ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
 
August 2006
25.08.2006
Die Verlegung der Ramses-Statue vom Bahnhofsvorplatz in Kairo nach Giza

Ein ägyptischer Staatsakt der besonderen Art zog sich durch sämtliche Medien einschließlich TV und Hörfunk: der Umzug der Ramses-Statue. In der Nacht zum  25.08.2006 wurde der rund 100 to schwere Koloss in einer zehnstündigen Fahrt nach Giza transportiert. Zahlreiche begeisterte Menschen säumten in den Nachtstunden den Weg und machten aus dem Transport einen Triumphzug für den alten Pharao. Es muss ein wahres Straßenfest gewesen sein.

Das Monument hatte 51 Jahre auf dem Bahnhofsvorplatz der Ramsis Station gestanden und durch die "dicke Luft" der Großstadt bereits Schaden genommen. Nun befindet es sich in Giza und wartet auf die Fertigstellung des Grand Museum. Dort soll es seinen endgültigen Platz erhalten.

derstandard.at
tagesschau.de
washingtonpost.com
u.v.a.



24.08.2006
Immer wieder lohnend - Ausgrabungen in Museen

Im Museum von Forty Hall / Enfield (GB) tauchten völlig überraschend vier Uschebtis auf, von denen niemand weiß, woher sie kommen und wie sie in das Museum gelangten. Das Team hatte bis dahin keine Vorstellung, welchen Wert die kleinen Artefakte haben. Bei einem der Uschebtis handelt es sich um einen "Aufseher". Das Material ist Fayence mit blauer Glasur. Die Figur ist 12 cm groß und mit einer Inschrift versehen. Sie ist "aus dem Grab einer Königstochter mit dem Namen Nes aus der 22. Dynastie".

londragazete.com

Ob es sich bei diesem Uschebti vielleicht um ein Stück aus dem berühmt-berüchtigten Raubgut der Abderrassouls handelt? Die Familie hatte Ende des 19. Jahrhunderts die sogenannte Cachette in Deir el-Bahri als Einnahmequelle für sich entdeckt und peu à peu Stücke auf dem Schwarzmarkt verkauft. Darunter auch blau glasierte Uschebtis. Eine der in der Cachette bestatteten Personen war Neschons, Gemahlin von Pinnudjem II. (21. Dynastie). 1878 war in Paris eine Holztafel aufgetaucht, die inschriftlich ein Dekret zugunsten der Uschebtis der Neschons enthielt. Siehe auch Das Mumienversteck von Deir el-Bahri



24.08.2006

Spingen in Luxor ausgegraben

Fünf Sphingen ohne Kopf fanden Archäologen in Luxor. Sie gehören zur Sphingen-Allee, die den Tempel von Karnak einst mit dem Tempel von Luxor verband. Erst kürzlich seien vier "herrenlose" Sphingenköpfe gefunden worden. Man wird nun untersuchen, ob hier vielleicht das Eine zum Anderen passt. Ausser den Sphingen wurden an der Straße zum Flughafen von Luxor auch ein Blumenbecken und eine Bewässerungsrinne aufgefunden. Die Rinne war mit dem Becken verbunden.

derstandard.de

Ähnliche Beobachtungen lassen sich noch heute auf dem Tempelgelände des Luxor-Tempels machen. Die dort verbliebenen Sphingen waren wohl ebenfalls von Blumen- oder Pflanzenbecken flankiert, die eventuell auch von einem Bewässerungssystem versorgt wurden.



18.08.2006
Sarkophage bei Straßenbauarbeiten gefunden

ESIS (mit Foto) und IOL berichten über den Fund von zwei Kalksteinsarkophagen. Die antiken Stücken kamen bei Straßenbauarbeiten in Kairo zum Vorschein und gehören offensichtlich zu einer Grabanlage. Nach erster Schätzung sind sie rund 3000 Jahre alt. Der ägyptische Antikendienst wird die Funde nun eingehender untersuchen.

via EEFNEWS



17.08.2006
Sarkophagfragmente in Abydos

Das Deutsche Archäologische Institut Abteilung Kairo fand im Grab des frühdynastischen Königs Djer Kalksteinfragmente, die offenbar von einem Sarkophag und dessen Deckel stammen. Eine noch zu erkennende Kartusche wurde teilweise zerstört und ist deshalb auf Anhieb nicht zu identifizieren. Bereits im 19. Jahrhundert fanden Wissenschaftler ein sogenanntes Osirisbett, das ähnlich zugerichtet worden war. Es wird vermutet, dass das Djer-Grab von einem gewissen Zeitpunkt an als das Grab des Osiris - nach der Mythologie der erste ägyptische König - verehrt wurde und dem Osiriskult diente.

