ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Oktober 2009
31. Oktober 2009
Kein Ruhestand für Zahi Hawass
Durch seine Ernennung zum Vizeminister für Kultur entgeht Zahi Hawass dem nach den Pensionsregeln des SCA vorgeschriebenen Ruhestand im nächsten Jahr. Sowohl für Minister als auch für Vizeminister gilt für die Pensionierung keine Altersobergrenze. Auf seiner Homepage schreibt Hawass, dass er sich freue, seine Aktivitäten weiterzuführen und seine Projekte nicht abgeben zu müssen.
Egypt State Information Service
drhawass

29. Oktober 2009
Babylonische Siegelabrollung in Tell el-Dab'a gefunden
Nach den erst kürzlich gemeldeten (siehe Beitrag vom 25.05.2009) ist den österreichischen Ausgräbern von Auaris wieder ein spektakulärer Fund gelungen. Dieses Mal stießen sie auf eine babylonische Siegelabrollung aus dem 2. Jahrtausend v.Chr.- neben der im Mai gefundenen Keilschrifttafel ein weiterer Beleg für frühe Kontakte zwischen den Hyksos-Ansiedlungen in Ägypten und Babylon.
Die Funde von Tell el-Dab'a sollen künftig auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zu diesem Zweck ist geplant, eine Museum vor Ort zu errichten, das teilweise von den Ägyptern, teilweise durch Sponsoren finanziert werden soll.
kleinezeitung
derstandard (mit Foto)
diepresse (mit Foto)

27. Oktober 2009
Metropolitan Museum gibt Artefakt an Ägypten
Ein Fragment eines granitenen Naos'  - durch das Metropolitan Museum von einem privaten Sammler erworben - wurde an die ägyptische Antikenbehörde übergeben. Der SCA lobt die Aktion. Es sei das erste Mal, dass ein Museum ein Stück ankauft, eigens zu dem Zweck, es an die Ägypter zurückzugeben. Das Fragment stammt von einem Naos Amenemhets I., der sich im Tempel des Ptah in Karnak befindet.
AP
drhawass (mit Foto)
dailystar

26. Oktober 2009
Wissenschaftlerstreit um Artemidor-Papyrus
Die Echtheit des rund 2 m langen Artemidor-Papyrus wird von dem italienischen Philologen Luciano Canfora angezweifelt. Seiner Meinung nach handelt es sich dabei nicht, wie es der landläufigen wissenschaftlichen Meinung entspricht, um ein Dokument des Artemidoros von Ephesos (100 v. Chr)., sondern um die geniale Fälschung  eines Konstantinos Simonides aus dem 19. Jahrhundert, der für entsprechende Arbeiten bekannt ist. Der beidseitig beschriftete Papyrus enthält außer Textpassagen eine unvollendete Landkarte von Spanien sowie eine Ansammlung von Zeichnungen verschiedener Tiere und Fabelwesen.





Ausschnitte aus dem Artemidor-Papyrus:

Schrift- und Zeichnungselemente (o.links)

Tierdarstellungen (o. rechts)

Nur sehr schwach erkennbare Zeichnung der Landkarte von Spanien (links)






faz

23. Oktober 2009
Schweizer Mumifizierungen
Das Anatomische Institut der Universität Zürich hat einen ägyptischen Mumifizierungsprozess nachvollzogen. Ein Bein einer kürzlich verstorbenen Frau wurden nach der Überlieferung des antiken Historikers Herodot balsamiert. Trotz der Einhaltung der nach dem alten Rezept vorgeschriebenen Aktionen, vor allem das Dehydrieren mit Natron für 70 Tage, wies das Gewebe am Ende noch Feuchtigkeit auf. Man führt dies vor allem auf die klimatischen Unterschiede zwischen der Schweiz und Ägypten zurück und ist trotzdem mit den Forschungsergebnissen zufrieden. Zur Mumifizierung des zweiten menschlichen Beins wurde in einer Wärmekammer das natürliche Austrocknen im Wüstensand simuliert. Auch diese Art der Mumifizierung ist aus Ägyptern bekannt. Hier stellte sich kein Erfolg ein; das Gewebe zersetzte sich.
Einen ähnlichen Mumifizierungsversuch, allerdings an einem kompletten Körper, hat bereits vor mehr als zwanzig Jahren der britische Ägyptologe Bob Brier durchgeführt. Dieser mumifizierte Leichnam ist bei Wissenschaftlern begehrt, um verschiedene Techniken z.B. der Gewebeentnahme zu üben zu können, ohne dafür antike Originale anzutasten.
spiegel

