ÄgyptologieNewsPaper
Redaktion und Texte (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde
  Dezember 2007
27. Dezember 2007
Farouk Hosni für UNESCO nominiert

Der Egypt State Information Service meldet, dass der sudanesische Minister für Kultur die Nominierung von Ägyptens Kultur-Minister Farouk Hosni zur Leitung der UNESCO unterstütze und begrüße. Leider geht aus der Pressemeldung nicht hervor, für welche genaue Position an der Spitze der Organisation Hosni nominiert ist. Director General der UNESCO ist seit 1999 der Japaner Koichiro Matsuura.

27. Dezember 2007
Symposium zu Mumien-Ausstellung in Mannheim

Am 8. und 9. Februar 2008 wird im Rahmen der aktuellen Ausstellung "Mumien - Der Traum vom ewigen Leben" in Mannheim ein Symposium "Mumien in Museen" stattfinden, das einen Gedanken- und Informationsaustausch  insbesondere zu ethischen Aspekten zum Inhalt haben soll. Spezialisten aus dem In- und Ausland werden mit ihren Beiträgen für Anregung sorgen. Dietrich Wildung, Direktor des Ägyptischen Museums Berlin, gehört zu den geladenen Gästen. Er hatte die Ausstellung heftig kritisiert und sich generell gegen die öffentliche Ausstellung von Mumien ausgesprochen.

damals

25. Dezember 2007
Urheberrecht für Pyramiden und andere ägyptische Monumente

Ägypten möchte sich das alleinige Recht an der Reproduktion von Pyramiden und anderen Altertümern durch die baldige Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes sichern. Das neue Gesetz soll die Anfertigung hundertprozentiger Kopien verbieten, wobei ägyptische Künstler davon nicht betroffen sein werden. Samir Farag, Vorsitzender des Stadtrates von Luxor, sieht es als problematisch an, ein solches Kopierverbot durchzusetzen.

afp (deutsch)
afp (englisch)
iol

23. Dezember 2007
Die Suche nach dem Grab des Imhotep

Der schottische Archäologe Ian Mathieson, Direktor des Saqqara Geophysical Survey Project, fand in Saqqara zwei riesige Strukturen, die - wie er glaubt - zur Grabanlage des Imhotep, des Baumeisters der Pyriamide des Djoser, gehören könnten. Mathieson lässt das Gelände in der memphitischen Wüste seit 1990 systematisch geophysikalisch untersuchen, d.h. ohne Grabung von der Oberfläche aus scannen. Nun wurden zwei große Gräber geortet. Das größte misst 90 x 50 m und hat Mauern von 5 m Stärke. Die Größe des zweiten direkt daneben liegenden Grabes beträgt zweite 70 x 50 m, ebenfalls mit starken Mauern und einer komplizierten Struktur, die auf einen Vorhof oder gar Tempel schließen lässt. "Hier wurde alles miniaturisiert", sagt Mathieson. Vielleicht hätte Imhotep bei seiner Grabanlage den Pyramidenkomplex des Djoser nachgebildet. Ein Mann in seiner Position hätte sich so etwas ohne weiteres leisten können.

Obwohl der Fund bereits im letzten Jahr gemacht wurde, hat Mathieson mit der Veröffentlichung bis jetzt gewartet, da er zunächst die übliche Publikation für die Antikenverwaltung anfertigen und abliefern musste. Momentan herrscht leider ein fünfjähriges Grabungsverbot auf dem Areal. Aber möglicherweise ändert der SCA nach den jüngsten Ergebnissen von Mathiesons Team seine Meinung.

