ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Juli 2012
31. Juli 2012
Schmuggelgut im Süden der USA beschlagnahmt

An der Grenze zwischen Mexiko und den USA beschlagnahmten amerikanische Zollbeamte zwei antike ägyptische Holzsärge, für die es keine offiziellen Ausfuhrdokumente von der ägyptischen Regierung gab. Es wurde niemand festgenommen; der Transporteur konnte nicht ausfindig gemacht werden.
culturalheritagelawyer



29. Juli 2012
Zwei Gräber in Giza werden für Besucher geöffnet

Die ägyptische Antikenbehörde hat entschieden, folgende Gräber auf dem Ostfriedhof von Giza öffentlich zugänglich zu machen: G 7530 und 7540: Meresanch III., Gemahlin des Chephren (4. Dynastie), und G 7214: Kaemanch (5./6. Dynastie). Es wird außerdem überlegt, ob auch das Serapeum in Sakkara, das ebenfalls seit langer Zeit geschlossen ist, wieder zum Besuch freigegeben werden soll.
washingtonpost



26. Juli 2012
Zusammenlegung zweier Ministerien

Das Kulturministerium und das Antikenministerium sollen nach dem Willen des designierten Premierministers Hisham Qandil wieder - wie vor dem 25.01.2011 - zusammengelegt werden.
english.ahram

Bei den ägyptischen Archäologen regt sich Widerstand gegen dieses Vorhaben.
english.ahram (27.07.2012)


25. Juli 2012
Sonnenboot in Abu Roasch freigelegt

Bei Routinegrabungen in Abu Roasch stießen die Ausgräber des French Institute of Oriental Archaeology in Cairo (IFAO) auf eine Bootsgrube, in der sich die Reste eines frühdynastischen Sonnenbootes aus der Zeit des Königs Den (1. Dynastie) befanden. Man fand u. a. elf Planken aus einheimischem Holz mit einer Länge von insgesamt 6 m und und einer Breite von insgesamt 1,5 m. Die Objekte wurden zwecks Instandsetzung in das Ägyptische Museum transportiert, um sie zu einem späteren Zeitpunkt im National Museum for Egyptian Civilization auszustellen.
eyptindependent
dailymail (mit eindrucksvollen Abbildungen)
Projektseite des IFAO


17. Juli 2012
The Amarna Digital Atlas

Das Amarnaproject wird einen digitalen Atlas erstellen, der Architekturpläne und ähnliche Dokumentationen umfassen wird, die im Laufe der jahrelangen Arbeiten in Amarna zusammengetragen wurden. Das Kartenmaterial wird mit einer Objektdatenbank (einschließlich aller alten, bereits von Borchardt gemachten Funde), einer Datenbank für hieratische Etiketten, einer Keramikverteilungsanalyse und weiteren wissenschaftlichen Publikationen verknüpft werden. Bei diesem Projekt wird es sich teilweise um webbasierte und teilweise um herkömmliche Veröffentlichungen handeln. Details stehen derzeit noch nicht endgültig fest.
amarnaproject



17. Juli 2012
Österreichische Grabungen im Sudan langfristig gesichert

Im Rahmen eines kürzlich vom österreichischen Wissenschaftsministerium und vom Wissenschaftsfonds FWF eingeworbenen Start-Projekts sind für die Ägyptologin Julia Budka Grabungsarbeiten auf der Insel Sai (Nordsudan) auf lange Zeit gesichert. Die Arbeiten können nach nunmehr zwei Jahren auch in den kommenden sechs Jahren fortgeführt werden. Budkas Team besteht aus interdisziplinären Spezialisten. Das Projekt ist mit der Kommission für Ägypten und Levante der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) verbinden.
derstandard



17. Juli 2012
Rückkehr einer Spitzmausmumie

Die Mumie in einem kleinen Sarkophag gehörte zu den Fundstücken aus einer Grabung in Tuna el-Gebel im Jahre 1949. Auf verschlungenen Wegen landete sie bei einem Händler und wurde 1991 durch das Ägyptische Museum Leipzig (heute Ägyptisches Museum Georg Steindorff) angekauft. Nachdem klar wurde, dass es sich dabei sehr wahrscheinlich um Schmuggelgut handelt, erfolgte die Rückführung nach Ägypten.
lvz-online



