ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  September 2012

27. September 2012
Schmuggelgut konfisziert

Einem Hinweis folgend, stellte die Polizei im Lagerhaus eines Transportunternehmens in Kairo 133 Pakete mit 181 Artefakten sicher. Der Geschäftsführer des Unternehmens behauptete, dass die Packstücke einem Ausländer gehören, der diese über den Hafen von Alexandria in sein Heimatland verschiffen lassen wollte.
egyptindependent



17. September 2012
Chicago Demotic Dictionary komplett

Nachdem unglaubliche 37 Jahre an diesem Werk mit Tausenden von Wörtern gearbeitet wurde, kann die Universität Chicago nunmehr die Fertigstellung verkünden. Die demotische Sprache bzw. Schrift wurde in Ägypten etwa von 500 v.Chr. bis 500 n.Chr. angewendet. Sie löste das Hieratische, eine kursive Hieroglyphenschrift, ab. Begonnen hatten die Chicagoer 1975, als sie mit der Überarbeitung des Standardwerks "Demotisches Glossar" von Wolja Erichsen aus dem Jahre 1954 starteten. Das nun fertiggestellte Dictionary beinhaltet eine Anzahl neuer Wörter, die in Erichsens Publikation noch nicht enthalten sind. Es listet aber nicht nur die demotischen Begriffe auf, sondern auch deren Gebrauch in den antiken Schriftstücken. Der Inhalt von vielen dieser Dokumente befasst sich mit profanen Dingen wie Verträge, Steuern u.ä. Sie geben Einblick in das Alltagsleben der Menschen jener Zeit.
uchicago



14. September 2012
Ein geflügelter König

In der ägyptischen Sammlung des Manchester Museums befindet sich das Bruchstück einer Alabasterfigur, der mittlere Teil einer ursprünglich wohl etwa 50 cm großen Statue eines Königs, bekleidet mit einem Schurz und einem gefiederten Umhang. Ein im Petrie-Museum aufbewahrtes Oberteil einer etwa gleich großen Königsstatue, ebenfalls aus Alabaster und mit Federkleid, wurde bisher als Fälschung angesehen. Es könnte allerdings ein echtes Stück sein, das wegen der besseren Verkäuflichkeit auf dem früheren Antiquitätenmarkt irgendwann in jüngerer Zeit "überarbeitet" worden war; unter ultraviolettem Licht sind verschiedene relativ frische Nachbesserungen sichtbar. Beide Stücke können nicht passgenau zusammengefügt werden, aber dies könnte daran liegen, dass das Objekt aus Manchester offenkundig einst als Hammerstein verwendet wurde und dadurch abgegriffen ist. Trotzdem legen die Übereinstimmungen in Material und Ikonografie nahe, dass beide Objekte mit hoher Wahrscheinlichkeit zusammengehören. Es stellt sich nun die Frage nach der Bedeutung dieser außergewöhnlichen Darstellung eines Königs und weshalb bisher nicht mehr "geflügelte Könige" gefunden wurden. Es könnte sein, dass der König ebenso wie die Gestalt einer Sphinx auch die körperlichen Aspekte eines Horusfalken annehmen konnte. In der Tat gibt es dazu leider nur sehr wenige Beispiele. Eines zeigt sich - zusammen mit anderen königlichen Bildern, die Amun präsentiert werden - in einem Relief am Tempel Thutmosis' IV., jetzt Open-Air-Museum Karnak (Foto). Möglicherweise hat sich diese Darstellungsform allein auf die Mitte der 18. Dynastie beschränkt.

egyptmanchester

Publikation:
Tom Hardwick, Christina Riggs."The King as a Falcon: A ‘Lost’ Statue of Thutmose III Rediscovered and Reunited"
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Abteilung Kairo 66 (2010), 107-119.



12. September 2012
Fotoarchiv des Prinzen Johann Georg von Sachsen wird erschlossen
Mit Geldern der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg ist die Universität Freiburg in der Lage, die mehr als 10.000 Negative umfassende Fotosammlung des Prinzen zu erschließen. Darunter befinden sich auch ägyptologische Leckerbissen. Der Prinz und seine Gemahlin besuchten Ludwig Borchardt auf seiner Grabung in Amarna, und zwar kurz nachdem dort die Büste der Nofretete geborgen worden war. Ein seinerzeit angefertigtes Foto zeigt Hermann Ranke, Paul Hollander und den ägyptischen Vorarbeiter Mohammed es-Senussi mit der Büste in Händen.
badische-zeitung



