ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
 
September 2006
30.09.2006
Felszeichnungen in der Ostwüste

Das College of Liberal Arts & Science wartet auf mit einem Online-Artikel über eine Expedition von Douglas Brewer in die ägyptische Ostwüste und dort von ihm aufgefundene Felszeichnungen. Brewer geht der Frage nach, ob es sich bei den Urhebern um eine Bevölkerung handelt, die später als Ägypter in die Geschichte eintreten, oder um eine ganz eigene Kultur.

Diese Frage ist in der Vergangenheit bereits mehrfach behandelt und Erkenntnisse dazu auch reichlich wissenschaftlich und populärwissenschaftlich publiziert worden, z.B. im Jahre 2003 von Toby Wilkinson in "Genesis of the Pharaohs". Felszeichnungen dieser Art finden sich zu Hauf in der ägyptischen Ostwüste.



29.09.2006

Philipps-Universität ist neue Heimat der Hannig-Lexika

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Philipps-Universität Marburg, Thilo Körkel, 29.09.2006 10:30

Demnächst fünfbändiges Werk enthält ägyptisch-pharaonisches Vokabular aus der Blütezeit Ägyptens - Standardwerk besitzt weltweite Ausnahmestellung - Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse erscheint "Ägyptisch-Deutsch des Mittleren Reiches"

Die Hannig-Lexika haben an der Philipps-Universität Marburg ihre neue Heimat gefunden. Nachdem ihr Autor, Professor Dr. Rainer Hannig, die ersten vier Bände am Römer-Pelizaeus-Museum in Hildesheim und an der Universität Göttingen erstellt hatte, wird der nun in Marburg lehrende international renommierte Ägyptologe sein Werk im September um den fünften, rund 3.500 Seiten starken Band "Ägyptisches Wörterbuch II - Mittleres Reich und Zweite Zwischenzeit" ergänzen. Das Mittlere Reich
umfasst die Periode von 2010 bis 1793 v. Chr. Wie die anderen Bände auch wird das Wörterbuch im Mainzer Verlag Philipp von Zabern erscheinen.

Bereits die bisherigen Bände haben Standards in der Ägyptologie gesetzt. Sie befassen sich mit dem ägyptisch-pharaonischen Vokabular der Zeit von der 2. bis zur 21. Dynastie, decken also den Zeitraum von etwa 2900 bis 950 v.Chr. und damit die Blütezeit Ägyptens ab. Ihre weltweite Ausnahmestellung verdankt sich der Tatsache, dass sie als einzige weltweit den aktuellen Stand der Wissenschaft dokumentieren. Andere Werke - gleich, ob sie das Ägyptische in die englische, französische, deutsche oder eine andere Sprache übertragen - gelten als veraltet. Das neue Werk aktualisiert das Berliner Altägyptische Wörterbuch, das noch aus dem ersten Drittel des letzten Jahrhunderts stammt, und erweitert den Umfang an darin enthaltenen Belegstellen um
über fünfzig Prozent. Um es international nutzbar zu machen, wurde unter anderem der Vorspann in sechs Sprachen abgefasst.

Neben Band 5 befindet sich derzeit auch eine komplett überarbeitete Neuauflage von Band 1 im Druck. Beide Bände werden pünktlich zur Frankfurter Buchmesse erscheinen. Darüber hinaus wird Band 1 im Rahmen eines Joint Ventures, an dem sich das Deutsche Archäologische Institut Kairo beteiligt, nun auch ins Arabische übersetzt. Anschließend soll es der ägyptischen Regierung und dem Supreme Council of Antiquities, der ägyptischen Antikenbehörde, als Geschenk überreicht werden.

Bislang erschienen folgende Hannig-Lexika: Ägyptisch-Deutsch (1.500 Seiten)
Wortschatz in Sachgruppen (1.000 Seiten, in Zusammenarbeit mit Petra Vomberg)
Deutsch-Ägyptisch (1.800 Seiten)
Ägyptisch- Deutsch des Alten Reiches mit Belegstellen (1.800 Seiten).

