ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Juli 2007
31. Juli 2007
Manfred Bietak zu Ausgrabungen in Tell el-Dab'a

Presseaussendung der Universität Wien: Asiatisches Reich im Pharaonenland
Alexandra Frey, Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement
Universität Wien

Im 17. Jahrhundert v. Chr. geriet Ägypten in die Abhängigkeit einer fremden Dynastie aus Vorderasien: Die Hyksos eroberten vom nordöstlichen Nildelta aus ganz Ägypten. Die Hauptstadt dieser Fremddynastie wurde von Manfred Bietak, Ägyptologe an der Universität Wien, 1966 auf einem Ruinenhügel namens Tell el-Dab'a im Nordosten Ägyptens entdeckt. Der Palast der Hyksos blieb trotz jahrzehntelanger Grabungsarbeiten unbekannt. 2005 stießen Bietak und sein Team schließlich zum ersten Mal auf einen ausgedehnten Palastbezirk der Hyksos-Zeit. Seitdem konnten die ArchäologInnen etwa ein Viertel eines Palastes freilegen und spannende Einblicke in die Alltagswelt dieser Zeit gewinnen.
Bisher ist nicht viel über Herkunft, Kultur- und Ereignisgeschichte der Hyksos in Ägypten bekannt. Sie regierten zwischen 1640 und 1530 v. Chr. von ihrer Hauptstadt Auaris im östlichen Nildelta aus Ägypten, bis die Pharaonen der 17./18. Dynastie die Hyksos besiegten und die Hauptstadt eroberten.

 

 

 

Update 05/2016

Die hier seinerzeit verlinkte Abbildung

ist leider nicht mehr online

Der Ort rund um die heutige Stadt Tell el-Dab'a hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Nach den Hyksos nützte die Regierung von Tuthmosis III. und Amenophis II. (15. Jahrhundert v. Chr./18. Dynastie) in der Zeit des Neuen Reiches diesen strategisch günstig gelegenen Platz für die größte ägyptische Militär- und Marinebasis "Perunefer". Zuletzt war die Siedlung als "Ramses-Stadt" und Residenz von Ramses II. bekannt.

Univ.-Prof. Dr. Manfred Bietak, Vorstand des Instituts für Ägyptologie und Gründer des Österreichischen Archäologischen Instituts in Kairo, arbeitet gemeinsam mit Dr. Irene Forstner-Müller und einem großen Team seit 2005 an der Freilegung dieses vorderasiatischen Herrschersitzes der Hyksos.
Plan des Nildeltas mit der Lage von Tell el-Daba. Die eingezeichneten Nilarme entsprechen den antiken Nilarmen, auch die antike Küstenlinie ist zu sehen.
 (c)  Universität Wien, Institut für Ägyptologie

 

 

 

 

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Ein Palast über dem anderen

"Architektonisch handelt es sich dabei eindeutig nicht um einen ägyptischen Palast. Die Anlage hat eher Ähnlichkeiten zu großen Palastanlagen in Nordsyrien und Mesopotamien", erklärt der Ägyptologe. Bis heute konnte das Team um Bietak 100 mal 20 Meter des insgesamt 8.000 Quadratmeter großen Palastes freilegen. Durch geomagnetische Untersuchungen ist den ÄgyptologInnen aber der genaue - fast quadratische - Grundriss der Anlage bekannt. Das Ziel der nächsten Jahre: die vollständige Freilegung dieses vorderasiatischen Herrschersitzes. "Wir suchen außerdem noch einen zweiten Palast der Hyksos, der existieren muss, da der erste - wie unsere Funde zeigen - so plötzlich in der Mitte der Hyksoszeit verlassen wurde", so Bietak.
Ausgrabungen am Hyksospalast
 (c)  Universität Wien, Institut für Ägyptologie


