ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  September 2010

30. September 2010
Hathor-Statue auf dem Sinai gestohlen

Die 1,20 m hohe Statue war gestern in der Wüste gefunden worden, fünf Tage nachdem man den Verlust an ihrem Standort, dem Hathor-Tempel von Serabit el-Chadim, bemerkt hatte. Das Stück ist zusammen mit fünf anderen Statuen dafür vorgesehen, im Museum von Sharm el-Sheikh ausgestellt zu werden. Dort soll eine Dauerausstellung eingerichtet werden, die den antiken Kupfer- und Türkisminen auf dem Sinai und dem nahegelegenen Hathor-Tempel gewidmet ist. Das Sicherheitspersonal des Tempels wird von der Staatsanwaltschaft verhört.
monsterandcritics


24. September 2010
Bald Enthüllungen zum Tod Ramses' III.?

In einem spanischen Ägyptenforum ist die Zusammenfassung eines Vortrages von Zahi Hawass in Madrid zu lesen. Sie enthält im wesentlichen nichts Neues, abgesehen von einer Bemerkung: "Vielleicht in einem Monat wird etwas mehr zu lesen sein über Ramses III. und seine mögliche Ermordung. Ich möchte Sie bitten, sich dann an das Foto der Mumie dieses unbekannten Mannes, eingehüllt in ein schmutziges Ziegenfell, zu erinnern." Bei dieser Mumie handelt es sich um den "unbekannten Mann E". Eine Theorie besagt, dass es sich dabei um Pentawer, einen an der mörderischen Verschwörung Beteiligten, handeln könnte (siehe auch Beitrag vom 09.11.2008). Die angekündigte Veröffentlichung neuer Erkenntnisse könnte interessant werden.
egiptoforo (in holpriger deutscher Übersetzung)


22. September 2010
Wie sich das Meer vor Moses teilte

Amerikanische Forscher fanden heraus, dass die berühmte Exodus-Szenerie der Bibel eine natürliche Ursache gehabt haben haben könnte. Bei entsprechenden Windverhältnissen scheint es gemäß einer Computersimulation möglich gewesen zu sein, dass im östlichen Nildelta das Wasser komplett verdrängt wurde. Die so entstandene Schneise hätte daraufhin für eine begrenzte Zeit trockenen Fußes passiert werden können.
AFP
guardian (mit Computersimulation)

15. September 2010
Diebesgut in Spanien aufgetaucht

Im spanischen Antikenhandel sind Kalksteinfragmente aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. aufgetaucht. Ein Experte der Universität Barcelona konnte sie aufgrund der Inschriften zuordnen und als Herkunftsort Saqqara feststellen. Die Fragmente waren dort im Jahre 1999 entwendet worden. Sie gehen zurück nach Ägypten.
bbc

15. September 2010
Priestergrab der 25./26. Dynastie im südlichen Assasif (Qurnet Murai) wiedergefunden

Das Grab des Priesters Karakhamun (gem. Presseveröffentlichung TT 223 = Kerkeramun, Krkr-Jmn) war im 19. Jahrhundert entdeckt worden, befand sich jedoch in einem instabilen Zustand. Bis in die frühen 1970er Jahre war es noch teilweise für Besucher zugänglich, bis es einbrach und von Sand begraben wurde. Ein ägyptisch-amerikanisches Team stieß nun im Zuge von Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten im Rahmen des South Asasif Conservation Projects auf dieses verschüttete Grab, das schließlich wieder freigelegt werden konnte. Die Grabkammer des Kerkeramun befindet sich in einer Tiefe von 8 m und die Beschaffenheit wird als sehr gut bezeichnet. Die Decke zeigt gut erhaltene astronomische Szenen mit einer Darstellung der Himmelsgöttin Nut.