Kontakt
Professor Dr. Rainer Hannig: Philipps-Universität Marburg, Fachbereich
Fremdsprachliche Philologien, Seminar für Orientalistik und
Sprachwissenschaft, Fachgebiet Ägyptologie
Tel.: (06421) 28 24844, E-Mail: hannigr@staff.uni-marburg.de

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.uni-marburg.de/aegyptologie - Homepage der Marburger Ägyptologie

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Die Hannig-Lexika sind Standardwerke für das ägyptisch-pharaonische Vokabular der Zeit zwischen 2900 und 950 v. Chr. Hier der neu erscheinende Band 5.

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28.09.2006

Wie bauten die Ägypter ihre Monumente?

Ein Artikel in archaeology.org beschäftigt sich mit einer neuen Serie des History Channel, die am 9.10.2006 startet: "Engineeering an Empire". Besonders nett anzusehen: die auf der Seite von archaeology.org veröffentlichten Rekonstruktionen von ägyptischen Monumenten (Memphis, Buhen, das Aufrichten eines Obelisken).



27.09.2006

Interview mit Barry Kemp, Direktor des Amarna Projects, über jüngste Arbeiten in Amarna / Achetaton
online veröffentlicht unter archaeology.org

Zusammenfassung wesentlicher Aussagen

Nach einleitenden allgemeinen Informationen wird Kemp gefragt, ob es Hinweise gibt, dass Achetaton noch sehr weit über die Zeit Echnatons hinaus bewohnt gewesen sei. Sicher sei es, so Kemp, dass unter Tunanchamun die Stadt noch existierte, jedoch bereits zu Harmehabs Zeiten sei mit der Demontage begonnen worden. Es habe für die Bewohner auch keinen Grund mehr gegeben, dort zu bleiben - und es sei ohnehin weniger ihre eigene Entscheidung gewesen als vielmehr die des Hofes, wo sie sich niederließen. Es gäbe jedoch nahe des Flusses, jetzt überbaut von dem modernen Ort el-Hagg Qandil, Siedlungsreste bis ins späte Neue Reich (Grabungen erfolgten dort 1922). Allerdings dürfte es sich um eine eigenständige Siedlung gehandelt haben, unabhängig von Achetaton.

Kemp misst Amarna trotz der kurzen Besiedelungszeit von nur einer Generation archäologisch große Bedeutung zu. Gerade durch die kurze Existenz erbringen die Verteilungsmuster der Funde zuverlässige Ergebnisse. Die Frage, ob sich Achetaton bezüglich der Einwohnerstruktur signifikant von den vorherigen Residenzen unterschieden hat, ließe sich nicht beantworten, meint Kemp. Lediglich die Tempel seien bekanntlich völlig anders konstruiert. Man fand dort Hunderte von Opfertischen, die leicht zu der Annahme verleiten, sie seien Teil der Versorgungsmaschinerie der Bevölkerung. Es sei auch bekannt, dass auf den Amarna-Reliefs überdurchschnittlich häufig Soldaten dargestellt sind, die den König begleiten. Offensichtlich sei die Rolle des Militär zu dieser Zeit bedeutender geworden. Man dürfe nicht vergessen, dass das Scheitern Echnatons zu einer Machtübernahme durch Militärs führte. Ob die offensichtlich großzügig gebauten Häuser der Mittel- und Oberschicht Achetatons etwas über Echnatons Art zu regieren aussage - ob mehr Müßiggang möglich war, wollte archaeology.com wissen. Das sei eine Illusion, sagt Kemp. Achetaton sei dicht bebaut gewesen. Für die einfachen Unterkünfte blieb nur der Platz zwischen den großen Anwesen der Oberschicht. Man baute in die Höhe, um Platz zu sparen. Da jedoch aus Theben und aus Memphis kaum Vergleichsmaterial vorliege, blieben Aussagen über den Lebensstil in Achetaton nur Vermutungen. Ein Vergleich der Arbeitersiedlung von Achetaton mit Deir el-Medina in Theben-West könne nur vorsichtig vorgenommen werden. Über Deir el-Medina sei die Wissenschaft erst aus ramessidischer Zeit umfassend informiert. Wie die Lebensumstände dort in der 18. Dynastie aussahen, ist weitgehend unbekannt.