Festliche Fundstücke

Im Zuge der Freilegung des Hyksos-Palastes machten die ForscherInnen einen Sensationsfund: eine Grube mit rund sechs Meter Durchmesser, gefüllt mit über 1.000 Tongefäßen und Tierknochen. "Es muss ein großes Festmahl stattgefunden haben. Wir nehmen an, dass es sich dabei um ein Abschiedsritual handelte, da das Bauwerk unmittelbar danach verlassen wurde. Möglicherweise könnte der Tod des Palastinhabers die Ursache gewesen sein. Die Speiserelikte und zahlreichen beigesetzten Tongefäße sprechen für ein rituelles Totenmahl, wie man es in vielen Fällen auch in einem früher ausgegrabenen Tempel- und Gräberbezirk der Hyksoszeit nachweisen konnte. Bei solchen Festen wurden normalerweise 200 Tongefäße in zerbrochenem Zustand beigesetzt, doch im vorliegenden Fall fanden wir an die 1.300 Stück Tafelgeschirr und Ritualkeramik. Anschließend scheint der Palast aufgegeben worden zu sein", schlussfolgert Prof. Bietak. Eine zweite Grube gleicher Größe konnte durch geomagnetische Untersuchungen geortet werden, blieb aber bisher unangetastet.

Mitte August fährt Manfred Bietak wieder ins östliche Nildelta, um seine Forschungen fortzusetzen: "Wir suchen nach dem zweiten Palast der Hyksos. Möglicherweise haben wir davon schon einen Mauerrest entdeckt, doch genaueres können wir erst nach weiteren Grabungen sagen."

Kontakt:
O. Univ.-Prof. Dr. Manfred Bietak
Vorstand des Instituts für Ägyptologie
Universität Wien
1090 Wien, Frankgasse 1
T: +43-1-4277-431 03
manfred.bietak@univie.ac.at

Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at
www.univie.ac.at/175
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/175 Medienservice der Universität Wien, Download der Fotos


29. Juli 2007
Neues Buch von Jan Assmann
Erinnertes Ägypten - Pharaonische Motive in der europäischen Religions- und Geistesgeschichte

Assmann hat in einem 200 Seiten starken Band seine Erkenntnisse zum "erinnerten Ägypten in Europa" zusammengefasst, etwa die Ähnlichkeiten von Isis mit dem Horusknaben mit Maria mit dem Jesuskind oder die Verbindungen des ägyptischen Totengerichts mit dem Jüngsten Gericht der Bibel.

Rezension in der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau


27. Juli 2007

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung

Geöffnete Wege in der Stadt des "Wegeöffners": Zehnjährige Perspektive für Grabungen in Mittelägypten

DFG nimmt ägyptologische Forschungen zum Gräberberg von Assiut in die Langfristförderung auf - 513.000 Euro für die nächsten drei Jahre bewilligt

(Mainz, 27. Juli 2007, lei) Nach der Blütezeit der großen ägyptischen Pyramidenbauer im Alten Reich gewann etwa 2000 Jahre v.Chr. ein Fürstengeschlecht Mittelägyptens an politischer Bedeutung und wirtschaftlicher Größe: die Machthaber des Gebiets um Assiut, einem zu Lande und zu Wasser strategisch wichtigen Posten - die wichtigste Lokalgottheit war bezeichnenderweise der schakalsköpfige Upuaut, der "Wegeöffner". Die Fürsten standen auf Seiten des neu aufkommenden Herrschergeschlechts der Herakleopoliten im Norden, die die Thebaner im Süden bekämpften, wodurch Assiut zu einem Hauptschauplatz des
Kampfgeschehens wurde. Die politische Situation und die Rolle der Fürsten in den Kämpfen sind in Inschriften beschrieben, die sich in ihren groß angelegten Felsgräbern im Westen von Assiut fanden. In vierjähriger Arbeit haben Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Universität Sohag bereits wertvolle neue Entdeckungen gemacht, die die bisherigen Kenntnisse der altägyptischen Nekropole von Assiut wesentlich erweitern. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat das Projekt nun in die Langfristförderung aufgenommen und damit eine Unterstützung bis zum Jahr 2017 in Aussicht gestellt. Für die kommenden drei Jahre bis 2010 wurden zunächst ca. 513.000 Euro bewilligt.

Assiut, die größte Stadt Mittelägyptens, liegt etwa 375 Kilometer südlich von Kairo und war schon seit Beginn des Pharaonenreiches besiedelt. In der Neuzeit war sie aufgrund ihrer Lage am Ende wichtiger Karawanenwege einer der größten Umschlagplätze für den Sklavenhandel, heute ist die Region durch einen großen koptischen Bevölkerungsanteil gekennzeichnet. Wenngleich die antike Siedlung aus dem 21. und 20. Jahrhundert v. Chr. wohl unwiederbringlich unter der modernen Stadt verschwunden sein dürfte, so liefert die antike Nekropole, der Gräberberg im Westen der Stadt, zahlreiche Informationen über das alte Assiut.

