ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  September 2009
29. September 2009
Erneuter Anlauf zur Rückforderung der Nofretete-Büste
Laut Nachrichtenagentur RIA Novosti wird die ägyptische Antikenbehörde in der nächsten Woche einen erneuten Vorstoß unternehmen, die Nofretete-Büste aus Berlin zurückzufordern. In einer Pressekonferenz bei der russischen Nachrichtenagentur sagte Zahi Hawass: "Wir wollen in einer Woche einen offiziellen Brief an das Berliner Museum richten, in dem die berühmte Büste der Königin Nofretete aufbewahrt wird. In dem Brief soll offiziell mitgeteilt werden, dass dem Amt für Altertümer (SCA) stichhaltige Beweise vorliegen, wonach die Büste gesetzeswidrig aus Ägypten ausgeführt worden war." Diese Beweise hatte Hawass bereits mit einem Interview mit der Berliner Tageszeitung "Der Tagesspiegel" erwähnt (siehe Beitrag vom 14.06.2009). Doch nicht nur das Berliner Museum befindet sich im Visier des SCA: "An den Louvre wurde faktisch eine ultimative Forderung gestellt, die Schätze zurückzugeben (der Vorwurf: fünf "Bildnisse aus den Grabstätten von Luxor" wurden gesetzeswidrig erworben). Widrigenfalls werden alle wissenschaftlichen Verbindungen zu diesem Museum eingestellt."
rian

29. September 2009
Sechs Menschen bei Raubgrabung getötet
Als die Männer versuchten, in einem Wohnhaus in Kairo nahe der Pyramiden illegal nach Artefakten zu graben, gab es einen Erdrutsch, nachdem eine Wand eingestürzt war. Die Ausgräber starben in einem acht Meter tiefen Loch, begraben unter den Erdmassen. Die eingesetzte Hilfsmannschaft benötigte vier Tage, um die Leichen zu bergen. Ein Mieter des Hauses, in dessen Auftrag die Männer offensichtlich arbeiteten, und zwei mutmaßliche Komplizen wurden festgenommen. Der Mieter machte den "Fluch des Pharao" für das Unglück verantwortlich.
salzburg.com
diepresse

28. September 2009
Das archäologische Erbe des Giza-Plateau
Auf seiner Homepage berichtet Zahi Hawass in einem längeren Artikel über das von Peter Der Manuelian schon vor einiger Zeit ins Leben gerufene Giza Archives Project des Museums of Fine Arts, Boston, und lobt es - vollkommen zu Recht - in den höchsten Tönen. Die Giza-Webseite wird laufend aktualisiert und bietet eine Fülle von Informationen, beginnend mit den frühen Pionierjahren der Giza-Archäologie. Grabungs- und Objektfotos, Luft- und Satellitenaufnahmen mit hinterlegten Informationen und nicht zuletzt Hunderte von wissenschaftlichen Publikationen zum freien Download offerieren dem interessierten Besucher die einzigartige Möglichkeit, das Giza-Plateau per Mausklick zu erforschen - vom größten Bauwerk bis zum kleinsten Fragment. Und auf der anderen Seite wird das archäologische Erbe in konzentrierter Form und für jeden nutzbar erhalten.
drhawass

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
25.September 2009
Weihungen und Weihegaben in antiken Heiligtümern - Interdisziplinäres Symposium mit Archäologen und Philologen
Was bewegte Menschen im Altertum dazu, ihren Göttern Geschenke zu übereignen? Welche Gaben wurden geweiht und in welchem rituellen Rahmen wurde dies vollzogen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Teilnehmer des Symposiums "Weihungen und Weihegaben in antiken Heiligtümern", das am 28. und 29. September 2009 am Internationalen
Wissenschaftsforum der Universität Heidelberg stattfindet. Archäologen und Philologen werden dabei auch erörtern, wie sich Grabungsfunde ohne Inschriften als Weihegaben identifizieren lassen. An der Veranstaltung unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan M. Maul werden Altertumswissenschaftler des Heidelberger Sonderforschungsbereichs "Ritualdynamik" und des Deutschen Archäologischen Instituts mitwirken.

