ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Juli 2011

28. Juli 2011
Presseresonanz zur 43. Ständigen Ägyptologenkonferenz (SÄK) in Leipzig

Die diesjährige SÄK fand vom 22. bis 24.07.2011 in Leipzig statt. Neben den üblichen Berichten aus dem universitären Bereich und den archäologischen Instituten Österreichs, der Schweiz und Deutschlands war das alles überragende Thema die Auseinandersetzung mit der Rolle der Ägyptologie in der Zeit von 1871 bis 1949. Den breitesten Raum nahm aus guten Gründen die Zeit des Dritten Reiches ein. Eine erste Mediennachlese findet man in Interviews, die der Deutschlandfunk mit Wissenschaftlern führte. Während einige Ägyptologen sich für mein Empfinden eher zurückhaltend äußern, legen andere den Finger ganz offen in die Wunde, wie Julia Budka vom Institut für Ägyptologie in Wien: "Es gibt eine Wissenschaftsethik. Das ganze Wiener Institut war natürlich massiv verstrickt, alle Institutionen. Nur es hat einfach keine personellen Konsequenzen gegeben. Und die Schüler haben es nicht gewagt, die Lehrer zu Lebzeiten damit zu konfrontieren. Jetzt muss es halt im Nachhinein geschehen. Aber geschehen muss es. Weil es eben zu unserer Fachidentität auch dazugehört."
dradio 24.07.2011
dradio 28.07.2011

Eine ausführliche Reportage über die Konferenz wird in Ausgabe 04/2011 der Zeitschrift Kemet erscheinen.



28. Juli 2011
Land der Pharaonen: Die Schweiz

Ein Gentest-Institut in Zürich will herausgefunden haben, dass jeder zweite männliche Schweizer mit der gleichen DNA-Untergruppe ausgestattet ist, wie sie auch bei den Untersuchungen an der Mumie Tutanchamuns analysiert wurde. Dieser Personenkreis und der junge ägyptische König hätten demzufolge den gleichen Stammvater, der vor etwa 9.500 Jahren in der Kaukasus-Region lebte.
20min



26. Juli 2011
Wandmalereien in Sakkara gefunden

Durch Zufall konnten vier Wandmalereien eines Grabes in Sakkara gesichert werden. Sie waren bei Raubgrabungen freigelegt worden, konnten aber durch Mitarbeiter des SCA geborgen und in ein Magazin in Sakkara verbracht werden. Die Darstellungen zeigen Szenen aus dem täglichen Leben und Opferhandlungen. Der Name des Grabinhabers sei auch verzeichnet, heißt es; im Pressebeitrag wird er leider nicht genannt.
english.youm7

Ein zweiter Beitrag berichtet von einem weiteren Fund von fünf dekorierten, ca. 1 x 1 m großen Wandfragmenten, die in einem Dorf bei El-Lischt gefunden wurden. Auch diese Artefakte wurden sichergestellt.
english.youm7


26. Juli 2011
Hilferuf der Oxford University

"Dieses ist ein Stück Text, das in Ägypten gefunden und vor über 1.000 Jahren geschrieben wurde. Wir möchten Sie bitten, uns zu helfen, es zu lesen." Diese Bitte an die Öffentlichkeit befindet sich auf einer Webseite der Oxford University. Mit dem eher ungewöhnlichen Projekt möchten die englischen Wissenschaftler Teilnehmer weltweit ermutigen, ihnen bei der Entzifferung der Oxyrhynchus-Papyri behilflich zu sein."Wir möchten so viele der Original-Papyri wie möglich transkribieren, um sie zu identifizieren und die Texte zu rekonstruieren. Ein einzelnes Augenpaar kann nicht alles sehen und lesen und deshalb kann jeder seinen Beitrag leisten, vom Wissenschaftler und Professor bis zum Schüler und Liebhaber der Antike", sagt Projektdirektor Dirk Obbink.
bbc
christianpost



20. Juli 2011
Ausstellung von "Kriegsverlusten" im Kestner-Museum Hannover

Die Überschrift klingt paradox, jedoch werden im Kestner-Museum tatsächlich die während bzw. als Folge des Zweiten Weltkriegs verloren gegangenen Objekte sichtbar gemacht. Die Ausstellung "Lost!" zeigt noch bis zum 7. November 2011 Karteikarten und Fotos der mehr als 700 Stücke, die wahrscheinlich größtenteils in alle Welt verstreut wurden, denn der größte Verlust entstand nach Kriegsende durch Plünderung der während des Krieges in einem Salzbergwerk eingelagerten Kisten. Mithilfe der Ausstellung und des entsprechenden Kataloges hofft man auch, dem Diebesgut auf die Spur zu kommen.
haz