14. Juli 2012
Kalksteinrelief Rames' II. in Wohnhaus

Durch Zufall wurde in einem Wohnhaus im Kairener Stadtteil Matariya ein in zwei Teile zerbrochenes, rechteckiges Stück Kalkstein gefunden - Ergebnis einer Raubgrabung. Die darauf erhaltene Inschrift lautet: "König von Ober- und Unterägypten, Herr der Beiden Länder, Ramses (II.)". Das Objekt sowie die ebenfalls zu Tage geförderten Grabungsutensilien wurden vom Antikendienst konfisziert.
english.ahram



12. Juli 2012
Seidlmayer-Vortrag als Video

Im Rahmen des Jahresempfangs des Deutschen Archäologischen Instituts im Auswärtigen Amt am 09. Mai 2012 hielt Prof. Dr. Stephan J. Seidlmayer einen Vortrag mit dem Titel "Heiligtümer am Ersten Nilkatarakt - Archäologie und Transformation". Von diesem Beitrag ist ein 42minütiges Video bei youtube abrufbar.


Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung des Römisch-Germanisches Zentralmuseums (RGZM) - Forschungsinstitut für Archäologie
12. Juli 2012
Antikenhehlerei darf sich nicht lohnen
Sonderausstellung zum Thema „Kriminalarchäologie“ im Münchener Flughafen informiert
über die Problematik der Antikenhehlerei

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) setzt sich seit Jahren für eine wirksame Bekämpfung des illegalen Handels mit archäologischem Kulturgut zweifelhafter Herkunft ein. Die Preise, die die antiken Stücke auf dem Markt erzielen, bieten einen hohen finanziellen Anreiz und sind Motor für Plünderung und Zerstörung archäologischer Stätten. Die Ausstellung im Terminal 2 des Münchener Flughafens ist noch bis 12. August 2012 zu sehen.

Ausstellung im Münchener Flughafen (Fotos: RGZM / M. Müller-Karpe)

