ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Oktober 2008
28. Oktober 2008
König Salomo - Herr des Kupfers?
Archäologen fanden in Südjordanien (ehemals Edom) eine umfangreiche Kupferproduktionsstätte, die gemäß Radiocarbondatierung mindestens 3.000 Jahre alt sein soll. Das hieße, sie wäre zur Zeit der Könige David und Salomo betrieben und, so die Wissenschaftler, auch vom Königshaus kontrolliert worden. Dass an diesem Ort bereits zu so früher Zeit Kupfer produziert wurde, war bisher umstritten. Neben Schlacke u.ä. wurden auch Artefakte aus der Zeit um 1000 v.Chr. gefunden, darunter auch ägyptische Motive, wie ein Skarabäus und ein Amulett. Nach früheren Erkenntnissen hatte die Eisenzeit in Edom erst im 7. vorchristlichen Jahrhundert begonnen. Die Erzverhüttung muss jedoch mindestens 300 Jahre früher stattgefunden haben. Der Fund der Kupferproduktionsstätte bestätigt möglicherweise Berichte der Bibel, nach denen es im Edom der fraglichen Zeit einen Kampf um Bodenschätze gegeben hatte. Die ägyptischen Motive verbinden die Archäologen mit der biblischen Geschichte, Salomo hätte seinen Widersacher Jerobeam töten wollen, woraufhin dieser nach Ägypten, eventuell zu Scheschonk I., floh. "Möglicherweise hat Schischak (Scheschonk) versucht, nach Salomos Tod (928 v. Chr.) die Kupferproduktionsstätte in Edom zu zerstören oder an sich zu bringen, wodurch sich der Produktionsrückgang erklären ließe", heißt es in einem Artikel von wissenschaft-aktuell.
Weiterer Artikel zum gleichen Thema wissenschaft.de

23. Oktober 2008
Geißel der Menschen schon im alten Ägypten: Malaria
Der Pathologe Andreas Nerlich aus München und seine Kollegen fanden bei zwei ägyptischen Mumien aus der Zeit etwa um 1500 v.Chr. Hinweise auf Malariaerkrankungen. Das wären die bisher frühesten bekannten Fälle dieser Krankheit. Die Wissenschaftler untersuchten 91 Proben von Knochengewebe ägyptischer Mumien, die zwischen 2500 und 5500 Jahre alt sind. Bei zwei Probanden konnte die DNA des Malaria-Parasiten Plasmodium falciparum separiert werden. Aufgrund von Überlieferungen war bisher nur vermutet worden, dass es im alten Ägypten bereits Malaria gab. Die Ergebnisse der Pathologen bestätigen nun diese Vermutungen.
discovery
nationalgeographic

19. Oktober 2008
"Der verlorene Tempel des Gottkönigs"
Unter diesem Titel findet sich in spiegelonline ein längerer Artikel über die Grabungen am Tempel von Amenophis' III. in Kom el-Hettan, Theben-West. Inhaltlich ist nicht sehr viel Neues zu erfahren, die Fotostrecke jedoch ist sehenswert.

17. Oktober 2008
Ruinen eines Tempels für Isis und Osiris in Bulgarien freigelegt
Archäologen stießen im Gebiet von Paleokastro am Schwarzen Meer auf Reste eines Tempels. Die Wissenschaftler vermuten, dass es sich um ein Heiligtum für Isis und Osiris handelt und datieren es auf die Mitte des 2. Jahrhunderts n.Chr. Das Bauwerk wurde auf den Resten eines thrakischen Heiligtums errichtet. In diese Gegend gibt es eine Reihe von Monumenten, die mit den beiden ägyptischen Gottheiten in Verbindung gebracht werden können, zum ersten Mal wurde jedoch bei Grabungen ein Tempel  entdeckt. Außer den Gebäuderesten fand man auch Keramikkrüge, Lampen und Münzen.
sofiaecho