18. Juli 2011
Erste Bauphase des Karnak-Tempels nicht am Ufer des Nils

Bohrungen vor dem ersten Pylon des Karnak-Tempels zeigen, dass die erste Bauphase der Tempelanlage (Mittleres Reich, um 1970 v.Chr.) ursprüglich etwa 500 m vom Flussufer entfernt erfolgte. Dies konnten Wissenschaftler des französischen Centre national de la recherche scientifique (CNRS) nach Auswertung der Sedimentproben nachweisen. Der Lauf des Nils änderte sich erst etwa 400 Jahre später, als das Ufer näher an den Tempel heranrückte. Der rigorosen Aussage von Matthieu Ghilardi, CNRS, die Darstellung aus dem Grab des Neferhotep (siehe Abbildung unten), die einen Kanal zeigt, der den Nil mit einem dem Pylon (wohl der 3. Pylon, erbaut von Amenophis III.) vorgelagerten Wasserbecken verbindet, sei ein Fantasiegebilde, kann ich mich nicht widerspruchslos anschließen. Neferhotep lebte in der späten 18. Dynastie (etwa 1300 v. Chr.). Zu dieser Zeit sollte eine solche Anbindung des Tempels an den Fluss möglich gewesen sein.


Aus dem Grab des Neferhotep (TT49) in Theben West
nach Norman de Garis Davies

AFP



16. Juli 2011
Ägyptischer Außenminister zurückgetreten

Erst knapp einen Monat im Amt (siehe Beitrag vom 19.06.2011), legte Außenminister Mohamed Al-Orabi sein Amt nieder. Die offizielle Begründung lautet, er wolle den Weg frei machen für die kurzfristig zu erwartende Kabinettsumbildung durch Ministerpräsident Sharaf.
welt
AFP



14. Juli 2011
Internationale Schmugglerorganisation in den USA aufgeflogen

Agenten der amerikanischen Behörden ( U.S. Immigration and Customs Enforcement's (ICE) Homeland Security Investigations (HSI) ) entlarvte eine Organisation, die für die Einfuhr von Schmuggelgut aus dem Mittleren Osten und aus Asien in die Vereinigten Staaten verantwortlich ist. Bei der Aktion wurden ägyptische Artefakte (z.B. ein Sarkophag und ein dreiteiliges Sargset) beschlagnahmt. Verschiedene Personen wurde festgenommen, darunter auch ein Antikenhändler mit einem Geschäft in Bloomfield, Michigan USA.
ice.gov



13. Juli 2011
Bedeutender Fund der spanischen Djehuty-Grabung in Dra Abu el-Naga

Die von José Manuel Galán geleitete Grabungsmission fand 80 Uschebtis mit einer Größe von je 15 cm. Die Ausgräber waren außerdem bereits auf einen Tierfriedhof und eine neue Grabkammer gestoßen. Im Grab des Hery, einem Beamten aus der Zeit um 1500 v. Chr., wurde außerdem völlig unerwartet ein Grabschacht gefunden. Der Schacht konnte wegen der Revolutionswirren noch nicht untersucht werden. Dies soll in der nächsten Kampagne zwischen Januar und Februar 2012 nachgeholt werden.
luxormagazine



13. Juli 2011
Thomas-Mann-Preis 2011 für Jan Assmann

Jan Assmann wird in diesem Jahr von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Hansestadt Lübeck der Thomas-Mann-Preis verliehen. Die Jury bescheinigt dem Ägyptologen und Religionswissenschaftler Assmann, in seinen Werken aus heutiger Perspektive neue Zugänge zu Grundfragen der menschlichen Existenz zu öffnen und mit dem literarischen Glanz großer Essayistik zum Ausdruck zu bringen, ebenso wie es Thomas Mann in seinen Josephs-Romanen gelang. Die Preisverleihung wird im Dezember in München stattfinden.
hl-live



