ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
Oktober 2006

30. Oktober 2006
Lepsius in Kairo

Im Ägyptischen Museum Kairo wird noch bis zum 03. Februar 2007 eine Ausstellung über Carl Richard Lepsius stattfinden. Ägypten ehrt damit einen Pionier der Ägyptologie, der während seiner Preußischen Ägypten-Expedition (1842-1845) eine große Anzahl an Artefakten gesammelt und nach Berlin gebracht hatte, den Grundstock für die Berliner Sammlung. Zeichnungen, Geräte, Tagebücher u.ä. stellt das Ägyptische Museum Berlin zur Verfügung, jedoch keine Objekte.

welt.de
Digitalisierte Ausgabe von Lepsius' Tafelwerken (Uni Halle)



28. Oktober 2006

Mumie bei Christie's unter dem Hammer

Die historische Gesellschaft Ohio will eine Mumie samt Sarg bei Christie's versteigern lassen. Die Mumie eines Bekleidungspriesters am Tempel des Amun,  Neschons (etwa 950 v. Chr.), kam um 1900 in die USA, wurde wie seinerzeit üblich ausgewickelt und auf Wertgegenstände untersucht. Sie befindet sich jetzt im Besitz der Western Reserve Historical Society, die sie nun versteigern lassen möchte. Es sollen immerhin 1,5 Mio. Dollar erzielt werden. Der Sarg soll teilweise noch gut erhalten und mit Inschriften versehen sein, denen man Namen und Titel des Verstorbenen entnehmen konnte.

upi.com
timesnow.tv


25. Oktober 2006
Geologin auf Gräbersuche

Die Geologin Katarin A. Prizek glaubt ein System bei der Anlage von ägyptischen Grabstätten aufgespürt zu haben. Ihr ist aufgefallen, dass viele der Gräber in Zonen angelegt wurden, in denen sich brüchiges Gestein (Bruchtrassen) befinden. Es handelt sich dabei um lange flache Hügelkämme. Sie können zwischen zwei und zwölf Meter breit und bis zu zwei Kilometern lang sein. Sie zeigen darunter liegende Bruchtrassen an, wo es besonders einfach sein soll, mit den technischen Mitteln der Ägypter Gräber in den weicheren Fels zu treiben. Prizek meint, man könne - wenn man sein Augenmerk auf diese geologischen Muster richtet - noch unentdeckten Gräbern auf die Spur kommen.

reports.discoverychannel.ca



22. Oktober 2006

Grabräuber als unfreiwillige Helfer

Die Festnahme von Grabräubern brachte Archäologen auf die Spur von drei Gräbern aus der 5. Dynastie in Saqqara. Eines der Gräber gehörte dem Leitenden Zahnarzt des Königs (Jjj-merjj), die beiden anderen (Kem-mesw und Sechem-ka) werden ebenfalls Personen zugeschrieben, die die Zähne des Königs und seiner Familie behandelten. Eines der Gräber waren zur Abschreckung von Grabräubern mit einem Fluchspruch versehen. Jeder, der die Ruhe des Grabes stört, sollte durch ein Krokodil und eine Schlange getötet werden. Die Gräber, die keine sterblichen Überreste enthielten, sind aus Lehmziegeln und Kalkstein errichtet worden - nicht aus purem Kalkstein, obwohl die Personen zur Oberschicht gezählt werden können.

iht.com
derstandard.at (mit einer sehr schönen Fotoserie)
thenewstribune.com



Oktober 2006

Die Herkunft der ägyptischen Hochkultur

Schon im Juli gab es Berichte darüber, dass dem Entstehen der Zivilisation entlang des Niltals eine Dürreperiode voran ging, die die Bewohner der östlichen Sahara in Richtung Fluss trieb. Mary McDonald, eine kanadische Archäologin, machte in und um die Oase Dachla in der libyschen Wüste nun Funde, die auf eine neolithische Besiedelung des Gebietes schließen lassen. Sie nennt die Kultur Bashendi. Es muss sich um eine Gruppierung bereits recht fortschrittlicher Menschen gehandelt haben, denn sie hinterließen Gefäße, Pfeilspitzen, Schmuck und ähnliche Zeugnisse fortgeschrittener Kultur. Nach Ansicht von McDonald spricht Einiges dafür, dass sie damit der immer noch nicht endgültig geklärten "Herkunft der Pharaonen" auf die Spur gekommen ist.