16. Oktober 2008
Ägypten "erbt" 71 antike Stücke von einem Briten
Ein britischer Staatsbürger hat vor einigen Jahren Antiquitäten nach England  mitgebracht. Nach seinem Tod äußerten die Erben den Wunsch, sie an Ägypten zurück zu geben. Die Übergabe ist inzwischen erfolgt.
Egypt State Information Service

16. Oktober 2008
Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Universität Hamburg

Hieroglyphen in Hamburg - Erste neue Grammatik des Ptolemäischen seit 100 Jahren

Prof. Dr. Dieter Kurth, emeritierter Leiter des Faches Ägyptologie an der Universität Hamburg, hat den zweiten, abschließenden Teil einer neuen und umfassenden Einführung in die Grammatik des Ptolemäischen fertig gestellt.

Diese Grammatik, deren didaktisch motivierter Aufbau sowohl für das Selbststudium als auch für den akademischen Unterricht geeignet ist, löst nun eine mehr als 100 Jahre alte ptolemäische Grammatik ab.

Das Ptolemäische ist die heilige Sprache der gelehrten Ägypter gewesen, in der vornehmlich die zahlreichen Tempelinschriften der
griechisch-römischen Zeit verfasst sind. Dazu der Autor Prof. Kurth: "Das Ptolemäische ist ein künstliches Idiom priesterlicher
Gelehrsamkeit und hebt sich von allen Sprachstufen des Ägyptischen durch beträchtliche Besonderheiten ab. Das zugehörige Schriftsystem ist in seiner Komplexität geradezu ein Musterbeispiel menschlicher Kreativität und Assoziationsfreude." Das Material für diese Grammatik stammt mehrheitlich aus den Inschriften des Tempels von Edfu. Diese zählen nach Umfang und Inhalt zu den wichtigsten Quellen aus der Zeit der Ptolemäerherrschaft in Ägypten (ab 305 v. Chr.). Sie geben eine überaus reiche Vielfalt von Informationen, unter denen diejenigen zur Religion dominieren, die aber auch die politische Geschichte, die Verwaltung und vieles andere mehr betreffen. Außerdem haben die Inschriften nicht nur für die Zeit eine Bedeutung, in der sie niedergeschrieben wurden, denn in ihnen wird u. a. auch Gedankengut tradiert, das bis in die ältesten Zeiten pharaonischer Geschichte hinabreicht.

Entstanden ist die neue Grammatik im Rahmen des bereits 1986 von Prof. Kurth gegründeten EDFU-Projektes. Hauptziel des Projektes ist es, eine in sich geschlossene, verlässliche Gesamtübersetzung aller Inschriften des Tempels von Edfu anzufertigen. Bis zum Ende des Jahres 2001 konnten für dieses Vorhaben erhebliche Drittmittel von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeworben werden. Seit Anfang 2002 gehört das Projekt zum Programm der AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN ZU GÖTTINGEN mit einer Laufzeit bis 2016.

Weitere Informationen zum Edfu-Projekt unter: www.rrz.uni-hamburg.de/Edfu-Projekt/Edfu.html

Für Rückfragen:
Prof. Dr. Dieter Kurth
Archäologisches Institut
Tel.: 040-428 38-32 09, E-Mail: ar5a017@uni-hamburg.de

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13. Oktober 2008
Der Stein von Rosette und das Kanopus-Dekret

Anstatt wiederholt die Rückgabe des Steins von Rosette zu fordern, meint der ägyptische Forscher Bassam el Shamaa, solle man doch besser nach weiteren  zeitgenössischen Kopien suchen. Gleichlautende Ausgaben des auf dem Stein von Rosette verewigten Dekrets haben im Eingangsbereich aller großen ptolemäischen Tempel gestanden:

Dieses Dekret soll in eine Stele aus hartem Stein in heiligen (d.h. hieroglyphischen) und einheimischen (d.h. demotischen) und griechischen Buchstaben eingemeißelt und in jedem Tempel der ersten, zweiten und dritten [Ordnung] neben dem Standbild des ewig lebenden Königs aufgestellt werden.
(Letzter Satz der Inschrift auf dem Stein von Rosette. Quelle: Carol Andrews "Der Stein von Rosette", 1985)

Insofern wäre es nach Ansicht von el Shamaa ratsam, dort nach weiteren Exemplaren zu suchen.

