ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  September 2013

27. September 2013
Ägyptens Welterbe bei eBay

Das ägyptische Antikenministerium MSA hat über das Außenministerium dem englischen Außenministerium in London ein Schreiben zukommen lassen, um den Handel mit ägyptischen Antiquitäten bei eBay vorerst stoppen zu lassen. Experten sollen zunächst Authentizität, Legalität und Herkunft der Objekte prüfen; es könnte sich um Schmuggelgut handeln. Das MSA stieß bei einer Routinesuche in den Angeboten der Auktionshäuser weltweit zufällig auf die eBay-Angebote.
english.ahram


26. September 2013
"Bastet von Pergamon" aufgestellt

Die mehr als 8 m hohe Statue der Bastet, die im letzten Jahr schon probeweise auf ihrem Platz in der Roten Halle von Pergamon stand (siehe Beitrag vom 05.09.2012), wurde nun endgültig aufgestellt. Begleitet wurde das Ereignis von einem feierlichen Eröffnungsakt.
DAI



23. September 2013
Hundemumie zeigt Parasitenbefall

Bei der Untersuchung diverser Hundemumien aus El Deir konnten Wissenschaftler an den sterblichen Überresten eines jungen Hundes erstmals Befunde identifizieren, die den Befall mit blutsaugenden Parasiten zu Lebzeiten belegen. Im rechten Ohr des Hundes befanden sich die kleinen Quälgeister, die möglicherweise sogar zum frühen Tod des Tierchens geführt haben. Hinweise für die Existenz von Hundepest in Ägypten verdankt die Nachwelt griechischen und römischen Autoren. Einen eindeutigen Nachweis gab es bisher jedoch nicht.
livescience



22. September 2013
Römerzeitliche Ägypter in Großbritannien

Die Ägyptologin Joann Fletcher ist sicher, dass vor rund 2.000 Jahren mit den Römern auch Ägypter nach England kamen und ihre Begräbnissitten mitbrachten. In der Tat existiert aus der Nähe von Barnsley/Yorkshire (Nordengland) ein Sarg aus Gips, der eine balsamierte Kinderleiche enthält; er stammt etwa aus der Zeit um 300 n.Chr. Auch andere dort gefundene Artefakte wie Münzen und ägyptische Götterfiguren stammen aus der Römerzeit und Tests an einschlägigen Skeletten weisen auf eine nordafrikanische Herkunft hin. Fletcher hofft auf weitere Funde von ägyptischen Begräbnissen in Yorkshire, die die Anwesenheit von Ägyptern in England bestätigen.
dailymail



11. September 2013
Funde in Alexandria

Im Osten Alexandrias stießen ägyptische Archäologen auf ein bisher unbekanntes archäologisches Areal. Man fand dort Zisternen, Keramik und einen Grabstein. Alle Objekte stammen aus römischer Zeit. Wie so oft, wurde auch diese Entdeckung gemacht, als man vor Erteilung einer Baugenehmigung ein Grundstück auf historische Hinterlassenschaften untersuchte.
egyptindependent



06. September 2013
Nanotechnologie in der Archäologie

Forscher der Universität Uppsala, Schweden, haben ein winziges Instrument entwickelt, das selbst unter widrigsten Umständen und unwirtlichsten Umgebungen wie Weltraum oder Tiefsee zuverlässig wertvolle Messdaten liefert. Basis für die Herstellung des Miniaturgerätes ist leistungsfähiges Microplasma. Seine ungewöhnlichen Eigenschaften könnte sich auch die Archäologie zunutze machen. Das Instrument wäre nämlich in der Lage, den Anteil an Kohlenstoffteilchen in organischem Material zu messen. Damit ergäbe sich die Möglichkeit, unmittelbare C14-Messungen im Feld vorzunehmen.
sciencedaily