Bereits 1799 hat die napoleonische Expedition Zeichnungen von Grabwänden und Texten angefertigt, die heute von unschätzbarem Wert sind, weil zwischenzeitlich durch Steinbrucharbeiten und umfangreiche Plünderungen vieles zerstört wurde. Am Rande des Wüstengebirges gelegen, umfasst die Nekropole über tausend in den Fels gehauene Gräber aus der Zeit des Alten Reichs bis in die römische Epoche, aber auch koptische Klöster und Wohnnischen, und birgt damit wertvolle Informationen über die Geschichte der Stadt, ihre Bewohner und die angrenzenden Gebiete.

Seit 80 Jahren gab es keine systematischen wissenschaftlichen Arbeiten mehr vor Ort, da das Gelände die letzten Jahrzehnte in einem militärischen Sperrgebiet lag. Nach einem ersten Survey im Jahr 2003 konnten die Ägyptologen 2004, finanziert vom Forschungsfonds der Universität Mainz, die erste Kampagne einer breit angelegten archäologischen Feldforschung in Assiut durchführen. Sie ermöglichte eine erstmalige Kartierung und Bestandsaufnahme des stark durchlöcherten und verzweigten Gräberberges und brachte zahlreiche Funde, darunter über 300 Fragmente von Dienerfigürchen sowie unterschiedlichste Keramik, Teile von Särgen und weitere Beigaben aus den Grabausstattungen. "Ein Höhepunkt war jedoch die Entdeckung eines
bislang völlig unbekannten Grabes am Ende der Kampagne des Jahres 2005", erläutert Univ.-Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen vom Institut für Ägyptologie und Altorientalistik. "Es liefert unter anderem einzigartige Befunde zum ägyptischen Schulwesen." Das Grab gehört einem lokalen Fürsten vom Ende der Ersten Zwischenzeit, der Epoche zwischen dem Alten und dem Mittleren Reich, namens Iti-ibi(-iqer), gestorben ca. 2030 v. Chr. Die Wände des Grabes waren vollständig dekoriert, im Vorhof wurden 14 kleine Schachtgräber freigelegt, die zum Teil noch ungestörte Bestattungen aus der Zeit des Grabbesitzers enthielten. 500 Jahre später wurden die Wände als Untergrund für ca. 140 literarische Schultexte und Besucherinschriften
verwendet.

"Mit der kontinuierlichen Förderung durch die DFG können wir nun zunächst drei weitere Grabungsarbeiten mit der Universität Sohag wie geplant durchführen und die Funde entsprechend bearbeiten und publizieren", erklärt Verhoeven. Die Projektleiterin erwartet davon neue Erkenntnisse über die Geschichte und Kunst einer Epoche, die von Bürgerkrieg und einem darauf folgenden kulturellen und wirtschaftlichem Aufschwung gekennzeichnet war. "Wir möchten außerdem den Nekropolenberg und seine Nutzung über mehrere Jahrtausende hinweg analysieren, denn Assiut besaß einen großen Anteil am kulturellen Gedächtnis des Alten Ägypten."

Außer Univ.-Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen als Leiterin sind an dem Projekt der Mainzer apl. Prof. Dr. Jochem Kahl als hauptamtlicher Mitarbeiter und Grabungsleiter auf deutscher Seite sowie auf ägyptischer Seite Prof. Dr. Mahmoud El-Khadragy von der Universität Sohag beteiligt. Außerdem arbeiten Ägyptologen und Studierende aus Mainz, Münster und Sohag, eine Anthropologin, eine Zooarchäologin, ein Archäobotaniker, eine Bauforscherin, ein Fotograf und zwei Epigraphiker an dem Feldprojekt mit. Die nächste und damit fünfte Feldkampagne findet vom 25. August bis 11. Oktober 2007 statt.