In die gleiche Gattung gehören außerdem drei ähnliche Stelen: eine aus Tanis (gefunden von Lepsius), eine aus Kom el-Hisn (gefunden von Maspero) sowie der jüngste Fund dieser Art in Tell Basta.
dailystaregypt

13. Oktober 2008
Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der
Eberhard Karls Universität Tübingen

Neue archäologische Entdeckungen im Königspalast von Qatna in Syrien
Neue archäologische Entdeckungen im Königspalast von Qatna in Syrien:
Mehrstöckige Räume, verstürzte Deckenbalken, Tontafeln, und ein Elefant

Die Fortsetzung der archäologischen Ausgrabungen in der historisch höchst bedeutenden bronzezeitlichen Königsstadt Qatna (modern Tell Mishrife, 200 km nördlich von Damaskus) in Syrien hat überraschende neue Ergebnisse erbracht. Seit 1999 gräbt ein deutsch-syrisches Archäologenteam unter der gemeinsamen Leitung von Prof. Dr. Peter Pfälzner und Heike Dohmann-Pfälzner vom Altorientalischen Seminar der Universität Tübingen und Dr. Michel Maqdissi von der Antikendirektion Damaskus im bronzezeitlichen Königspalast von Qatna, der in der Zeit zwischen 1700 und 1340 vor Christus erbaut und benutzt wurde. 2002
waren hier ein wichtiges Keilschrift-Archiv und das berühmte Königsgrab gefunden worden. In der 10. Ausgrabungskampagne von Juli bis September 2008 haben die Tübinger Archäologen den Westflügel des Königspalastes entdeckt und teilweise freigelegt, der durch einen außergewöhnlich guten Erhaltungszustand ausgezeichnet ist. Die architektonischen Untersuchungen sorgten für eine große Überraschung: Das Gebäude muss in diesem Teil ehemals dreistöckig gewesen sein. Das oberste Stockwerk ist durch Erosion zerstört worden. Die beiden unteren Stockwerke aber sind vollständig erhalten geblieben. Die
Mauern aus Lehmziegeln ragen noch bis zu 5,20 Meter auf. Darunter liegen Fundamente von 3,10 Metern Höhe. Zusammengenommen besitzen die Ruinen des Westflügels des Königspalastes eine Höhe von 8,30 Metern. Zum ersten Mal ist in Vorderasien ein derartig gut erhaltenes, mehrstöckiges Lehmziegelgebäude aus der Bronzezeit gefunden worden.

Diese Entdeckung liefert eine Reihe wichtiger neuer Erkenntnisse für die Baugeschichte des Alten Orients. Durchgänge und Türen, Fußböden und Decken haben sich hier in ungewöhnlicher Vollständigkeit erhalten. Teilweise eingestürzte Balkendecken tragen die Fußböden des oberen der beiden erhaltenen Stockwerke, welches bisher ausgegraben worden ist. Einzigartig ist die Aufdeckung von vier in einer Flucht liegenden Türen mit einem jeweils vollständig erhaltenen Bogen aus Lehmziegeln. Sie gehören zu den am besten erhaltenen bronzezeitlichen Bogenkonstruktionen des gesamten Vorderen Orients.

Direkt an den Westflügel angrenzend wird bereits seit mehreren Jahren von den Tübinger Archäologen der voluminöse Palastbrunnen ausgegraben. Jetzt gelang dem Team auch hier eine archäologische Sensation: In 17 Meter Tiefe unter den Palastfußböden wurden in dem weiten Brunnenschacht große Mengen von Feuchtholz gefunden, das bei der Zerstörung des Palastes um 1340 vor Christus in die Tiefe gestürzt war. Die Hölzer wurden in originaler Lage angetroffen, so wie sie
Jahrtausende vorher aufeinander gefallen waren. Aufgrund des feuchten Erdreichs hat sich das bronzezeitliche Holz in fast frisch wirkendem Zustand erhalten. Es fanden sich große Deckenbalken von 5 Metern Länge und 800 kg Gewicht, aber auch Holzdielen und Kanthölzer mit regelmäßigen Zapflöchern. Das Holz muss sowohl von einer zerstörten Balkendecke, als auch von anderen Holzkonstruktionen innerhalb des Raumes stammen. Für die hoch entwickelte altorientalische Zimmermannstechnik vor 3500 Jahren liefern diese im ariden Syrien bisher einmaligen Funde wertvolle neue Erkenntnisse.

