ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  August 2008
28. August 2008
Qumran-Rollen im Internet

Mit Hilfe von Weltraumtechnik der NASA werden die Schriftrollen aus Qumran digitalisiert und somit einem großen Publikum zugänglich. Die rund 15.000 Dokumente biblischen Inhalts wurden 1947 in den Höhlen von Qumram am Toten Meer entdeckt; sie sind teilweise vollständig, teilweise in kleine bis kleinste Fragmente zerfallen. Das Digitalisierungsprojekt hat ein Finanzvolumen von 3 Mio. Dollar und soll sich über mehrere Jahre hinziehen. Ermöglicht wird die Digitalisierung durch Spezialkameras für Spektralaufnahmen.

welt
derstandard

27. August 2008
Interview mit Peter Jánosi über das Fortwirken der ägyptischen Kultur

Gegenüber derstandard beantwortet Peter Jánosi (Dozent am Institut für Ägyptologie der Universität Wien) als Interviewpartner von Michael Vosatka Fragen zu Tod und Leben im alten Ägypten, aber auch zum erstaunlich langen Bestehen der ägyptischen Kultur:
"Das Faszinierende der ägyptischen Kultur ist ihre scheinbare Unveränderlichkeit. 3000 Jahre ägyptische Geschichte muss uns in einer schnelllebigen Zeit als Ewigkeit vorkommen. Bei näherem Hinsehen war natürlich auch das Alte Ägypten ständig inneren Veränderungen und Einflüssen von außen ausgesetzt. Die Stärke Ägyptens lag darin, innere und äußere Veränderungen zu absorbieren und in die Kultur und das Geschichtsbewusstsein aufzunehmen. Im Geschichtsdenken der Ägypter galt die Vorstellung, immer wieder an den Anbeginn der Zeit, dem Augenblick des "ersten Males", als sich die Erde aus der Urflut hob, zurückzukehren. Jeder neue Herrscher war verpflichtet, das Land so zu regieren, wie es die Vorväter taten. Diese beständige und Sicherheit garantierende Wiederholung war eng mit den Naturprinzipien des Niltales und seiner zyklisch wiederkehrenden Nilflut oder dem täglichen Auf- und Untergang der Sonne verbunden."
Er geht dabei auch ein auf Überlegungen, inwieweit noch heute ägyptische Religion und Philosophie nachwirken:
"Das Fortwirken der ägyptischen Kultur in die Antike und darüber hinaus in vielfältigen verästelten Erscheinungsformen bis auf den heutigen Tag ist unbestritten, jedoch noch keineswegs vollständig erfasst. Echnatons Eingottglaube wird zwar häufig als Vorläufer des jüdischen Monotheismus genannt, doch sind die Unterschiede zwischen beiden Religionen und der zeitliche Abstand zwischen der Amarnazeit und der späteren schriftlichen Fixierung des alttestamentlichen Monotheismus zu groß, um eine direkte Einflussnahme zu stützen. Dennoch kann man beim Lesen des 104. Psalmes des Alten Testaments sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor dieser großartigen Komposition Echnatons berühmten Sonnengesang kannte."

26. August 2008
Reportage über die monegassische Ausstellung "Queens of Egypt"

In guardiansweekly  ist ein Online-Artikel über die Königinnen-Ausstellung in Monaco zu finden. Zu den Organisatoren gehört auch Christiane Ziegler, bis 2007 Kuratorin im Louvre. Der Anspruch, die Exponate sowohl wissenschaftlich als auch für ein breites Publikum verständlich zu präsentieren, scheint nicht immer gelungen. Die Bemühungen, das Gleichgewicht zwischen beidem herzustellen, sind gemäß guardiansweekly wohl nicht uneingeschränkt erfolgreich. Aber die Ausstellung verhilft der Rolle der Frau im alten Ägypten immerhin zu dem Stellenwert, der ihr gebührt, was sicher für viele Besucher eine bisher weniger bekannte Erfahrung ist.