In einem längeren und außerordentlich interessanten Artikel erhält man unter saudiaramcoworld.com weitere und detaillierte Einblicke in McDonald's Arbeit.



18.10.2006
Derveni-Papyrus entziffert

Griechische Wissenaftler haben eine 2500 Jahre alte Schriftrolle entziffert. Der Papyrus war verkohlt und vergraben und galt daher als unlesbar. Verfasst wurde er wahrscheinlich zur Zeit Philpp's II., dem Vater von Alexander dem Großen. Die Rolle war 1962 in einem Grab im Norden Griechenlands entdeckt worden, verkohlt wie der Grabbesitzer. Mit modernen Bildbearbeitungs- und Scan-Methoden ist es griechischen und amerikanischen Experten nun gelungen, selbst vollkommen geschwärzte Bereiche zu lesen. Fortschrittliche Technik, an der sicher auch Ägyptologen über kurz oder lang partizipieren können.

spiegel.de


16./17.10.2006
Auftaktveranstaltung zur Reihe der "Philippika. Marburger altertumskundliche Abhandlungen"

Unter dem Titel

Bauern - Händler - Herrscher - Funktionäre
Szenen aus dem Alltag des pharaonischen bis früharabischen Ägypten

wird die Philipps-Universität Marburg, genauer gesagt die Fachbereiche Rechtswissenschaften, Geschichte und Kulturwissenschaften sowie Fremdsprachliche Philologien im Wintersemester 2006/2007 eine Ringvorlesung abhalten. Zu diesem Anlass ist in der Zeit von November 2006 bis Februar 2007 eine Reihe von Vortragsveranstaltungen angesetzt. Initiatoren und Ausrichter der Veranstaltungsreihe sind die Herausgeber der "Philippika. Marburger altertumskundliche Abhandlungen". Die Philippika wurden erst vor zwei Jahren aus der Taufe gehoben und erfreuen sich bereits jetzt so großer Beliebheit, dass in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon fünfzehn Bände erschienen sind und eine große Anzahl an Manuskripten zur Produktion und Veröffentlichung ansteht.

Die feierliche Auftaktveranstaltung zur Vortragsreihe fand am Abend des 16.10.2006 im Fürstensaal des Landgrafenschlosses Marburg in Anwesenheit Seiner Exzellenz des Botschafters der Arabischen Republik Ägypten, Mohamed Al-Orabi, und geladenen Gästen statt. Professor Dr. Dr. h.c. Gilbert Gornig, Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaften, eröffnete mit einer Begrüßungsansprache den Abend. Professor Gornig betonte die enge Verbindung der abendländischen Geistesgeschichte mit Ägypten und bedankte sich in diesem Zusammenhang beim Botschafter Ägyptens für sein Kommen und seine Anwesenheit bei der Festveranstaltung. Der große Wermutstropfen ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Wie in vielen anderen Instituten sind auch in den geisteswissenschaftlichen Fachbereichen der Universität Marburg die Kassen leer. Es fehlt an allen Ecken und Enden, etwa bei den Räumlichkeiten, der Bibliothek oder - und das ist besonders bitter - an Mitteln, die für die Wissenschaft so bedeutende Papyrusforschung aufrechtzuerhalten. Der Ansprache von Professor Gornig folgte das Grußwort von Professor Dr. Volker Nienhaus, dem Präsidenten der Philipps-Universität Marburg, der nach einigen einleitenden Worten - zu Ehren des Botschafters in englischer Sprache - deutlich machte, wie sehr der Universität an der Intensivierung der Kontakte in die Region Nahost gelegen ist. In seinem anschließenden Geleitwort wünschte Mohamed Al-Orabi der Universität Erfolg für eine baldige Überwindung der finanziellen Probleme, wies aber auch darauf hin, dass Geld nicht alles sei. Mindestens ebenso wichtig sei der Beitrag zum gegenseitigen Verständnis. Die Einstimmung auf den Festvortrag übernahm Professor Dr. Rainer Hannig, Fachvertreter Ägyptologie der Philipps-Universität. Er berichtete, dass rechtzeitig zum 100jährigen Bestehen des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo die ägyptisch-arabische Ausgabe von Band I seines Großen Handwörterbuchs erscheinen werde. Und eine weitere erfreuliche Entwicklung konnte Professor Hannig an diesem Abend bekannt geben: Das im Bau befindliche Grand Museum in Giza nahe Kairo wird die Ägyptologische Universaldatenbank SESCH nutzen, um seine Bestände zu erfassen. Die Steuerung des prestigeträchtigen Projektes wird dank des Stifters Eberhard Holzhäuer in Marburg angesiedelt sein - ein wahrer Lichtblick unter den sonst nicht allzu rosigen Zukunftsperspektiven der Geisteswissenschaften.