Ein Raum des Westflügels des Königspalastes enthielt noch unfangreiche Bestandteile seines ehemaligen Inventars. Dazu gehören Hunderte von Keramikgefäßen, Steinperlen sowie zahlreiche Abrollungen von kunstvoll geschnittenen Siegeln auf Plomben und Verschlüssen von Waren. Besonders wichtig sind drei mit Keilschrift beschriebene Tontafeln. Sie stellen sicherlich Verwaltungsdokumente aus dem Königspalast dar und versprechen nach ihrer Entzifferung wichtige Hinweise auf die
Aktivitäten im Palast zu geben.

Als sensationell kann die Entdeckung von mehreren großen, intakten Knochen eines Elefanten gelten. Sie waren in zwei Räumen des Königspalastes zu einem noch unbekannten Zweck um ca. 1400 vor Christus abgelegt worden. Es handelt sich um den bisher umfangreichsten und vollständigsten archäologischen Fund von Elefantenknochen in Syrien. Diese Entdeckung ist für die Naturgeschichte der heute größtenteils ariden und baumlosen Landschaften Syriens von großer Bedeutung. Die Elefanten müssen während der Bronzezeit in Sümpfen im Tal des Orontes westlich von Qatna gelebt haben. Die Knochen werden jetzt von der Archäozoologin Dr. Emmanuelle Vila (Lyon) zoologisch und gentechnisch untersucht, mit dem Ziel, die Herkunft der syrischen Elefanten zu klären.

Historisch ist dieser Fund mit den Berichten der ägyptischen Pharaonen Thutmosis I (um 1500 v. Chr.) und Thutmosis III. (um 1450 v. Chr.) über die Jagd auf Elefanten in Westsyrien während ihrer dorthin unternommenen Feldzüge zu verbinden. Letzterer berichtet sogar darüber, 120 Elefanten in Westsyrien gejagt und getötet zu haben - unweit von Qatna. Die historischen Berichte und der archäologische Fund stammen aus derselben Zeit. Der Fund in Qatna belegt folglich, dass die propagandistischen Berichte der ägyptischen Herrscher über Elefantenjagden in Syrien auf realen Voraussetzungen beruhen. Außerdem wird durch diese Entdeckung belegt, dass nicht nur die Pharaonen, sondern auch die syrischen Könige in der damaligen Zeit Elefanten jagten. Die Elefantenknochen dürften einst als Jagdtrophäe oder vielleicht auch als eine besondere Mahlzeit in den Königspalast von Qatna gebracht worden sein.

Die Jagden, die in erster Linie dem Erhalt des wertvollen Elfenbeins und auch der Selbstdarstellung der Könige dienten, und insbesondere die ägyptischen Tiermassaker der Späten Bronzezeit führten allerdings zur vollständigen Ausrottung der Elefanten in Syrien. Hiermit wird ein Licht geworfen auf ein frühes Beispiel einer rücksichtslosen Ausrottung einer Großwildart in einer gesamten Region durch eine hoch entwickelte Zivilisation. Der Elefant von Qatna ist deshalb zugleich Sinnbild für die Macht und das Prestige der alten syrischen Könige als auch für einen unverantwortlichen Raubbau an der Umwelt aus Profitgründen.