Kontakt und Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen
Institut für Ägyptologie und Altorientalistik
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. +49 (0)6131 39-25005
Fax +49 (0)6131 39-25409
E-Mail : verhoeve@uni-mainz.de

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.aegyptologie-altorientalistik.uni-mainz.de
http://zope.verwaltung.uni-mainz.de/presse/bilder/Assiut

Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/pages/de/news220385

Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw - http://idw-online.de


26. Juli 2007
Wissenschaftliche Untersuchung alt-ägyptischer "Prothesen"

Jacky Finch von der Universität Manchester möchte zwei künstliche Zehen untersuchen. Eines der beiden Stücke befindet sich im Museum von Kairo, das andere im British Museum. Der Kairener Zeh war von den alten Ägyptern so konstruiert worden, dass ein amputierter Zeh ersetzt werden konnte. Gefunden wurde er an einer weiblichen Mumie aus der 20./21. Dynastie. Der Anthropologe Andreas Nerlich äusserte nach Inaugenscheinnahme des Stückes, dass es der Dame zu Lebzeiten sehr wohl das Laufen hätte erleichtern können. Andere sehen darin ein bei der Mumifizierung hergestelltes "Ersatzteil" - zur Komplettierung des Körpers für das Jenseits (siehe auch Artikel vom 24.08.2002). Diese Frage soll nunmehr durch detailliertere Untersuchungen geklärt werden.

Ein Beitrag in Al-Ahram Weekly vom August 2002 berichtete über die Fundumstände des Kairener Fußes und veröffentlichte auch ein Foto dazu.

news1130.com
dailymail.co.uk mit schönen Fotos

26. Juli 2007
Die Metropole Alexandria und ihre Vorgängerin

msnbc.com veröffentlicht Untersuchungsergebnisse des Geoarchäologen Jean-Daniel Stanley und seiner Kollegen vom Smithonian's National Museum of Natual History, nach denen bereits vor Gründung von Alexandria am gleichen Ort eine nicht unbedeutende Siedlung gestanden hat, Rhakotis. Der Ort ist in schriftlichen Quellen erwähnt und wurde von Wissenschaftlern in/bei Alexandria vermutet. Die von Stanley vorgenommenen Kernbohrungen bestätigen dies. Allerdings ist auch diese Erkenntnis nicht neu. Im April letzten Jahres meldeten französische Wissenschaftler Ähnliches.


25.07.2007
Mumienforschungsprojekt in Mannheim

Im Zuge der Ausstellung "Mumien - Der Traum vom ewigen leben" im Reiss-Engelhorn-Museum Mannheit wurde auch ein Forschungsprojekt aufgelegt, um 19 Mumienobjekte, die im Jahre 2004 bei Umbauarbeiten innerhalb des Museums zu Tage gefördert wurden, mit moderner Technik genauer zu untersuchen.

damals.de

23. Juli 2007
Die Festungen auf dem Sinai (Artikel von gestern)

Ein Beitrag in der EEF Mailingliste weist darauf hin, dass eine ähnliche Meldung bereits vor einigen Jahren aus den News-Tickern lief und ich erinnerte mich daraufhin dunkel, tatsächlich schon einmal etwas dazu geschrieben zu haben -> Artikel vom 01.07.2004


22. Juli 2007
Der Fall Hatschepsut

Seit einigen Wochen ist in allen Medien zu lesen, zu sehen und zu hören, man habe nunmehr die Mumie der Hatschepsut identifiziert. Nachdem Zahi Hawass vor etwa einem Jahr noch davon ausging, die zierliche Person aus KV60 - die Mumie befindet sich seit langem im ägyptischen Museum Kairo - sei Hatschepsut (siehe Artikel vom 23.06.2006), musste er seine Meinung nun revidieren. Nach den jüngsten Untersuchungen ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit die sterbliche Hülle der sehr großen und stabilen Frau aus KV60 nicht wie vermutet die Amme Sit-Ra, sondern die Königin selbst. Als Howard Carter das Grab 1903 entdeckte und inspizierte, lag die zierliche Mumie in einer Sargwanne, deren Inschrift sie als Sit-Ra auswies. Die zweite weibliche Person lag auf dem nackten Boden.