19. Oktober 2009
Grabenbrüche und Grundwasser gefährden Gräber im Tal der Könige
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse von Geologen lassen darauf schließen, dass die Ägypter einige der Königsgräber an Bruchtrassen ausgerichtet haben. Wahrscheinlich war es hier am einfachsten, einerseits um nach Wasser zu bohren und andererseits um die Grabkammern in den Fels zu treiben. Diese Grabenbrüche sind an der Oberfläche auszumachen; sie können eine Breite von 1,50 bis 12 m aufweisen, bei einer Länge von bis zu 1,7 km. Geologen haben daraufhin 33 der 63 bekannten Gräber untersucht. Neun Gräber wurde von innen und außen im Detail fotografisch und kartografisch dokumentiert, weitere neun sind einer vorläufigen Untersuchung unterzogen worden und 14 Gräber stehen noch auf der Liste. Von den 63 Gräbern wurden 30 ausgemacht, die sich an Grabenbrüchen befinden; zwei wurden diagonal  und eines vollkommen abseits dieser geologischen Struktur angelegt. Die Bruchtrassen bergen große Gefahren, insbesondere von Wassereinbrüchen. Bisher hat man Belege für sieben Schadensereignisse dieser Art in vier Gräbern gefunden. Archäologen bemühen sich seit einiger Zeit nach Kräften, Sturzfluten von den Gräbern wegzuleiten. Bei Regen kann jedoch das Wasser auch durch das brüchtige Gestein in die Grabkammern eindringen und große Schäden an Wand- und Deckendekoration anrichten. So könnte es passieren, dass die durch moderne Präventionsmaßnahmen von den Grabeingängen abgeleiteten Sturzfluten in eine Region mit brüchigem Gestein geleitet werden, so dass in der Folge an anderer Stelle Schäden entstehen. Mit der eingehenden Untersuchung der Topografie und der Beschaffenheit des Fels kann zu einer passgenaueren Anbringung von Flutgräben beigetragen werden. Die Ergebnisse dienen auch Archäologen als Hilfsmittel, um mögliche bisher unbekannte Gräber auszumachen.
heritage-key

18. Oktober 2009
Zahn eines mumifizierten Kopfes dient DNA-Test
Um die Identität eines 4.000 Jahre alten Leichnams, von dem nur der Kopf existiert, festzustellen, wurde ihm ein Zahn entnommen; die darin eingeschlossene DNA soll einer Untersuchung unterzogen werden. Der Kopf war neben anderen Artefakten 1915 bei Ausgrabungen im Grab des Djehutinacht (Deir el-Berscha)  gefunden und in das Museum of Fine Arts nach Boston verbracht worden. Die Zahnentnahme erfolgte durch einen Neurochirurgen des Massachusetts General Hospital. Die Entnahme und Untersuchung von Hautproben hatte bisher zu keinem Ergebnis geführt, Zähne jedoch erweisen sich meist als gute Bewahrer von Erbmaterial, da es dort auch über einen langen Zeitraum am besten geschützt ist. Deshalb hofft man, genügend DNA extrahieren zu können, um Erkenntnisse zum Geschlecht der oder des Verstorbenen zu gewinnen - und vielleicht sogar noch mehr.
boston
presstv (mit Foto)