Original-Pressemitteilung mit Bildmaterial

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Peter Pfälzner, Altorientalisches Seminar, Schloss Hohentübingen, 72070 Tübingen
Tel.: 07071-2976771 - E-Mail: peter.pfaelzner@uni-tuebingen.de

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13. Oktober 2008
Die "neuen Schätze" von Saqqara

Offensichtlich bereits im Frühjahr 2007 fand ein Archäologenteam unter der Leitung von Christiane Ziegler in Saqqara einen ungestörten Grabkomplex aus griechisch-römischer Zeit. Ungeöffnete Särge aus Kartonage, ein Sarkophag aus Kalkstein und bemalte Holzkästen (Uschebtikästen?) gehören zu den Artefakten. Mit dieser Entdeckung ging man scheinbar erst jetzt an die Öffentlichkeit. Recherchen erbrachten keine ältere diesbezügliche Meldung.
CNRS (französisch)
deutsche Übersetzung

09. Oktober 2008
Nicht die Griechen, die Ägypter waren's

Der Autor Bruce Strachan räumt in seinem gerade erschienen Buch "Ancient Egypt - A First Look at People of the Nile" mit einigen Irrtümern auf. Seine Hinweise, dass die westlichen Zivilisationen einen Teil ihres Wissen nur indirekt den Griechen verdanken, sind eigentlich kein Geheimnis, werden jedoch viel zu wenig wahrgenommen. In die griechische Kultur flossen Kenntnisse ein, die diese von den Ägyptern übernommen hatte. Strachan macht dies an einer Reihe von ägyptischen Hinterlassenschaften fest, von landwirtschaftlichen Geräten über Möbel und Bier bis hin zum Washington Monument in Form eines Obelisken.
Daily Nation

06. Oktober 2008
Onlinedatenbank für Papyri

Ein Projekt, das weltweit in verschiedenen Sammlungen lagernde antike Papyri online stellen und für Wissenschaftler unabhängig von ihrem Standort verfügbar machen will, kann mit einer Finanzspritze von 814.000 US$ der Andrew W. Mellon Foundation entwickelt werden. Die Datenbank soll nicht nur Einsichtnahme gewähren, sie soll auch multinational bearbeitet werden können.
dukenews

06. Oktober 2008
Medium als Grabungshelfer?

In der Onlineausgabe der Basler Zeitung erschien eine höchst seltsame Meldung: Mit Hilfe eines Mediums soll nach einem bisher nur bei dem Historiker Herodot (5. Jh. v. Chr.) genauer beschriebenen, jedoch nicht endgültig lokalisierten architektonischen Phänomen gesucht werden, dem "Labyrinth". Dazu Herodot (2, 148): "... Es hat zwölf überdachte Höfe, je zwei liegen einander gegenüber, sechs nach Norden, sechs nach Süden, alle stoßen unmittelbar aneinander. Rings herum läuft eine einzige Mauer. Zwei Arten von Kammern sind in dem Gebäude, unterirdische und oberirdische, zusammen dreitausend Kammern, nämlich je fünfzehnhundert..." Es wird vermutet, dass es sich bei Herodots Labyrinth um die Bebauung rings um die Pyramide von Amenemhet III. in Hawara handelt, die allerdings wohl eher aus der Saitenzeit stammt, also nicht zeitgenössisch ist. Sie ähnelt heute einer Mondlandschaft (Foto). Prinzipiell ist es löblich, nun mit modernen Methoden und Geophysik nach unterirdischen Kammern zu suchen; dies scheint inzwischen auch geschehen zu sein und offensichtlich mit Erfolg versprechenden Ergebnissen. Dass dabei jedoch nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Esoterik in Person eines Mediums zum Zuge kommt, lässt das Ganze in einem zweifelhaften Licht erscheinen. Und dass die ägyptische Antikenverwaltung vor diesem Hintergrund eine Grabungsgenehmigung erteilt, wie es in der Zeitungsmeldung heißt, ist mehr als verwunderlich.