Dabei dürfte es sich um das Grab handeln, das Richard Lepsius in seinem Textband III, 288, beschreibt. Danach allerdings wäre Kerkeramun kein einfacher Priester, sondern eine hochgestellte Persönlichkeit gewesen. Er trug die Ehrentitel HAtj-a und jrj-pat. Der Rahmen innerhalb des unten stehenden Plans umreißt in etwa den von Lepsius erwähnten "Sektor 20".

drhawass.com
heritage-key


07. September 2010
Touristische Öffnung antiker Hafenstadt ab Mitte September 2010 geplant

Das moderne Marina am ägyptischen Mittelmeer wurde teilweise auf den Ruinen des antiken Leukaspis/Antiphrae erbaut, das durch einen Tsunami im 4. Jahrhundert zerstört worden war. Nachdem die Reste der alten Stadt vor 25 Jahren entdeckt wurden und die Ausgrabungen begannen, sollen nun auch Besucher die Gelegenheit zur Besichtigung bekommen. Sie sollen durch die Straßen des damals ca. 15.000 Einwohner zählenden Ortes schlendern und die Gräber der einstigen Bewohner besuchen können. Der Hafen der Stadt ist leider verloren, da an seinem Platz in jüngerer Zeit eine künstliche Lagune entstand, an deren Ufern Sommerhäuser erbaut wurden. Bevor jedoch Besucher die antike Stätte bevölkern, sind noch wichtige archäologische Arbeiten vonnöten, wie z. B. das Sichern von Keramik und von noch offen daliegenden Skelettteilen. Es wird von Seiten der Ägypter auch daran gedacht, den Komplex von Taposiris Magna in absehbarer Zeit für Besucher zugänglich zu machen.
AP


03. September 2010
War die Goldmaske Tutanchamuns für eine Frau bestimmt?

In einem schon etwas älteren Artikel vom 19. Juni 2010 verweist der Ägyptologe Nicholas Reeves auf Anzeichen, dass die berühmte Goldmaske Tutanchamuns ursprünglich für eine Frau bestimmt gewesen sein könnte - vielleicht sogar für Nofretete. Proben hätten beispielsweise gezeigt, dass die Goldlegierungen der einzelnen Maskenteile Unterschiede aufweisen. Auch die durchstochenen Ohrläppchen lassen auf eine Frau schließen, da Pharaonen im Erwachsenenalter kaum Ohrringe trugen, Frauen jedoch sehr wohl. Auch den inneren Goldsarg bringt Reeves mit Nofretete in Verbindung und vermutet, dass er ursprünglich für sie angefertigt worden ist, da die Namen Anch-Cheperu-Re Nefer-neferu-Aton darauf verzeichnet wären, die Reeves und - wie er sagt - andere Wissenschaftler Nofretete zuordnen. Reeves ist der Meinung, dass die Grabausstattung Nofretetes teilweise verwendet wurde, um das Begräbnis Tutanchamuns nach dessen relativ plötzlichem Tod auszurichten. Die wiederverwendeten, im wahrsten Sinne des Wortes hochkarätigen Beigaben seien aber nicht Nofretete als Große Königsgemahlin ins Grab gelegt worden, sondern als Pharao, nachdem sie ihrem verstorbenen Gemahl Echnaton auf den Thron gefolgt war. Diese Theorie ist heiß umstritten, denn viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein nur wenig bezeugter Nachfolger Echnatons, Semenchkare, als Anch-Cheperu-Re Nefer-neferu-Aton für kurze Zeit den Thron Ägyptens bestieg.
nicholasreeves

03. September 2010
Nubisches Bier mit Heilmittel

Bei einer Untersuchung von etwa 2.000 Jahre alten Mumien aus Nubien entdeckten Wissenschaftler in deren Knochen Ablagerungen von Tetracyclin, ein Breitbandantibiotikum. Wegen der hohen Dosierung und der ungleichmäßigen Verteilung des Stoffes in den Knochen wird ausgeschlossen, dass hier ein Kontaminierung vorliegt. George Armelagos, Bioanthropologe der Emory Universität in Atlanta, geht davon aus, dass die Substanz mit dem Genuss von Bier, Brot und Getreidebrei aufgenommen wurde. Die Menschen hätten zwar nicht gewusst, was Tetracyclin ist, aber sie hätten sicher bemerkt, dass irgendetwas in den Getreideprodukten ihrem Wohlbefinden dient, meint Armelagos. Tetracyclin bildet sich bei der Erdlagerung von Getreide, allerdings nur in geringen Mengen. Erst beim Fermentieren explodiert die Tetracyclinproduktion.
news.discovery
stuttgarter-zeitung

Informationsdienst Wissenschaft - idw
Pressemitteilung der Eberhard Karls Universität Tübingen
03. September 2010
Neue Funde aus dem Königspalast im syrischen Qatna
Syrisch-Tübinger Ausgrabungsteam entdeckt in einer Nebengruft zahlreiche Schmuckstücke

