ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  November 2011

30. November 2011
Koptische Siedlung in Dachla freigelegt

Bei einer Routinegrabung im Bereich von Ain Al-Sabil in der Oase Dachla stießen ägyptische Archäologen auf Siedlungsreste, die auf das 4. Jhd., also in frühchristliche Zeit, datiert werden. Die Ruinen können Wohn- und Dienstgebäuden zugeordnet werden. Eines der Häuser war noch vollkommen möbliert. Auch die Hinterlassenschaft einer großen Basilika mit Säulen und einem hölzernen Altar, dekoriert mit Symbolen, die Jesus, die Jungfrau Maria, Engel und Heilige zeigen, wurde ausgegraben.
english.ahram



24. November 2011
Dokumente aus Elephantine beurkunden gemischte Ehe

Ein Dokumentenarchiv von Annania Ben-Azaria, Bediensteter des Jahwe-Tempels in Elephantine und zuständig für dessen Instandhaltung, belegt die Ehe Annanias mit einer Ägypterin namens Tamat, Tochter des Patu und Dienstmagd eines reichen Juden, Meshullam Ben-Zachor. Beurkundet und damit legalisiert wurde die Heirat allerdings erst, nachdem Tamat Mitte des 5. Jahrhunderts v.Chr. den ersten Sohn, Palti, zur Welt brachte. Den Ehevertrag schlossen der Ehemann Annania und der Dienstherr Meshullam. Letzerer blieb weiterhin Herr der Tamat, während Annania väterliche Rechte für die Dauer der Ehe zugesprochen wurden. Ein Brautpreis wurde nicht vereinbart. Falls einer der beiden Ehepartner gestorben wäre, hätte der Überlebende den gesamten Besitz geerbt. Bei einer Scheidung wäre der Sohn der beiden in den Besitz von Meshullam übergegangen. Das Archiv bezeugt die komplizierte Familiengeschichte, in der später auch die 443 v.Chr. geborene Tochter, die Eigentum des früheren Dienstherrn der Mutter wurde, eine Rolle spielt. Sie gelangte infolge von Adoption und Erbschaft zu einigem Wohlstand.
jpost



23. November 2011
Archäologie im Museum

In einem Lagerraum des Ägyptischen Museums in Kairo fanden Wissenschaftler gut erhaltene lederne Ausrüstungsgegenstände, d. h. intaktes Pferdegeschirr, Stulpen, Bogentasche und Köcher, die ursprünglich zu einem ägyptischen Streitwagen gehörten. Diese Utensilien werden sicherlich zu einem besseren Verständnis hinsichtlich des Gebrauchs von Streitwagen beitragen. Bisherige Funde bestanden lediglich aus Fragmenten, da Leder ein Material ist, das unter dem Einfluss von Feuchtigkeit schnell vergeht. Ein altes Foto, das dem auf Leder spezialisierten Wissenschaftler André Veldmeijer vom Netherlands-Flemish Institute in Kairo in die Hände fiel, brachte ihn auf die Spur ins Ägyptische Museum. Eine Anfrage bei den dortigen Verantwortlichen hatte nach einiger Zeit Erfolg und führte zum Auffinden der zu 90 bis 95 % kompletten Ausrüstung. Die Stücke zeigen Gebrauchsspuren; teilweise sind noch Nähte sichtbar, ebenso wie eine rot-grün-weiße Dekoration. Die Ägyptologin Salima Ikram stieß zudem auf einen Lederriemen, den sie als Sicherheitsgurt identifiziert.


Tutanchamun im Streitwagen - Dekoration auf einem hölzernen Bogenkasten
Replik aus der Ausstellung "Tutanchamun - Sein Grab und die Schätze", Hamburg

Veldemeijer hofft, anhand der Artefakte mehr über den Bearbeitungs- und Herstellungsprozess von Lederobjekten zu erfahren. Über die Herkunft der Stücke konnte noch nichts herausgefunden werden. Die Museumsaufzeichnungen besagen, dass ein griechischer Antiquitätenhändler sie im Jahre 1932 dem Museum übergeben hätte. Die Datierungsvorschläge schwanken zwischen der Zeit Echnatons und derjenigen Tutanchamuns.
nature



21. November 2011
Suez Nationalmuseum soll am 25. Januar 2012 eröffnet werden

SCA-Generalsekretär Mostafa Amin und der Gouverneur von Suez wollen das Museum nach dreijähriger Bauzeit anlässlich des ersten Jahrestages der ägyptischen Revolution feierlich eröffnen. Die Ausstellung umfasst die Geschichte des Suezkanals von den historischen Anfängen im Mittleren Reich bis in die Moderne, d. h. die Wiedereröffnung des Kanals im Jahr 1973 nach dem Ende der militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Ägypten.
english.ahram



10. November 2011
Petroglyphen am Ostufer des Nils etwa 15.000 Jahre alt

Unter Einsatz eines Verfahrens namens OSL (optically stimulated luminescence) konnten belgische Wissenschaftler gemeinsam mit Professor John Coleman Darnell, Yale, ermitteln, dass die östlich des Nils gefundenen Petroglyphen ca. 15.000 Jahre alt sind. Sie wären damit nicht nur die ältesten Felszeichnungen Ägyptens, sondern ganz Nordafrikas. Die Zeichnungen befinden sich in der Nähe von Edfu. Sie waren bereits in den frühen 1960er entdeckt worden, später jedoch in Vergessenheit geraten. Erst 2005 entdeckte man sie wieder. Ein aktueller Bericht über die Forschungsergebnisse erscheint in Antiquity, Vol. 85, Ausgabe 330, 1184-1193.
newhaven.edhat



02. November 2011
Mumie vorübergehend Leihgabe Ägyptens an Irland
Die ägyptische Altertümerverwaltung erklärt sich bereit eine 2.500 Jahre alte Mumie zunächst in Irland zu belassen, falls ihr Erhaltungszustand den Rücktransport nach Ägypten nicht zulässt. Das Stück hatte jahrelang unter den Dielen des University College Cork (UCC) gelegen und wurde dort im Jahre 1903 entdeckt. Nach Irland kam es wahrscheinlich um 1880/1890. Die Mumie und der sie umgebende Sarg sollen aus verschiedenen Epochen stammen, nämlich aus der Zeit um 300 v.Chr. (Mumie) und um 600/700 v.Chr. (Sarg). Die ägyptische Revolution hatte die Rückgabe des Objektes an Ägypten zunächst verhindert. Die Ägypter betonen, dass die Mumie Eigentum des ägyptischen Staates bleibe und zurückgegeben werden müsse, sofern ein Transport möglich istt.
independant