Archäologen und Kriminalisten nutzen nicht nur ähnliche Methoden um Ereignisse der Vergangenheit aus erhaltenen Spuren zu rekonstruieren. Sie arbeiten auch eng zusammen, wenn es darum geht, zum Schutz der archäologischen Stätten, Raubgräbern und Antikenhehlern das Handwerk zu legen.
Anhand spektakulärer Kriminalfälle der jüngsten Vergangenheit gewährt das RGZM erstmalig Einblick in einen Bereich seiner Aktivitäten, der bereits auf einiges mediales Interesse gestoßen ist.
Auf mehreren großen Informationswürfeln wird u. a. die spannende Suche nach dem offenbar erst vor wenigen Jahren von Plünderern im Irak entdeckten Grab einer sumerischen Prinzessin aus der Mitte des dritten Jahrtausends v. Chr. thematisiert. Berichtet wird auch von fünf türkischen Bronzegefäßen, die kürzlich die diplomatischen Drähte zwischen Ankara, Berlin, Wiesbaden und Mainz zum glühen brachten.
Prof. Dr. Egon Johannes Greipl, Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege erklärte im Zuge der Ausstellungseröffnung: „Raubgräber und Leute, die mit Kulturgut illegalen Handel treiben tun etwas ganz Schlimmes: Sie stehlen den Menschen, überall auf der Welt, Identität und Geschichte.“
„Viele Museen sind von dem Thema Raubgrabungen und Handel mit illegal geborgenen archäologischen Funden unmittelbar betroffen und reagieren daher mit absoluter Zurückhaltung“, erklärte Prof. Dr. Rupert Gebhard, Direktor der Archäologischen Staatssammlung in München. „Dies halte ich für falsch. Ich bin der Überzeugung, dass das Problem nicht durch Verschweigen, sondern nur durch Offenlegung gelöst werden kann. Allein eine breit sensibilisierte Öffentlichkeit kann die notwendige Sicherung des globalen und zugleich eigenen Erbes gewährleisten.“
Petra Sandles, Polizeivizepräsidentin des Bayerischen Landeskriminalamts, erläuterte, dass auch in Deutschland Raubgrabungen vorgenommen werden. „Nach einer Schätzung des Landesamtes für Denkmalpflege gehen allein in Bayern jedes Jahr 1,2 Millionen archäologischer Objekte durch diese Grabungen verloren. Ausgegraben werden alte Waffen, Münzen und Gefäße. Diese wandern in die privaten Sammlungen der Täter oder werden in Sammlerkreisen angeboten. Damit geht unschätzbares historisches Wissen verloren. Umso mehr freut es mich, dass es uns in den letzten Jahren mehrfach gelungen ist, in vorbildlicher Kooperation mit den Ermittlern des BKA, den Staatsanwaltschaften und den Sachverständigen des Römisch-Germanischen Zentralmuseums historisch wertvolle Kulturgüter an die Ursprungsländer zurückzugeben.“
Christine Erhart-Parzefall, stellvertretende Behördenleiterin des Hauptzollamtes München, wies darauf hin, dass das das Auffinden von solchen »geschmuggelten« Gegenständen von unschätzbarem kulturellem Wert in Anbetracht der ca. 1,15 Mio Ausfuhren und 280.000 Einfuhren an beiden Münchner Zollämtern, leider dem berühmten Vergleich mit dem Auffinden einer Nadel im Heuhaufen standhält.
„Durch die Ausstellung »Kriminalarchäologie« erhält die Bevölkerung die eher seltene Gelegenheit, sich in zeitgemäßer Kürze ein Bild über die Auswirkungen der Raubgrabungen und das Vorgehen des illegalen Handels mit dem archäologischen Erbe zu machen. Anschließend in Ruhe darüber nachzudenken, liegt im Interesse der Kriminalprävention“, erklärte Eckhard Laufer, Koordinator Kulturgüterschutz der Zentralstelle Kriminal- und Verkehrsprävention des Hessischen Landeskriminalamtes.
Dr. Michael Müller-Karpe, Archäologe am RGZM, Initiator und Spiritus rector der Ausstellung, erläuterte deren Konzeption. Er betonte die Bedeutung, die der Bewahrung des archäologischen Erbes zukommt. „Die im Fundkontext gespeicherten Informationen über Menschen, von denen wir durch die Zeit getrennt sind, werden durch Raubgrabungen zur Versorgung eines nimmersatten Antikenmarktes mit Hehlerware undokumentiert und unwiederbringlich zerstört. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Bodenarchiv, der Quell aus dem sich das kulturelle Gedächtnis der Menschheit speist, geplündert und den kurzsichtigen Gewinninteressen Einzelner geopfert wird!“
Zur Ausstellung Die Präsentation wurde 2011 vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landeskriminalamt, der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, der Botschaft der Republik Irak und der Fachhochschule Mainz konzipiert. Nachdem die Ausstellung im Mainzer Hauptbahnhof, in der Hessischen Polizeiakademie Wiesbaden und im Badischen Landesmuseum Karlsruhe gezeigt wurde, wird sie nun im Münchner Flughafen präsentiert. Das gestalterische Grundkonzept wurde von Studierenden der FH Mainz unter der Leitung von Prof. Susanne Maier-Staufen entwickelt

Wissenschaftlicher Kontakt
Dr. Michael Müller-Karpe
Tel.: +49 (0) 6131/9124-267
Mail: muellerkarpe@rgzm.de

Weitere Informationen unter http://web.rgzm.de/?id=1192

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Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung der Friedrich-Schiller-Universität Jena
09. Juli 2012
Weihrauch als Heilmittel
Pharmazeuten der Universität Jena klären entzündungshemmende Wirkung von Boswelliasäuren auf