Kemp und sein Team starten gerade eine Grabungskampagne auf einem Friedhof für die ärmere Bevölkertung Achetatons. Mit dieser Arbeit könnten sie Jahre beschäftigt sein, meint Kemp. Die wichtigste Erkenntnis sei, dass ein gut Teil von den Hunderten, vielleicht Tausenden von Menschen, die in Achetaton starben, auch dort bestattet und nach Verlassen der Stadt auch belassen wurde. In dem bisher bearbeiteten Gebiet waren die Begräbnisse ärmlich ausgestattet, mit wenigen Beigaben, billigen Töpferwaren und wahrscheinlich ohne Mimifizierung. Da über die Bestattungssitten der einfachen Bevölkerung des Neuen Reiches nur wenig bekannt ist, wird Kemps Arbeit eine willkommene Ergänzung zu bislang Erforschtem sein. Bereits jetzt lässt sich vermuten, dass es familiäre Bindungen zwischen den Bestatteten gab, dass sie sich zu Lebzeiten wohl kannten. Die sterblichen Überreste, die Knochen also, erzählen nach allerersten Untersuchungen die düstere Geschichte eines harten kurzen Lebens, das man so in der Hauptstadt eines Ägypten in der Blüte seines Reichtums nicht erwartet hätte.

Mit steigendem Grundwasser, das anderen archäologischen Stätten sehr zu schaffen macht, haben die Wissenschaftler in Amarna offensichtlich nicht in gleichem Maße zu kämpfen, ebenso wenig mit einer steigenden Zahl von Touristen. Das soll sich nach dem Willen der Behörden jedoch ändern, denn in el-Till ist ein neues Museum im Bau, in dem auch die Artefakte eines Wohnhauses ausgestellt werden sollen. Kemp sinniert jedoch darüber, was wohl besser sei: die Restaurierung der verfallenen Schlammziegelmauern (was bereits geschehen ist - siehe Foto) oder das Zuschütten der Ruinen zu deren Schutz. Das sei, so Kemp, ein ewiger Konflikt.


Nach den Zielen des Amarna Projects gefragt, zählt Kemp auf
  • Genaue Bestimmung des städtischen Lebens - die Entwicklung Achetatons vom Dorf bis zu der Stadt wie wir sie schon kennen - Amarna als Beispiel einer "vor-vor-industriellen Stadt".
  • Genaue Bestimmung der Material-Kultur - welche Rolle spielten welche Dinge im täglichen Leben: Herstellung, Erwerb, sinnvolle Investition, Verwendung.
  • Genaue Bestimmung der "geistigen Landschaft" - die großen Ideen Echnatons auf der einen und die heimliche Unterstützung lokaler, privater Religion auf der anderen Seite.
Die Frage, ob Echnatons Handlungen (Religion, Umzug, Kunststil) das tägliche Leben beeinflusst hätten, beantwortet Kemp so: Das Leben der Menschen änderte sich durch die Umsiedelung dramatisch. Sie mussten einen öden Landstrich kultivieren. Die Auswirkung der neuen Religion auf die Bevölkerung will man in den laufenden Arbeiten herausfinden. Auf der einen Seite sind da die Aton-Tempel mit den vielen Opfertischen. Bedeuten sie einen größeren Anteil an Öffentlichkeit? Diese Idee sei verlockend, aber kaum zu beweisen. Auf der anderen Seite ist es eine Tatsache, dass es in Amarna mehr Hinweise auf  lokale Religion gibt als in anderen Siedlungen - mit Ausnahme von Deir el-Medina - und diese deckensich nicht mit Echnatons Ideen.

Aus den neuen Funden im Tal der Könige (KV 63) und einem möglichen "KV 64" glaubt Kemp zunächst keine neuen Erkenntnisse für seine Arbeit zu gewinnen, zumal die Existenz von "KV 64" noch sehr hypothetisch sei.



26.09.2006

Historikertag 2008 an der TU Dresden

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Technische Universität Dresden, Kim-Astrid Magister, 26.09.2006 10:55


Der nächste Historikertag, der alle zwei Jahre veranstaltete Kongress des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands, wird im Herbst 2008 in Dresden stattfinden. Professor Martin Jehne vom Institut für Geschichte der TU Dresden präsentierte auf der gerade zu Ende gegangenen Historikertagung in Konstanz erfolgreich die TUD als Veranstaltungsort. Damit ist es gelungen, den größten geisteswissenschaftlichen Kongress Europas nach Dresden zu holen. Es werden ca. 3.000 Teilnehmer erwartet, Wissenschaftler, Lehrer und Studierende aus Deutschland und aller Welt.