Wie Prof. Maul betont, gehören Weihungen zu den ältesten Sakralakten der Menschheit. "Bei archäologischen Ausgrabungen wurden in nahezu allen großen Heiligtümern der Alten Welt Objekte entdeckt, die als Weihegaben gedeutet werden. Eine klare Abgrenzung von einfachem Tempelinventar ist jedoch in vielen Fällen nur dann möglich, wenn die Funde mit Widmungsinschriften versehen sind oder andere Darstellungen insbesondere in Schriftform eindeutige Hinweise liefern", sagt der Wissenschaftler. "Es liegt auf der Hand, dass ein tieferes Verständnis der antiken Weihepraxis nur dann erzielt werden kann, wenn archäologische Befunde mit den zur Verfügung stehenden schriftlichen Quellen kombiniert werden. Dazu will das Symposium einen wichtigen
Beitrag leisten."

Im Rahmen der Veranstaltung sollen exemplarisch ausgewählte Grabungsbefunde aus Regionen und Kulturen des Alten Orients, Ägyptens, Altsüdarabiens, Griechenlands und Roms vorgestellt werden. Dabei werden in "Tandem-Vorträgen" neben Archäologen auch Vertreter der Ritualforschung, der Epigraphik, der Philologie oder der Geschichte die Funde aus der Perspektive ihrer jeweiligen Disziplin bewerten. Im Mittelpunkt der Präsentationen und der Diskussionen stehen Aufstellungsorte und Fundumstände, das Spektrum der Weihegaben, Wandel oder Abbruch von Weihepraktiken sowie Intentionen, Anlässe und Rituale der Weihungen.

Informationen im Internet können unter http://www.iwh.uni-hd.de/aktuelles/maulweihungen.html abgerufen werden.

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan M. Maul - Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients - Telefon (06221) 54-2965
stefan.maul@ori.uni-heidelberg.de
Kommunikation und Marketing - Pressestelle, Telefon (06221) 54-2311 - presse@rektorat.uni-heidelberg.de
Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter http://idw-online.de/pages/de/news335652

Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw - http://idw-online.de


24. September 2009
Bericht von Zahi Hawass über die Grabfunde in Dra Abu el-Naga
Auf seiner Homepage berichtet Hawass in Text und Video ausführlich über die Grabfunde der ägyptischen Mission in Dra Abu el-Naga (siehe auch Meldungen aus Juni 2009 - 17., 18. und 24.06.2009). Eines der Gräber gehörte einem Mann namens  Amunemopet, wie einem Siegel zu entnehmen ist. In den Grabreliefs ist der Name des Amun ausgekratzt, wahrscheinlich während der Amarnazeit. Am Beginn der Dritten Zwischenzeit wurde das Grab wiederverwendet von einem gewissen Ray; dies geht aus der Inschrift auf einem Uschebti hervor. Die ägyptische Mission arbeitet außerdem in einem weiteren vielversprechenden Areal. Zwei bedeutende neue Gräber wurden hier gefunden. Eines stammt aus der Spätzeit und gehörte einem Hohepriester des Month; der Name des Grabinhabers ist noch unklar. Die Reliefs am Grabeingang zeigen den Priester, wie er gemeinsam mit seiner Gemahlin dem Month huldigt. Es existieren außerdem weitere Huldigungsszenen mit den Göttern Isis, Osiris und Nephtys. Das Grab selbst wurde noch nicht untersucht, da es zunächst von Schutt befrei werden muss. Das zweite neue Grab war die letzte Ruhestätte eines Mannes namens Anchmin. Nach erstem Augenschein ist es in die Zeit Ramses' III. zu datieren. Auch hier ist der Verstorbene am Grabeingang dargestellt. Das Grab könnte ebenfalls später wiederverwendet worden sein. Genaueres lässt sich jedoch erst nach weiteren Grabungsarbeiten sagen.
drhawass
heritage-key

22. September 2009
Der Fund von Qatna
Verschiedene Online-Medien berichten inzwischen über den Fund der zweiten Gruft unter dem Königspalast von Qatna (s.u. Meldung vom 21.09.2009) und veröffentlichen Abbildungen, auch von den ägyptischen Importgefäßen:
faz - Das war einst ein König samt Gefolge
sueddeutsche - Bier für die Toren
spiegel - Geisterstadt im Wüstensand
geo - Qatna: Sensationsfund im Königspalast
welt - Deutsche Archäologen finden Königsgruft in Syrien