13. Juli 2011
Ausstellung ägyptischer Objekte für 2012 in Braunschweig geplant

Die 460 Stücke aus der ägyptischen Sammlung des Herzog Anton Ulrich-Museums hatten bisher in der deutschen Museumslandschaft nur wenig Beachtung gefunden. Die Stücke wurden nun neu bewertet und sollen im kommenden Jahr in einer Ausstellung gezeigt werden. Unter den Exponaten wird sich auch die weltweit einzige Statue von Philippus Arrhidäus, Halbbruder Alexanders des Großen und von 323 bis 316 v. Chr. "Scheinkönig" von Ägypten. Zur Ausstellung soll ein 230 Seiten umfassender Katalog "Altägypten in Braunschweig" erscheinen.
waz-online



13. Juli 2011
Erster ägyptischer Archäologenverband

Das Mubarak-Regime hatte die Gründung eines solchen Verbandes jahrelang abgelehnt, und zwar mit der Begründung, ägyptische Antiken seien eine Angelegenheit der nationalen Staatshoheit. Nach der Revolution konnte der Archäologenverband nun ins Leben gerufen werden; zur Verbandsvorsitzenden wurde Fayza Haikal, Professorin für Ägyptologie an der American Universität of Cairo, gewählt. Strukturen und Ziele dieser neuen Organisation sind in ägyptischen Fachkreisen nicht unumstritten. Ein Interview mit kritischen Fragen an Haikal ist bei almasryalyoum zu finden.



07. Juli 2011
Erste römische Basilika in Alexandria entdeckt

Die von den Archäologen entdeckten Gebäudestrukturen stammen von einer Basilika aus römischer Zeit, die auf den Mauern eines ptolemäischen Tempels errichtet worden war. Zwei parallele Reihen von Granit- und Kalksteinsäulen könnten darauf hinweisen, dass das Gebäude ein sozialer Treffpunkt war und als solcher Handel und Justiz diente. Bei den Grabungen stieß man auf verschiedene Statuen und Statuetten von Isis, Serapis und Harpokrates, der ptolemäischen Triade von Alexandria. Das Bauwerk könnte nach Aussage des Grabungsleiters Osama El Nahas Erwähnung gefunden haben in Strabos "Geographica", der 24/25 v. Chr. Ägypten bereiste und das Land beschrieb. El Nahas spielt möglicherweise auf eine Aussage in Strabos Buch 17, 1. Kapitel, an: Um kurz zu reden, die Stadt (Alexandria) ist voll von Baudenkmälern und Tempeln; das schönste aber ist der Übungsplatz mit Säulenhallen, die länger als ein Stadium (150 bis 200 m) sind. In der Mitte aber liegt sowohl das Gerichtsgebäude als die Lusthaine. (Quelle: Strabos Geographica in der Übersetzung von A. Forbiger, 1856)
luxortimesmagazine



05. Juli 2011
Nano-Technologie schützt Artefakte

In einer ägyptisch-deutschen Kooperation haben Forscher eine Methode entwickelt, antike Objekte vor der Zerstörung durch Schimmel und Bakterien zu schützen. Durch das Aufbringen einer Schutzschicht aus winzigen Nanopartikeln bleibt der Angriff auf die empfindlichen Oberflächen folgenlos. Das in Halle entwickelte Verfahren verbindet Kunststoffteilchen mit anderen, schützenden Materialien, z.B. Silber, und kann insbesondere bei Büchern, Papyri, Leder oder Textilien die bisher üblichen Behandlungen mit giftigen Chemikalien oder Radioaktivität ablösen. Erste Tests an einem (modernen) bemalten Papyrus im Ägyptischen Museum von Kairo verliefen erfolgreich; Langzeitstudien sollen folgen. Für den Herbst ist eine wissenschaftliche Tagung in Kairo geplant, um alle Ergebnisse vorzustellen. Ziel ist es, möglichst viele der alten Papyri im Museum von Kairo zu behandeln.
welt
ftd



05. Juli 2011
Juli 2011: Sudan: Naga in die World Heritage List der UNESCO aufgenommen

Die antike meroitische Stadt Naga, die seit 15 Jahren von einem Team des Ägyptischen Museums Berlin ausgegraben und restauriert wird, hat soeben eine außergewöhnliche Anerkennung ihrer historisch-kulturellen Bedeutung erfahren. Am 25. Juni 2011 ist Naga vom World Heritage Committee der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden.