25. August 2008
11th International Conference for Meroitic Studies.
Tagung über wenig bekannte afrikanische Hochkultur an der Universität Wien

Vom 1. bis 4. September 2008 veranstaltet das Institut für Afrikawissenschaften der Universität Wien die "11th International Conference for Meroitic Studies". Zu diesem Anlass kommen 150 WissenschafterInnen aus 20 Ländern nach Wien. Thema ist das im heutigen Sudan gelegene ehemalige Reich von Kusch, das von 900 v. Chr. bis 350 n. Chr. existierte. Das Reich von Kusch gilt heute als bedeutende antike Hochkultur. Zu seiner Blütezeit erstreckte es sich über das gesamte mittlere Niltal und umfasste zeitweise auch Ägypten. Das von Regenzeit geprägte Land ermöglichte es den BewohnerInnen intensiven Feldbau zu betreiben und Vieh zu halten. Durch die Anlage künstlicher Seen in den Steppengebieten konnte ein Produktionsüberschuss erwirtschaftet und somit Export betrieben werden. Kusch brachte die erste Schriftsprache des subsaharischen Afrika hervor und zählt zu den frühesten eisenverarbeitenden Kulturen. Zudem unterhielt das Reich intensiven Kontakt mit Ägypten und der hellenistisch-römischen Welt. In der Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. wurde das Land von den Nubiern eingenommen.

200 Jahre Österreichisch-Sudanesische Beziehungen
Die Beschäftigung mit der kulturellen Entwicklung der ehemaligen afrikanischen Hochkultur hat eine langjährige österreichische Tradition. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts reisten viele Missionare, Diplomaten, Abenteuer und Wissenschafter aus der ehemaligen Donaumonarchie in den Sudan. Sie waren fasziniert von den Relikten des ehemaligen Reiches. Das war auch einer der Gründe für das koloniale Interesse Österreichs an diesem Land.

Im 20. Jahrhundert wurden vermehrt archäologische Missionen durchgeführt, erstmals 1911 unter der Leitung von Hermann Junker. Aufgrund einer UNESCO-Kampagne zur Rettung der nubischen Altertümer bildete sich Ende der 1960er Jahre die neue Wissenschaftsdisziplin der Meroitistik (benannt nach der Hauptstadt Meroe) heraus, die sich innerhalb der Afrikawissenschaften an der Universität Wien etablierte. Die erste Internationale Konferenz für Meroitistik fand 1971 in Berlin statt. Die im Vierjahreszyklus organisierte Tagung erfolgt heuer zum ersten Mal in Österreich.

11th International Conference for Meroitic Studies
Zeit: 1. bis 4. September 2008
Ort: Campus der Universität Wien, Hörsaalzentrum, Hof 2, Spitalgasse 2, 1090 Wien

Kontakt
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Zach
Institut für Afrikawissenschaften
Universität Wien
1090 Wien, Spitalgasse 2-4, Hof 5
T +43-1-4277-432 04
michael.zach@univie.ac.at

Rückfragehinweis
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/afrikanistik/meroe2008
http://www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/news/sudanforschung-konferenz-zu-meroitistik/10.html
via http://idw-online.de/

15. August 2008
Sphingen im Stadtgebiet von Luxor gefunden

Beim Abriss einer Polizeistation stieß man in Luxor auf vier kopflose Sandsteinsphingen aus der 30. Dynastie. Sie dürften zur Sphingenallee zwischen dem Karnak- und dem Luxor-Tempel gehören, die momentan wiederhergestellt wird (Foto, Stand 02/2007).

Das gleiche Wissenschaftlerteam fand außerdem einen Sandsteinblock mit dem Namen der Kleopatra.

