ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
November 2006
30. November 2006
Pyramidenbau mit Betonquadern?

Jüngere Studien zum Gestein der Pyramiden geben angeblich Hinweise darauf, dass die Ägypter die Steinquader aus einer Art von Beton hergestellt haben, Geopolymer-Steine, gegossen aus Kalk und Bindemitteln. Sollte diese Annahme zutreffen, dann hätte dies den Bau der Pyramiden wesentlich erleichtert. Forscher untersuchten die Steinquader mit Röntgenstrahlen und Plasma-Lampen und fanden Spuren einer schnellen chemischen Reaktion.

derstandard.at



29. November 2006
Haare Ramses' II. im Internet zum Kauf angeboten

Ein französischer Briefträger, dessen Vater 1972 an der Untersuchung der Mumie Ramses' II. durch französische Experten beteiligt war, hatte Haarsträhnen und winzige Stoffproben im Internet zum Verkauf angeboten. Er wurde von der französischen Polizei der Hehlerei bezichtigt und festgenommen. Inzwischen befindet er sich wieder auf freiem Fuß und entschuldigte sich öffentlich bei den Ägyptern. Die Echtheit der Proben muss noch festgestellt werden.

derstandard.at
spiegel.de
thueringer-allgemeine.de
rheinpfalz.de



28. November 2006
Deutschland, ein Schlaraffenland für Antikenhändler

Der 2000 Jahre alte Sarkophag der Meretites hatte seit fünf Jahren im Lager einer Berliner Spedition geschlummert. Die Umstände, wie er dorthin kam, liegen im Halbdunkel. Die ägyptischen Behörden klagten auf Antikenraub und forderten den Sarkophag zurück. Sie hatten Pech. Das Berliner Landgericht wies die Klage ab und der Sarkophag sowie 300 weitere Objekte haben inzwischen den Besitzer gewechselt. Der Streitwert der Klage betrug 1,5 Mio. Euro.

Deutschland gehört leider immer noch zu den Ländern, die die Unesco-Konvention zum Kulturgüterschutz bisher nicht unterzeichnet haben. Auch entsprechende nationale Gesetze existieren nicht. Welch ein Glück für Schmuggler: alle illegal irgendwo auf der Welt außer Landes geschafften Kulturgüter gehen, sobald sie deutschen Boden erreicht haben, in den Besitz des Schmugglers oder dessen Hintermänner über. Die Gesetzgebung der Herkunftsländer ist dabei völlig irrelevant.

berlinonline.de


27./28. November 2006
A never ending story - Woran starb Tutanchamun?

Auf dem jährlichen Treffen der Radiologischen Gesellschaft von Nordamerika wurde noch einmal über die Resultate des CT-Scans der Mumie Tutanchamuns referiert. Es gab nichts anderes zu berichten als im März 2005, dass nämlich möglicherweise ein offener Bruch am Oberschenkel zu einer Entzündung oder Embolie und schließlich zum Tod führte. Und doch stürzt sich fast die gesamte Weltpresse auf das Ereignis. Was mich sehr zum Schmunzeln brachte, ist folgendes: Waren die ersten Berichte noch relativ sachlich - von kleinen Anspielungen auf den "Fluch des Pharao" einmal abgesehen, so hatten innerhalb kürzester Zeit die Medien schon den Grund für den Oberschenkelbruch herausgefunden: Der König fiel bei der Jagd oder beim Sport vom Pferd! Ein Schweizer Paläoanthropologe meint Ähnlichkeiten mit Verletzungen zu erkennen, die sich moderne Jockeys häufig zuziehen. Wenig später erfährt diese Theorie dann auch noch die Zustimmung eines Mitarbeiters der ägyptischen Altertümerbehörde.

Nach all diesen Spekulationen ist es an der Zeit, auf folgendes hinzuweisen:

Es gibt keine einzige Darstellung, die einen ägyptischen König als Reiter zeigt. Auch aus Texten ist nichts dergleichen bekannt. Der König wird stets in seinem Streitwagen dargestellt oder auf dem Boden stehend und Pfeile abschießend - sowohl bei der Jagd als auch während der Feldzüge. Es ist demnach nicht nachzuweisen, dass ein ägyptischer König jemals auf einem Pferd gesessen hätte.

