ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  August 2009
28. August 2009
Kritik am Betreiberkonzept der Bibliothek von Alexandria
Innerhalb des vor sieben Jahren erbauten Bibliothekskomplexes soll ein Areal für Restaurationsbetriebe eingerichtet werden, darunter angeblich auch die Fastfood-Kette McDonalds. Letzteres wird allerdings von den Verantwortlichen bestritten. Trotzdem gibt es Empörung. Man fürchtet um die Seriosität des Prestigeobjekts.
theage

26. August 2009
Museumsdirektorin Seyfried in Berlin im Amt
Friederike Seyfried, die Nachfolgerin von Dietrich Wildung am Ägyptischen Museum Berlin, spricht in einem Artikel der Berliner Morgenpost über ihre künftige Arbeit und ihre Ziele. Sie möchte die Sammlung wissenschaftlich aufarbeiten - ein Projekt, das bisher nicht intensiv angegangen werden konnte. Die letzten zwei Jahrzehnte waren zunächst geprägt von der Wende- und Nachwendezeit, also der Zusammenlegung der Ost-Berliner und der West-Berliner Sammlung, und von der Mammutaufgabe, das  "Neues Museum" zu konzipieren, umzubauen und bis zur Eröffnungsreife im kommenden Oktober zu führen. Nachdem diese Arbeiten nun so gut wie abgeschlossen sind, kann man sich wieder verstärkt der wissenschaftlichen Arbeit zuwenden. Seyfried plant außerdem eine enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Archäologischen Institut und dessen Grabungsmissionen in Ägypten. Es existieren auch bereits Ideen für künftige Sonderausstellungen mit bisher nie oder selten gezeigten Exponaten aus dem eigenen Bestand. Geplant ist z.B. eine Ausstellung rund um die Erzählung des "Sinuhe".

24. August 2009
3D-Scan in Giza
Ergänzend zu dem existierenden umfangreichen Kartenmaterial, das Mark Lehner in jahrelanger Arbeit vom Giza-Plateau angefertigt hat, werden nun 3D-Aufnahmen von dem Gebiet erstellt. Es soll sich um das gleiche Team handeln, das bereits in verschiedenen Gräbern im Tal der Könige tätig ist (siehe Beitrag vom 11.07.2009 und factum-arte).
drhawass

18. August 2009
Erste Resultate zur Mumie von Hyderabad
Der ägyptische Experte Tarek El-Awady, der sich der vom Zerfall bedrohten Mumie in Hyderabad annehmen will (siehe Beitrag vom 29.07.2009), hat seine ersten Empfehlungen gegeben: Die Mumie sollte künftig in einer Spezialvitrine ohne Sauerstoff untergebracht werden, die aus Deutschland bezogen werden könne (Preis 20.000 $). Der Ausstellungsraum sollte klimatisiert sein und die Mumie nicht direktem Licht ausgesetzt werden. Fotografieren mit Blitzlicht sollte untersagt werden.
Das Alter der Mumie - sie sollte 2.500 Jahre alt sein - zweifelt El-Awady an. Nach seiner Auffassung stammt sie eher aus dem 2. Jahrhundert n.Chr.
timesofindia
indianexpress

17. August 2009
Die Arbeiten der Waseda-Universität in Ägypten
Ein Artikel bei info.kopp-verlag befasst sich noch einmal mit dem Jubiläum der japanischen Ausgräber und berichtet auch über die derzeit laufenden Ausstellung im Ägyptischen Museum Kairo (siehe auch Beitrag vom 30.07.2009). Zusätzlich sind allerdings auch kritische Töne zu hören. Mit ihrer modernen Technik waren die Japaner auf dem Giza-Plateau scheinbar auf Anomalien gestoßen, die von Gängen und Hohlräumen herrühren könnten. Der SCA soll diese Forschungsergebnisse bisher ignoriert bzw. in die pseudowissenschaftliche Ecke gedrängt haben.