Den Abschluss und Höhepunkt des Abends bildete der Festvortrag von Professor Dr. Wolfgang Schuller von der Universität Konstanz. Seine Ausführungen zu "Kleopatra - Fakten und Fragen" auf der Basis der von ihm verfassten Biografie "Kleopatra - Königin in drei Kulturen" setzten die letzte ägyptische Herrscherin völlig neu in Szene - als eine bedeutende Figur der Geschichte, die trotz aller Gewandtheit schließlich doch scheiterte - an der politisch unklugen Nähe zu zwei mächtigen Römern.


Zur "Handschrift der Kleopatra", den Papyrus Berolinensis P 25239, siehe auch
Eine Berliner Sensation


Am Morgen des 17.10.2006 traf man sich erneut, diesmal auf Einladung des Oberbürgermeisters der Stadt Marburg, Egon Vaupel, im altehrwürdigen Rathaus der Stadt - zur Zeremonie der Eintragung in das Goldene Buch durch den ägyptischen Botschafter. Vaupel vermittelte den Gästen in seiner Ansprache einen Eindruck von der älteren und jüngeren Geschichte der Universitätsstadt.

Mohamed Al-Orabi bedankte sich bei seinen Gastgebern und lud die Anwesenden ein, ihn gern in seiner Botschaft in Berlin zu besuchen. Offensichtlich hat ihm Marburg ausgesprochen gut gefallen, denn er sprach sich für einen weiteren Besuch aus, dann sogar gemeinsam mit allen 22 ägyptischen Botschaftern.

Nach Abschluss der offiziellen Zeremonie hatten Gäste und Honoratioren Gelegenheit zu einem zwanglosen Gedankenaustausch.

Sowohl die Auftaktveranstaltung zur Ringvorlesung als auch der protokollarische Teil am Tag darauf verliefen ausgesprochen harmonisch; sie werden allen Beteiligten in angenehmer Erinnerung bleiben.


16.10.2006
Schmugglerring aufgeflogen

Die ägyptische Polizei machte eine fünfköpfige Gruppe von Antikenschmugglern dingfest. Unter den Schmugglern befand sich auch ein ehemaliger Angestellter des Supreme Council of Antiquities. Die Gruppe flog auf, als ein verdeckt arbeitender Polizist sich als Aufkäufer ausgab. Das Schmuggelgut hat einen Wert von rund 10 Mio. $ und sollte zu einem Schwarzmarktpreis von 2 Mio. $ den Besitzer wechseln.

Middle East Times



10.10.2006

Keine laufenden Motoren mehr in Saqqara

Nachdem sich in der Stufenpyramide des Djoser Risse zeigen, verhängte der SCA ein striktes Verbot für laufenden Motoren. Die Fahrer von Touristenbussen, Minibussen, Taxis usw. lassen gern - solange sie auf die Rückkehr der ausgeschwärmten Touristen warten - die Motoren ihrer Fahrzeuge laufen. Durch die ständige Erschütterung zeigen sich offentsichtlich erste Schäden an den Monumenten.

iol



12.10.2006

Die Dame Ta-Osiris - Wiedererlangung einer Identität





Sargdeckel
Copyright Landeshauptstadt Hannover
Kestner-Museum (Helge Krückeberg)

Detailaufnahme
Copyright Landeshauptstadt Hannover
Kestner-Museum (Helge Krückeberg)

Sargwanne
Copyright Landeshauptstadt Hannover, Kestner-Museum (Michael Lindner)