22. September 2009
Mumien in Bozen untersucht
Das Bozner Regionalkrankenhaus führte eine CT-Untersuchung an zwei Mumien durch. Über die erste, eine Kindermumie in einem Korbsarg, konnte mit dieser Methode nicht sehr viel herausgefunden werden. Mehr Aufschluss soll eine DNA-Analyse bringen. Die zweite Mumie eines Mann namens Imhotep aus der Zeit Thutmosis' I. weist schwere Beschädigungen auf. Sie sind das Werk von gezielt und planvoll vorgehenden Grabräubern, die die sterblichen Reste grob zerstückelt haben und sogar die Finger abhackten, um wertvolle Schmuckstücke zu entwenden; die Finger der Mumie fehlen. Der Mann war bei seinem Tod 45 bis 55 Jahre alt und seine Größe betrug 163 bis 165 cm. Er war offensichtlich bei guter Gesundheit. Lediglich seine Zähne sind stark von Karies befallen. Ein Kieferknochen ist durch einen Abzess zerstört. Der Mann starb vermutlich an einer durch diese Erkrankung hervorgerufenen Blutvergiftung.
provinz.bz

22. September 2009
Tutanchamuns Nachwuchs
Am Rande der Tutanchamun-Ausstellung im de Young Musuem in San Francisco äußerte eine Museumssprecherin die Vermutung, dass es sich bei den beiden Föten, die Carter im Grab des Königs fand, vielleicht nicht um dessen Nachkommen handeln könnte, sondern um die verstorbenen Kinder einer anderen hohen Persönlichkeit, die am jenseitigen königlichen Leben teilhaben sollten. Ihr nur schwer nachvollziehbares Argument lautet, Tutanchamun sei für eine Vaterschaft sehr jung gewesen. Beiläufig ist dem Artikel, aus dem ich zitiere, zu entnehmen, dass das Ergebnis der DNA-Analyse an den beiden Föten noch im Herbst dieses Jahres veröffentlicht werden soll.
sacbee

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Eberhard Karls Universität Tübingen
21. September 2009