Ob der Bruch tatsächlich zum Tode führte, ist nach wie vor ungeklärt. Es gibt immer noch Stimmen, die meinen, der Bruch sei - wie vieles Andere auch - von der Carter-Mannschaft bei der Freilegung der Mumie verursacht worden. Für diese Theorie spricht die Abwesenheit von Hinweisen auf ein Hämatom.

Ein Auswahl an Schlagzeilen:

CT erklärt Todesursache von Tutanchamun (der m.E. einzige wirklich seriöse Artikel zum Thema)
Radiologists attempt to solve mystery of Tut's demise
Woran starb Tutanchamun?
King Tut Wasn't Bludgeoned to Death: Study
Clues in King Tut's CT scan
Boy king may have died in riding accident
Tutenchamun starb möglicherweise nach Sturz von Pferd
Pharao starb nach Reitunfall
Mystery of Tut deepens
Did sport kill Egypt's mummy boy?
Tutenchamun starb möglicherweise am Bruch
Pharao starb nach einem Reitunfall



25. November 2006
Vulkanausbruch auf Island hatte auch Auswirkungen auf Ägypten

Ein Vulkanausbruch auf Island im Jahre 1783 war verantwortlich für niedrige Pegelstände des Nil und einer daraus folgenden Hungersnot, bei der rund 17 % der Ägypter starben. Diesen Zusammenhang fanden britische und amerikanische Forscher kürzlich heraus.

wissenschaft.de

Interessant wäre nun, ob sich zum Ende des Alten Reiches vielleicht auch ein solcher Vulkanausbruch nachweisen lässt. Es steht nach wie vor die Theorie im Raum, dass der Zusammenbruch des Alten Reiches auch mit einer Klimakatastrophe in Zusammenhang steht, die eine verheerende Hungersnot nach sich zog. Diese Theorie vertritt der ägyptische Wissenschaftler Fekri A. Hassan. Siehe dazu seinen Artikel bei Geotimes



02. November 2006
Russland möchte Ausstellung mit Stücken aus der Cachette von Deir el-Bahri

Präsident Putin machte gegenüber dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak deutlich, dass er Russland als eines der ersten Länder für eine Ausstellung mit Stücken aus der Nachgrabung in der Cachette in Deir el-Bahri ansehe. An der Mission sind russische Wissenschaftler maßgeblich beteiligt.

de.rian.ru
Grabungshomepage der Russian Academy of Science



01. November 2006
Bedeutende Papyri nach fast 100jähriger Odyssee in Berkeley eingetroffen

Vor rund 100 Jahren leitete George Reisner für die University of California, Berkeley, eine Grabungskampagne in Naga ed-Deir, bei der vier große Papyrusrollen auf einem Sarg liegend fand. Die Papyri wurden an einen deutschen Konservator gesandt, dann in Berlin während des Zweiten Weltkrieges versteckt, vor der Beschlagnahme der DDR verborgen, nach Westberlin geschmuggelt, in einem Laden versteckt gehalten und schließlich in der Schweiz eingelagert. Eine Rolle wurde in den 1930ern nach Boston gesandt, während die anderen bis in die 1960er in der Schweiz verblieben, ehe sie ebenfalls nach Boston gingen. Von dort aus traten sie nun ihre vorläufig letzte Reise nach Berkeley an. Inhalt und Alter der Papyri machen sie zu einem Schatz für die Wissenschaft. Etwa 4000 Jahre alt, enhalten sie Auszeichnungen zu Steuern, Verträgen, Projekten, also administrative Dokumente auch des Mittlereren Reichs, aus einer Zeit, über die es bisher kaum etwas Vergleichbares gibt.

Auf die Auswertung und Zugänglichkeit der Texte wird die Ägyptologie ganz sicher voller Spannung warten.

berkeley.edu
sfgate.com (mit Fotos)