ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  August 2007
31. August 2007
"Aggrandiser" legten Grundstein für ägyptische Blüte

Nach Auffassung von Juan José Castillos, Professor am Uruguayan Institute of Egyptology, begann der Aufstieg Ägyptens von einem Volk der Jäger und Sammler zu einer strukturierten, geeinten Gesellschaft mit dem Auftauchen von "Aggrandisern", also Menschen mit einem ausgeprägten Machtdrang und Neigungen zur Selbstverherrlichung. Derartige Persönlichkeiten würden in verschiedenen Phasen der menschlichen Geschichte auftauchen. Als Beispiele nennt er Julius Caesar, Dschingis Khan und Stalin. Castillos meint, dass auch im Gebiet des späteren Ägypten während der Prähistorie sich Menschen mit diesen Eigenschaften aus der Masse hervorgehoben haben, die kraft ihrer Energie die Bildung einer Nation bewirkten, und zwar in einer Zeit, von der noch keine schriftlichen Überlieferungen existieren. Es gäbe sehr frühe Begräbnisse, die wegen ihrer hochwertigen Ausstattung darauf schließen lassen, dass hier herausragende Individuen bestattet wurden. Castillos, der sich selbst als "Schreibtisch-Archäologe" bezeichnet, will das Ergebnis seiner Forschungen und die daraus entwickelte Theorie im November auf einer Konfrerenz in Toronto vorstellen und im nächsten Jahr auf einer ähnlichen Veranstaltung im British Museum in London. Interessierte können sich im Vorfeld mit Hilfe von Castillos Publikation The Predynastic Period in Egypt ein Bild über seine Erkenntnisse machen.

ANBA


27. August 2007
Ägypten bezichtigt Diplomaten Zerstörung von Fossilien

Belgische Diplomaten sollen bei einer Autotour im Wadi el Hitan, dem "Tal der Wale", bei einer Autotour ein Walskelett beschädigt haben. Sie seien mit ihren Pkw's über ein Fossil hinweggerollt, obwohl sie zum Halten aufgefordert worden seien. Die belgische Botschaft bestreitet die Vorwürfe. Das Wadi el Hitan ist ein Wüstengebiet etwa 150 km von Kairo entfernt, das vor 40 Millionen Jahren noch von Wasser bedeckt war. Überbleibsel dieser Zeit sind mehrere Walskelette. Die Gegend gilt als Reservat und steht unter dem Schutz der UNESCO.

AFP


22. August 2007
CT-Scans von Mumien allüberall

Auch das Putnam-Museum in Davenport/USA wird eine Mumie durch den Computertomographen laufen lassen. Der 3000 Jahre alte Körper der zum Zeitpunkt ihres Todes vielleicht 25jährigen Isis-Neferit war bereits im Jahr 1966 ihrer Binden entledigt worden. Nun wurden er und eine noch eingewickelte Mumie des Museums, möglicherweise die eines Teenagers, per CT-Scan näher untersucht werden. Die Mumie des noch in Binden befindlichen jungen Mädchens weist augenscheinlich eine Wirbelbeschädigung, auf. Sie könnte vor dem Tod oder auch später aufgetreten sein. Mit den Untersuchungsergebnissen wird im Herbst gerechnet.

desmoinesregister.com
allheadlinenews.com
sfgate.com


22. August 2007
Nicht totzukriegen: Pharaos Fluch

Ein Deutscher hat Fragmente aus einem Grab im Tal der Könige an Ägypten zurückgegeben, die ein Verwandter im Jahre 2004 dort gestohlen hatte. Nach seiner Rückkehr war er erkrankt und gestorben. Die Rückgabe erfolgte aus Angst, der "Fluch des Pharao" könnte wieder zuschlagen.

express.de


21. August 2007
Ältester menschlicher Fußabdruck in Ägypten?

In der Nähe der Oase Siwa stießen Wissenschaftler auf einen möglicherweise 2 Millionen Jahre alten menschlichen Fußabdruck. Die Spur fand sich im einst weichen, im Laufe der Zeit zu Stein gewordenen Untergrund. Es werden sogar Vermutungen angestellt, die Fußspur könnte älter sein als das 1974 in Äthiopien gefundenes, auf 3,6 Millionen Jahre alt geschätztes Skelett "Lucy". Eine genauere Bestimmung des Alters soll durch Radiocarbonuntersuchungen vorgenommen werden.

xinhuanet.com
news.bbc
derstandard.at


15. August 2007
Begräbnis aus der Zeit Ramses' II. in Saqqara

Der Egypt State Information Service berichtet über den Fund von Steinen und Sarkophagen in einer Begräbnisstätte in Saqqara, die auf die Zeit Ramses' II. datiert werden. Darunter sei auch der Sarkophag einer Frau, einen "königlichen Arzt" (sicherlich Imhotep) anbetend. Die Archäologen fanden auch einen großen Steinbrocken, der als Fundament des Grabes verwendet worden war, sowie 50 Blöcke, auf denen Djoser, seine Gemahlin und seine Tochter inschriftlich erwähnt sind. Da keine Details erwähnt sind, könnte man spekulieren, es handele sich vielleicht um Fragmente aus der Umfassungsmauer des Djoser-Komplexes, von denen bereits diverse gefunden wurden, die heute auf verschiedene Museen verteilt sind. Sie tragen ebenfalls die Namen der Djoser-Familie.