15. Oktober 2009
70 % Sicherheit bei altägyptischem Schwangerschaftstest
Nach Niederschriften aus medizinischen Papyri kannten die Ägypter bereits eine Methode, um festzustellen, ob eine Frau schwanger ist. Zu diesem Zweck wurden Getreidekörner (Gerste und Emmer) mit dem Urin der Frau versetzt. Im Pap. Berlin heisst es: "Wenn sie wachsen insgesamt, so wird sie gebären. Wenn die Gerste wächst, so bedeutet das einen Knaben. Wenn der Emmer wächst, so bedeutet das eine Frau. Wenn sie nicht wachsen, so wird sie nicht gebären." (Quelle: W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, 1999). Eine moderne Testreihe dieser Methode aus dem Jahre 1963 ergab bei der Beantwortung der Frage, ob eine Schwangerschaft vorliegt oder nicht, eine Trefferquote von 70 %. Des Rätsels Lösung ist die Höhe der Hormonanteile im Urin. Das Geschlecht des Kindes läßt sich auf diese Weise allerdings nicht vorhersagen.
groundreport

15. Oktober 2009
Heiliger See im Mut-Tempel von Tanis freigelegt
Im Tempelbezirk von Tanis haben Archäologen die Reste eines zweiten Heiligen Sees (der erste war bereits von frühen Tanis-Ausgräbern entdeckt worden) freigelegt. Er gehörte zum Tempel der Mut (Blog der Tanis-Grabung) und war 15 m lang und 12 m breit. Die Wissenschaftler stießen in 12 m Grabungstiefe auf die zum See gehörigen Ruinen aus Kalksteinblöcken; sie sind in gutem Erhaltungszustand.
reuters

14. Oktober 2009
Auswirkungen des Vulkanausbruchs von Santorin im Umkreis von 1.000 km
Der gewaltige Ausbruch des Vulkans von Thera vor über 3.000 Jahren, der der Insel Santorin ihre heutige Form gab, hatte weit reichende Auswirkungen, und zwar im wahrsten Sinne. An der Mittelmeerküste Israels fanden israelische Forscher Spuren eines mit der Eruption einher gehenden Tsunamis. Bei Kernbohrungen wurden Jahrtausende alte, über 30 cm dicke Sedimentablagerungen gefunden, die hauptsächlich aus Sand und Gesteinspartikeln bestehen. Da diese Rückstände zu schwer sind, um durch Stürme an die Küste gespült zu werden, müssen immense Kräfte am Werk gewesen sein, die auf einen Tsunami schließen lassen. Die Wissenschaftler sind sicher, dass die Katastrophe sich als Folge des Thera-Ausbruchs ereignete, der auf die Zeit zwischen 1630 und 1550 v.Chr. datiert wird. Große Küstenbereiche Israels dürften dabei im Meer versunken sein. Das wäre auch eine Erklärung, weshalb in dieser Gegend nur wenig archäologische Zeugnisse aus der Zeit nach dem Ausbruch aufgetaucht sind. Nun sollen auch die Böden auf Kreta und in der Westtürkei auf die gleiche Weise untersucht werden. Hier müssten die Verwüstungen nach dem Ereignis noch verheerender gewesen sein.
epoc

14. Oktober 2009
"Battle of the Louvre"

So titelt eine weitere Pressemitteilung auf der Homepage von Zahi Hawass. Er schildert noch einmal die inzwischen bekannten Umstände, unter denen die Fragmente in den Louvre gelangt sind. Er weist darauf hin, dass die Stücke bereits im Mai 2008 in der Sammlung des Louvre entdeckt worden seien. Erstmals werden auch Abbildungen von zwei der Objekte gezeigt sowie ein Foto des noch unbeschädigten Teilstückes der Grabwand.
Das Foto links zeigt ebenfalls eine vollständige Wand, wie sie sich Howard Carter Anfang des 20. Jahrhunderts präsentierte (Quelle: "Five Years' Exploration at Thebes", 1912, siehe Hinweis im Beitrag vom 09.10.2009). Der weiße Rahmen markiert eines der später herausgebrochenen Stücke.