08. September 2012
Exponate aus den USA zurückgefordert

Ägyptens Staatsrat forderte die Regierung dazu auf, 179 Exponate aus ptolemäischer Zeit aus den USA nach Ägypten zurückzubeordern. Sie sollten in der Zeit vom 01.04.2010 bis 03.07.2013 in einer Reihe von privaten Ausstellungen gezeigt werden. Ein Vertrag, der dieses ermöglichte, sei nichtig, heißt es. Die Vereinbarung war zwischen dem früheren Generalsekretär des SCA, Zahi Hawass, als Privatperson und der National Geographic Society, der Ohio International Arts and Exhibitions Foundation und der Exhibition Foundation in Los Angeles geschlossen worden. Im Gegenzug sollten 1,25 Mio. US$ nach Ägypten fließen. Damit wurde gegen ägyptische Gesetze verstoßen, nach denen es nicht erlaubt ist, Derartiges mit privaten ausländischen Gesellschaften zu verhandeln; dergleichen ist nur mit Museen oder wissenschaftlichen Institutionen möglich.
egyptindependent



07. September 2012
Nicht nur zum Spielen: Legosteine

Im Fitzwilliam Museum konnte ein fragiler Sarg aus zum Teil sehr dünnwandiger Kartonage durch eine ungewöhnliche Maßnahme stabilisiert werden. Es wurde ein Gerüst aus Legosteinen im Inneren des Sarges in Höhe des Brustkorbes angebracht, das ein Kollabieren verhindert.
cambridge-news



05. September 2012
Sachmet in Pergamon

Während der Regentschaft des römischen Kaisers Hadrian wurde in Pergamon ein mächtiges Heiligtum errichtet. Es befindet sich am Fuße des Stadtberges und seine Mauern aus gebrannten Ziegeln sind bis heute gut erhalten. Wegen der roten Farbe des Baumaterials erhielt es den neuzeitlichen Namen "Rote Halle". In den 1930er Jahren wurden dort erstmals Ausgrabungen durchgeführt. Dabei stieß man auf Fragmente monumentaler ägyptisierender Statuen aus weißem Marmor, deren Gesichter und Extremitäten aus schwarzgrauem Marmor gearbeitet waren - als Hinweis auf die Herkunft der Göttergestalten, nämlich Ägypten bzw. Afrika. Bei den Statuen handelt es sich um Karyatiden (weibliche Trägerfiguren) und Atlanten (männliche Trägerfiguren). Sie trugen einst die Dächer der flankierenden Hallen. Das Heiligtum war einer ganzen Reihe von Göttern geweiht. Nach den Befunden haben ägyptische Gottheiten dabei eine herausragende Rolle gespielt. Auch ein Kaiserkult dürfte dort betrieben worden sein. Schon seit einigen Jahren arbeitet das Deutsche Archäologische Institut Abteilung Istanbul in Pergamon (Bergama). Zusammen mit der Studiosus-Foundation e.V. (München) wurde 2010 ein Projekt zur Rekonstruktion einer der über 8 m hohen Trägerfiguren gestartet. Es handelt sich dabei um das unter Anwendung antiker Steinmetzkunst und modernster Technik wiederhergestellte Abbild der ägyptischen Göttin Sachmet. Für die modernen Ergänzungen der alten Fragmente wurde eigens der von den römischen Künstlern verwendete Marmor ausfindig gemacht und verarbeitet. Am 05.09.2010 wurde die Skulptur probeweise in der Roten Halle aufgerichtet. Der Anblick hinterließ bei den Anwesenden einen tiefen Eindruck.

Eine ägyptische Göttin im römerzeitlichen Pergamon (Bild links unten: digitale Ansicht der kompletten Karyatide)
Fotos: © Deutsches Archäologisches Institut Abteilung Istanbul (Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung)

Die im Zeichen vorbildlicher partnerschaftlicher Zusammenarbeit von türkischen und deutschen Wissenschaftlern in Angriff genommene Neupräsentation des gesamten archäologischen Komplexes soll auch dazu beitragen, Bergama einen Platz auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO zu sichern.
facebook
faz


04. September 2012
Relief in Matariya gefunden

Bei Ausschachtarbeiten zum Bau einer Mauer stieß man in Matariya, einem Stadtteil von Kairo, auf das Fragment einer Stele. Es zeigt eine Reihe von Opfergaben, Lotusblüten und eine hieroglyphisch ausgeführte, religiöse Inschrift. Aufgrund der Ausführung wird es in die späte 18. / frühe 19. Dynastie datiert. Das moderne Matariya befindet sich auf dem Grund des antiken Ortes Heliopolis. Die Bauarbeiten wurden von der Antikenbehörde vorläufig gestoppt.
english.ahram 04.09.12
english.ahram 11.09.12


01. September 2012
Epilepsie im Königshaus der 18. Dynastie?

Eine Wissenschaftlerin des Imperial College London, Department of Surgery and Cancer, glaubt, dass Könige der 18. Dynastie an einer vererbbaren Form der Epilepsie gelitten haben könnten. Bei einigen könnte das zu einem frühen Tod geführt haben; auch die "Verweiblichung" des Körpers könnte diese Ursache haben.
Immer wieder wurde versucht, das Phänomen der besonderen Ausdrucksform der Amarnakunst medizinisch zu erklären. Es gibt bereits eine ganze Reihe von entsprechenden theoretischen Ansätzen, zu denen sich nun diese aktuelle Epilepsie-Theorie hinzugesellt.
sciencedirect
welt