sundaypost

23. Dezember 2007
Nil bei Luxor floss einst wahrscheinlich weiter östlich

Durch die Ausgrabungsarbeiten vor dem ersten Pylon in Karnak konnte eventuell der Nachweis erbracht werden, dass der Nil vor etwa 3.000 Jahren direkt am Tempel vorbeifloss und dieser nicht - wie eine Darstellung im Grab des Beamten Neferhotep vermuten lässt - über ein Hafenbecken und einen Kanal mit dem Fluss verbunden war. Eine Kaimauer, die offenbar zugleich als Schutzdeich gegen Überflutung diente, verlief mehr oder weniger direkt vor dem Tempel. Sie war ca. 7 m hoch und 2,5 m stark. Als man in den 1970ern einen Teil der Mauer ausgrub, ging man noch davon aus, dass es sich um die Rückwand des Hafenbeckens handelt. Durch die neuen Funde muss diese Theorie ad acta gelegt werden. Das Becken aus dem Grab des Neferhotep wird vielleicht an anderer Stelle existiert haben. Möglicherweise hat man es zugeschüttet, als eine Tempelerweiterung anstand. Es wurde daraufhin eine Anlegestelle direkt am Ufer des Nil angelegt. Dafür sprechen auch die Ergebnisse von Sedimentuntersuchungen. Es fanden sich abwechselnd Silt- und Sandschichten, die für ein fließendes Gewässer sprechen. Nach den Inschriften wurde mit den Arbeiten während der 22. Dynastie (945 - 715 v. Chr.) begonnen. Fertiggestellt war die Anlage dann erst Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. Die Anlegestelle mit Rampe stammt aus der Zeit des Taharqa (spätes 7. Jahrhundert v. Chr.); sie diente vielleicht als persönlicher Zugang des Königs, über den er von seinem Schiff aus direkt den Tempel betreten konnte.




Beginn der Inschrift an der Rampe
mit der Kartusche des Taharqa

Inschriftendetail: das Wort nwy
"Gewässer für die Schifffahrt"

Grabungsgelände vor dem Karnak-Tempel. Anbringungsort der Inschrift siehe roter Pfeil

Durch die neuen Erkenntnisse, nämlich einen ganz anderen Flussverlauf, ändert sich nicht nur das Bild, das man sich bisher vom Tempel selbst gemacht hat, sondern vielleicht sogar die komplette Siedlungsstruktur des alten Theben, ja sogar das gesamte Landschaftsbild. Außerdem bestehen berechtigte Hoffnungen, bei weiteren Ausgrabungen auch auf Reste von Schiffen, eventuell sogar von Zeremonialbarken zu stoßen.

Die Ausgrabungsarbeiten brachten außerdem zwei öffentliche Bäder und einen Krug mit Münzen aus ptolemäischer Zeit - sie zeigen Ptolemäus I., II. und III. - zum Vorschein. Eines der beiden als Rundbau angelegten Bäder enthält ein aufwändiges Bodenmosaik und bot Sitzplätze für 16 Personen. Das zweite, bisher nur teilweise ausgegrabene Bad verfügte ebenfalls über Sitzplätze, gesäumt von Delphinstatuetten. Die Bäder könnten entweder zur Reinigung vor dem Betreten des Tempels gedient haben oder, so eine andere Lesart, an dieser Stelle hat ein größerer Wohnbezirk existiert als bisher angenommen.

zeenews

23. Dezember 2007
Pharaonische Inschriften tief in der libyschen Wüste

Die Forscher Mark Borda, Malta, und Mahmoud Marai, Ägypten, haben tief in der libyschen Wüste, ca. 700 km westlich des Nildeltas, offensichtlich bedeutende Inschriften gefunden. Über den genauen Fundort schweigt man sich vorerst noch aus, um ihn vor unauthorisierten Besuchern zu schützen. Bei den Inschriften handelt es sich um hieroglyphische Texte, eine Königskartusche, eine Darstellung eines Königs und weitere ikonografische Hinterlassenschaften. Der Fundort liegt jedoch weit jenseits der bisher angenommenen Reichweite altägyptischer Expeditionen; als entferntester Außenposten galt "Djedefre's Wasserberg", ein Ort, den  Carlo Bergmann 160 km südwestlich von Dachla entdeckte. Die jetzt gefundenen Inschriften liegen noch weitere 650 km weiter in der Wüste. In London wurde inzwischen eine vorläufige Entzifferung der Texte vorgenommen. Man fand Hinweise darauf, dass sie im Land Yam erstellt wurden. Yam erscheint als Handelsparter in Inschriften aus dem Alten Reich, zum Beispiel in einer Biografie des Gaufürsten Herchuf in dessen Grab in Aswan. Es war bisher jedoch unsicher, wo genau das Land Yam anzusiedeln ist. Man vermutete es vage irgendwo in Nubien. Die neuen Inschriften scheinen darauf hinzudeuten, dass der Fundort mit dem Land Yam identisch ist. Obwohl der Fundort aus o.g. Gründen nicht näher definiert wird, passt die etwaige geografische Lage in den Kontext der Biografie des Herchuf: Bei dessen dritter Handelsexpedition auf der "Thinitischen Route der Oasen" traf er den ihm bereits von früheren Expeditonen bekannten Herrscher von Yam nicht an, da dieser sich auf einem Feldzug gegen die Libyer befand.