02. Oktober 2008
Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Freie Universität Berlin
Open-Access-Tage an der Freien Universität Berlin

Am 9. und 10. Oktober finden an der Freien Universität Berlin die Open-Access-Tage statt, die gemeinsam von der Helmholtz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Freien Universität Berlin getragen werden. Zeitgleich werden auf einer Messe Dienstleistungen und Projekte zu Open Access vorgestellt. Die Veranstaltung wird durch das Center für Digitale Systeme der Freien Univer-sität Berlin (CeDiS) im Rahmen des DFG-geförderten Projekts "Informationsplattform open-
access.net" koordiniert. Die Open-Access-Bewegung plädiert für den kostenlosen weltweiten Zugang zu wissenschaftlichen Informationen im Internet. Open Access bietet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern praktische Vorteile, zum Beispiel erhöhte Sichtbarkeit und höhere Zitationsraten ihrer Publikationen sowie den schnellen und uneingeschränkten Zugang zu Informationen. Außerdem stellt Open Access sicher, dass die neuesten wissenschaftlichen Informationen überall auf der Welt, unabhängig von der finanziellen Ausstattung der Forschungsinstitute, genutzt werden können. Alle großen Wissenschafts- organisationen, viele Hochschulen sowie Forschungsförderer und etliche Verlage in Deutschland fördern den Open-Access-Gedanken. Auf den Open-Access-Tagen werden Themen behandelt wie Autorenrechte, Zugang zu Forschungsdaten, rechtliche Fragen bei der institutionellen Verankerung von Open Access sowie Herausforderungen bei Gründung und Betrieb von Open-Access-Zeitschriften, -Repositorien und -Universitätsverlagen.

Weitere Informationen finden Sie unter http://open-access.net/de/austausch/openaccesstage/ankuendigung/
Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie unter: http://idw-online.de/pages/de/news281046
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01. Oktober 2008
Erste Ergebnisse der spanischen Mission vom Qubbet el-Hawa

Im Juni wurde berichtet, dass Alejandro Serrano-Jimenez von der Universidad de Jaén eine einmonatige Grabungskampagne am Qubbet el-Hawa in Aswan durchführt. Nun liegen erste Ergebnisse vor. Zunächst wurden die geologischen Voraussetzungen  im Umfeld von Grab Nr. 33 untersucht und kartografisch aufgenommen, u.a. um festzustellen, wie einsturzgefährdet die Anlage möglicherweise ist. Bei einer Zerstörung könnten wichtige Zeugnisse aus bis zu 4.200 Jahren Geschichte verloren gehen. Gleichzeitig führte man außerhalb der Anlage Grabungen durch und stieß auf Keramik aus unterschiedlichen Perioden (Mittleres Reich, Neues Reich, Koptische Zeit) sowie auf eine Begräbnisstele aus persischer Zeit, Reste von Mumien und Fragmente von Stein- und Holzsärgen. Die Forscher hoffen, auch im Inneren des Grabes noch fündig zu werden. Dort befindet sich noch eine archäologische Schicht von mindestens 2 m, die im nächsten Jahr ausgegraben werden soll. Weiterhin scheint es innerhalb des Grabes einen Schacht von mehr als 10 m Tiefe zu geben, an dessen Ende die Forscher auf das Begräbnis des Grabherrn, eines Gouverneurs der Provinz Aswan, zu stoßen hoffen; ob es ungestört ist, lässt sich in voraus nicht sagen. Man hat jedoch bereits diesmal eine "große Entdeckung" gemacht, die auf Wunsch der ägyptischen Antikenbehörde noch nicht publiziert werden darf, da noch weitere und genauere Untersuchungen erforderlich sind.

 

Es ist ein großes Glück für die Wissenschaft, dass wieder Grabungslizenzen für den Qubbet el-Hawa vergeben werden. Momentan stehen dort die meisten Gräber offen und sind zugänglich für jeden Besucher. Man stößt dort unweigerlich auf Zeugnisse der Vergangenheit, die noch auf ihre Erforschung warten, wie die obigen Fotos (links Reste von Pfosten eines Holzsarges, rechts Füße einer Mumie) aus solchen frei zugänglichen Gräbern zeigen.

ideal.es (in spanischer Sprache)