Während der letzten zwölf Monate versuchte die ägyptische Antikenbehörde, die Mumien zuverlässig zu identifizieren und ließ sie zunächst computertomografisch untersuchen. Auf der Suche nach möglichem Vergleichsmaterial erinnerte man sich an einen Kasten, der die Kartuschen der Hatschepsut trägt. Der Kasten war 1881 von Emile Brugsch in der Cachette von Deir el-Bahari gefunden worden. Nach erstem Augenschein enthielt er menschliche Organe, vermutlich von Hatschepsut. Ohne ihn zu öffnen,  unterzog man den Kasten jetzt einem CT-Scan und entdeckte dabei einen Backenzahn. Da die größere der beiden Mumien aus KV60 tatsächlich eine Zahnlücke aufweist, startete man ein Experiment: der Backenzahn wurde virtuell in die Zahnlücke der Mumie gesetzt und passte genau. Dies war ein erster schlüssiger Hinweis darauf, dass es sich bei der "weniger hübschen" Mumie um Hatschepsut handeln könnte. Weitere Beweise sollten DNA-Vergleiche bringen. Ägyptische Experten führten sie unter der Leitung der britischen Wissenschaftlerin Dr. Angelique Corthals durch. Über das verwendete Vergleichsmaterial gab es zahlreiche Widersprüche in der Presse. Kandidaten waren die Mumien von Thutmoses I., II. und III. sowie Ahmes-Nefertari. Inzwischen hat sich herauskristallisiert, dass der Vergleich der beiden Mumien aus KV60 mit Material der Mumie von Ahmes-Nefertari vorgenommen wurde. Sie wird als Großmutter der Hatschepsut bezeichnet, obwohl diese verwandtschaftlichen Zusammenhänge in der einschlägigen Fachliteratur bisher keinen Niederschlag gefunden haben. Auch einem der jüngeren Werke, "The Complete Royal Families" aus dem Jahre 2004, ist nichts dergleichen zu entnehmen. Es ist unklar, worauf die sehr bestimmt und sicher klingenden Aussagen der Wissenschaftler basieren. In jedem Fall teilte Corthals in verschiedenen Presseinterviews mit, das vorläufige Ergebnis des DNA-Vergleichs zeige deutliche Übereinstimmungen mit der größeren KV60-Mumie. Wirklich zuverlässig könne man dies jedoch erst nach Abschluss aller Untersuchungen sowie einem möglichen zweiten Test in einem anderen Labor sagen. Ein zweiter Test ist geeignet nachzuweisen, dass nicht versehentlich eine Kontaminierung des hochsensiblen Materials aufgetreten ist.

Bei der nun als sterbliche Überreste der Hatschepsut angesehenen (großen) Mumie wurden verschiedene Leiden diagnostiziert. Neben einem erheblichen Übergewicht litt sie zu Lebzeiten offenbar an Diabetes. Ihr linkes Bein weist einen 2 cm großen Tumor auf und ihr Gebiss war in einem bedauernswerten Zustand. Zum Zeitpunkt des Todes ist sie etwa 50 Jahre alt gewesen. Nach dieser Diagnose dürfte Gerüchten um eine etwaige Ermordung der Königin endgültig jegliche Grundlage entzogen sein. Rechnet man zurück, dann kann Hatschepsut bei ihrer Thronbesteigung keine ganz junge Frau mehr gewesen sein. Ihr Alter zu diesem Zeitpunkt kann mit Anfang 30 angenommen werden. Setzt man eine 2- oder (wie von manchen Wissenschaftlern vermutet) gar 7-jährige Phase der Regentschaft an, die sie später zu den Regierungsjahren hinzurechnete, dann wäre sie bei ihrer Krönung eine Mittdreißigerin gewesen.

