zwist beigelegt

Die Beziehungen der Leitung des ägyptischen Museums Berlin zur Chefetage des SCA waren in den zurückliegenden Jahren alles andere als herzlich. Um so erfreulicher zu lesen, dass die Meinungsverschiedenheiten nun ausgeräumt sind und am Ende - wie nicht anders zu erwarten - Pragmatismus und Vernunft gesiegt haben.

Professor Dr. Dietrich Wildung, Direktor des Ägyptischen Muserums Berlin, berichtet über diese erfreuliche Entwicklung in der jüngsten Ausgabe von aMun, dem Magazin für die Freunde der Ägyptischen Museen Berlin, Hildesheim, Leipzig und München.