ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  November 2008
23. November 2008
Der Streit um die Goldmaske der Ka-nefer-nefer
Bereits im Jahre 2006 gingen diverse Artikel zum Streit um die Goldmaske der Ka-nefer-nefer aus der Zeit Ramses' II. zwischen der ägyptischen Antikenbehörde (SCA) und dem St. Louis Art Museum durch die Medien (siehe Beiträge vom 28.03. und vom 18.05.2006). Auch nach zwei Jahren ist der Fall noch nicht ausgestanden. Offensichtlich fällt es dem SCA schwer, den Nachweis zu erbringen, dass die Maske Ägypten tatsächlich illegal verlassen hat. Und die Museumsleitung in St. Louis ist ohne einen eindeutigen Beweis scheinbar nach wie vor nicht bereit, die Maske der Ka-nefer-nefer herauszugeben. Museumsdirektor Brent Benjamin sagte, bisher habe er noch keine einzige Information, die ihn zwingen könnte, das Stück herauszugeben. Zahi Hawass (SCA) hingegen, der bereits 2006 das U.S. State Department einschalten wollte, will nun darauf dringen, dass sich das U.S. Department of Homeland Security der Sache annimmt.
iht
artinfo

17. November 2008
Polnische Mission von Deir el-Bahari wieder vor Ort
Die polnischen Wissenschaftler unter der Leitung von Zbigniew Szafranski von der Universität Warschau werden während dieser Kampagne ihre konservatorische Arbeit am Tempel der Hatschepsut fortsetzen und auch einige der Sphingen bearbeiten, die einst eine zum Tempel führende Allee säumten. Die Allee mit 70 Sphingen war einst 500 m lang und 6 m breit, berichtet Missionsmitglied Andrzej Cwiek. Leider hat keines der Monumente die Zeit schadlos überstanden; es existieren lediglich noch Fragmente, die in den 1920ern geborgen worden waren. Einige weitere Bruchstücke fand der italienische Ausgräber des Grabes von Harwa aus der 25. Dynastie, Francesco Tiradritti, im Jahre 2005 - verbaut in der Grabanlage. Inzwischen sind Fragmente von mindestens einem Dutzend Sphingen identifiziert worden. Das Material ist Kalkstein aus dem Steinbruch von Gebel Silsile. Die Köpfe der Sphingen trugen die Züge der Hatschepsut - mit mehreren unterschiedlichen Kopfbedeckungen. Neben dieser Restaurierungs- und Konservierungsarbeit wollen die Wissenschaftler noch ein bereits bekanntes Naturphänomen weiter untersuchen: Zur Wintersonnenwende trafen die Strahlen der Sonne den hinteren Bereich des Tempeln und somit einen Schrein mit der goldenen Statue des Amun-Re.
naukawpolsce

13. November 2008
CT-Scan an weiblicher Mumie im Walters Art Museum, Baltimore, USA
Bei einer Ausstellung in Baltimore ("Mummified") kann das Publikum u.a. auch die Ergebnisse der computertomografischen Untersuchung einer ca. 3.000 Jahre alten weiblichen Mumie bestaunen. Die Identität der Frau ist unbekannt, jedoch konnte man feststellen, dass sie nicht größer war als etwa 1,45 m - was selbst für ägyptische Verhältnisse sehr klein ist. Der Leichnam füllt den Sarg bei weitem nicht aus. Sie war etwa 50 bis 60 Jahre alt. Die Frau litt zu Lebzeiten an Osteoarthritis. Ihre Zähne waren in einem sehr schlechten Zustand; sie sind stark abgeschliffen und es konnten mindestens 16 Abzesse festgestellt werden. Möglicherweise war eine sich daraus entwickelnde Vergiftung die Todesursache.
explorehoward

