ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
 
Dezember 2006
31. Dezember 2006
Tempel von Edfu nun auch nachts zu besichtigen

Nach einer Mitteilung des Egypt State Information Service soll der Horus-Tempel in Edfu künftig auch nachts besucht werden können. Ein dort installiertes, hochanspruchsvolles Beleuchtungssystem soll dies ermöglichen. Durch die Erweiterung der Öffnungszeiten soll den Besucherstrom beherrschbarer werden.



21./27. Dezember 2006
Streit zwischen SCA und Energieministerium beigelegt

Seit einigen Wochen schon wird berichtet, dass Ägypten den Bau von Kernkraftwerken plant, um den höher werdenden Energiebedarf zu decken. Als ein Standort gilt ein Areal bei Tel Al-Dabaa, einer nicht unbedeutenden archäologischen Ausgrabungsstätte am Mittelmeer westlich Alexandria. Es wurde befürchtet, dass die Bauarbeiten die Ausgrabungen nicht nur beeinträchtigen, sondern auch, dass dort noch befindliche antike Ruinen und Artefakte, vornehmlich aus ptolemäischer Zeit, verloren wären. Der SCA bewilligte 50.000 LE für Ausgrabungs- und Sicherungsarbeiten, die vor Beginn des Kraftwerkbaus über die Bühne gehen sollen. Das Kraftwerk wird als "wichtiges nationales Projekt" angesehen, so dass eine Einigung zwischen Archäologie und Energiewirtschaft vonnöten war. Dies scheint offensichtlich gelungen, wie die Zeitung Al-Ahram Weekly in ihrer 825. Online-Ausgabe schreibt.



Details zur Stele des Bak-en-Chons

Im Daily Star Egypt wurde am 19.12.2006 ein ausführlicher Artikel zum Stelenfund in Luxor veröffentlicht. Auch ein sehr schönes Foto ist dort zu finden. Die Stele ist beeindruckend unbeschädigt, so dass der Text leicht zu entziffern sein wird. Im oberen Teil der Stele ist Pharao Sethnacht dargestellt, der Amun-Re die Maat darbringt. Hinter dem sitzenden Gott steht die Göttin Mut. Am Ende der Stele ist der Stifter Bak-en-Chons in Anbetungshaltung zu sehen. Zwischen den bildlichen Darstellungen befindet sich der 17zeilige hieroglyphische Text.



24. Dezember 2006
Tutanchamun und die Spielhölle

Der ägyptische Antikendienst hat angedroht, keine Erlaubnis für die Tutanchamun-Ausstellung im Millenium Dome in London zu erteilen. Grund ist ein Spielkasino im Las-Vegas-Stil, das demnächst in unmittelbarer Nähe der Ausstellungsräume eröffnet werden soll - im Prinzip sehr zur Freude der Londoner Stadtväter, denn große Teile des Millenium Dome stehen seit geraumer Zeit leer. Nach der Beschwerde des SCA in Sachen Pietät befindet man sich nun in einem Konflikt, den es zu lösen gilt.
timesonline



21. Dezember 2006
"Soli" für Ägypten

In einem Interview mit der Berliner Zeitung anlässlich der Lepsius-Ausstellung macht Dr. Wafaa El-Saddik, Direktorin des Ägyptischen Museum Kairo, einen interessanten Vorschlag: Alle Museen dieser Welt, die altägyptische Stücke in der Ausstellung haben, sollten aus den Eintrittsgeldern pro Besucher einen Dollar oder Euro an Ägypten abführen. Über den dortigen Verwendungszweck wird nichts gesagt.



18. Dezember 2006
Platte mit Inschrift aus der 20. Dynastie gefunden

Bei Grabungsarbeiten an der Sphingenallee zwischen Karnak und Luxor fanden Archäologen eine 170 x 80 cm große Steinplatte mit einer 17zeiligen Inschrift eines Hohepriester des Amun, Bak-en-Chons, aus der Zeit des Sethnacht, Begründer der 20. Dynastie. Die Inschrift berichtet vom Beitrag Bak-en-Chons' für die Große Halle in Karnak. Außerdem beinhaltet sie den Stammbaum des Hohepriesters und ist damit vielleicht als Puzzlestück für die Chronologie dieser Zeit von Bedeutung.


Sphingenallee im Stadtgebiet von Luxor, zum Teil ergraben (November 2004)



11. Dezember 2006
Muss Ägypten um UNESCO-Status fürchten?

Nach einer jüngeren Untersuchung der George-Wahington-Universität und National Geographic sind die wichtigsten als Weltkulturerbe deklarierten Orte Ägyptens, darunter die Pyramiden von Giza, das islamische Kairo und Theben/Luxor, in zunehmend schlechten Erhaltungszustand. Untersucht wurden die 94 wichtigsten Stätten mit Weltkulturerbestatus. Laut Studie erhielten die ägyptischen Monumente zwischen 50 und 58 von 100 möglichen Punkten. Das ist das schlechteste Ergebnis in der Region Mittlerer Osten und Nordafrika. Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent liegen hinter Ägypten nur noch die äthiopischen Felskirchen von Lalibela, deren Erhaltungszustand noch bedenklicher ist.