Informationen für Journalisten:
Prof. Dr. Martin Jehne, Tel. 0351 463-33799
mobil: 0170 2882701
E-Mail: Martin.Jehne@tu-dresden.de

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24.09.2006

Koptische Funde in Luxor

Bei eine Survey zum Lokalisieren koptischer Stätten in Theben-West fand ein französisches Team eine beträchtliche Anzahl von Tonscherben aus frühchristlicher Zeit. Ziel des Survey's war es, einen GPS-gestützten Plan aller von Kopten genutzten Areale anzufertigen (siehe auch Grabungsbericht IFAO 2005). Neben koptischen Artefakten stieß man auch auf frühere Funde aus alt-ägyptischer und prolemäisch-römischer Zeit. Die Wissenschaftler fanden rund um das Queens Valley Höhlen, teilweise dekoriert mit koptischer Graffiti.

Egypt State Information Service



22.09.2006

Ägyptologenmeeting in La Laguna

In La Laguna, Teneriffa, trafen sich kürzlich spanische Ägyptologen zu einem Kongress, dessen Gastgeber die Universität von La Laguna war - eine der wenigen spanischen Universitäten, die das Fach Ägyptologie lehrt. Professor Antonio Tejera Gaspar ergriff die Gelegenheit, auf die Herkunft der Pyramiden von Güìmar zu sprechen zu kommen. Er lehnte jegliche direkte Verbindung zwischen den alten Ägyptern und den Ureinwohnern (Guanchen) der Kanarischen Inseln ab - eine Theorie, die auf der Mumifizierungspraxis der Guanchen basiert. Eine indirekte Beziehung könne jedoch möglich sein. Es gäbe keinen Zweifel an der nordafrikanischen Herkunft der kanarischen Ureinwohner und deren Abstammung von libyschen Berbern, die wiederum ihrerseits aus einer Gegend westlich des Nils stammen, sei generell akzeptiert. Die Libyer begannen, sich im ersten nachchristlichen Jahrhundert auf den Kanaren anzusiedeln. Auf die Frage, ob die Vorliebe für das Mumifizieren der Toten von den Ägyptern übernommen worden wäre, antwortete Professor Tejera: "Es ist sehr gut möglich, dass das System der Mumifikation auf Teneriffa und Gran Canaria auf Kenntnissen aus Ägypten basiert. Die Menschen stammen halt aus Afrika. Einige der Berberstämme waren relativ nah an Ägypten und viele gesellschaftliche Gruppen hatten im zweiten oder dritten vorchristlichen Jahrtausend Kontakt zu den Ägyptern. Es wäre also nicht übertrieben anzunehmen, dass es gewisse Verbindungen zwischen den Ägyptern und den Guanchen gab - allerdings keine direkten." Bezüglich der Pyramiden von Güìmar hatte der Professor nie einen Hehl aus seiner Meinung gemacht, dass nämlich die sogenannten Pyramiden aus dem 19. nachchristlichen Jahrhundert stammen. Es sind Steinhaufen, die Bauern aufgetürmt haben; die Steine lagen auf ihren Äckern und behinderten die Urbarmachung. Ähnliches findet sich auch auf La Palma und Lanzarote. Die Debatte um Pyramiden auf den Kanaren wird jedoch leider trotz aller rationalen Erkenntnisse weitergehen.

Organisator des Kongresses war Miguel Ángel Molinero von der Universität La Laguna. Molinero leitet derzeit ein Team, das Inschriften im Grab des Pabasa (TT 279) in Theben-West identifiziert und kopiert.

tenerifenews.com



21.09.2006

Grabkammer Thutmosis' III. nachgebildet

Das Madrider Unternehmen Factum Arte hat die Grabkammer Thutmosis' III. mit Hilfe von Laser-Scan-Technologie aufgenommen und reproduziert. Die Reproduktion sei "schlicht atemberaubend", so die Verantwortlichen des Antikenmuseums Basel, in dessen Hof sie vom 22.09.2006 bis zum 21.01.2007 - In Pharaos Grab - Die verborgenen Stunden der Sonne - ausgestellt sein wird. Von der Grabkammer existiert ein zweites Faksimile, das derzeit in den USA unterwegs ist.