13. Oktober 2009
Interview mit Zahi Hawass im Berliner "Tagesspiegel"
Der Einladung zur Eröffnung des Neuen Museums in Berlin am 16.10.2009 wird er nicht folgen, sagt Hawass in diesem Interview. Zum Fall Nofretete zeigt er sich nach wie vor überzeugt, dass die Büste illegal nach Deutschland gekommen ist. Man sei dabei, die Dokumente zusammenzutragen, um die damaligen Umstände zu belegen. Er werde sich in Kürze dazu äußern. Hawass zeigte sich auch verärgert, dass nach wie vor keine Einigung erzielt werden konnte, das Stück als Leihgabe zur Eröffnung des Grand Egyptian Museums in Giza (2013) zu erhalten. Hinsichtlich des Streits mit dem Louvre bekräftigt Hawass noch einmal, dass man dort bewusst gestohlene Artefakte angekauft hätte (im Tagesspiegel-Artikel wird der Ankauf in die 1980er Jahre gelegt - ein Irrtum seitens des Journalisten). Eine ähnliche Handlungsweise des SCA wie gegenüber dem Louvre schließt Hawass für Deutschland aus.
tagesspiegel

13. Oktober 2009
Das "zweite Gesicht" der Nofretete
Die Büste der Nofretete war im Jahre 2007 einer CT-Untersuchung unterzogen worden (siehe Beitrag vom 31.03.2009). Spezialisten der Berliner Charité hatten herausgefunden, dass sich unter der bemalten Stuckschicht ein Kalksteinkern befindet, der bereits die Züge der Königin trägt, die jedoch mit Hife der Stuckauflage noch einmal korrigiert worden seien. Dieser Deutung widerspricht die Bundesanstalt für Materialforschung. Es sei gar nicht möglich, anhand von CT-Aufnahmen die genaue Form des Kalsteinkerns zu erkennen, da Stuck und Stein ähnlich durchlässig seien. Der von den Charité-Forschern gewählte Schwellenwert für die Berechnungen sei willkürlich gewählt worden und die Ergebnisse seien deshalb nicht aussagekräftig. Die Charité weist dies zurück.
berlinonline
Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung der Technischen Universität Berlin
13.10.2009
Architekturführer zum Neuen Museum Berlin erschienen
Pünktlich zur Eröffnung des Neuen Museums Berlin am 16. Oktober 2009 erscheint der Architekturführer "Neues Museum Berlin" zur Geschichte und Auferstehung des Bauwerkes. Autor ist Adrian von Buttlar, Professor für Kunstgeschichte an der TU Berlin und von 1996 bis zum Juli 2009 Vorsitzender des Landesdenkmalrates Berlin.
Herzstück des Architekturführers ist ein Rundgang um und durch das Baudenkmal, auf dem Adrian von Buttlar sowohl das äußere
Erscheinungsbild des Museums, als auch sein Inneres mit seinen Höfen und Sälen akribisch nachzeichnet, in denen heute wieder die Bestände des Ägyptischen Museums und des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Öffentlichkeit gezeigt werden. Die detaillierten Erläuterungen verbunden mit einer reichen Bebilderung führen das Gebäude nicht nur in seiner alten und modernen Pracht vor Augen, sie sind vor allem Quelle des Genusses und Verständnisses für die meisterhafte architektonische Restaurierung und ergänzende Wiederherstellung des Neuen Museums - ganz im Sinne der Inschrift am Westgiebel des Gebäudes. In goldenen Lettern steht dort: ARTEM NON ODIT NISI IGNARUS - Die Kunst verachtet nur der Ungebildete.
In dem der Vorstellung der Ausstellungsräume vorangestellten Kapitel zur Geschichte und Bedeutung des Museums würdigt Adrian von Buttlar den von Friedrich August Stüler zwischen 1843 und 1859 errichteten Kunsttempel als ein bereits damals außergewöhnliches und modernes Bauwerk sowohl hinsichtlich seiner Konzeption als Gesamtkunstwerk aus Architektur, künstlerischer Ausschmückung und ausgestellten Kunstwerken als auch hinsichtlich der Anwendung modernster Bautechniken. Ausführlich erläutert er die denkmalpflegerische Philosophie des englischen Architekten David Chipperfield zur Restaurierung des Gebäudes, das im  2. Weltkrieg durch einen Bombentreffer stark zerstört wurde und in der DDR-Zeit weiter verfiel. Chipperfields "Synthese der Gegensätze, bei der Geschichte und Gegenwart zu einer spannungsvollen Einheit verschmelzen", erreiche "im Neuen Museum eine spektakuläre und innovative Qualität" schreibt von Buttlar.
Ein großes Verdienst dieses Architekturführers ist es, dass es Adrian von Buttlar bei der Beschreibung des Museums immer darum geht zu zeigen, wo und wie sich diese "Synthese der Gegensätze" widerspiegelt, welche Lösungen Architekten, Restauratoren und Museumsfachleute unter Leitung Chipperfields gefunden haben, das zerstörte Museum wieder aufzubauen - nicht als "detailgenaue Replik", aber stets das historische Bauwerk vor Augen. In seiner Laudatio resümiert von Buttlar: Die "tradierte historische Substanz" des Museums und "seine künstlerische Idee wurden soweit wie möglich bewahrt und dennoch in eine neue Identität überführt. Diese Vergegenwärtigung des Baudenkmals entspricht nicht zuletzt der aktuellen museologischen Auffassung von Wert, Bedeutung und Vermittlung der im Neuen Museum präsentierten Kunstwerke und Sinnhorizonte".