Die vermeintliche Mumie von Thutmoses I. (CG 61065) wurde nicht zum Vergleich herangezogen, da die Identität sehr unsicher ist. Zahi Hawass berichtet, bei der für Thutmoses I. gehaltenen Mumie handele es sich um einen etwa 40jährigen Mann, der noch dazu an einer Verletzung durch einen Pfeil starb. Thutmoses I. sei jedoch etwa im Alter von 60 Jahren eines natürlichen Todes gestorben. Dies lehre die Historie. Ohne der endgültigen DNA-Analyse an dieser Mumie vorzuggreifen, besteht  zumindest die theoretische Möglichkeit, dass es sich vielleicht doch um Tuthmoses I. handeln könnte. Der König hätte, falls ihn mit 40 Jahren das Zeitliche gesegnet hat, im Alter von 25 oder 27 Jahren den Thron bestiegen. Die Pfeilverletzung - nach Al-Ahram Weekly 851 handelt es sich um die "Reste eines in seinem Brustkorb eingeschlossenen Pfeils" -  könnte er sich bei seinem großen und vermutlich langen Syrienfeldzug im Jahre 4 oder 5 zugezogen haben, der ihn immerhin bis an den Euphrat brachte. Eine äußere Verletzung an der Mumie 61065 wird im Catalogue Générale nicht erwähnt. Die Pfeilverletzung muss also nicht zwangsläufig direkt zum Tod geführt haben, wie von Hawass angenommen.

Trotz der in der Tat aufregenden Erkenntnisse, die die Untersuchungen der beiden KV60-Mumien erbrachten, bleiben noch Fragen offen. Warum befand sich der Kasten der Hatschepsut mit offensichtlichen Resten aus der Balsamierung in der Cachette von Deir el-Bahri, die Mumie jedoch pietätlos auf dem Boden von KV60? Wenn auch nicht die Antwort auf diese Frage, so werden doch einige andere nicht weniger wichtige Details wohl nur der wissenschaftlichen Publikation über die durchgeführten Untersuchungen entnommen werden können, mit der wahrscheinlich im nächsten Jahr zu rechnen sein wird.

guardians.net
livescience.com
eurekalert.org
scientistlive.com
welt.de (Fotos)
stern.de (Fotos)
Reuters


22. Juli 2007
Festungen der 18. Dynastie auf dem Sinai entdeckt

Auf dem Sinai wurden drei der insgesamt vermutlich elf Festungen am sogenannten Horus-Weg, der alten Heerstraße der Ägypter, entdeckt. Das bedeutendste Gebäude ist ein 250 x 500 m großes Fort namens Tharu mit 24 Türmen und Mauern mit einer Stärke von bis zu 13 m. Um den Komplex zog sich einst ein Wassergraben über den das Fort durch Zugbrücken zugänglich war. Es stammt vermutlich aus der Zeit Thutmoses III. und liegt nur 3 km vom Suez-Kanal entfernt. Die beiden anderen Anlagen sind weniger gewaltig; sie befinden sich in ca. 10 bzw. 25 m Entfernung zum Suez-Kanal.

derstandard.de


17. Juli 2007
Siedlungsreste aus dem Alten Reich in Bahariya gefunden

Eine tschechische Mission fand in Bahariya eine Siedlung, die in das Alte Reich datiert wird. Nicht weit vom "Tal der goldenen Mumien", das in den späten 1990ern ans Licht kam, stieß man auf Reste von Mauern, Gebäuden und Töpferware. Besonders wertvoll ist diese neue Entdeckung deshalb, weil in der fraglichen Gegend bisher zwar steinzeitliche Funde und solche aus dem Mittleren Reich gemacht wurden, jedoch keine aus dem Alten Reich.

iol
khaleejtimes.com


13. Juli 2007
Identität von Pharaonenmumien soll überprüft werden

Nachdem bekannt ist, dass nach dem Ausräumen der Königsmumien aus der Cachette von Deir el-Bahri Verwechslungen nicht ausgeschlossen sind, wird die ägyptische Antikenbehörde nun mit Hochtechnologie die Identität der Mumien prüfen und unter Umständen auch neu bestimmen. Unter Einsatz des neuen DNA-Labors (s.u.) und der Computertomografie wird es möglich, die Sicherheit in der Bestimmung um ein Vielfaches gegenüber früheren Methoden zu erhöhen. Hellhörig wurden die Wissenschaftler vor allem durch die vermeintliche sterbliche Hülle von Tuthmoses I., deren Identität jedoch wegen des nicht passenden Alters und einer Verletzung (möglicherweise ein Pfeil) des Verstorbenen angezweifelt werden muss. G. Elliot Smith spricht im Catalogue Générale (1912)  lediglich von "Mummy supposed to be Thoutmosis I", denn diese Identifikation entspringt offenbar ausschließlich einer zeitgenössischen Aussage von Gaston Maspero, der Familienähnlichkeiten feststellte.