Zweite Gruft unter dem Königspalast von Qatna (Syrien) gefunden
Syrisch-Tübinger Ausgrabungsteam entdeckt Bestattungen mit spektakulären Objekten
Die Ausgrabungen im Königspalast von Qatna in Mittelsyrien haben während der Ausgrabungskampagne des Sommers 2009, die am 25. September zu Ende geht, erneut eine spektakuläre Entdeckung ans Tageslicht gebracht. Unter dem Palast fand sich eine Felsgruft, die unberaubt ist. Ein umfangreiches Grabinventar mit Hunderten von Funden und Knochen hat sich darin erhalten. Diese datieren in die Zeit zwischen 1600 und 1400 vor Christus.
Die Neuentdeckung stellt eine überraschende zweite Gruft unter dem Palast von Qatna dar, nachdem im Jahr 2002 bereits eine von den zentralen Palasträumen aus zugängliche Königsgruft aufgedeckt worden war. Die Entdeckung gelang dem deutsch-syrischen Ausgrabungsteam unter der gemeinsamen Leitung von Dr. Michel al-Maqdissi von der Antikendirektion Syriens und Prof. Dr. Peter Pfälzner von der Universität Tübingen. Die Grabungsleitung vor Ort liegt in den Händen von Heike Dohmann-Pfälzner von der Universität Tübingen. Die Arbeiten des Tübinger Teams, das am Institut für die Kulturen des Alten Orients (IANES) der Universität beheimatet ist, werden seit elf Jahren in Kooperation mit der syrischen Antikendirektion durchgeführt.
Die neue Entdeckung gelang den Archäologen bei der Freilegung des Nordwestflügels des Palastes. Dort ist unter dem Niveau des Erdgeschosses ein Hanggeschoss erhalten, dessen Mauern noch nahezu vollständig anstehen. Unter dem Fußboden eines dieser Räume öffnete sich eine Kammer, deren Holzdecke eingestürzt war. Sie erwies sich als Vorkammer der Gruft. Eine Felstür führt von hier aus in eine geräumige Grabkammer im Fels. Sie ist 4,90 mal 6,30 Meter groß und wird durch eine aus dem Fels ausgesparte Trennwand in zwei Kammerhälften unterteilt. Die Gruftanlage gehört architektonisch zum Königspalast und war von diesem aus erreichbar. Ihre Benutzung lässt sich bis in die Spätphase des Palastes um 1400 vor Christus nachweisen.
Im Inneren der Felsgruft fand sich eine unübersehbar große Menge menschlicher Knochen. 30 bisher entdeckte Schädel deuten auf mindestens dieselbe Zahl von Bestatteten. Auffälligerweise liegen die Knochen nicht im anatomischen Verband sondern sind zu Gruppen aufgeschichtet. Holzreste weisen darauf hin, dass einige von ihnen in Kisten abgelegt wurden. Folglich handelt es sich in dem meisten Fällen um Sekundärbestattungen. Ob der ursprüngliche Bestattungsort an derselben Stelle lag, lässt sich noch nicht entscheiden. Die Anzahl der Knochen ist immens und übertrifft die Menge der Knochen aus der 2002 gefunden Königsgruft um ein Mehrfaches. Zudem ist der Erhaltungszustand der Knochen verhältnismäßig gut. Ihre aufwändige Untersuchung wird vor Ort durch die Anthropologen Dr. Carsten Witzel und Dr. Stefan Flohr von der Universität Hildesheim durchgeführt.
Neben zahlreichen Keramikgefäßen fanden sich in der Kammer mehrere Gefäße aus Granit. Es handelt sich um ägyptische Importe, die 1000 Jahre früher als das Grab in der Zeit des Alten Reichs Ägyptens hergestellt wurden. Daneben entdeckten die Archäologen auch Alabastergefäße in großer Menge, die ebenfalls aus Ägypten stammen dürften. In eines von ihnen war eine Ausstattung von Goldschmuck hineingesteckt worden, bestehend aus Ringen, Rosetten und Goldblechen. An anderen Stellen der Gruft fanden sich dünne, punzierte Goldbleche. Sie könnten Gewänder oder Möbelstücke dekoriert haben. Unter den Bronzegegenständen sind eine schwere Lanzenspitze und eine große Gewandnadel besonders zu erwähnen. Eine andere, sehr dünne, fein gearbeitete Gewandnadel besteht aus Gold. Ein Rollsiegel aus Lapislazuli sowie ein Siegel in Form eines Skarabäus ergänzen das Inventar. Besonders hübsch ist eine kleine Steinskulptur eines Affen, der ein Schminkgefäß in den Händen hält. Kunstgeschichtlich von großer Bedeutung ist eine menschliche Figurine aus Elfenbein mit einem sehr fein geschnittenen Gesicht.
Weitere Forschungen sollen nun die Frage klären, wer in dieser Grabkammer unter dem Königspalast bestattet wurde. Dies ist schwer zu beantworten, weil Inschriften fehlen. Möglicherweise handelte es sich um Angehörige der königlichen Familie oder um Mitglieder des Hofstaates von Qatna. Ebenso vorstellbar ist es aber auch, dass es ältere königliche Bestattungen sind, die zu einem späteren Zeitpunkt in diese Gruft umgebettet wurden.
Qatna war in der Mittleren und Späten Bronzezeit eines der bedeutendsten Königtümer Syriens. In seiner Blütezeit zwischen 1800
und 1600 vor Christus gehörte es zu den mächtigsten Staaten des Orients. Das Königtum existierte kontinuierlich bis zu seiner
Zerstörung um 1340 v. Chr. durch die Hethiter. Die neue Entdeckung liefert zahlreiche bedeutende Erkenntnisse über den Totenkult im Königtum von Qatna, über die hohe künstlerische Blüte des Königshofes sowie über dessen vielfältige Beziehungen zu den anderen Großmächten des Alten Orients vor 3500 Jahren.

In Deutschland wird das Königtum von Qatna durch eine Ausstellung präsentiert, "Schätze des Alten Syrien - Die Entdeckung von
Königreichs Qatna", die von 17. Oktober 2009 bis 14. März 2010 im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart gezeigt wird.