Adrian von Buttlar, Neues Museum Berlin - Architekturführer, Hrsg. von den Staatlichen Museen zu Berlin, Deutscher Kunstverlag 2009, 104 Seiten mit 55 farbigen und zehn schwarzweißen Abbildungen, 12 Euro, ISBN: 978-3-422-06889-6

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. Adrian von Buttlar, Institut für Geschichte und Kunstgeschichte der TU Berlin,
Straße des 17. Juni 150/152, 10623 Berlin, Tel.: 030/314-25014, -23232, Fax: -23844, E-Mail: buttlar@tu-berlin.de
Die Medieninformation zum Download: www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter: http://idw-online.de/pages/de/news338598

Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw - http://idw-online.de 


09. Oktober 2009
Sarg aus den USA geht zurück nach Ägypten
Im März dieses Jahres wurde in den Medien über die Konfiszierung eines in Miami befindlichen Sarges berichtet (siehe Beitrag vom 22.03.2009). Die amerikanische Bundesstaatsanwaltschaft hat nun entschieden, dass der Sarg nach Ägypten zurückgefürt wird.
latimes

09. Oktober 2009
Louvre gibt Wandfragmente zurück
Die Teilnehmer der unten erwähnten Sitzung haben entschieden, die strittigen Wandfragmente nach Ägypten zurückzuführen. Damit scheint der Streit beigelegt und der Wiederaufnahme der wissenschaftlichen Zusammenarbeit des SCA mit dem Louvre dürfte nichts mehr im Wege zu stehen.
AFP
derstandard
bazonline
diepresse

In seiner Pressemitteilung vom 10.10.2009 vertritt Zahi Hawass die Auffassung, der Louvre hätte die Stücke angekauft, obwohl man dort wohl wusste, dass es sich um Diebesgut handelt. Der Louvre dagegen führt in allen Medien aus, man habe beim Erwerb in gutem Glauben gehandelt. In Hawass' Mitteilung heißt es weiter, man habe bis Anfang des Jahres überhaupt keine Kenntnis davon gehabt, dass das Grab (des Tetiky) geplündert worden war. Dies hätte erst eine deutsche Grabungsmission bei ihren Arbeiten im Januar 2009 festgestellt. Es wird außerdem darauf hingewiesen, dass dies nicht das erste Mal sei, dass der SCA drastische Maßnahmen gegenüber internationalen Instituten ergriffen hat. Ähnlich wie dem Louvre sei es auch dem Saint Louis Art Museum ergangen, das die Maske der Ka-nefer-nefer (siehe Beitrag vom 23.11.2008) ebenfalls illegal erworben haben soll. Auch mit dem Ashmolean Museum in Oxford sowie dem Royal Museum of Fine Art in Brüssel habe man die Beziehungen aus gleichem Grunde abgebrochen. Verschiedene ausländische Grabungsmissionen dürften in Ägypten nicht mehr arbeiten, weil sie nachweislich in dubiose Antiquitätengeschäfte verwickelt gewesen sein sollen.