Die laufenden Ausgrabungen der Universität Tübingen in der syrischen Königsstadt Qatna haben neue, überraschende Funde ans Tageslicht gebracht. Sie werden im Rahmen eines deutsch-syrischen Kooperationsprojekts unter gemeinsamer Leitung von Prof. Peter Pfälzner und Heike Dohmann-Pfälzner vom Institut für die Kulturen des Alten Orients (IANES) der Universität Tübingen und Hikmet Awad (Homs, Syrien) durchgeführt. Eine während der Ausgrabungskampagne des Vorjahres entdeckte Gruft unter dem Königspalast, in der bereits im Vorjahr zahlreiche Objekte entdeckt wurden, barg bei ihrer fortgeführten Freilegung in diesem Jahr weitere Überraschungen. Schmuckstücke aus Gold und Edelsteinen, Alabastergefäße, Elfenbeinarbeiten, kleine Figurinen, Einlegeplättchen und Keramiken lagen zwischen den menschlichen Überresten. Seit dem Beginn der Grabungskampagne Mitte Juli wurden 379 Fundstücke in der Gruft registriert.
Von besonderem Interesse sind zahlreiche ägyptische Gegenstände, die auf einen regen Kontakt und Austausch zwischen dem syrischen Königtum Qatna und dem Reich der Pharaonen hinweisen. Dazu zählen eine glasierte Steinfigur eines Nilpferds mit einer auf den Körper aufgemalten Sumpflandschaft, eine winzige Sphinx aus orange-rotem Karneol und viele ägyptische Salbgefäße aus Kalzit-Alabaster. Hervorzuheben sind ferner zwei kleine, fein gearbeitete, fast durchsichtige Gefäße aus Bergkristall. Unter den Schmuckstücken sind besonders zu erwähnen ein Goldring mit einem darin eingesetzten dekorierten Siegel aus Lapislazuli sowie eine goldene Plakette zum Aufnähen mit eingraviertem Lebensbaummotiv. Zahlreiche Gewandnadeln aus Bronze und aus Gold ergänzen das Grabinventar. Dieses datiert in die Zeit zwischen 1650 und 1550 vor Christus, was unter anderem durch ein vor kurzem im Grab gefundenes originales Siegel einer ägyptischen Königsmutter bestätigt wird.

Keramikgefäße in der Südkammer der Nebengruft unter dem Königspalast von Qatna (Ausgrabungen Juli-August 2010)
Foto: Marc Steinmetz - Quelle: idw
Armreif aus Gold mit eingebundenem Siegel aus Lapislazuli, ca. 1650-1550 v. Chr., aus der Südkammer der Nebengruft unter dem Königspalast von Qatna (Ausgrabungen Juli-August 2010) Foto: Julia Gergovich - Quelle: idw

Außerdem entdeckten die Ausgräber bei der diesjährigen Kampagne in den beiden Grabkammern eine große Zahl menschlicher Skelettteile. Die Knochen waren in dichter Packlage in ehemaligen Holzkisten verstaut, von denen Spuren zersetzten Holzes zeugen. Die Anzahl der hier Bestatteten lässt sich noch nicht bestimmen. Die Personen dürften nach Einschätzung der Wissenschaftler aber sicherlich zum Kreis der königlichen Familie von Qatna gehört haben. Möglicherweise waren die Toten zunächst in der Königsgruft unter dem Palast von Qatna bestattet worden, die bereits 2002 vom deutsch-syrischen Team entdeckt worden war, und sind danach in diese Gruft umgebettet worden. Letztere könnte dann eine Nebengruft des Königshauses von Qatna gewesen sein.
Qatna war in der Mittleren und Späten Bronzezeit eines der bedeutendsten Königtümer Syriens. In seiner Blütezeit zwischen 1800 und 1600 vor Christus gehörte es zu den mächtigsten Staaten des Orients. Das Königtum existierte kontinuierlich bis zu seiner Zerstörung um 1340 vor Christus durch die Hethiter. Die Ausgrabungen des syrisch-Tübinger Teams werden maßgeblich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Sie sind Teil eines internationalen Forschungsverbundes zur archäologischen Erforschung der kulturgeschichtlich bedeutenden Stadtanlage von Qatna, die zu den größten Städten der Bronzezeit zählte.
Herr Prof. Pfälzner befindet sich zurzeit noch bei der Ausgrabung im syrischen Qatna.

Eberhard Karls Universität Tübingen
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Siehe dazu auch Beitrag vom 22.09.2009