11. November 2008
Königinnenpyramide aus der 6. Dynastie in Saqqara gefunden
Ägyptische Wissenschaftler entdeckten in Saqqara die Pyramide einer Königin aus der 6. Dynastie. Nach Aussage von Zahi Hawass könnte sie Königin Sescheschet, der Mutter des Königs Teti, zugeordnet werden.Ihr Name ist bekannt durch einen Eintrag in einem medizinischen Papyrus. In der Nähe hatte man bereits die Pyramide einer Gemahlin des Teti (wieder)gefunden, das Grab der Sescheschet war bisher jedoch noch nicht lokalisiert worden. Die Pyramide, deren oberer Teil verloren ist, erreicht noch eine Höhe von 5 m, war aber ursprünglich etwa 14 m hoch - bei einer Seitenlänge von 22 m (die Seitenlänge entspricht in etwa den Abmessungen anderer Königinnenpyramiden aus der 6. Dynastie, z.B. aus der Zeit Pepi's I. und II.). Die Verkleidung bestand einst aus Tura-Kalkstein. Funde aus der Umgebung zeigen, dass das Areal auch später, vom Neuen Reich bis zur Römerzeit, als Friedhof genutzt wurde.
reuters
guardians (mit schönen Fotos)

10. November 2008
2.000 Jahre alter Goldohrring unter Parkplatz in Jerusalem
Unter einem Parkplatz in der Nähe der alten Stadtmauer von Jerusalem haben Archäologen einen goldenen Ohrring mit Perl- und Smaragdverzierung gefunden. Das Herstellungsdatum des Schmuckstückes wird auf die Zeit zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 4. Jahrhundert n.Chr. geschätzt. Man stieß darauf, als man ein Bauwerk aus byzantinischer Zeit ausgrub. Der Ohrring zeigt Ähnlichkeiten mit Schmuckstücken, die man von Darstellungen aus der römischen Periode Ägyptens kennt.
AP

09. November 2008
Das Rätsel der Mumie "Unbekannter Mann E"
In der Cachette von Deir el-Bahari fanden Archäologen Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur diverse wiederbestattete königliche Mumien. Auch bisher nicht identifizierte sterbliche Hüllen gehörten zu den Funden, darunter auch der "Unbekannte Mann E". Der "Gesichtsausdruck" der Mumie hat verschiedentlich dazu verleitet, einen Todeskampf zu erkennen zu wollen - obwohl diese Schlussfolgerung keineswegs gesichert ist.



"Unbekannter Mann E" (Quelle: E. Smith "The Royal Mummies" 1912)

Nun soll eine erneute Untersuchung der Mumie (CT-Scan, Röntgen, Gesichtsrekonstruktion) zur Identifikation beitragen. Wegen der für ägyptische Verhältnisse höchst ungewöhnlichen Behandlung des toten Körpers wird vermutet, dass es sich um einen "Abtrünningen" handeln müsste. Der Sarg, in dem er vorgefunden wurde, trägt keinerlei Inschrift. Der Tote ist also namenlos und sollte es offensichtlich für die Ewigkeit bleiben, eine schwere Bestrafung in den Augen der Ägypter. Sein Körper war eingehüllt in ein Schaf- oder Ziegenfell, was nach Aussage des Ägyptologen Peter Brand darauf deutet, dass man ihn "unrein" bestatten wollte. Die vor mehr als 100 Jahren von Wissenschaftlern getroffene Feststellung, die Mumie des Mannes sein nicht wie üblich ihrer inneren Organe entledigt worden, stellte sich nach den Ergebnissen der CT-Untersuchung als falsch heraus. Der Leichnam sei im Gegenteil auffallend sorgfältig behandelt worden, kein einziger Knochen sei gebrochen - so die Experten. Die Vermutungen gehen dahin, dass es sich bei dem "Unbekannten Mann E" um Pentawer handeln könnte. Pentawer war Sohn Ramses' III., geboren von einer Nebenfrau. Die ehrgeizige Mutter des Prinzen war in eine Verschwörung verwickelt, die zum Ziel hatte, statt des rechtmäßigen Thronerben (Ramses IV.) ihren Sohn zur Königswürde zu verhelfen. Während des Umsturzversuches  fiel Ramses III. wahrscheinlich einem Mord zum Opfer. Auszüge aus den Gerichtsverhandlungen und Urteilsverkündungen gegen die Verschwörer sind zeitgenössischen Schriftquellen zu entnehmen.