Inzwischen ist auch das Thema der leihweisen Überlassung des Steins von Rosettes - er befindet sich im British Museum - wieder in den Fokus gerückt. Hawass teilte dem telegraph mit, hier sei der Fall jedoch anders gelagert als beim Streit mit dem Louvre. Großbritannien würde das Stück nach Ausstellung im derzeit im Bau befindlichen Grand Egyptian Museum (Eröffnung 2013) zurück erhalten. Würde der Stein von Rosette allerdings den Ägyptern übereignet werden, würde man sich dort hinsichtlich der Kompensation mit anderen Artefakten großzügig zeigen.

Das Beispiel Ägyptens scheint Schule zu machen, denn inzwischen haben iranische Kulturbehörden dem British Museum die Zusammenarbeit aufgekündigt, weil das Museum nicht bereit ist, einen mit Keilschrift versehenen Zylinder aus der Zeit von Cyrus II. als Leihgabe in den Iran zu senden (presstv).

09. Oktober 2009
SCA vs Louvre
Die Auseinandersetzungen zwischen dem SCA und dem Louvre (siehe Beitrag vom 03.10.2009) haben inzwischen unzählige Medien aufgegriffen. Der SCA hat im Zuge seiner Rückgabeforderung nicht nur eine in Zusammenarbeit mit dem Louvre geplante Konferenz abgesagt, er hat auch die Grabungsarbeiten des Pariser Museums in Saqqara zunächst ausgesetzt. Die Lizenzfreigabe wird von der Erfüllung der Forderungen abhängig gemacht - eine sicher sehr wirkungsvolle, unter Umständen jedoch etwas fragwürdige Maßnahme. Diese Handhabung dürfte viele in Ägypten tätige internationale Grabungsmissionen nachdenklich stimmen.

Der französische Minister für Kultur und Kommunikation, Frédéric Mitterand, ließ verlauten, er unterstütze die Rückgabe der in den Jahren 2000 und 2003 vom Louvre in gutem Glauben erworbenen fünf Wandfragmente. Sie sollen in den 1980er Jahren aus einem Grab gebrochen und illegal außer Landes gebracht worden sein. Für den heutigen Tag ist eine Sitzung der Commission scientifique nationale des musées de France zur Klärung der Herkunft und der Rückgabebedingungen einberufen worden. Wenn hier ein positives Ergebnis erzielt wird, sollen die Stücke ohne Zeitverzögerung zurückgegeben werden.

Wegen der Fülle der Medienberichte habe ich für die Verlinkung lediglich eine Auswahl treffen können:
AP
AFP
AFP
nytimes
washingtonpost
Al-Ahram Hebdo zur Aussetzung der Grabungslizenz für den Louvre (französisch)
Al-Ahram Hebdo zur Aussetzung der Grabungslizenz für den Louvre (deutsch per Google-Übersetzer)
Mitteilung des französischen Ministeriums für Kultur und Kommunikation (französisch)
Mitteilung des französischen Ministeriums für Kultur und Kommunikation (deutsch per Google-Übersetzer)

Bei dem beraubten Grab handelt es sich um TT 15, die letzte Ruhestätte des Königssohnes Tetiky aus der frühen 18. Dynastie. Das Areal war bereits in den Jahren 1907 bis 1911 von Howard Carter mit Unterstützung von Lord Carnavon ausgegraben wurden. Die Publikation zu den Grabungskampagnen "Five Years' Exploration at Thebes" erschien 1912 und ist beim Internet Archive online abrufbar. Sie ist auch die Quelle der nachstehenden Fotos. Bisher wurde nicht bekanntgegeben, welche Wandfragmente sich heute im Louvre befinden. Die Abbildungen auf den Fotos sind daher nur als Beispiele anzusehen und stehen in keinem Zusammenhang mit den strittigen Fragmenten.