Eigentlich ist es die bestbekannte altägyptische Mumie Deutschlands, obwohl kaum jemand außerhalb der Wissenschaft dies wissen dürfte. Dieser 1884 in Ägypten - genauer in Achmim - ausgegrabene und ein Jahr später nach Deutschland verkaufte Leichnam hat inklusive Sarg seit Anfang der 50er Jahre im hannoverschen
Kestner-Museum seine vorerst letzte Heimstätte gefunden. Anlässlich der 750-Jahr-Feier der niedersächsischen Landeshauptstadt wurde die Mumie etwas mehr als hundert Jahre nach ihrer Ankunft in Deutschland geröntgt und computertomographisch durchleuchtet. Schicht um Schicht und Schnitt um Schnitt kam man so ihrem durch Binden und Belagstücken geschützten Innenleben näher, ohne das fragile Objekt in irgendeiner Form zu verändern oder zerstören zu müssen. Den medizinischen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen nach gehörte der Leichnam einer zum Todeszeitpunkt etwa 25 Jahre alten Frau, die vor vielleicht 2300 Jahren am Nil lebte. Sowohl ihr körperlicher Zustand lässt sich auf die kleinste Genauigkeit hin analysieren, als auch die Mumifizierungsmethode und die Einsargung in allen Einzelheiten rekonstruieren. Ein in Hartschaum maßstabsgetreu nachgebildeter Schädel diente einer plastischen Gesichtsrekonstruktion, so dass dem Betrachter heute das Aussehen der noch immer eingewickelten Mumie bekannt ist. Nur eines schien für immer verloren: „Durch mehrfache Auslagerungen und Umzüge sind sowohl der Sargdeckel als auch die Belagstücke auf der Mumie stark in Mitleidenschaft gezogen. Dies hat zur Folge, dass die Inschrift auf dem Deckel nicht mehr lesbar und damit auch der ehemals genannte Personenname nicht mehr rekonstruierbar ist [...]“, wie es im Ausstellungskatalog „Mumie + Computer“1991 hierzu heißt. LMH 7849 - so die Inventarnummer der Toten in ihrem Holzsarg, dessen Deckel wegen einer unsachgemäßen Restaurierung in das Museumsmagazin verbannt worden ist - blieb über Jahrzehnte hinweg namenlos. Dem Forscherdrang der Hamburger Ägyptologin Ruth Brech ist es zu verdanken, der besonders bei den jüngeren Besuchern des Kestner-Museums ausgesprochen beliebten Mumie wieder zu einem Namen zu verhelfen. Im Rahmen ihres Promotionsvorhabens hat es sich die symphatische Wissenschaftlerin zur Aufgabe gemacht, alle aus Achmim stammenden, erhaltenen Särge in Text und Bild zusammen zu stellen; ein sehr engagiertes Projekt, denn die altägyptischen Toten sind mit den Resten ihrer Bestattungen inzwischen über die ganze Welt verstreut. Ihrer Bitte, auch unbedingt den nicht ausgestellten Deckel der Mumie im Kestner-Museum in Augenschein nehmen zu dürfen, kam der Leiter der ägyptischen Abteilung, Dr. Christian E. Loeben, gerne nach. So wurde das Sargoberteil ausgepackt und digitale Arbeitsphotos angefertigt. Die Überraschung war groß, als Ruth Brecht nach Auswertung der Bilder dem Museum gänzlich Unerwartetes mitteilen konnte, dass in einer der vier Kolumnen umfassenden hieroglyphischen Inschrift deutlich der Name der Toten und ihre Familienzugehörigkeit geschrieben steht: Ta-Osiris (was mit „Diejenige, die zu Osiris gehört“ übersetzen werden kann), Tochter des Djed-Horus (was „Horus hat gesagt[: Er soll leben!]“ bedeutet).
Gelegenheit, den weiterhin nicht im Mumienkabinett zu sehenden Sargdeckel der Ta-Osiris in Augenschein zu nehmen, haben alle Besucher des Museumsfests „Ägyptenfieber - auf Spurensuche ins Alte Ägypten“, das am Sonntag, dem 15. Oktober zwischen 11.00 und17.00 Uhr im Kestner-Museum Hannover gefeiert wird. U.a. erläutert dabei die Restauratorin Ute Seiler-Liepe aus Berlin, mit welchen Methoden das unsachgemäß wiederhergestellte Sargoberteil gerettet werden kann. Jede noch so geringe Spende an das Museum ist willkommen, um die veranschlagten 4.000 EUR aufzubringen, die nötigen Restaurierungen durchführen zu können. So käme Ta-Osiris nicht nur wieder zu ihrem Namen, sondern auch zu ihrer Sargabdeckung in der Dauerausstellung.