Für Februar 2008 planen die Wissenschaftler, Ägyptologen und Journalisten an den Fundort zu führen. Spätestens dann wird man wohl mehr zu diesem Fund erfahren, der sich in der Tat als Sensation erweisen könnte.

independent

20. Dezember 2007
Die Mumie der Hatschepsut - ein Problemfall

Auch Monate nach der Ankündigung, man habe die Mumie der Hatschepsut identifiziert, sind die Analysearbeiten noch nicht abgeschlossen und der letzte sichere Beweis zur Bestätigung der Identifikation fehlt nach wie vor. Man spricht von "hoher Wahrscheinlichkeit", vermeidet aber das Wort "endgültig". Es scheint, als würden die Wissenschaftler ihre Zweifel an der voreiligen Berichterstattung über derartige und ähnliche Untersuchungen nicht verbergen. Bisher war in keinem seriösen Wissenschaftsjournal etwas über Ergebnisse bzw. Zwischenergebnisse zu lesen. Lediglich die publikumswirksamen Veröffentlichungen des Discovery Channel lieferten Informationen. Die DNA-Untersuchungen an der wahrscheinlichen Mumie der Hatschepsut wurden bisher von nur einem Labor durchgeführt. Zur wissenschaftlichen Untermauerung der Ergebnisse ist mindestens eine unabhängige Gegenprobe erforderlich, die aber noch aussteht. Und solange das so ist, werden die Untersuchungsergebnisse von der Welt der Wissenschaft nicht anerkannt.

Das derzeit in Ägypten arbeitende, brandneue DNA-Labor ist eine Stiftung des Discovery Channel - gegen Exklusivrechte in der Berichterstattung. Zahi Hawass steht nach eigenen Angaben mit verschiedenen Unternehmen in Kontakt, um mit einem ähnlichen Deal zu einem zweiten DNA-Labor zu kommen.

ctv
pr-inside

20. Dezember 2007
Längerer Artikel über die 100-Jahr-Feier des DAIK in Al-Ahram Weekly 876


Al-Ahram berichtet u.a. über die den Feierlichkeiten vorangegangene Pressekonferenz. Zahi Hawass kündigte an, eine deutsch-ägyptische Arbeitsgruppe solle eingesetzt werden, um die Reisetauglichkeit der Nofretete-Büste noch einmal zu prüfen. Nach wie vor sind die Ägypter sehr daran interessiert, die Büste leihweise für einige Monate im eigenen Land ausstellen zu können. Hawass berichtete weiter, der Louvre hätte Ägypten jedes andere Exponat als Leihgabe angeboten, jedoch nicht den Zodiac von Dendera, der im Museum in eine Deckenkonstruktion eingelassen sei (Foto); eine Demontage würde zu Schäden führen. Ähnliche Kompensationsvorschläge gäbe es vom Boston Museum of Fine Arts hinsichtlich der Statue des Anchaf, während das Roemer-Pelizaeus-Museum in Hildesheim zwischenzeitlich der Ausleihe der Statue des Hemiunu zugestimmt hätte.

Im übrigen würdigte Hawass die Bedeutung der deutschen Ägyptologen und Archäologen in Ägypten, die einst der jungen Wissenschaft aus den Kinderschuhen geholfen haben - was sich, neben vielen anderen Projekten, nicht zuletzt bis heute in der Arbeit des DAIK niederschlägt.