08. Oktober 2009
Die vermeintliche Marmor-Statue Alexanders des Großen
Der Egypt State Information Service teilt unter heutigem Datum mit, es sei eine Marmor-Statue in den Schallalat Gardens gefunden worden, die Alexander den Großen zeigen soll. Hierbei dürfte es sich um dieselbe Statue handeln, über die bereits im Mai dieses Jahres berichtet wurde (siehe Beitrag vom 10.05.2009) und die auch Zahi Hawass auf seiner Homepage noch einmal vorstellt unter dem Titel Museums in Alexandria

05. Oktober 2009
Zahi Hawass unter Beschuss
Ein offensichlich bereits seit langem schwelender Streit innerhalb des SCA hat nun die Menschenrechtsorganisation Arabic Network for Human Rights Information (ANHRI) auf den Plan gerufen. Der ägyptische Wissenschaftler Ahmad.Saleh  fühlt sich von der Leitung des SCA unterdrückt, weil er Statements von Zahi Hawass öffentlich kritisiert hatte. Das ANHRI hat beschlossen, Saleh zu verteidigen und sein Recht darauf, wissenschaftliche Aussagen von öffentlichem Interesse auch im Widerspruch zu Hawass zu treffen. Letzterer wird als "eigenwilliger, egozentrischer Charakter mit sektiererischem Geist" bezeichnet, der Kritiker mundtot mache. Er soll eine Medienkampagne gegen Saleh gestartet haben, die für diesen Reputationsverlust und Gehaltseinbußen zur Folge hatten. Hawass hingegen sieht dies anders. Die Vorwürfe gegen ihn würden aus gekränkter Eitelkeit erhoben.
themedialine
Pressemitteilung des ANHRI
Es ist nicht das erste Mal, dass Zahi Hawass unwissenschaftliche Methoden vorgeworfen werden, wie u.a. auch dieser Artikel der timesonline aus dem Jahre 2005 belegt.

05. Oktober 2009
Internationale Ägyptologen Konferenz in Moskau
Der Heritage Key  bringt in seinem Blog einen Bericht über die viertägige Veranstaltung der "First international Egyptological conference in Moscow, Russia", auf der sich Ägyptologen von internationalem Rang trafen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich in dem Bericht eine ganze Reihe illustrer Namen finden.

05. Oktober 2009
Anti-Aging im Alten Ägypten
Dass die Kenntnisse der alten Ägypter bis heute nichts von ihrer Faszination und von ihrer Großartigkeit verloren haben, ist eigentlich eine Binsenweisheit. Als weitere Ehrerbietung darf man wohl ansehen, dass die Österreichische Anti-Aging-Gesellschaft in Kürze eine medizinisch-kulturelle Forbildungsreise (Anti-Aging-Medizin auf den Spuren der Pharaonen) nach Ägypten unternimmt und ihren Anti-Aging Kongress direkt vor Ort abhält.
diepresse