Er gehörte schon zu den Geschenken der drei Weisen aus dem Morgenland: Neben Myrrhe und Gold hatten sie für das neugeborene Jesuskind auch Weihrauch im Gepäck. Seit der Antike gehört der aromatische Duft des verbrennenden Weihrauchharzes zu vielen religiösen Zeremonien und ist bis heute in der Kirche Ausdruck besonderer Festlichkeit. Doch Weihrauch kann noch mehr: „Das aus dem Stamm des Weihrauchbaumes gewonnene Harz enthält entzündungshemmende Substanzen“, sagt Prof. Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Diese machen Weihrauch als Arzneimittel u. a. für die Therapie von Krankheiten wie Asthma, Rheumatoider Arthritis oder Neurodermitis hochinteressant, ist der Lehrstuhlinhaber für Pharmazeutische und Medizinische Chemie überzeugt.

Allerdings sucht man Medikamente mit Weihrauchwirkstoffen in deutschen Apotheken bisher vergebens. Denn die pharmakologischen Grundlagen der Wirkung des Weihrauchs sind erst wenig erforscht. „Auch wenn Weihrauchharz schon seit Jahrtausenden beispielsweise in der ayurvedischen Medizin genutzt wird, reichen die bisher durchgeführten klinischen Studien für eine Zulassung in Deutschland und Europa nicht aus“, so Prof. Werz.

Das könnte sich jedoch ändern. Im Rahmen eines Verbundprojekts mit Partnern der Uni Saarbrücken und einem Startup-Unternehmen sind Prof. Werz und sein Team dem Wirkmechanismus des Weihrauchs nachgegangen. Dabei konnten die Forscher zeigen, an welcher Stelle die für die Wirkung des Weihrauchharzes verantwortlichen Inhaltsstoffe, die Boswelliasäuren, in das Entzündungsgeschehen überhaupt eingreifen.

„Boswelliasäuren interagieren mit verschiedenen Eiweißen, die an entzündlichen Reaktionen beteiligt sind. Insbesondere jedoch mit einem Enzym, das für die Synthese von Prostaglandin E2 verantwortlich ist“, sagt Oliver Werz. Prostaglandin E2 gehört zu den Vermittlern der Immunantwort und spielt u. a. im Entzündungsprozess, bei der Entstehung von Fieber und Schmerzen eine entscheidende Rolle. „Boswelliasäuren hemmen dieses Enzym sehr potent und verringern so die Entzündungsreaktion“, erklärt der Jenaer Pharmazeut. Damit sei nicht nur ein gezielter Einsatz in der Therapie von Entzündungserkrankungen denkbar. Boswelliasäuren ließen auch weniger Nebenwirkungen erwarten, als heute gängige Entzündungshemmer wie Diclofenac oder Indometacin. Diese wirken weniger spezifisch und können bei längerer Anwendung das Risiko für Magengeschwüre erhöhen und die Nierenfunktion beeinträchtigen.

In ihrer aktuellen Studie haben die Forscher um Prof. Werz außerdem das Harz verschiedener Weihraucharten verglichen und in seiner entzündungshemmenden Wirkung untersucht. Weltweit gibt es mehr als zehn verschiedene Arten von Weihrauch. Am bekanntesten und verbreitetsten ist der in Nord- und Zentralindien beheimatete Weihrauch Boswellia serrata. „Wie wir jetzt gesehen haben, ist jedoch das Harz von Boswellia papyrifera um den Faktor zehn wirksamer“, nennt Prof. Werz ein weiteres Ergebnis der Untersuchung. Diese Art kommt vorwiegend im Nordosten Afrikas (Äthiopien, Somalia) und auf der arabischen Halbinsel (Jemen, Oman) vor.