Damit finden die langjährigen Bemühungen der National Corporation for Antiquities and Museums, der Antikenverwaltung des Sudan, um die noch wenig erforschten und selbst der Fachwelt nur unzulänglich bekannten antiken Stätten des Sudan die gebührende Anerkennung. Für die UNESCO-Entscheidung dürfte wohl auch die vorbildhafte Konzeption von Restaurierung und Denkmalpflege in Naga eine Rolle gespielt haben.

Zusammen mit der Hauptstadt Meroë und dem Kultort Musawwarat war die antike Stadt Naga eines der Zentren des meroitischen Königreichs (300 v. Chr. - 350 n. Chr.), des mächtigen südlichen Nachbarn und Rivalen des ptolemäisch-römischen Ägypten. Das in Naga tätige Grabungsteam des Ägyptischen Museums Berlin sieht in der UNESCO-Entscheidung eine Bestätigung der gerade an diesem Ort und in seinem reichen Fundmaterial erlebbaren Stellung des meroitischen Reiches als Kulturbrücke zwischen Afrika und der Welt des Mittelmeers. Die Aufnahme von Naga in die Liste des Weltkulturerbes rückt eine nahezu unbekannte Region und Epoche der Antike ins Blickfeld der Forschung und der Öffentlichkeit. Sie ist eine wichtige Grundlage für die weitere Erschließung und Bewahrung der historischen Stätten des Sudan und ein Beitrag zur kulturellen Identität der (ab 9. Juli 2011) zwei sudanesischen Staaten.

Durch die Aufnahme von Naga in die World Heritage List gewinnt auch die Sonderausstellung KÖNIGSSSTADT NAGA - GRABUNGEN IN DER WÜSTE DES SUDAN, die noch bis 31. Juli 2011 im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst München zu sehen ist und vom 31. August bis 18. Dezember 2011 in Berlin im KUNSTFORUM der Berliner Volksbank gezeigt werden wird, zusätzliche Bedeutung und Aktualität.

Dietrich Wildung

Original-Pressetext des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung Berlin



04. Juli 2011
Einzigartige, über 5.000 Jahre alte Felszeichnungen rekonstruiert

Die aus der sogenannten Dynastie 0, d.h. aus der Zeit der Begründung des Staatsgebildes Ägypten, stammenden Zeichnungen befinden sich nordwestlich von Aswan. Sie zeigen neben Jagd- und Kampfszenen auch die Darstellung eines königlichen Festes, die erste dieser Art aus so früher Epoche, und zwar eine Bootsprozession und einen König mit der weißen Krone Oberägyptens. Er wird von zwei Standartenträgern, einem Fächerträger und einem Hund begleitet. Die Felszeichnungen waren bereits von Labib Habachi entdeckt und fotografiert, später jedoch teilweise zerstört worden.
sacbee/AP
luxortimesmagazine (mit Fotos)


03. Juli 2011
Funde im Ptah-Tempel von Karnak

Eine französisch-ägyptische Grabungsmission des CFEETK (Centre Franco-Égyptien d'Ètude des Temples de Karnak) stieß bei ihren Arbeiten im Ptah-Tempel von Karnak auf die Umfassungsmauer aus dem Neuen Reich und auf ein Tor aus der Zeit des Kuschitenherrschers Schabaka, 25. Dynastie, das zum Schatzhaus des Herrschers gehörte. Es ist mit erstklassigen Dekorationen versehen und in sehr gutem Erhaltungszustand. Es sei das erste Mal, dass ein Objekt aus der 25. Dynastie gefunden worden sei, das nicht während der 26. Dynastie zerstört worden sei, meint Mansour Boraik von der ägyptischen Antikenbehörde.

Auch eine Reihe von reliefierten Blöcken wurde freigelegt. Diese stammen aus der Zeit Thutmosis' III. und zeigen, dass der Tempel nicht erst - wie bisher angenommen - in der Epoche der Ptolemäer erbaut wurde. Lehmziegelmauern aus ptolemäischer Zeit wurden ebenfalls ausgegraben. Nach Aussage von Dominique Valbelle, Archäologieprofessorin von der Sorbonne in Paris, soll der Ptah-Tempel restauriert und rekonstruiert werden, damit er im nächsten Jahr für Besucher geöffnet werden kann.
english.ahram
AFP
Grabungsseite Ptah-Tempel CFEETK