04. September 2013
Beginn des ägyptischen Großreiches nach hinten geschoben

Eine Gruppe englischer Forscher konnte nachweisen, dass sich der ägyptische Staat früher formierte als gedacht. Verschiedene nach der Radiocarbonmethode untersuchte Proben aus Badari, Naqada, Umm el Qaab und Sakkara erbrachten die Erkenntnis, dass sie etwa 100 Jahre älter sind als bisher angenommen. Derartige Untersuchungen beruhen auf dem Naturgesetz, dass in organischen Stoffen enthaltene radioaktive Kohlenstoffteilchen (C14) sich in bekannten, naturgegebenen Zeiträumen nach und nach zersetzen. Das heißt, man kann das Alter eines nicht mehr lebenden organischen Stoffes daran festmachen, wieviel C14 darin heute noch enthalten ist. Bisher war die Datierung der prä- und frühdynastischen Zeit insbesondere durch W.M.F. Petrie lediglich anhand der Stilistik von Keramikfunden vorgenommen worden. Eine Verschiebung der kompletten ägyptischen Chronologie ergibt sich aber nicht; es erfolgt lediglich eine Verlängerung der ersten dynastischen Periode durch Vorverlegung des Beginns. Interessant ist jedoch, dass durch die neuen Erkenntnisse das Aufkommen der Schrift in Ägypten früher angesetzt werden muss als bisher angenommen und damit "in bemerkenswerter Weise nahezu übereinstimmt mit dem Aufkommen der Keilschrift in Mesopotamien", wie die Forscher anmerken.
focus
spiegel
Proceedings of the Royal Society (Downloadmöglichkeit des vollständigen wissenschaftlichen Aufsatzes)



02. September 2013
Cornelius von Pilgrim zu Raubgräbern und Sicherheitslücken
Der erste Beitrag für September schließt sich fast nahtlos an den letzten Eintrag aus dem August an. In einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung äußert sich Cornelius von Pilgrim, Leiter des Schweizerischen Instituts für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde in Kairo und mit einer Mission in Aswan tätig, zur gegenwärtig auf Ausgrabungsstätten herrschenden Anarchie. Von Plünderungen besonders betroffen sind entlegene archäologische Areale, die unbewacht und somit leichte Beute sind. Neben El Hibeh (siehe Beitrag vom 31.08.2012) und Abusir el-Meleq (ein prähistorischer Friedhof) als nur zwei Beispiele wird auch vor bekannten Orten wie Dahschur nicht Halt gemacht. Die Diebe gehen geplant und systematisch in festgelegten Claims vor. Derzeit scheint es keine Möglichkeit zu geben, um Sicherheitskräfte zu mobilisieren, die dem Treiben Einhalt gebieten würden. Auch auf das erst vor einigen Monaten in Aswan durch Unbefugte freigelegte Grab eines Bürgermeisters von Elephantine aus der 18. Dynastie (siehe Beitrag vom 08.06.2013) wird noch einmal eingegangen. Dieser Fall ist besonders tragisch, da es sich um ein bis dahin ungestörtes Grab handelt, so dass wissenschaftlich wertvolle Informationen unwiederbringlich verloren sind; von Pilgrim bezeichnet den Fall und die damit einhergehende Zerstörung von Befunden und Kontext als absolute Katastrophe. Bedauerlicherweise konnte vorher nicht professionell nach den dort befindlichen Gräbern gesucht werden, weil die Mittel fehlen. Möglichkeiten der Archäologie, künftig wenigstens das Schlimmste abzuwenden, sieht von Pilgrim derzeit nicht. Aus verständlichen Gründen, denn die Diebesbanden sind bewaffnet und werden sich kaum scheuen, ihre Waffen auch zu benutzen.

Selbst das bedeutende Ägyptische Museum in Kairo ist inzwischen fast mittellos und nicht mehr in der Lage, dringendste Arbeiten zu erledigen, nachzulesen im Miami Herald: Egyptian Museum and its ancient artifacts feel the nation's ills.