17. Dezember 2007
Forschungsfortschritt zur Untersuchung von Mumiengewebe

Bisher war es problematisch, Gewebe von Mumien zu untersuchen. Es war stets erforderlich, die trockene Substanz anzufeuchten, was irreparable Schäden verursachen konnte. Schweizer Forscher haben nunmehr ein Verfahren entwickelt, das ohne den Zusatz von Feuchtigkeit auskommt, das bildgebende Magnetresonanz-Verfahren (MRI) mit einer neu entwickelten Software. Die versuchsweise Anwendung des Verfahrens an einer peruanischen Mumie und an ägyptischen Mumienteilen verlief erfolgreich.

standard
NZZ
innovations-report

16. Dezember 2007
Wiederbelebung altägyptischen Glashandwerks für die Wissenschaft

Ein Team von Archäologen hat einen antiken ägyptischen Glasbrennofen nach altem Vorbild rekonstruiert und die Herstellung von Glas mit lokalem Sand erprobt. Paul Nicholson, Egypt Exploration Society, hatte mit seinen Kollegen in Amarna Reste einer Glasproduktionsstätte aus der Zeit Echnatons entdeckt und die Rekonstruktion entsprechend nachempfunden. In Amarna muss es eine bedeutende Glasindustrie und andere Werkstätten zur Herstellung von Gütern unter Verwendung hoher Brenntemperaturen gegeben haben. Auch eine Töpferwerkstatt und Einrichtungen zur Herstellung von Waren mit blauen Pigmenten und Fayence wurden freigelegt. Bisher wurde vermutet, die Ägypter hätten noch vor 3.000 Jahren Glas aus dem Nahen Osten eingeführt. Durch den Fund und die experimentelle Glasherstellung konnte der Beweis geführt werden, dass Glas aus eigener Herstellung verwendet wurde.

indianmuslims

15. Dezember 2007
Rettungsaktion für die Reste des Leuchtturms von Alexandria

Ägyptische und französische Fachleute trafen eine Vereinbarung zur gemeinsamen Rettung und Sicherung der Überbleibsel des berühmten alexandrinischen Leuchtturms. Dem Abkommen voraus ging ein erfolgversprechendes Gutachten. Die meisten der alten Leuchtturmblöcke wurden bisher im Osthafen unter Wasser aufgefunden und man wird nun die restlichen Blöcke zu lokalisieren und zu heben versuchen. Das Projekt ist auf eine Dauer von drei Jahren angesetzt.

Egypt State Information Service

12. Dezember 2007
Erste Baustufe des Echnaton-Museums abgeschlossen

Die erste Baustufe des Echnaton-Museums in El-Minja wurde mit einem finanziellen Aufwand von 47 Mio. LE zwischenzeitlich abgeschlossen. Sie umfasst den Neubau des Museums in Form einer Pyramide mit 14 Ausstellungsräumen, einer Restaurierungsschule, einem Verkaufsareal, einem Theater und einer Cafeteria. Der nun folgende zweite Schritt wird sich mit der technischen Infrastruktur und der Einrichtung der Laboratorien befassen, bis schließlich mit der Bestückung des Museums mit Exponaten begonnen werden kann.

Egypt State Information Service

11. Dezember 2007
Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung

Philipps-Universität Marburg, Dr. Viola Düwert, 11.12.2007

Centrum für Nah- und Mittelost-Studien (CNMS) der Philipps-Universität Marburg ist heute offiziell eröffnet

Das Centrum für Nah- und Mittelost-Studien (CNMS) der Philipps-Universität Marburg ist am 11.12.2007 offiziell eröffnet worden. Im Gegensatz zu anderen Orientzentren in Deutschland verbindet es Sprach- und Kulturkompetenz mit gegenwartsbezogenen sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Kenntnissen. Die Zahl der Professuren wird von zwei auf sieben erhöht, insgesamt werden hier 20 Personen arbeiten.