Die vielen aktuellen Pressemeldungen sind Begleiterscheinungen zum Auftakt einer englischen Serie von TV-Dokumentationen, die die Untersuchung der Mumie zum Inhalt haben.
metro
dailymail01
dailymail02

06. November 2008
Ägypten erhält Antiquitäten aus Barcelona zurück
Drei Stücke aus dem Neuen Reich werden von Ägyptischen Museum in Barcelona an Ägypten zurückgegeben; der Transaktion waren länger Verhandlungen und eine Klage vorausgegangen. Es handelt sich um einen Männerkopf aus Basalt, die Granitbüste eines hohen Beamten sowie um ein Relief, das aus einer Wand im Grab des Kenamun in Luxor herausgebrochen worden war.
ksta
xinhuanet
kleinezeitung

06. November 2008
Ägypten möchte archäologische Zusammenarbeit mit China vertiefen
In einem Interview sagte Zahi Hawass, Generalsekretär der ägyptischen Antikenbehörde (SCA), er sei an einer engeren Zusammenarbeit mit China sehr interessiert. Anlass für das Interview waren ägyptisch-chinesische Verhandlungen bezüglich einer geplanten Ausstellung von ägyptischen Exponaten in China. Hawass betonte bei dieser Gelegenheit noch einmal, dass er nicht nachlassen werde, "Verbündete" zu finden in seinem Bestreben, gestohlene bzw. irregulär außer Landes gebrachte Antiquitäten an den Urspungsort zurückzubringen. Weiter führte er aus, dass er wiederum das Berliner Museum, den Louvre, das British Museum und das Boston Museum schriftlich kontaktiert hätte, um die in diesen Museen befindlichen berühmten Stücke als Leihgabe zu erhalten. Hinsichtlich der Rückgabe unrechtmäßig erworbener Artefakte wiederholte Hawass seine bereits früher formulierte Androhung, dass Museen, die sich weigerten, diese Stücke herauszugeben, jegliche wissenschaftliche Arbeit und selbst Besuche in Ägypten verweigert würden. Der Generalsekretär ging auch auf verschiedene Aktivitäten des SCA ein, so etwa die noch nicht aufgegebene Suche nach dem Grab von Kleopatra und Markus Antonius, die weitere Untersuchung der Großen Pyramide in Giza nach verborgenen Kammern und die DNA-Analysen an den Föten aus dem Grab des Tutanchamun. Als wahrscheinlichen Fertigstellungstermin des neuen Grand Egyptian Museum (GEM) nannte er das Jahr 2012. Zum GEM siehe auch Al-Ahram Weekly Ausgabe 920 mit einem ausführlichen Artikel.
xinhuanet

05. November 2008
UNESCO lobt Entwicklungsprojekt "Tal der Könige"
Der Generaldirektor des World Heritage Center der UNESCO, Francesco Bandarin, lobte das umfangreiche Projekt zur Entwicklunge des Tals der Könige und des Tempels von Deir el-Bahari. Diese Bewertung erfolgte anlässlich eines Treffens von Bandarin mit Zahi Hawass (SCA), bei dem es um den Schutz von archäologischen Stätten ging, vor allem um solche, die sich auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes befinden, wie etwa die Pyramiden, das Tal der Könige und der Pyramidenkomplex des Djoser in Saqqara. Es wurden dabei auch Eckpunkte abgesteckt zur Vorbereitung einer Studie über das derzeitige Entwicklungsprogramm in Karnak, im Luxortempel, hinsichtlich der Sphingenallee und des Dorfes Qurna auf der Westbank. Ein Offizieller der UNESCO beschreibt die bisher geleistete Arbeit, einschließlich der Restaurierung von 25 Häusern in Qurna, als "ein Modell für derartige Projekte weltweit".
Egypt State Information Service
plenglish