Ob sich Weihrauch als Arzneimittel künftig tatsächlich durchsetzen kann, hängt jedoch nicht nur vom Ausgang der noch ausstehenden klinischen Überprüfung ab. „Boswelliasäuren kommen ausschließlich im Harz des Weihrauchbaumes vor und lassen sich nur schwer synthetisch herstellen“, macht Werz deutlich. Damit seien diese Bäume die einzige Ressource für den aussichtsreichen Wirkstoff. Allerdings sind Weihrauchbäume in ihrem Bestand stark bedroht. Vielerorts werden sie einfach als Brennmaterial verwendet. „Ohne nachhaltigen Schutz sind damit nicht nur Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, sondern es gehen der Medizin auch vielversprechende Wirkstoffe verloren“, warnt Prof. Werz.

Kontakt:
Prof. Dr. Oliver Werz @
Institut für Pharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Philosophenweg 14, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949801 E-Mail: oliver.werzuni-jena.de

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Nachzutragen wäre noch, dass wohl schon die Ägypter von der entzündungshemmenden Wirkung von Weihrauchharz Kenntnis hatten. In den medizinischen Papyri findet man Salbenrezepturen zur Heilung von Hautentzündungen und -flechten, die diese Substanz enthalten.


Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung der Technischen Universität Berlin
06.Juli 2012
Die Geheimnisse des Fatimidenfriedhofs bei Assuan
Forschungen an einer der größten islamischen Nekropole zeigen,
dass Begräbnisse nicht nur in Mausoleen stattfanden

Eine der größten islamischen Nekropolen aus dem 7. bis 11. Jahrhundert ist der Fatimidenfriedhof bei Assuan in Ägypten. Seit Januar 2006 führt das Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte der TU Berlin in Zusammenarbeit mit der Abteilung Kairo des Deutschen Archäologischen Institutes dort ein groß angelegtes Dokumentationsprojekt durch. Die Untersuchungen werden von Prof. Dr. Philipp Speiser von der TU Berlin geleitet. Der Friedhof wird historisch, bauforscherisch und ethnographisch dokumentiert und erforscht. Die Fatimiden herrschten von 969 bis 1169 n. Chr. in Nordafrika.
Assuan, heutzutage vor allem berühmt wegen seines Staudammes, war schon in der Antike unter dem Namen Siene ein wichtiger Grenzort, der am Ersten Katarakt liegt, einer riesigen Stromschnelle, die das nördliche Niltal vom südlichen, das auch Nubien genannt wird, trennt.

Das Nekropolengelände der Fatimiden war einst in Ost-West-Ausrichtung 2000 Meter lang und in Nord-Süd-Ausrichtung 500 Meter breit. In pharaonischer Zeit und in der Antike als Granit- und Sandstein-Steinbruch genutzt, ist lediglich die sogenannte Südnekropole (600 Meter mal 500 Meter) weitgehend intakt. Bislang wurden etwa 300 einfache Gräber, 100 Bestattungen mit oberirdischer Grabkammer (sogenannte Kastengräber) sowie etwa 50 Mausoleen inventarisiert und bauforscherisch untersucht. Als Baumaterial finden die Wissenschaftler nahezu durchgehend luftgetrocknete Lehmziegel.

Die bisherigen Untersuchungen ergaben, dass sich auf dem gesamten Nekropolengelände Rosengranitsteinbrüche befinden, die möglicherweise vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis in die Spätantike ausgebeutet wurden. „Des Weiteren können wir nun nachweisen, dass Bestattungen nicht nur in Mausoleen, wie bisher angenommen, sondern zum größten Teil in einfachen Gräbern unterschiedlicher Gestalt stattfanden“, sagt Prof. Dr. Philipp Speiser. Die einfachsten bestehen aus einer Grube für die Bestattung, die mit Steinplatten überdeckt und mit Lehmziegeln eingefasst ist. Ein weiterer Grabtypus ist aus einem gemauerten Kasten aus Lehmziegeln, in dem der Verstorbene oberirdisch beigesetzt wurde. Dieser Grabtypus kam dann zur Anwendung, wenn es unmöglich war, in dem felsigen Untergrund eine Grube auszuheben.