Orell Witthuhn, Wissenschaftlicher LiteraturAnzeiger (Gießen)
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors)



11.10.2006

Mal kein Blech - CT-Untersuchung an einer Ibis-Mumie bei Audi in Ingolstadt

Normalerweise durchleuchtet der weltweit einmalige Computertomograph bei Audi in Neckarsulm nicht nur einzelne Bauteile, sondern komplette Karosserien - und das mit einer Detailgenauigkeit von einem My-Meter, dem Hundertstel eines Haardurchmessers.

Dieser Tage wurde das Spitzengerät jedoch für einen ganz anderen Zweck eingesetzt: die Untersuchung einer etwa 2000 Jahre alten Ibis-Mumie aus Abydos, die das  Hessische Landesmuseum Darmstadt zur Verfügung gestellt hatte.

Zum ersten Mal wurde eine normalerweise industriell eingesetzte CT-Anlage zum Zwecke der Altertumsforschung verwendet. Die Computertomographie erlaubt die zerstörungsfreie dreidimensionale Untersuchung des Objektes bis in die kleinsten Details und gibt Aufschluss über den Gesamtzustand der Mumie, die Hautoberfläche, Mageninhalt, Sehnen, Organe oder Halswirbelsäule.


Die rund 2.000 Jahre alte Ibis-Mumie neben den ersten Aufnahmen des
Computertomographen bei Audi in Neckarsulm (Foto: obs/Audi AG)

Komplette Pressemitteilung unter presseportal.de



06.10.2006

Mumien-DNA offenbart die "Geburt" einer Plage

Eine noch heute in großen Teilen Afrikas gegenwärtige Krankheit ist offensichtlich bereits in der Antike aufgetreten. Es handelt sich um Leishmaniasis, eine Hautkrankheit, die durch den Stich infizierter Schmetterlingsmücken (Sandflöhe) übertragen wird und an der noch heute weltweit jährlich 500.000 Menschen sterben. Die schlimmste Form der Krankheit, die viszerale (innere) Leishmaniasis, führt unbehandelt in 80 bis 90 % der Fälle zum Tode.

Albert Zink von der Ludwig-Maximilians Universität in München untersuchte die DNA von 91 ägyptischen und 70 nubischen Mumien auf Spuren der Krankheit. Unter den nubischen Toten (sie stammen aus Gräbern um 550 n.Chr.) konnte in neuen Fällen der Parasit festgestellt werden und man nimmt an, dass ihr endemisches Auftreten zumindest bis in diese Zeit zurückreicht, wenn nicht länger. Dafür spricht, dass vier der ägyptischen Mumien aus dem Mittleren Reich (2050 bis 1650 v.Chr.) ebenfalls Spuren des Parasiten in sich trugen. Die Kontakte zum antiken Nubien waren in dieser Zeit besonders eng. Untersuchungen an ägyptischen Mumien aus der Zeit vom Neuen Reich bis zur Spätzeit ergaben keine Hinweise auf Leishmaniasis. Die Ergebnisse stützen die Theorie, dass der historische Ursprung der Krankheit im alten Nubien, dem heutigen Sudan, zu suchen ist.

Scientific American



06.10.2006

Die Geschichte der Kleopatra

Spiegel-online verarbeitet in einem längeren Artikel noch einmal die Geschichte der Kleopatra, die jedoch sicherlich den meisten ohnehin bekannt sein dürfte. Aufschlussreich ist der Hinweis am Ende des Artikels. Es geht um die letzten Stunden der Königin, die der griechische Schriftsteller Plutarch 100 Jahre nach ihrem Tod aufgrund von Aussagen seines Großvaters ausführlich beschrieben hat und damit die Legende vom Tod durch Schlangenbiss begründete. Vom medizinischen Standpunkt aus gesehen, erscheint diese Form der Selbsttötung fraglich. Und auch Plutarch scheint sich nicht sicher zu sein, denn er selbst schreibt in seiner Geschichte, dass den wahren Hergang wohl niemand wisse.