13. August 2009
Die Suche nach Königin Mutnedjmet
In der Online-Ausgabe 960 von Al-Ahram Weekly berichtet Zahi Hawass über seine Suche nach Skeletteilen der Königin Mutnedjmet, der Gemahlin Haremhabs. Er möchte sie in die bereits laufenden oder geplanten DNA-Analysen einbeziehen, da sie Teil des Puzzles sein könnten, das die Verwandtschaftsverhältnisse rund um Tutanchamun klären soll: "Einige Wissenschaftler glauben, das Königin Nofretete eine Schwester namens Mutbenret hatte, die den Titel 'Königstochter' trug. Es wird angenommen, dass sie eine Tochter von Eje war. Diese Frau trägt gelegentlich den gleichen Namen (?) und Titel wie Nofretete. Es muss deshalb eine Verbindung zwischen den beiden geben. Einige Wissenschaftler vermuten, dass Mutbenret und Mutnedjmet identisch sind." Hawass forscht nun nach den sterblichen Überresten aus dem Grab der Mudnedjmet in Saqqara. Dies erweist sich jedoch als schwierig. Der tschechische Anthropologe und Archäologe Eugen Strouhal hatte sie untersucht, ist aber über den anschließenden Verbleib nicht im Bilde, ebenso wenig wie Geoffrey T. Martin, der das Haremhab-Grab und die umliegenden Gräber in Saqqara ausgegraben hat und dabei auch auf die von Strouhal untersuchten Skelettteile im Grab der Mutnedjmet gestoßen war. Hawass hofft nun, vor Ort fündig zu werden: "Ich habe große Hoffnungen, dass wir bei unserer Suche nach den Knochen der Mutnedjmet erfolgreich sein werden. Neben anderen Dingen könnten wir unsere DNA-Untersuchungen soweit vorantreiben, dass wir die Mumie der Nofretete identifizieren könnten. Wir könnten die Identität von Tutanchamuns Vater und Mutter bestimmen, die Mumie von Königin Teje finden und sogar die Gebeine von Tutanchamuns Gemahlin entdecken."

10. August 2009
Bisher ältester Beleg für Rötelfarbe kommt aus Ägypten
Schon vor 4.000 Jahren war es den Ägyptern offenbar möglich, aus Krapp (Rubia tinctorum), einer auch im östlichen Mittelmeerraum heimischen Pflanze, roten Farbstoff zu gewinnen. Wissenschaftlern des Metropolitan Museum of Art in New York ist es gelungen, diesen Farbstoff auf einem ägyptischen Köcher aus dem Mittleren Reich nachzuweisen, der damit als ältester Beleg für die Verwendung dieser Rötelfarbe gilt. Dies spricht für die außerordentlichen Fähigkeiten der Ägypter um 2000 v. Chr., denn das Extrahieren der Pigmente setzt komplexe chemische Kenntnisse voraus. Der rote Krapp-Farbstoff kommt bevorzugt in der Kunst des Mittelalters zur Anwendung.
msnbc
scientificamerican
pnas
07. August 2009
Keilschrifttafeln in Tempel in der Türkei gefunden
Archäologen der Universität Toronto fanden in Tell Tayinat im Südosten der Türkei in einem Tempel - ursprünglich neohethitisch, später von den Assyrern umgebaut - Keilschrifttafeln aus der Zeit zwischen 1200 und 600 v. Chr. Von der Auswertung versprechen sich die Wissenschaftler Erkenntnisse über die politische Situation dieser Region in dieser Zeit.
news.utoronto

05. August 2009
Die "verlorene Unterwelt" der Pharaonen
Ein britischer Autor, Andrew Collins, glaubt, ein bislang unerforschtes System von Kammern und Gängen unter der Nekropole von Giza ausfindig gemacht zu haben. Nach den unveröffentlichten Memoiren von Henry Salt, früherer britischer Generalkonsul von Ägypten, aus dem Jahre 1817 sollen sich dort "Katakomben" befinden, die Salt mit dem italienischen Forscher Giovanni Cavaglia inspiziert hatte. Nach einigen hundert Yards waren sie seinerzeit auf vier große Kammern gestoßen, von denen wiederum weitere Gänge abzweigten. Collins fand nach eigenen Angaben im März 2008 über ein bisher unpubliziertes Grab Zugang zu einer riesigen Kammer, angefüllt mit Gesteinsbrocken, Mumienfragmenten, Tierknochen, Fledermauskolonien und giftigen Spinnen. Da die Luft knapp wurde, kam er nicht sehr weit. Collins ist der Auffassung, dass diese Höhlen Tausende, wenn nicht Hundertausende von Jahren alt sind und als Vorbild für die Unterwelt der alten Ägypter dienten. Zahi Hawass zeigt sich skeptisch: "Wir wissen alles über das Plateau - Amateure können nichts Neues mehr finden."

Tatsächlich ist in der ägyptischen Jenseitsliteratur ein Ort namens Rasetau als Teil des Totenreichs prominent vertreten und Grabschächte könnten als Zugang angesehen worden sein. Schon in den Pyramidentexten taucht der memphitische Totengott Sokar als "der von Rasetau" auf. Dem Sokar war ein Heiligtum geweiht, das sich in der Nekropole von Giza befand.
responsesource
dsc.discovery (mit Foto)