Laser-Scan-Technik eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, auch andere vom Zerfall bedrohte Altertümer zu reproduzieren und sie so dem interessierten  Publikum nicht vorzuenthalten, ohne weitere Beschädigungen der Originale zu riskieren.

nachrichten.ch
zisch.ch



20.09.2006

Internationale Beteiligung an Montemhet-Ausgrabung in Theben-West (TT 34)

  

Studenten und Wissenschaftler von drei Universitäten aus Chile, Ecuador und Spanien nehmen an der Ausgrabung eines der größten Grabkomplexe in Theben-West teil. Es handelt sich um das Grab des Montemhet (ca. 670 bis 648 v.Chr.), Vierter Prophet des Amun, Bürgermeister von Theben und Gouverneur von Ägypten (von Hermopolis bis Elephantine). Eine entsprechende Vereinbarung wurde mit dem Grabungsdirektor, Dr. Farouk Gomaa von der Universität Tübingen, getroffen. Das Grabungsteam ist multidisziplinär (Architektur, Restauration, Kunst, Biologie, Geologie). Am Begräbniskomplex des Montemhet sind bereits in früherer Zeit Grabungen vorgenommen worden, jedoch sollen nun bei der neuen Kampagne 2006/2007 Aufzeichnung, Restaurierung und Dokumentation erfolgen.

Mit 57 Räumen und zwei Höfen ist das Grab des Montemhet ein eindrucksvoller Komplex, der noch nicht eingehend untersucht und auch bisher nicht komplett ergraben wurde. Zu finden ist das Grab im Asasif, neben dem Aufweg zum Tempel der Hatschepsut, auf den es ausgerichtet ist. Es verfügt über einen noch heute sichtbaren Pylon, dem ein Hof von 47 x 110 m Größe folgt. Einer der beiden Lichthöfe ist mit überdimensionalen, kunstvoll gearbeiteten Papyrusdolden dekoriert (s.o. Fotos).

Die Mission des internationalen Teams ist für die Zeit von Dezember 2006 bis Februar 2007 terminiert.

universia.es



15.09.2006

Echtheit einer Mumie nachgewiesen

Eine im Jahre 1892 dem Museum P.T. Barnum überlassene ägyptische Mumie wurde kürzlich erstmals von Experten der Quinnipiac University auf ihre Echtheit untersucht und für authentisch erklärt. Es soll sich um die sterblichen Überreste einer vor 2500 Jahren verstorbenen Person namens Pa-Ib handeln - angeblich ein Priester. Die Experten konnten bisher lediglich mit einiger Gewissheit sagen, dass die Person 18 Jahre alt oder älter war und schlechte Zähne hatte. Ob es sich wirklich um einen Priester handelt und welchen Geschlechts die Person ist, bleibt vorerst noch unklar. Unter der Voraussetzung, dass der Zustand der Mumie es zulässt, soll ein CT-Scan durchgeführt werden. Auch das Entziffern der auf dem Sarg befindlichen Inschriften steht noch aus.

stamfordadvocate.com



12.09.2006
Mumie im Computertomographen

Die Mumie der Baket-Hor-Nacht aus dem Hancock-Museum wurde einem CT-Scan unterzogen. Man erkennt Amulette, eingelegte Augen und ein tadelloses Gebiss, das augenscheinlich von einer bisher nicht bekannten Substanz überzogen ist. Letzteres erfordert noch eine genauere Untersuchung. Die Mumie, datiert auf 1070 bis 712 v. Chr., befindet sich ein einem anthropomorphen Sarg aus Kartonage, der wiederum in einem Holzsarg aus Sykomorenholz lag. Über 800 noch nicht gesichtete Scanaufnahmen sollen Aufschluss geben über Leben und Tod der Baket-Hor-Nacht.