Nähere Informationen:
Prof. Dr. Peter Pfälzner - Institut für die Kulturen des Alten Orients - Abteilung für Vorderasiatische Archäologie
Tel.: (07071) 29-76771 - Fax: (07071) 29-5056 - E-Mail: peter.pfaelzner@uni-tuebingen.de

Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter: http://idw-online.de/pages/de/news334552
Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw - http://idw-online.de

Siehe auch Pressemeldung vom 13.10.2008 mit dem Bericht zur Kampagne von 2008 sowie ein Interview in der welt vom 21.09.2009 mit  dem Altorientalisten Thomas Richter, der die Texte auf den keilschriftlichen Lehmtafeln aus Qatna entziffert.

18. September 2009
Ägypten an der Spree
Der vor Jahren insolvent gewordene Vergnügungspark Plänterwald in Berlin-Treptow soll mit neuem Konzept wieder auferstehen. Es ist geplant, das Gelände unter dem Namen "Lost Worlds" alten Kulturen zu widmen und archäologische Highlights nachzubilden, darunter auch Attraktionen des alten Ägypten. Der künftige Betreiber scheint gute Chancen zu haben, für sein Projekt die Unterstützung des Berliner Senats zu erhalten.
bz-berlin

17. September 2009
Jüngste Kleinfunde aus dem Tal der Könige
Zahi Hawass stellt beim Heritage Key in Bild und Video Artefakte vor, die die ägyptische Grabungsmission im Tal der Könige in jüngster Zeit freigelegt hat. Darunter befinden sich u.a. eine Topfscherbe mit nebeneinander eingestempelten Kartuschen von Hatschepsut und Thutmoses III., eine Liste mit Essensrationen für die Grabarbeiter sowie ein mit Tinte beschriftetes Bruchstück, das in der untersten Zeile den Eintrag Hmt-nTr(t ?) wrt , große Gottesgemahlin, trägt. Das darauffolgende Zeichen lautet tj; der Rest ist verloren. Nach dem bisherigen Befund lässt sich noch nicht schlüssig erklären, in welchem Zusammenhang besonders dieser Teil der Inschrift zu sehen ist.

15. September 2009
Diebstahl im Museum
Ein ehemaliger Direktor des Hillwood Museums der Long Island University wird des Diebstahls von ägyptischen Artefakten aus den Beständen des Museums beschuldigt. Den Diebstahl von neun Stücken hat er inzwischen zugegeben; offensichtlich wird jedoch noch mehr vermisst. Das Diebesgut tauchte in einem Katalog des Auktionshauses Christie's auf. Der Beschuldigte hatte es Christie's gegenüber als Eigentum seiner Eltern bezeichnet; die schriftlichen Aufzeichnungen des Museums zu den gestohlenen Stücken hatte er wohlweislich getilgt. Bei den Artefakten handelt es sich um "mythische Figuren" (Uschebtis?) aus Holz, Bronze, Quarzit und Kalkstein, alle älter als 2.000 Jahre. Acht Figuren wurden von Christie's bereits im letzten Jahr im Auftrag verkauft und brachten einen Erlös von gut 50.000 Dollar. Der Betrag ist jedoch noch nicht an den Ex-Direktor ausgezahlt worden. Der Diebstahl flog auf, weil das Auktionshaus für die neunte Figur keinen Käufer gefunden hatte und dies dem Verkäufer durch ein Fax an seinen früheren Arbeitsplatz, das bestohlene Museum, mitteilen wollte.
nydailynews
newsday
artinfo

14. September 2009
Ein Zoo in Hierakonpolis
Bei Grabungen in Hierakonpolis ist eine Reihe von Tierbegräbnissen zum Vorschein gekommen: ein Pavian, neun Hunde und sechs Katzen. Felddirektorin Renée Friedmann berichtet, im Sommer habe man nun Hinweise gefunden, dass es sich dabei um "Zootiere" gehandelt haben könnte, dass sie also aus einer Menagerie stammen, die sich der Regent der Stadt eingerichtet hatte.
nationalgeographic
Derartige "Zoos" sind auch aus anderen geschichtlichen Zusammenhängen bekannt. Das nachfolgende Foto zeigt einen Block, der aus einem Bauwerk Echnatons in Karnak stammt. Er war als Statuenbasis verbaut gewesen und 1954 in den Trümmern des 2. Pylons aufgetaucht. Die Darstellung scheint einen Palast des Königs wiederzugeben. Rechts oben erkennt man einen liegenden und einen sitzenden Löwen; beide Tiere befinden sich offenbar in käfigähnlichen Räumen.