04. November 2008
Erste Sondierungen zum Unterwassermuseum in Alexandria
Ein Team des European Underwater Achaeology Institute ist damit befasst, die besten Möglichkeiten zum Bau des geplanten Unterwassermuseums in Alexandria (siehe auch Meldung vom 04.09.2008) zu untersuchen. Der Museumsbau steht unter der Oberaufsicht der UNESCO. Es existiert bereits ein Entwurf des französischen Architekten Jacques Rougerie. Die Gebäudestruktur wird eine Reihe von Plexitunneln umfassen, so dass Besucher Artefakte an Ort und Stelle betrachten können. Dabei handelt es sich um  versunkene Monumente aus pharaonischer aber auch aus ptolemäischer Zeit. Auch Relikte aus der Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Napoleon Bonaparte und den Briten werden zu besichtigen sein.
plenglish

03. November 2008
Erste offizielle Archaelogy Field School für US-Studenten in Ägypten
Normalerweise ist es ausländischen Studenten nicht gestattet, offiziell an Grabungen in Ägypten teilzunehmen. Die University of California (UCLA) jedoch wird mit der Institution der "Archaeology Field School" sowohl ausländische als auch ägyptische Studenten direkt im Feld ausbilden. Letztere werden teilweise auch auf einen späteren Dienst als Inspektoren vorbereitet. Der SCA konnte für diese Art der Ausbildung gewonnen werden. Das UCLA-Grabungsgelände befindet sich im Fayoum in der antiken Stadt Karanis und es konnten schon erste Ergebnisse der Feldarbeit gemeldet werden. Die Ausgräber fanden z.B. heraus, dass Karanis von 300 v.Chr. bis in das 6. Jahrhundert bewohnt war. Bisher war man davon ausgegangen, dass sie bereits im 4. Jahrhundert verlassen worden war.
today.ucla

03. November 2008
Kampfstätte "David gegen Goliath" lokalisiert?
Der israelische Archäologe Josef Garfinkel legte bei einer Ausgrabung im vergangenen Jahr sein besonderes Augenmerk auf einen Hügel beim Ela-Tal, Khirbet Daud (Davids Ruine). Das Ela-Tal ist in biblischer Tradition Austragungsort des berühmten Kampfes von David gegen Goliath. Die auf dem Hügel gelegene Ruine war bisher von Altertumsforschern noch nicht eingehend untersucht worden, weil man sie gemeinhin in die Zeit der Kreuzfahrer datiert hatte. Garfinkel stellte fest, dass drei archäologische Schichten existierten. Die ältesten Bauten der Festung standen direkt auf dem Fels und stammen aus der für König David angenommenen Regierungszeit (um 1000 v.Chr.). Sie wurden jedoch nach 20 bis 30 Jahren zerstört und erst 600 Jahre später von Ptolemäern wieder aufgebaut, von diesen allerdings nur zehn Jahre genutzt. Die Ausgräber fanden verkohlte Olivenkerne, die nach den Ergebnissen von C14-Untersuchungen 3.000 Jahre alt sind. 20.000 Ostraka zeigen proto-kanaanäische Inschriften, die noch auf ihre Entzifferung warten. Ein Ostrakon enthält möglicherweise den frühesten bisher gefundenen Hinweis auf einen biblischen Text (siehe nationalgeographic und sonntagsblatt); erkannt werden konnten bisher die Worte Richter, Sklave und König sowie einige Einzelzeichen. Momentan herrscht noch keine Einigkeit, ob dieser Text nicht auch vielleicht von den Philistern (um 1200 v.Chr.) stammen könnte. Knochenfunde weisen laut Garfinkel auf eine rein jüdische Besiedelung hin, denn unter den Nahrungsmittelresten wurden weder Schweine- noch Hundeknochen gefunden wie im nachgewiesenen Besiedelungsgebiet der Philister. Man fand in Khirbet Daud nur Reste von Schafen, Ziegen und Kühen. Die Keramikfunde weisen außerdem nicht auf philistäische, sondern auf jüdische Tradition hin. Zur Zeit lässt sich noch nicht eindeutig verifizieren, dass es sich tatsächlich um eine Festung o.ä. aus der Zeit von König David handelt; viele Kollegen von Garfinkel halten dagegen. Die Grabungen werden fortgesetzt, natürlich auch in der Hoffnung, schlagende Beweise zu finden.
n-tv
nationalgeographic