ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  August 2010

26. August 2010
Weitere Details zur Siedlung bei Kharga

Die bei Kharga gefundene Siedlung, von den Ausgräber Umm Magawir (Mutter der Brotformen) getauft, wurde in der Zweiten Zwischenzeit, also zur Hyksoszeit, scheinbar von dem verbliebenen thebanischen Königshaus kontrolliert. Wie schon aus den ersten Meldungen zu diesem Fund hervorgeht, könnte die dort installierte Bäckerei als Großproduzent eine Armee mit Rationen versorgt haben. Neben den beiden Backöfen und den zahlreichen Backformen wurde auch ein Mörser zum Ausschoten von Getreide und ein Sortiment von Mahlsteinen zur Herstellung von Mehl gefunden. Es gibt auch andere Anzeichen dafür, dass eine bedeutende Militärgarnison in der Stadt stationiert war. Über das Areal verstreut stieß man auf Scherben von Kochgeschirr, das ägyptischen Elitesoldaten nubischer Herkunft (Medja) zugeordnet werden kann. Ein Teil der Gefäße war aus Nubien importiert, ein Teil jedoch vor Ort mit lokalen Materialien hergestellt worden. Das würde bedeuten, dass die Medja auch Frauen dabei hatten, die die Töpferei besorgten.
Bekanntlich konnten sich die Thebaner am Ende der Zweiten Zwischenzeit gegen die Hyksos durchsetzen und sie schließlich aus Ägypten vertreiben. Der offenbar gut ausgestattete militärische Standort in Umm Magawir könnte bei den thebanischen Militäraktionen eine herausragende Rolle gespielt haben.
Nach den archäologischen Befunden wurde die Siedlung in Umm Magawir bereits im Mittleren Reich gegründet. Ausgräber John Darnell erinnert in diesem Zusammenhang an eine bisher wenig beachtete Inschrift eines unbekannten Königs des frühen Mittleren Reiches (eventuell Mentuhotep II.), der darin stolz seine Entscheidung verkündet, die Oasen der Westwüste in sein Reich einzugliedern. Die Ägypter waren demnach nicht nur in der Lage, mächtige Monumente entlang des Nils zu errichten. Ihre organisatorischen und logistischen Fähigkeiten waren so ausgeprägt, dass sie Bauvorhaben selbst in unwirtlichen Gegenden wie der Westwüste umsetzen konnten.
yalealumnimagazine
yale.edu (mit einer Reihe interessanter Fotos von der Grabung)


25. August 2010
Fund von Strukturen nordöstlich der Knickpyramide in Dahschur
Das in Dahschur tätige Grabungsteam des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo und der FU Berlin hat mit Hilfe von magnetometrischen Messungen und Kernbohrungen eine u-förmige Struktur geortet und einen Teil davon freigelegt. Es könnte sich dabei um die Reste eines antiken Hafens handeln, der - so die Befunde - mit einem Aufweg zum Pyramidentempel verbunden war. Möglicherweise war er für Schiffe über einen Kanal erreichbar. Die Ausgrabungen erfolgten bereits im Herbst 2009 und im Frühjahr 2010 (Dahschur-Bericht des DAIK 2009/2010 PDF 2,84 MB).
heritage-key

25. August 2010
Siedlungsreste in Kharga freigelegt
Eine Grabungsmission legte in der Oase Kharga Siedlungsreste frei; sie datieren in die Zweite Zwischenzeit. Das Archäologenteam arbeitet eigentlich an der Erforschung und Kartierung der antiken Handelsrouten in der westlichen Wüste Ägyptens. Dabei stießen sie auf die Siedlungsstrukturen, die sich über eine Fläche von 1 km in Nord-Süd-Richtung und 250 m in Ost-West-Richtung erstrecken. Es handelt sich dabei u.a. um die Reste eines großen Verwaltungsgebäudes aus Nilschlammziegeln - mit verschiedenen Räumlichkeiten und einer Halle. Reste ähnlicher Verwaltungsgebäude finden sich überall im Niltal. Es könnte sich dabei um eine Art Handelsposten handeln, um den Teil eines Verwaltungszentrums. Man fand Reste einer Backstube mit zwei Öfen und eine Töpferscheibe, auf der Brotbackformen hergestellt wurden. Die im Schutt gefundenen Überreste aus der Backstube lassen eine Überschussproduktion vermuten, eventuell bestimmt zur Versorgung von Militärexpeditionen. Nach Angaben von Deborah Darnell, Co-Direktorin der Grabungsmission, stammen die ersten Besiedlungsspuren schon aus dem Mittleren Reich und erstrecken sich zeitlich bis ins Neue Reich. Die Blütezeit scheint jedoch in der Periode vom späten Mittleren Reich bis zur Zweiten Zwischenzeit zu liegen.
drhawass.com