14. August 2007
Spanisches Blei auf ägyptischer Mumie

Im New Yorker Brooklyn-Museum befindet sich die Mumie von Demetrios, einem "ägyptischen Römer" aus früher nachchristlicher Zeit, in der es üblich war, gemalte Porträts der Verstorbenen an den Mumien anzubringen. Die bei Demetrios verwendete rote Farbe enthält Spuren von Blei, das aus Spanien stammt, genauer vom Rio Tinto, wo das Material schon vor 5000 Jahren abgebaut wurde. Das zeigt eine kürzlich vorgenommene Röntgenfluoriszenzuntersuchung. Konservatorin Lisa Bruno meint, das hochgiftige Blei sei absichtlich verwendet worden, denn die rote Farbe hätte für Gefahr gestanden; man habe also "Gift mit Gift bekämpft".

discovery.com
brooklyneagle.com


13. August 2007
Pulvis mumiae als Allheilmittel

Seit dem 16. Jahrhundert wurden pulverisierte Mumie als Heilmittel für allerlei Krankheiten und Beschwerden erachtet. Möglicherweise ließen sich frühe arabische Ärzte durch die über einen langen Zeitraum erhaltenen Körper zu dieser Annahme verleiten.

Der Frankfurter Arzt Joachim Struppe etwa empfahl in seinem Traktat "Ubi mumiæ genuinæ" 1574 den Gebrauch von Mumia als "nützliche Gabe Gottes" bei Kopfschmerzen, Zuckerkrankheit, Herzbeschwerden, Schwindel und Gicht. Mit der Zeit kam es, so Beatrix Geßler, "zu einem schwunghaften Handel mit Mumien, die in großer Zahl von Ägypten aus nach Europa exportiert und zu Medizin verarbeitet wurden". Von Alexandria aus gingen ganze Schiffsladungen nach Venedig, Lyon und Marseille...

schreibt die Frankfurter Rundschau in ihrer Online-Ausgabe.


08. August 2007
Vogelmumien an SCA zurückgegeben

Eine ägyptische Textilfabrik war im Besitz von mehreren Vogelmumien (3 Ibise, 5 Falken), man hatte sie in den eigenen Räumen ausgestellt. Inzwischen wurden die Mumien an den SCA zurückgegeben und in das Ägyptische Museum Kairo verbracht.

Egyp State Information Service

03. August 2007
Grab aus der Spätzeit in Abusir gefunden

Eine ägyptische-tschechische Mission legte in Abusir das Grab eines königlichen Schreibers mit Namen Menechibnekau. Das Begräbnis stammt aus der 26. Dynastie. Man fand einen Kalstein-Sarkophag und darin einen weiteren aus Diorit, beide mit religiösen Texten versehen. Von der Grabausstattung wurden eine Reihe von Amuletten, Karneole und Fayencetöpfe vorgefunden. Das Grab war bereits in der Antike zur Zeit der Römer Opfer von Plünderungen geworden.

Die Bauweise des Grabes könnte sich an den unterirdischen Kammern der nahegelegenen Djoser-Pyramide orientiert haben, meint Miroslav Verner. Man fand eine gewölbte Sternendecke. An der südlichen Grabwand findet sich ein Kapitel aus dem Totenbuch.

xinhua.net
dailyindia.com


03. August 2007
Alte städtische Kulturen nicht nur im Zweistromland

Andrew Lawler schreibt in Science Band 317, dass die Wiege der menschlichen Zivilisation zwar in Mesopotamien stand, dass jedoch auch andere Kulturen in Asien (vom Zweistromland und dem Indus bis nach Turkmenistan) bereits städtisches Leben kannten, deren Spuren Archäologen auch abseits großer Ströme fanden. Zudem führte man bereits im 5. Jahrtausend v. Chr. regen Handel miteinander, wie Keramik, Schmuck und ähnliche Funde zeigen. Lapislazuli aus Afghanistan, Kupfer aus Oman und Obsidian aus Anatolien gelangten bereits sehr früh an Euphrat und Tigris und in den Nahen Osten.

Unter kulturgeschichtlichem Blickwinkel gab es mehrere Wiegen der Menschheit, meint die Archäologin Sylvia Winkelmann aus Halle. Das frühe Ägypten wird leider nicht erwähnt.

wissenschaft.de


01. August 2007
CT-Scan an einer Mumie in Baton Rouge

Eine etwa 2300 Jahre alte Mumie im Louisiana Art and Scince Museum wurde einem CT-Scan unterzogen. Nach einer bereits in den 1980ern vorgenommenen röntenologischen Untersuchung erhoffte man sich weitere Aufschlüsse. Der Körper gehörte einer männlichen, möglicherweise rothaarigen Person mit einer Größe von rund 1,70 m. Der Mann weist einige gebrochene Rippen auf. Seine innteren Organe sind erstaunlicherweise intakt. Er starb in einem Alter von 24 bis 30 Jahre möglicherweise an einer Art Trauma, vielleicht bei einem Minenunglück, einem Wagenunfall oder einem Steinschlag. Die Mumie stammt aus der Gegend von Theben.

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