24hourmuseum.org.uk (mit Fotos)



08.09.2006

AutoCAD für  Inschriften und Darstellungen

Digitalkamera und Computer sollen nach Vorstellung von Jean Revez, Professor für ägyptische Geschichte an der Universität von Montreal, in der Epigraphie Folie und Stift ablösen. Revez und seine Mitarbeiter haben eine Software entwickelt, die es den Epigraphen ermöglicht, ihre Arbeit - das genaue Umzeichnen von Originalinschriften und Reliefs - mit modernsten Mitteln zu erledigen. Die herkömmliche Methode der handgezeichneten Übertragung von Fotos auf Folie würde durch eine einfachere und schnellere Lösung ersetzt werden, die es erlaubt, Aufnahmen einer speziellen Digitalkamera am Computer in Umzeichnungen umzuwandeln.

nationalgeographic.com



06.09.2006
Nofretete war eine faszinierende alternde Schönheit

Es muss wohl am Sommerloch - eher Spätsommerloch - liegen, dass eigentlich seit langem Bekanntes plötzlich als neue Erkenntnis verkauft wird. Unter newkerala.com wird darüber berichtet, dass die Nofretete-Büste mitnichten eine jugendliche Schönheit zeigt, sondern eine "Frau in den besten Jahren", wie man heute sagen würde. Viele Jahre sei das jedoch nicht bemerkt worden, weil die Ausleuchtung der Büste im Berliner Museum in Charlottenburg das Erkennen solcher Feinheiten nicht zuließ.

Bereits im Jahre 2001 schrieb Professor Dietrich Wildung, Direktor des Ägyptischen Museums Berlin, in einem Artikel der Zeitschrift AMun unter anderem: "... Bei der Positionierung der neuen Strahler für die Nofretete-Büste trat erstmals ein bislang kaum sichtbares und in den zahllosen Beschreibungen - wenn überhaupt - nur am Rande erwähntes stilistisches Detail in Erscheinung, das dem weltbekannten Gesicht unerwartete neue Ausdruckswerte verleiht. Im steilen Streiflicht von schräg oben werden unter den Augen vom inneren Augenwinkel ausgehende Doppelfalten sichtbar. Sie ziehen sich schräg abwärts auf die Wangenknochen zu und deuten Tränensäcke an..." Die verblüffende Erkenntnis, dass die Nofretete-Büste eine "faszinierende alternde Schönheit" zeigt, ist also bereits fünf Jahre alt.

Der Ägyptologe Francesco Tiradritti wird in dem newkerala-Artikel neben anderen Aussagen wie folgt zitiert: "Ägyptische Kunst sollte nicht als etwas Geheimnisvolles prästentiert werden, mit bedrückendem Licht und dunklen Arrangements. Im Gegenteil. es sollte volle Beleuchtung eingesetzt werden, um selbst das kleinste Detail sichtbar zu machen. Das ist es, was sich die Ägypter für ihre Kunstwerke wünschten." Ein wahres Wort - hervorragend umgesetzt in der Dauerausstellung der Ägyptischen Sammlung im Alten Museum Berlin am Lustgarten.


Keine Ausgrenzung von Kleinwüchsigen in Ägypten


Ein Beitrag in pm-magazin.de tauchte kürzlich als News auf, obwohl der Inhalt so neu eigentlich gar nicht mehr ist. Im Dezember 2005 berichtete world-science.net bereits Ähnliches. PM schreibt, dass Kleinwüchsige, Zwerge also, in Ägypten geachtet wurden, hohe Ämter bekleiden konnten und ihre Grabanlagen in der Nähe ihres Königs errichten durften - ein Privileg. Chahira Kozma von der Georgetown Universitätsklinik forscht auf diesem Gebiet. Eine Aussage des PM-Artikels ist jedoch grundlegend falsch: "Vielleicht erlangten die Kleinwüchsigen einen Teil ihres Ansehens auch durch den Glauben der Ägypter. Schließlich gab es zahlreiche Gottheiten, die selbst kleinwüchsig waren". Außer der Schutzgottheit Bes, Beschützer von Schwangeren, Kindbett und Neugeborenen, gab es nach heutiger Erkenntnis im antiken Ägypten keine zwergwüchsigen Götter. Für die Ägypter wäre sicher schon allein die Vorstellung unerträglich, dass einer ihrer Götter kleiner sein könnte als ein normal gewachsener Mensch.