25. August 2010
"Goldrush" in Nubien

In der nubischen Wüste, rund 500 km nördlich von Khartoum, gehen Sudanesen auf die Suche nach Gold. Golderz in großen Mengen wurde in Nubien schon zu pharaonischen Zeiten gewonnen. Mittlerweile sollen mindestens 200.000 Goldsucher in den Wüstengebieten am Werk sein, teilweise ausgestattet mit Metalldetektoren. Der Wert von einem Gramm Gold entspricht aktuell dem Wochenlohn eines Sudanesen. Wissenschaftler bangen um die im Schürfgebiet befindlichen archäologischen Stätten.
berlinonline

19. August 2010
Diebesgut geht aus Kanada zurück nach Ägypten

Eine 13 cm große Marmorbüste aus griechisch-römischer Zeit war 2007 von der kanadischen Polizei als Diebesgut konfisziert worden. Das Stück wurde kürzlich dem ägyptischen Botschafter in Kairo übergeben, der es nach Ägypten überführen wird.
drhawass.com

17. August 2010
Bronzezeitliche Handelsbeziehungen zwischen Ägypten und Kanaan

Israelische Archäologen legten südöstlich von Safed im Norden Israels ein 3.500 Jahre altes Dorf frei und stießen dabei auf verschiedene Artefakte aus der palästinensischen Spätbronzezeit, darunter auch ein Skarabäus mit hieroglyphischer Inschrift. Dies könnte dafür sprechen, dass die Dorfbewohner, Bauern und Viehzüchter, Tauschhandel mit Ägyptern trieben.
israel21c

12. August 2010
Ptolemäische Münze in Israel gefunden

In der Mauer eines hellenistischen Verwaltungsgebäudes in Tel Kedesh (Israel) nahe der libanesischen Grenze fanden Archäologen eine seltene Goldmünze. Ptolemaios V. hat sie im Jahre 191 v. Chr. in Alexandria prägen lassen. Die Münze hat ein Gewicht von 27,71 g - die meisten antiken Goldmünzen wiegen nur rund 4,5 g. Sie zeigt das Bildnis von Arsinoe II. Philadelphos.
edition.cnn
AFP

Arsinoe Philadelphos (3. Jh. v.Chr)
Ägyptisches Museum Berlin


Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
09. August 2010
Arbeiten in der Nekropole von Assiut in Mittelägypten für weitere drei Jahre gesichert

Das Langfristprojekt "Dokumentation und Interpretation der altägyptischen Nekropole von Assiut/Mittelägypten" wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für weitere 3 Jahre mit einem Fördervolumen von knapp 700.000 Euro gefördert. Da der Grabungsleiter des Projekts, Jochem Kahl, inzwischen von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) auf die W3-Professur für Ägyptologie an der Freien Universität (FU) Berlin berufen wurde, läuft das Unternehmen nunmehr als Kooperation zwischen der JGU und der FU Berlin. Die eingeworbenen Drittmittel werden von beiden Universitäten jeweils zur Hälfte verwaltet. Seit 2003 finden die Arbeiten außerdem in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der ägyptischen Universität Sohag statt.

Ansicht des Gräberbergs in Assiut - Foto: Ursula Verhoeven-van Elsbergen - Quelle idw

Die diesjährige Kampagne startet am 14. August. Zwei Monate lang werden 26 Wissenschaftler und Studierende verschiedener Disziplinen aus Ägypten, Japan, Polen und Deutschland sowie rund 40 lokale Grabungsarbeiter, dazu Inspektoren und Restauratoren des ägyptischen Antikendienstes bei sommerlichen Temperaturen die Hinterlassenschaften vom Ende des 3. Jahrtausends bis in die koptische Zeit untersuchen. In der Felsnekropole am Rande der heutigen Millionenstadt Assiut sind neben mehreren monumentalen Fürstengräbern mit umfangreichen Inschriften und Bildprogrammen aus der Zeit um etwa 2100 v. Chr. auch spätere Besuchergraffiti höchst interessant, die um 1500-1200 v. Chr. unterschiedlich motivierte Ausflüge von Schreibern, Amtsträgern und Priestern dokumentieren. Spannend werden die Arbeiten im sog. "Hundegrab", einer weit verzweigten Bestattungsanlage aus dem späten 1. Jt. v. Chr., in der unzählige Hunde, Schakale und andere Tiere niedergelegt wurden, die mit den lokal verehrten hundegestaltigen Göttern Upuaut und Anubis in Verbindung gebracht wurden.
Neben der erstmals adäquaten Bearbeitung und Dokumentation der archäologischen Zeugnisse Assiuts ist es das Ziel des Gesamtprojekts, den Nekropolenberg Gebel Asyut al-Gharbi auf seine zeitliche und qualitative Kontinuität über mehrere Jahrtausende hin zu betrachten, da Assiut großen Anteil am kulturellen Gedächtnis des Alten Ägypten besaß.

idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.
http://idw-online.de


06. August 2010
Weitere Zweifel an Diagnose für Tutanchamun

Wie kürzlich Hamburger Tropenmediziner (siehe Beitrag vom 23.06.2010) möchten sich weitere Wissenschaftler mit den veröffentlichten Erkenntnissen zu Tutanchamuns Befinden (siehe Beitrag vom 17.02.2010) nicht zufrieden geben. Der Vorsitzende des Bundesverbandes Hypophosphatasie Deutschland e.V. bezweifelt, dass der junge König an Morbus Köhler Typ II litt. Seiner Ansicht nach könnte er eher an Hypophosphatasie, einer Erbkrankheit, die auf einem Aktivitätsmangel des Enzyms alkalische Phosphatase beruht, erkrankt gewesen sein. Eine Folge dieser Krankheit sind Gelenk- und Knochenentzündungen.
openpr

03. August 2010
Altes Buchmanuskript könnte zu verschollenem Grab führen

Ein unpubliziertes Manuskript des Forschers Frédéric Caillaud aus dem 19. Jahrhundert könnte eventuell zu dem lange vergessenen Grab des Neferhotep, Vorsteher der Getreidesilos unter Amenophis II. und/oder Thutmosis III., führen. Caillard hatte das Grab gefunden und Zeichnungen der Dekoration angefertigt; außerdem befindet sich in seinem Manuskript ein Grabgrundriss. Im Laufe der Jahre ist das Grab offenbar wieder zugeweht und gilt heute als verschollen. Mit den Angaben in Caillauds Manuskript, das nun publiziert werden soll, möchte Andrew Bednarski vom American Research Center in Egypt (ARCE) sich in Kürze in Theben auf die Suche nach dem verschollenen Grab begeben.
heritage-key

02. August 2010
Steinzeitliche Funde in den Oasen

Die polnische Akademie der Wissenschaften ist bei einem Survey in den Oasen Fayum, Baharija, Farafra und auf der Sinai-Halbinsel auf verschiedene archäologische Stätten aus dem Früh- und Jungsteinzeit gestoßen. Die bedeutendsten Funde, Reste von Steinmonumenten aus Chalzedon und Tierknochen, wurden im Fayum gemacht. Sie dürften aus einer sehr frühen Besiedlungszeit stammen. Südwestlich der Oase Baharija fand man ähnliche Besiedlungsreste.
naukawpolsce

Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung der Humboldt-Universität zu Berlin
02. August 2010
Neuer Sprecher des Berliner Exzellenzclusters Topoi für die Humboldt-Universität: Professor Dr. Gerd Graßhoff

Das Berliner Exzellenzcluster Topoi konnte Professor Dr. Gerd Graßhoff als neuen Sprecher für die Humboldt-Universität gewinnen. Mit seiner Berufung auf die neu eingerichtete W3Professur für Wissenschaftsgeschichte der Antike am Institut für Philosophie tritt er auch die Nachfolge von Professor Dr. Christof Rapp als TopoiSprecher an. Zusammen mit Professor Dr. Friederike Fless (Freie Universität Berlin) leitet er den interdisziplinären Forschungsverbund zu Raum und Wissen in der Antike.
Als international renommierter Experte auf dem Gebiet der Wissenschaftstheorie und -geschichte ergänzt und koordiniert Gerd Graßhoff in Zukunft das Forschungsspektrum des Berliner Clusters. Topoi untersucht, wie räumliche Ordnungen und Wissenssysteme sich in und seit der Antike entwickelt haben.
Der interdisziplinäre Ansatz der beteiligten Forschergruppen kommt auch in Graßhoffs Forschungsarbeit zum Ausdruck: Graßhoff studierte Physik, Mathematik, Philosophie und Geschichte der Naturwissenschaften an den Universitäten Bochum, Hamburg und Oxford. Er ist seit 1999 Professor für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte und Direktor am Institut für Philosophie an der Universität Bern.
Mit seiner Arbeit „Die Geschichte des Ptolemäischen Sternenkatalogs. Zur Genesis des Sternenverzeichnisses aus Buch VII und VIII des Almagest“ wurde er 1986 am Institut der Geschichte der Naturwissenschaften der Universität Hamburg promoviert. Bis 1990 arbeitete Graßhoff dann am Institute for Advanced Study eng zusammen mit Otto Neugebauer zu Themen der Wissenschaftsgeschichte der Exakten Wissenschaften von Babylon bis Kepler. Er habilitierte 1994 mit der Schrift „Die Kunst wissenschaftlichen Entdeckens – Grundzüge einer Theorie epistemischer Systeme“. Graßhoff wurde unter anderem mit dem Heinz-Maier Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet und ist Vize-Präsident der Euler- Kommission der Akademie der Naturwissenschaften der Schweiz. Unter seiner Leitung etablierten sich zahlreiche Forschungsprojekte der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Schweizerischen Nationalfonds, zum Beispiel zur kartographischen Umsetzung der ptolemäischen Originaldaten.

Weitere Informationen:
Greta Wonneberger
Exzellenzcluster Topoi
Humboldt-Universität zu Berlin
Hannoversche Straße 6
10099 Berlin
Tel: 030 2093-99072
http://www.topoi.org

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