Egypt State Information Service
iht.com
boston.com
reuters

12. Juli 2007
Abora III will Atlantik überqueren

Nachdem die früheren Unternehmungen von Dominique Görlitz aus Chemnitz nicht den erwarteten Erfolg brachten - ein Vorläufer der Abora III scheiterte im Mittelmeer, soll nun mit dem jüngsten Projekt eine Überquerung des Atlantiks von West nach Ost mit einem Schilfboot gewagt werden. Görlitz möchte damit beweisen, dass es schon in der sehr frühen Antike Kontakte zwischen der alten und der neuen Welt gab. Wiederum verweist Görlitz auf Nikotin- und Kokain-Spuren an der Mumie Ramses' II. und sieht auch dies als Beweis früher Handelskontakte. Leider erhöht ständige Wiederholung nicht den Wahrheitsgehalt. Die Herkunft dieser Spuren ist ungeklärt. Die wahrscheinlichste Erklärung ist vielleicht eine Kontamination in der Neuzeit. In einem Spiegel-Interview ist gar von "Derivaten von Tabakpflanzen und Kokain in den Gräbern von Ramses II. und Tutanchamun" die Rede. Ungläubiges Staunen ist wohl noch das Mindeste, das sich in der Fachwelt breit machen dürfte angesichts dieser Behauptung.

derstandard.de
Abora 3


11. Juli 2007
CT-Vergleich soll Vaterschaft beweisen

Die ägyptische Antikenbehörde hat im Zuge von computertomografischen Aufnahmen diverser Mumien auch eine anonyme Mumie untersuchen lassen, die im Jahre 1907 von Theodore M. Davis in dem völlig verwüsteten Grab 55 im Tal der Könige (KV55) entdeckt wurde. Die sterbliche Hülle befand sich in einem erbärmlichen Zustand und lag in einem ursprünglich wohl für ein weibliches Mitglied des Königshaus bestimmten anthropomorphen Sarg mit Rischi (Feder)-Dekoration. Das Gesicht war bereits in der Antike gewaltsam unkenntlich gemacht worden, ebenso wie die Namenskartuschen im von oben nach unten verlaufenden Inschriftenband. Frühere Untersuchungen hatten ergeben, dass die unbekannte Mumie aus KV55 und die Mumie Tutanchamuns die gleiche Blutgruppe besitzen. Nun sollte ein Vergleich angestellt werden zwischen den CT-Aufnahmen vom Schädel des anonymen Leichnams und denen des Tutanchamun. Das Ergebnis zeigt auffällige Ähnlichkeiten beim Kiefer, den Wangenknochen, der Gaumenspalte, den Weisheitszähnen und der leichten Skoliose an der Wirbelsäule. Auch die Kopfformen passen zueinander. Zahi Hawass meint zur Mumie aus KV55: "Wir können sagen, dass dies aufgrund der Belege, des Alters und der [eigentlich unleserlichen] Inschrift auf dem Sarg Echnaton sein könnte." Bei der Bemerkung zur Inschrift bezieht er sich vielleicht auch auf eine Aussage des Ägyptologen Peter Lacovara, der postuliert: "Ich glaube, die Veränderung an der Sarginschrift lässt die Vermutung zu, dass der Sarg für ein männliches Mitglied der königlichen Familie von Amarna umgearbeitet wurde, am wahrscheinlichsten für Echnaton." Sollten all diese Hypothesen sich bewahrheiten, dann wäre endgültig klar, dass der Vater von Tutanchamun Echnaton heißt. Mit letzter Sicherheit kann dies aber auch nach den aufwändigen jüngsten Untersuchungen nicht gesagt werden.