14. September 2009
Neuer Grabungsbericht vom Wadi Gawasis
Rodolfo Fattovich von der Universität Neapel hat wieder einen ausführlichen Grabungsbericht ins Netz gestellt (siehe auch frühere Beiträge, zuletzt vom 20.06.2008). Man hat wiederum eine Reihe von Ankern bzw. Reste davon (Fragmente oder Kalksteinsplitter) gefunden. Auch ein Begräbnis wurde identifiziert, jedoch ist der Erhaltungszustand so schlecht, dass weder eine Datierung noch detaillierte Bestimmungen möglich sind. Die bei dieser Kampagne zu Tage geförderten Keramikscherben weisen wie bereits andere Artefakte aus früheren Berichten in die 12. Dynastie.
archaeogate

09. September 2009
Start von Arbeiten im Westdelta
Eine ägyptisch-japanische Mission wird im Februar an zwei Plätzen im Gouvernerat El-Beheira (Westdelta) ihre Arbeit aufnehmen. Vorausgegangen war bereits ein Monitoring zum Aufspüren verschütteter archäologischen Stätten. Der Survey soll nun mit neuester Technologie der Geophysik fortgeführt und intensiviert werden.
ansamed

09. September 2009
Gizas Unterwelt
Auf seiner Homepage geht Zahi Hawass auf Medienberichte ein, nach denen der Autor Andrew Collins über den Zugang eines alten Grabes ein Höhlensystem in Giza entdeckt haben will (siehe Meldung vom 05.08.2009). Nach Aussage von Hawass gehören die Höhlen zur unterirdischen Grabstruktur. Er glaubt - nachdem er das Grab selbst in Augenschein genommen hat - dass es sich um Katakomben zur Tierbestattung aus ptolemäischer Zeit handelt, ähnlich wie sie auch in den Tiernekropolen von Saqqara und Tuna el-Gebel zu finden sind.
drhawass 

08. September 2009
Ägyptische Tempel astronomisch ausgerichtet
Nach einer Studie auf Basis von 650 ägyptischen Tempeln haben Astronomen herausgefunden, dass deren Bau sich an bestimmten astronomischen Ereignissen orientierte, wie z.B. an der Winter- oder Sommersonnenwende bzw. am Siriusaufgang.
newscientist
Der wissenschaftliche Artikel zu dieser Studie kann online abgerufen werden unter sciencedirect (gebührenpflichtig!)

08. September 2009
Uschebti an Ägypter zurückgegeben
Ein Amerikaner hat dem SCA einen Uschebti aus der 26. Dynastie zurückgegeben. Seine Frau hatte das Stück 1995 in Ägypten erstanden und ihm zum Geschenk gemacht.
Bikya Masr

02. September 2009
Inspektionsbesuch von Zahi Hawass in Luxor
Ausgabe 962 von Al-Ahram Weekly berichtet von diesem Inspektionsbesuch, der im Prinzip nicht viel Neues bringt. Eine kleine Bemerkung allerdings lässt aufhorchen: Auf seinem Weg (vom Carter-Haus am Eingang zum Tal der Könige) zum Tempel von Deir el-Bahari inspizierte Hawass die Mauer, die irgendwann einmal die Monumente auf Luxors Westbank umschließen wird, um diese vor Beeinträchtigungen durch die ortsansässigen Einwohner zu schützen. Auf der Homepage von Zahi Hawass heißt es hingegen: Im Tal der Könige, im Assasif und in Sheikh Abd el-Qurna haben wir die Umfassungsmauern wieder aufgebaut, um die archäologischen Areale zu schützen. Die Mauern sind ca. 1 m hoch. Sie sind der Umgebung angepasst und werden Schutz gegen diverse Bedrohungen bieten. Beispielsweise breitet sich das Agrarland in Malqatta überall aus, bis hinein in die archäologisch bedeutenden Landstriche.