Es wurde hauptsächlich bemängelt, dass die wichtigsten antiken Stätten in Ägypten übermäßig touristisch ausgeschöpft und von "fliegenden Händlern" bevölkert würden.

afrol.com



05. Dezember 2006
Zufallsfund in Saqqara

Bei Reinigungsarbeiten in dem bereits im Jahre 2000 aufgefundenen Grab eines königlichen Arztes, Qar (6. Dynastie), fanden ägyptische Wissenschaftler einen bemalten anthropoiden Sarkophag mit der gut erhaltenen Mumie eines bisher nicht identifizierten Mannes aus der Spätzeit (wohl 30. Dynastie). Die Mumie trägt eine vergoldetete Maske und Malereien, die in verschiedene Register eingeteilt sind. Das oberste Register zeigt einen breiten Kragen mit Reihen von bunten Perlen und die Göttin Maat mit ausgebreiteten Flügeln, darunter fortlaufend das Tjt- und das Djed-Symbol. In der zweiten Reihe ist Chepri mit der Sonnenscheibe zu sehen und Anubis, der den Verstorbenen auf einem Löwenbett einbalsamiert, unter dem Bett die Kanopen mit den vier Horussöhnen als Deckel. Die Füße des Verstorbenen sind sorgfältig auf die Kartonage am unteren Teil aufgemalt.

 

Sarkophag und Mumie scheinen nicht zusammenzugehören. Der Sarg ist eigentlich zu klein für die sterblichen Überreste. Er weist an der rechten Seite einen Bruch auf und man kann annehmen, dass die Mumie in Eile hinein verbracht wurde. Wie viele andere alte Gräber in Saqqara, wurde auch das Grab des Qar in späterer Zeit wiederverwendet. Man fand außer dem Sarkophag auch 22 Bronzestatuen verschiedener Götter, darunter Ptah, Harpokrates und Isis. Auch eine Statue des Imhotep war unter den Funden.
Al-Ahram weekly 823 (mit Foto der Mumienmaske)



04. Dezember 2006
Tempel unter Besiedlungsschicht in der Provinz Sohag gefunden

Bei illegalen Grabungen in Nag' Mashaykh, Markaz Dar al-Salam, Sohag, soll ein Bauer unter einer alten Fabrik auf einen antiken Tempel aus dem Neuen Reich gestoßen sein. Geweiht ist das Bauwerk dem Gott Onuris und seiner Gemahlin Mehit. Die Bauphasen sollen unter Amenophis II. und Ramses II. erfolgt sein. Die bisher freigelegten  Reste weisen sowohl Inschriften als auch colorierte Reliefs auf. Die ägyptischen Antikenbehörde hat das Gelände zunächst gesichert und jeglichen Zutritt verboten. Weitere Einzelheiten wurden bisher nicht veröffentlicht.
ansamed.info



01. Dezember 2006
Amun-Tempel in Naga an sudanesische Kulturbehörde übergeben

Seit gut zehn Jahren gräbt ein Team des Ägyptischen Museums Berlin in Naga. Die Arbeiten am Amun-Tempel sind nunmehr soweit abgeschlossen, dass das Monument offiziell und feierlich den sudanesischen Behörden übergeben werden konnte.
Tempelübergabe


Anfang Dezember 2006
Fund von Artefakten in Deir el-Bahri

Schon Ende November meldete der Egypt State Information Service den Fund von polnischen Archäologen. Bei ihren Arbeiten am Tempel der Hatschepsut fanden sie zahlreiche Stücke (Ostraka, Keramik, Uschebtis, koptische Papyri, Relieffragment eines Nemes von Tuthmosis III.). Näheres geht aus dem kleinen Artikel leider nicht hervor.



02. Dezember 2006
Die Bewohner von Qurna müssen endgültig weichen

Nach Angaben von Offiziellen sollen nun die Bewohner von Qurna in Theben-West endgültig zur Umsiedelung gezwungen werden, um die Gräber, auf denen das Dorf erbaut wurde, vor weiterer Zerstörung zu bewahren. Die Beseitigung der Besiedelung ermöglicht es den Archäologen außerdem, die bisher nicht zugänglichen Gräber unter den Wohnhäusern wissenschaftlich zu untersuchen.

Inzwischen sollen bereits Bulldozer am Werk sein, um die unbewohnte Häuser niederzureißen. Viele der Einwohner haben schon Haus und Hof verlassen und sind umgezogen in die neu erbaute Siedlung in Tariff. Seit Jahrzehnten versuchen die Behörden, die Bewohner von Qurna zum Umzug zu bewegen. Es bleibt abzuwarten, ob es diesmal wirklich gelingt.
news.bbc.co.uk
iht.com
nytimes.com



01. Dezember 2006
Neuer Anlauf für Roboter in der Großen Pyramide

Im Februar nächsten Jahres soll ein neuer Roboter, eine englisch-chinesische Entwicklung, zur Schachtuntersuchung eingesetzt werden.
english.people.com