Das Marburger CNMS bezieht eine Vielzahl von Fächern ein: Neben den Sprach-, Literatur- und Geschichtswissenschaften werden Arabistik, Iranistik sowie Politik und Wirtschaft des Nahen und Mittleren Ostens als neue Fachgebiete eingerichtet. Die Zahl der Professuren wird von zwei auf sieben erhöht, insgesamt werden hier 20 Personen arbeiten. "Diese Vielseitigkeit wird das Profil des Centrums für Nah- und Mittelost-Studien prägen und damit auch die Internationalität der Marburger Universität weiter stärken", hob der hessische Wissenschaftsminister Udo Corts bei der Feier hervor. Die Studierenden erhielten mehr als früher in diesen Studiengängen üblich eine Vorstellung darüber, wo und wie sie ihre erworbenen Kenntnisse in Zukunft anwenden könnten. Der Bezug zu globaleren Arbeitsorten und die Möglichkeiten, über die klassischen Arbeitsfelder der Orientalisten hinaus auch weiter im Fach tätig sein zu können, erhöhe die Attraktivität des Studiengangs. Schon jetzt verzeichne man mit dem Anstieg der Studierendenzahlen von 35 im Wintersemester 2004/2005 auf 97 im Wintersemester 2007/2008 eine für das Fach Orientwissenschaft ungewöhnliche Steigerungsrate.

Universitätspräsident Prof. Dr. Volker Nienhaus verwies darauf, dass es mit dem im CNMS vertretenen Fächerspektrum möglich sein werde, eine moderne und attraktive multidisziplinäre Lehre anzubieten und Forschung zu betreiben; auch für Beratungsaufgaben sei man bestens gerüstet. Die Verbindung von Sprach- und Kulturkompetenz mit sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Kenntnissen werde den Absolventen des CNMS vielfältige Berufsfelder erschließen und Karrierewege eröffnen.

2005 hatte die Philipps-Universität Marburg mit der Universität Bagdad als der größten und bedeutendsten Hochschule des Irak ein Kooperationsabkommen geschlossen, das ihr die Position eines privilegierten Partners für den weiteren Ausbau der
Wissenschaftsbeziehungen zwischen der Universität Bagdad und anderen deutschen Universitäten einräumt. In diesem Jahr folgte das Kooperationsabkommen mit der größten syrischen Hochschule, der Universität Damaskus. Die Organisation internationaler Konferenzen ist ein weiteres Anliegen des Centrums für Nah- und Mittelost-Studien; so ist es bereits gelungen, den Deutschen Orientalistentag 2010 nach Marburg zu holen.

Nach dem Gießener Osteuropazentrum ist das Marburger Zentrum nun als zweites Institut eröffnet worden. In Frankfurt entsteht ein Interdisziplinäres Zentrum für Ostasienwissenschaften. "In den Zentren entstehen ganze Forschungsbereiche neu, und diese bieten dem in diesen Fächern stark vertretenen wissenschaftlichen Nachwuchs ad hoc eine gute Entwicklungsmöglichkeit", sagte Staatsminister Corts.

In den Regionalwissenschaften war wiederholt festgestellt worden, dass die vorhandene Ausstattung - in der Regel mit Ein-Personen-Professuren - der Breite und der im Rahmen der Globalisierung zunehmenden Bedeutung dieser Fächer nicht entspricht. Diese Fächer haben zu wenig Studierende, deren Zahl allerdings nach Einführung der so genannten
leistungsorientierten Mittelvergabe für die Finanzierung ausschlaggebend ist. Folglich mussten die Universitäten für den
einzelnen Studierenden in diesen Fächern ein Mehrfaches von dem aufwenden, was sie tatsächlich dafür bekommen konnten.

Die Frage, wie die Zukunft der in ihrer Existenz bedrohten kleineren geisteswissenschaftlichen Fächer in Zeiten knappen Geldes garantiert werden kann, ist mithin Ausgangspunkt des Konzepts zur Bildung geisteswissenschaftlicher Zentren, das Wissenschaftsminister Corts in Abstimmung mit den Präsidenten der Universitäten Frankfurt, Gießen und Marburg vorgeschlagen hatte: "Nur so können wir die Kontinuität der Regionalwissenschaften in den Sprach- und Kulturwissenschaften sichern." Alle Fächer blieben erhalten, aber nicht mehr an jedem einzelnen Standort. "Dass wir in Hessen dabei auf gutem Weg sind, haben auch die jüngsten Empfehlungen des Wissenschaftsrats zu den Regionalstudien an den deutschen Hochschulen gezeigt."

Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützt die Zentrenbildung bis zur Evaluation 2010 mit insgesamt rund 14 Millionen Euro. Allein für den Aufbau des Centrums für Nah- und Mittelost-Studien werden bis dahin 1,2 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung gestellt. In den Jahren 2009 und 2010 werden die Zentren evaluiert und damit auch von einer internationalen Fachwelt überprüft. Staatsminister Corts hob hervor, dass es in den Diskussionen über die Zentrenbildung praktisch kein Argument gegeben habe, das von Ministerium und Universitätsleitungen außer Acht gelassen worden wäre. "In einer regen Auseinandersetzung mit den Präsidenten, den Professoren und vor allem auch mit der einhelligen Unterstützung des
Hessischen Landtags sind die Zentren auf die Beine gestellt worden." Im Hinblick darauf, dass vereinzelte Klagen von Studierenden und Professoren gegen das Konzept von den Gerichten abgewiesen worden waren, fügte er hinzu, das Projekt sei auch juristisch anerkannt.

"Der Transfer der Orientbibliothek von Frankfurt nach Marburg ist gesichert", sagte der Minister: Bis 15. Februar 2008 würden die wesentlichen Bestände, die die Universität Marburg benötige, umziehen. "Forschung und Lehre, die neuen Berufungen und die neuen Projekte sind damit in eine Arbeitssituation versetzt, wie sie besser nicht seien könnte."

Die neuen Räume des CNMS in unmittelbarer Nachbarschaft der Elisabethkirche in Marburg sind ein weiterer wesentlicher und
wichtiger Faktor für das neue Zentrum.

Weitere Informationen:
Homepage des CNMS: www.uni-marburg.de/cnms
Ansprechpartnerin: Dr. Leslie Tramontini, Geschäftsführerin des Centrum für Nah- und Mittelost-Studien Deutschhausstr. 12, 35032 Marburg, Tel. 06421 28- 24946, E-Mail: cnms@staff.uni-marburg.de

Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter http://idw-online.de/pages/de/news239818

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter http://idw-online.de/pages/de/institution376
 
Informationsdienst Wissenschaft e.V. - idw - http://idw-online.de

10. Dezember 2007
CT-Scan einer Mumie mit neuester Technologie

Die 3.000 Jahre alte Mumie des Nesperennub aus dem British Museum wurde im University College Hospitalto einer Computertomografie unterzogen. Das Gerät des Hospitals ist in dank neuester Technologie (NHS) in der Lage, bis zu 6.000 individuelle Bilder in einer Stärke von nur 0,6 mm zu erzeugen. Man wollte mit der Untersuchung mehr über die in Leinen und Stuck gehüllte Mumie erfahren, vor allem über am Körper befindlichen Schmuck. Die Mumie des Nespersennub wurde in den 1890ern in Luxor gefunden und 1899 nach England verbracht. Ergebnisse wurden bisher nicht publiziert.

ukpress

07. Dezember 2007
Italien beteiligt sich an Restrukturierung des Ägyptischen Museums Kairo

Ägypten und Italien trafen eine Übereinkunft mit dem Ziel, das alte Ägyptische Museum am Tahrir Square in Kairo gemeinsam zu restrukturieren. Die Arbeiten werden im Hinblick auf die Umsiedlung diverser Exponate in das neue Grand Museum in Giza (voraussichtlich 2011) vorgenommen werden. Der Finanzaufwand wird 1,319 Mio. Euro betragen. Das alte Museum soll von innen und außen "generalüberholt" werden, auch in Bezug auf die Sicherheitssysteme. Außerdem sind Fortbildungsmaßnahmen für die wissenschaftlichen Museumsmitarbeiter vorgesehen.

Egypt State Information Service

06. Dezember 2007
Alte nahöstliche Getreidesorten in China

Archäologen fanden in China Getreidesorten, die dort von Natur aus nicht vorkommen. Mit der Radiocarbonmethode wurden sie auf etwa 2650 v. Chr. datiert; Herkunft ist der Nahe Osten. Diese Erkenntnis könnte auf sehr frühe Kontakte zwischen dem Nahen und dem Fernen Osten hinweisen - lange vor Aufnahme des Handels über die Seidenstraße, der wahrscheinlich erst ab etwa 200 v. Chr. stattfand.

radioaustralia