04. Oktober 2009
KV 63 - Homepage aktualisiert
Das zum Ende der letzten Grabungssaison zunächst geschlossene Grabungstagebuch von Otto Schaden (siehe dazu Beitrag vom 15.04.2009) ist wieder "geöffnet". Schaden berichtet, dass es in letzter Zeit eine ganze Reihe an Publikationen zu den dort gemachten Funden gegeben hätte. Für die kommende Grabungssaison im nächsten Jahr habe man inzwischen alle erforderlichen Unterlagen (Projekt- und Sicherheitspapiere) beim SCA eingereicht. Momentan wird daran gearbeitet, Terminpläne zu erarbeiten und zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten zu eruieren. Letzteres ist, wie bei allen Grabungsprojekten, von außerordentlicher Bedeutung. Die kommende Grabungssaison scheint finanziell einigermaßen gesichert, zumal der Personalaufwand dieses Mal geringer ausfallen kann als in den Vorjahren, als Grabungs-, Sicherungs- und Konservierungsmaßnahmen in höherem Maße vonnöten waren. Zwar werde man nicht ohne Konservatoren auskommen, schreibt Schaden, jedoch sei die kommende Saison in der Hauptsache dem Studium der Funde (Keramik, Lehmziegel, Abdrücke usw.) gewidmet. Die Finanzdecke sei jedoch nicht üppig. Ein spezieller Kommentar Schadens gilt Siegelabdrücken aus KV 63. Einer zeigt den Thronnamen Thutmosis' III. Dies sei wohl als spezielle Verehrung dieses Königs auch noch lange nach seiner Regierungszeit anzusehen. Ein unvollständiger Siegelabdruck lässt Rückschlüsse auf verschiedene Könige zu, darunter Tutanchamun und Eje, die am besten in den Kontext des Grabungsbefundes passen. Die Fotogalerie der Homepage ist um eine ganze Reihe aktueller Abbildungen ergänzt worden.
Anlässlich der Eröffnung des Carter-Hauses in Theben-West (siehe Beitrag vom 11.07.2009)  Anfang November wird in Luxor eine Konferenz des SCA stattfinden “The Valley of the Kings Since Carter”. Schaden wird einen Vortrag halten mit dem Titel “The West Valley and Amenmesse Projects (1971-2009)” .  Als weitere Referenten werden Earl Ertman mit “Select Figurative Ostraca from the area of Amenmesse Project, Valley of the Kings” und Salima Ikram mit “Princes and Pets: Animal Mummies in the Valley of the Kings”  genannt.
Die Künstlerin Susan Osgood, die an den Grabungskampagnen von KV 63 als Zeichnerin teilgenommen hatte, wird ihre Arbeiten demnächst in Deutschland zeigen. Die Ausstellung
84 Years After Tutankhamun: The Latest Discovery in the Valley of the Kings and the Egyptological Art of Susan Osgood” wird von November 2009 bis Juni 2010 im Ägyptischen Museum der Universität Bonn und anschließend von Juli bis Oktober 2010 im Kestner Museum Hannover zu sehen sein (Susan Osgood).
KV63


03. Oktober 2009
Disput zwischen SCA und Louvre
Schon Ende September hatte Zahi Hawass dem Louvre gedroht, ihm die wissenschaftliche Zusammenarbeit aufzukündigen, falls man dort der Rückgabe von fünf nach Meinung des SCA gestohlenen Reliefs nicht zustimmt. Diese Drohung wurde nun umgesetzt. Wie der Egypt State Information Service meldet, wird die Zusammenarbeit mit dem Louvre auf Eis gelegt, bis die Reliefs herausgegeben werden. Als erste Konsequenz wurde in der vergangenen Woche der früheren Direktorin des Louvre, Christiane Ziegler, verwehrt, in Ägypten einen Vortrag zu halten.

01. Oktober 2009
Österreichisches Archäologisches Institut unter neuer Führung
Zur Leiterin des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) wurde die Kärtner Archäologin Sabine Ladstätter ernannt. Die Zweigstelle des ÖAI in Kairo steht ab sofort unter der Leitung von Irene Forstner-Müller, die damit die Nachfolge von Manfred Bietak antritt, der zum 30.09.2009 altersbedingt aus dem Amt schied. Forstner-Müller ist bereits seit einigen Jahren Stellvertreterin Bietaks und seit 1991 u.a. auch an dessen Grabungsprojekt in Tell el-Dab'a beteiligt.
ots

01. Oktober 2009
Irtyersenu starb an Lungen-Tuberkulose
Die im Januar 2009 (siehe Beitrag vom 01.01.2009) angekündigten Untersuchungsergebnisse an der Mumie der Irtyersenu aus dem frühen 6. Jahrhundert v. Chr. liegen nun vor. In der Meldung vom Januar war darauf hingewiesen worden, dass außer dem bereits bekannten, aber nicht tödlichen Tumor an den Eierstöcken auch Anzeichen für eine Entzündung in der Lunge gefunden worden waren; auch Tuberkulose und Malaria zog man in Erwägung. Endgültig stellte sich nunmehr heraus, dass die Todesursache mit höchster Wahrscheinlichkeit Lungen-Tuberkulose war, die auch andere Körperteile (Knochen, Gallenblase) in Mitleidenschaft gezogen hatte.
wissenschaft-online
Der zugehörige wissenschaftliche Artikel ist erschienen in "Proceedings of  The Royal Society" und online nachzulesen: Tuberculosis in Dr Granvilles mummy: a molecular re-examination of the earliest known Egyptian mummy to be scientifically examined and given a medical diagnosis