Die ethnologischen Forschungen ergaben, dass es sich bei einigen Mausoleen wahrscheinlich um Scheingräber von Persönlichkeiten handelt, die dem Propheten nahestanden, sowie bekannten Scheichs, die anderswo in Ägypten bestattet wurden. Bei diesen Mausoleen finden noch heute unterschiedliche Rituale für Hilfesuchende und Fruchtbarkeitskulte für Hochzeitspaare statt.

Aber nicht nur die Dokumentation, sondern auch der Denkmalerhalt spielt bei diesem Projekt eine große Rolle. Zu diesem Zweck wurde im Jahre 2010 ein Konzept erarbeitet. Allein im Winter 2011/12 konnten fünf Mausoleen sowie eine größere Zahl einfacher Gräber gesichert und restauriert werden. Diese Arbeiten wurden von ägyptischen und europäischen Spezialisten unter Verwendung traditioneller Bautechniken durchgeführt. Gegenwärtig wird auch ein Besucherparcours mit Informationstafeln vorbereitet.

http://www.tu-berlin.de/?id=121569

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Philipp Speiser
Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte der TU Berlin
Straße des 17. Juni 152, 10623 Berlin
E-Mail: philipp.speiser@gmx.de

Informationsdienst Wissenschaft e. V.
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05. Juli 2012
Neues Projekt zur Entwicklung der Archäologie in Ägypten ins Leben gerufen

Nach Aussage von Mohamed Abdel-Maqsoud, hochrangiges Mitglied der Antikenbehörde, soll dieses Projekt mit dem Namen "Egyptian Antiquities' Renaissance Project" den Rang eines Prestigeprojekts erhalten, da es eine der Haupteinnahmequellen Ägyptens betrifft, nämlich den Kulturtourismus. Es sei bekannt, dass sich der Antikensektor Ägyptens finanziell im Prinzip selbst tragen könnte, wenn die Touristenzahlen wieder das übliche Level erreichen würden, meint Maqsoud. Normalerweise seien pro Jahr Einnahmen von 1,2 Billionen LE (200 Millionen US$) zu generieren, wohl hauptsächlich aus Eintrittsgeldern. Ein Ziel des Projekts ist, die Arbeitsabläufe an den Monumenten zu verändern und durch den Einsatz eines spezialisierten Staatssicherheitsgremiums einen Kontrollmechanismus einzubauen. Gleichzeitig soll eine Industrie für die Produktion von qualitätiv hochwertigen Repliken aufgebaut werden, die 15.000 neue Arbeitsplätze bereitstellen könnte.
egyptian gazette


05. Juli 2012
Schäden durch Grundwasserpumpen in Giza?

Wie schon in einem Beitrag vom 01.01.2012 kurz gemeldet, wurde in Giza ein Pumpsystem in Betrieb genommen, das den Grundwasserspiegel unter den dortigen Monumenten senken soll, um Beschädigungen zu verhindern. Nach jüngsten Wortmeldungen von Hydrologen und Ökologen könnte durch das Abpumpen ein anderes Problem entstehen. Es könnte zu Verwerfungen im anstehenden Fels unter dem Sphinx kommen, die ein Kollabieren der historischen Bauten nach sich ziehen würden. Der Direktor des Giza-Plateaus, Ali El-Asfar, zweifelt diese Schlussfolgerung an.
english.ahram


02. Juli 2012
Projekt zur Dokumentation ägyptischer Welterbestätten gestartet

Acht Jahre nach dem offiziellen Beschluss ist das Dokumentationsprojekt nun gestartet. An erster Stelle auf der Liste der zu bearbeitenden archäologischen Areale stand die Nekropole von Beni Hasan. Das vom verantwortlichen Antikenministerium (MSA) eingesetzte Ägyptologenteam dokumentierte die Nekropole sowie die zugehörigen Funde mit Hilfe modernster Technik und fasste die Ergebnisse in einer Publikation (337 Seiten, 268 Fotos, 62 Zeichnungen und Grafiken) zusammen. Es ist das erste Projekt dieser Art seit 1985, als zu entscheiden war, welche der nubischen Tempel vor dem Untergang im Nasser-Stausee gerettet werden sollten/konnten und welche nicht.
english.ahram