Pressemitteilung des DAIK



17.08.2006
Blick unter die Binden einer Mumie des britischen Ashmolean Museums

Nach den Ergebnissen einer CT-Untersuchung von Ende Juli handelt es sich bei dem vor etwa 2000 Jahren Verstorbenen um einen kleinen Jungen im Alter zwischen vier und sieben Jahren, der wahrscheinlich an einer Lungenentzündung starb. Man konnte auch Metallapplikationen ausmachen, die dafür sorgen sollten, dass die Mumienbinden nicht verrutschen. Amulette sollen in der Zeit als der Junge starb kaum noch verwendet worden sein, meint die Kuratorin der ägyptischen Abteilung des Museums.

mailonsunday.co.uk (mit Foto)
physorg.com (ebenfalls mit Foto)



06.08.2006
Zweiter Mumiensaal im Ägyptischen Museum Kairo eröffnet

Der zweite Mumiensaal wurde dieser Tage im Beisein des ägyptischen Kulturministers Farouq Hosni, und des SCA-Generalsekretärs Zahi Hawass eröffnet. Ausgestellt werden dort in erster Linie die sterblichen Hüllen der thebanischen Hohepriester und Priesterkönige der 20. und 21. Dynastie sowie deren Angehöriger. Die Mumien wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Emile Brugsch aus der sogenannten Cachette von Deir el-Bahri (TT320) geborgen und nach Kairo verschifft.  Die Cachette wurde in den vergangenen Jahren einer Nachgrabung unterzogen.  Weitere Informationen zur Cachette sind auf der Homepage der Russian Academy of Sciences zu finden.

Lausitzer Rundschau
Der Standard (mit sehr schönen Fotos)



03.08.3006
Naga - Stadt in der Steppe

Naga scheint sich mehr und mehr zu einer wahren Residenz zu entpuppen. Seit 1995 graben Wissenschaftler des Ägyptischen Museums Berlin und der Universität Cottbus in Naga im Sudan. In den uni-protokollen ist zu lesen, dass trotz dieses langen Zeitraums eine Ende noch nicht abzusehen ist. Im Gegensatz zu anderen Monumenten soll es in Naga keine Restaurierungen geben. Der Ort soll "eine Romantik der Ruinen" behalten, sagt Grabungsleiter Professor Dietrich Wildung.

Siehe dazu auch den Artikel von Wil Tondok "Enthusiasmus in der Steppe"



03.08.2006
Kontroversen um mögliches Grab "KV64"

Wie bereits am 31.07.2006 berichtet, hatte der britische Ägyptologe Nicholas Reeves bei früheren Radarmessungen geologische Unregelmäßigkeiten  festgestellt, die er für ein mögliches weiteres Grab hält. In einem Interview mit archaeology.org berichtet er darüber (auch über seine Hoffnung, dass dort vielleicht die Mumie der Nofretete zu finden sei) und geht mit den Grabungsmethoden, die für KV63 angewandt wurden, ins Gericht. Es sei alles in viel zu großer Eile vonstatten gegangen. Weitere Artikel mit ähnlicher Aussage finden sich auch in anderen Medien (kltv.com, abcnews.go.com). Inzwischen hat sich auch der Generalsekretär des SCA, Zahi Hawass, in dieser Angelegenheit zu Wort gemeldet: " Wenn es wahr ist, was Mr Reeves sagt, warum hat er dann seinen Bericht nicht dem SCA präsentiert? Radar kann auch Anomalien aufzeigen, die nicht notwendigerweise Grabschächte sein müssen. Es scheint mir so, als wäre Mr Reeves eher auf Publicity bedacht als darauf, seine Arbeit  mit wissenschaftlichen Methoden durchzuführen." Hawass zeigt sich nicht überzeugt von Reeves' Erkenntnissen. Sein Statement publizierte usatoday.com am 13.08.2006.

Nach KV63 könnte sich noch ein weiteres bisher nicht bekanntes Grab in der Nähe von KV62 (Tutanchamun) befinden. Nicholas Reeves, der den Boden des Areals im Jahr 2000 elektromagnetisch untersuchte, berichtet ganz aktuell auf seiner Hompepage VOFK über die seinerzeitigen Ergebnisse. Demnach hätte er nicht nur KV63 geortet (darüber wurde schon berichtet), sondern es wurde auch das Echo eines weiteren Grabes, "KV64", aufgespürt. Auf seiner Homepage befindet sich ein Lageplan mit den entsprechenden Koordinaten. Reeves ist sich ziemlich sicher, dass "KV64" unberührt ist. Es befände sich an einer Stelle, die bisher archäologisch nicht bearbeitet worden sei. Seiner Ansicht nach könnte das Verhältnis KV63 -> "KV64" ein Ähnliches sein wie KV54 -> KV62 (siehe auch Artikel vom 28.06.2006 Keine Mumie in KV63). Zur Erinnerung: das Amarna Royal Tomb Project unter der Leitung von Nicholas Reeves hielt von 1998 bis 2002 die Grabungskonzession für einen Teil des fraglichen Gebietes; man hatte seinerzeit die Hoffnung, auf sterbliche Hüllen von Amarna-Größen zu stoßen.

Meine Recherche, ob bereits eine Reaktion des SCA auf Reeves' überraschende Eröffnung vorliegt, blieb bisher erfolglos.

via EEFNEWS