Auch die Identität der beiden weiblichen Mumien (Elder Lady und Younger Lady) in einer Seitenkammer von KV35, dem Grab Amenophis' II., war bereits Gegenstand einer CT-Untersuchung. Dass es sich bei der Elder Lady nicht um Nofretete handeln kann, wurde schon berichtet. Dies deckt sich auch mit dem Ergebnis einer Untersuchung der Haarlocke, die man im Grab Tutanchamuns fand, in einem Behältnis, das den Namen der Teje trug. Der Probenvergleich vom Haar der Mumie der Elder Lady mit der Haarlocke erbrachte bereits vor Jahre eine große Übereinstimmung, so dass es nicht unwahrscheinlich ist, dass es sich um Teje handelt. Die Younger Lady hingegen könnte Kija sein, eine Nebenfrau Echnatons und möglicherweise Mutter von Tutanchamun, sagt Zahi Hawass.

ad-hoc-news.de
news.nationalgeographic.com
news.nationalgeographic.com (mit Aufnahmen des Computertomografen)
offizielle SCA-Pressemitteilung zum gleichen Thema vom 10.07.2007


08. Juli 2007
Bemühungen zur Rettung von el-Lischt

Der SCA hat beschlossen, sich intensiv um die Monumente in el-Lischt zu bemühen. Insbesondere ist es - wie überall in Ägypten - das Grundwasser, das die Wissenschaftler beunruhigt, denn es bedroht die Grabkammern der Pyramiden Amenemhet's I. und Sesostris' I. Weiterhin sollen die Reliefs im Grabkomplex des Sesostrisanch restauriert werden (siehe Foto links aus dem Jahr 2000).

In el-Lischt werden noch weitere, bisher nicht entdeckte Monumente aus dem Mittleren Reich vermutet. Durch die nun geplanten Restaurierungsarbeiten hofft man, vielleicht darauf zu stoßen.


04. Juli 2007
Offener Brief in Al-Ahram Weekly zur Rettung Luxor's

Die "Gesellschaft Ägyptischer Architekten" veröffentlicht einen Offenen Brief an die UNESCO und weist auf die Gefahren hin, die eine übereilte Durchführung des Luxor Development Projekts nach sich ziehen kann. Zwischen den Zeilen ist zu erkennen, dass die Verfasser der Verwaltung von Luxor mangelnde Sorgfalt vorwerfen. Und angeblich wäre die UNESCO nicht in dem Maße eingebunden gewesen, wie es eigentlich hätte sein sollen: "Jedes Projekt dieser Größenordnung soll im Vorhinein dem UNESCO Interational Heritage Committee zur Prüfung vorgelegt werden und seine Umsetzung sollte in voller Kooperation mit dem Committee und anderen internationalen Institutionen vorgenommen werden. Diesem Ablauf wurde zu unserem Bedauern im Falle von Luxor nicht gefolgt".

siehe dazu auch Artikel vom 19.06.2006 und vom 09.07.2006


03. Juli 2007
Ägyptische Mumie in Hyderabad in Gefahr

Einer ägyptischen Mumie im A.P. State Museum im indischen Hyderabad droht der Verfall. Obwohl man die sterblichen Überreste der jungen, vermutlich etwa 16 bis 18 Jahre alten Frau erst kürzlich in eine andere Umgebung verbrachte, konnte die Zerstörung nicht aufgehalten werden. Die Binden lösen sich und es zeigen sich bedrohliche Risse in der äußeren Hülle. Datiert wird die Mumie auf 2500 v. Chr. Sie gelangte im Jahr 1930 nach Indien und war seitdem dort ausgestellt. In Ermangelung eigener Spezialisten für Konservierung bat die Museumsleitung von Hyderabad um internationale Hilfestellung. Ein entsprechendes Ersuchen an das British Museum in London wurde abgelehnt mit der Begründung, man sei nicht in der Lage, Konservatoren zu entsenden. Auch Kairo wurde um Unterstützung gebeten. Eine Antwort blieben die Ägypter bisher schuldig.

siasat.com


01. Juli 2007
Ägypten erhält eigenes DNA-Labor

Im ägyptischen Museum von Kairo steht seit Kurzem ein Testlabor, das die Ägypter in die Lage versetzt, eigene DNA-Analysen durchzuführen. Die ägyptische Altertümerverwaltung ist in dieser Hinsicht nun weniger abhängig von ausländischen Wissenschaftlern. Das neue Labor wurde den Ägyptern von Applied Biosystems (NYSE:ABI) in Kooperation mit Discovery Channel zur Verfügung gestellt. Dazu gehören neben dem Analysegerät selbst auch Reagenzien, Software und Schulungen von ägyptischen Spezialisten.

Applied Biosystems ist eines der führenden Unternehmen auf dem Biotechnologiesektor.

inar.de
sanjose.bizjournals.com