02. September 2009
Zum Gesichtsausdruck von Mumien
In einem Artikel des "Spiegel" wird erklärt, warum der Gesichtsausdruck von Mumien keinesfalls als Momentaufnahme des letzten Augenblicks vor dem Tod gelten kann. Die Leichenstarre, die dafür verantwortlich gemacht werden könnte, setzt erst viel später ein und löst sich nach 24 bis 48 Stunden wieder. Auch ägyptische Mumien zeigen teilweise verzerrte Gesichter, so dass man auf den ersten Blick glauben könnte, den Verstorbenen im Todeskampf  zu sehen. In dem Spiegel-Artikel wird als Beispiel der "Unbekannte Mann E" genannt und mit Pentawer, einem in Ungnade gefallenen Sohn Ramses' III., gleichgesetzt. Dies konnte jedoch bisher nicht sicher nachgewiesen werden. Und auch die Annahme, die Mumie sei nicht sorgfältig balsamiert worden, wurde inzwischen widerlegt. Eine im letzten Jahr vorgenommene CT-Untersuchung (siehe Beitrag vom 11.09.2008) erbrachte Ergebnisse, die Gegenteiliges belegen.
spiegel

01. September 2009
Ägyptologie im Nationalsozialismus
Thomas Schneider von der University of British Columbia hat sich eingehend mit der Geschichte der deutschen Ägyptologie während des Nationasozialismus beschäftigt und plant, die Ergebnisse seiner Recherchen in absehbarer Zeit zu publizieren. Er führt aus, wie die relative Unabhängigkeit der wissenschaftlichen Institutionen nach Hitlers Machtübernahme verloren ging. Auch die renommierte deutsche Ägyptologie - ein Vorbild für Wissenschaftler dieses Fachs weltweit - gehörte dazu. Schneider verweist darauf, dass die deutschen Ägyptologen und Altertumsforscher unterschiedlich auf Hitlers Rassenwahn reagierten und dass sich natürlich nicht alle mit ihr identifizierten. Einer der glühenden Verehrer war Helmut Berve, Professor für antike Geschichte an der Leipziger Universität, ebenso wie der Leipziger Ägyptologe Walther Wolf, der seine Vorlesungen in SA-Uniform abzuhalten pflegte und das pharaonische Ägypten mit der nationalsozialistischen Ideologie zu verknüpfen versuchte. Alexander Scharff, Ägyptologe aus München, hielt strikt dagegen. Auch der renommierte Hermann Junker war als NSDAP-Mitglied scheinbar in Machenschaften der Nazis verstrickt. Georg Steindorff, Leipziger Ägyptologe jüdischer Herkunft, resignierte, als man ihn diskriminierte und u.a. zwang, sich als Herausgeber der "Zeitschrift für ägyptische Sprache" (ZÄS) zurückzuziehen. Sein Nachfolger wurde der bereits erwähnte Walther Wolf. Steindorff emigrierte 1939 in die USA, nachdem er für einige Monate bei Hans Bonnet in Bonn Unterschlupf gefunden hatte.
Dies sind nur einige Persönlichkeiten, die Thomas Schneider in seinem Interview mit dem Heritage Key erwähnt. Es ist sehr zu begrüßen, dass sich mit Schneider nun endlich jemand gefunden hat, der dieses dunkle Kapitel der deutschen Ägyptologie detailliert aufarbeitet.

01. September 2009
Artefakt ägyptischer Herkunft in Israel gefunden
Bei Ausgrabungen in Tel Bet Yerah, wo der Jordan aus dem See Genezareth fließt, fanden Archäologen ein etwa 2 x 4 cm großes Steinfragment mit der Darstellung einer Hand, die ein Was-Szepter und eine frühe Form des Anch-Zeichens hält (Abbildung). Der Ausgrabungsort liegt an einer antiken Route, die Ägypten mit den Ländern der Levante verband. Dass es hier Kontakte mit dem ägyptischen Hof gab, haben bereits frühere Ausgrabungsergebnisse, sowohl in Bet Yerah als auch in Ägypten selbst, gezeigt. Das Steinfragment spricht allerdings für sehr frühe Beziehungen. Aufgrund der archaischen Darstellung, deren Ausführung qualitativ an frühdynastische Schminkpaletten erinnert, wird es in die 1. Dynastie (ca. 3000 v. Chr.) datiert.
jpost