afp
derstandard

13. August 2008
Gefährdete Monumente in Abydos

Siedlungsbebauung und der Bau der Schnellstraße Kairo-Aswan, insbesondere der Bauabschnitt ab Assiut, gefährden die Denkmäler in Assiut. Das befürchten die Verantwortlichen des SCA, der ägyptischen Antikenbehörde. Ein daraufhin eingesetztes Gremium erarbeitete schließlich vier Vorschläge, die mögliche Zerstörungen verhindern sollen: Der erste sieht vor, die Straße weiter östlich der Monumente verlaufen zu lassen, was allerdings große fruchtbare Flächen für die Landwirtschaft unbrauchbar machen würde, der zweite sieht einen Straßenverlauf westlich hinter den Hügeln von Abydos vor, wodurch sich die Kosten um 150 Mio. LE erhöhen würden. Eine weitere Idee ist, die Route entlang des Qasr Kanal laufen zu lassen, wodurch sie 25 km länger würde und die Notwendigkeit bestünde, diverse Wohnhäuser abzureißen. Der letzte Vorschlag sieht den Straßenverlauf durch Farmland und die Einrichtung einer archäologischen Zone vor, die jedoch vor dem Bau der Straße bearbeitet, d.h. ausgegraben werden müsste. Man einigte sich schließlich, den Straßenverlauf tatsächlich zu verändern, wobei allerdings ebenfalls eine Umsiedlungsaktion erfolgen muss; für die Entschädigung der Betroffenen würden 15 Mio. LE anfallen, eine Summe, für die drei Ministerien aufkommen wollen. Der SCA hat inzwischen 3 Mio. LE bereitgestellt. Der Rest folgt, sobald mit dem Bau neuer Häuser begonnen wird.

Einem der großen Problem in Abydos, dem steigenden Grundwasserspiegel, wird ebenfalls zu Leibe gerückt. Das Grundwasser-Forschungszentrum arbeitet gemeinsam mit dem Tarek Wali Ingenieurbüro in einem umfassenden Projekt zur Reduzierung des zunehmenden Grundwasser im Osireion. Das bewachsene dreieckige Areal vor dem Tempel Sethos' I. (Foto, im Hintergrund der Tempel) wurde entfernt und soll zurückgebaut werden. Alles in allem will man der Probleme in Abydos innerhalb der nächsten sechs Jahre Herr werden. Einer der ersten Schritte ist das Einzäunen des Areals antiker Monumente. Vorher müssen 92 Häuser zwischen dem Tempel von Sethos und dem von Ramses II. abgerissen und ihre Bewohner umgesiedelt werden. Vor dem Sethos-Tempel soll ein modernes Besucherzentrum mit Shop und Cafeteria entstehen. Über eine Sound- und Light-Show und andere Touristenattraktionen wird zur Zeit nachgedacht.

Al Ahram-Weekly

12. August 2008
Keine fliegenden Händler mehr auf dem Giza-Plateau

Die Ägypter haben ihr Vorhaben, im Rahmen des Giza Development Project alle fliegenden Händler aus dem Umfeld der Pyramiden von Giza zu verbannen, nun in die Tat umgesetzt. Damit ist ein großer Teil des vor sieben Jahren begonnenen ehrgeizigen 26-Millionen-Dollar-Projekts verwirklicht. Um das Areal zieht sich nun ein ca. 20 km langer und bis zu 4 m hoher Zaun, ausgestattet mit Kameras, Alarm- und Bewegungsmeldern. Auch der Zugang für Besucher wurde erneuert. Damit könne man nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: den Schutz der Monumente und der Touristen, meint Zahi Hawass, SCA. Man kann die neuen Sicherheitsvorkehrungen mit denen anderer antiken Stätten vergleichen, etwa mit der Akropolis in Athen.

Die Touristen werden künftig mit Elektrofahrzeugen von den Parkplätzen zu den Monumenten transportiert.

presstv
pr-inside
morgenpost
Egypt State Information Service

11. August 2008
DNA-Analyse an Föten aus Grab Tutanchamuns geplant

Die beiden weiblichen Frühgeborenen, die Howard Carter im Grab des Tutanchamun vorfand, sollen einer Genanalyse unterzogen werden. Man hofft, auf diese Weise herauszufinden, wer Mutter und Großmutter der Kinder waren. Bisher geht man davon aus, dass es sich bei den Kindern um Nachkommen Tutanchamuns handelt, obwohl auch dies noch nicht mit letzter Sicherheit nachgewiesen werden konnte. Als Mutter käme dann Achesenamun, Gemahlin Tutanchamuns und Tochter von Nofretete, in Frage. "Es wäre (nach der DNA-Untersuchung) das erste Mal, dass wir Angehörige von Tutanchamun zuordnen könnten. Das sollte uns in die Lage versetzen, auch die Mumie Nofretetes zu identifizieren", sagt Zahi Hawass, Generalsekretär der Antikenbehörde. Mit den Ergebnissen wird im Dezember 2008 gerechnet.

dailytimes
guardians/Hawass
nationalgeographic