Dass in Ägypten nicht jeder Kleinwuchs mit Wohlfahrt gleichgesetzt werden kann, hat jüngst Manfred Bietak, Universität Wien, bei seiner Grabung in Tell el-Daba'a erfahren müssen. Sein Team fand ein Grab aus der Zeit Ramses' II., in dem 70 Menschen bestattet worden waren - teilweise in Tonsarkophagen, teilweise direkt in der Erde. Die (ausgewachsenen) Frauen waren nur 1,37 bis 1,45 groß, die Männer rund zehn Zentimeter größer. Nach ersten anthropologischen Untersuchungen resultiert der Kleinwuchs  aus Unterernährung, was in krassem Gegensatz zur zeitgenössischen Propaganda steht, die die gute Versorgung der Stadt Piramesse - sie befand sich einst an diesem Ort - preist. Detailliert nachzulesen unter science.orf.at



Ägyptische Überlegungen zum Sonnenboot des Chufu und anderen Monumenten

egypttdoday lässt in einem längeren Artikel noch einmal die Umsetzung der monumentalen Ramses-Statue Revue passieren. Interessanter aber sind Überlegungen dazu, wie man das ägyptische Kulturerbe generell vor dem Verfall schützen könnte. Zahi Hawass, SCA, denkt zum Beispiel an den Sphinx in Giza, dem Wind und Wetter ebenfalls arg zusetzen. "Das beste wäre, man würde ihn einfach zuschütten", meint Hawass, nicht ohne hinterherzuschicken, dass das wohl nur ein Wunschtraum bleiben kann - ebenso wie die Idee, ein Gebäude zu errichten, das den Sphinx aufnimmt.

Das Sonnenboot des Chufu, derzeit in einem eigenen Museum direkt neben der Großen Pyramide untergebracht, möchte Hawass am liebsten in das neue Grand Museum umsetzen - und zwar in einem Stück. Es noch einmal zu zerlegen und dann wieder zusammenzusetzen sei ohne Beschädigung so gut wie unmöglich. Das Grand Museum müsste allerdings um das Boot herumgebaut werden. Dass das Boot schon jetzt trotz der Unterbringung in einem geschlossenen Raum gefährdet ist, wurde schon im Dezember 2004 festgestellt, als man darüber nachdachte, die riesigen Fensterfronten mit einer Beschichtung zu versehen, die die Sonneneinstrahlung mildern soll.




04.09.2006
Die Welt nimmt Abschied von Naguib Mahfus

Der ägyptische Schriftsteller Naguib Mahfus ist tot. Mahfus war bereits vor einigen Wochen wegen akuter Verschlechterung seines Gesundheitszustandes in ein Hospital eingeliefert worden. Hier starb der große Literat am 30.08.2006. Aus aller Welt kamen Beileidsbezeugungen für den Nobelpreisträger von 1988. Mahfus hat das Leben in seiner Heimatstadt Kairo sehr genau beobachtet und mit allen Höhen und Tiefen in seinen Romanen verarbeitet. Seine ehrliche Bestandsaufnahme hat ihm nicht nur Freunde eingebracht.

Für Ägyptomanen ist seine Roman "Echnaton" aus dem Jahre 1985 sicher von besonderem Interesse. Mahfus beschreibt in
einer Fiktion, wie der Historiker Merimun kurz nach dem Zusammenbruch der verordneten Aton-Religion versucht, durch  Befragungen einzelner Zeitgenossen Echnatons Licht in das Dunkel um dessen Ende zu bringen. Er stößt dabei neben stiller  Bewunderung auch auf Hass, Neid und Unverstand. Eine sehr empfehlenswerte kleine Lektüre von gut 180 Seiten.

Angeblich soll Mahfus im Café Fishawi, Khan el-Kalili / Kairo, einen Stammplatz gehabt haben. Ob dies den Tatsachen entspricht oder nur eine nette Anekdote für Touristen ist, vermag ich nicht zu sagen. Ein Besuch des Fishawi (Foto) lohnt sich jedenfalls - so oder so.

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